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Marjolein Holtkamp: Wildkräuter. Entdecken, Erkennen, Verarbeiten.
Steffen G. Fleischhauer, Astrid Süßmuth: Wildwachsende Heilpflanzen einfach bestimmen.

Es lebe der Wildwuchs

Das Gute liegt schon nah – schon Goethe hat darüber fabuliert. Wer bei einem ausgedehnten Spaziergang durch Wald und Flur die Augen aufmacht, darf erfahren, wie nah das Gute tatsächlich liegt. Marjolein Holtkamp hat für LV-Buch über Wildkräuter. Entdecken, Erkennen, Verarbeiten geschrieben. Steffen G. Fleischhauer und Astrid Süßmuth geben für den AT-Verlag Wildwachsende Heilpflanzen einfach bestimmen heraus. Wer braucht welches Buch?

Ich beginne mit der hübschen nostalgischen Ausgabe von Holtkamp. Schöne Zeichnungen zieren das Deckblatt, ein praktisches Plakat hilft unterwegs, es gibt hinlänglich Platz für Notizen und jede Menge Wissenswertes über Heilkräuter. Gerade für Sammler, die neu einsteigen, ist das Büchlein ideal. Im Anhang finden sich auch Rezepte für Teezubereitungen oder Duftmischungen. Das ist vielleicht etwas allgemein gehalten, reicht aber für Beginner.

Nicht ganz schlüssig
Ich muss zugeben, trotz der schönen Aufmachung stört mich Einiges. Holtkamp schreibt über Wildkräuter, für mich haben da Oregano oder Thymian und Lavendeln nichts zu suchen. Schließlich wachsen sie bei uns nicht wild. Weshalb schreibt sie darüber? Wer bei uns am Straßenrand Salbei findet, darf sich gerne bei mir melden! Zudem wird zwar viel zur Namensherkunft und Verwendungsgeschichte geschrieben, Rezepte für die jeweiligen Kräuter finden sich nur im Ansatz.

Wer also über den Ansatz »Mit Kastanien kann man waschen« hinaus ist, wird nicht ganz glücklich. Neueinsteiger jedoch schon, weil sie sehr komprimiert Wichtiges über die jeweilige Pflanze erfahren. Leider hat Holtkamp einen redaktionellen Fehler im Buch: Königskerze und Nachtkerze werden verwechselt, bzw. statt Königskerze Nachtkerze geschrieben. Egal, wie ähnlich die Namen klingen, sind es dennoch zwei verschiedene Pflanzen. Schlecht lektoriert? Das geht gar nicht!

Hand und Fuß
Dagegen werden bei Fleischhauer und Süßmuth vor allem alte Hasen glücklich. Die Auswahl beschränkt sich zwar auf nur fünfzig Pflanzen, die werden aber sehr gründlich vorgestellt. Große Fotos, detaillierte Beschreibung, Standort, Inhaltsstoffe, verwendbare Pflanzenteile, Sammelzeit, Heilwirkung, Nebenwirkungen, Verwendung in der Hausapotheke, Rezepte, Verwechslungsmöglichkeiten und weiterführende Quellen zu jeder Pflanze lassen keine Wünsche offen.

Dabei sind die Rezepte allesamt durchführbar, ich brauche also kein Pharmaziestudium, um die Heilwirkung zu nutzen. Einsteiger werden die Lektüre vielleicht etwas zu detailliert und mühsam finden, ich habe dagegen das Gefühl, meinen heiligen Gral gefunden zu haben. Besonders gefällt mir an Fleischhauers Kompendium, dass die Heilpflanzen nach Standort sortiert wurden. Also Wegränder, Wald, Wiese, Heide und so weiter.

Geschenk und Eigennutz
Wäre Holtkamp nicht der fatale Lapsus mit der Nachtkerze unterlaufen, würde ich sagen, ihr Kräuterbuch ist ein wundervolles Geschenk für alle, die mal hineinschnuppern wollen in die Welt der Kräuter. Wer weitgehendere Absichten hat, sollte jedoch zum ausführlicheren Buch von Fleischhauer und Süßmuth greifen, es gibt dort einfach mehr zu Lernen.

Literaturangaben:
Marjolein Holtkamp: Wildkräuter. Entdecken, Erkennen, Verarbeiten.
Übersetzt von Elke Adams.
Münster: LV-Buch 2018. 128 Seiten. 14 €.
Steffen G. Fleischhauer, Astrid Süßmuth: Wildwachsende Heilpflanzen einfach bestimmen.
Aarau: AT-Verlag 2018. 288 Seiten. 20 €.

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