Bücherbord

 

Hier stelle ich Euch die Bücher vor, die gerade in unserer Familie mit Leidenschaft gelesen werden!

Neu gelesen!

Joyce Russell, Ben Russel: Selbst gebaut für meinen Gemüsegarten. 30 DIY- Projekte für eine reiche Ernte

Anleitung zum Glücklichsein

Es ist definitiv so: wenn es um Garten und Selbermachen geht, bin ich voreingenommen. Ich liebe meinen Garten und jedes Jahr nehme ich darin irgendeine Veränderung vor, die die Ernte garantiert, schön aussieht und das Leben erleichtert. Dank Joyce und Ben Russels Selbst gebaut für meinen Gemüsegarten. 30 DIY- Projekte für eine reiche Ernte steht nun für Herbst und nächstes Frühjahr eine Menge Arbeit an und ich muss nur zusehen, wie ich sie mir einteile.

Allein die Tatsache, dass Joyce Russel selbst Hand anlegt, bringt mich unter Zugzwang. Denn geschreinert habe ich noch nicht. Die Projekte im Buch sind alle relativ rustikal gehalten und definitiv perfekt für einen Selbstversorgergarten. Wer seine parkähnlichen Anlagen verschönern möchte, muss noch ein bisschen Glamour hinzufügen. Man sieht am Aufbau und an den Projekten schnell, dass da zwei Menschen sprechen, die Ahnung haben von dem, was sie tun und dass sie schon lange im Geschäft sind.

Heimwerken für Draußen

Für Neulinge werden auf den ersten knapp vierzig Seiten Grundlagen vorgestellt. Welches Werkzeug ist wichtig, welche Materialien werden benutzt und warum. Dann geht es an die Technik. Wie kriegt man gerade Linien hin, wie werden Bögen und Formen gezeichnet, wie wird gesägt, gebohrt oder gehobelt. Was ist beim Ausrichten und schließlich beim Zusammenbauen zu beachten – man merkt gleich, dass Joyce Russel aus einer Zimmermannsfamilie stammt.

Trotzdem ist dieser Teil wichtig, denn die dreißig schön bebilderten Projekte gehen nicht mehr auf die Techniken ein, sondern setzen das Wissen darob als gegeben voraus. Versierte Heimwerker werden hier großzügig quer lesen, alle anderen sollten diesen Teil als einen der wichtigsten betrachten. Dank der tollen Fotos von Ben Russel erklären sich manche Techniken auch von selbst. Das Material und das Werkzeug stellen einen nicht zu vernachlässigenden Invest dar, man sollte sich also schon sicher sein, dass Werken ab sofort zum Leben dazugehört.

Praktisch und Alltagstauglich

Nun aber zum Hauptteil, den Projekten: Joyce Russel hat sich im Laufe der Jahre zusammengebaut, was sie für ihren Garten braucht und so nicht kaufen kann, das merkt man deutlich. Vom Gerüst für dicke Bohnen über Folientunnel bis hin zu Vogelscheuchen, Blumenkästen und einem Stiefelknecht – der Gartenalltag wird um vieles einfacher werden. Vorrang haben der praktische Nutzen – die Optik ist definitiv sekundär.

Das heißt nicht, dass Russels Projekte nicht schön anzusehen sind. Es gibt nichts schöneres als einen gut organisierten Garten. Trotzdem kann man durchaus über die generelle Ästhetik von Folientunneln streiten. Doch jeder Selbstversorger wird bezeugen, dass sie notwendig sind. Ich finde sie toll und sie wären ideal für mein wachsendes Gemüsebeet auf meiner Obstwiese. Die Vogelscheuche schaut super aus in jedem Garten und einen Sammler für Laubkompost kann man sich nur wünschen, wenn man Laubbäume hat.

Alles, was das Herz des Gärtners begehrt

Spaliere für Himbeeren oder Obstbäume, ein Klettergerüst für Stangenbohnen. Die Projekte erinnern mich so an alte Bauerngärten. Aber es gibt auch noch genialeres. Das absolute Highlight ist ein Trockenschrank zum Dörren von Obst, der mittels einer Terrarienlampe betrieben wird. Hallo, Daniel Düsenstrieb! Die Apfelkisten habe ich sofort meinem Mann unter die Nase gehalten, das Ordnungssystem für den Geräteschuppen auch. Ich hätte sowieso dieses Jahr über ein Ordnungssystem nachgedacht, aber Joyce Russel hat für mich die Arbeit erledigt. Wundervoll.

Die Anleitungen für diverse Früh- und Hochbeete finde ich dagegen direkt öde. Ich habe das einfach schon zu oft gesehen und drei solcher Hochbeete stehen mittlerweile in meinem Garten. Wer aber noch kein Gartenwerkbuch hat, kann sich über die Vollständigkeit hier freuen. Und sozusagen gratis gibt es immer wieder dazwischen gute Tipps aus dem reichen Erfahrungsschatz der Russels.

Titelangaben:

Joyce Russell, Ben Russel: Selbst gebaut für meinen Gemüsegarten. 30 DIY- Projekte für eine reiche Ernte.

Aus dem Englischen von Dr. Wolfgang Hensel.

Bern: Haupt Verlag, 2017. 192 Seiten. 24,90 EUR.

Tanja Dusy: 3 Brühen, 20 Suppen.

Grundausstattung in der Küche

Vor allem für Küchenneulinge ist Tanja Dusys 3 Brühen, 20 Suppen ideal. Wer noch nie selbst gekochte Brühe für die Lieblingssuppenkreation benutzt hat, wird ihr kleines, aber feines Kochbuch als Offenbarung empfinden. Fonds und Brühwürfel sind zwar allgegenwärtig, doch wer auch nur einmal echte Brühe gekostet hat, wird für kein Geld auf der Welt wieder Brühwürfel benutzen wollen.

Dies hier wird wahrscheinlich die kürzeste Rezension seit langem. Denn besonders dick ist Dusys Buch nicht. Wozu auch. Die Grundregeln sind schnell erklärt. Dusy kocht aus drei Grundbrühen – Rinderbrühe, Geflügelbrühe und Gemüsebrühe – jede Menge leckerer Suppen. Dabei deckt sie alles ab vom Heimatrauschen bis nach Fernost. Basierend auf jeweils einer Brühe variiert sie traditionelle und exotische Rezepte.

Grundsolide

Die drei Grundbrühen, aus denen all die leckeren Suppenrezepte gekocht werden, sind sehr solide. Knochen, Fleisch, Wurzelgemüse, meine Oma hätte die Brühen nicht besser kochen können. An der Gemüsebrühe gefällt mir, dass das Suppengemüse erst im Ofen mit Olivenöl angedünstet wird, das ergibt eine wundervolle Geschmacksbombe. Schon bei den Grundrezepten sind Variationsmöglichkeiten angegeben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass jede dieser Brühen sich perfekt zum Vorkochen und Einfrieren eignet. Einmal Arbeit, viele Tage Suppenglück.

Nun geht es ja auch noch um die zwanzig Variationen. Von klassisch bis exotisch wird gekocht. Tomatensuppe gefällig? Aber bitte mit Gemüsebrühe, Weißwein, Knoblauch, Basilikum und Mozzarella. Das hört sich doch nach heißem Urlaub an!Einer meiner Favoriten: Rote Bete – Brühe aus Rinderbrühe mit Meerrettisch und saurer Sahne. Man merkt schnell, die Suppen sind als ganze Mahlzeiten gedacht, nicht nur als Vorspeise.

Heilsam

Dusy kocht nicht nur leckere Suppen, viele erfüllen einen guten Zweck mehr: sie helfen und heilen. Ob Blutarmut, Magenbeschwerden oder Erkältung – seit jeher hilft eine gute Suppe denen, die sie brauchen. Fenchel, Kümmel und Anis in einer Gemüsebrühe mit Pfannkuchen für jene, die sich den Magen verdorben haben, eine asiatische heiße Brühe mit Ingwer und Nelken gegen Erkältung jeder Art, eine Thaisuppe mit Limette gegen einen selbstverschuldeten Kater.

Suppe hilft immer. Die exotischen Varianten sind definititv in der Überzahl und die Grundrezepte schreien geradezu nach eigener Kreativität. Ich mag an Suppen schon immer die Variationsmöglichkeiten – und dass man sie einfrieren kann. Suppe kocht man auf Vorrat und freut sich dann immer wieder an den Möglichkeiten, zu variieren. Wer der eigenen Experimentierfreudigkeit etwas auf die Sprünge helfen möchte, findet bei Tanja Dusy die perfekte Kombination.

Titelangaben:

Tanja Dusy: 3 Brühen, 20 Suppen.

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 48 Seiten. 9,99 EUR.

Audrey Harings: CanGu und die Kuchenkrümel

Die quälende Frage nach dem Warum

Eigentlich sind Tiergeschichten immer ein Selbstläufer. Kinder lieben Tiere und die Vierbeiner unterliegen nur wenigen literarischen Einschränkungen, denn im Buch dürfen sie all das können, was ihnen die Realtität versagt. Und mal ehrlich: wer wüsste manchmal nicht gern, was im Kopf eines Welpen vor sich geht? Audrey Harings nahm wohl an, dass man mit einer Tiergeschichte kaum Fehler machen kann. Falsch. CanGu und die Kuchenkrümel zeigt, warum.

An Harings Buch stimmt nichts. Die Sprache ist dürftig, der Inhalt nicht vorhanden und wo doch, nicht schlüssig. Aber von vorne. Eine Familie bekommt an Sylvester Welpenzuwachs. Das gestaltet die Frage des nächsten Urlaubs kompliziert. Doch alle Tiere werden bei Pflegefamilien untergebracht. Ein Welpe jedoch sieht sich einer eifersüchtigen Katze ausgesetzt, die ihn vom Hofe jagt. Über Umwege und ein Tierheim findet er seine Familie wieder.

Falsch angepackt

Am Plot selbst kann man erstmal nicht unbedingt meckern. Wenn er auch nicht ausgemacht intelligent ist, so könnte er doch funktionieren. Was von Anfang an nervt, sind die überflüssigen Informationen. Ein Kind würde doch zum Beispiel gern etwas über die Gastfamilie der Hunde erfahren, vor allem über die beiden Jungs. Statt dessen erfährt der geneigte Leser, dass der Vater ein leitender Angestellter in der Modeindustrie ist. Warum?

Pipis Papa war Pirat, Maditas Papa Journalist, Lisas Papa Bauer. Und ansonsten waren die Eltern in ordentlichen Kinderbüchern gefälligst unsichtbar. Hier ist es anders. Die Jungs heißen Jamie und Jason und sind neun und dreizehn Jahre alt. Basta. Aber: der Papa fährt gern nach Venedig, wo er seiner Frau teure Ringe kauft, die Familie hat zwar überhaupt kein Geld, dafür aber Schmuck von Cartier, Handtaschen von Gucci und überflüssigerweise Schlüsselanhänger von Burberry. Wer will das wissen?

Falsche Adressaten

Weil jeder der Welpen ein Designeraccessoire schrottet, erhalten sie die Namen der zerstörten Luxusgegenstände. Der Tierprotagonist ist dann ein Welpe namens Gucci. Gucci wird auf einen Bauernhof verfrachtet und von den Hunden wird nichts erzählt, während genau geschildert wird, wie die Jansens einen Campingplatz buchen, der auf keinen Fall teuer sein darf. Klar, schließlich müssen diverse Designerstücke ersetzt werden.

Nichts stimmt also am Plot. Gucci fühlt sich wohl am Bauernhof und die tierliebende Bäuerin hat nichts anderes zu tun als prompt in all ihrer Tierliebe den Hofkater Canelo links liegen zu lassen und sich ausschließlich um Gucci zu kümmern. Vielleicht auch ein wenig plump? Canelo schwört Rache und lockt Gucci vom Hof, um sie bei einem Gewitter auszusperren. Der Welpe fällt darauf herein und entschließt sich logischerweise, wegzulaufen, anstatt auf die Bäuerin zu warten. Wenn Tiere in Büchern wie Menschen handeln, handelt Gucci absolut unlogisch. Aber gut.

Falsche Stereotypen

Gucci läuft bis zur nächsten Stadt, die, obwohl die Jansens im Nirgendwo wohnen, für einen Welpen per pedes gut zu erreichen ist. Natürlich wird sie von sehr bösen Hundefängern aufgegriffen und in ein Tierheim gesteckt, in dem alle Bewohner auf den Tod wartend dahinvegetieren. Selbstverständlich überwältigt der Welpe mit Hilfe eines Straßenköters die Wärter und die beiden fliehen.

Die zwei Hunde laufen bis zur Autobahn, klettern auf die Ladefläche eines Pickups, der – man glaubt es kaum – zufällig genau zu dem Ort am Meer fährt, an dem die Familie Jansen ihren Urlaub verbringt. Und das ohne Absprachen. Ich weiß nicht, ob meine Kinder diese Gedankensprünge schlucken würden. Der Gipfel kommt am Schluss: natürlich hatte die Bäuerin nach der Entdeckung von Guccis Flucht die Besitzer verständigt und Jamie und Jason haben Kuchenkrümel auf der Fahrt gestreut. Deshalb findet Gucci ihre Besitzer wieder. Kuchenkrümel? Eine Familie fährt vom spanischen Inland ans Meer und streut Kuchenkrümel, um den Hund zu finden? Hatte Harings nicht erwähnt, dass es um eine Distanz von 120 km geht?

Falsches Buch

Mir ist das alles zuviel, es kann kein richtiges Buch geben im falschen. Als dann am Schluss auch noch Canelo auftaucht, geplagt von schlechtem Gewissen und sich alle vertragen und der Straßenköter auch eine neue Heimat findet, bin ich fassungslos. Das positive am Buch: es ist schnell vorbei.

Titelangaben:

Audrey Harings: CanGu und die Kuchenkrümel

AH Tales and Stories S.L. 204 Seiten. 9,99 EUR.

Norbert Griebl: Mein ungezähmter Garten. Die 100 besten heimischen Pflanzen zum Verwildern.

Born to be Wild

Man wird und wird nicht fertig mit Norbert Griebls Mein ungezähmter Garten. Dabei möchte man meinen, dass ein Buch, das zu achtzig Prozent aus botanischen Gattungsbeschreibungen besteht, schnell durchgelesen ist. Pustekuchen. Oder Pusteblume? Ich jedenfalls, die einen halbwilden Waldgarten unterm Balkon hat, fühle mich bestätigt. Es braucht nicht viel Gartengestaltung, um einen tollen Garten zu haben. Die Natur richtet sich das Meiste selbst.

Wer sich Mein ungezähmter Garten zu Gemüte führt, hat wohl den ersten Schritt schon getan: den Schritt zur gewollten Unordnung. In meinem speziellen Fall ist die Unordnung sowohl gewollt als auch ungewollt, denn in drei Jahren in diesem Haus habe ich gelernt, dass ein wilder Schattengarten einfach auch nicht bewirtschaftet sein will. Und dass ich eine Obstwiese nur begrenzt pflegen kann. Mein Weg zur Wildnis ist also ein Kompromiss.

Wilder Gärtner

Norbert Griebl hat seinen ungezähmten Garten absichtlich so angelegt und ist mir so wieder einen Schritt voraus. Man sollte sich lösen von hergebrachten Ansichten zu Unkräutern, Heckenschnitten und ausgewilderten Disteln. Und sich gemütlich hinsetzen und in einem Buch blättern, das so vielen heimischen Arten endlich die Plattform bietet, die sie verdienen. Denn die Schönheit, die wild um uns wächst ist atemberaubend und unbeherrscht.

Man darf dankbar sein für das umsichtige Vorwort des Autors, in dem gleich handlungsorientiert die wichtigsten Grundlagen erörtert werden. Wie lege ich einen ungezähmten Garten an? Welche Bodenbeschaffenheit ist vonnöten, wie plane ich die Bepflanzung? Im Vorwort werden bereits alle wichtigen Detailfragen geklärt, denn im Hauptteil soll es nur um die Pflanzen gehen. Wunderbar praktisch sind deshalb auch die zwei Seiten Blühkalender, die sich auf den Innenseiten der Umschläge befinden. Für diejenigen, die die Bepflanzung nicht ganz dem Zufall überlassen möchten.

Schnell zur Sache

Griebl ist offensichtlich ein Mann der Tat. Noch im Vorwort gibt er eine Übersicht seiner Pflanzenarten in tabellarischer Form. Wer mag, kann hier in aller Kürze gründlich zu einzelnen Pflanzenarten informiert werden. Aber wer will das schon? Denn der Hauptteil des Buches besteht aus den Informationen zu den einzelnen Pflanzen. Aufgeteilt in einjährige, zweijährige und mehrjährige Pflanzen findet man hier alles, was sich zum Auswildern eignet.

Ich habe mich so gefreut, wieviel von den aufgeführten Pflanzen bereits in meinem Garten wächst. Bergflockenblume, Salomonsiegel, Wurmfarn, Efeu, Akelei, Frauenmantel – ach, ich könnte ewig aufzählen. Jede Pflanze hat ihre Eigenheiten, ihren Nutzen, ihre besten Nachbarn. Zu lesen, wieviele Insekten sich auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert haben, welche Arten sich zum Verzehr eignen und wo man besonders viel Gutes tun kann, macht einfach glücklich.

Mut zum Ausprobieren

Wer dann den Entschluss fasst, selbst Hand anzulegen, wird schnell merken, dass die Pflanzung manchmal schwierig ist. Denn viele Wildpflanzen tun sich schwer mit der Umsiedlung und der Pollen fliegt nicht besonders weit. Gut, dass für solche Fälle Griebl gleich einige Sämereien angefügt hat, die sich auf Wildpflanzen spezialisiert haben. So kann dem wilden Gartenglück nichts mehr im Wege stehen.

Titelangaben:

Norbert Griebl: Mein ungezähmter Garten. Die 100 besten heimischen Pflanzen zum Verwildern.

Bern: Haupt Verlag, 2017. 232 Seiten. 29,90 EUR.

Marianne Ruoff: Löwenzahn und Löwenkraft. Das Porträt einer starken Heilpflanze.

Weck den Löwen in Dir!

Goldgelb blüht er im Frühjahr. Ich hatte noch nie sonderlich gepflegte Rasen und immer waren sie übersäht vom gelben Löwenzahn. Auch wenn all meine Nachbarn dachten, dass ich Unkraut züchte, habe ich es nicht übers Herz gebracht, ihn auszureissen. Seit ich aber Marianne Ruoffs Löwenzahn und Löwenkraft gelesen habe, bin ich davon überzeugt, dass mich der Löwenzahn deshalb so hartnäckig begleitet, weil ich ihn brauche.

Ruoff erstellt einen wunderbar genauen Steckbrief von diesem gelben Wandervogel, der sich überall auf der Welt, vom Himalaya bis in den Norden Europas, zuhause fühlt. In früheren Zeitaltern galt der Löwenzahn als mächtige Heilspflanze, im nordischen Europa war er Heimdall, dem Himmelswächter, geweiht. Von der Wurzel bis zum Samenstand ist er essbar und in vielen traditionellen Heilmethoden, wie der TCM oder schamanischen Praktiken der Ureinwohner Nordamerikas, wird er immer noch verwendet. Nur in Europa wurde er vergessen.

Unkraut vergeht nicht

Vielleicht hat das damit zu tun, dass es so viel davon bei uns gibt. Massenware kann doch nicht gut für uns sein. Stimmt nicht, so Ruoff, die analysiert, weshalb der Löwenzahn bei uns in so großer Dichte wächst. Und weshalb er trotzdem für uns so wichtig ist. In einem ersten Teil geht sie auf die Geschichte der Pflanze ein, die in Sagen und Rezepten schon viele Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Schnell wird klar, dass der Löwenzahn ein echtes botanisches Schwergewicht ist.

Der Hauptteil des Buches bezieht sich aber auf die Heilkraft des Löwenzahns, der vor allem bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, aber auch für alle anderen inneren Organe und bei Frauenleiden eingesetzt wurde. Liest man sich die einzelnen Unterpunkte durch, gewinnt man schnell den Eindruck, dass es nichts gibt, was der Löwenzahn nicht geheilt hätte. Infektionskrankheiten, Augenleiden, Bluthochdruck, Brustentzündung, Rückenschmerzen, emotionale Probleme. Gegen alles ist ein Kraut gewachsen: der Löwenzahn.

Sonnenstrahlen in Küche und Hausapotheke

Während es gerade in der TCM Prozeduren und Medikationen gibt, die nur von Fachpersonal ausgeführt werden dürfen, stellt Marianne Ruoff genügend Anwendungen für den Hausgebrauch vor. Tinkturen, Aufgüsse und Umschläge gehören in die Hausapotheke, doch Löwenzahn findet auch Verwendung als Gemüse und Salat. Tees, Spaghetti, Wurzelgemüse – auch in der Küche zeigt der Löwenzahn seine Universalität.

Im Schlusskapitel weist Ruoff auf häufige Doppelgänger des Löwenzahns hin und erwischt mich kalt – die meisten davon kannte ich nicht und hätte sie wohl vom bloßen Hinschauen her als Löwenzahn identifiziert. Die gute Nachricht ist, dass alle Doppelgänger genauso essbar sind wie das Original und ähnliche Heilkräfte besitzen. Das erleichtert die Ernte und führt zum Schlussplädoyer Ruoffs, die inständig darum bittet, den Pflanzen mit Respekt und Ehrfurcht gegenüber zu treten. Wie man erntet, so wirkt es, möchte man sagen. Ich werde es mir zu Herzen nehmen, denn ich bin ein Löwenfan vom Löwenzahn.

Titelangaben:

Marianne Ruoff: Löwenzahn und Löwenkraft. Das Porträt einer starken Heilpflanze.

Aarau: AT – Verlag, 2017. 144 Seiten, 20 EUR.

Marlene Fritsch, Volker Konrad: Der Tag, an dem Paul wieder bunt wurde.

Für Farbe im Leben

Es ist wundervoll, wie Marlene Fritsch uns auf erstaunliche Dinge in unserer Welt hinweist. Wie bunt und farbenfroh sie ist, welch abwechslungsreiche Bilder uns durch die Medien erreichen, wie multikulturell wir leben. Doch Der Tag, an dem Paul wieder bunt wurde zeigt auch die Eindimensionalität des Denkens, die Kraft der Vorurteile selbst bei Kindern und unser ständiger Versuch, in Schwarz-Weiß Schemata unsere Umwelt zu sortieren. Ein Appell.

Der kleine Paul ist auf Besuch bei seiner Oma und blättert in deren Fotoalben. Alle Fotos sind schwarz – weiß und Paul staunt über die graue Realität im Leben seiner Großmutter. Der kleine Anachronismus, dass höchstwahrscheinlich alle Omas heutzutage schon Farbfotos besaßen, stört kaum. Denn die Szene mit den Fotoalben ist nur der Aufhänger. Früher waren die Menschen schwarz-weiß, heute sind sie bunt. Doch die Oma sieht das anders.

Farbe im Kopf

Schwarz – weiß – Denken entsteht im Kopf, erklärt sie Paul und der versteht nicht. Natürlich nicht, denn kleine Leser wissen wahrscheinlich nicht, was mit dem zweidimensionalen Denken gemeint ist. Insofern ist der Aufhänger der Geschichte von Marlene Fritsch ein guter für Erwachsene, aber ein unverständlicher für Kindergartenkinder. Kleine Kinder vertrauen den Großen blind. Das kann falsch sein und Marlene Fritsch zeigt im Verlauf der Geschichte, warum.

Paul begleitet seine Oma auf ihren Weg zu einem Malkurs. Die Stadt ist bunt und wuselig. Doch schon bei der ersten Busfahrt wird Paul Zeuge eines Gesprächs, das von Xenophobie und Vorurteilen nur so trieft. Und die beiden alten Damen, die sich in ihrem Fremdenhass gegenseitig aufputschen, verlieren jede Farbe und werden schwarz-weiß, sehr anschaulich dargestellt im sonst farbigen Bild dank Volker Konrad.

Alltagssituationen

Marlene Fritsch gelingt es wirklich gut, anhand von Alltagssituationen aufzuzeigen, wie sehr wir von Vorurteilen beeinflusst werden und wie leicht sie ausgehebelt werden können. Es geht um Ausländerfeindlichkeit, Stereotype, Diskriminierung von Frauen. Es geht aber zum Beispiel nicht um Geschlechterstereotype oder Homosexualität. Das lässt den pädagogischen Wert drastisch sinken. Und lässt einen deutlichen Softspot der Autorin vermuten.

Auf sechs Seiten wird dargestellt, dass nicht jeder Ausländer klaut und nicht jeder Muslim ein Terrorist ist, aber dass Schwule und Lesben sich immer noch Anfeindungen ausgesetzt sehen und nur wenige Väter den Rollentausch vollziehen wird nicht erwähnt, das fehlt sehr. Dafür dürfen Mädchen endlich Fussballspielen, eine Aussage, die schon etwas abgegriffen ist. Am Ende wird Paul sogar selbst schwarz-weiß, weil er eben den Mädchen jede sportliche Kompetenz abspricht.

Selbsterkenntnis

Abgesehen davon ist es wichtig, wie Marlene Fritsch darauf verweist, dass der alte Affe Angst uns reitet, wenn wir wieder in unseren Vorurteilen versinken. Und dass man sich seiner Angst bewusst werden muss, um die Vorurteile überwinden zu können. Mittels eines bunten Plakates zum Beispiel oder dank eines Gespräches mit der Oma. Nachfragen, Kinder, über Dinge sprechen. Dann macht es nichts mehr, wenn mein Junge ein lila Hemd anzieht und sein Freund lange Haare trägt. Dann freut man sich, wenn sich zwei Frauen küssen und lädt die afghanische Nachbarin zum Tee.

Titelangaben:

Marlene Fritsch, Volker Konrad: Der Tag, an dem Paul wieder bunt wurde.

Ostfildern: Patmos Verlag, 2016. 24 Seiten. 12,99 EUR.

Julie B. Booth: Stoffe bedrucken nach Art des Hauses.

Textildesign aus der Vorratskammer

Julie B. Booth‘ Stoffe bedrucken nach Art des Hauses ist eigentlich erst der Anfang von etwas. Denn als die Textilkünstlerin 2010 ein Stipendium erhielt, um zu erforschen, welche Haushaltsmittel als Reservemittel beim Stoffdruck eingesetzt werden können, entdeckte die sie ihr Faible für Textildruck mit allem, was das traute Heim so hergibt. Wenn man sich auch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass Textildruck eine aufregende und aufwändige Angelegenheit ist, rückt er dennoch mit diesem Buch in den Bereich des Machbaren.

