Endlich wieder werkeln

Zeena Shah: Stempel Stoffdesign. Über 20 Anleitungen  für handbedruckte Accessoires.

Annette Danielsen: Gestrickt wie getöpfert.

Krista Aasen: Das Deko-ABC. 35 außergewöhnliche Buchstabenelemente gestalten.

Elisabeth Morgenstern: Einfach kreativ. Werkeln und Dekorieren auf dem Land.

 Tatsächlich erscheint es ewig, Examen hin oder her, dass ich auch nur über neue Projekte nachgedacht habe. Wenn ich nun gleich vier DIY – Bücher in Händen halte, geht es mir wie nach einer langen Diät: welche Torte mag ich wohl am liebsten!? Egal, mit Zeena Shahs Stempel Stoffdesign, Annette Danielsens Gestrickt wie getöpfert, Krista Aasens Das Deko-ABC und Elisabeth Morgensterns Einfach kreativ. Werkeln und Dekorieren auf dem Land genieße ich gleich alle Geschmäcker auf einmal.

Erschaffen

Das schöne am Stoffdruck ist ja das Gefühl, total originäre Dinge erschaffen zu können. Schön auch für mich, weil viele Ballen alter Bettwäsche nur darauf warten, verschönert zu werden. Zeena Shahgeht in  Stempel Stoffdesign einen geraden Weg zum einfachen Entwurf mit kleinen Abstechern in die professionelle Praxis. Wer also über die Kartoffel hinaus und in den Siebdruck hineinwachsen will, ist bei ihr genau richtig.

Am besten finde ich, dass sie Drucktechniken mit konkreten Projekten verbindet. Nackenrollen, Geschirrtücher, Taschen, Kissen: alles kann man irgendwie brauchen oder verschenken. Meist auf weißgrundigem Stoff (ich sage nur: Bettwäsche), erhalten ihre Projekte einen dezenten, modern grafischen Anstrich. Wer mag, kann in nur wenigen Stunden starten, die Einführung in Färbemittel, Stoffe und Techniken gibt einen schnellen Überblick.

Fühlen

Annette Danielsenübertrifft sich in  Gestrickt wie getöpfert wieder einmal selbst. Darf man so etwas sagen? Strickdesign lebt von der Haptik, der Lust am Fühlen. Danielsen nimmt sich für jedes ihrer Bücher ein Thema vor. Diesmal ist es eine Korrespondenz zwischen Strickdesign und Keramik. Große Gegensätze begegnen sich – Keramik ist kühl und rau, Strickpullover sollen warm und weich sein. Doch wie immer gelingt Danielsen der Spagat mühelos.

Dabei kommen fünfzehn Designs heraus, bei denen Danielsen sich jeweils ein getöpfertes Werkstück ganz genau ansieht und anschließend in ein Strickdesign überträgt. Die entstehenden Jacken und Pullover sind in jeweils vier Größen strickbar, ähneln frappierend dem keramischen Werkstück und sind doch eine total eigene Interpretation der jeweiligen Oberflächen. Es resultiert eine Strickmode, die dezent, elegant und zeitlos ist. Perfekt also für die Ewigkeit.

Benennen

Krista Aasen befasst sich in Das Deko-ABC. 35 außergewöhnliche Buchstabenelemente gestalten mit dem Element, das uns seit unserer Grundschulbildung ständig begleitet: Buchstaben. Das Prinzip, das sie anwendet, ist stets das Gleiche. Was die Nachahmung einfach und langweilig gleichzeitig macht. Weil ich auf Nutzbarkeit fixiert bin, stoße ich hier an meine Grenzen. Aber: wer immer ein hübsches Geschenk sucht und einen Namen oder ein bedeutungsvolles Wort kreativ gestalten möchte, bei Aasen wird gezeigt, welche Möglichkeiten es dafür gibt.

Dabei nimmt sie sich verschiedene Einrichtungsstile von elegant bis maritim vor und gestaltet entsprechend ihre Buchstaben. Zubehör findet sich im Alltag, im Bastelgeschäft, im Onlineversand und in den Erinnerungen der Werkenden. Von Fotos bis hin zu Treibholz wird alles verwendet, was auf die Buchstabenrohlinge aufgebracht werden kann. Aasen ist Perfektionistin, das erkennt man auch an den Erklärungen, die sie den einzelnen Projekten voranstellt. Entsprechend professionell ist das Ergebnis.

Leben

Einfach kreativ. Werkeln und Dekorieren auf dem Land ist eine Hommage an das Leben. Angelehnt an die vier Jahreszeiten und die darin gelebten Bräuche bieten die Autorinnen einen Parforceritt durch alle ländlich inspirierten Zeitschriften der letzten Jahre. Vieles wird man wiederentdecken. Aber vielleicht ist für Nicht -Abonnenten gerade die Bündelung ländlich kreativer Werke verlockend. Wer mag, kann sich mit unterschiedlichsten Werktechniken auseinandersetzen.

Von Floristik bis zur Näherei: alles ist enthalten, wenn es darum geht, das eigene Zuhause mit möglichst simplen Mitteln schön und gemütlich zu gestalten. Dabei steht Verspieltheit und Romantik im Vordergrund, Verfechter der dezenten Moderne dürfen ihre Anregungen aus anderen Quellen schöpfen. Grundprämisse ist, dass die Werkstücke tatsächlich leicht nachzuarbeiten sind. Dies ist durchweg gewährleistet und so muss eigentlich nur noch gewerkelt werden.

Titelangaben:

Zeena Shah: Stempel Stoffdesign. Über 20 Anleitungen  für handbedruckte Accessoires.

Münster: LV Buch, 2018. 128 Seiten. 7.70 €.

Annette Danielsen: Gestrickt wie getöpfert.

Münster: LV Buch, 2021. 104 Seiten. 26 €.

Krista Aasen: Das Deko-ABC. 35 außergewöhnliche Buchstabenelemente gestalten.

Münster: LV Buch, 2019. 162 Seiten. 15,99 €.

Elisabeth Morgenstern: Einfach kreativ. Werkeln und Dekorieren auf dem Land.

Münster: LV Buch, 2020. 120 Seiten. 22 €.

Neu Gelesen

Jenniffer Taylor: Ran an die Nähmaschine! Schritt für Schritt und ganz entspannt zur eigenen Kleidung.

Kerry Bogert: Coffeehouse Knits. 20 Strickideen inspiriert von Latte Macchiato und Espresso.

Kerstin Neumüller: Verflickt und zugenäht. Kleidungsstücke ausbessern und verschönern.

Stoff und Nadel

Lockdown, Miesepeterwetter und Aufräumwahn schreien geradezu nach kreativem Ausgleich. Der gelingt bestimmt, wenn man sich mit Jenniffer Taylor an die Nähmaschine wagt. In Ran an die Nähmaschine! Schritt für Schritt und ganz entspannt zur eigenen Kleidung nimmt sie neugierigen Frischlingen die Angst vor der Perfektion – mit wundervollen Ergebnissen. Auch Kerry Bogerts Coffeehouse Knits. 20 Strickideen inspiriert von Latte Macchiato und Espresso tuten in das gleiche Horn. Nichts ist so schön und entspannend wie verregnete Februartage im Lockdown mit Buch, Kaffee und Nadeln.

Das Beste an Taylors sympathischer Schnittsammlung ist, dass alles erlaubt ist. Schnitte werden bei Bedarf selbst erstellt und wer sich vor der Komplexität des Nähens ängstigt, fängt einfach klein an. Teetassenklein. Klar kann man sich auch an die Haute Couture wagen, doch auch im Rechteck aneinander gesteppte alte Halstücher sind toll und ein hervorragend kühler Blickfang im Sommer. Wer Neuling ist, freut sich über die guten Tipps und bebilderte Anleitungen.

