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Jutta Handrup & Maike Hedder: Fang an mit Kork. 35 einfache DIY-Projekte

Neues Material, alte Ideen

Jutta Handrup und Maike Hedder wagen sich in Fang an mit Kork. 35 einfache DIY-Projekte an das Material, das wir Konservativen nur von Korken, Pinnwänden und Böden kennen. Aber ja, Kork kann viel mehr! Zu Beginn testen die Autorinnen Techniken, die altbekannt sind, mit dem neuen Material. Das ist gleichzeitig langweilig und faszinierend, macht aber auch neugierig auf das, was noch folgen kann.

Ich habe bereits einmal versucht, mit Korkplatten zu arbeiten und bin grandios gescheitert, weil sie so brüchig waren. Entsprechend skeptisch stehe ich diesem Buch gegenüber. Als bekennende Wiederverwerterin stört mich außerdem, dass ich bei dieser Technik alles Material erst einmal kaufen muss, am besten über den schon auf der Titelseite beworbenen Onlineshop. Nur ein Werbegag?

Naturmaterial kreativ verwertet

Die Korkeiche ist eine seltene, nur sehr langsam nachwachsende Baumart aus dem südlichen Europa. Um den Bestand zu schonen, werden zum Beispiel Weinkorken vermehrt durch andere Verschlüsse ersetzt. Wie viel Sinn macht es dann, mit gerade so einem empfindlichen Material kreativ zu arbeiten? Alle Bedenken dahin gestellt gilt es, ein Buch zu rezensieren, das sich mit Kork befasst.

Um alle Vorurteile gegenüber dem Material aus dem Weg zu räumen, stellen die Autorinnen ihr Projektmaterial vor: Korkstoffe, Klebefolien mit Kork beschichtet, Korkpapier, Korktonpapier. Für jede Materialart wird angegeben, wie damit gearbeitet werden kann. Entsprechend gestaltet sich der Bedarf an Werkzeug, Nähmaschine und Schere, Lochzangen und Klebstoffe sind erforderlich. Korkstoffe lassen sich ähnlich verarbeiten wie Leder und sehen auch so aus. Vor allem die Natürlichkeit des Materials besticht.

Leichte Projekte

Zwar ist es das Ansinnen der beiden Autorinnen, den Werkstoff Anfängern nahe zu bringen, aber die Projekte sind schon sehr simpel gehalten. Aus Korkstoff wird ein Armband geflochten mit Verschlusskappen oder Bandklemmen und Perlen. Tendenziell brauche ich dafür keine vierseitige Anleitung, auch wenn die Fotos sehr schön sind. Die Korkclutch ist schnell erklärt und genäht, Taschen werden im Prinzip in Briefkuverttechnik genäht. Sehr leicht und, hat man das Prinzip verstanden, auch selbst erklärend und übertragbar.

Deshalb finde ich es auch überflüssig, erst eine Clutch zu zeigen, dann eine Smartphonehülle (Clutch in klein und geklebt) und Briefumschläge (Clutch mittel geklebt). Sehr viel wird einfach ausgeschnitten und gestanzt (Sterne, Tischsets, Buchstaben) und als Deko an Wände, auf Karten und Möbel verklebt. Alle Projekte sehen sehr ästhetisch aus und leben vom Material, die Verarbeitungsarten sind aber allbekannt.

Bekanntes umgemodelt

Langweilig finde ich die Projekte, wo nur das Material ersetzt wird. Fröbelsterne aus Korkstreifen. Flechtkörbe aus Korkstreifen (sehen aus wie meine Tetrakörbe), Notizbuchhüllen aus Korkstreifen, Geschenkanhänger aus Korkpapier, Blättermobile aus Korkpapier, kleine Schachteln aus Korkpapier. Ja, das Material ist vielseitig einsetzbar, aber an sich ist das kein Argument, teures Korkpapier zu kaufen. Schachteln und Karten sind auch aus Recyclingmaterial so hübsch herzustellen und es beschleicht mich durchaus das Gefühl, dass es auch um den anfangs angepriesenen Onlineshop geht. Ich finde kein einziges Projekt, das ich nicht genauso hübsch mit irgendetwas anderem bauen könnte. Und so schön die Bilder auch sind, Fang an mit Kork. 35 einfache DIY-Projekte lässt mich relativ unbefriedigt zurück.

Titelangaben:

Jutta Handrup & Maike Hedder: Fang an mit Kork. 35 einfache DIY-Projekte.

Münster: Landwirtschaftsverlag, 2015. 108 Seiten. 16,95 EUR.

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