Booth richtet sich nämlich ausdrücklich an kreative Leser, die Textildruck für sich erkunden möchten und vielleicht wenig Vorerfahrung und keinen Atelierzugang haben. Deshalb befasst sich das erste Kapitel ausführlich mit Werkplatz und Grundausstattung und schon hier sieht man, wie genial einfach und effizient Booth plant. Hält man sich an ihre Ratschläge, werden viele Anfängerfehler vermieden.

Drucktechniken und Material

Dann geht es aber auch gleich zur Sache. In einem zweiten Kapitel wird genau erklärt, wie gedruckt werden kann. Collagetechniken, erhabene und vertiefte Drucke, Strukturen mit Fundstücken und Küchenwerkzeugen. Booth‘ Fundus mutet abenteuerlich an, aber die Ergebnisse sind absolut erstaunlich. Schnell verliert man die Angst, denn irgendetwas von dem Material, mit dem Booth druckt, hat jeder zuhause.

Selbst Obst und Gemüse wird zweckentfremdet. Und wenn ich auch etwas leide, weil ich so ungern Essen verschwende, so sehe ich doch die Schönheit eines Kartoffeldrucks, die Strukturen, die in Möhren geschnitten werden können und dass ein halber Apfel immer perfekt in sich ist. Booth beschränkt sich aber nicht nur auf den Kühlschrank, prinzipiell druckt sie mit allem, was ihr zwischen die Finger kommt.

Das eigene Auge schulen

Für mich ist dies die wichtigste Lehre aus dem Buch: habe Mut, dich deines eigenen Auges zu bedienen. Es gibt so viele Strukturen um uns herum, die sich nutzen lassen. Gummis, um Pappröhren gewickelt, die wiederum auf Walzen geschoben werden, Druckstöcke aus Salzteig oder Pappe mit Reis oder Pasta, Schablonen aus Müslikartons und vieles mehr. Die Küche ist ein unendlicher Fundus an Druckmodeln, die nur darauf warten, zweckentfremdet zu werden.

Reservemittel aus der Küche

Darunter versteht man Techniken, die Stoffbereiche vor dem Farbauftrag schützen. Je nach Technik erhält der Stoff eine andere Textur. Mit Wasser und Weizenmehl beispielsweise lassen sich Craquelémuster erzielen, bei Gelatine ergibt sich eine körnige Pünktchenstruktur und mit Handspülmittel ergeben sich scharfe Konturen. Insgesamt können dank der Reservemittel mehrere Schichten Farbe und Druckmuster aufgetragen werden, die dann wieder abgekratzt werden und nach dem Fixieren ausgewaschen werden.

Erst mit dieser etwas komplizierten Technik sehen die Stoffe aus wie gekauft. Booth empfiehlt selbst, viel zu experimentieren, so dass anfangs vor allem Fat Quarter Formate entstehen werden, bevor man sich an den Druck von größeren Stoffflächen wagt. Allein die vielen schönen Arbeitsbeispiele machen Lust aufs Loslegen und dank der detaillierten bebilderten Beschreibungen hat man auch nicht das Gefühl, dass sonderlich viel schiefgehen kann.

Titelangaben:

Julie B. Booth: Stoffe bedrucken nach Art des Hauses.

Aus dem Englischen von Sybille Heppner-Waldschütz.

Bern: Haupt Verlag, 2016. 128 Seiten. 24,90 EUR.

Sabrina Sue Daniels: Mittagsglück im Glas

Mehr Farbe in der Mittagspause

Wer unterschätzt nicht den Wert einer selbst zubereiteten und dekorativ angerichteten Brotzeit? Mittags soll es schnell gehen und die Proteinaufnahme steht über einer genussvollen Pause. Dank Sabrina Sue Daniels kann das anders werden. In Mittagsglück im Glas zeigt sie in einem netten, kleinen Büchlein, wie viele Varianten einer gesunden, leckeren und hübschen Brotzeit im Glas es geben kann. Von Müslis über kalte Suppen bis zu Salaten und Kuchen – die Vesperzeit verspricht, bunt zu werden!

Quadratisch, praktisch, gut, mag sich Sabrina Sue Daniels gedacht haben, als sie für EMF die überdimensionierte Schokoladentafel als Rezeptbuch konzipierte. Schon auf den Innenumschlagseiten springen einen die Gläser mit ihren farbenfrohen Inhalten an. Im Inhaltsverzeichnis geht es einmal sehr pragmatisch quer durchs Gemüsebeet. Die Autorin spart sich aufwändige Kapitel und schmeisst die paar Rezepte einfach durchs Buch.

Große Vielfalt für die Pause

Besonders nett finde ich die große Bandbreite. Marokkanische Gerichte neben mexikansichen, bayerische neben asiatischen und dazwischen immer wieder Kuchen und Obst für das Zuckertief. Es gibt nicht viel zu sagen über die Vielfalt, denn sie spricht für sich. Da alle Rezepte in Gläsern abgefüllt werden – z.B. Weckgläser oder Marmeladengläser – ist kein Raum für Heißes. Gerade für die Sommermonate finde ich daher, dass Daniels ins Schwarze getroffen hat.

Die Zutaten sind übersichtlich angeführt, meist reichen sie für zwei Gläser – Mittagsglück also auch für den Liebsten, oder zwei Kinder! Für jedes Rezept gibt es eine Doppelseite und die Zubereitung ist knapp und gründlich beschrieben. Unten gibt es Tipps oder eine Anleitung zum Anrichten, denn das Auge ist bei Sabrina Sue Daniels ausdrücklich mit. Die Zutatenlisten sind fast immer so gehalten, dass ein normaler Supermarkt reicht, um für eine Woche Mittagsglück einzukaufen.

Viele Geschmäcker werden bedient

Die Rezepte gehen von konservativ bis exotisch. Der bayerische Brezelsalat wird meine Kinder glücklich machen und ich würde den Linsen-Fenchel-Salat mit Himbeerdressing bevorzugen. Kalte Suppen mit Zucchini und Melone oder Ananas geben einen Frischekick in die Mittagspause und wer es ganz heimelig braucht, macht sich Overnight-Oats mit Schokolade und Heidelbeeren. Eigentlich ist alles gut vorzubereiten, selbst die Kuchen kann man einen Tag vorher ins Rohr schieben oder wenigstens den Teig anrühren. Das nimmt Druck aus dem stressigen Morgen und stimmt mit Vorfreude auf einen neuen Arbeitstag ein.

Titelangaben:

Sabrina Sue Daniels: Mittagsglück im Glas

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 48 Seiten. 9,99 EUR.

Isabelle Guiot – Hullot: Neues aus der zauberhaften Papierwerkstatt.

Verträumte Skulpturen

Die Papierskulpturen der französischen Bloggerin, Bastlerin und Autorin Isabelle Guiot – Hullot sind ganz vieles: verträumt, verspielt, verkitscht, banal, bezaubernd, ätherisch und dekorativ. Auf diese bunte Mixtur sollte sich einlassen, wer mit ihr Neues aus der zauberhaften Papierwerkstatt erkunden will. Es ist ein klassisches Bastelbuch mit Schablonen und Schritt-für-Schritt Anleitungen, so dass auch diejenigen, die sich selbst zwei linke Hände attestieren, zu einem gelungenen Ergebnis kommen können.

Das Prinzip des Bastelns ist es auch, das das Buch sowohl einengt als auch durchführbar macht. Jeder der Entwürfe kann gut nachgearbeitet werden, aber keiner ist originell oder geht über das Dekorative hinaus. Dank der Kombination aus Papierdraht, Papierresten und Fundstücken aus der Natur entsteht aber keine kitschige Bastelei sondern – französischer Chic eben. Die Entwürfe schrammen konsequent knapp an der Banalität vorbei und sind dabei doch so bezaubernd, dass man sie einfach gerne betrachtet.

Stilleben aus Papier

Es liegt an der Natur des bedruckten Papiers, dass es Ruhe ausstrahlt, vor allem, wenn es sich um alte Buchseiten handelt. So werden Guiot – Hullots Motive zu bezaubernden Stilleben, die die Natur, den Menschen und seine Umwelt abbilden. Der Sockel der Skulpturen ist meist aus einem Naturfundstück oder selbsthärtender Modelliermasse gefertigt und hält die Drahtfiguren da, wo sie hin sollen. Im Fall von Äpfeln und Birnen ist man etwas hoffnungslos, doch schon wenn eine Vogelfamilie im Schilf steht, beginnt der Zauber.

Guiot – Hullot hat ihr Bastelbuch in mehrere Kapitel aufgeteilt. Angaben zu Material, Grundtechniken und Schablonen sind extra zusammengefasst. Die Motive teilen sich auf in die Bereiche Natur, Zwischenmenschliches, Hängende Skulpturen und kleine Geschenkideen. Von naturalistischen Szenen über Mobiles, Hochzeitstortenfiguren und kleinen Guckkästen ist also alles dabei.

Stilles Panoptikum

Bis hierher wäre mir das Buch zu fade. Weder habe ich Lust, alles aus vorgefertigten Schablonen nachzuschneiden, noch interessieren mich Obstteller oder im Mond schaukelnde Kinder. Was mich aber durchaus fasziniert an den Papierskulpturen von Isabel Guiot – Hullot ist das Gestaltungsprinzip an sich. Die Figuren sind zugleich dekorative und reflektierende Momente in einem lauten und unruhigen Alltag.

Als eine Art stilles Panoptikum entführen sie Szenen in ein Paralleluniversum. Wer sagt denn auch, dass man sich auf die Vorlagen der Autorin beschränken muss? Dank der schön bebilderten Angaben zu Material und Grundtechniken wird von Anfang an ein Prinzip an die Hand gegeben, nach dem Papier bearbeitet werden kann. Ob man sich dabei auf kitschige Alltagssituationen beschränkt, bleibt jedem selbst überlassen. Vielleicht öffnet sich auch ein neues Universum.

Titelangaben:

Isabelle Guiot – Hullot: Neues aus der zauberhaften Papierwerkstatt.

Aus dem Französischen von Petra Bös.

Münster: LV- Buch, 2016. 100 Seiten. 14,95 EUR.

Dorothée Waechter: Jetzt bin ich Gärtner! Schritt für Schritt zum Gartenglück.

Grundlagen für den Gartenbau

Die Gartenbauingenieurin und Autorin Dorothée Waechter hat mit Jetzt bin ich Gärtner! Schritt für Schritt zum Gartenglück ein gründliches Einstiegswerk verfasst. Ihr Wissen fußt im traditionellen Gartenbau und davon profitieren alle, die sich einen eigenen Garten neu anlegen möchten. Von der Pike auf wird hier erklärt, wie man einen Garten plant und aufbaut. Stauden, Gehölz, Zier- und Nutzpflanzen finden Erwähnung und am Ende kann eine grüne Idylle entstehen.

Nachdem ich mich in den letzten Jahren eher mit Urban Gardening, Guerilla Gardening oder Vertical Gardening befasst hatte, fand ich zugegebenermaßen Waechters Buch am Anfang eher ernüchternd. Anstatt der ansteckenden Begeisterung anderer Autoren finde ich sehr schnell Entwurfsskizzen und Anleitungen zur Bodenanalyse. Sehr dröge für jemanden wie mich. Aber natürlich hat eine Gartenbauingenieurin andere Prioritäten. Und damit setze ich mich auseinander.

Von Anfang an

Waechter geht davon aus, dass der, der ihr Buch liest, von Null auf mit dem Gärtnern beginnt. Entsprechend finden sich Kapitel zu Werkzeugen, Bodenanalyse, Kompostierung und Empfehlungen für den Einkauf von Pflanzen. Im zweiten Kapitel wird verstärkt auf die Gartenplanung eingegangen, einschließlich der Arbeitsflächen und der Grundstücksbegrenzungen. Themen, die Unerfahrene leicht vergessen könnten. Waechter lässt nichts aus.

Das dritte Kapitel befasst sich mit den wichtigsten Arbeitsschritten. Von der Bodenbearbeitung und -pflege über das Gießen und Düngen bis hin zum Gehölzschnitt und zum Umgang mit Krankheiten ist alles dabei. Obwohl Waechter eine eher konservative Herangehensweise wählt, verzichtet sie auf Kunstdünger und Pflanzengift und gibt, wie alle alternativen Gärtner auch, wertvolle Hinweise zum nachhaltigen Umgang mit Pilzbefall und Nährstoffmangel.

Pflanzen und Pflege

Die folgenden Kapitel widmen sich verstärkt dem Garten selbst. Welche Pflanzen sind empfehlenswert und passen gut zusammen? Wie können Obst- und Gemüsepflanzen dekorativ in den Garten integriert werden, welche Pflanzen harmonieren? In überschaubaren Absätzen erfährt man viel über grundlegende Pflanzungspraktiken und die Pflegeintensität so mancher Spezies. Auch der Rasen ist Waechter ein eigenes Kapitel wert und in diesen wenigen Seiten liegt die Stärke dieses Buches.

Selten habe ich derart kompakt alle wichtigen Informationen zum Thema »Rasen« erhalten und mich so umfassend aufgeklärt gefühlt. Bodenverbesserung, Ansaat, Rasenausbesserung und -pflege sind Überschriften in diesem Kapitel, das einem einiges an Werkzeug an die Hand gibt, um mit dem schönen Grün besser umgehen zu können. Da macht es nichts, wenn das Kapitel zu Pflanzenaufzucht und -vermehrung etwas dürftiger ausfällt. Die meisten Gärtner kaufen ihre Pflänzchen zu und wer sich für die Aufzucht interessiert, findet hier trotzdem genügend Informationen für die eigenen ersten Versuche. Ich würde Waechters Gartenbuch vor allem allen Häuslebauern ans Herz legen und all jenen, die alternativen Gartenpraktiken skeptisch gegenüberstehen. Vor allem für sie bietet Dorothée Waechter einen Quell der Gartenfreude.

Titelangaben:

Dorothée Waechter: Jetzt bin ich Gärtner! Schritt für Schritt zum Gartenglück.

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2017. 136 Seiten. 20 EUR.

Marlis Maehrle: Unikat. Handgemachte Bücher binden & gestalten.

Ausflug ins Traumland der Buchliebhaber

Ich muss ja schon zugeben, dass man mit der Menge der rezensierten Bücher durchaus heikel wird. Plötzlich erlangen Eigenschaften eine tiefe Bedeutung, die zuvor unwichtig waren. Wenn ich ein Buch in die Hand nehme, dann freue ich mich, wenn Haptik und Inhalt stimmen. Marlis Maehrle geht es offensichtlich genauso. In Unikat. Handgemachte Bücher binden & gestalten lässt sie uns an ihrer tiefen Liebe zu Papier und zum Buch teilhaben und entführt uns ins Paradies der Bibliophilen.

Bei Marlis Maehrle geht es ums Papier, wie immer. Nicht um irgendein Papier. Um schönes, griffiges, besonderes Papier. Papier mit Geschichte, mit Knicken und Rissen. Damit gestaltet Maehrle sehr persönliche Bücher, jedes davon ein Unikat. In ihrer Werkstatt entstehen kleine Kunstwerke und man darf sich geehrt fühlen, dass sie deren Herstellung nun in Buchform beschreibt, wenn es auch naiv wäre, sich vorzustellen, dass man selbst solche Preziosen nacharbeiten könnte.

Verschiedene Grundformen

Aber als Buchliebhaber erfährt man viel Nützliches über das Buch an sich, über Aufbau und Bezeichnung der Einzelteile. Das hilft dann weiter, wenn man z.B. als Geschenk für liebe Freunde ein Notizbuch gestalten möchte, das zwar nicht so aufwändig wie Maehrles Bücher werden soll, aber doch ein ordentliches Buch. Worauf muss man achten, welche Experimentiermöglichkeiten gibt es, welche Varianten sind tunlichst zu unterlassen?

Bücher waren immer schon besonders, dank Maehrle sind sie es wieder. Mit relativ wenigen Werkzeugen kann jeder ein Unikat herstellen. Maehrle überlässt es dem Leser, wie tief er in die Materie einsteigen möchte. Nur ein Heft oder gleich ein Buch mit Prägung? Es braucht verschiedene Kleber, Schneidewerkzeuge, Zwirne und Farben, die man anschaffen kann, aber nicht muss. Wenigstens Ahle und Cuttermesser sollten vorhanden sein, alles weitere kann dann angeschafft werden, wenn man sein neues Lieblingshobby gefunden hat.

Papier und Buch

Wer aus gutem Papier ein Buch binden will, sollte zumindest ein bisschen über Papier Bescheid wissen. Dank Maehrle sind mir nun Begriffe wie Laufrichtung, Faserrichtung, DIN-Reihe und Breitbahn ein Begriff. Von Seidenpapier über Werkdruckpapier bis hin zu Musterpapieren oder alten Landkarten – fast alles ist in einem schön gebundenen Buch verwertbar und besonders. Anhand der vorgestellten Grundtechniken wird schnell deutlich, welches Papier sich für welche Technik am besten eignet.

Material, Technik und Arbeitsplatz nehmen einen großen Teil ein im Buch, die Hauptattraktion aber bleiben die Projekte. Maehrle zeigt auf über hundertdreißig Seiten, was alles aus Papier und Pappe gestaltet werden kann. Die einzelnen Projekte sind immer sehr akribisch beschrieben, was sicherstellt, dass sie in annähernd gleicher Güte nachgearbeitet werden können. Doch auch für Anfänger und Gelegenheitsbastler sind Projekte dabei, allen voran die wunderschönen und einzigartigen Leporellos, die einigermaßen unaufwändig selbst gemacht werden können.

Kunst und Druck

Maehrles eigene Projekte bewegen sich zwischen Drucktechnik und Kunst. Man sieht, wie gern sie kreativ arbeitet und wie genau sie ist. Für alle, die sich nicht nur für das Binden eines Buches, sondern auch für die Gestaltung des Inhalts interessieren, gibt es im Anhang noch Tipps zur Seitengestaltung und Typografie. Wer mag, benutzt zur Seitengestaltung die Vorlagen zu den einzelnen Kapiteln, ansonsten sind der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Titelangaben:

Marlis Maehrle: Unikat. Handgemachte Bücher binden & gestalten.

Bern: Haupt Verlag, 2016. 192 Seiten. 29,90 EUR.

Klaus Schuker: Hexarella und der Wundervogel.

Krimi für Kleine

Klaus Schuker hat mit Hexarella und der Wundervogel eine Art Einsteigerkrimi für Grundschulkinder geschrieben. Die Geschichte von der kleinen Hexe Hexarella, die mittels eines Wundervogels eine Geschichte um einen verseuchten Weiher und viele tote Vögel aufklärt, ist vor allem geeignet für Kinder, die schon etwas lesefest sind, z.B. in der zweiten Klasse, und Lust haben, viele Elemente von Kindergeschichten zu kombinieren.

Schuker deckt mit seiner Thematik eine große Bandbreite von Aspekten ab, die Kindern in diesem Alter wichtig sind. Hexarella kann zaubern, aber noch nicht richtig und sie hat ihre Eltern verloren und muss bei ihren boshaften Hexentanten wohnen. Hexen und Menschen wohnen in getrennten Dörfern und die Hexen verstehen die Sprache der Vögel. Viele zauberhafte Elemente also, die in Kinderbüchern seit Otfried Preußlers »Kleiner Hexe« immer wieder auftauchen. Dass Hexen gut und böse sein können, so wie Menschen auch, wird für den Fortgang der Geschichte noch wichtig.

Rätselhaftes Vogelsterben

Hexarella bekommt mit, dass rund um ihr Dorf viele Vögel sterben. Als naturverbundenes Hexenkind spielt sie oft auf den Wiesen und trifft dort die Vögel. Im Hexendorf ist sie dank ihrer Freunde gut eingebunden, so lassen sich auch die Quälereien durch ihre Tanten besser aushalten. Die Hexentanten sind klassisch gehalten: durch und durch böse, quälen sie Mensch und Tier, kreischen und intrigieren. Kleine Leser werden in traditionellen Vorstellungen eher bestätigt.

Die Dorfvorsteherin Schanaaxa – die Namensfindung bei den Hexen folgt bis auf »Hexarella» einem eher unkreativen Weg (»Dixiixi, Doxooxo« etc.) – spricht Hexarella auf deren Entdeckung mit den erkrankten Vögeln an und weist die kleine Hexe darauf hin, dass die Lösung des Rätsels möglicherweise im Menschendorf zu suchen sei. Durch mehrere kleine Parallelhandlungen, z.B. mit der bösen Tante Axafaxa, verliert man den Haupthandlungsstrang immer wieder aus den Augen.

Längen in der Mitte, geballte Spannung am Schluss

Umso spannender wird es gegen Ende des Krimis. Endlich löst Schuker sich von allen Nebenhandlungen und lässt Hexarella mit Hilfe des Wundervogels die Spur des verseuchten Weihers zurück ins Menschendorf und zu einer Chemiefabrik verfolgen. Dank ihrer beiden Freunde gelingt es auch, die Menschenpolizei zu informieren und die Umweltsünder dingfest zu machen. Alles löst sich in Wohlgefallen auf, die tyrannischen Hexentanten aber müssen im Giftweiher ihr Leben lassen und Hexarella darf daraufhin bei ihren Freunden einziehen.

Es ist etwas viel von allem in diesem Krimi, einiges wird auch nicht ausgearbeitet. Weshalb starben Hexarellas Eltern? Warum hat Hexarella auf der einen Seite blonde, auf der anderen dunkle Haare? Da der Wundervogel nur mit Hexarella spricht, was auch die anderen Vögel können, hat er keine weitere Funktion. Auch die vielen kleinen Parallellungen könnten besser entzerrt werden. Trotzdem ist die Figur der Hexarella sehr sympathisch und auch Schukers Sprache mit der lockeren, aber nicht stupiden Art der Sprache zwischen Kindern ist angenehm zu lesen. Ich hätte mir für meine Kinder gewünscht, dass die Dichte im Buch entzerrt würde und lieber auf zwei Bücher verteilt wird. Auch die Thematik selbst finde ich durchaus gut gewählt – Umweltsünden und Familienprobleme sind Kindern immer nah – aber eben auch sehr dicht. Ich bin gespannt, ob Hexarella noch mehr Abenteuer erleben darf.

Titelangaben:

Klaus Schuker: Hexarella und der Wundervogel.

Fellbach: Fabulus Verlag, 2016. 120 Seiten. 15 EUR.

Angelika Ertl: Jetzt haben wir den Salat! Praxisratgeber für Ernteglück im Biogarten und wie Sie zu unfassbar gesunden Lebensmitteln kommen.

Her mit dem Salat!

Gartenbücher habe ich viele und ich habe auch viele gute. Das muss ich sagen, vor allem dank meiner Rezensionstätigkeit. Oft merke ich mir aber auch nur Teilbereiche und verschenke die Bücher dann. Diesmal sicher nicht. Denn Angelika Ertls Jetzt haben wir den Salat! Praxisratgeber für Ernteglück im Biogarten und wie Sie zu unfassbar gesunden Lebensmitteln kommen ist so umfassend und so ganz genau das, wie ich gärtnern will, dass ich außer ihrem Buch eigentlich gar nichts mehr brauche.

Gut, ich gebe es zu. Ich mag auch den österreichischen Dialekt sehr. Mein Opa stammte aus Wien und wenn ich lese, wie Ertl »Paradeiser« und »Kisterl« schreibt, geht mir das Herz auf. Ich bin also voreingenommen. Aber: hier hat eine Frau ein Gartenbuch verfasst, die biologisch gärtnern will, die buntes Chaos liebt und gerne mit Gartenwoodo, Kräutern und Kompost experimentiert. Also ganz genau mein Beuteschema.

Grundlagen des biologischen Gärtnerns

Das tolle an Ertl ist, dass sie die Erfahrungen aus verschiedenen Richtungen vereint und evaluiert hat. Es geht also nicht nur um Permakultur oder effektive Mikroorganismen, sondern sie kombiniert ihre Erfahrungen und lässt sie zu einer Praxis verschmelzen, die auch beim Hobbygärtner ankommt. Es geht also um Kompost, Düngen und Mulchen genauso wie um ein biologisches Gleichgewicht im Garten. Dabei gelingt es ihr, die Aspekte immer auf Grundlagen herunterzubrechen, die sehr schnell umsetzbar sind.

Es gibt auch keine Vorbehalte gegenüber Gartenvorlieben – die kategorische Ablehnung von Kunstdünger ausgenommen. Also werden alle Beetformen vorgestellt. Sehr schnell befasst sich Ertl mit konkreten Pflanzplänen. Wer also loslegen mag, kann das mit ihrem Buch daneben sehr schnell tun. Mischkultur ist das Zauberwort ebenso wie Fruchtwechsel und Gründüngung. Salate im Winter, Heilkräuter im Garten, essbare Blüten. Auf Doppelseiten wird jeweils ein kurzer Überblick über Wissenswertes gegeben.

Viel breites Wissen über Gärten

Wer auf knapp zweihundert Seiten so viele Aspekte anreißt, kann nicht in die Tiefe gehen. Doch das macht nichts. Wer mehr über Permakultur oder andere Themenbereiche wissen will, findet im Literaturteil genügend Titel. Ertl geht es ums Machen, das merkt man deutlich, um die Lust am Gärtnern und draußen sein. Und das kann sie so wundervoll vermitteln, dass man am liebsten gleich zum Spaten greifen möchte.

Wildblumenwiese, Wildkräuter, Kochrezepte, Heilkräuterrezepte oder Gartenurlaub: jeder findet bei Angelika Ertl sein Gartenglück. Ich liebe auch den Anhang, weil Ertl hier ihre Bezugsquellen offenlegt, z.B. für biologisches Saatgut. Ein bisschen Werbung für den Eigenverlag und ihre Gartenreisen müssen auch sein, aber da der Gartenteil so sympathisch und gut geschrieben ist, bin ich hier sehr milde. Eine Gärtnerin aus Leidenschaft will von der Leidenschaft leben, das ist doch legitim. Ich jedenfalls habe eine neue Gartenbibel und das freut mich sehr.

Titelangaben:

Angelika Ertl: Jetzt haben wir den Salat! Praxisratgeber für Ernteglück im Biogarten und wie Sie zu unfassbar gesunden Lebensmitteln kommen.

Feldkirchen: Oliva Verlag, 2016. 192 Seiten. 24,50 EUR.

Kalinka Meesenburg: Bock auf Stock. Das Naturbastelbuch

Heureka!

