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Claudia Scholl: Inselwelt und Ritterburg. Spielwelten aus Pappe auf einem Quadratmeter

Ab ins Nimmerland

Wer hat noch nie etwas aus alten Kartons gebastelt? Dann wird es nämlich höchste Zeit. Claudia Scholl stellt in Inselwelt und Ritterburg. Spielwelten aus Pappe auf einem Quadratmeter kleine Universen der Phantasie vor. Unaussprechliches Vergnügen wartet, denn man fühlt sich unweigerlich in die eigene, unperfekte und improvisationsreiche Kindheit zurück. Ich sage nur Post. Oder Polizei. Oder Waschmaschine. Oder.

Das Wichtigste zuerst: die Kinder dürfen bauen, wie sie wollen und was sie wollen. Die Autorin hat ihnen über die Schulter geschaut und offensichtlich hat sie hie und da ein paar Tipps gegeben, mehr nicht. Was entsteht nicht alles aus Karton? Als wir umgezogen sind, haben meine Kinder sich eine Stadt gebaut, mit Bücherei und Postamt.Diesmal entstehen zumeist auf Doppelseiten kleine Projekte, die nicht viel Platz einnehmen und mit Liebe zum Detail und zu Verrücktheiten zum Nachdenken einladen.

Nichts funktioniert

Ein Staubsauger aus Karton? Er saugt nicht, aber das macht nichts, denn Kinder tun gern so als ob und füllen leere Objekte mit ihrer Phantasie. Für jedes Projekt sind kurz die Materialien vorgestellt, das meiste stammt aus dem Altpapier und dem gelben Sack. Auch die Arbeitsanleitung ist knapp gehalten, es geht ums Prinzip und ums Ausprobieren. Die Ritterburg ist ein detailverliebter Klassiker, der Tischkicker aus Pappe und Korken ein lustiger Hingucker.

Natürlich gibt es auch Puppenstuben zu bauen, ganze Inselwelten sogar wie Lummerland und auch noch eine Klangbox, ein Spielkarton zum Drinsitzen und raten, was draußen wohl geklopft wird. Schnell wird klar, fängt man erstmal an zu denken, nehmen die Ideen bald kein Ende mehr. Sehr nett finde ich auch die Möglichkeit, den heimischen Esstisch rundherum mit Pappe zu bedecken und so Spielwelten und Spielhäuser zu erschaffen, in die sich ein Kind zurückziehen kann. Höhlen waren schon immer ein Faszinosum.

Praktisch oder versponnen

Manchmal dürfen es aber auch einfach nur Waschmaschine und Flaschenrückgabe sein. Oder ein Zukunftshaus im All? Wer es an Kindergeburtstagen gern phantasievoll mag, lässt die Gäste kollektiv ein Motto gestalten. Wie wäre es mit einer Gartenparty? Oder einem Kegelspiel? Selbst ein Wurfspiel kann man aus Karton gestalten, denn Klettband kann ein wundervoller Ballfänger sein. Für Rollenspiele eignen sich eine Fotobox zum Selbermalen oder eine kleine Stadt aus Karton.

Kinder verlieren sich gern und Claudia Scholl ist es wundervoll gelungen, das zu zeigen. Auch, dass Projekte nicht gelingen müssen und manchmal kein Ende finden, ist gewollt. Der Weg ist das Ziel und der Prozess des Bauens an sich eine Bereicherung. Man kann davon ausgehen, dass ein Kind solch ein Buch eher als Anregung denn als Anleitung empfinden wird. Für uns Erwachsene ist es eine Gedächtnisstütze, die zurück in die Kindheit führt.

Titelangaben:

Claudia Scholl: Inselwelt und Ritterburg. Spielwelten aus Pappe auf einem Quadratmeter

Bern: Haupt Verlag, 2017.144 Seiten. 24,90 EUR.

Auf Schusters Rappen – Walking Again

Diesmal stand die Schertelshöhle auf dem Programm . Nach dem Blautopfdrama war ich gespannt, wie weit Buch und Realität diesmal auseinander liegen würden, doch es ging echt. Drei Stunden waren angegeben, vier waren wir unterwegs. Von der Papiermühle in Wiesensteig die Fils entlang bis zur Quelle, dann durchs Hasental hinauf zur Schertelshöhle. Wie man an den Fotos sieht, war es nicht besonders anstrengend oder steil. Einziger Wermutstropfen: man musste fast den gleichen Weg zurück. Dafür konnten wir in der eiskalten Filsquelle unsere heißen Füße abkühlen und das ist auch was wert. Die Schertelshöhle ist super begehbar und gut ausgeleuchtet und jede unserer Wanderungen hatte etwas geboten, das für kleine Kinder wichtig ist: Burg, Höhle, Wasser. Fazit: wann wandern wir endlich wieder, fragte Jakob. Bald, sagten Hans und ich.

