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Jochen Weeber, Fariba Gholizadeh: Was ist bloß mit Gisbert los?

Frustschrumpfen

Was machen Worte mit Kindern? Bemerkungen von Freunden sind oft schwierig einzuordnen. Gisbert bekommt das am eigenen Leib zu spüren. Jochen Weeber erzählt in Was ist bloß mit Gisbert los? Auf einfühlsame Weise von den Auswirkungen von Worten auf das eigene Selbstwertgefühl. Schwierig, da den Finger darauf zu legen, findet Giraffe Gisbert – und schrumpft.

Dabei hat Gisbert eigentlich allen Grund, mit sich und seinem Giraffenleben zufrieden zu sein. Er hat viele Freunde, mit denen er spielen kann und durch seine Größe durchaus Vorteile. Ach, wie ist das Giraffenleben schön. Bis eines Montags, auf dem Weg in den Kindergarten, die Hyänen hinter Gisbert über seine braunen Flecken kichern. Das ist gar nicht schön. Mit Gisbert geschieht etwas seltsames: Er beginnt zu schrumpfen.

Die Macht der Worte

Was Gisbert die nächsten Tage erlebt, kennt jeder. Erwachsene können den wunden Punkt schneller identifizieren, vielleicht ist man empfindlich, vielleicht sind die spitzen Bemerkungen von Freunden wirklich unangebracht, auf jeden Fall sind sie verletzend. Aber wie gehen Kinder mit boshaften Sticheleien um? Gisbert hat offensichtlich etwas Derartiges noch nie erfahren und beginnt, sich unsicher zu fühlen. Und klein.

Jedes mal, wenn jemand etwas Unfreundliches zu Gisbert sagt, schrumpft er ein Stück. Die Eltern beginnen, sich Sorgen zu machen. Doch Gisbert kann nicht erklären, was in ihm vorgeht. Seine Freunde lachen ihn aus oder hänseln ihn und Gisbert schrumpft weiter. Schließlich fühlt er sich krank, versteckt sich unter dem Sofa und möchte nicht mehr vor die Türe gehen. Nun erkennt er auch den Zusammenhang zwischen den unfreundlichen Äußerungen und seinem unguten Gefühl.

Abstraktes verbildlicht

Jochen Weeber gelingt es wundervoll, auch dank der kongenialen Illustrationen von Fariba Gholizadeh, das abstrakte Thema der Kränkung kindgerecht aufzubereiten. Was fühlt ein Kind eigentlich, wenn es gekränkt wird? Welche unterschwelligen Auswirkungen haben Worte? Gisbert fühlt sich erst besser, als seine Freunde zu ihm wieder freundlicher sind, sich nach ihm sehnen, er ihnen fehlt. Das Ende finde ich besonders schlüssig. Manchmal nämlich ärgern Kinder einander einfach so, ohne dass der Betroffene etwas dafür kann. Und es wird auch erst besser, wenn man zurück in seine Gruppe findet, sich angenommen und geliebt fühlt. Dann wächst man wieder. Wie Gisbert.

Ein Kinderbuch, das also nicht nur zeigt, wie schrecklich man sich fühlt, wenn Menschen gemein zueinander sind, sondern auch, dass solche Situationen nur durch guten Willen und Freundlichkeit gelöst werden können. Gerade für Kindergartenkinder, die sich mal ab- mal anfreunden, eine gute Möglichkeit um zu erkennen, wie wichtig umsichtiges soziales Verhalten und Zuneigung sind. Schön, dass der Patmos Verlag dieses Kinderbuch herausgegeben hat!

Titelangaben:

Jochen Weeber, Fariba Gholizadeh: Was ist bloß mit Gisbert los?

Ostfildern: Patmos Verlag, 2016. 24 Seiten. 12,99 EUR.

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