Super für Einsteiger

Alle, die schon länger nähen, werden eher müde gähnen beim Anblick der Schnittmuster. Hemdupcycling, Decken umnähen, eckige Taschen und einfache Kleider gehen schnell. Es fehlt oft die Raffinesse in der Schnittführung, über die man sich entweder besonders freut oder ärgert, je nach persönlichem Können. Dagegen sind die Tricks und Kniffe gerade Anfängern oft unbekannt, und in Taylors freundlich unkomplizierter Art löst sich jede Panik vor der Nähmaschine in Luft auf.

Alle Schwierigkeitsniveaus

Ganz anders Kerry Bogert. Die passionierte Strickerin und Redakteurin hat in ihren Coffeehouse Knits verschiedene Designerinnen und Schwierigkeitslevels versammelt. So ist sicher für jede Liebhaberin von Kaffee und Maschen etwas dabei. Erstaunlich, wie genau oft Farbe und Textur zur vorgestellten Kaffeesorte passen. Toll auch, dass die Modelle mit ihrer Extraweite angegeben werden. Jahrelang haben sich Nadelfans gefragt, wieso ein Pullover in M an einem Modell schlabbert und an einem selbst klebt.

Sehr detailverliebt und genau sind die Strickmuster, die Herangehensweise an die Anleitungen ist durchweg praktisch. Bei Pullovern braucht man keine Größen, der Brustumfang ist meist entscheidend. Toll, dass Bogert dies erkannt hat und konsequent umsetzt. Für alle, die im Moment lieber kleine Projekte auf den Nadeln haben, sei auf die vielen Stulpen, Mützen, Tücher und Schals verwiesen, die die Designerinnen im Buch vorstellen. Dieses Buch hat Lieblingspotential!

Geliebte Textilien behalten

Ideal zum Thema Nachhaltigkeit passt Kerstin Neumüllers Verflickt und zugenäht. Kleidungsstücke ausbessern und verschönern. Neumüller zeigt in diesem kurzen Kompendium auf wieviel verschiedene Arten geliebte, aber zerschlissene Textilien gerettet werden können. Wer schon einmal eine gutsitzende Lieblingsjeans verabschieden musste, weiß, dass sich Reparaturen oft lohnen. Besonders aufregend: es wird nicht einfach nur geflickt, sondern das Kleidungsstück umgestaltet.

Dazu stellt Neumüller traditionelle europäische Flicktechniken genauso vor wie etwa alte japanische Flicktechniken. Sashiko ist eine Mischung aus Handstickerei und Flicken und eignet sich dann, wenn ein auffälliger Riss nicht mehr versteckt werden könnte. Dann macht man einfach einen Hingucker daraus! Für alle, die es eilig haben, werden auch Techniken für die Nähmaschine vorgestellt. Als Zugabe gibt Neumüller außerdem einen genauen Überblick über Textilarten und deren schonende Pflege, damit auf jeden Fall das Lieblingsstück auch lange eines bleibt!

Titelangaben:

Jenniffer Taylor: Ran an die Nähmaschine! Schritt für Schritt und ganz entspannt zur eigenen Kleidung.

Münster: LV Buch, 2017. 144 Seiten. 7,37 €.

Kerry Bogert: Coffeehouse Knits. 20 Strickideen inspiriert von Latte Macchiato und Espresso.

Münster: LV Buch, 2020. 144 Seiten. 25,99 €.

Kerstin Neumüller: Verflickt und zugenäht. Kleidungsstücke ausbessern und verschönern.

Bern: Haupt Verlag, 2019. 128 Seiten. 22 €.

Neu Gelesen

Jean – Paul Tranchant: Der Kompostgarten. Erfolgreich gärtnern auf kleinstem Raum.

Thomas Richter (Hrsg.): Kräutermanufaktur. Pflanzen, pflegen und verputzen.

Bruno Vonarburg: Heilen mit Pflanzenessenzen. Menschentyp und Pflanzenwesen.

Johannes Wilkens, Frank Meyer, Ruth Mandera: Arnika. Königin der Heilpflanzen.

Grünes Glück

Bald geht es wieder los und die Gartenfreuden lockern die Erfahrungen des tristen Winters auf. Für Pflanzenfreunde lohnen sich die liebevoll gestalteten Gartenbücher. In Der Kompostgarten. Erfolgreich gärtnern auf kleinstem Raum geht Jean – Paul Tranchant der Frage nach, wie man auch in Wohnungen oder mit kleinem Garten eine gute Ernte einfährt. Das Team von LV-Buch widmet sich der Kultivierung und Zubereitung bekannter Kräuter in Kräutermanufaktur. Pflanzen, pflegen und verputzen. Bruno Vonarburgs Heilen mit Pflanzenessenzen. Menschentyp und Pflanzenwesen richtet sich dagegen an interessierte Laien oder Heilpraktiker, er zeigt, wie mit Pflanzenessenzen Menschen individuell behandelt werden können. Meyer, Wilkens und Mandera dagegen konzentrieren sich in Arnika. Königin der Heilpflanzen auf eine Pflanze, deren Heilkraft sie beleuchten.

Jean – Paul Tranchant stellt in Der Kompostgarten. Erfolgreich gärtnern auf kleinstem Raum ein Pflanzkonzept vor, das er „Recyplant“ nennt. Im Endeffekt handelt es sich um einen klassischen Komposthaufen mit Ausbohrungen in allen vier Seitenteilen. So können Pflanzen vertikal und horizontal gepflanzt werden. Die Schichtung und Befüllung mit frischem Kompost folgt einem strengen Konzept, das er vorstellt.

Da der Recyplant sehr nährstoffreiche Erde enthalten wird, ist er nicht für alle Pflanzenarten geeignet. Tranchant stellt die Pflanzen vor, mit denen er die besten Erfahrungen gemacht hat. Den Kompostgarten hat er mit Freunden und Verwandten in verschiedenen Höhenlagen und auf verschiedenen Untergründen über Jahre erprobt und sehr gute Erfahrungen gemacht. Vor allem für jene, die aus Platzgründen keinen klassischen Gemüsegarten anlegen können, lohnt sich der anfänglich hohe Aufwand.

Würziger Genuss

Kräutermanufaktur. Pflanzen, pflegen und verputzen von LV-Buch ist eine perfekte Mischung aus Gartentipps und kulinarischem Genuss. Kompakt werden die gängigsten Küchenkräuter vorgestellt und verschiedene Anbauweisen betrachtet. So kommen auch Balkonkräuter und Kräuter auf der Fensterbank zum Einsatz. Aber auch der großflächige Anbau im Garten wird thematisiert.  Was brauchen welche Kräuter? Haben sie bekannte Wirkstoffe? Was sind ideale Nachbarpflanzen?

Doch nicht nur der Anbau und die Aufzucht von Kräutern ist interessant, schließlich sollen sie alle verzehrt werden. Im zweiten Teil des Buches werden deshalb allerhand Rezepte vorgestellt. Sirupe, Aufstriche, originelle Rezepte und Bekanntes fügen sich in einen kulinarischen Reigen, der sicher Lust auf einen neuen Blick auf Küchenkräuter macht. Die Rezepte hören sich alle alltagserprobt an, darunter leidet etwas die kulinarische Kreativität. Ideal aber für alle, die sich einen Kräutergarten anlegen möchten und ein praktisches Handbuch dazu suchen.

Ganzheitliche Behandlung

Wie in vielen alten Kulturen betrachtet auch Bruno Vonarburg in Heilen mit Pflanzenessenzen Mensch und Pflanze als symbiotische Wesen. Deshalb wählt er seine Essenzen nicht nur nach der Krankheit aus, sondern passt sie auch an den jeweiligen Menschentyp an. Nach einer kurzen Einleitung zur Herstellung oder den Bezug von Pflanzenessenzen widmet er sich ganz den einzelnen Krankheitsbildern und entwirft komplexe Therapien.