We have been on a three hours walk to the Schertels Cave near Wiesensteig this time and enjoyed it a lot . The path was not at all exhausting to walk on and the cold water helped to cool hot feet…. The cave itself was save to walk in and of course spectacular due to its size. The kids enjoyed the combination of the cold water, cool cave and sunny meadows very much. Well, we’ll keep walking, I guess.

 

Straßenhäkeln – Crochet on the Road

So was mache ich, wenn ich Stunden lang im Auto sitze. Weil wir Kinder aus den Ferien in Bayern abholen. Oder weil wir zum Wandern fahren. Häkeln, Stricken, was auch immer.

Diesmal: Ich hatte Blaues Garn aus einem aufgetrennten Pullover, gewaschen, gespannt und aufgewickelt. Und viele Sockenwollreste. Also: Gemischt und Häkelmützen in ganz verschiedenen Größen gemacht, mit Nadel sechs, fünf Maschen im Anschlag und dann in Runden weiter. Je nachdem habe ich drei oder vier Runden zugenommen. Ich habe mir überlegt, dass ich für mein Wintergeschäft die Mützen getrennt vom Schmuck verkaufe. Wer mag, kann sie pimpen mit Blümchen, Pompons und so weiter. Mal sehen, was draus wird.

Ab zum Creadienstag, Pamelopee, Meertje, HappyRecycling, EiNaB, HoT, Dienstagsdinge und Gusta!

I’ve been driving around a lot. Better, sitting aroudn while Hans was driving so  I could crochet. I made a lot of hats out of recycled yarn and sock yarn left overs. Reduces my stash. For decorating, I made fake fur pompons and flowers. Do you think it will work?

Neu Gelesen

Kathrin von Maltzahn: Mein Herz schlägt für Dänemark. Band I.

Dänemark für Einsteiger.

Wie schön ist der Norden!

Die Ferienzeit naht und ich schwitze an meinem Schreibtisch. Natürlich kann ich mir dann nicht vorstellen, meinen Urlaub auf einer griechischen Insel zu verbringen. Wenn aber Kathrin von Maltzahn in Mein Herz schlägt für Dänemark mir ein Land vorstellt, dessen Ruhe und Schönheit Entspannung versprechen bei milden Temperaturen, gerate ich nahezu ins Schwärmen. Was hat es mit diesem Dänemark auf sich, wenn Wikingerlegenden und Seefahrermuseen sich mit endlosen Spaziergängen und Traumstränden abwechseln?

Eins ist klar, Lektüre ist was anderes. Kathrin von Maltzahn hat keinen literarischen Reiseführer verfasst, sondern einen praktischen. Beim Rezensieren strengt das manchmal an, bei der Herbergssuche kann es sehr hilfreich sein. Die Autoren arbeitet sich von Süden nach Norden durch, für Dänemarkeinsteiger werden hauptsächlich die Küstenregionen betrachtet. Der Reiseführer richtet sich an Dänemarkliebhaber, die gerne gemütlich in Ferienhäusern Urlaub machen und die nordische Ruhe einsaugen möchten. Und er wird vom Anbieter selbst verlegt, was bei der Lektüre in den Hintergrund gerät und erwähnt werden sollte, für die, die sich unabhängigere Reiseführer wünschen.

Basiswissen im Einsteigerband

Maltzahn hat ihr üppiges Wissen in drei Bände aufgeteilt. Im ersten Band wird der Dänemarkurlaub jenen Menschen vorgestellt, die dort noch nie waren. Der Basiswissenteil ist also relativ umfangreich und beantwortet Fragen zu Ferienhausurlaub, Urlaub mit Familie und Haustieren, Wetterverhältnisse, Einkaufsmöglichkeiten und Badesicherheit. Gerade bei letzterer liefert Maltzahn wertvolle Tipps für das Baden am Meer unter Hinweis auf die zahlreichen Gefahren. Wer lieber auf Nummer Sicher gehen möchte, bevorzugt vielleicht die abwechslungsreiche Bäderszene in Dänemark.

Doch dann geht es auch schon an die Schilderung der Urlaubsregionen. Aufgeteilt in Nordsee und Ostsee und die wichtigsten Inseln wird dem Leser ein Einblick in das wundervolle Nachbarland gewährt. Wer nicht besonders weit mit dem Auto fahren möchte, der wählt einen Urlaubsort gleich nach der Grenze, andere wagen sich weiter nach oben in einen der wunderschönen Fjorde mit bewegter Geschichte.