Vielen Dank an Kalinka Meesenburg, die mit ihrem Bastelbuch Bock auf Stock. Das Naturbastelbuch endlich einmal gezeigt hat, dass Erwachsene durchaus in der Lage sind, ihre Kinder zu verstehen. Ist die Stockliebe von Kindern nicht etwas verblüffendes? Meine Jungs sammeln Stöcke wo sie gehen und stehen. Und seit ich eine Obstwiese habe, brauche ich auch ständig für irgendetwas einen Stock.

Eigentlich wussten wir das doch schon sehr lange: dass Stöcke toll sind. Als Kunstobjekt, zur Dekoration, zum Stützen junger Pflanzen und gaukeliger Blumen, als Schwerter, Kochlöffel und Luftgitarren, nichts ist so breit einsatzfähig wie ein Stecken. Kalinka Meesenburg weiß das als Mama von drei Jungs und hat sich auf das Spiel eingelassen. Entstanden ist dadurch ein Bastelbuch, das man eigentlich auch als großes Brainstorming lesen kann. Was lässt sich mit Stöcken alles machen?

Verspielte Kreativität

In ihren Gedanken zum Stock an sich bleibt Frau Meesenburg immer nah an den Kindern. Schließlich sollen sie ihre Stöcke selbst verbasteln können, wenn auch manchmal die Hilfe Erwachsener notwendig ist. Die Ideen, die herausgekommen sind, sind nicht immer die allerneuesten, aber immer sehr nett umgesetzt, so dass aus einem schnöden Stock am Ende immer ein schönes Spielzeug oder Dekorationsobjekt wird.

Aus Stöcken werden Tierchen gebastelt, die mit Farbe, Kleber und Bastelmaterial zu Insekten und Fantasiewesen aufgemöbelt werden, praktische Wanderstäbe werden dank Schleifpapier und Farbe zu Objekten, die auch ins Haus dürfen, Stöcke werden zu Angelspielen umfunktioniert, mit Magneten ausgestattet, zu Schlangen und Jedischwertern verbastelt. Ich sehe, dass Jungs und Mädchen gleichermaßen glücklich werden mit dem Stockbuch und von Waffen über Steckenpferde und Feenwohnungen ist alles drin und gerecht verteilt.

Schönheit in der Natur

Letztendlich geht es darum, die Eltern sehen zu lassen, was die Kinder sehen und mein einziger, aber gewichtiger Kritikpunkt ist, weshalb es denn nicht den Kindern überlassen wird, wie ein Stockspiel sein darf. Denn, ehrlich gesagt, die Stöcke meiner Jungs sind auch in unbemaltem Zustand Jedischwerter und so ist der Zierrat doch sehr auf die Eltern ausgelegt. Wir halten es schließlich nicht aus, so etwas krümelndes und unordentliches wie einen Stock daheim zu haben.

Unsere Kinder stört die Rohheit der Natur selten, sie sehen Pferde und Schwerter auch im unbehandelten Stock. Insofern schränken wir wohl ihre Fantasie ein, wenn ihnen klar gemacht wird, dass nur ein verzierter hübscher Stock etwas wert ist. Trotzdem mag ich die Projekte sehr. Für mich sind es Projekte für Regentage oder für die vielen lauen faulen Feriennachmittage, an denen meine Kinder mit ihrer Zeit nichts anzufangen wissen. Sich dann schöne Dinge aus dem zu bauen, was man in Wald und Flur gefunden hat, ist doch etwas wunderbares.

Titelangaben:

Kalinka Meesenburg: Bock auf Stock. Das Naturbastelbuch

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 80 Seiten. 14,99 EUR.

Bas Kast: Und plötzlich macht es Klick! Das Handwerk der Kreativität oder wie die guten Ideen in

den Kopf kommen.

Über die Entzauberung des Genies

Der Psychologe Bas Kast möchte mit Und plötzlich macht es Klick! Das Handwerk der Kreativität oder wie die guten Ideen in den Kopf kommen den althergebrachten Nimbus der Genialität entzaubern. Was zeichnet einen kreativen Menschen aus und weshalb gibt es so wenige davon? Bas Kast erläutert Funktionsweisen eines kreativen Gehirns und gibt all denen Hoffnung, die ihr bislang wenig kreatives Leben etwas aufmöbeln möchten. VIOLA STOCKER ging in die Schule der Genies.

In lockerem Plauderton, der sonst nur amerikanischen Wissenschaftlern geläufig ist, nähert Kast sich dem Dilemma all jener, die in den eigenen Fußstapfen stecken geblieben sind. Wer nicht mehr weiter weiß, dem fällt nichts ein und Bas Kast verwendet die ersten vier Kapitel seines Buches darauf, nicht nur dieses Dilemma zu schildern sondern auch aufzudecken, wie die Wissenschaft bisher Kreativität erforscht.

Von Intelligenztests und Kreativitätstests

Das menschliche Gehirn ist perfekt auf den Alltag abgestimmt. Die innere Uhr sagt, wann man etwas tun sollte, wie eine Situation wahrscheinlich gestaltet ist und wo in einem Restaurant die Toiletten sind. Es gibt viele Muster für Menschen, Situationen und Räume, die unser Gehirn abgespeichert und verinnerlicht hat, so dass die Muster jederzeit abrufbar sind. Von Grußformeln bis zur Orientierung an einem unbekannten Ort helfen diese Muster dem Menschen, zu überleben. Aber sie schränken auch ein.

Bas Kast beschreibt viele psychologische und neurologische Tests, mit denen sich Kreativität messen lässt. Schnell steht fest: Wo Muster ablaufen, schläft das kreative Gehirn. Es wird erst wach, wenn die Muster nicht mehr stimmig sind. Datenbrillen, die alternative Realitäten zeigen, bringen das Gehirn durcheinander. Wer in einer virtuellen Realität agiert, erwartet die gleichen Muster wie in der analogen Welt. Was, wenn aber eine Flasche, statt vom Tisch zu fallen, nach oben fliegt? Wenn Dinge in der Entfernung größer statt kleiner werden? Was geschieht nun im Gehirn?

Aufbrechen von Gewohnheiten

Für die Recherchen zu seinem Buch hat Bas Kast Wissenschaftler in Europa und den Vereinigten Staaten besucht, die sich in teils langjährigen Studien mit Kreativität auseinandersetzen. Zudem analysiert er die Biographien berühmter kreativer Wissenschaftler und Künstler, um Muster zu finden für deren Schaffenskraft. Wie die oben genannte Testsituation bereits nahelegt, werden kreative Segmente dann im Gehirn aktiviert, wenn es gelingt, Gewohnheiten und Muster aufzubrechen.

Doch entgegen aller Klischees vom weltabgewandten Genie, entsteht Kreativität auch durch Kommunikation und soziale Interaktion. Zugewandte Menschen, die sich mit anderen über ihre Denkmuster unterhalten können, finden eher schnelle kreative Lösungen für ein Problem als narzisstische Einzelgänger und das erstaunlicherweise unabhängig von der jeweiligen individuellen Intelligenz.

Inspiration und Transpiration

Was unterscheiden aber ein Genie von einem Durchschnittskreativen? Bas Kast bleibt auch hier am Boden: zehn Jahre Übung, so Kast, braucht im Durchschnitt ein Genie von der Entwicklung einer Idee bis zum genialen Durchbruch. Wer also seine ganz persönliche kreative Nische findet, ist klar im Vorteil. Denn nur jemand, der liebt, was er tut, kann sich motivieren, in diese Materie immer tiefer einzutauchen. So konnte Einstein seine Relativitätstheorie entwickeln und aus einem herumstreunenden Taugenichts namens Darwin wurde der wichtigste Evolutionstheoretiker seiner Zeit. Sie alle hatten, so betont Kast, ihre kreative Nische gefunden und sich intensiv damit auseinandergesetzt.

Für den Durchschnittsbürger bedeutet das Ernüchterung und Hoffnung zugleich: Kreativität lässt sich nicht erlernen, denn auch bei allem Training sollte eine Grundbegabung vorhanden sein, die selbstverständlich wie alles andere auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Ohne Talent lässt sich nicht kreativ werden. Dann sollte man sich seiner Talente bewusst werden und zwar unabhängig vom eigenen Wunschdenken. Ein Gesangstalent lässt sich erst dann trainieren, wenn eine Stimme vorhanden ist. Wer aber seine Begabung entdeckt und fördert, für den ist das letzte Kapitel in Bas Kasts Buch eine große Anregung: Entspannungstraining, Offenheit und Austausch sind der Grundstein der eigenen Kreativität, die dann jeder für sich vertiefen kann.

Titelangaben:

Bas Kast: Und plötzlich macht es Klick! Das Handwerk der Kreativität oder wie die guten Ideen in

den Kopf kommen.

Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2015. 272 Seiten. 19,99 EUR.

Stefan Wiesner, Monica Wiesner-Auretto: Wurstwerkstatt. Brat- und Siedwürste einfach selber

machen.

Es geht um die Wurst

Ich war schon gespannt, als ich die Wurstwerkstatt von Stefan Wiesner und seiner Ehefrau Monica Wiesner-Auretto in meinen Händen hielt. Ein schweizer Sternekoch macht Würste fürs einfache Volk, denn schließlich sollen ja Leute wie ich sie nach kochen können. Und ich mag gerne gutes Fleisch essen. Finden sich hier Seelenverwandte oder bin ich eine Tagträumerin?Ob das gut gehen kann? Jein.

Um die Wurstwerkstatt richtig lesen zu können, ist nur wenig Vorverständnis notwendig, dafür viel Offenheit. Wer sich informieren mag, kann über Stefan Wiesner einiges nachlesen und wird erfahren, dass der leidenschaftliche Koch sämtliche Konventionen über den Haufen wirft um eines zu tun: gutes Essen zu kochen. Das macht ihn ja schon mal sympathisch, schränkt aber die Nachahmbarkeit ein, denn niemand ist Stefan Wiesner außer Stefan Wiesner.

Den Geschmack erden

Bevor man aber das Kochbuch frustriert zur Seite legt, lohnt sich ein Blick ins Innere. Stefan Wiesner schreibt viel über Wurst und Fleisch im Allgemeinen und wer die Seiten nicht überblättert wird sehen, dass Wiesners System zu kochen ein sehr erdiges ist. Im Wortsinn. Wiesner liebt Würste, das merkt man schon an der ästhetischen Aufmachung des Buches. Aber beim Kochen geht es um mehr. Deshalb gibt es auch keine Rezepte für Wiener, Mortadella, Leberkäse und so weiter. Es geht nicht darum, die Metzgerei nachzuäffen.

Wer Würste macht, ehrt das Tier. Das wird bei Wiesner deutlich. Fleisch ist toll, doch beim Schlachten bleibt etwas übrig. Wer nun nicht nur die ungeliebten Abfälle zur Gelbwurst verhunzt, sondern Reste und höherwertiges Fleisch mischt und sich Gedanken um Düfte und Würznoten macht, schafft etwas Neues. Wiesner hat großen Respekt vor den Tieren, die er verarbeitet. Man merkt dies an der Aufmerksamkeit, die er der Zubereitung der Würste angedeihen lässt. Wer so kocht, isst auch anders.

Wurst für alle

Es gibt viele Bücher übers Wursten, ich habe einige davon. Wiesner bricht die Arbeitsmethoden auf das einfachste Prinzip und scheut sich nicht, zu haushaltsüblichen Hilfsmitteln zu greifen. Wurst, das ist zerkleinertes Fleisch und Fett, durch einen haushaltsüblichen Fleischwolf gedreht, in der Küchenmaschine gewürzt und in Naturdärme abgefüllt. Selbige muss man kaufen, aber man braucht nicht einmal eine Wursttülle, zur Not greif Wiesner zum großen Trichter.

Dies ist die unfassbare Stärke dieses Buches. Es wird rudimentär und einfach erklärt, wie man eine Wurst machen kann. Das Brät wird abgefüllt – ob in Därme, Blätter oder Gläser bleibt freigestellt – und erhitzt. Eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ein Sternekoch wie Wiesner, der sich ständig mit komplexen Gedanken zum Thema Essen und Geschmack umgibt, mir die Angst vor der Wurst nimmt. Liest man die ersten zwanzig Seiten, weiß man, dass man Wursten kann. Wenn auch nicht wie der Maestro, aber darauf kommt es vielleicht nicht an.

Exklusive Rezepte

Es dauert vierzig Seiten, so ausführlich ist die Einführung, bis die Rezepte kommen. Lustig, wie Wiesner seine Rezepte notiert, ich fühle mich ertappt. Es gibt keine ausführlichen Anleitungen. Er erklärt immer nur das Prinzip und die Mengenverhältnisse werden ebenfalls angegeben. So geschieht es, dass jeder Wurst liebevoll eine Doppelseite gewidmet ist, auf der traumhafte Fotos bestechen, das Rezept selber aber selten mehr als zwanzig Zeilen umfasst.

In denen steht aber drin was man wissen muss. Durch welche Lochscheibe wird das Fleisch gedreht, welche Gewürze und wieviel davon, wie dick sollte der Naturdarm sein. Außerdem ist angegeben, ob sich die Würste zum Räuchern eignen, zum Dünsten, Pochieren, Braten oder Lufttrocknen. Und in den letzten zwei Zeilen liegt die Genialität Wiesners, wenn er nämlich beschreibt, wie er diese Wurst auf der Doppelseite angerichtet hat.

Einfache Zubereitung

Ich fand keines der Rezepte schwer, wenn auch die Zutaten nicht bei meinem Metzger zu holen sind. Dennoch bin ich der Auffassung, dass sich auch nichts davon schnell machen lässt. Es braucht Geduld und Umsicht für gutes Essen. Kräuter, die ein Jahr wachsen, Tiere, die langsam aufwachsen dürfen, das lässt sich nicht in dreissig Minuten zerkochen. Wie ernst Wiesner seine Mission nimmt, uns wieder auf den guten Geschmack zu bringen, sieht man im letzten Teil, in dem der Parfumeur Jimmy Studer Geschmacksnoten und Modifikateure erklärt und plötzlich klar wird, dass Wiesner eine Mischung aus Druide, Alchimist und Genießer ist.

Titelangaben:

Stefan Wiesner, Monica Wiesner-Auretto: Wurstwerkstatt. Brat- und Siedwürste einfach selber

machen.

München: AT-Verlag, 2015. 140 Seiten. 34,95 EUR.

Loki Schmidt, Axel Jahn: Die Blumen des Jahres

Es blüht in Deutschland

Loki Schmidt war eine erklärte Naturliebhaberin. Bis zu ihrem Tod 2010 nutzte sie ihre Popularität als ehemalige Kanzlergattin für den Einsatz zum Erhalt der heimischen Flora und Fauna. Werkzeug war ihr dabei die eigens gegründete Loki-Schmidt Stiftung. Axel Jahn, Geschäftsführer der Stiftung und Loki Schmid haben mit Die Blumen des Jahres einen wundervollen PR – Schachzug entworfen und dank der kongenialen Betreuung durch den bibliophilen Hoffmann und Campe Verlag für alle zugänglich gemacht. VIOLA STOCKER ließ sich verzaubern.

Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn ein Mensch seine Leidenschaft mit einer gemeinnützigen Aufgabe verbinden kann. Loki Schmidt ist dies mit ihrer Stiftung vollumfänglich gelungen. Das aber ist nur die notwendige, nicht die hinreichende Bedingung. Erst wenn das Talent hinzukommt, andere Menschen berühren und motivieren zu können, entsteht daraus etwas Größeres. Loki Schmidt hatte diese Eigenschaft, wie das liebevolle Vorwort von Siegfried Lenz beweist. Wo der Autor früher frisch ausschritt in Wald und Hain, setzt er nun behutsam einen Fuß vor den anderen, denn er hat die Schönheit der heimischen Blumenwelt erkannt. Dank Loki Schmidt.

Die Schönheit im Kleinen

Wer schon einmal in einem botanischen Garten war, ist meist zutiefst beeindruckt von der Schönheit der Pflanzen, zumal im Tropenhaus. Dies führt zur Annahme, dass die heimischen Wiesen und Auen kaum besondere Pflanzen zu bieten haben. Loki Schmidt widerlegt diese Behauptung ein für allemal. Um ihrer Stiftung Aufmerksamkeit zu verschaffen, wird seit 1980 jährlich eine Blume des Jahres gekürt.

Die jeweilige Blume des Jahres stammt aus bedrohten Lebensräumen, die aufgrund der industriellen Landwirtschaft und der Wohnraumgewinnung schrumpfen und ihre althergebrachte Flora verlieren. Viele Blumen stammen dabei aus Norddeutschland, wo die Hanseatin Loki Schmidt ihre Leidenschaft zuerst umsetzte. Mit Hilfe von Spenden gelingt es der Stiftung immer wieder, Land zu kaufen und gefährdete Natur so zu schützen.

Alte Naturlandschaft

Überbleibsel der letzten Eiszeit haben unsere Pflanzenwelt gestaltet. Lange blieben Moore oder Hochgebirgswiesen von Menschenhand unberührt. Sie waren nicht urbar zu machen, Landwirtschaft und Viehwirtschaft lohnten hier nicht und auch als Wohnraum waren andere Bereiche bevorzugt. Solange die Bevölkerungsdichte niedrig war, blieben diese Landschaften wild und entwickelten eine einzigartige Flora und Fauna.

Ob Lungenenzian, Arnika, Sumpf-Calla und Stranddistel – all diese Pflanzen leiden unter der Achtlosigkeit der Menschen. Sümpfe werden entwässert und verlieren so ihre Aufgabe als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, im Hochgebirge wird durch rücksichtslosen Tourismus und den Bau von Skipisten die typische Flora verdrängt und auch an den Stränden Norddeutschlands sind typische Pflanzen rückläufig. Auch durchaus gutgemeinte Aktionen von Einzelnen, wie Pflücken oder Ausgraben, tragen nicht zum Arterhalt bei.

Kulturlandschaft als Lebensraum für seltene Pflanzen

Seit vielen tausenden von Jahren hat der Mensch bereits in die Natur eingegriffen. Die ersten Siedler, die aus dem Orient nach Europa kamen, machten den in Deutschland ansässigen Jägern und Sammlern schnell den Wohnraum streitig. Sie rodeten Wälder und begannen mit rudimentärem Ackerbau. So stammen auch all die Ackerbegleitpflanzen aus dieser Zeit, von der Kornblume bis zur Zichorie. Die blühenden Säume am Ackerrand verschwinden aber, seit mit Kunstdünger und Unkrautvernichtungsmitteln gearbeitet wird und mit ihnen ein alter Bestandteil unserer Natur.

Loki Schmidt und Axel Jahn legen eindrucksvoll dar, dass mit jeder Blüte, die verschwindet, meist auch eine Tierart ihren Lebensraum verliert. Falter finden keine Brutplätze mehr, Vögel, Insekten und Kleintiere können sich nicht mehr von ihren angestammten Wildkräutern ernähren. Der Mensch vernichtet jährlich wertvolle Mitbewohner, die sich über Jahrtausende an diese Lebensräume angepasst haben. Ein wundervolles Beispiel sind hierfür auch die Wiesen, die früher nur ein – bis zweimal im Jahr gemäht wurden, um Heu zu gewinnen. Wer einmal im Frühling über blühende Obstwiesen gewandert ist, wird wohl oder übel nachdenklich. Was zerstört der Mensch?

Appell und Warnung

Natürlich soll der bildhübsche Band mehr als nur informieren und so ist am Ende ein ausführlicher Überblick über die Geschichte und Tätigkeit der Stiftung zu finden inklusive Bankverbindung. Loki Schmidt hat sich sozusagen für ein Werbegeschenk sehr viel Mühe gemacht. Die Blumen des Jahres eignen sich ausgezeichnet als überlegtes Geschenk für Naturliebhaber mit dem sanften Appell, künftig doch auch zur Rettung der bedrohten heimischen Blumenwelt beizutragen. Wo er fruchtet, gewinnt die Stiftung Unterstützer oder doch zumindest, wie Siegfried Lenz beweist, Aufmerksamkeit für einen wenig beachteten Lebensraum.

Titelangaben:

Loki Schmidt, Axel Jahn: Die Blumen des Jahres

Hamburg: Hoffmann und Campe, 2015. 232 Seiten, 20 EUR.

Mary Horsfall: Besser mulchen. Das A-Z-Handbuch für Hobby-Gärtner

Schichttorte im Garten

Dieses Buch fand ich von Anfang an toll. Vielleicht einfach deshalb, weil es Mary Horsfall mit Besser mulchen. Das A-Z-Handbuch für Hobby-Gärtner nicht nur gelingt, jedem Hobby-Gärtner die Angst vor dem eigenen Garten zu nehmen, sondern weil ich darin gelobt werde. Jawohl, ich. Denn den ganzen Winter über habe ich unseren Kompost in das Hochbeet geschmissen, einfach, weil ich zu faul war, zum Kompost nach ganz hinten in den Garten zu gehen. Und damit habe ich alles richtig gemacht.

Toll, oder? Genau dies ist die Grundbotschaft von Horsfalls kleinem Büchlein. Mulch tut gut. Jedem Garten. Immer. Wer es ganz genau wissen will, liest sich durch das Büchlein. Denn Mulch ist natürlich nicht gleich Mulch. In einem ersten Teil wird erklärt, was Mulch überhaupt ist. Er kann alles sein, solang er den Boden bedeckt. Sogar mein wuchernder Efeu ist in diesem Sinne Mulch. Er schützt den Boden vor Erosion, speichert Wasser und gibt wertvolle Nährstoffe an Bäume und Pflanzen weiter.

Vorteile des Mulchens

Schnell wird klar, dass Mulchen nur Vorteile hat. Es verbessert die Bodenstruktur, spart Wasser und damit Geld, düngt und verwertet Biomüll. Wir schonen unsere Umwelt, sparen und erhöhen den Ertrag in unseren Obst-und Gemüsegärten. In der Natur, zum Beispiel im Wald, wird ständig gemulcht. Herabfallende Blätter, die liegenbleiben, Tierexkremente von Waldtieren, tote Insekten und Tiere. In unseren Gärten ist das anders, Laub wird gerecht und wir haben es gern ordentlich. Und damit ungemulcht.

Wer mulcht, spart Dünger und führt dem Boden auf natürliche Weise Nährstoffe zu. Natürlich sieht es nicht besonders schön aus, wenn man im Rosenbeet seinen Kompost anlegt, aber es gibt viele Möglichkeiten, zu mulchen. Horsfall teilt die Mulche auf in stickstoff- und kohlenstoffreiche Mulche. Es ist geschickt, zu wissen, welches Material wozu gehört. Ich merke mir: alles, was fest ist wie Holz, Papier, Stroh, Laub, enthält mehr Kohlenstoff. Je weicher es wird, wie Mist, Rasenschnitt, Lebensmittelreste, Humus, Knochenmehl, Haare, Blut, desto Stickstoffreicher wird der Mulch.

Ausgewogenheit beim Mulchen

Der Durchschnittsboden mag es ausgewogen. Man sollte also stickstoff- und kohlenstoffreiche Mulche abwechselnd ausbringen. Außerdem bieten Holzspäne z.B. auch noch eine hübsche kosmetische Schicht über Mist und Kompost. Wer nur einen kleinen Garten hat, oder auf Balkon und Terrasse gärtnert, wird selbst nicht genügend Mulch herstellen können. Gut, das Horsfall hier auch Bezugsquellen nennt, die jeder irgendwo in seiner Nachbarschaft hat. Alle anderen machen sich mit Rasenschnitt, Kompost und Laubhäcksler ihren Mulch selbst.

Horsfall empfiehlt, vor allem im März und April zu mulchen. Das Wetter ist meist angenehm für die Gartenarbeit und vor der Sommerhitze sind die Böden noch feucht. Man sollte nicht bei Wind mulchen (die armen Sägespäne) und den Mulch gleich befeuchten. Horsfalls Empfehlungen sind alle schlüssig und leicht umzusetzen. Selbst bei Fehlern gibt sie eine Übersicht, was passiert sein könnte und wie der Lapsus zu beheben ist.

ABC des Mulchens

Der interessanteste Teil des Buches ist die alphabetische Auflistung zum Thema Mulchen. Horsfall beschreibt nach dem ABC ganz genau welche Pflanzen und Tiere zum Mulch beitragen und wie man unterstützend eingreifen kann. Von A wie Adlerfarn bis Z wie Zeitungspapier werden lauter praktische Empfehlungen gegeben. Wie wollen welche Pflanzen gemulcht werden, wo bekomme ich den Mulch her, wie bringe ich das entsprechende Material aus, was machen Bananenschalen im Garten und so weiter. Und immer wieder verspricht Horsfall in versöhnlichem Ton: man kann gar nicht so viel falsch machen. Das ist doch wundervoll, oder?

Titelangaben:

Mary Horsfall: Besser mulchen. Das A-Z-Handbuch für Hobby-Gärtner

Aus dem Englischen von Anja Neudert.

Münster: LV Buch, 2015. 124 Seiten. 16,95 EUR.

Tom Cooper: Das zerstörte Leben des Wes Trench.

Das Ende vom Anfang

Tom Coopers Debütroman Das zerstörte Leben des Wes Trench ist ein aggressiv männlicher Aufschrei aus einer geplagten Region. Bis zu letzt spannend beleuchtet er das hoffnungslose Leben in den Sümpfen Louisianas nach dem Wirbelsturm Katrina und einer Ölpest. Dabei vermischen sich Klischees von Coming – of – Age Romanen, klassischen Abenteuergeschichten und filmische Eindrücke aus zeitgenössischen Thrillern. VIOLA STOCKER versuchte, nicht zu versumpfen.

Allerdings wird man im Lauf der Lektüre auch mit Widersprüchlichkeiten konfrontiert. Eine davon ist die Titelgebung. Das zerstörte Leben des Wes Trench ist genau sowenig zerstört, wie Wes Trench die Hauptfigur im Roman ist. Schade, dass der Übersetzer sich hier nicht enger an den Originaltitel The Marauders gehalten hat. Denn letztendlich ist es das, was geschieht: Verschiedene, zerstörte und marodierende Männer kreuzen immer wieder den Dunstkreis eines Jungen, der gerade erwachsen wird.

Zivilisation und Natur

Cooper bemüht viele Metaphern, wenn er die Schicksale seiner Protagonisten schildert. In der Barataria kämpfen die Überlebenden des Wirbelsturms gegen vieles. Gegen den finanziellen Ruin, die unbarmherzige Natur, ihre eigene Gleichgültigkeit. Wes Trench hat im Wirbelsturm aufgrund der Sturheit seines Vaters, die diesem ansonsten im Kampf gegen die Sümpfe immer geholfen hatte, seine Mutter verloren.

