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Aurélie Drouet: Möbel bauen aus Holz und Naturmaterialien

Mein Freund, der Baum

Aurélie Drouets Möbel bauen aus Holz und Naturmaterialien liest sich wie ein wundervoller Ausstellungskatalog. Junge, ambitionierte Designer und Architekten, vorwiegend aus Frankreich, stellen hier ihre Gedankenspiele zu Möbel und Beleuchtung vor. Wohl dem, der wie ich eine Obstwiese mit vielen alten Bäumen hat. In Windeseile lassen sich aus altem Holz etliche Sitzmöbel, Lampen oder Garderoben bauen, die Heim und Garten verschönern.

Im gerade angesagten reduzierten Wohnstil mit wenigen Farbtönen und kargem Möbeldesign fügen sich die Entwürfe ganz unterschiedlicher Designer und Architekten wunderbar ein. Gleichzeitig sollte man bedenken, dass solche Stücke immer solitär wirken, so wie sie auch fotografiert werden. Bevor man also wild darauf lossägt, wird man sich überlegen, wo die zukünftigen Preziosen ihren Platz finden könnten.

Birke und Eiche für den Wohnbereich

Der erste Wermutstropfen folgt schnell: während ich nur mit Apfelbaum und Kirsche punkten kann, werden im Buch Treibholz, Birke und Eiche verarbeitet. Ganz klar: das Gefühl, eigenes Holz ohne Probleme verarbeiten zu können, schwindet deutlich. Also mache ich mit diesem Buch, was ich mit allem anderen auch mache: Ideen sammeln. Die Konsole aus Holzlatten mit Schieferbelag zum Beispiel überblättere ich. Kein Schieferabbau auf der Obstwiese.

Der Treibholzlampenschirm dagegen, perfekt bleich in Beton gegossen, könnte auch aus einer alten Weide gemacht sein oder, falls das Holz zu weich wäre, aus altem Apfelbaum. Mir hat es vor allem der Betonsockel angetan, der die Stehlampe robust und dezent gleichzeitig gestaltet. Kann auch sein, dass die türkisen Lampenschirme ein bisschen was damit zu tun haben, dass ein Trigger bei mir anspringt.

Helle Farben, wenige Farbtupfer

Das Designprinzip in Möbel bauen aus Holz und Naturmaterialien ist denkbar einfach. Die Möbel werden naturbelassen gebaut und beim Finish wird mit einigen wenigen Farbakzenten Extravaganz herbeigezaubert. Ich sage nur: Türkis. Egal, ob auf Lampenschirmen, in Utensilos oder auf Stühlen aus Baumstämmen, ständig läuft einem diese Farbe über den Weg. Kombiniert mit hellen Holztönen, Grau, Weiß und Beton sehen die Stücke dann wirklich fabelhaft aus.

Einige schnelle Entwürfe gibt es auch: ich liebe die Garderobe aus einem Ast, einfach an beiden Seiten mit einem schönen Baumwollripsband von der Decke abgehängt. Genial für meinen Laden, für den ich noch den perfekten Kleiderständer suche. Nun habe ich ihn gefunden. Ich finde auch die Lampen aus Kokosnuss toll, aber ich denke nicht, dass ich sie machen werde. Ich habe immer Schwierigkeiten damit, Nahrungsmittel zu verbasteln.

Große Möbel, kleine Basteleien

Was mir besonders gut gefällt, ist die Möglichkeit, mit kleineren Projekten sofort zu beginnen. Sei es der eben erwähnte Garderobenast oder ein Pouf aus Schafswolle, Utensilos aus Bambusrohren oder Kerzenständer aus dicken Ästen. Das geht schnell, der Bedarf an Spezialwerkzeug hält sich in Grenzen und das Resultat ist sehr hübsch. Wer übers Wochenende sein Zuhause verschönern will, wird hier bestimmt fündig, alle anderen Projekte sind etwas für Tüftler und Motorsägenbesitzer.

Titelangaben:

Aurélie Drouet: Möbel bauen aus Holz und Naturmaterialien

Aus dem Französischen von Petra Bös.

Münster: LV-Buch, 2016. 192 Seiten. 19,95 EUR.

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