Zwischen Watt und Wikingern

Für Angler, Wattwanderer und Spaziergänger ist Südjütland auf jeden Fall eine Reise wert. Das Wattmeer lockt mit Naturerlebnissen, ein Ausflug nach Ribe erstaunt mit lokalem Kunsthandwerk. Schon in Westjütland endet das Wattmeer, Dünen und Heideflächen betten die Ferienhäuser in ein malerisches Ambiente. Maltzahn gelingt es immer, für jeden Ort die wichtigsten Informationen zusammen mit ein paar schönen Fotos auf einer Doppelseite zu sammeln.

Auf jeder Seite werden Städte vorgestellt, manchmal sogar mit einzelnen sehenswerten Museen, Läden oder Cafés. Wer mehr Informationen möchte, findet auf jeder Seite einen QR-Code zum Nachlesen. Wer lieber erprobte Touristenorte wie Blåvand erkunden möchte, erhält ebenso wundervolle Tipps wie all jene, die lieber abseits vom Massentourismus Erholung suchen. Ein großer Pluspunkt ist die Ehrlichkeit, mit der Maltzahn schreibt. Vielen Dank daher für die Informationen über Manövergebiete des dänischen Militärs. Ärgerliche Erfahrung mit Lärmbelästigung kann so von Anfang an vermieden werden.

Abwechslungsreiche Urlaubsregion

Wer nach Dänemark reist, kann sicher sein, eine abwechslungsreiche Urlaubsregion vorzufinden. Die Dänen wissen ja, dass sie nicht wie Italien oder Griechenland ihren Touristen im August eine Wettergarantie bieten können. Entsprechend lieblos ist manchmal das südländische Hinterland, sollte man sich doch für einen Ausflug entscheiden. Maltzahn verspricht Gegenteiliges für Dänemark. Am romantischsten sind vielleicht noch die Inseln, die schon immer Rückzugsort für die ortsansässige Oberschicht waren und entsprechend geschichtsträchtige Architektur aufweisen.

Doch gibt es überall viele Museen, gelebte Geschicht in Museumsdörfern, eine ausgeprägte Wassersportszene und zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Radfahren, Spielen, Klettern oder einfach nur schlendern und Staunen. Der Reiseführer weist auf lokale Spezialiäten hin und immer wieder kann man nur hoffen, dass der eine oder andere bezaubernde Laden oder die bekannten Bonbonmanufakturen noch bestehen, wenn man die eigene Reise antritt. Der Reiseführer empfiehlt Ruhe und Aktivität gleichermaßen, ein klassischer Badeurlaub wird es dagegen wohl eher nicht. Gut so.

Titelangaben:

Kathrin von Maltzahn: Mein Herz schlägt für Dänemark. Band I.

Dänemark für Einsteiger.

Düsseldorf: fejo.dk GmbH, 2017. 210 Seiten. 12 EUR.

Auf meinem Tisch – On my Table

Es war so heiß bei uns zum Teil, dass ich Probleme hatte, mir für meine Küche was zu überlegen. Niemand mochte wirklich etwas Warmes essen.

Also: Gazpacho gemacht. Gleich in der Früh habe ich zwei Liter Brühe aufgekocht und in den Kühlschrank gestellt. Eigentlich sollten nur grüne Zutaten in die Gazpacho, aber mir ist das ja immer egal. Ich hatte Gurken, Kräuter, Basilikum, Tomaten und Paprika. Ich habe mit dem Blender alles klein geschnitten, aber nicht püriert und es kamen noch nach Gusto Öl und Essig dazu. Und ein bisschen Chili. Die kalte Suppe hält sich mehrere Tage im Kühlschrank und schmeckt jedes Mal herrlich frisch.

Auf zu MMI und Gusta!

It was so hot the last few days I had difficulties to come up with something for lunch. It turned out that gazpacho was the meal of the week and I made a pot of vegetable broth, let it cool and added lots of chopped veggies. What I had, like cucumbers, tomatoes, pepper, basil and some herbs. Also a bit of vinegar and olive oil. And some chili. I keep it in the fridge for several days and just take what I need. It‘ s wonderfully refreshing each time.

Balkon Challenge: die Sessel. My Balcony -The Chairs!

Erst musste dieser öde Boden irgendwie begehbar gemacht werden. Kein Spaß, nicht besonders ästhetisch, aber es funktioniert. Nun kommt der nette Teil. Wir haben über die Jahre gemerkt, dass wir auf unserem Balkon nicht essen. Wenn wir draußen essen, haben wir meist Gäste oder es ist heiß und für beides ist der Balkon ungeeignet. Aber abends ein Gläschen Wein? Perfekt! Aber dazu sind normale Stühle zu unbequem. Also wollten wir eine Art Lounge bauen. Zwischendurch waren wir auch im Möbelhaus, nur, um festzustellen, dass uns die Sachen entweder nicht gefallen oder zu teuer sind. Also haben wir nachgedacht.