Ob Laien Vonarburgs Vorgehensweise nachvollziehen können, ist schwer zu beurteilen. Doch klar ist auch, dass sein Kompendium einigermaßen komplex und umfassend ist. Von Lampenfieber bis zu Erkrankungen der Prostata sind psychische und physische Leiden Teil der Abhandlung. Für jedes Bild betrachtet er auch die Differentialdiagnostik und stellt Hauptmittel und alternative Heilpflanzen vor, die zur Behandlung in Frage kommen. Eine Bereicherung für jene, die sich schon immer mit Pflanzenheilkunde auseinandergesetzt haben.

Anthroposophischer Blickwinkel

Johannes Wilkens, Frank Meyer und Ruth Mandera nähern sich in Arnika. Königin der Heilpflanzen dem beliebten Kraut aus der Sichtweise Steiners. Dies ist vor allem wichtig zu wissen für jene Menschen, die der anthroposophischen Sichtweise und der homöopathischen Medizin kritisch gegenüberstehen. Denn in der umfassenden Abhandlung über die Arnika kann man sich diesem Ansatz kaum entziehen.

Am interessantesten war die Annäherung an die Arnika über Heilpflanzen, die ihr ähnlich sind und mit denen sie bestimmte Eigenschaften teilt. So wird im Buch nicht nur die Arnika abgehandelt, auch andere Korbblütler wie der Sonnenhut, das Edelweiß, die Mariendistel oder die Ringelblume werden am Rand angesprochen. Vieles im Buch verliert sich aber auch im quasi-mystischen Nebel, gerade wenn es um die kosmische Einordnung der Heilpflanze geht.

Blick in den Garten und darüber hinaus

Für den hoffentlich bald ankommenden Frühling ist zumindest vorgesorgt. Die Gartenplanung kann beginnen und an Hundstagen lässt sich wunderbar schmökern in Büchern, die den eigenen Blickwinkel um neues Wissen erweitern. Fest steht wie immer, dass Pflanzen etwas Wunderbares sind und wir noch immer zu wenig ihres Potentials nutzen.

Titelangaben:

Jean – Paul Tranchant: Der Kompostgarten. Erfolgreich gärtnern auf kleinstem Raum.

Münster: LV-Buch, 2017. 80 Seiten, 5 €.

Thomas Richter (Hrsg.): Kräutermanufaktur. Pflanzen, pflegen und verputzen.

Münster: LV-Buch, 2019. 120 Seiten, 14 €.

Bruno Vonarburg: Heilen mit Pflanzenessenzen. Menschentyp und Pflanzenwesen.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 448 Seiten. 39,90 €.

Johannes Wilkens, Frank Meyer, Ruth Mandera: Arnika. Königin der Heilpflanzen.

Aarau: AT-Verlag, 2018. 224 Seiten. 24 €.

Neu Gelesen

Junius, Manfred M., Pflanzenalchemie. Ein praktisches Handbuch

Greiner, Karin, Bäume in Küche und Heilkunde

Diamond, Lily, Minze, Salbei, Rose. Rezepte mit Kräutern und Blüten

Wunderbares aus der Natur

Eine Reise in die Vergangenheit bietet Manfred M. Junius mit Pflanzenalchemie. Ein praktisches Handbuch. Das Wissen der Spagyriker um Paracelsus wird gegenwartstauglich aufbereitet. Wer es etwas alltagstauglicher mag, für den ist Karin Greiners Bäume in Küche und Heilkunde eine gute Wahl. Hier wird gezeigt, welchen Schätzen wir auf unseren Spaziergängen vor die Haustür begegnen. Lily Diamond begibt sich in Minze, Salbei, Rose. Rezepte mit Kräutern und Blüten auf die Spuren ihrer kräuterkundigen Mutter und integriert Blüten und Kräuter in ihren kulinarischen Alltag.

Magisches Pflanzenwissen

Ganz klar, mit Alchemie und Spagyrik muss man auch zurechtkommen wollen. Insofern ist Junius‘ Handbuch der Phytotherapie nichts für Menschen, die mit Essenzen, Destillieren und spagyrischen Berechnungen nichts zu tun haben wollen. Tatsächlich habe auch ich nur wenige Bezugspunkte zu diesem Ansatz, deshalb fällt es mir schwer, ein Buch wie dieses zu bewerten. Trotzdem stellt Junius Ansätze vor, die gerade in der Homöopathie immer noch ihre Daseinsberechtigung und viele Verfechter haben. Für Interessierte ein Goldschatz.

Junius gibt nicht nur einen Überblick über die spagyrischen Verfahrensweisen der letzten Jahrhunderte, die sich teils bis in die traditionelle indische Medizin zurückverfolgen lassen. Er erklärt seine Herangehensweisen auch und stellt moderne Unternehmen der Phytotherapie vor, die heilkräftige Mischungen noch immer nach alter Rezeptur herstellen, mit moderner Technik wo möglich und dem Wissen der Alten.  Wer zuhause nicht die Möglichkeit hat, Destillationsanlagen und Glaskolben aufzustellen, wird eher zu Kräutertees und traditionellen Tinkturen greifen.

Gutes aus Wald und Flur

Alltagstauglich bereitet Karin Greiner in  Bäume in Küche und Heilkunde die Schätze auf, die wir vor der Haustür ernten können. In einem alphabetischen Verzeichnis der häufigsten Wildbaumarten – von Ahorn bis Weißdorn – wird Wissenswertes rund um den Baum vermittelt. Viele Bäume waren schon in alten Zeiten ein Quell heilkundlicher und kulinarischer Rezepturen, Greiner greift viele davon auf und geht ihnen auf den Grund.

Nicht nur der botanische Name und das Erscheinungsbild der Bäume spielen dabei eine Rolle, sondern immer auch die Verwendung in Küche und Hausapotheke. Wer hätte sonst gewusst, dass Eicheln entbittert eine hervorragende Kochzutat ergeben? Eichelmehl, Eichelnougat und sogar Eichelbier sind in Rezepten überliefert. Heilkundlich wurden Sitzbäder aus Eichenrinde aufgegossen, oder entbitterte Eicheln als Eichelkaffee geröstet. Na, neugierig auf all die anderen Bäume?

Flora für Haut, Haar und Gaumen

Lily Diamonds Minze, Salbei, Rose. Rezepte mit Kräutern und Blüten ist eine Mischung aus Rezeptbuch und Autobiographie. Die Hawaiianerin tritt in die Fußstapfen ihrer verstorbenen kräuterkundigen Mutter und beginnt, alles, was schön aussieht, heilt, schmeckt und duftet in die Alltagsküche zu integrieren. Das Gute daran ist, dass all diese Kostbarkeiten tatsächlich zum großen Teil verfügbar sind, die Rezepte sind allesamt kochbar.

Diamonds gliedert ihr Buch nach den Kräutern und Blüten, die sie benutzt. Sehr praktisch für jene, die eine Duftrose im Garten stehen haben oder ihren Pfefferminzwald roden wollen. Unter Salbei findet man dann Rezepte für Kaki mit Granatapfelsirup und knusprigen Salbeiblättern, Polenta mit Mais, Salbei, Parmesan und Schalotten, Eiscreme mit Salbei-Salzkaramell oder einen Zitrus-Salbei-Tonic. Man fühlt schnell, wie unglaublich raffiniert und geschmacksintensiv Diamonds Kräuter und Blüten in der Küche einsetzt und bekommt richtig Lust, all die leckeren Rezepte nachzukochen.  