Ein Kindheitstrauma wird verallgemeinert. In der Barataria hat jeder etwas verloren. Die Trenchs Frau und Mutter, Gus Lindqvist seinen Arm, Brady Grimes seine Träume, Cosgrove und Hanson ihre Unschuld. Die Polizei ist korrupt und immer wieder geistern die Zwillinge Toup wie Piraten durch den Sumpf und schützen ihr Drogenimperium auf brutale Weise. Eine der Stärken des Romans ist es, dass es Cooper gelingt, diese Persönlichkeiten umfassend darzustellen. Jedes Kapitel ist einer Hauptfigur gewidmet, die mit jeweils einer der anderen Figuren in Kontakt tritt.

Der amerikanische Traum

Die alte Geschichte von der Frontier, der Grenze im Westen der USA, wird hier auf die Sümpfe Louisianas umgemünzt. Doch der gleiche Frontiercharakter, der im Westen Legenden erschuf, scheitert hier an der unerbittlichen Lebensverneinung der Sümpfe. Lindqvist hat seinen Arm auf seinem Boot verloren. Schmerzmittelabhängig läuft er seinem alten Traum vom Piratenschatz hinterher und verliert so Frau und Tochter. Als ob dies nicht genug an Schmerz sei, legt er sich auch noch mit den Brüdern Toup an, als er seinen Schatz auf deren Drogeninsel sucht. Selbst ein Aligator im Schlafzimmer scheint ihn nicht aufzuhalten.

Grimes dagegen ist aus der Barataria geflohen und verneint in New York seine Herkunft. Doch für eine Versicherungsgesellschaft soll er im Auftrag von BP seine ehemaligen Nachbarn über den Tisch ziehen. Ihm gelingt es, denn wer am Boden liegt und nicht mehr aufstehen kann, dessen wunder Punkt ist leicht zu treffen. Lindqvists Arm wird gestohlen und mit Grimes Abfindung kann er sich einen neuen kaufen. Seine eigene Mutter wird an einem Hirntumor sterben und hat nichts zu verlieren.

Initiationsmomente

Wes Trench dagegen zerstreitet sich mit seinem jähzornigen Vater. Seit dem Tod der Mutter häufen sich zwischen den beiden stumme Vorwürfe und werden zu einer unüberwindbaren Grenze. Schließlich verläßt Trench den Vater und heuert auf Lindqvists Boot an. Für wenige Wochen findet er in Lindqvist eine Art verrückten Ersatzvater, doch natürlich stehen die Zeichen auf Sturm. Wie in einem morbiden Quentin Tarantino – Film lässt Cooper alles geschehen, was geschehen kann.

Wes‘ Vater wird die schwere Arbeit auf dem Boot allein zu viel und er erleidet einen Infarkt. Erst nach Wochen erfährt Wes es, denn Lindqvist und er sind tagelang unterwegs, um den legendären Schatz des Piraten Jean Lafitte zu finden. Natürlich hat Wes‘ Vater keine Krankenversicherung. Auch er unterzeichnet Grimes‘ Abfindungsvertrag. Wes findet seinen Vater wieder und verliert Lindqvist aus den Augen.

Katastrophe im griechischen Sinn

Wie in einer griechischen Tragödie steuert Coopers Roman auf die Katastrophe zu, die schlussendlich auch eintritt. Die darauffolgende Katharsis ist kurz und bündig und daher etwas kitschig. Der versöhnliche, typisch amerikanische Ausklang passt nicht zur brutalen Gewaltorgie kurz vor Schluss. Während Wes Lindqvists Schiff verlässt, sich mit seinem Vater aussöhnt und endlich sein eigenes Leben in Form eines eigenen Bootes in Angriff nimmt, läuft im Sumpf ein Splatterfilm.

Die zwei Kleinkriminellen Cosgrove und Hanson haben die Marihuanainsel der Brüder Toup gefunden, auf der Lindqvist seinen Schatz sucht. Die Toups überraschen Hanson und schießen ihm das Gesicht weg. Cosgrove kann verletzt fliehen und gelangt mit seiner Beute wieder aufs Festland. Lindqvist gerät durch seine Penetranz in den Fokus der Brüder und flieht. Doch er verirrt sich in den Sümpfen und kehrt nie wieder. Dabei hatte er doch zuvor tatsächlich den Schatz Lafittes gefunden. Die Toups aber werden bestraft. Die unzertrennlichen Zwillinge werden getrennt. Ein Aligator fällt den einen an, der Bruder will den Aligator erschießen und tötet doch nur seine bessere Hälfte. Allein kehrt er aus den Sümpfen zurück. Auf dem Festland verfällt Cooper, der Beschwörer von »Gods own Country«, in einen salbungsvoll versöhnlichen Ton, der nicht zum Rest des Buches passt. Doch es ist wohl Teil des amerikanischen Traums, dass er, um des Traumes willen, weiter bestehen muss.

Titelangaben:

Tom Cooper: Das zerstörte Leben des Wes Trench.

Aus dem Amerikanischen von Peter Torberg.

Berlin: Ullstein Buchverlage, 2016. 384 Seiten. 22 EUR.

Wolfgang Korn: Nordische Mythen. Streitbare Götter, sagenhafte Stätten, tragische Helden.

Das Erbe Europas

Als ich Wolfgang Korns Nordische Mythen. Streitbare Götter, sagenhafte Stätten, tragische Helden zum ersten Mal in den Händen hielt, war mir sofort bewusst, dass ich hier ein besonderes Buch erhalten habe. Der prächtige Band, herausgegeben von der Edition Fackelträger, lockt mit edler Aufmachung, wundervollen Fotografien, schöner Grafik und einer packenden Geschichte. Woher stammt unser Mythenschatz? Wer sind wir? Wo beginnt der Norden der Menschheit?

Der Wikingerhelm auf dem Buchcover ist deshalb geradezu irreführend. Nur ein Drittel des Buches beschäftigt sich mit dem, was wir im Alltagsverständnis als »nordische Mythen« bezeichnen würden. Die religiösen Vorstellungen von Wikingern und Germanen sind nur ein Teil der Ausführungen, die Korn in diesem Buch vorstellt. Es geht um viel mehr. Thema ist die mythologische Aufarbeitung eines geografischen Bereiches. Der Norden Europas.

Entstehung nordischer Mythen

Was fasziniert uns Europäer immer wieder an den Mythen des Nordens? Die Sagenwelt der Germanen und Wikinger, Legenden von Göttern und die Relikte vorzeitlicher Architektur geben uns immer noch Rätsel auf. Korn verbindet diese mythischen Gebilde mit der Geografie des Nordens. Seine Grundthese macht sofort Sinn. Während die Götter der Römer und Griechen im freundlichen Süden Intrigen spinnen, Wein trinken und sich in herrlichen Tempeln verehren lassen, legt sich ein dunkler Schleier über die Götterwelt des Nordens.

Das raue Klima der skandinavischen Länder, die dunklen Wälder und Sümpfe Nordeuropas, die unüberwindlichen Alpen und die karge Landschaft an der Nordsee schreien gerade zu nach einer mystischen Götterwelt. Während die griechischen Götter Titanen und Monster zusammen mit ihren Halbgöttern besiegen, kämpfen nordische Götter zusammen mit Helden Seit an Seit, um doch zwangsläufig unterzugehen. Korn zeigt in einem ersten Teil, wie sehr der dunkle, nordische Mythos von der menschenfeindlichen Natur Nordeuropas geprägt ist.

Eiszeit, Steinzeit, Bronzezeit – Anfang der Mythen

Wer waren die Bewohner des Nordens, die nach der letzten Eiszeit das steinzeitliche Europa besiedelten? Welche Menschen konnten dem harten Klima trotzen? Korn verweist auf zahlreiche Hinweise, nach denen der Norden immer schon von Wanderungsbewegungen durchzogen war. In milderen Zeiten wurde bis nach Finnland hinauf gesiedelt, breiteten sich die Eismassen wieder aus, drangen die Bewohner gen Süden.

Vor allem die Neandertaler waren mit ihrer hellen Haut und dichten Körperbehaarung gut an das nordische Klima angepasst. Durch die eiweißreiche Ernährung mit Fisch und Fleisch waren sie meist deutlich größer als die Nachfahren des Homo Sapiens, der aus den Steppen Afrikas abwanderte. Sah er in den Hünen die nordischen wilden Riesen? In uns Nachkommen schlagen dank der Vermischung der beiden Spezies meist beide Seelen. Fahren wir deshalb so gerne in den Süden zum Entspannen und brauchen wir deshalb auch den kalten Norden?

Von Megalithkulturen, Kelten und der Völkerwanderung

Die faszinierenden Steindenkmäler wie Stonehenge oder die Hünengräber Norddeutschlands entstanden zwischen 3000 und 1500 v. Chr. Lange, bevor Kelten, Wikinger und Germanen sie als Kultplätze nutzen konnten. Noch immer ist wenig bekannt über die Erbauer dieser Stätten, aber dass später Kelten und Germanen dachten, dass nur Riesen solche Steine aufgestellt haben könnten, ist beim Anblick der Megalithkultstätten verständlich. Große Findlinge, von den Eismassen der letzten Eiszeit bewegt, wurden zu Kultplätzen umgewandelt.

Die bronzezeitlichen Völker nutzten dann, was da war. Am Anfang dieser Kultentwicklung stand wohl ein Sonnenkult, wie viele Naturreligionen ihn haben. Noch heute zeigt unser »Sonntag« wie wichtig in alten Kulturen die Sonne für den Fortbestand der Sippe war. Bevor Odin und Thor die Menschen beschäftigten, verehrten sie die Sonne als Spenderin von Leben, Fruchtbarkeit und Wärme.

Vermischung von Kulturen

Die Römer mit ihrem militärischen Expansionskurs schreckten vor dem zurück, was sie im rauen Norden vorfanden. Der Limes sollte das römische Reich vor den unheimlichen Gestalten schützen, die sich in den tiefen Wäldern des Nordens versteckten. Aus ihrer Hand stammen auch die ersten schriftlichen Aufzeichnungen zu Kelten, Galliern und Germanen, die allesamt schriftlose Kulturen waren. Hier werden erstmals die Götter Wodan, Donar, Balder und Loki erwähnt, die in den nordischen Mythen die Hauptrolle spielen.

Anfangs aber waren Kelten und Germanen religionslos, sie verehrten wohl eher Naturphänomene als personifizierte Gottheiten. Durch die Völkerwanderung aber vermischten sich alte und neue Kulte und jenseits des Limes war ein Trend zur Vereinheitlichung des Mythos festzustellen. Kelten, Cherusker, Sachsen, Gauten, die einzelnen Stämme hatten Kontakt miteinander und teilten nicht nur Waren, sondern auch Mythen. Nur so konnte aus Kaiser Theoderich dem Großen im Nibelungenlied Dietrich von Bern werden.

Mythenblüte und Verschriftlichung

Es ist sehr interessant zu lesen, wie unser heutiges Verständnis der nordischen Mythen entstanden ist. Korn zeigt auf, wie sich aus Naturgöttern die nordischen Götter entwickelten, welche Eigenschaften sie haben und wo die geografischen Unterschiede in der Wahrnehmung der Götter liegen. Mit der Sesshaftwerdung der Stämme und der darauffolgenden Alphabetisierung des christlichen Klerus begann die Aufzeichnung alter Mythen.

Wenn also eine Abschrift des Nibelungenliedes aus dem 12. Jhd. aufgefunden wird, geht Korn davon aus, dass die Sage zur Zeit des Aufschriebs schon viele Jahrhunderte mündlich überliefert worden war. So erklären sich auch regionale Unterschiede und Unstimmigkeiten. Natürlich begibt er sich auf die Suche nach historischen Vorbildern für die Helden wie Artus, Siegfried, Beowulf und Roland. Korn wird immer wieder fündig, aber immer auf andere Weise, als der moderne Leser erwartet hätte.

Mythen in der Moderne

Während im Hochmittelalter und in den folgenden Jahrhunderten die alten Sagen als barbarische Erzählwerke abgetan wurden, führte die Bildung der Nationalstaaten im 19. Jhd. zu einer regelrechten Renaissance der Mythen. Die Franzosen entdeckten Vercingetorix wieder, die Briten Artus und die Deutschen das Nibelungenlied. Auf welch furchtbare Weise schließlich im ersten und zweiten Weltkrieg unsere Urgroßväter die tragischen Motive der Sage interpretierten, ist bei Korn ebenso Thema wie die spätere Interpretation von Autoren wie J.R.R. Tolkien.

Immer noch fasziniert und erschreckt der Norden. Reenactmentanhänger feiern in Stonehenge die Sonnwende, Tolkiens Bücher wurden verfilmt und im heimischen Wohnzimmer lehren Wikinger das Gruseln. Gerade weil wir so wenig über unsere Vorfahren wissen, faszinieren sie uns so. Blinde Verklärung jedoch, die nicht einmal Richard Wagner wollte, kann auch die Augen verschließen vor der tödlichen Tragik der Heldenepen, die in einer Zeit verfasst wurde, in der Europa in großer Unruhe und Unsicherheit war. Grausamkeiten waren an der Tagesordnung, ein gefestigtes Staatensystem war nicht mehr vorhanden. Nehmen wir die Sagen als Lehre.

Titelangaben:

Wolfgang Korn: Nordische Mythen. Streitbare Götter, sagenhafte Stätten, tragische Helden.

Köln: Edition Fackelträger, 2016. 336 Seiten. 40 EUR.

Essen & trinken: Sonntags PASTA. Einfach besonders.

Pasta für Genießer

Bei meiner Familie ist es wie in vielen anderen: Nudeln gehen immer. Weil ich dagegen nicht immer fantasievoll koche, bin ich wirklich froh über das umfassende Kochbuch der essen & trinken – Redaktion. Dank Sonntags PASTA. Einfach besonders habe ich jetzt einen großen Vorrat an kreativen Nudelrezepten, die ich nicht nur sonntags einsetzen werde. Dabei kommen vor allem Nichtvegetarier auf ihre Kosten.

Die Redaktion hat das Pastakochbuch in drei Teile geteilt. Der umfangreichste Teil ist der erste, in dem Rezepte mit Fleisch vorgestellt werden. Es gibt auch noch einen Rezeptabschnitt mit Fischrezepten und Meeresfrüchten und einen vegetarischen Part. Allen Sonntagsrezepten gemeinsam ist ein Minimum an Aufwand, die Rezepte sind meist für zwei bis vier Personen verfasst.

Ragout in allen Formen

Im ersten Teil mit Pastarezepten für Fleischliebhaber ist die Grundform des Rezepts das Ragout. In verschiedenster Zusammenstellung, mit Geflügel, Wild, Rind, Schwein oder manchmal auch Wurst und Speck wird der Fleischeslust gefrönt. Meist wird natürlich das Ragout getrennt von den Nudeln gekocht. Wer also gerne eine glutenfreie Variante möchte, könnte einfach die Pasta ersetzen. Allerdings wird konsequent im ganzen Buch ein Teil des Nudelwassers zum Abbinden benutzt, eine Variante, die ich bis jetzt nicht kannte und sehr interessant finde, aber natürlich glutenhaltig ist.

Die Rezepte reichen von den klassischen Tortiglioni mit geschmortem Lammfleisch und Pecorino bis zu ausgefalleneren Varianten wie Walnuss-Pestonudeln mit Lammfilet, Fettucine mit Morcheln und Perlhuhnbrust oder Glasnudelsalat mit Entenbruststreifen. Immer sollte man Muse und Zeit für die Zubereitung mitbringen, nur wenige Rezepte locken mit einer Zubereitungszeit von unter einer Stunde. Dafür sind Genussmomente für die ganze Familie vorprogrammiert.

Fisch und Meeresfrüchte variantenreich

Auch für den zweiten Teil gilt: es ist alles dabei von klassisch bis experimentierfreudig. Die Linguine mit Räucherlachs hat wohl jeder schon gekocht, wohingegen ich die Lasagne mit Paprika und Steinbutt in einem selbstgemachten Fonds aus Fischgräten schon sehr interessant finde. Schnelle mögen vielleicht die Spaghetti mit Ölsardinen, die nur fünfundzwanzig Minuten dauern oder Teriyaki Bratnudeln mit Garnelen.

Hier, beim zweiten Teil, zeigt sich auch, wie wichtig Frische ist. Alles wird sofort serviert und nicht gelagert. Allerdings sind Meeresfrüchte für meine Kinder oft unattraktiv, im Süden Deutschlands stehen Muscheln und Calamari einfach nicht auf der Alltagsspeisekarte. Doch gerade der Garnelen – Nudelauflauf mit Taleggio (ein cremiger Weichkäse) lockt geradezu zum kulinarischen Neuanfang.

Vegetarische Pastafreuden

Wenn der vegetarische Rezeptteil auch der kürzeste ist, haben es die Rezepte doch allesamt in sich. Es wird wild kombiniert und herauskommen leckere Gemüserezepte, die man sich selbst nicht ausgedacht hätte. Bei Fusilli mit Kichererbsen und Spinat, Kamut Nudeln mit Steckrübe und Granatapfel, oder einer Morchel-Spargel-Lasagne werden auch Gemüsemuffel schwach. Mir gefallen hier besonders die vielen Pilzrezepte und die jahreszeitliche Zusammenstellung, z.B. bei den Fettuccine mit Kürbis und Maronen, wo Pilze, Physalis und herbstliche Früchte kombiniert werden. So kann man wirklich kochen.

Sonntags PASTA. Einfach besonders ist ein richtiges Sonntagskochbuch. Die wenigsten Rezepte eignen sich für den Alltagsstress. Doch sie geben durch die abwechslungsreichen Zutatenliste jede Menge Anregungen, sich auch im Alltag etwas von der Allerweltspasta zu entfernen. Selbst für Pasta mit Tomatensugo gibt es ein leckeres Rezept, das sicher auf Vorrat zubereitet werden kann. Damit der Alltag zum Sonntag wird.

Titelangaben:

Essen & trinken: Sonntags PASTA. Einfach besonders.

Köln: Fackelträger Verlag, 2016. 160 Seiten. 20 EUR.

Françoise Manceau-Guilhermond: Neue Möbel aus Karton. 15 Schritt-für Schritt Anleitungen in

Wort und Bild

Möbel aus Verpackungsmaterial

Natürlich ist Françoise Manceau-Guilhermonds Neue Möbel aus Karton genau nach meinem Geschmack. Es ist nun das dritte Buch in dieser Art, das ich lesen darf und jedes Mal bin ich begeistert, welch kreative Ideen es gibt. Diesmal geht es um Möbel für Große und Kleine und besonders die Möbel für die Kleinen haben es mir angetan. Dank großartiger Anleitungen gelingen die Projekte bestimmt.

Heute einmal eine Rezension, bei der es nicht viel zu sagen gibt. Denn eigentlich hat Françoise Manceau-Guilhermond ein Bilderbuch geschrieben. Deshalb hält sich die Anzahl der Projekte im Buch auch in Grenzen. Ganze fünfzehn Werkstücke sind es, die hergestellt werden. Dafür wird kein einziges Mal ein Arbeitsprinzip wiederholt und es werden im Gegenteil Arbeitsschritte erklärt, die man jederzeit abwandeln und auf eigene Entwürfe anwenden kann.

Deko-Objekte aus Karton

Wohnaccessoires sind definitiv schnell herzustellen und einigermaßen unaufwändig. Damit allerdings der Karton später nicht mehr wie Karton aussieht, sind relativ viele Arbeitsschritte notwendig. Es werden eine quadratische Vase gebaut, ein Beistelltisch, eine Laterne und ein Notizbord. Gerade beim kleinen Beistelltischchen fragt sich schon, ob der riesige Aufwand gerechtfertigt ist.

Die Kartonmöbel werden aus Stabilitätsgründen immer aus mehreren Schichten Karton gebaut, die nach einer Schablone zugeschnitten werden. Man braucht also schon einiges an Arbeitsmaterial, wer sich allerdings akribisch seine Verpackungen aufhebt, wird an Kartons mit Wellpappenstruktur keinen Mangel haben. Eventuelle Hohlstellen im Möbelstück müssen mit Kartonstreifen ausgekleidet werden, um Stabilität zu schaffen. Übrigens sind solche Möbel dann wirklich stabil. Man braucht nur einmal ein Regal vom Schweden auseinandersägen um zu sehen, was Karton alles kann.

Möbelkunst

Bei den Möbeln ist vor allem das quietschorange runde Regal ein Hingucker, der an die siebziger Jahre erinnert. Im Vergleich zum Beistelltischchen ist es sogar schnell gebaut. Aufwändiger sind da der Sessel und die Tische, mal bepflanzt, mal nackt aus Karton. Die Möbel verlieren ihren robusten Look dank Lackierung mit Acrylfarben oder mit einer selbstangerührten Farbe und Schellack. Wer die Möbelstile nicht mag, dem gefallen wahrscheinlich trotzdem die Arbeitsweise und die vielen Tipps, die Françoise Manceau-Guilhermond immer wieder gibt. Sie sind Goldes wert.

Wieder finde ich, dass ein Kartonsofa mindestens so aufwändig ist wie ein hölzernes, doch ist natürlich der Bedarf an Werkzeug gering und das schlägt sich in den Kosten nieder. Vor jedem Projekt gibt es einen Überblick über den Finanzbedarf und den Zeitaufwand und ich finde schon, dass gerade der Zeitaufwand realistisch eingeschätzt wird. Eine Übersicht der Werkmittel gibt es ganz am Anfang, bis auf das Papierklebeband hat das meiste jeder zuhause.

Kindermöbel

Das ist mein Lieblingsteil, denn jeder, der noch kleine Kinder hat, kann diese Möbel brauchen. Alle Klassiker werden gebaut: eine Spielzeugkiste, die auch als Puppenwagen zu benutzen ist, eine Tafel, ein Parkhaus und eine Spielküche. Alle Möbel werden genauso aufwändig und robust gebaut wie die Möbel für die Großen. Das Design ist durchdacht und schlicht und macht Lust auf Variation. Was ist mit Puppenhaus, Puppenbett und Bauernhof? Sind die Möbel einmal mit Papierklebeband umklebt und dann lackiert sind sie wesentlich stabiler als herkömmliches Kartonspielzeug und ich weiß, dass sie einigermaßen lange Freude dran haben werden. Sie sind zudem perfekt geeignet als Geschenke und damit wirklich gut einsetzbar.

Titelangaben:

Françoise Manceau-Guilhermond: Neue Möbel aus Karton. 15 Schritt-für Schritt Anleitungen in

Wort und Bild

Aus dem Französischen von Petra Bös.

Münster: LV-Buch, 2016. 144 Seiten. 17,95 EUR.

Tanja Dusy: Müsli & Granola. Powermüsli, Overnight Oats, Knusperriegel und mehr.

Gestärkt in den Tag

Heute muss ich differenzieren. Denn Tanja Dusy hat mit Müsli & Granola –erschienen bei der Edition Michael Fischer – ein tolles Rezeptbuch darüber verfasst, wie man den Start in den Tag sehr abwechslungsreich beginnen kann. Aber weil es an manchen Stellen nicht ganz großfamilientauglich ist, bin ich nicht vorbehaltlos begeistert. Trotzdem finde ich es immer gut, wenn man lernen kann, Dinge selber zu machen, die man ansonsten in schlechterer Qualität kaufen würde.

Klar. Jeder hat schon mal Haferflocken und Apfel gemischt und dann festgestellt, dass ein gutes Müsli zeitaufwändig und mühsam ist und dass die gekauften oft einfach besser schmecken. Der innere Schweinehund erledigt in der Regel den Rest. Denn morgens ist man faul und man will, dass der Körper schnell zu Energie kommt. Der Griff zur Müslipackung und zur Milch ist einfach. Trockenobst ist einfacher zu handhaben als die Apfelschnippelei am Morgen.

Leckerer Vorrat

Hier kommt ein guter Teil des Buches: Viele Müslis und Granolas lassen sich wunderbar vorbereiten und lagern. Das heißt, für einmal Arbeit bekomme ich viele Tage Müsli. Ob es nun ein Nussmüsli ist, ein Fruchtmüsli, ein tropisches Müsli oder ein Steinzeitmüsli – die Anhänger verschiedenster Geschmacksrichtungen werden auf ihre Kosten kommen. Manchmal lässt sich aus dem Müsli auch ein leckerer Auflauf zubereiten, dann gibt Dusy extra Tipps zu alternativen Verwendungsmöglichkeiten.

Es sind leider kaum glutenfreie Müslis dabei, ein kleiner Wermutstropfen, doch schließlich ist das auch nicht der prinzipielle Anspruch des Buches. Wundervoll auch die Granolarezepte. Das Müsli wird hier mit feuchten Zutaten, wie z.B. Apfelraspel oder rote Bete gemischt und im Ofen knusprig gebacken. So getrocknet, hält es sich wieder für Monate. Für alle, dies es knusprig mögen. Wie gesagt, bis hier ist das Buch auch für uns perfekt. Dann kommt der Teil, der für meine Familie eben nicht funktioniert.

Morgendliche Wärme

In vielen Kulturen wird warm gefrühstückt und man kennt die Morgensuppe. Die bekannteste heißt »Porridge« und ist bei den einen beliebt, bei den anderen gefürchtet. So oder anders dauert mir das zu lange. Ich habe von viertel vor sechs bis viertel vor sieben Zeit, vier Kinder zu verköstigen und das Pausenbrot vorzubereiten. Da hilft es uns nichts, wenn der Frühstücksbrei 40 Minuten ziehen muss. Aber in Familien mit einem Kind oder im Singlehaushalt ist so ein Porridge ein toller Start in den Tag.

Und so nehmen die Porridgerezepte auch viel Raum ein in Dusys Buch, denn der klassische Porridge mit Haferflocken und Wasser oder Milch ist zugegebenermaßen eher langweilig. Aber mit Orangen und Nuss? Oder Zimt-Banane? Sogar orientalisches Porridge oder ein herzhafter Getreidebrei werden gekocht. Ein Traum für morgendliche Warmesser, ich habe das Nachsehen. Vor allem, dass auch abends vorbereitet werden muss, finde ich sehr aufwändig, für ein Frühstück.

Müsli zum Mitnehmen

»Overnight Oats« liegen im Trend und auch ich mag Birchermüsli gerne. Vor allem als Mahlzeit in der Schule oder im Büro kann ich es mir toll vorstellen. Auch hier fällt eine abendliche Vorbereitungszeit an, aber man kann für mindestens zwei Tage im Voraus zubereiten. Morgens werden die eingeweichten Flocken dann mit Milch oder Joghurt angerührt. Auch nicht schlimm, wenn nicht dazu noch Obst geschnippelt werden müsste und Nüsse geknackt und geröstet werden sollten. Leider gibt es bei uns nur in den Ferien Birchermüsli und wenn ich keinen Hunger habe.