First we had to fix that floor. Wasn’t funny, but absolutely doable. Well, then came the pretty part. As we don’t eat on the balcony, but love to drink a glass of wine outside, we opted for lounge chairs. Using what we had, Hans came up with two old lounge  chairs from the former Bulgarian embassy in Berlin. They have a funny history and we are so lucky were able to save them from being thrown away during the renovation of the embassy after the downfall of the iron wall. Hans was working in Berlin then and lucky enough to grip that pair of chairs.

In den unendlichen Weiten unseres Kellers standen zwei alte Ledersessel. Schön waren sie nicht mehr, der Bezug überall aufgerissen und alt. Aber sie haben eine verrückte Geschichte:

Es sind dies nämlich Sessel aus der Empfangshalle der ehemaligen bulgarischen Botschaft in Berlin.  Nach dem Mauerfall haben viele Ostblockstaaten ihre Botschaften saniert – auch innen. Das SOS- Kinderdorf Berufsbildungszentrum im Wedding bekam den Auftrag und mein Mann hatte dort gearbeitet. Die alten Empfangsmöbel sollten weggeworfen werden. So sind sie bei uns gelandet.

Der Bezug? Wir haben lange überlegt. Eigentlich das gleiche Dilemma. Einen tollen Bezugsstoff kaufen, damit unsere Kinder ihn verschandeln? Da haben wir schon lieber alte Vorhänge zerschnitten. Das waren mal unsere Schlafzimmervorhänge. Die Stuhlkörper haben wir einfach getackert, die Kissen habe ich mit Hotelverschlüssen bezogen. Außer ca. 200 Tackerklammern haben wir nichts investiert. Ach ja, und Faden.

The covering? Again: we used what we had. Like our old curtains, now turned into a new cover for two chairs. We covered the bodies without sewing, but the cushions were sewn extra. Adding some green plants and I now have a lovely space outside!

Jetzt stehen sie auf dem Balkon und ich freue mich jeden Tag. Über den Sommer habe ich auch meine Zimmerpflanzen rausgestellt, sie freuen sich über Frischluft und ich freue mich über eine grüne Oase.

Ab damit zum Creadienstag, Pamelopee, Meertje, HoT, Dienstagsdinge, EiNaB, Gusta und Happyrecycling!

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Marion Mebes: Machen Bauchgefühle satt? 111 Fragen für fühlosophische Ausflüge.

Nachdenken übers Unaussprechliche

Marion Mebes hat mit Machen Bauchgefühle satt? 111 Fragen für fühlosophische Ausflüge ein kleines, aber feines Büchlein mit durchaus philosphischen Gedanken über das Gefühl verfasst. Auf wundervoll individuell gestalteten Seiten laden die 111 Fragen ein, über sich und die eigenen Gefühle genauso nachzudenken wie über die Gefühle der anderen und das Gefühl an sich. Ein Ausflug in die Fühlosophie.

Es ist wundervoll, Marion Mebes zuzuhören. Die Verlegerin und Autorin nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht, um über Gefühle nachzudenken. Dabei folgt sie einem rein assoziativen Prinzip, lässt sich treiben von Frage zu Frage. Sind Gefühle echt? Wird man irgendwann zu alt dafür? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gefühlen? Marion Mebes gibt keine Antworten, sie stellt nur Fragen, die zum Nachdenken anregen sollen.

Sokrates lässt grüßen

Man meint manchmal, auf sokratischen Spuren zu wandeln, wenn Mebes versucht, den Begriff des »Gefühls« mittels ihrer Fragen zu fassen. Nicht, dass sie ihn fassen möchte, endgültige Begriffsklärung ist nicht erwünscht, der Weg ist das Ziel. Auf diesem Weg begleitet das kleine Büchlein, jede Frage ist wunderschön gestaltet und abwechslungsreich gehalten. Fast meint man, eine Gefühlspoetik in der Hand zu halten.

So hält sich eine Rezension in Grenzen, denn die Fragen an sich sind nicht zu bewerten. Sie sind klug, frech, manchmal fast platt. Dann wieder entgrenzend komplex. Immer sind es Fragen zum Gefühl, zum Fühlen, zum Gefühlten. Ich finde, ein sehr nettes Geschenk für Menschen, die sich tagein- tagaus mit Gefühlen auseinandersetzen müssen. Für LehrerInnen, ErzieherInnen, für Eltern und Freunde. Für alle, die gerne einmal eine Pause einlegen und nachdenken.

Titelangaben:

Marion Mebes: Machen Bauchgefühle satt? 111 Fragen für fühlosophische Ausflüge.

Köln: Verlag Mebes und Noack, 2016. 124 Seiten. 14,95 EUR.