Titelangaben:

Junius, Manfred M., Pflanzenalchemie. Ein praktisches Handbuch

Aarau: AT-Verlag, 2016. 264 Seiten. 34,90 €.

Greiner, Karin, Bäume in Küche und Heilkunde

Aarau: AT-Verlag, 2017. 264 Seiten. 29,90 €.

Diamond, Lily, Minze, Salbei, Rose. Rezepte mit Kräutern und Blüten

Aarau: AT-Verlag, 2017. 272 Seiten. 20 €.

Neu Gelesen

Essen und Trinken: Sommerfrische Salate. Leicht und knackig.

Søren Staun Petersen: Rhabarber. Raffinierte Rezepte für Süsses und Herzhaftes.

Claudia Schilling: Hin und weg. Lunchbox-Rezepte für Picknick und unterwegs.

Katrina Friese, Andreas Eikenroth: Warte, ich komme mit… Sinnliches Rundwandern durch Mittelhessens Natur.

Claudia Czellnik: Unterwegs auf Fehmarn.

Ferienreif

Endlich haben in diesem Haus sechs Personen vier Wochen gemeinsam Ferien. Das weckt Hoffnung, selbst in Corona – Zeiten. Picknicke, Wanderungen, Obstwiesenernten. Damit auch laue Sommerabende zum leichten Vergnügen werden, hat die Redaktion Essen und Trinken mit Sommerfrische Salate. Leicht und Knackig das perfekte Ferienkochbuch veröffentlicht. Wer mag, komplettiert die Salate mit den feinen Gerichten von Søren Staun Petersens Rhabarber. Raffinierte Rezepte für Süsses und Herzhaftes. Claudia Schilling packt alles ein in Hin und weg. Lunchbox-Rezepte für Picknick und unterwegs, ideal komplettiert durch Katrina Frieses und Andreas Eikenroths Warte, ich komme mit… Sinnliches Rundwandern durch Mittelhessens Natur und Claudia Czellinks Unterwegs auf Fehmarn.

Was soll man sich mehr wünschen als schönes Wetter, nette Menschen und Glück und Gesundheit? Mit den Sommerfrischen Salaten gibt es darüber hinaus auch noch Hoffnung auf leckere und leichte Schlemmereien, die die Corona-Pfunde nicht noch mehr nach oben schnellen lassen. Längst fristen Salate kein tristes Beilagendasein mehr, hier sind sie sogar die Hauptattraktion! Die Redaktion Essen & Trinken hat die Rezepte nach Zutatenlisten eingeteilt. Von Obst und Früchten, über Vegetarisch, bis hin zu Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten gibt es jede Menge ausgefallene und klassische Varianten. Für die Klassiker Kartoffelsalat, Nudelsalat und Reis oder Getreide finden sich jeweils Extrakapitel.

Hier wird bestimmt jeder fündig. Egal, ob als Hauptgericht oder Kleinigkeit am Abend, diese Salatkreationen erfreuen den Gaumen. Kräutersalat mit Ziegenkäse und Himbeeren, Tomatensalat mit Röstbaguette und Pinienkernen, Zitronenmelissensalat mit gebackenem Schafskäse und Stiefmütterchenblüten – alles ist möglich und lädt zum Nachmachen ein. Die Kartoffelsalate werden frisch aufgemischt mit Linsen, Brunnenkresse und Matjes, im Nudelsalat begegnen sich statt Dosenerbsen und Möhren Garnelen und Pfifferlinge.

Frühsommerbote

Wenn ich Rhabarber ernten kann, weiß ich, dass der Sommer demnächst kommt. Noch ist die Staude klein und Rhabarberkompott ein Luxus. Doch für den Tag, an dem mein Rhabarber üppig trägt, hat Søren Staun Petersen mit Rhabarber. Raffinierte Rezepte für Süsses und Herzhaftes vorgesorgt. Selbst mein geliebtes Rhabarberkompott wird variiert: Mit Minze, Ingwer oder Vanille verfeinert wird es nicht langweilig im Geschmack. Dass Rhabarber auch als Getränk Furore macht, weiß seit einer Rhabarbersaftschorle jeder.

Spannender sind da schon die herzhaften Rezepte, die Petersen auch vorstellt. Vom Frühlingskartoffelsalat mit Rhabarber über Rhabarber-Wok-Gemüse bis hin zu Lachs mit Kohl und Rhabarber: Die rot-grüne Stange erweist sich als süß-saurer Alleskönner. Liebhaber freuen sich zudem über ein bisschen Gemüsegeschichte und den eingefügten Bericht eines Biorhabarberbauern aus Skandinavien. Ein Anlass mehr, auf diese Stange mit einem eisgekühlten Rhabarber-Gin anzustoßen!

Nichts wie weg!

Claudia Schilling isst gerne draußen, genau wie ihre Kinder. Deshalb sammelt sie in Hin und weg. Lunchbox-Rezepte für Picknick und unterwegs Lieblingsrezepte für Draußen, die durchaus Klassikerpotential haben. Nicht nur, dass man immer gute Rezepte für Ausflüge und Wanderungen brauchen kann, auch für den Schul- und Berufsalltag wollen die Lunchboxes gefüllt sein. Tatsächlich gelingt Claudia Schilling dies in umfangreichem Ausmaß.

Dabei macht sie vor nichts Halt, von Suppen bis zu Salaten und Knabbereien ist in diesem Riesenwälzer zum Thema Außerhausessen alles enthalten. Zusätzlich machen die hübschen Boxen und Verpackungen, oft zum Selbermachen, richtig Lust auf mobiles Essen. Toll auch die Grundüberzeugung, dass Picknick immer lecker ist, auch wenn es schon kühler wird und der Herbst oder Winter naht. Dann werden eben Suppen abgefüllt. Alles, von Curry über Ratatouille bis hin zu Quiches, Galettes und Spaghettimuffins, findet seinen Platz und wird mit Genuss aufgegessen. Langeweile beim Picknick war gestern! 

Überall ist Urlaub

Als hätten Katrina Friese und Andreas Eikenroth es vorausgeahnt: Dieses Jahr ist Urlaub immer dort, wo wir es uns schön machen. Für alle, die in Hessen wohnen, ist Warte, ich komme mit… Sinnliches Rundwandern durch Mittelhessens Natur einfach perfekt. Die Rundwanderungen durch Wald und Flur machen richtig Lust auf einen Landstrich, der es noch nicht in die Ruhmeshallen der deutschen Wanderlustigen geschafft hat. Zu Unrecht! Friese und Eikenroth lassen uns teilhaben am genussvollen Wandern ohne unüberwindbare Steigungen, leckere Rezepte geben dabei Hinweise darauf, was in den Rucksack gepackt werden sollte.

Gewandert wird im Gleiberger Land, an Mühlen vorbei im Salzbödetal, über blühende Kirschblütenwiesen, entlang des Burgenpanoramas von Staufenberg. Alpines Feeling kommt auf bei der Eschbacher Klippen-Tour, ansonsten geht es durch hübsche Dörfer, an quirligen Bächen entlang. Auf lästige Zeitangaben, die sowieso nie stimmen, verzichten die Autoren, dafür sind die Wegbeschreibungen sehr ausführlich gehalten und weisen ausdrücklich darauf hin, wenn Wanderzeichen fehlen oder schwer sichtbar sind. Bei so viel Liebe zum Detail steht dem Wandervergnügen nichts mehr im Wege!