Zum Mitnehmen finde ich viele der Rezepte klasse, sie verlangen aber einen ordentlichen Menschen. Die paar Male, die meine Kinder Birchermüsli in der Schule dabei haben, ärgere ich mich immer darüber, welche Sauerei ein paar kleine Kinder mit einem Glas und einem Löffel anstellen können. Das sollten Mamas wissen. Aber ein gesundes und leckeres Frühstück ist es allemal.

Riegel und Regel

Natürlich mag ich die Müsliriegelrezepte am Schluss des Buches. Vor allem, weil sie wieder so wundervoll vorzubereiten sind. Hier habe ich offensichtlich einen Schwerpunkt. Die Riegel sind fruchtig und schokoladig und würzig und bunt, je nachdem, was man gerne mag. Meine Kinder werden sie alle lieben. So wie ich die Übersicht am Anfang des Buches mag, die mir einfache Regeln zur Herstellung von Müslis vermittelt: welches Korn wofür, warum ist Dörrobst toll, welche Zucker kann ich wodurch ersetzen. Sehr mamatauglich, vielen Dank dafür!

Titelangaben:

Tanja Dusy: Müsli & Granola. Powermüsli, Overnight Oats, Knusperriegel und mehr.

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 96 Seiten. 14,99 EUR

Jessica Swift: Handgedruckte Muster auf Stoff, Papier und Wänden

Musterwunder

Musterdesignerin Jessica Swift hat in Handgedruckte Muster die Prinzipien ihrer Arbeit niedergeschrieben. Gottseidank. Denn handgedruckte Muster sind wunderschön, einzigartig und originell. Vorausgesetzt, man weiß, was man da tut. Damit der Umgang mit Rakel, Schablonen und Farbkarten einfacher wird und aus einem Rapportversatz kein Debakel wird, sollte man sich von ihr in die fantastische Welt des Musterdesigns einführen lassen.

Der wundervolle Haupt-Verlag erfreut seine Leser mit einem neuen Kreativbuch. Diesmal ist es etwas für die Gründlichen, die sich Zeit nehmen, ihr neues Sujet zu erkunden. Umso erfüllender muss es sein, wenn endlich der erste selbst bedruckte Stoff vor einem liegt, oder ein neues Geschenkpapier auf einzigartige Weise seine Charakteristik erhalten hat. Handgedruckte Muster ist aber nicht nur ein Werkbuch voll mit nützlichen Anleitungen, wer will, kann noch viel mehr erfahren.

Grundlagen des Musterdesigns

Kreative Muster sind wunderschön, doch nicht jeder, der gut zeichnen kann, kann auch ein Muster entwerfen, das überall schön aussieht. Welche Muster gibt es überhaupt und wie sind sie gewöhnlich angeordnet? Ein erster Teil gibt Einblick in die Grundlagen des Handwerks, sogar ein kurzer Ausflug in die Geschichte des Musterdesigns wird geboten. Dieser theoretische Part ist keineswegs zu lang geraten, garantiert er doch den nachfolgenden korrekten Umgang mit der Praxis.

Auch zum Thema Farbenlehre sollte man einiges wissen, wenn man vorhat, Stoff und Papier zu verschönern. Ob Komplementär- oder Analogfarben macht einen gravierenden Unterschied und Jessica Swift gelingt es, auch für Neulinge in diesem Bereich die Grundlagen so zu vermitteln, dass der eigenen Kreativität nichts im Wege steht. Schließlich ist die Drucktechnik nicht einfach und einigermaßen aufwändig, so dass die eigene Zeit nicht vergeudet sein will.

Technische Fertigkeiten

Sehr gelungen ist auch der praktische Teil, der sich in zwei Bereiche gliedert. Einmal die Technik an sich, dann aber auch der kreative Einsatz in vielen Bereichen. Swift gibt Tipps zur Verwendung von Siebdrucken genauso wie zum Einfacheren Schablonieren oder gar kreativem Freihandmalen. Wie ein Rapportversatz funktioniert wird so genau erklärt, dass man sich vor dem eigenen Muster nicht mehr fürchten muss.

Die Projekte selbst aber sind es, die das Buch so wundervoll machen zusammen mit den tollen Fotos und Interviews anerkannter Musterdesignerinnen. Die Amerikanerin hat Frauen aus aller Welt zu ihren Entwürfen befragt und die unterschiedlichen Fotos der Designerinnen sprühen nur von Kreativität. Die Projekte an sich sind einfach und gut umzusetzen. Gottlob werden zuerst Stofftaschen bedruckt, bevor ein ganzer Stoff dran glauben muss und Geschenkpapier, Karten und Kisten kann man immer brauchen. Man bekommt richtig Lust aufs Nacharbeiten. Die Faulen erhalten im Anhang jede Menge Grafiken für Muster, die Swift kostenlos zur Verfügung stellt und die dank QR – Code auch jederzeit online verfügbar sind, ohne, dass man das Buch zerschnippeln muss. Ich habe meine erste Schablone übrigens schon erstellt.

Titelangaben:

Jessica Swift: Handgedruckte Muster auf Stoff, Papier und Wänden

Aus dem Amerikanischen von Sybille Heppner – Waldschütz.

Bern: Haupt-Verlag, 2016. 144 Seiten. 24,90 EUR.

Malin Nilsson, Camilla Arvidsson: Werken mit Beton & Mosaik

Fliesen mal anders

Malin Nilsson und Camilla Arvidsson haben beim Schreiben von Werken mit Beton & Mosaik bestimmt an die Liebhaber mediterraner Keramik gedacht. Auffallend viele Projekte im Buch erinnern an die farbenfrohen Fliesen in Portugal, Marokko und Tunesien. Wer immer gerne sein Heim im Stil des Orients oder des Shabby Chic umgestalten möchte, wird sich freuen, vielseitige Anleitungen zu finden.

Die Projekte sind allesamt dekorativ und im überschaubaren Rahmen. Das ist die definitiv gute Botschaft. Eine Sauerei wird es trotzdem, das ist dem Arbeitsmaterial Beton geschuldet und der Tatsache, dass Fliesen nunmal geklebt und verfugt werden müssen. Ich habe das ja hinter mir mit meiner Küche. Viel Spaß. Schade, dass Nilsson und Arvidsson nicht den Mumm haben, klar zu sagen, dass für solche Projekte ein Tisch draußen oder eine Werkstatt am besten sind.

Viele kleine Ideen

Man findet definitiv mehr Ideen zu Mosaiken als zu Beton im Buch, insofern ist der Titel vielleicht etwas irreführend. Es werden einige wenige Betontrittsteine und Betonfliesen hergestellt und natürlich das obligatorische Vogelbad. Die Mosaikprojekte sind aber alle nett und die kleinsten, etwas Dosen mit Mosaik zu verzieren, sind auch schnell und kostengünstig umsetzbar für alle, die sich nicht sicher sind, ob sie gerade ein neues Hobby entdecken oder einfach nur etwas ausprobieren.

Ein großes Lob an dieser Stelle an die Organisation des Buches. Auf den ersten 80 Seiten werden die Projekte vorgestellt, mit wunderschönen Fotos und einem jeweils sehr netten Text. Detaillierte Anleitungen gibt es hinten und zwar nur dort, wo notwendig. Das heißt, es wird das Prinzip (z.B. des Betongießens) erklärt und nicht jedes Projekt von vorn neu aufgedröselt. Das spart Lesezeit und macht Platz für mehr tolle Fotos. Toll!

Kaufen und machen

Die Projekte selbst sind eine Mischung aus Kreativität und Konsum. Kreativität dann, wenn mattweiße Fliesen auf verschiedenste Art bedruckt und bemalt werden und Konsum dann, wenn schöne Fliesen gekauft und verarbeitet werden. Hier hält sich natürlich der Nachahmungsfaktor in Grenzen, wenn man nicht zufällig einen vertrauenswürdigen Fliesenästheten in der Nähe hat. Gerade aber die Projekte mit den kleinen Glasmosaikfliesen lassen sich gut umsetzen, wenn sie auch etwas revolutionärer sein könnten.

Sehr hübsch sind die unterschiedlichen gefliesten Tische, die Fliesen erinnern wirklich sehr an Marokko. Mit Glasmosaik verzierte Feuchtraumplatten finde ich auch als Tischplatten genial und denke, dass das auch durchführbare Projekte sind. Dosen in verschiedenen Größen werden mit Mosaikfliesen beklebt und verfugt, das macht wunderschöne, kostengünstige Blumentöpfe. Die selbstgemachten Betonfliesen werden zur Deko für Wände, da sie nicht unbedingt trittfest sind. Mit Glasmosaik oder Fliesensplittern verziert werden sie zum Hingucker.

Alles befliest

Dann geraten die Autorinnen offensichtlich in einen Fliesenrausch und dekorieren alles. Tische, Wände, Bänke, Dosen, Spiegel. Das Prinzip ist stets gleicht, was es etwas fade macht, trotz der Fülle an Ideen. Schöne Fliesen werden gekauft und irgendwo hingeklebt. Meine faule Natur weiß, dass es Fliesensticker gibt. Kostengünstiger und genauso hübsch wie die Fliesen. Denn wirklich kreativ wird es nur dann, wenn gezeigt wird, wie man selbst Kachelmotive herstellen kann. Das ist leider aber das kürzeste Kapitel im Buch. Trotzdem habe ich mir einiges an Anregungen abgeschaut und freue mich schon auf den Frühling.

Titelangaben:

Malin Nilsson, Camilla Arvidsson: Werken mit Beton & Mosaik

Übersetzt von Ricarda Essrich.

Münster: LV – Buch, 2016. 96 Seiten, 19,95 EUR.

Thomas Knubben: Mesmer oder die Erkundung der dunklen Seite des Mondes.

Das unbekannte Land

Thomas Knubben analysiert in Mesmer oder die Erkundung der dunklen Seite des Mondes die atemberaubende Karriere des Arztes und Förstersohnes Franz Anton Mesmer (1734-1815), der im Zeitalter der Aufklärung Furore macht in Wien und Paris und seinen Lebensinhalt im Seelenleben seiner Mitmenschen findet. VIOLA STOCKER lässt sich mitnehmen auf eine Reise, die Licht bringt ins Dunkel der Seele.

Mesmer ist ein typisches Kind der Aufklärung. Am 23. 5. 1734 in Iznang am Bodensee geboren als drittes Kind einer Försterfamilie, war ihm eine akademische Laufbahn nicht vorherbestimmt. Der talentierte Junge entkommt aber der Dorfschule, wechselt mit zwölf Jahren auf das Jesuitenkolleg nach Konstanz. Seine akademische Ausbildung wird sechzehn Jahre dauern und Philosophie, Theologie, Jura und Medizin umfassen. Am Ende ist er promovierter Arzt.

Empathisches Naturtalent

Mesmer wird von Zeitgenossen stets gleich beschrieben – sympathisch, interessant, gebildet. Diese Zuwendung zu seinen Mitmenschen verschafft ihm Zeit seines Lebens Gönner, die ihm ein Dasein außerhalb seiner Herkunft ermöglichen. Der Jesuitenorden, Speerspitze der Gegenreformation und Verfechter aufklärerischer Bildung auf der Höhe der Zeit, wird 1773 aufgelöst. Mesmer ist einer der letzten Nutznießer des gigantischen Wissens der Jesuiten.

Als Stipendiat studiert Mesmer in Dillingen Philosophie und Theologie, wechselt dann nach Ingolstadt, wo er Theologie und Kirchenrecht studiert. Sein Studium ist stark vom systematischen Denken der Aufklärung geprägt. Als promovierter Arzt lässt er sich schließlich in Wien für zwölf Jahre nieder, durch die Heirat mit einer vermögenden Witwe ist Mesmer ein gemachter Mann. Er praktiziert als Arzt, gibt Soireen und die Crème de la Crème der Wiener Gesellschaft geht bei ihm ein und aus.

Mesmer und der Magnetismus

Mesmer hätte nun sein Leben so beschließen können. Als anerkannter Arzt der medizinischen Fakultät zu Wien, der ein großes Haus führt. Doch seit Studienzeiten verlangt ihn nach mehr. Mesmer war früh fasziniert von den astronomischen Studien eines Kepler und den aufkommenden Naturwissenschaften. Ihn interessieren nicht so sehr die Teildisziplinen der Medizin als das große Ganze des Menschen.

Mesmer stößt auf eine alternative Heilmethode, die bei seinen Patienten erstaunliche Wirkung zeigt. Mit Vorliebe behandelt er Patienten, die unter obskuren Beschwerden leiden und bei denen die damalige traditionelle Medizin versagt hat. Knubben erläutert wundervoll den Übergang von der Lehre von den vier Säften auf eine evidenzbasierte Medizin. In der aufkeimenden Wissenschaftsgläubigkeit ist Mesmer mit seinem Vertrauen in ein alles durchfließendes Fluidum ein Außenseiter.

Erste ganzheitliche Heilansätze

Akribisch dröselt Knubben jeden einzelnen Heilungserfolg Mesmers auf, den er in seiner zwölfjährigen Wiener Zeit hatte. Um zu verstehen, was in Mesmer vor sich ging, hätte es nicht derartig viele Details gebraucht, die teilweise in Langatmigkeit ausarten. Von Anfang an hat Mesmer Feinde, vor allem, weil er seine Heilmethode nicht erklären kann. Geprägt von den naturwissenschaftlichen Entdeckungen seiner Zeit macht er den Magnetismus, der dank eines Fluidums jeden Körper durchdringen könne, für seine Heilerfolge verantwortlich.

Kritiker verurteilen Mesmers Ansatz als Humbug. Er muss Wien sogar gen Paris verlassen, als die Eltern einer blinden Pianistin, die Mesmer von ihrer Blindheit geheilt hat, sich des ursprünglichen Kuriosums beraubt sehen. Plötzlich gilt Mesmer als Scharlatan. Im vorrevolutionären Paris jedoch baut er sich schnell eine neue Existenz auf und avanciert zum Liebling der Pariser Gesellschaft.

Technik und Empathie

Um seine Seriosität zu unterstreichen, baut Mesmer sich ein Instrumentarium auf, von dem er sich Zeit seines Lebens nicht mehr trennt. In einer geschlossenen Holzwanne, dem Baquet, werden unterschiedlichste Gefäße mit verschiedenen Flüssigkeiten aufbewahrt, das Fluidum. Aus dem Baquet ragen gebogene Eisenstangen, die auf den Behandlungspunkt zeigen sollen. Die um das Baquet arrangierten Patienten sind durch ein Seil verbunden.

Nichts von all dem ist wissenschaftlich haltbar. In Berlin und Paris befassen sich Kommissionen mit Mesmer, die ihm jede medizinische Befähigung absprechen. Trotzdem scharen sich Anhänger um Mesmer. Es liegt wohl an seiner einnehmenden Persönlichkeit, die Knubben immer wieder heraufbeschwört, dass er so viele Menschen bewegen kann. Mesmer gründet sogar eine Gesellschaft, die sich dem Mesmerismus widmet und in der viele angesehene Bürger und Adlige der Pariser Gesellschaft vertreten sind.

Fernwirkung

Doch Mesmer muss ein zweites Mal fliehen, diesmal weg von Paris und wieder zurück an den Bodensee. Es wird sein Alterssitz, in einer Pfründnerbude gibt er sich mit seinem Instrumentarium und nur acht Büchern zufrieden. Er darf es jedoch noch erleben, dass die Berliner Akademie der Wissenschaften seine Erkenntnisse noch einmal untersucht und ihm endlich – allerdings dann posthum – Anerkennung zuteil wird.

Knubben widmet sich in aller Ausführlichkeit dem Leben Mesmers, die Fernwirkung jedoch wird in wenigen Seiten abgetan. Der erste Arzt, der mit moderner naturwissenschaftlicher Erkenntnis ganzheitlich behandelte, war Mesmer. Was er als Magnetismus bezeichnete, wurde ein halbes Jahrhundert später als Hypnose entzaubert. In der aufstrebenden Homöopathie war die Heilung per Empathie und Handauflegung wieder ein eigener Heilansatz. Und erst Psychologen wie Sigmund Freud widmeten sich den Suggestionen, die Mesmer bereits in seinen Patienten gesehen hatte. Mesmers eigentliches Problem blieb, bis zum Schluss nicht zu ahnen, was er eigentlich entdeckt hatte, ohne, dass dies die Wirksamkeit seiner Heilmethode geschmälert hätte.

Titelangaben:

Thomas Knubben: Mesmer oder die Erkundung der dunklen Seite des Mondes.

Tübingen: Klöpfer & Meyer, 2015. 240 Seiten. 24 EUR.

Derek Jones: Holzreste clever verwerken.

Männer! An die Hobelbank!

Wenn ich Derek Jones‘ Holzreste clever verwerken durchblättere, habe ich einen ganz bestimmten Mann vor Augen: meinen Papa. In einer Zeit, als alle Leute noch massenweise Geld zur Verfügung hatten, den Achtzigern, verzichtete mein Vater auf den Möbelkauf und machte daraus sein liebstes Hobby. Er hat für mich als Mädchen das schönste Puppenhaus der Welt geschreinert, viele Puppenmöbel und später, als meine Eltern ein Haus gebaut hatten, die meisten Möbel für dieses Haus.

An den Abenden und am Wochenende stand mein Vater in seiner Werkstatt und arbeitete mit Holz. Wir haben alles geliebt, was er gebaut hat und er kann sich bis heute vor Arbeitsaufträgen nicht retten. Was macht er aber mit dem Holz, das übrigbleibt? Was geschieht mit dem Verschnitt, wenn nicht gerade Kinder oder Enkelkinder etwas zum Nageln brauchen? Für Männer mit einer gut ausstaffierten Werkstatt habe ich nun endlich ein tolles Buch in den Händen.

Für Hobbyschreiner

Ganz klar: am Anfang ist das Holz. Bevor jemand seine hochwertigen Holzreste verwerken kann, muss er sie erst einmal haben. Es lohnt kaum, sich für die vielen kleinen Projekte im Buch extra die Bretter anzuschaffen. Aber wer, wie mein Vater, eine gut bestückte Werkstatt hat, wird sich freuen, endlich etwas anderes als Schneidebretter aus seinen Resten machen zu können. In einem Grundlagenteil erklärt Derek Jones, welches Werkzeug und Material vorrätig sein sollte. Wie gesagt: eine Werkstatt ist notwendig.

Wer aber sowohl eine maschinell gut bestückte Werkstatt hat (Bohrer und Stichsäge reichen nicht) und einen Stapel toller Bretter, die er nicht mehr braucht, der hat nun für lange Zeit wundervolle Projekte, mit denen er seinen Bekanntenkreis erfreuen kann. Ob Servierbrettchen, Murmelspiele, Dosen und Schachteln in verschiedenster Ausführung, oder praktische Dinge wie Fleischhammer, Spaghettimaß, Salatbesteck und Pflanzkübel, für unterschiedlichste Restholzgrößen wird sich hier ein perfektes Projekt finden.

Ästhetisch anspruchsvoll

Mir gefällt vor allem das Design. Die Hölzer sind immer ausgesuchte Harthölzer, von Buche bis Birne und das Design ist stets schlicht und funktionell gehalten. Selbst die Schreibtischlampe erinnert an die Werkstattlampen der Zwanzigerjahre und an Industriedesign. Dank der schönen Hölzer und der soliden Verarbeitung sind die Entwürfe sehr wertig. Man sieht gleich, wie viel Arbeit und Mühe in einer schlichten Schachtel steckt und selbst das Vogelhäuschen ist so gut verarbeitet, wie man es in keinem Gartenmarkt finden würde.

Blättert man durch Holzreste clever verwerken ist es, als ob man eingeladen würde, Teile eines Manufaktum- Katalogs nachzuarbeiten. Ein Hauch von exklusiver Patina liegt über dem Federkasten, den man nur ausgesuchten Freunden überreichen möchte. Ich hoffe, in den Entwürfen Beispiele zu finden, wie ich mein Obstbaumholz verwerten kann und bin durch und durch entzückt. Jetzt müssen mein Mann und mein Vater sich nur noch über die Werkstattnutzung einig werden. Dann werde ich eine Wunschliste abgeben.

Titelangaben:

Derek Jones: Holzreste clever verwerken.

Aus dem Englischen von Anja Neudert.

Münster: LV – Buch, 2016. 176 Seiten. 19,95 EUR.

Petra Mattfeldt: Multiversum. Der Aufbruch

Zeit und Ort sind relativ

Dass man eigentlich ein wenig von Physik verstehen sollte, vergisst man schnell in Petra Mattfeldts spannendem Multiversum. Ort und Zeit verschmelzen und plötzlich dringt das Mittelalter in die Gegenwart und der Teenager Tom macht sich auf die Suche nach seinen Eltern in einem Paralleluniversum. Ganz klar eine Lektüre für meine actionversessene Charlotte, die nach neuem Lesestoff lechzt.

Bei einem Bootsunfall vor acht Jahren verlor Tom seine Eltern, ein Architektenehepaar. Während Tom sich in der Obhut seiner Großmutter mit dieser Last abmüht, erreicht ihn eine Nachricht seiner Eltern. Die Besonderheit daran: sie stammt aus einer anderen Zeit. Mit Hilfe von Professor Steiner, der sowohl Spezialist für Physik als auch Geschichte ist und dem Mediävisten Dr. Winter entschlüsselt Tom die Botschaft. Sie stammt aus einem Paralleluniversum.

Thriller und Historienroman

Petra Mattfeldt vermischt viele Genres in ihrem Jugendroman, das macht ihn zu einer handlungsgeladenen Geschichte, die viele filmische Elemente beinhaltet. Während Tom und die Wissenschaftler noch an der Lösung des Problems arbeiten, bekommen sie Gesellschaft vom Geheimdienst, der ebenfalls entdeckt hat, dass es vor Englands Küste Anomalien gibt. Wer schon mal die Matrix-Trilogie gesehen hat oder wenigstens Star Trek Fan ist, wird vieles wiedererkennen.

Ganz klar: es geht weder um literarische, noch um wissenschaftliche Exaktheit. Durch ein Raum-Zeit-Kontinuum (und ich kenne dieses Wort, weil ich Star Trek Fan bin) reist Tom mit Dr. Winter in das Salesbury des 13. Jahrhunderts. Gut, dass Dr. Winter fließend Altenglisch spricht (könnte ich auch noch radebrechen), so kommen sie in einer fremden Kultur durch. In Old Sarum werden sie vom Abt des dortigen Klosters aufgenommen und verdienen sich die Gastfreundschaft durch die Planung und den Bau einer fortschrittlichen Mühle, die Old Sarum den Fortbestand als Gemeinde sichern soll.

Agentenkomik

Skurril wird es, wenn der MI6 beschließt, sich auch ins Mittelalter begeben zu wollen, ohne jedoch der Sprache mächtig zu sein oder auf technische Details verzichten zu wollen. Hier kommt der Part, der zwar spannend bleibt, über dessen Logik aber eher nicht nachgedacht werden sollte. Von den Bewohnern Old Sarums ist offensichtlich niemand erstaunt, wenn mit Munition des 21. Jahrhunderts geschossen wird und auch der kurze, freiheitliche Diskurs über schwule Liebe wird im Kern erstickt, denn der schwule Mönch entpuppt sich – natürlich – als verkleidete Fürstentochter.

Es bleibt spektakulär, denn Tom findet wirklich seine Eltern, die zufällig im Nachbarsort die Kathedrale planen. Mattfeldt fängt ab Mitte des Romans an, mit Zufällen nur so um sich zu werfen, um ihre Geschichte zu einem Happy – End zu bringen. Funktionierende Funkgeräte mit Datenempfang über viele hundert Kilometer, ohne dass ein Mobilfunkmast irgendwo bei Old Sarum stünde, Agenten, die sich seit Jahren als Frater verkleiden und offensichtlich nicht die gleichen Sprachprobleme hatten wie ihre Nachfolger.

Logische Lücken

Ich glaube, dass meine Tochter gerne die logischen Lücken, die ich finde, überliest. Mich stört das inkonsequente Verhalten mancher Figuren, von denen sich erst immer im Nachhinein herausstellt, weshalb sie vorher etwas anderes gemacht haben. Schade, dass Mattfeldt ihre Figuren nicht entwickelt und sie im Eindimensionalen belässt, so hält sich das Lesevergnügen für Erwachsene leider deutlich in Grenzen. Trotzdem ist Multiversum eine spannende Lektüre für einen Regentag, der sicher noch weitere folgen werden.

Titelangaben:

Petra Mattfeldt: Multiversum. Der Aufbruch

München: Buntstein Verlag, 2015. 336 Seiten, 9,99 EUR.

Niklas Ekstedt, Henrik Ennart: Das Kochbuch der 100-jährigen.

Der Traum vom ewigen Alter

Es ist ja schon ein erstaunlicher Gesellschaftswandel, dass mittlerweile gar nicht mehr so häufig darüber gesprochen wird, wie man möglichst lange jung bleibt. Das Schreckgespenst der Demenz geht um, Gesetze werden geändert und angesichts der Statistiken beschäftigen wir uns lieber damit, wie man möglichst lange gesund alt bleibt. Der Wissenschaftsjournalist Henrik Ennart hat sich intensiv mit Blue Zones beschäftigt und der Sternekoch Niklas Ekstedt hat versucht, Ennarts Informationen essbar zu machen. Herausgekommen ist Das Kochbuch der 100-jährigen als ein Versuch, zu begreifen, weshalb manche Menschen im hohen Alter noch so gesund sind.

»Blue Zones« sind geographisch abgegrenzte Gebiete, in denen die Menschen besonders alt werden. Sie erkranken seltener an Demenz, Krebs, Herz – und Gefäßkrankheiten und sind gesünder und ausgeglichener als wir. Weshalb? Es ist wichtig, Ennarts Nebensätze mit zu lesen. Nein, anders kochen allein wird nicht ausreichen, um 100 Jahre alt zu werden. Eine Balance zwischen Entspannung und Bewegung ist genauso wichtig wie Freunde und Familie. Kurz: eine Umkehrung des heutigen Lebensstils wird nottun, möchte jemand hundert Jahre alt werden.

Verschiedene Blue Zones

Ennart und Ekstedt führen den Leser in die unterschiedlichsten Blue Zones kreuz und quer über den Globus. Es gibt Blue Zones in Japan, Italien, Griechenland, Costa Rica und Schweden. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, gesund über hundert Jahre alt zu werden, sehr hoch. Der Forscher Ennart fragt sich nun, welche Lebensstile die Menschen dort verbinden, während der Koch Ekstedt sich dafür interessiert, wie deren kulinarischer Alltag aussieht.

