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Lea Klein, Carla Mayerhofer: minimach. Nadel, Säge, Tatendrang – das DIY – Babysachenbuch.

Im Nestbautrieb

Eine Kunsthistorikerin, Carla Mayerhofer, und eine Innenarchitektin, Lea Klein, schreiben das Buch, das sie selbst als Schwangere gerne gehabt hätten. In minimach. Nadel, Säge, Tatendrang – das DIY – Babysachenbuch leben sie ihre Kreativität für die lieben Kleinen aus. Wie schade, dass meine Babyzeit längst vorbei ist. Liebe Frau Mayerhofer und Frau Klein – hätten Sie das Buch nicht vier Jahre früher schreiben können?

Nach Lebens- und Schwangerschaftsmonaten gegliedert bieten Klein und Mayerhofer Projekte unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade an. Alles beginnt mit einem Tagebuch für die Schwangerschaft – ich wünschte, ich hätte es bei Charlotte gehabt, bei Jakob stand mir der Kopf nicht mehr nach Schreiben. Nun kommen all die Projekte, für die man vor der Geburt Zeit hat, und die einen nachher lang begleiten, so aber nicht mehr realisierbar wären.

Vorfreude macht kreativ

In jeder Schwangerschaft bin ich fast vor Kreativität geplatzt. Nur bei Jakob und Charlotte konnte ich sie ausleben, beim ersten und beim letzten Kind. Wer die Strickerei und Näherei satt hat, schreinert vielleicht gern einen Wickelaufsatz oder, wenn der Bauch dicker und die Mama unbeweglicher wird, fertigt Papierkarten aus selbstgeschöpftem Papier an. Die Anleitungen sind jeweils logisch, kommen dankenswerter Weise ohne viel Worte, dafür mit viel Bild aus (ja, ich weiß, ich bin ungeduldig) und die abgebildeten Endresultate sind immer wunderschön.

Alle Projekte brauchen wenig Zusatzmaterial, eine Tour in den lokalen Baumarkt (wo sowieso meine zweite Wohnstätte ist) reicht völlig aus und schon ist man im Besitz einer zauberhaften Korbwiege. Zwischendurch, um von Großprojekten abzulenken, werden schnell weiße Spucktücher bunt eingefärbt und aus alten Handtüchern wird ein Stillkissen gebunden. Wie schön und praktisch und unaufgeregt. Ich mag auch die Ideen, Strampelsäcke zu nähen oder einfarbige Bodies zu bestempeln, aber das wär mir womöglich zu mühsam. Nach vier Kindern weiß ich ungefähr, wie so ein Body nach drei Wochen und dem Wickeln mit Stoffwindeln aussieht.

Vom Möbel bis zum Spielzeug

Ein Beistellbett aus abgesägten Stuhlbeinen und Sperrholzplatten mit ausgesägtem Muster brachte mich fast zum Weinen. So hübsch- und mein Jakob ist einfach zu groß dafür. Bei Klein und Mayerhofer darf frau keine Angst vor Akkuschraubern, Bohrmaschinen und Stichsägen haben, aber dann geht auf einmal alles schnell und leicht. Dafür gibt es zur Abwechslung auch etwas Wellness für die Mamas, Badezusätze, Müsliriegel und Teemischungen sind schnell gemacht, ein perfektes Geschenk und verwöhnen schwangere Mamas, wann immer sie es nötig haben.

Noch nicht genug? Wenn das Baby erst geboren ist, dann braucht man noch viel mehr – Rasselröhren aus Bambus zum Beispiel oder Fühlsäckchen aus Lederresten, Fummeltücher, Schnullerbänder, Trockenbäume für Fläschchen. Für viele Alltagssituationen haben Klein und Mayerhofer kreative Ideen, die sich leicht umsetzen lassen. Manche, wie der Trockenbaum, sind auch außerhalb des Babyzeitalters interessant. Das Utensilo ist hübsch – aber für mich uninteressant. Wir haben viel zu viel Krimskrams, als dass ich den in hübsch angeordneten Bauhaus -Boxen an die Wand schrauben möchte.

Kleine Ideen für den Alltag

Nett finde ich auch die vielen kleinen Tipps, die den Babyalltag erleichtern. Z.B., wie aus dem Tragetuch schnell eine Hängematte wird, damit das Baby auch bei der Freundin während eines Besuches schaukelnd schlafen kann. Oder, wie man einfach aus Klettband und Karabinern eine Möglichkeit baut, alle normalen Stofftaschen am Kinderwagen zu befestigen. Ade, ungetüme Wickeltasche! Für alle, die es gern schnell und einfach mögen (ich fühle mich durchaus angesprochen) gibt es leichte Mobiles zum Nachbauen. Und für die Strickerinnen weiche Shrugs fürs Baby, wenn es zu warm ist, um eine Strickjacke anzuziehen und zu kühl, um nur ein Shirt anzuhaben.

Zwischen Rhythmusinstrumenten und Kissenlandschaften finden sich ein paar Rezepte, die das Wochenbett angenehmer gestalten sollen. Und die wachsenden Kleinen freuen sich über Indoorschaukelstühle und Kinderwagendecken. Bei soviel Schönem und Kreativem bin ich geneigt, die unangenehmen Seiten des Kinderhabens beiseite zu drängen. Spätestens, wenn Jakob wieder das Erdgeschoss mit Draht umwickelt werde ich wissen, dass meine Zeit vorbei ist. Klein und Mayerhofer waren einfach zu spät dran.

Titelangaben:

Lea Klein, Carla Mayerhofer: minimach. Nadel, Säge, Tatendrang – das DIY – Babysachenbuch.

Bern: Haupt Verlag, 2015.160 Seiten. 24,90 EUR.

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