Meeresbrise

Schließlich kommt auch der Urlaub am Meer nicht zu kurz. Unterwegs auf Fehmarn von Claudia Czellnik huldigt einer Ostseeinsel, die vom milden Klima profitiert und nun für die Bewohner und deren Gäste einen Einblick in den Inselalltag geben möchte. Dabei lässt Czellnik vornehmlich die Bewohner Fehmarns selbst zu Wort kommen. Alle Artikel stammen aus den Federn engagierter Insulaner. So verschieden die Menschen sind, so unterschiedlich gehalten sind auch die Beiträge. Man erfährt, was es mit den historischen Mühlen auf sich hat und wird selbst über den umstrittenen Fehmarn-Belt informiert.

Mit den bunten Werbebeiträgen zu Ferienwohnungen und Grafikdesign bekommt das fest gebundene Buch zwischendurch etwas Kataloghaftes. Nicht alle Artikel sind zudem für Nichteinheimische relevant. Was Fehmarns aktive Landjugend im Jahr auf die Beine stellt, ist zwar beachtlich, doch für Urlaubsgäste nur bedingt interessant. Insgesamt findet sich hier ein Buch für alle, die auf Fehmarn wohnen und solche, die es gerne kennenlernen möchten. Wer die Werbeanzeigen nimmt, wie sonst Flyer im Hotel, bekommt zusätzlich viele Informationen über Gewerbetreibende vor Ort. Langweilig wird so ein Urlaub sicher nicht.

Titelangaben:

Essen und Trinken: Sommerfrische Salate. Leicht und Knackig.

Köln: Fackelträger Verlag, 2017. 160 Seiten. 14,99 €.

Søren Staun Petersen: Rhabarber. Raffinierte Reuepte für Süsses und Herzhaftes.

Münster: LV- Buch, 2020. 120 Seiten. 18€.

Claudia Schilling: Hin und weg. Lunchbox-Rezepte für Picknick und unterwegs.

Aarau: AT-Verlag, 2018. 350 Seiten. 34€.

Katrina Friese, Andreas Eikenroth: Warte, ich komme mit… Sinnliches Rundwandern durch Mittelhessens Natur.

Clenze: Edition Limosa, 2017. 144 Seiten. 17,90 €.

Claudia Czellnik: Unterwegs auf Fehmarn.

Clenze: Edition Limosa, 2017. 224 Seiten. 19,90 €.

Neu Gelesen

António Lobo Antunes: Vom Wesen der Götter.

Götterdämmerung

António Lobo Antunesschreibt sich durch die Seele Portugals. Vom Wesen der Götter beleuchtet einen weiteren Aspekt der Salazar – Diktatur, diesmal aus der Warte eines Großindustriellen, der göttergleich in seiner Villa herrscht. In den Konflikten werden zwischen den Fronten jene zermahlen, die Herz und Seele eines Landes sind: Die Frauen. Sie sterben als eine Mischung aus Jungfrau Maria, Göttermutter Hera und Aphrodite. Doch sie sterben immer. VIOLA STOCKER trauert.

Cascais, ein beschaulicher Küstenort der portugiesischen Noblesse. Hier residiert in einer protzigen Villa der Senhor Doutor, der als Fabrikant, Feldherr, Berater des Präsidenten, Strippenzieher eines Krieges und Spion fungiert. Gefürchtet von seinen Angestellten, gehasst von seiner Gattin, verachtet von den Obdachlosen der Stadt hat er längst alle Ketten durchschlagen, die ihn an seine ärmliche Herkunft und an melancholische Momente seines Lebens erinnern. Als Göttervater Zeus begehrt er jede Frau, um sein Herrschaftssystem zu sichern, ist er zu allem bereit.

Spiegelbild der männlichen Seele

Lobo Antunes geizt nicht mit vielsinnigen Vergleichen zur griechischen Mythologie. Seine aus vielen Schichten gewebte Handlung der Götterdämmerung eines Magnaten begibt sich in alle Untiefen der menschlichen Seele, in jeden Morast, in alles Leid. Tiefe Hoffnungslosigkeit tränkt einen Roman, in dessen Verlauf vor allem Frauen zerschlissen werden, während die Herren der Schöpfung verzweifelt um einen würdevollen Tod kämpfen.

Eine derart verachtende Welt hat keinen Platz für die Liebe. Sie weicht dem Ehebruch, der Prostitution, der Vergewaltigung. Männer gewinnen dadurch Macht über Frauen, die zum Scheitern verurteilt sind. Die wenigen Versuche der Protagonistinnen, sich gegenseitig zu schützen, enden in Eifersüchteleien, Konkurrenzkämpfen und einem unwiederbringlichen Rückzug ins Privateste. Mütter müssen mitansehen, wie ihre Kinder sich zu Monstren, Diven oder Huren wandeln. Ehefrauen bangen um die Treue ihrer Männer.

Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft

Die Villa des Senhor Doutor ist der Hauptschauplatz solchen Theaters. Von hier aus beobachtet Lobo Antunes die Menschen, die aus und eingehen. Eine alleinerziehende Mutter, Angestellte in einem Buchladen, verkehrt dort wöchentlich zu einer Zeit, da der alte Glanz schon schwindet. Die Tochter des Senhor Doutor, selbst mittlerweile eine alte Frau, empfängt sie im Wintergarten wie in einem Tempel, die Bücher dienen als Opfergaben, um aus dem Leben der Magnatentochter zu hören.

Während der Alltag der Senhora in bleierner Trauer verfließt, hat die Verkäuferin mit eigenen Dämonen zu kämpfen. Sie wurde vom Ehemann verlassen, lebt in Not mit ihrem Sohn und verliebt sich in einen Buchhandelsvertreter. Diese Liebe resultiert in einer Gruppenvergewaltigung im Keller einer billigen Pension, niemand kennt den Vater des Kindes, das sie demnächst gebären soll. Ihre Empfängnis war nicht unbefleckt, ihre Arglosigkeit ein Kardinalfehler, die Besuche bei der Senhora werden zu einem ruhigen Moment ihres zerstörten Lebens.

Nehmen und genommen werden

Wie schleierhaft ist er, der Wille der Götter? Als junges Mädchen wird die Gattin des Senhor Doutor aus dem Kinderleben gerissen, zur Tilgung der Schulden des spielsüchtigen Unternehmervaters, der dafür als Brautpreis seinen Namen und das Geschirr behalten darf. Seine Fabrik als Mitgift rundet den Handel ab, der Senhor Doutor wird vom Bankier zum Fabrikanten. Hass und Verachtung prägen eine Ehe, die droht, kinderlos zu bleiben.  Denn der omnipotente Göttergatte ist unfruchtbar. Doch, Siegfried gleich, beschließt der Doutor, seinen Butler täglich ins Schlafzimmer seiner Gemahlin zu schicken, um sie dort solange zu vergewaltigen, bis sie ein Kind gebiert.

Über die eigene Tochter verfügt der Senhor Doutor ganz wie über seine Frau. Geschäftspartner werden mit Eheschließungen belohnt und hörig gemacht. Fallen sie in Ungnade, wird ein Autounfall arrangiert. Niemand kann dem Zorn des Doutor entgehen, Gnade lässt er niemals walten. Selbst Salazar, der tattrige Diktator, fügt sich seinem Urteil. Er steigt zum heimlichen Regenten Portugals auf, dem auch der zweite Weltkrieg und die darauffolgenden Kolonialkriege nichts anhaben können.

Erlösung gibt es nur in der Kunst

Niemand kann in diesem Geflecht Erlösung finden. Selbst, als eine wunderschöne Fadosängerin aus der Asche der Kleinstadt sich erhebt wie ein Phönix, bröckelt das lose Mauerwerk einer dekadenten Gesellschaft weiter. Während ihre Musik für die Ewigkeiten auf Schallplatten gebannt wird, ihre Stimme in Konzerthallen Menschen zu Tränen rührt und selbst der Senhor Doutor in ihrer Gegenwart erweicht, frisst sich ein gnadenloser Tumor durch ihren Körper und wandelt sie zu einer sich zersetzenden Mumie.