Gleich zu Beginn gibt es eine Frohbotschaft, denn die Menschen ernähren sich von Blue Zone zu Blue Zone sehr unterschiedlich. Mal herrscht vegetarische Nahrung vor, mal gibt es oft Fisch, mal ist der Speisezettel fleischlastig. Es wird geraucht, Alkohol getrunken und getanzt. Ist das denn so viel anders als bei uns? Natürlich. Denn wir leben nicht mehr in der Zeit. Im Normalfall sind wir gestresst und hetzen von Termin zu Termin. In der Eile essen wir ungesund und zuviel, genauso verhält es sich mit den anderen Lastern.

Gemeinsamkeiten in den Blue Zones

Die unterschiedlichsten Blue Zones verbinden ein paar einfache Dinge. Zum einen handelt es sich meist um schwer zugängliche Gebiete, so dass die Menschen dort lange von der Außenwelt abgeschnitten waren und z.B. kaum Zugang zu Handelsware hatten. Daraus folgt, dass alle Lebensmittel selbst angebaut und weiterverarbeitet wurden. Alle Lebensmittel in den Blue Zones sind also sehr hochwertig und voller Antioxidantien.

Zum Anderen bot die Arbeit auf den Feldern, in den Gemüsegärten und Ställen den Menschen einen wunderbaren Ausgleich. Selbst zu ernten, was man gesät hat ist nicht nur erfüllend, es ist auch sehr sicher. Und dank der harten körperlichen Arbeit entspannt man sich freiwillig abends im Gespräch mit Freunden und Nachbarn. Die Kargheit der Landschaften und deren Abgeschiedenheit trug dazu bei, dass gegessen wurde, was das Land hergab und es kaum einseitige Ernährung gab. Die Armut zwang die Bewohner dazu, mit ihrem sozialen Gefüge in Eintracht zu leben und mit Menschen auszukommen. Das lässt ruhig werden.

Rezepte zum Nachkochen

Hier kommt der schwierige Teil. Denn die Küche von Okinawa/ Japan oder Nicoya/ Costa Rica entspricht nicht dem, was wir kennen. Experimentierfreudige machen sich auf zum Asiashop und vergessen dabei, dass wir uns damit nicht wie Bewohner von Blue Zones verhalten. Gottlob gibt es Gerichte aus Sardinien, Schweden und Griechenland, sie ähneln unseren Essgewohnheiten eher. Alle Rezepte sind schlicht wie die Geschichte der Menschen in den Blue Zones und sehr variantenreich. Wer sich gern ausprobiert, wird sicher fündig. Ob wir dadurch länger leben, bezweifle ich sehr. Doch ich habe eine Obstwiese und einen Garten, die ich bewirtschafte und werde Ennarts und Ekstedts Beobachtungen zum Anlass nehmen, mir meine eigene Blue Zone zu schaffen.

Titelangaben:

Niklas Ekstedt, Henrik Ennart: Das Kochbuch der 100-jährigen.

Aus dem Schwedischen von Dr. Ulrike Strerath-Bolz.

Köln: Fackelträger Verlag 2016.166 Seiten, 20 EUR.

Anna Philippsen: Frisuren. Mit Anna von LOVETHECOSMETICS

Hoch die Haare

Eines ist klar: für mich rezensiere ich heute nicht. Denn meine Haarlänge ist mittlerweile überschaubar und meine Geduld noch kürzer. Doch meine Mädels lassen ihr Haar wachsen und fordern immer wieder neue Flechtideen von mir. Dank Anna Philippsen und Frisuren bin ich nun für jede noch so verdrehte Anfrage gewappnet. Und zwar die nächsten paar Jährchen.

Denn Anna schreibt eigentlich gar nicht für so kleine Mädchen wie meine, sondern junge Damen, die ihrem Haar viel Zeit widmen möchten. Ich wünschte, ich hätte dieses Buch sehr viel früher gehabt, so vor drei Jahren, als ich mir eingestehen musste, dass ich meine langen Haare nur zum Dutt oder Zopf verwerke. Weil mir sonst nichts einfällt. Und mein Geduldsfaden auch damals nicht länger war.

Haargrundlagen

Während mich in anderen DIY-Büchern der Grundlagenteil oft nervt, finde ich es hier interessant, etwas über die verschiedenen Haartypen und deren Vor- und Nachteile zu erfahren. Man merkt, dass ich Neuland betrete. Je nach Grundstruktur des Haars lassen sich verschiedene Frisuren leichter oder weniger leicht formen, man benutzt anderes Shampoo und andere Kämme. Tips für eine Pflegeroutine und eine Übersicht über die wichtigsten Styling-Tools sorgen dafür, dass vor der ersten Frisiersitzung das Zubehör stimmt.

Alle, die bereits routiniert in der Haarpflege sind, können vorne in einer fotografischen Übersicht die einzelnen Frisuren einsehen und gleich zum Anwendungsteil blättern. Anna zeigt grundlegende Flechtfrisuren, Alltagsfrisuren und Partyfrisuren. Anhand von selbsterklärenden Fotos und Symbolen für die verschiedenen Hilfsmittel sind die einzelnen Frisuren schnell erklärt. Ich sollte vielleicht dazu erwähnen, dass Anna sehr schönes langes Haar trägt und ich glaube, dass die Frisuren grundsätzlich besser bei langem Haar aussehen.

Abwechslungsreichtum

Wer immer also langes Haar trägt, hat von nun an verschiedene Möglichkeiten, sich zu stylen. Einen französischen Zopf konnte selbst ich flechten, aber die Version mit Knoten sieht schon toll aus. Beeindruckend, wie ausdrucksvoll eine so simple Technik im schönen Haar sein kann. Auch den Fischgrätzopf kannte ich und freue mich, französischen Zopf mit Fischgrättechnik verschmelzen zu sehen. Mann, sieht das toll aus!

Meine Friederike hat perfektes, glattes Haar für diese Frisuren und wir probieren bei jeder Gelegenheit etwas Besonderes aus. Die Wasserfalltechnik finde ich besonders hübsch und ich merke wieder, wie gern ich geflochtenes Haar mag. Anna Philippsen stylt nun ihre verschiedenen Techniken für verschiedene Anlässe. Im Alltag wird Haar schnell geflochten und dann hochgesteckt, für festliche Anlässe werden die Frisuren neu kombiniert mit aufwändigerer Technik.

Haarkunst

Da werden zwei Zopfreihen parallel quer geflochten und der Haaransatz toupiert und sofort sieht der Kopf gar nicht mehr nach altem Zopf aus. Vor allem asymmetrische Styles haben es Anna angetan, es wird auf der einen Seite geflochten, auf der anderen hochgesteckt, dass es eine reine Freude ist. Manchmal haben die Frisuren etwas ornamentales, andere erinnern mich an Gemälde aus dem Jugendstil. Mit einer Blüte darin sind sie alle schön und festlich. Ich sehe schon, mir stehen viele flechtende Jahre bevor.

Titelangaben:

Anna Philippsen: Frisuren. Mit Anna von LOVETHECOSMETICS

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 144 Seiten. 16,99 EUR.

Petra Ahnert: Bienenwachswerkstatt. Kerzen, Seifen, Kosmetik und Deko selber machen

Wachsalchemie

Bienenwachs und Alchemie – passt doch wundervoll zusammen, nicht wahr? Am Ende entsteht immer etwas Goldenes. Petra Ahnert vereint in Bienenwachswerkstatt ihre beiden Leidenschaften: Analytisches Denken gepaart mit purer Kreativität. Daraus entsteht eine Alchemiewerkstatt, in der Öle, Wachse und Duftstoffe in ausgewogenen Mischverhältnissen vor sich hin köcheln und am Ende des Tages in betörenden Naturgeschenke enden.

Gleichzeitig muss ich mir mein tiefes Scheitern eingestehen. Denn leider werde ich nicht Teil einer Bienenwachswerkstatt werden. Ich habe keine Bienen und werde keine haben und für eine Alchemistenwerkstatt bin ich viel zu unordentlich. Ich denke, Petra Ahnert stellt ein wunderbares Hobby vor, das für sie zum Beruf geworden ist. Und deshalb richtet sich ihr Buch am ehesten an solche Menschen, die sich ebendies überlegen: ein Bienenhobby zum Beruf werden zu lassen.

Flüssiges Gold

Wer das aber will, wird hier schnell fündig: denn es geht nicht um die Bienen an sich, sondern um die Verwertung der Waben. Ahnerts Lebenspartner ist Imker und die Autorin verarbeitet also, was nach dem Honigmachen übrig bleibt. In einem ersten Kapitel stellt Ahnert den Werkstoff vor und wer nur weiß, dass Bienenwachs himmlisch riecht und von Bienen hergestellt wird, erfährt hier in der Kürze, was Bienenwachs eigentlich ausmacht und wofür die verschiedenen Wachsarten – von Kerzenwachs bis Brutwabenwachs – benützt werden können.

Bekanntes und Neues

Die folgenden Kapitel widmen sich den einzelnen Techniken. Wer bereits Kerzenziehen war, kann das Kerzenkapitel überspringen, für alle anderen findet sich ein guter Überblick über verschiedene Techniken und Kerzenformen. Interessant wird es, wenn Ahnert ihre Alchemistenküche öffnet und Balsame, Lotionen, Salben und Seifen herstellt. Für jedes Pflegeprodukt gibt sie eine allgemeine Herstellungsweise an, die dann auf verschiedenste Arten variiert wird. Ein Grundrezept, das man auswendig lernen kann und auf dessen Basis dann gearbeitet wird. Das Prinzip finde ich toll.

Die anfangs erwähnte Liebe zur Analytik findet hier ihren Niederschlag, denn Ahnert wiegt sehr genau die Inhaltsstoffe ihrer Pflegeprodukte aus. Das macht sie zu etwas Besonderem und genau das hält mich von der Nachahmung ab. Ich weiß ja, wie ich in meiner Küche wüte. Zudem unterliegen viele Produkte einem langen Reifungsprozess, es bietet sich also an, einen Alchemistentrakt im Haus einzubauen. Wie gesagt, toll für alle, die ein Hobby zum Beruf machen wollen.

Bienenwachs für alles

Sogar die leidenschaftliche Klientel der Seifensieder kommt auf ihre Kosten, und wer gerne zwei Hobbies verbinden möchte, kann sich die Anschaffung eines Buches über Seifensieden sparen: Ahnert erklärt gründlich und einfach. Toll finde ich auch, wie universell Wachs eingesetzt werden kann. Klar, wer Bienen hat, möchte ihre Produkte möglichst überall verwenden können: Bienenwachsanzünder, Bienenwachswindlichter, Küchenbrettpflegemittel, Holzpolitur, gewachste Stoffe und so vieles mehr, dass man sich zwischendurch fragen möchte, wie man eigentlich ohne Bienenwachs auskommen konnte. Sogar Kunsttechniken wie Enkaustik und Batik werden vorgestellt, so dass alle kreativen Adern eines Menschen angesprochen werden.

Titelangaben:

Petra Ahnert: Bienenwachswerkstatt. Kerzen, Seifen, Kosmetik und Deko selber machen

Aus dem Amerikanischen von Maria Heyne.

Münster: LV Buch, 2015. 136 Seiten. 17,95 EUR.

Sabrina Sue Daniels & Dagmar Reichel: Glutenfrei süß und herzhaft backen. 50 Rezepte für Kuchen, Kekse, Brot & mehr.

Mehlfreie Alternative ohne Kompromisse

Versucht man einmal, sich glutenfrei zu ernähren, sind die Grenzen schnell gesteckt. Was es im Handel an glutenfreiem Gebäck und Brot zu kaufen gibt, schmeckt nur halb, vor allem, wenn man den Geschmack von Mehl noch im Mund hat. Wunderbar, wenn dann zwei Autorinnen wie Sabrina Sue Daniels und Dagmar Reichel endlich ein Backbuch für Zöliakiebetroffene verfassen und Glutenfrei süß und herzhaft backen dann auch noch so liebevoll verfasst ist, dass man seine Erkrankung nicht mehr als Einschränkung erfährt und endlich nach Herzenslust den Kochlöffel schwingen kann.

Wie immer an dieser Stelle ein Lob an die Edition Michael Fischer, die ihre Autorinnen in gewohnt ästhetischer Weise veröffentlichen lässt. In Zeiten, in denen jedes zweite Rezept online nachzulesen ist, freut man sich, ein altmodisch schönes Backbuch in den Händen zu halten, das sowohl schön aufgemacht ist, als auch mit rundum gelungenen Rezepten bestückt ist. Für alle Einsteiger ins glutenfreie Backen gibt es anfangs eine Einführung und Übersicht über Grundrezepte, Gluten und entsprechende Alternativen. Mir gefällt besonders, dass die Autorinnen auf eine Standardbackmischung verzichten und verschiedene alternative Zusammensetzungen von glutenfreiem Mehl vorstellen. Die Geschmäcker sind verschieden.

Von Morgens bis Abends

Außerdem ist den Autorinnen ein glücklicher Rundumschlag über den ganzen Tag gelungen. Glutenfrei Backen besteht schließlich nicht nur aus Torten und Kuchen. Schon am Frühstückstisch, wenn alle Müsli und Brötchen essen, haben Zöliakiepatienten ein Problem. Immerhin zehn Rezepte hat man von nun an zur Auswahl und was nach wenig klingt, ist genug, wenn nur bedacht wird, wie selten man seine Morgenroutine wechselt. Quinoa-Quark – Brötchen, Kürbiskern – Bagels, Rhabarber-Erdbeer Crumble oder Pancakes, es gibt genügend glutenfreie Möglichkeiten, den Tag zu beginnen.

Bevor man zum großen Kuchenbüffet rüstet, tut es vielleicht auch ein Keks zum Tee. Dank der Rezepte der beiden Autorinnen gelingen Shortbread (hier mit Lavendel), Cookies, Cantuccinis oder Nussecken auch ohne Gluten. Wunderbar, denn Kekse sind auf Vorrat zu backen und ein gesunder Vorrat rettet im Ernstfall den Kaffeenachmittag. Für waschechte Kaffeegesellschaften muss natürlich ein solider Kuchn her. Torten, Cupcakes, Rührkuchen und Tartes finden sich im nächsten Kapitel, die Lieblingsklassiker sind immer mit einbedacht. Ob Beerentorte, Schokocupcakes, Brownies, Käsekuchen, Apple Pies oder Biskuitrolle, mit der richtigen Mehlmischung ist alles machbar.

Mischungen für jeden Geschmack

Auf die Zusammensetzung kommt es an. Selten werden zwei Rezepte mit der exakt gleichen Mischung gebacken, es entsteht mehr Varianz als bei traditionellen, glutenhaltigen Backverfahren. Auch die herzhaften Backrezepte stehen hier in nichts zurück. Pizza, Fladenbrot, Windbeutel, Sauerteigbrot, Toast und Kräcker – in ganz unterschiedlichen Mischungen werden Klassiker neu aufgetischt. Natürlich macht es nichts, dass ein Grissini dabei ein Grissini bleibt, denn die Hobbyköche möchten ja dem Original nahe kommen, ohne die Nachteile büßen zu müssen. Das verleiht Glutenfrei süß und herzhaft backen aber natürlich auch ein gewisses Klassikerpotential. Tips und Tricks erleichtern immer wieder bei den einzelnen Rezepten das Backen. Ein bisschen vermisse ich am Schluss einen Hinweis auf Bezugsquellen, wenn es auch ethisch lobenswert ist, dass an keiner Stelle im Buch Schleichwerbung betrieben wird. Man wünscht sich also schnell einen gut sortierten Supermarkt oder ein Reformhaus.

Titelangaben:

Sabrina Sue Daniels & Dagmar Reichel: Glutenfrei süß und herzhaft backen. 50 Rezepte für Kuchen, Kekse, Brot & mehr.

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 128 Seiten. 16,99 EUR.

Weber, Annette: Mit Paul ins Abenteuer Schule. Lustiges Lesetraining.

Leserätsel für Zweitklässler

Ich bin eine gesegnete Mama. Zwei Mädchen habe ich bereits durch die Grundschule begleitet und hatte das große Glück, keine Ahnung von der Schule haben zu müssen. Beide haben selbständig alle Aufgaben erledigt, extra Üben war nie notwendig. Weshalb ich trotzdem von DUDEN Mit Paul ins Abenteuer Schule. Lustiges Lesetraining bespreche, sage ich Euch gleich.

Welch ein Segen ein selbstständiges Kind ist, wissen alle, die es anders erlebt haben. So wie ich bei meinem ersten Grundschuljungen. Plötzlich wird alles interessant, was mit Grundschultraining zu tun hat. Wenn Mathe Spaß macht, weil es schnell geht und das Kind – typisch Mann – dabei nicht zu sprechen braucht und alles, was mit Lesen und Schreiben zu tun hat, mühsam ist, überlegt eine Mama bald, wie sie ihrem Kind helfen kann.

Etwas schwierig

Sagen wir es so, das Lesetraining empfinde ich teilweise noch als etwas schwierig. Ich frage mich, ob es wichtig ist, dass Kinder, unabhängig von den durchgehend netten Geschichten, Wörter wie »Alabaster« in der zweiten Klasse schon kennen, oder ob es einen Leseschüler nicht eher verwirrt, sich dann auch noch mit Worterklärungen auseinandersetzen zu müssen. Ich weiß auch nicht, ob Zweitklässler Bücher in Kategorien wie »Sachtexte«, »Liebesgedichte«, »Briefe« etc. einteilen können müssen, um ein grundlegendes Textverständnis zu erwerben.

Die Geschichten an sich sind spannend und nett aufgebaut und es ist für alle etwas dabei. Eine Detektivgeschichte, Geschichten von Freundschaft und von der Natur, Geschichten über Zauberei und Musik, und Geschichten über Experimente oder historischen Begebenheiten. Alle werden gleichzeitig gelesen und bearbeitet. Rätselfragen, Multiplechoice – Fragen, Textverständnisaufgaben und Ausmalbilder wechseln sich ab, so dass man auf verschiedensten Leselevels Verständnis sichern kann. Hier war die Autorin sehr kreativ und hat den Band wunderbar abwechslungsreich gestaltet.

In kleinen Happen servieren

Der Aufbau in einzelnen Kapiteln ermöglicht es, den Lesetrainer langsam durchzuarbeiten. Ich habe bemerkt, dass mein Junge schnell ermüdet, wenn er zusätzlich zum Textlesen auch noch die Übungen machen soll. Letztendlich steht auf jeder Seite oben ein Stück Text, darunter die dazugehörigen Fragen. Mein Großer hat keine ganze Geschichte auf Anhieb geschafft. Vielleicht hätte man die Geschichten noch besser in einzelne, abgeschlossene Kapitel aufteilen müssen? Schließlich muss man bedenken, dass ein Zweitklässler, bevor er den Lesetrainer in die Hand nimmt, im Normalfall schon Hausaufgaben usw. gemacht hat.

Was mich etwas anödet ist die Tatsache, dass ich sowohl im Lesetrainer als auch in den Übungsblöcken Druckfehler gefunden habe. Liebe DUDEN-Redaktion, bitte bessert das aus. Ich habe ein mulmiges Gefühl dabei, ausgerechnet von DER Institution der deutschen Rechtschreibung fehlerhafte Exemplare in den Händen zu halten. Oder wandert Tim auf Seite achtundvierzig wirklich durch »stille Täter«? Die Leserätsel auf dem Übungsblock sind übrigens wirklich toll. Sie sind kurz, knackig und ideal zum Üben zwischendurch, auf Reisen etc. Ich finde die Übungsblöcke fast besser als das Buch. Deswegen gibt es die auch als Verlosung auf dem Blog: bitte bei Interesse einfach einen entsprechenden Kommentar an mich, ich melde mich dann und versende die beiden Übungsblöcke »Leserätsel« und »Englisch«. Einsendeschluss ist der 12.12.16.

Titelangaben:

Weber, Annette: Mit Paul ins Abensteuer Schule. Lustiges Lesetraining.

Berlin: DUDEN Verlag 2016, 64 Seiten. 9, 99 EUR.

Alois Brandstetter: Aluigis Abbild

Konterfei der Scheinheiligkeit

Inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Krieges bittet eine Witwe einen berühmten Maler um ein Porträt ihres seliggesprochenen Sohnes. Alois Brandstetters Briefverkehr zwischen Rubens und der Donna Marta Tana di Santena liest sich wie ein leicht ironisierendes Sittengemälde aus dem Barock, ein Wirrwarr aus Carpe Diem und Memento Mori. Doch so wie Aluigis Abbild nicht fertig gestellt wird, verliert sich auch der amüsierte Plauderton in barocken Nichtigkeiten. Ich werde Zeugin einer Zerstreuung.

Donna Marta Tana di Santena, die verwitwete und bigotte Gattin eines spielsüchtigen und verarmten Gonzaga Fürsten aus Castiglione, findet in ihren einsamen Tagen auf ihrem Schloss den einzigen Trost im Gedanken, dass die Gemeinde Castiglione zu Ehren ihres seliggesprochenen Sohnes Aluigi ein Gotteshaus zu errichten plant. Die Fürstin hat beschlossen, dass niemand anders als der weltberühmte Peter Paul Rubens würdig sei, ein Altarbild mit dem Konterfei ihres Sohnes zu gestalten.

Höfische Sprachmalerei

Nachdem in Aluigis Abbild die Handlung kurz gehalten wird – ein Porträt wird bestellt und nie gemalt – verlagert sich der Fokus sofort auf die Sprache, in der der Briefverkehr höfischen Absenders verfasst ist. Alois Brandstetter gelingt es wunderbar, einen Sprachduktus anzunehmen, der die barocken Höflichkeitsfloskeln abbildet und – denn der Leser entstammt einer anderen Zeit – die Ironie der Schicksale der Protagonisten fein herausarbeitet.

Gleichzeitig befremdet der überaus blumige Schreibstil, denn heutige Lesegewohnheiten sind anders und man mag bisweilen etwas ungeduldig die Seiten blättern. Was aber wunderbar dargestellt wird, ist die Doppelbödigkeit der barocken Moral. Mitten im Dreißigjährigen Krieg, zwischen Hexenverbrennungen und Pestepidemien, konversieren Dialogpartner, die sich keine Blöße geben wollen, die eine gefestigte Meinung vertreten, aber nicht darüber sprechen dürfen.

Bigotterie und Lebenslust

Wenn also Donna Marta ihrer Kammerzofe erklärt, wie heilig und unberührt ihr Sohn Aluigi doch war und die Kammerzofe vorsichtig ins Gespräch einflicht, dass der Grat zwischen Heiligem und Sonderling doch ein schmaler sei und im Verlauf deutlich wird, dass der Verzicht auf alle weltlichen Würden bei einem hochverschuldeten Adelshaus eher ein Gewinn denn Verlust ist, erhält die Figur des Aluigi nicht nur Risse, sie führt sich selbst ad Absurdum.

Rubens dagegen muss sich vor Donna Marta für seine üppigen Frauengestalten verantworten, es wird ihm Unkeuschheit vorgeworfen. Er selbst kann dagegen nichts für den asketischen Lebensstil des Aluigi empfinden und schlägt kurzerhand vor, sein Meisterschüler van Dyck könne doch das Portät übernehmen. Van Dyck, ein junges Genie im religiösen Kinderwahn, lässt sich auf den Handel nur zu gerne ein, doch die Reise nach Italien wird die Grand Tour des Künstlers, aus der er gereift hervorgeht – ohne das Portrait gemalt zu haben.

Stärkste Momente erst zum Schluss

Van Dyck wandelt sich vom ultrakonservativem Katholiken zum höfischen Maler, der Affären und uneheliche Kinder hat und den Glauben an die reine katholische Lehre spätestens in Rom verliert.

Der Briefwechsel mit Donna Marta gestaltet sich entsprechend verhalten und über lange Strecken wirkt das Zaudern des van Dyck fast ennervierend, denn das Ende der Geschichte ist längst klar. Es scheint, dass Brandstetter Zeit schindet, die höfische Sprache verliert gegen Ende etwas an Schliff, oder ist es nur Langeweile, die sich breit macht?

Den stärksten Moment hat der Autor in seinem Schlussplädoyer. Van Dyck wurde britischer Hofmaler, einer der wichtigsten Künstler Europas. Er verlor den Glauben und die Strenge, kurz, er wurde erwachsen. In einer Welt der jugendlichen Helden stellt Brandstetter sich die Frage, die niemand beantworten kann: wie wäre Aluigi als alter Mann gewesen? Desillusioniert? Der Reiz der Revolution hängt an der Jugend, man weiß es längst. Ein alter Jesus? James Dean als Rentner? Che Guevara als Großvater? Unvorstellbar. Alternde Revolutionäre enden in der Bedeutungslosigkeit oder als Diktatoren. Der Glanz der Jugend vergeht.

Titelangaben:

Alois Brandstetter: Aluigis Abbild

Wien: Residenz Verlag, 2015. 192 Seiten. 19,90 EUR.

Mary Karlin: Das große Buch vom Fermentieren. Grundlagen, Anleitungen und 100 Rezepte.

Aus Liebe zum Essen

Tatsächlich war mir nicht bewusst, wieviele fermentierte Lebensmittel ich in der Woche zu mir nehme. Der passionierten Köchin und Autorin Mary Karlin, gebührt die Ehre, mir bewusst gemacht zu haben, was da jeden Tag auf meinem Tisch landet. Das große Buch vom Fermentieren ist kleiner als man denkt, steckt aber voller Überraschungen. Und macht auch deutlich, dass man sich nun auf ein biochemisches Abenteuer einlässt.

Tendenziell fällt mir zum Thema Fermentieren nur Sauerkraut ein. Das ist nicht negativ gemeint, denn ich mag Sauerkraut wirklich. Aber damit endet auch mein Wissensstand. Tatsächlich ist Fermentieren viel mehr. Im Endeffekt ist es eine Art des kontrollierten Verwesens, so dass Lebensmittel durch bestimmte Pilze und Bakterien für eine gewisse Zeit haltbar gemacht werden, in dem ein Gärprozess in Gang gesetzt wird.

Willkommen in der Hexenküche

Mary Karlin erläutert in einem ersten Teil Grundregeln und Grundausstattung beim Fermentieren und schnell wird klar, dass man ein kleines Küchenchemielabor benötigt. Die Utensilien am besten aus Edelstahl, damit sie keine Bakterien annehmen, alles immer sauber und hygienisch, die einzelnen Produkte voneinander getrennt, damit sich die Bakterien nicht kreuzkontaminieren. Gar nicht so einfach.

