Neu Gelesen

Max Bainbridge: Holz! Schnitzen- Traditionell und Urban.

Barn the Spoon: Löffel. Schnitzen – Das Handwerk und die neue Kultur vom Holz.

Bernhard Bürkle: Glut in den Wäldern.Traditionelles Köhlerhandwerk.

Taro Gehrmann: Feuer machen. Zunder, Hölzer, Anzündetechnik, Feuerarten.

Nicht nur Männersachen

Diesmal stelle ich allerlei handfeste Bücher vor, auf die meine großen und ganz großen Jungs bereits ein Auge geworfen haben. Es wird mit Max Bainbridge und Barn the Spoon geschnitzt und wir bleiben beim Holz, wenn Bernhard Bürkle und Taro Gehrmann sich in die Wälder begeben und das Köhlerhandwerk oder die Kunst des Feuermachens vorstellen.

Handfest

Max Bainbridge ist aus festem Holz geschnitzt. In Holz! Schnitzen- Traditionell und Urban teilt er seine Liebe zu natürlichen Formen und ergonomischem Schnitt mit allen, die gerne von Hand arbeiten. Dabei gibt er eine ausführliche Einführung in die geeigneten Holzarten, auch Grünholz und die Möglichkeiten, sich für den Eigenbedarf günstig und unaufwändig mit Schnitzholz einzudecken. Auch Werkzeugkunde und Schnitztechniken haben ihren Platz im Buch, bevor es ans Fertigen geht.

Bainbridge hat eine Vorliebe für praktisches Küchenwerkzeug. Insofern werden viele verschiedene Esslöffel, Pfannenwender, Kochlöffel, Schneidebretter und Löffelmaße gefertigt. Besonders gut gefällt mir, dass Bainbridge sich stets auf sein Werkmaterial einlässt, keine Form oder Funktion oktroyiert. Oft kann man dem Holz das Werkstück ansehen, Bainbridge nutzt also die natürliche Form für sein Design. Auch Oberflächengestaltung wird gezeigt. Schön, dass es außer Schleifen und Ölen noch andere Möglichkeiten gibt, Form und Funktion zu betonen. Flämmen, Ebonisieren oder selbstgemachte Bienenwachspolitur: Man bekommt richtig Lust, selbst ein Schnitzmesser in die Hand zu nehmen und loszulegen!

Zum Suppe Auslöffeln

Barn the Spoon widmet sich in „Löffel“ ganz dem ältesten Besteckteil der Menschheit. Sehr liebevoll erklärt er nicht nur, woher zumindest die englische Version des Wortes kommt. Vielmehr erläutert er den Aufbau des klassischen Löffels, seine Varianten und natürlich die Verbindung zum Holz. Als Biologe hat er eine starke Verbindung zum Naturmaterial und lädt seine Leser ein, sich auf die rudimentäre, zutiefst befriedigende Tätigkeit des Löffelschnitzens einzulassen.

Dabei stellt er anhand eines Beispiels den Arbeitsablauf vor und widmet sich dann den unterschiedlichen Löffelformen. Schöpflöffel, Esslöffel, Kochlöffel und Messlöffel werden entworfen und bearbeitet. Barn the Spoon geht dabei davon aus, dass das Schnitzhandwerk vielleicht nicht ganz unbekannt ist und verdeutlicht lieber detailverliebte Eigenheiten einzelner Löffeltypen. Tatsächlich wird man Löffel grundlegend anders anfassen, wenn man dieses Buch gelesen hat!

Jetzt wird es heiß!

Feuer fasziniert Jung und Alt, gleich welchen Geschlechts. Das ging wohl auch dem Fotografen Bernhard Bürkle so, als er auf der schwäbischen Alb einen Köhler mit der Kamera begleitete, der Holzkohle nach traditioneller Art herstellt. Gut so, denn die Faszination resultierte in dem beeindruckenden Bildband „Glut in den Wäldern“, die dem alten Handwerk neue Aufmerksamkeit zollt.

Dabei geht es nicht nur um eine Schilderung der Arbeitsweisen und -umstände, die die Köhler seit Jahrhunderten pflegen. Es geht vor allem auch um die touristische Aufbereitung eines Handwerks, das fast vergessen ist. Die Gemeinden schaffen es, ihren letzten Köhlern Publicity zu verschaffen. Die Öffentlichkeit erhält dabei nicht nur erstklassige Grillkohle, sondern bei Bürkle auch reichlich Fachinformation zum Thema Kohle und Handwerk.

Feuer und Abenteuer

Wer selbst die Kraft des Feuers bei Outdoorunternehmungen ausprobieren möchte, ist bei Taro Gehrmanns „Feuer machen“ gut aufgehoben. Als Bushcraft und Survivaltrainer interessieren ihn dabei vor allem die unbequemen, archaischen  Schritte bei Abenteuern. Insofern kommt er auch ohne Feuerzeug und Zündhölzer aus. Dafür werden alte Techniken erklärt und neu aufbereitet. Dass man Zunder braucht zum Feuermachen, wie man mit Steinen oder Stäben eine Glut anfacht, wie man sie so anbläst, dass daraus ein Lagerfeuer werden kann.

Feuer wärmt und schützt und ist gefährlich. Deshalb widmet Gehrmann einen Großteil seines Buches auch der Sicherheit. Es werden Gräben geschaufelt, Steine als Begrenzung ausgelegt und auch Feuerwände aufgeschichtet. Tatsächlich hat Gehrmann ein sehr rundes Buch zum Thema veröffentlicht, in dem es wirklich an nichts fehlt. Selbst unterschiedliche ästhetische Herangehensweisen an ein Lagerfeuer werden vorgestellt. Selbst wer nun nicht zum Zündler wird, Respekt und Faszination springen auf jeden Fall auf die Leser über.

Titelangaben:

Max Bainbridge: Holz! Schnitzen- Traditionell und Urban.

Bern: Haupt Verlag, 2017. 144 Seiten, 26 €.

Barn the Spoon: Löffel. Schnitzen – Das Handwerk und die neue Kultur vom Holz.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 224 Seiten, 25€.

Bernhard Bürkle: Glut in den Wäldern.Traditionelles Köhlerhandwerk.

Clenze: Edition Limosa, 2017. 128 Seiten, 19,90 €.

Taro Gehrmann: Feuer machen. Zunder, Hölzer, Anzündetechnik, Feuerarten.

Aarau: AT – Verlag, 2018. 160 Seiten, 27 €.

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