Dennoch ist sie, längst im Sterben begriffen, die Einzige, die ohne Bitterkeit auf ihr Leben zurückblicken kann. Ihre Musik, ihre Stimme, schützt sie vor den Niederungen des Lebens, die Tonstudios garantieren ewigen Glanz auch, als die Villa des Senhor Doutor mit der kitschigen Venusstatue im Garten längst dem Verfall preisgegeben ist. In der Gegenwart der Fadosängerin erstrahlt selbst bitteres Leid in sanftem Glanz, die Rosen im Wintergarten des Senhor Doutor beginnen, leise zu klirren.

Alte Wunden heilen nicht

Die Zerrissenheit einer Nachkriegsgesellschaft, die oft das gleiche sieht, doch ungleich handelt, spiegelt sich in den vielen Facetten, die in Lobo Antunes‘ Glaskugel aufblitzen. Leid macht unzufrieden, das Streben nach Wohlstand führt in einen Abgrund aus Kaltherzigkeit und Bosheit. Wer dem entgehen möchte, begibt sich in ländliche Armut oder stirbt. Demokratie und Rechtstaatlichkeit müssen erst noch geboren werden. Bis sie dieses Land heilen können, hilft nur der Fado.  

Dessen sehnsüchtige Trauer führt durch den Roman, der, wie in Liedstrophen verfasst, zwischen Ruinen an Strandpromenaden vom Wirken und Sterben längst vergessener Götter erzählt. Als weiser Strippenzieher schließt Antunes endlich den Vorhang des Weltentheaters und entlässt das Publikum in eine laue Abendstimmung. Wer genau hinschaut, erblickt den Obdachlosen, wie er wissend schweigend zwischen leeren Stühlen nach Schätzen sucht.

Titelangaben:

António Lobo Antunes: Vom Wesen der Götter.

Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann.

München: Luchterhand, 2018. 720 Seiten. 26 €.

Neu Gelesen

Guillaume Marinette: Mix your cake. Mixen, Backen, Kuchenglück.

Frida Skattberg: Schokosünden.

Sara Aasum Hultberg: Süße Karamellgeheimnisse. Basics, Ideen und 37 Rezepte für Toffee, Fudge & Co.

Le Cordon Bleu: Patisserie. Aus der renommierten Konditorschule. Schritt für Schritt erklärt.

 

 

Futter für die Seele

Und für das schlechte Gewissen. Denn bei Guillaume Marinettes Mix your cake. Mixen, Backen, Kuchenglück, Frida Skattbergs Schokosünden, Sara Aasum Hultbergs Süße Karamellgeheimnisse. Basics, Ideen und 37 Rezepte für Toffee, Fudge & Co und Le Cordon Bleus Patisserie. Aus der renommierten Konditorschule. Schritt für Schritt erklärt geht es um nichts Geringeres als den puren Genuss am Süßen, die Naschfreude per se. Glücklich, wer da noch widerstehen kann!

Wer kann schon mit Leichtigkeit „Nein“ sagen, wenn es um die leckersten Süßigkeiten der Welt geht? Ich beginne mit Guillaume Marinettes Mix your cake. Mixen, Backen, Kuchenglück.  Der Titel ist etwas missverständlich, tatsächlich geht es nämlich darum, Tartes zu backen. Und zwar alle. Von klassisch süß bis herzhaft, vegetarisch oder mit Fleisch, mit Schokolade oder Früchten. Für sein Grundrezept hat Marinette eine derart einfache Zubereitungsweise gewählt, dass die Tarte gelingen muss!

Einziger Nachteil: Man sollte einen Blender zur Verfügung haben, in welchen die Teigmischung geschüttet wird. Hat man aber selbigen im Küchenrepertoire, wird das Tartebacken zum Kinderspiel. Alle Zutaten werden vermischt und dann gebacken. Wie bei vielen Tartes ist eine kurze Ruhezeit angebracht, nach Marinette sogar ausschlaggebend für die typische Teigkonsistenz. Die Arbeitsschritte sind sehr einfach gehalten. Man bekommt dafür: ein handliches Backbuch, das alle denkbaren Gelüste abdeckt, von indisch mit Zucchini über Zwiebel & Ziegenkäse bis hin zum Klassiker mit Schokolade.

Perfekt für Naschkatzen

Sara Aasum Hultbergs Süße Karamellgeheimnisse. Basics, Ideen und 37 Rezepte für Toffee, Fudge & Co ist ideal für alle Küchenmagier mit süßem Zahn. Man braucht schon einen gewissen Antrieb, wenn man sich die komplexe Zutatenliste mit Malzsirup, Glucosesirup, Lakritzpulver usw. anschaffen möchte. Allerdings gibt es gerade bei den Trüffelrezepten und den Fudges auch genügend Rezepte, ohne einschüchternde Zutatenliste. Jedes Rezept ist kurzgehalten, wertvolle Tipps erleichtern das Nachmachen.

Wer seine Süßigkeiten selbst herstellt, bewegt sich gewiss in einer Nische. Aber in was für einer! Wenn Hultberg, selbst preisgekrönte Konditorin, Himbeertoffees mit weißem Schokoladenüberzug vorstellt oder Schokotoffees mit Minzzucker zubereitet, läuft das Wasser im Mund zusammen. Damit die Karamellproduktion auf jeden Fall gelingt, wird anfangs in einer kleinen Konditorenschule beschrieben, wie vorgegangen werden sollte. KochkünstlerInnen werden die vielfältigen Rezepte lieben und sich wahrscheinlich bald vor Bestellungen nicht mehr retten können.

Verführerische Schokolade

Frida Skattbergs Schokosünden ist nichts für jene, die gerne eine Diät machen würden. Sie backt „Klitschkuchen“, einen Schokoladenkuchen mit weichem Kern. Auch hier wird mit einem Grundrezept gearbeitet. Prinzipiell werden stets Butter und Schokolade geschmolzen und dann leicht abgekühlt mit den anderen Zutaten zu einem Teig verarbeitet. Abgekühlt wird fast immer im Kühlschrank, was garantiert, dass der Kuchen weich und saftig bleibt. Dann wird mit dem dekoriert,  worauf man gerade Lust hat.

Skattberg kreiert eine unglaubliche Anzahl an Schokokuchenvariationen, die auf dem gleichen, simplen Grundrezept beruhen. Die Varianten gehen von klassischen Kuchen bis hin zu „Lauwarmem Kuchen im Weinglas“, der mit einer Kugel Vanilleeis serviert wird, zu Fudgesandwiches und zu Klitschkuchentorten. Im Mittelpunkt steht dabei immer schokoladige Verführung.

Hohe Kunst des Naschens

Le Cordon Bleus Patisserie. Aus der renommierten Konditorschule. Schritt für Schritt erklärt entführt die Leser in die hohe Kunst der französischen Küche. Das Pariser Traditionshaus für weltoffenen Genuss hat ein Standardwerk für Konditoren und leidenschaftliche Hobbybäcker geschaffen. Das besondere daran ist die anschauliche Step-by-Step Erklärung der einzelnen Rezepte. Dabei wird das Kochbuch nicht nur dem traditionsverhafteten Ruf der Marke gerecht, sondern der Übertrag in den Alltag interessierter Laien gelingt perfekt.

Natürlich stimmt es nostalgisch, wenn Le Cordon Bleu sogar die „Schwarzwälderkirschtorte“ für würdig befindet, in das Mammutwerk aufgenommen zu werden. Darüber hinaus begeistern auch die Informationen zu Spritztechniken, Tipps und Tricks aus dem Konditoren Alltag und das umfangreiche Inhaltsverzeichnis. Wer den Spitzenköchen bei der Arbeit über die Schulter blicken möchte, kann dies in den detaillierten, oft mehrseitigen Bildanleitungen tun. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, Le Cordon Bleu hat mit der Patisserie die Bibel der Konditoren verfasst!