Trotzdem gelingt es Karlin im Buch gut, schwierige und einfache Methoden zu zeigen, also für die unterschiedlichsten Stufen des Ehrgeizes Projekte vorzustellen. Fermentiert wird alles: Gemüse (Sauerkraut, Kimchi, Oliven…), Getreide (Sauerteig, Bier), Milch (Joghurt, Käse), Tee (Kombucha), Fleisch (Wurst, Corned Beef), Hülsenfrüchte (Sojasauce, Tofu….) und Fisch (Worcestersauce). Das Beste ist natürlich, dass am Ende mit den fermentierten Lebensmitteln auch noch gekocht wird, das erspart einem die komplizierte Suche nach Rezepten.

Alte Küchentradition neu zum Leben erweckt

In jeder Kochkultur wurde immer irgend etwas fermentiert. Ich kenne natürlich Sauerkraut und Sauerteigbrot, aber auch Joghurt, Wurst und Käse konsumiere ich. Joghurt stelle ich bereits selbst her, Käse, vor allem Frischkäse, immer wieder. In meinem Alltag funktionieren am besten schnelle Rezepte. Tendenziell gilt: Fermentieren ist nicht schnell. Ich sehe es an meinem Apfelessig. Wer also sich die Zeit nehmen kann, auf Vorrat zu produzieren, der wird hier seine reine Freude haben. Mein erster Apfelessig ist nun nach drei Monaten trinkfertig und ich freue mich jeden Tag darüber.

Gerade weil der Prozess aufwändig ist, lohnt es sich, auf gute Lebensmittel Wert zu legen. Ich fermentiere also nur, was ich selbst geerntet habe. Das macht die Auswahl leichter. Dieses Jahr gibt es Apfelessig und das Sauerkraut steht auf der To-Do Liste ganz oben. Joghurt mache ich am liebsten aus der guten Milch vom Bioladen und Käse gibt es nur als Frischkäse. Sojasauce würde mich ja sehr interessieren, aber ich habe keine Sojabohnen. Karlins Buch ist auch eines für den langen Atem. Es wird im Bücherregal stehen und immer wieder hervorgeholt werden. Toll finde ich auch ihren Ansatz, ohne Reste zu kochen. Mit Resten vom Sauerteigbrot wird also Joghurt fermentiert, Molke wird zum Saucenkochen benutzt. So bleibt nichts übrig und man ehrt damit auch die eigene Arbeit. Karlin hat mit Das große Buch vom Fermentieren einen absoluten Gegenentwurf zur aktuellen Schnelllebigkeit verfasst und wer sich den Inhalt aneignen will, wird auf jeden Fall entschleunigen müssen.

Titelangaben:

Mary Karlin: Das große Buch vom Fermentieren. Grundlagen, Anleitungen und 100 Rezepte.

Aus dem Amerikanischen von Claudia Theis-Passaro.

Aarau: AT- Verlag, 2015. 256 Seiten. 26,95 EUR.

Florencia Campos Correa: Minis Weben mit dem Pin Loom.

Kleinkariert

Florencia Campos Correa liebt das Weben. Die Industriedesignerin hat ein Kindheitshobby zum Beruf gemacht. Das muss man sehen und respektieren wenn man sich Minis Weben mit dem Pin Loom zu Gemüte führt. Für alle, die gerne einfach zum Zeitvertreib Handweben möchten auf einem sehr kleinen Rahmen, ist das Buch genau das Richtige. Für mich, als Upcyclerin und Mama in permanenter Zeitnot bietet der Pin Loom nichts Positives.

Mein Haupteinwand: Pin Loom Weben scheint schon immer sinnlos gewesen zu sein. In einem historischen Abriss gewährt Correa Einblick in die Entwicklung des Pin Loom Webens, das vor allem in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts sehr beliebt war. Aber schon damals wusste niemand so recht etwas anzufangen mit den kleinen Flicken, so dass sie zu Patchworkdecken und Babymode verarbeitet wurden. Mit dem zweiten Weltkrieg geriet der Loom in Vergessenheit.

Vergessen und wieder ausgegraben

Zurecht, sag ich mal, denn ich verstehe nicht, weshalb etwas so Überflüssiges wiederbelebt werden muss. Wer eine kleine Handarbeit für Zwischendurch sucht, könnte ja auch häkeln, stricken, sticken. Denn dafür, dass die Minis zu nichts nutze sind, ist die Weberei ganz schön anstrengend. Gewebt wird auf einem kleinen Rahmen, auf dem Nägel in Dreiersystem angeordnet sind. Je nachdem, wie später die Farben um die Nägel gewickelt werden, ergeben sich andere Muster.

Man erkennt, wie gern und gut Correa webt, denn der Part über Mustervariationen ist bei weitem der Ausführlichste im Buch. Und die Muster sind schön und kunstvoll. Je nach Garnqualität, Farbe und Dicke sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Es wird der Kettfaden in drei Lagen aufgebracht, die genau abzuzählen sind. Der Schussfaden webt dann einfach zwischen durch. Wenn man bedenkt, dass zum Vorbereiten ein ebener Untergrund und gute Beleuchtung notwendig sind, ist das Weben ganz schön aufwändig.

Kompliziert und kurz

Jedes Muster erhält eine detaillierte Webanleitung. Je nachdem, wie oft gleichmäßig gewebt wird oder wann über oder unter den Kettfäden durchgewebt wird, ergeben sich unterschiedliche Muster. Verzählen darf man sich genau so wenig wie bei komplexen Strickmustern. Die Muster sehen alle toll aus, doch ist ihnen gemeinsam, dass sie aufgrund der Webtechnik, mit Wolle zu weben, relativ grob und locker gewebt sind. Das muss nicht immer gut aussehen.

Ich finde es schwierig, dass Correa zwar so viele schöne Muster zeigt, aber ihr am Schluss herzlich wenig einfällt, was damit anzufangen wäre. Die Werkstücke enden in allem, was eckig ist: Decken, Handyhüllen, Taschen, Kissen, Ponchos. Bedenkt man, wie viel Arbeit so ein einzelner Mini ist, häkle ich tausendmal lieber Grannysquares, denn das optische Ergebnis ist jedesmal eher ernüchternd, selbst bei einer professionellen Weberin.

Titelangaben:

Florencia Campos Correa: Minis Weben mit dem Pin Loom.

Münster: LV-Buch, 2015. 144 Seiten. 16,95 EUR.

Epipa: Wintertraum & Strickzauber. Accessoires, Deko und Geschenke stricken.

Wo bleibt der Schnee?

Sascia von www.epipa.blogspot.de ist wie eine perfekte Kopie von mir selbst. Viele Kinder, ein Haus auf dem Land und eine profunde Liebe zur Handarbeit. Deshalb passen ihre Entwürfe aus Wintertraum & Strickzauber auch so perfekt zu meiner handgesponnenen Wolle. Wie gesagt, ich fühle mich gespiegelt. Nur in schöner, schlauer, begabter, definitiv ordentlicher und wahrscheinlich auch mit einem viel harmonischeren Familienleben.

Die Muster von Sascia sind alle wunderschön. Vor allem für mich, die ich tausendmal lieber einfarbig stricke anstatt mit achtzig Knäueln zu hantieren. Und Strukturmuster mochte ich schon immer. Und ja, sie wirken am besten in naturfarbener Wolle. Wie meinem handgesponnenen Garn. Sag ich doch. Die Fotografien im Buch, von der Edition Michael Fischer liebevollst umgesetzt, versetzen mich in ein winterliches Märchenland, das wenig mit der Matschepampe draußen in meinem Garten zu tun hat.

Kleine Sachen für den schnellen Strickhunger

Natürlich vermisse ich ein bisschen die großen Würfe. Voluminöse Jacken, in die man sich einrollen kann. Andererseits: habe ich das alles längst. Und kleine Dinge kann ich viel besser verschenken. Ich hätte wahrscheinlich für die Zopfmustermützen keine Anleitung gebraucht, bin aber sehr dankbar für alle Handschuhanleitungen. Fingerhandschuhe stricken kann ich nämlich nicht so gut. Die Entwürfe sind ideal für ein Mamaleben, denn ich stricke hauptsächlich, während ich in der Musikschule oder im Turnen auf eins meiner Kinder warte.

Also: maximal zwei Knäuel Verbrauch. Nervig finde ich am Buch (wie an jedem einzelnen Strickbuch), dass die ersten dreissig Seiten für allgemeines Blabla draufgehen (Maschenanschlag etc. ) . Aber gut. Dann geht es gleich los mit einer Stola, die hübsch ist, aber über einer noch hübscheren Jacke im steirischen Muster hängt. Schon wieder, denkt ihr jetzt, aber vielleicht ist das nur ein kleiner Hinweis für Sascia. Jacken!!!!!

Von zart bis voluminös

Es folgen eine zarte und schlichte Clutch, ein umwerfend niedlicher Kinderpulli (Oh Gott, Jakob ist zu groß dafür), meine bereits erwähnten wunderschönen Fingerhandschuhe, Mützen und Fäustlinge, Kleine Schals, Jungspullis (und wieder eine Strickjacke von atemberaubender Schönheit, es ist eine Frechheit!) und dann die rustikaleren Sachen wie Stulpen im Zopfmuster (toll, meine Mädchen werden sterben, wenn sie sie sehen), ein Dreieckstuch für Jungs und Männer, fingerlose Handschuhe und ein Hoodie.

Das Kapitel für Deko und Geschenke ist auch sehr nett, kann aber mit den tollen Strickmustern des ersten Teils nicht mithalten. Außerdem habe ich Wolle gern am Körper und nicht als Cookiesäckchen. Dennoch ein rundherum gelungenes Handarbeitsbuch für den Winter, das Lust aufs Arbeiten macht und mich definitiv morgen ans Spinnrad locken wird. Ein großes Lob auch an den Fleiß der Strickerin, denn mit feiner Wolle Strukturmuster zu stricken, dauert wirklich lange und erfordert ein gutes Gedächtnis und ein ordentliches Strickbild. Das kommt nicht von heute auf morgen, da war jemand schon sehr lange fleissig. Da freue ich mich doch schon auf ein Buch über tolle Pullover und Jacken!

Titelangaben:

Epipa: Wintertraum & Strickzauber. Accessoires, Deko und Geschenke stricken.

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 112 Seiten. 16,99 EUR.

Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch, Nelly Mager: Kinder Party Küche.

Endlich was zu essen!

Es ist ja nicht so, als ob ich nie Kinderkochbücher rezensieren würde. Nicht alle finde ich gut, dieses hier schon. Das Autorinnenteam Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch und Nelly Mager hat mit Kinder Party Küche bewiesen, dass eine Party vor allem eins braucht: gutes Essen. Dass ich hier ein Kinderkochbuch rezensieren darf, in dem ordentlich und mit guten und frischen Zutaten gekocht wird, freut mich sehr.

Wie bei den meisten Kindergeburtstagen geht es auch diesmal um Mottoparties. Ich finde mittlerweile nach dem vierten Kind Mottoparties deutlich überschätzt, aber mit gutem Essen kann man mich versöhnen. Claudia Seifert schickt die Kindertruppe in den Dschungel, aufs Fußballfeld, zur Teeparte, ins All, auf Hohe See und in einen Gruselfilm. Etwas Auswahl hat man also. Es ist wundervoll, wenn man auf den Fotos echtes gekochtes Essen sieht (nicht nur gestyltes) und anhand der Zutatenliste ersichtlich wird, dass hier wirklich in der Küche gearbeitet wird.

Nichts für Faule

Hier kommt auch das große Manko dieses Buches: wer nicht gerne in der Küche steht, sollte lieber vom Erwerb absehen. Denn hier wird Mürbteig geknetet, es werden Windbeutel gespritzt, Brot wird gebacken und Fleisch wird mariniert und gegrillt. Die »weltbesten Geburtstagskuchen« sind es wirklich, denn obwohl alle Kinder Muffins und Cakepops mögen, sind es immer die gleichen, uralten Rezepte, die dann ganz aufgegessen werden: Guglhupf (hier vogelwild gestreift), Käsekuchen mit Sauerkirschfüllung oder Biskuittorten. Ich fühle mich angenehm an die Kaffeekränzchen meiner Kindheit erinnert.

Die Damen hinter der Kinder Party Küche haben an alles gedacht. Zu jedem Thema gibt es gesunde und witzige Getränke, Smoothies, Shakes oder Bowlen. Selbst die Dekorationsideen sind perfekt und einfach mit Kindern nachzugestalten. Wer möchte, könnte die gesamte Geburtstagsplanung auf diesem Buch fußen lassen. Mir gefällt auch der letzte Teil sehr gut, in dem Geschenke aus der Küche hergestellt werden. Kinder wollen nicht nur feiern, sie wollen auch anderen eine Freude machen. Und das geht am besten mit Selbstgemachtem.

Abwechslungsreich und gesund

Hier sei auch ein Lob bezüglich der Rezeptauswahl ausgesprochen: Selten habe ich ein so abwechslungsreiches und gesundes Kinderkochbuch gesehen. An den Zutatenlisten sieht man bereits, dass alles wundervoll schmecken wird und sogar Kinder mit Unverträglichkeiten können hier zufrieden sein. Mindestens fünf Rezepte sind glutenfrei und sehr oft können Zutaten unaufwändig ersetzt werden.

Viele der Rezepte sind nicht auf einen Kindergeburtstag zugeschnitten. Die Hähnchenspieße mit Dip schmecken auch den Großen, so dass die meisten Ideen variabel einsetzbar sind. Schließlich wird die Kindergeburtstagszeit irgendwann vorüber sein und man ist froh, wenn man ein gutes Kochbuch dann nicht wegwerfen muss. Diesmal also spreche ich ein rundum uneingeschränktes, großes Lob an die Autorinnen aus. Ein tolles Kochbuch!

Titelangaben:

Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch, Nelly Mager: Kinder Party Küche.

Aarau: AT-Verlag, 2016. 184 Seiten. 19,95 EUR.

Christiane Wegner: Selber Flechten!

Neue Zöpfe braucht das Land!

Ts. Was mache ich mit einem Flechtbuch, wenn ich mir die Haare ständig schneiden lasse? Hallo? Habe ich nicht zwei wunderschöne Töchter, die gerade davon träumen, langes Haar zu haben? Wer also zwei Töchter hat, braucht Christiane Wegners Selber Flechten. Dringend. Denn wer schon einmal zumn Cellovorspiel musste, knapp dran war und dann wollten alle ein Kränzchen geflochten haben, der weiß, wovon ich spreche. Selbst ist das Kind!

Tatsächlich könnten meine Mädels – neun und elf Jahre alt – ein paar Frisuren schon wirklich selber flechten. Auch wenn die Detailfotos mir Schädelweh verursachen. Die Autorin ließ die Probandinnen wirklich selbst flechten. Nur so kann garantiert werden, dass die Leserinnen ebenso dazu in der Lage sein werden. Ein Glossar zu Beginn hilft bei den wichtigsten Fachbegriffen und einigen Grundtechniken, aber dann stehen auch schon die Frisuren im Mittelpunkt.

Geniale Tricks

Zugegeben, ich bin sehr uneitel. Von den allermeisten Schönheitstricks wusste ich gar nichts. Umso genialer erscheinen sie mir jetzt beim Lesen. Zopf auflockern, damit er fülliger erscheint? Klar. Und ich hatte mich schon immer gewundert, weshalb alle dicke Zöpfe hatten, nur ich nicht, dafür aber meine für so manche K.O. – Schläge verantwortlich waren. Spiegelverkehrt flechten kann ich, das schreckt mich nicht.

Um so hübscher finde ich die vielen kleinen Flechtideen. Drei Zöpfe, quer über den Kopf, ein Timoschenkokränzlein, ich sehe schon viele Frida Kahlos vor mir. Und erlebe Seite für Seite einen Aha-Effekt. Das Gute am Buch: jeder findet sich was. Ich bin verleitet, meine Haare wieder wachsen zu lassen, denn die Ideen sind einfach toll. Selbst für gestresste Schulmädchen ist allerhand dabei.

Vom Schulkind zur Braut

Kinderleichte Frisuren wechseln sich ab mit bräutlichem Drama. Sogar ziemlich kurze Haare werden geflochten – es gibt also Hoffnung für mich. Flechtfrisuren sind alles – von clean bis hochromantisch. Und natürlich macht es nichts, wenn ein paar Strähnchen davonfliegen und der Frisur einen leichten Charakter geben. Das macht die Sache durchaus leichter. Vor allem mag ich das Gefühl, das alle Frisuren zwar schön sind, aber meine Töchter nicht herausgeputzt wirken. Nur so kann man wirklich öfter sich die Zeit nehmen, kreativ zu werden und alte Zöpfe nicht langweilig wirken zu lassen.

Titelangaben:

Christiane Wegner: Selber Flechten!

Münster: LV Buch, 2016. 144 Seiten. 19,95 EUR.

Josephine Barbe: Mode machen. Entwirf und nähe deine eigene Mode.

Wie geht das mit der Mode?

Ganz klar: ich bin nicht das Zielpublikum von Josephine Barbes Mode machen. Entwirf und nähe deine eigene Mode. Das ist schon aus der Anrede im Titel herauszuhören. Aber ich kann ja abstrahieren. Und wäre ich so ein junges Ding mit sechzehn, wäre ich wahrscheinlich überglücklich über so eine profunde Einführung in die Modewelt. Denn Barbe stellt nicht ein paar nette Schnitte zum Nachnähen vor, sondern erklärt, wie man selbst Modelle entwirft.

Von der Pike auf wird erläutert, wie Mode gemacht wird. Wie man Maß nimmt, eine Figurine zeichnet, einen Schnitt entwirft und auf Schnittpapier überträgt. Toll finde ich zum Beispiel, dass auch Nähen von Hand erklärt wird. Heutzutage wird schnell vergessen, dass für das Nähen theoretisch kein großes Equipment notwendig ist. Nadel und Faden reichen aus. Wer will, bekommt zusätzlich erklärt, was in einer Nähwerkstatt wichtig ist und welche Modeepochen der Moderne durchlaufen wurden.

Gutes Einstiegswerk

Barbe wagt einen Rundumschlag, klar, dass einiges unter den Tisch fallen muss. Wer Detailinformationen zu Paspeln oder verdeckten Reißverschlüssen sucht, wird hier nicht fündig und muss wohl auf ein konservatives Standardwerk zurückgreifen. Ideal ist Barbes Mode machen. Entwirf und nähe deine eigene Mode aber für die, die mit einem kleinen Geldbeutel und einer großen Portion Enthusiasmus anfangen möchten, selbst entworfene Stücke zu nähen.

Wie man Stoffe bedruckt, was Patchwork ist, wie man Einsätze näht, das nämlich wird hier wundervoll erklärt. Selbst bedruckte Turnbeutel, Patchworkmäppchen und neue Shirts aus alten Shirts sind das kreative Resultat von Barbes Experimenten an der Nähmaschine. Anhand einfacher Basisschnitte wie Shirts mit Raglan – oder U-Bootausschnitt wird erklärt, wie Schnitte entworfen und auf Stoff übertragen werden und zwar so allgemein, dass jeder für sich das perfekte Shirt wird nähen können.

Intelligente Kombination

Für alle, die auf Schnitte nicht verzichten wollen, gibt es noch die Möglichkeit, sich auf der Verlagshomepage die Schnitte für Schiebermützen und Shirts herunterzuladen und so Buch und Medium klug zu kombinieren. Das spart Bäume, denn nur die Schnitte werden ausgedruckt, die man auch tatsächlich verwenden möchte und Nerven, denn es ist nicht notwendig, auf einem unübersichtlichen Schnittbogen sich sein Muster zusammenzukritzeln.

Wie gesagt, als Einstiegswerk bietet Barbe vielseitige Möglichkeiten, sich an das große Thema des Nähens heranzutasten. Gerade für junge Menschen, die einfach nur einmal ausprobieren möchten, ob Nähen für sie ein Hobby werden könnte, ist die Übersichtlichkeit und Kreativität des Buches ideal. Alte Hasen werden wohl lieber gleich ihre Schnitte suchen oder sich anderswo eindecken, denn für Fortgeschrittene bietet Barbes Lektüre wenig Neues.

Titelangaben:

Josephine Barbe: Mode machen. Entwirf und nähe deine eigene Mode.

Bern: Haupt, 2015. 152 Seiten. 24,90 EUR.

Harold Enlow: Der kleine Schnitzworkshop. Figuren und Gesichter.

Schnitz Dir einen Cowboy!

Nein, ich wollte mir wirklich keinen neuen Mann schnitzen. Vielmehr hat mich interessiert, was ich mit dem vielen Holz von meiner Wiese anfangen könnte. Schnitzen lag nahe, nachdem ich bereits Weidenpfeifen mit meinen Kindern angefertigt hatte. Harald Enlow liefert mit Der kleine Schnitzworkshop. Figuren und Gesichter eine Einführung. Allerdings für das Karikaturenschnitzen. Es hätte so schön sein können.

Denn eins ist klar: ich will keine Hillbillies, keine Hexen und Waldschraten, keine grantigen Indianer und keine Gartenzwerge. Wenn ich mir Figuren geschnitzt hätte, wären es wahrscheinlich Krippenfiguren geworden. Zugegeben, Enlow hat dem Titel nach schon kein Krippenfigurenbuch verfasst. Es wird aber auch nirgends erwähnt, dass es sich ausschließlich um Karikaturenentwürfe handelt.

Schnitzgrundlagen für Mimik

Prinzipiell wird gut erklärt, wie man Gesichter schnitzt. Die Erklärungen helfen ausschließlich dann, wenn man nicht das erste Mal ein Schnitzwerkzeug in der Hand hält. Schade, dass auf dem Buchcover nicht erwähnt wird, dass der Workshop für Neulinge nicht ganz so gut geeignet ist. Wer genau wissen will, wie man ein offenes oder geschlossenes Auge schnitzt, ist hier richtig. Wer wissen will, wie man ein Schnitzmesser hält, eher nicht.

Enlow betrachtet sowohl einzelne Gesichtsteile, wie verschiedene Nasenformen, also auch ganze Porträts. Hier beschränkt er sich auf ein weibliches Gesicht, einen Cowboy, den Indianer, einen Weihnachtsmann, eine Hexe, ein hässliches Gesicht und einen Waldgeist. Für jeden Arbeitsschritt gibt es ein Foto, zudem wird das Werkzeug, das gerade verwendet wird, genau beschrieben. Es hängt viel daran, weiches Holz und scharfes Werkzeug zu benutzen.

Detailverliebte Gesichter

Auch wenn es sich nur um Karikaturen handelt, Enlows detailverliebte Gesichter haben alle eine starke Persönlichkeit. Die aber ist deutlich amerikanisch geprägt und passt nur schlecht in meine weihnachtliche Dekorationsplanung. Ich hätte mir eher gewünscht, eine Figur in verschiedenen Schwierigkeitsstufen schnitzen zu können, z.B. in groben Umrissen, mit einer Dekupiersäge vorgesägt und dann nachgearbeitet.

Oder eben themenbezogene Ensembles wie Krippenfiguren. Oder etwas total Allgemeines. So aber sitze ich mit einem Buch über Karikaturenschnitzen da, in dem ich lernen kann, geifernde Cowboygesichter nachzuarbeiten, die aber Hals abwärts im Nebel hängen, denn obwohl eine Figur aus mehr als einem Gesicht besteht, wird nicht mehr gezeigt. Bestimmt findet sich der eine oder andere leidenschaftliche Karikaturenschnitzer, dem Enlows Buch Tipps und Tricks vermitteln kann, mich weihnachtlich gestimmte Mama mit Obstwiesenholz konnte er leider nicht umgarnen.

Titelangaben:

Harold Enlow: Der kleine Schnitzworkshop. Figuren und Gesichter.

Aus dem Amerikanischen von Swantje Baumgart.

Münster: LV-Buch, 2016. 144 Seiten. 19, 95 EUR.

Helgrid van Impelen: Strickponchos und Lieblingscapes. Lässige Modelle für jede Jahreszeit

stricken.

Wohlfühlen im Quadrat

Ob ein Poncho mein neues Tuch wird? Das kann schon sein. Dank Helgrid van Impelens Strickponchos und Lieblingscapes werde ich vor schwere Entscheidungen gestellt. Klar ist: Wolle ist wunderbar, vor allem, wenn es draußen Herbst wird und regnet und der Körper nach Wärme und Wohlfühlen schreit. Während die Tücher, die ich stricke, meist komplizierte Lacemuster haben, arbeitet van Impelen mit schlichten Designs. Schnelle Nadeln? Immer her damit.

Schon im Vorwort erwähnt Helgrid van Impelen, dass sie eigentlich findet, man bräuchte einen Poncho für jede Gelegenheit. Dem kann ich auf jeden Fall etwas abgewinnen, ich schichte nämlich auch gerne Wolllagen übereinander. Wunderbar, dass es also Modelle gibt, die im Winter wie Sommer gut aussehen, verschiedene Designs für verschiedene Jahreszeiten, verschiedene Garne und Muster für unterschiedlich versierte Strickerinnen. Einzige Voraussetzung: man will diesen Poncho haben.

Schlichte Entwürfe

Ich mag es auch mal üppig gestrickt, doch im Falle von Ponchos, die einfach Fläche brauchen, bin ich dankbar für die schlichten, aber wirkungsvollen Entwürfe, von denen keiner so einfach ist, dass einem langweilig wird. Der erste Poncho im simplen Perlmuster lebt von seinen zarten Farbverläufen, ein anderen von überdimensionalen Zöpfen aus sehr dickem Garn. Ein schwarzer, eleganter Poncho wirkt durch Fallmaschen, alles andere wäre farblich sowieso vergeblich.

Ich selbst habe mich für einen Baumwollponcho mit Rautenmuster entschieden. Ich stricke aber gar nicht in Baumwolle, sondern versuche mich am selbstgesponnenen Schurwollgarn. Mal sehen, wie sich das Muster als Poncho macht. Toll finde ich auch die Colorblockingentwürfe, Pink und Lila treffen auf rote Baumwolle und machen Laune an regnerischen Sommertagen. Auch dass die Entwürfe in der Länge ganz unterschiedlich sind, gefällt mir. Manche ähneln eher einer Pellerine als einem Poncho.