 

Titelangaben:

Guillaume Marinette: Mix your cake. Mixen, Backen, Kuchenglück.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2020. 72 Seiten. 12 €.

Sara Aasum Hultberg: Süße Karamellgeheimnisse. Basics, Ideen und 37 Rezepte für Toffee, Fudge & Co.

Münster: LV-Buch, 2016. 112 Seiten. 6,97 €.

Frida Skattberg: Schokosünden.

Münster: LV-Buch, 2019. 96 Seiten. 16 €.

Le Cordon Bleu: Patisserie. Aus der renommierten Konditorschule. Schritt für Schritt erklärt.

Münster: LV-Buch, 2019. 512 Seiten. 68 €.

 

 

 

 

 

 

 

Neu Gelesen

Roswitha Paetel: Papier, Pappe, Pulp. Kreatives Gestalten mit Kindern.

Antje und Susann Rittermann: Werkstatt Schnitzen. Techniken und Projekte für Kinder.

Katrin Regelski: Werkstatt Skulptur. Gestalten mit Ton, Stein, Gips, Papier, Metall und Holz.

 

Nie wieder Langeweile

Unsere Pfingstferien mögen zwar hie und da verregnet sein, langweilig sind sie auf keinen Fall. An Tagen, an denen Planschbecken und Obstwiese keinen Unterhaltungswert haben, gehen wir in die Werkstatt. Mit Roswitha Paetel gestalten wir mit Papier, Pappe, Pulp. Kreatives Gestalten mit Kindern, das Obstwiesenholz wird verarbeitet mit Antje und Susann Rittermanns Werkstatt Schnitzen. Techniken und Projekte für Kinder und größere Projekte für Haus und Garten realisieren wird mit Katrin Regelskis Werkstatt Skulptur. Gestalten mit Ton, Stein, Gips, Papier, Metall und Holz.

Was will man mehr? Die tollen Werkbücher aus dem Haupt-Verlag lassen keine Wünsche offen. Die Buchgestaltung ist gewohnt wertig gehalten, die Projekte sind allesamt realisierbar und gut erklärt und zwar auch dann, wenn man nicht wie wir im Keller eine große Werkstatt zur Verfügung hat. Alle Autorinnen sind Künstlerinnen in ihrem Fach und man merkt den routinierten Umgang mit dem Material genauso wie die Fähigkeit, alle Projekte auf ein Kinderniveau herab zu brechen.

Think Big!

Katrin Regelski räumt endlich auf mit den Klein-Klein-Basteleien in Kinderkursen. Skulpturen dürfen alles sein, auch riesengroß und auch vergänglich. Besonders die Landart -Beispiele eignen sich, im Rahmen von Geburtstagsfeiern oder ausgedehnten Spaziergängen umgesetzt zu werden. Wind und Wetter geben diesen großen Skulpturen aus Treibholz und Steinen einen besonderen Reiz, ihre Vergänglichkeit macht den Moment der Gestaltung zu etwas besonderem.

Besonders toll finde ich, dass Kinder an hochwertiges Material genauso dürfen wie an ordentliches Werkzeug. Ab zehn Jahren können Kinder unter Aufsicht durchaus mit Standbohrmaschinen, Alabaster und Blechscheren hantieren. Die Kunstwerke, die daraus entstehen, sind beeindruckend und erfüllen die jungen Künstler mit berechtigtem Stolz. Wer sagt, dass Kinder nur zeichnen und falten dürfen?

Schönes Material

Holz ist doch das schönste Material der Welt! Und man findet es bei jedem Spaziergang. Welches Kind hat noch nie einen Stock vom Weg aufgehoben und ihn mit nach Hause gebracht? Antje und Susann Rittermann lassen sich in ihrem Schnitzbuch auf die Eigenheiten besonders von gefundenem Holz ein. Sehr hilfreich ist dabei ein kleiner Fundholzguide, der den Kindern sagt, ob ihr Holzstück zum Schnitzen geeignet ist oder nicht. Allein diese zwei Seiten sind das ganze Buch wert!

Rittermann schafft es wunderbar, den Kindern aufzuzeigen, wie sie ihr Schnitzwerk im Holzstück sehen und später herausarbeiten. Dabei werden viele Techniken aufgezeigt, selbst Relieftechniken. Eine kleine Holzkunde zeigt Vor-und Nachteile bestimmter Holzarten auf und gibt wertvolle Tipps für den Finder. Besonderen Wert wird dabei auf ökonomische Schnitztechniken gelegt, also auf maximalen Output bei wenig Kraftaufwand. Gerade für jüngere Kinder ist das ideal.

Bestes Alltagsmaterial

Wer die ästhetischen amorphen Werke von Roswitha Paetel kennt, muss schmunzeln, wenn man sieht, wie sie ihre eigene Vision für Kinder umsetzt. Haptik ist gefragt, Sinnlichkeit, Lebensfreude. Kinder jeden Alters dürfen hier in verschiedenen Schwierigkeitsstufen mit meinem absoluten Lieblingsmaterial arbeiten. Es entstehen geschöpfte Duftpapiere, bedruckte Schachteln, Schattentheater mit dramatischen Figuren, Masken aller Art, Mobiles und Tierskulpturen.

Ohne Wertung, ohne Zeitdruck geht es hier ums Tun im Hier und Jetzt. Paetel beschreibt anschaulich, wie entspannend die Arbeit auf die Kinder ihrer Kurse wirkt, wenn man die fertigen, fröhlichen Werke sieht, glaubt man dies gern. Für alle, die eher Respekt vor dem Basteln haben, sei gesagt, dass es nicht um professionelles Arbeiten mit Pulp geht. Es geht um die Freude am Werken mit einem uralten Material. An die Arbeit!

 

Titelangaben:

Katrin Regelski: Werkstatt Skulptur. Gestalten mit Ton, Stein, Gips, Papier, Metall und Holz.

Bern: Haupt Verlag, 2017. 184 Seiten. 24,90 €.

Roswitha Paetel: Papier, Pappe, Pulp. Kreatives Gestalten mit Kindern.

Bern: Haupt Verlag, 2018. 208 Seiten. 24,90 €.

Antje und Susann Rittermann: Werkstatt Schnitzen. Techniken und Projekte für Kinder.

Bern: Haupt Verlag, 2019. 176 Seiten. 24,90 €.

 

Neu Gelesen

Sofia Antonsson: Endlich entspannt essen! Gesunde Ernährung für einen Darm in Balance.

Lynn Hoefer: Einfach himmlisch gesund. Natürliche und schnelle Rezepte für das echte Leben.

Angela Liddon: Oh she glows für jeden Tag. Schnelle Gerichte, die einfach satt und glücklich machen.

 

Sommergerichte bunt und gesund

 

An sich ist es für meine Kinder eher eine Drohung, wenn ich ankündige, dass es heute etwas Gesundes zu essen gibt. Auch Diätessen hat gemeinhin etwas frustig Graues. Natürlich ist das dieses Mal nicht so, sonst hätte ich keinen Anlass zu schreiben. Sofia Antonsson widmet sich in Endlich entspannt essen! Gesunde Ernährung für einen Darm in Balance dem Reizdarmsyndrom, unter dem immer mehr Menschen, vor allem Frauen, leiden.  Lynn Hoefer beschreibt in Einfach himmlisch gesund. Natürliche und schnelle Rezepte für das echte Leben, wie sie es schafft, sich pflanzenbasiert und nachhaltig zu ernähren, ohne sich zu sehr unter Druck zu setzen. Angela Liddon begibt sich in Oh she glows für jeden Tag. Schnelle Gerichte, die einfach satt und glücklich machen auf das nächste Level der veganen Ernährung.

Was allen drei Rezeptbüchern gemeinsam ist, ist eine grundlegende, strukturierte Vorratshaltung, die jeweils empfohlen wird, um stets gut kochen zu können. Tatsächlich kann eine Großfamilienmutter wie ich bei derartigen Ratschlägen nur gähnen. Natürlich muss man Vorrat halten! Wie sieht es aber in kleinen Familien aus oder in Single-Haushalten? Was hält sich wie lange? Liddon gibt hier wertvolle Tipps, die gut umzusetzen sind.

 

Der kleinste gemeinsame Nenner

Lynn Hoefer eignet sich für alle, die gar nicht den Nerv haben, sich groß mit ideologischem Unterbau und ausgefallenen Rezepturen auseinanderzusetzen. Das Kochbuch ist sehr sympathisch und unkompliziert verfasst, die schönen Fotos machen richtig Lust aufs Kochen. Die Rezepte gliedern sich in Vorratshaltung, z.B. Gewürzmischungen oder Kimchi, in schnelle Frühstücksrezepte, vor allem mit Müslis, in schnelle „Lieferservice“ – Gerichte, Gerichte, die innerhalb von dreißig Minuten gekocht werden können, in „Zero-Waste“ Gerichte, Meal-Prep -Gerichte und aufwändigere Gerichte fürs Wochenende.

Besonders nett finde ich die feinen Abstufungen in den Rezepten. Nichts ist „extraordinaire“, aber alles sehr dezent und lecker. Ist es nicht schön, einen Unterschied machen zu können zwischen einem Mittwochsmüsli und Sonntagsbrunch? Zero – Waste in der Küche heißt natürlich Resteverwertung, aber das macht nichts. So muss man sich seine Restefeste wenigstens nicht selbst ausdenken. Die Meal-Preps tragen unserem schnellen Zeitalter Rechnung. Oft wird Reis, Quinoa oder Hirse vorgekocht und separat zu Saucen eingefroren. Ideal, oder?

Spezialküche für gestresste Menschen

Sofia Antonsson richtet sich dagegen mit Endlich entspannt essen! an eine sehr spezielle Peergroup. Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden unter vielen verschiedenen Symptomen, Stress macht die Erkrankung meist nicht besser. Da die Symptome so unspezifisch sind, geraten die Patienten oft in einen Strudel aus Diäten und Medikamentencocktails, ohne wirklich Erleichterung zu finden. Antonsson greift auf eine Ernährungsumstellung zurück, die FODMAP Methode, die sie in vegetarischer Form präsentiert.

Man sollte sich also vielleicht schon ein bisschen auskennen mit dieser Diät, wenn man Antonssons Rezeptbuch zur Hand nimmt oder zumindest eine gewisse Liebe zum Detail zeigen. Nicht in jeder Phase der Diät kann alles gegessen werden. Proteinquellen sind zwar immer angegeben, aber insgesamt liest die Diät sich etwas umständlich, wie wahrscheinlich alle Diäten. Die Rezepte, wie Zitronenrisotto, Auberginen-Linsencurry oder Pasta mit Quorn (vegetarisches Hackfleisch), hören sich dagegen alle so lecker an, dass ich mich frage, ob man nicht auch einfach den Diätteil überlesen könnte, wenn man keinen Bedarf danach hat.

Haute Cuisine im Alltag

Angela Liddon behauptet ja, ihre Rezepte seien im Nu nachgekocht und absolut alltagstauglich. So hübsch und jugendlich wie sie da steht, mit einem Kleinkind und einem strahlenden Ehemann, ist mir das alles zu klischeehaft. Allerdings ist sie sehr strukturiert im Vorgehen, zum Thema Vorratshaltung und Grundrezepte sind ihre Tipps die umfangreichsten. Zudem hat sie für ihre Rezepte viele Labels wie „kinderfreundlich“ oder „tiefkühlgeeignet“ kreiert, die einem die Orientierung erleichtern.

Liddon hangelt sich ebenfalls mit den Tagesmahlzeiten durchs Buch. Aus dem Rezeptregister stechen vor allem die Smoothies heraus, genauso wie Riegel und hausgemachte Vorräte. Das hört sich sehr alltagstauglich an! Allerdings schrecken ellenlange Zutatenlisten mit solch erwählten Ingredienzen wie Kokoswasser, Matchapulver, Mandelmehl und Sonnenblumenkernmus eher ab. Kein Wunder, dass sich vorn im Buch auch ein Bestellcoupon befindet.

 

Man könnte sagen, mit den drei Kochbüchern kann man sich auf verschiedenen Leveln der pflanzlichen Küche bewegen. Wer schon versierter ist oder spezielle Interessen oder Probleme hat, wird garantiert fündig. Aber auch für alle, die wie ich am Bodensatz der vegetarischen Küche kratzen, finden sich gerade bei Lynn Hoefer viele alltagstaugliche und schnell umsetzbare Gerichte. Der Pflanzensommer kann kommen.

 

Titelangaben:

Lynn Hoefer: Einfach himmlisch gesund. Natürliche und schnelle Rezepte für das echte Leben.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2020. 248 Seiten. 28 €.

Sofia Antonsson: Endlich entspannt essen! Gesunde Ernährung für einen Darm in Balance.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 144 Seiten. 25€.

Angela Liddon: Oh she glows für jeden Tag. Schnelle Gerichte, die einfach satt und glücklich machen.

Kandern: Unimedica Verlag, 2017. 380 Seiten. 29€.

 

 

 

 

Frühling zuhause

Es ist erleichternd, wenn die Sonne scheint und wir nach draußen können. Noch haben wir keinen Lagerkoller, aber das ist in einem großen Haus mit Garten selbst bei vier Kindern schlecht möglich. Wir sind sehr privilegiert. Das wird mir jeden Tag mehr bewusst. Für den Fall, dass wir nach draußen müssen, steigen wir in der Garage ins Auto und fahren auf die Obstwiese. Dort können wir draußen sein und arbeiten, ohne einem anderen Menschen zu begegnen.

Ich finde diese Tage und Wochen in einem Ausmaß seltsam und bedrohlich, dass ich unmerklich viele Routinen geändert habe. Am auffälligsten meine Seriengewohnheiten. Ich sag jetzt mal nicht, welche Serien eher aus meinem derzeitigen Raster rausfallen.

Gleichzeitig freue ich mich über jedes kleine Wunder, das sich zeigt und dieses Tristesse durchbricht. Samen, die aufgehen, meine Keramikgänse und Ollas aus dem Keramikkurs im Herbst, die endlich nach draußen können, die Tatsache, dass ich genau die passende Anzahl von Kissen für meine weiße Bank genäht habe. Während ich mir denke, wie gut es sich hier aushalten lässt, frage ich mich: wie lange noch? Und dann?

Ich hoffe sehr, dass jetzt auch die Zeit ist, in der endlich alle erkennen, dass Leistungsträger in unserer Gesellschaft nicht immer die mit dem größten Auto sind. Ich lerne einen Gesundheitsberuf. Nächstes Jahr im Herbst bin ich mitten im Geschehen. Vielleicht, wenn alles gut geht.

Mein Laden ruht, so wie vieles andere. Das tut ganz gut zur Abwechslung. Ich habe Zeit, zu renovieren und endlich alles richtig schön zu machen. Hoffentlich gelingt mir alles.

Am schönsten ist es, wenn die Kinder ihren Humor nicht verlieren. Friederike hat in der Nacht zum ersten April die Küche verwandelt. Was für eine Bomben-Idee!

Bleibt gesund.

Verlinkt mit Creadienstag.