Anpassbare Schnitte

Ich mag natürlich auch, dass ich die Schnitte tendenziell alle verlängern oder verkürzen könnte, je nachdem, wie weit Garn und Motivation reichen. Manchmal gefällt mir einfach auch eine Kragenform und ich möchte das Prinzip gerne auf ein anderes Modell übertragen. Auch das geht. Es ist bei jedem Schnitt die Grundform und der Schwierigkeitsgrad erwähnt. Keine Anleitung braucht mit Fotos mehr als zwei Doppelseiten, die Lesearbeit hält sich also in Grenzen. Deswegen wandert mein Poncho auch auf Fernsehsofas, Musikschulwartesesseln und Fussballtrainingpausen mit. Perfekt für den Herbst.

Titelangaben:

Helgrid van Impelen: Strickponchos und Lieblingscapes. Lässige Modelle für jede Jahreszeit

stricken.

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 96 Seiten. 16,99 EUR.

Sage Rountree: Everyday Yoga. Yoga für alle – vom Einsteiger bis zum Top – Athleten.

Es ist angerichtet

Sage Rountree, Athletin und Yoga-Lehrerin, hat mit Everyday Yoga ein abwechslungsreiches Programm zur Einbindung von Yogaübungen in den Alltag entworfen. Sie richtet sich dabei sowohl an Einsteiger als auch an passionierte Sportler. Sie kann in ihrem Metier auf große Erfahrung zurückblicken, von der die Leser profitieren dürfen. Zuvorderst gilt: Yoga ist wie gutes Essen: nur ausgeglichen und abwechslungsreich kann es seine volle Wirkung entfalten.

So verwundert es nicht, dass Rountree ihr Yogatraining mit vielen Metaphern vom Essen verknüpft. Dazu gehören hervorragende Zutaten, die einzelnen Übungen sind durchdacht und gut erklärt. Wie beim Pilates wird großer Wert auf Core-Training gelegt, so dass die Grundmuskulatur zuerst immer stabilisiert wird. Dieser Fokus beugt Fehlhaltungen und falsche Ausführungen der Übungen vor und hilft, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Die Zutatenliste

Was will man kochen und warum? Es ist ein Unterschied, ob nur ein leichter Snack erwünscht ist, ein vollständiges Menü, eine kräftigende Suppe oder ein süßer Nachtisch für das allgemeine Wohlbefinden. Rountree dröselt ihre Übungen entsprechend auf. Ob Warm-Ups, Standübungen oder Bodenübungen, alles gibt es in milden, feurigen und speziellen Varianten, so dass mit nur geringen Änderungen die gleiche Übung unterschiedliche Schwierigkeitsgrade erhält.

Das stärkt die Übersichtlichkeit und gibt die Freiheit, die eigene Leistungsfähigkeit sukzessive einschätzen zu können. Gut finde ich, dass auch hier die Übungen so sortiert sind, dass man theoretisch gleich eine Sequenz ableiten könnte, wenn man so will. Ich bin nicht genötigt, zu blättern und passende Übungen zu suchen, sondern jede Übung wird begleitet von anderen Übungen, die dazu passen.

Snack oder Menü

In einem zweiten Teil werden nun die einzelnen Zutaten zu Snacks oder Menüs kombiniert. Ich erhalte also bei den Yoga Snacks Übungssequenzen für 10 bis 20 Minuten, die fertig durchdacht sind und jeweils einen eigenen Themenschwerpunkt haben. Sei es Stabilität für den Unterkörper, Core-Training, Rückentraining oder Entspannung. Die Menüs funktionieren genauso, dauern aber mit 50 – 80 Minuten deutlich länger.

So weit, so lecker. Der eigentliche Clou ist aber der unscheinbare dritte Teil, in dem auf nur vier Seiten ein kompletter Speiseplan für zwei Wochen zusammengestellt wird. Je nachdem, ob man täglich, jeden zweiten Tag oder zweimal die Woche Yoga machen möchte, gibt es unterschiedliche Abfolgen und Schwerpunkte, so dass am Ende einer zweiwöchigen Phase theoretisch jedes Körperteil durchtrainiert ist. Mir fehlt hier ein bisschen der praktische Fototeil von zwischendurch, denn gerade beim sinnvollsten Part im Buch ist man zum Blättern verdammt. Schade, dass der Verlag sich hier nicht die gleiche Mühe gemacht hat wie vorher und die Übungssequenzen fertig bebildert neben den Beispielplan stellt. Nun muss ich doch blättern.

Titelangaben:

Sage Rountree: Everyday Yoga. Yoga für alle – vom Einsteiger bis zum Top – Athleten.

Aus dem Englischen von Thorsten Distler.

Kandern: Narayana Verlag, 2016. 168 Seiten. 19,80 EUR.

Rieke Kersting: Der kleine Weltretter

Für alle Rainbow Warriors

Dass es mit der Natur um uns herum nicht zum Besten bestellt ist, wissen wir eigentlich alle. Die grauslige Tatsache, dass unsere Erde unter dem Menschen leidet, ist ebenso bekannt wie uninteressant. Deshalb darf Rieke Kersting ruhig mit Der kleine Weltretter auf die Pauke hauen, damit Jung und Alt wieder aufwachen. Und für die Aktiven gibt es einen riesigen Teil im Buch, der zum Helfen und Weltretten anregt. Das ist ein Anfang!

Die Welt leidet an den immer gleichen Dingen, allem voran an uns. Das macht Weltrettung schwierig und zu einem moralisch doppelzüngigen Spiel. Denn während wir Biolebensmittel mittlerweile gerne kaufen, ist es uns immer noch egal, woher unsere Kleidung kommt. Nicht gut. Die ersten hundert Seiten im Weltretter erklären mit Hilfe der Identifikationsfiguren der kleinen Asseln, was bei der Umweltzerstörung passiert und warum. Auf einfache Art und Weise werden Treibhauseffekt, das Sterben der Weltmeere oder Auswirkungen von Monokulturen erklärt. Dabei darf es ruhig plakativ zugehen, es gilt schließlich, die Welt zu retten.

Informativ für Kleine, beschämend für Große

Klimawandel, Wasserknappheit, Waldsterben, Bodenüberdüngung. Eigentlich kennt man das alles. Jedes Kapitel ist knapp gehalten und gut aufbereitet für Kinder ab sieben Jahren, auch meine Tochter aus dem Gymnasium holt sich hier noch viele Informationen ab. Als Erwachsener bekommt man schnell das ermüdende Gefühl eines »Kenn ich doch alles«. Man ist geneigt, weniger zu lesen und weiß nicht, weshalb. Tatsächlich hatten alle einzelnen Themen genügend Medienpräsenz. Auch werden einzelne Sachverhalte etwas vereinfacht dargestellt. Mag man deshalb nicht gern weiterlesen?

Was sich langweilig liest, ist in Wirklichkeit beschämend. Denn während wir Erwachsenen leicht sagen können, dass wir über jedes einzelne Problem ausreichend Bescheid wissen, müssen wir uns dennoch der Tatsache bewusst sein, dass wir mit Vorliebe nichts tun. Es werden Biolebensmittel gekauft, wenn es gerade angenehm ist und bei Spielsachen, Möbeln und Kleidung wird weggeschaut. Natürlich ist es dann unbequem, sich von seinen Kindern sagen lassen zu müssen, wie leicht der Schritt zum Paradigmenwechsel hin ist.

To-Do Liste für Kinder

Meine Kinder waren vor allem begeistert vom aktiven Teil ab der Hälfte des Buches. Denn Der kleine Weltretter möchte wirklich die Welt retten und allen zeigen, wie einfach das ist. Natürlich sind die Vorschläge nicht allumfassend und natürlich greifen sie zu kurz. Eine Kinderarmlänge sozusagen. Doch es ist ein Anfang. Mehrwegflaschen, Biolebensmittel, regionales Gemüse, Bahnfahrten statt Autoausflüge. Die Welt zu retten, kann manchmal sehr einfach sein.

Meine Kinder wissen schon viel. Warmes Wasser und Strom entstehen auf unserem Dach, eine Regentonne versorgt den Garten, Kastanienwaschmittel reduziert den Chemieausstoß und unsere Äpfel haben zwar Dellen, sind aber dennoch die süßesten auf der Welt. Nicht jeder kann immer alles machen, aber jeder kann irgendetwas machen und das erklärt Der kleine Weltretter sehr konsequent und sympathisch.

Titelangaben:

Rieke Kersting: Der kleine Weltretter

Freiburg i. Br. : rap – Verlag, 2014. 232 Seiten. 16,90 EUR.

Aurélie Drouet: Möbel bauen aus Holz und Naturmaterialien

Mein Freund, der Baum

Aurélie Drouets Möbel bauen aus Holz und Naturmaterialien liest sich wie ein wundervoller Ausstellungskatalog. Junge, ambitionierte Designer und Architekten, vorwiegend aus Frankreich, stellen hier ihre Gedankenspiele zu Möbel und Beleuchtung vor. Wohl dem, der wie ich eine Obstwiese mit vielen alten Bäumen hat. In Windeseile lassen sich aus altem Holz etliche Sitzmöbel, Lampen oder Garderoben bauen, die Heim und Garten verschönern.

Im gerade angesagten reduzierten Wohnstil mit wenigen Farbtönen und kargem Möbeldesign fügen sich die Entwürfe ganz unterschiedlicher Designer und Architekten wunderbar ein. Gleichzeitig sollte man bedenken, dass solche Stücke immer solitär wirken, so wie sie auch fotografiert werden. Bevor man also wild darauf lossägt, wird man sich überlegen, wo die zukünftigen Preziosen ihren Platz finden könnten.

Birke und Eiche für den Wohnbereich

Der erste Wermutstropfen folgt schnell: während ich nur mit Apfelbaum und Kirsche punkten kann, werden im Buch Treibholz, Birke und Eiche verarbeitet. Ganz klar: das Gefühl, eigenes Holz ohne Probleme verarbeiten zu können, schwindet deutlich. Also mache ich mit diesem Buch, was ich mit allem anderen auch mache: Ideen sammeln. Die Konsole aus Holzlatten mit Schieferbelag zum Beispiel überblättere ich. Kein Schieferabbau auf der Obstwiese.

Der Treibholzlampenschirm dagegen, perfekt bleich in Beton gegossen, könnte auch aus einer alten Weide gemacht sein oder, falls das Holz zu weich wäre, aus altem Apfelbaum. Mir hat es vor allem der Betonsockel angetan, der die Stehlampe robust und dezent gleichzeitig gestaltet. Kann auch sein, dass die türkisen Lampenschirme ein bisschen was damit zu tun haben, dass ein Trigger bei mir anspringt.

Helle Farben, wenige Farbtupfer

Das Designprinzip in Möbel bauen aus Holz und Naturmaterialien ist denkbar einfach. Die Möbel werden naturbelassen gebaut und beim Finish wird mit einigen wenigen Farbakzenten Extravaganz herbeigezaubert. Ich sage nur: Türkis. Egal, ob auf Lampenschirmen, in Utensilos oder auf Stühlen aus Baumstämmen, ständig läuft einem diese Farbe über den Weg. Kombiniert mit hellen Holztönen, Grau, Weiß und Beton sehen die Stücke dann wirklich fabelhaft aus.

Einige schnelle Entwürfe gibt es auch: ich liebe die Garderobe aus einem Ast, einfach an beiden Seiten mit einem schönen Baumwollripsband von der Decke abgehängt. Genial für meinen Laden, für den ich noch den perfekten Kleiderständer suche. Nun habe ich ihn gefunden. Ich finde auch die Lampen aus Kokosnuss toll, aber ich denke nicht, dass ich sie machen werde. Ich habe immer Schwierigkeiten damit, Nahrungsmittel zu verbasteln.

Große Möbel, kleine Basteleien

Was mir besonders gut gefällt, ist die Möglichkeit, mit kleineren Projekten sofort zu beginnen. Sei es der eben erwähnte Garderobenast oder ein Pouf aus Schafswolle, Utensilos aus Bambusrohren oder Kerzenständer aus dicken Ästen. Das geht schnell, der Bedarf an Spezialwerkzeug hält sich in Grenzen und das Resultat ist sehr hübsch. Wer übers Wochenende sein Zuhause verschönern will, wird hier bestimmt fündig, alle anderen Projekte sind etwas für Tüftler und Motorsägenbesitzer.

Titelangaben:

Aurélie Drouet: Möbel bauen aus Holz und Naturmaterialien

Aus dem Französischen von Petra Bös.

Münster: LV-Buch, 2016. 192 Seiten. 19,95 EUR.

Mark Diacono: Huhn & Ei. Haltung, Rassen und Rezepte.

Ich wollt, ich hätt ein Huhn

Hühner sind einfach toll. Meine Tante hatte Hühner und ich war immer fasziniert vom Gegacker und Geflatter der gefiederten Damen, die den großen Obstgarten meiner Tante durchforsten durften. Mark Diacono muss Ähnliches erlebt haben, denn in Huhn & Ei spricht er mit großer Zuneigung von seiner Geflügelfarm. Er ist Eigentümer der Otter Farm in East Devon, England, der ersten Klimawandelfarm der Insel und verfasste eine wundervolle Übersicht über Hühner, ihre Haltung und ihre Zubereitung.

Natürlich liest man dieses Buch von Mark Diacono nicht einfach so. Ich überlege seit langem, ob Hühner für mich nicht ideal wären. Ich weiß nicht einmal, ob ich ein besonders engagierter Tierfreund bin, aber der Gedanke, Hühner zu halten, lässt mich nicht mehr los. Ich brauche viele Eier im Alltag, all die Kuchen, Kekse und Nudeln wollen zubereitet werden. Und ich weiß, wie gut Fleisch und Eier aus Biohaltung schmecken.

Rassen und Eigenheiten

Viel mehr weiß ich aber nicht. Da passte Diaconos Huhn & Ei perfekt in mein Beuteschema. Zu wenig Information für Wildentschlossene, aber für Einsteiger und zur Erstinformation die perfekte Lektüre. Wie gesagt, Hühner sind toll. Wie toll, das erklärt Diacono in einem ersten Teil. Er informiert über verschiedene Rassen und deren spezifische Eigenheiten, wie zum Beispiel die Legefreudigkeit oder die Fleischmenge.

Und er gibt einen Überblick über die Unmengen an Züchtungen, Hybridformen, Unterschiede zwischen Arten und deren Vor- und Nachteile. Zu beachten ist, dass er nicht unbedingt typisch deutsche Hühnerrassen betrachtet, schließlich stammt er aus Großbritannien. Ich finde aber, für die Orientierungsphase ist es genug. Über die biologischen Details war ich im Unklaren, dank Diacono weiß ich nun, wie das mit dem Huhn und dem Ei funktioniert.

Haltung und Pflege

Überhaupt, das Ei. Es ist ein Faszinosum. Die Kalkschale ist luftdurchlässig und schützt das Küken trotzdem, auch unbefruchtete Eier bleiben lange frisch und können noch einundzwanzig Tage nach dem Legedatum verzehrt werden. Und ich lerne, wie wichtig auch in der Hühnerhaltung Hygiene und Organisation sind. Erstaunlich, wie gut Hühner für sich sorgen können und ebenso erstaunlich, wie viel man mit unsachgemäßer Haltung anrichten kann.

Auch über Ställe, Futter und Auslaufbedarf gibt Diacono Auskunft. Wieder erfährt man Grundlegendes über verschiedene Hühnerställe, Brutapparate und warum man Küken besser vom Rest der Schar trennen sollte. Es gibt keine Baupläne für Hühnerställe zum Selberbauen, aber sehr wohl den Hinweis, dass sie selbst gebaut werden können. Selbst wenn ich dieses ständige Anreissen von einzelnen Themenbereichen unbefriedigend finde, werde ich wieder gut rundum informiert.

Basiswissen und Rezepte

Das ist wundervoll. Ich erfahre so viel über die Rassen, die Krankheiten von Hühnern und die Aufzucht von Küken, dass ich das Kapitel über ihre Schlachtung kaum ertrage. Wenn man Diacono ein dreiviertel Buch lang durch die Hühnerzucht folgt, möchte man am Ende keine Henne töten. Genau deswegen aber will ich mir doch Hühner anschaffen. Ermunternd sind daher die Rezepte am Schluss. Lecker und unprätentiös. Jedes einzelne davon würde ich gerne ausprobieren.

Bis dahin aber gibt mir Diacono vor allem zu denken. Wenn er schreibt, dass Hühnerhaltung mit Gemüseanbau nicht zu vergleichen ist, weil man immer noch mit Tieren und nicht Pflanzen zu tun hat, spricht er etwas sehr Wichtiges an: die Achtung vor allem Lebendigen. Zumindest im nächsten Jahr werde ich wohl nicht unter die Hühnerhalter gehen. Erst will ich noch meinen Gemüsegarten und die Obstwiese instand setzen. Aber ich wüsste schon genau, wo meine gefiederten Damen wohnen würden.

Titelangaben:

Mark Diacono: Huhn & Ei. Haltung, Rassen und Rezepte.

Aus dem Englischen von Susanne Bonn.

Aarau: AT-Verlag, 2015. 256 Seiten. 19,95 EUR.

Hope de Saudol-Roy, Aude Lamblin: Aufgeräumt & zugenäht. Kreative Näh-Projekte, um den Familienalltag zu organisieren.

Ordnung aufgehübscht

Hope de Saudol-Roy und Aude Lamblin haben mit Aufgeräumt & zugenäht ein Thema aufgegriffen, das den Alltag so ziemlich jeder Mama gut umreisst: die Zeit ist knapp, die Kinder sind quengelig und zuhause herrscht das Chaos. Wie sehr wünscht man sich da, mit kreativen Nähprojekten in hübschen Stoffen Ordnung in die eigenen vier Wände zu bringen. Genau das ist der Anspruch ihres Buches.

Einmal vorausgeschickt: die Projekte im Buch sind im höchsten Maße unspektakulär. Gerade als Mama, die viel näht, habe ich neunzig Prozent aller Ideen selbst schon ausprobiert. Haarspangenutensilo, Bettvorhang, Kreidetafel, tausend Utensilos für Klamotten und Bad, Schmuckbilder, Reisetaschen, alles ist bekannt. Da die Schnitte durchgehend simpel sind, reicht oft der Blick aufs Foto, um die Machart zu verstehen.

Nichts Neues

Auch die Autoutensilos habe ich bereits selbst genäht und allein die Tatsache, dass Lamblin und Saudol-Roy besonders hübsche Stoffe verwenden, macht die Schnitte ja nicht anspruchsvoller. Tendenziell muss ich sagen, dass man, möchte man Ordnung ins Kinderzimmer bringen, mit einem Pinterestaccount fast besser fährt. Das Prinzip ist einfach: Konzentration auf drei Grundfarben, alles harmoniert in Schnitt und Stil und dann sieht es aufgeräumt auf.

Leider weiß ich aus mittlerweile 12 -jähriger Mamaerfahrung, dass auch Utensilos sinnvoll genutzt werden wollen und jedes Haarspangenutensilo umsonst ist, wenn das Zeug trotzdem über die Böden fliegt. Aufräumen muss man immer noch selbst. Außerdem mogeln die Autorinnen ein bisschen, denn hübsch bemalte Schülerpulte, Kreidetafeln und Kasperlestheatervorhänge haben erstmal mit Ordnung nichts zu tun.

Wenig Ideen

Auch die Tatsache, dass der Grundgedanke eines Utensilos einfach nur mannigfaltig abgewandelt wird, macht den Frust nicht kleiner. Spiele für den Strand und Wimpelketten sind hübsch, man hat aber den Eindruck, ein Füllsel vor sich zu haben. Man näht doch längst aus Filz Körbe, oder fertigt Taschen zum Aufräumen von Kleinteilen. Für große Kinder braucht es Systeme. Die Schulsachen wollen organisiert sein, ebenso wie Musikschulsachen, Sportbeutel etc. Es gäbe schon Bedarf an genähten Ordnungssystemen, Hängeregale in Kleiderschränken oder Schuhschränken, Gartenordnungssysteme oder Ordnungstaschen für Strickerinnen. Online findet man das längst. Das einzige, was mir an diesem Buch gefallen hat, ist die Kuchentasche zum Transport von Blechkuchen oder Obstkuchen. So etwas habe ich noch nicht gesehen und das ist ein Trostpflaster in einem sonst faden Buch.

Titelangaben:

Hope de Saudol-Roy, Aude Lamblin: Aufgeräumt & zugenäht. Kreative Näh-Projekte, um den Familienalltag zu organisieren.

Aus dem Französischen von Petra Bös.

Münster: LV-Buch, 2015. 96 Seiten. 17,95 EUR.

Constanze Guhr, Anna Zimmermann: Das kunterbunte Naturbastelbuch.

Perfekt für Kinder

Einmal durch Jahr und Garten gebastelt – klingt das nicht wunderbar? Constanze Guhr und Anna Zimmermann machen genau das in Das kunterbunte Naturbastelbuch. Sie basteln sich einmal durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit Grundschulkindern, die Lust haben, einen etwas genaueren Blick auf ihre Umwelt zu werfen und in Schoten, Blättern, Zapfen plötzlich neue Farben und Formen zu entdecken.

Die Bastelvorschläge sind durchgehend einfach gehalten, so dass selbst Kindergartenkinder sich ans Basteln machen können. Das ist super, denn so dürfen Geschwisterkinder zusammen werkeln. Verarbeitet wird alles, was Natur und Bastelkiste hergeben, gottlob sind Guhr und Zimmermann sehr undogmatisch und achten lieber auf den Blick der Kinder. Dekorstifte, bunte Papiere und Korken harmonieren mit Astgabeln, Blättern, Ahornnasen.

Spielduktus der Kinder aufgegriffen

Am meisten gefällt mir, dass man beim Durchblättern von Das kunterbunte Naturbastelbuch den Eindruck hat, die Autorinnen hätten direkt bei den Kindern abgekupfert. All die Astgabellibellen, Steinkäfer, Blattpuppen und Zapfenbäumchen kennt eigentlich jede Mama aus der eigenen Kindheit. Ich habe meist nichts bemalt und finde es super, wie braunes Holz durch Kinderhand etwas bunter wird.

Zwei Instinkte von Kindern – zumindest meinen – werden so perfekt aufgegriffen: Der Jäger- und Sammlerinstinkt (egal, ob Muscheln, Zapfen, Stöckchen, meine Kinder sammeln immer alles!) und der Instinkt, kreativ zu werden und in Dingen Wesen zu sehen. Mit jedem Stöckchen wurde gespielt, ein Stock wird zum Ritter, Zauberer, das Blatt zur Fee und Guhr und Zimmermann haben gut beobachtet und gehen auf diese Spielart ein.

Jahreszeitlich angemessen

Es wird mit dem gespielt, was die Saison bereit hält. Blüten und Blätter im Frühling, mitsamt dem obligatorisch bemalten Ei, Gräser, Hölzer und Blätter im Sommer, von der Ahornnasenlibelle zum Rindensegelboot, Samen und Stöcke im Herbst und im Winter Zapfen und Material aus der Bastelkiste. Sogar eine Kronkorkenrassel aus einer Astgabel wird gebastelt, das freut das Upcyclerherz.

Mir gefällt, dass manche Projekte an Ort und Stelle draußen durchgeführt werden können, ich sage nur »Rindenboote«, während gerade die Winterprojekte davon leben, Gesammeltes an einem trüben Nachmittag zu verarbeiten. Alle Ideen lassen sich wundervoll in einer Gruppe durchführen, so dass sie sich theoretisch auch für Schulklassen, Kindergartengruppen oder Kindergeburtstage eignen. So schlicht die Ideen also sind, so mannigfaltig sind die Verwendungsmöglichkeiten.

Titelangaben:

Constanze Guhr, Anna Zimmermann: Das kunterbunte Naturbastelbuch.

Bern: Haupt Verlag, 2016. 144 Seiten. 24,90 EUR.

Pirjo Väisänen: Federleichtes Basteln mit Stroh. Grundtechniken und 50 kreative Ideen aus Natur-

Halmen.

Stroh zu Kunst

Wer kennt sie nicht, die Strohsterne, die allweihnachtlich den heimischen Christbaum geschmückt haben? Stroh zu wässern, zu verflechten und zu binden war eine langwierige Arbeit, das Ergebnis meist schief und wenig befriedigend. Dann ging man Glaskugeln kaufen. Pirjo Väisänen ist eine finnische Künstlerin, die sich der Strohhalme wieder angenommen hat. Auf ihre eigene Weise. In Federleichtes Basteln mit Stroh. Grundtechniken und 50 kreative Ideen aus Natur-Halmen führt sie ihre Leser weit über Strohsterne und Trockenkränze hinaus ins Reich fragiler Mobiles.

Stroh zu Gold verspann einst Rumpelstilzchen. Fast so wertvoll sind die Gebilde, die Pirjo Väisänen daraus macht. Wer immer also einen Getreidebauern kennt, der frage nach. Für den Rest gilt: Kaufen oder auf Wiesen sammeln. So wie ich Väisänens Gebilde sehe, funktioniert die Technik auch mit Grashalmen. Dieses Jahr bin ich spät dran mit mähen und habe schon massenweise Strohhalme für die Kinder zum Trinken schneiden können. Weshalb nicht Kunst daraus machen?

Aller Anfang ist klein

Väisänen stellt riesige Himmelis aus Stroh her, die in filigranen Gebilden Museen und Privathäuser zieren. Natürlich ist das für den Laien zu komplex. Deshalb nähert sie sich in ihrem Buch den Himmelis über das Binden von einfachen Strohsternen, Julböcken und Kränzen. Ihre Technik ist gut und einfach, einfacher als das Verweben der Strohhalme, wie ich es noch gelernt habe. Das Resultat ist gleichwohl schön und eben. Anders als meine Sterne. Dennoch mutet gerade der Anfangsteil sehr weihnachtlich an.

Wer keine Weihnachtsdeko binden will, der macht Serviettenringe aus Stroh oder lernt, mit sechs Halmen zu flechten für Kränze oder macht aus Strohabfall Girlanden. Das Highlight des Buches aber sind sicher die wunderschönen Himmelis. Diese zarten, an Diamanten erinnernden Gebilde sehen toll aus, erfordern aber Zeit, Geduld und eine Menge Stroh. Wer all dies hat, darf sich über Solitärkunstwerke freuen, die jeden Raum mit ihrer Ruhe verzaubern.

Diamantpyramiden

Die Himmelis folgen einem Grundplan: der Pyramide. Väisänen bevorzugt eine sechsflächige Struktur, also zwei dreiflächige Pyramiden aneinandergeknotet. Eine Grundstruktur aus einem gleich- oder verschiedenseitigem Quader wird geflochten, dann werden zusätzliche einzelne Seiten eingenäht und verknotet, bis die gewünschte Struktur entsteht. Komplexe Himmelis werden entweder aus Einzelbauteilen gebaut oder mit einem Endlosfaden gewebt.

Väisänen gestaltet ihre Anleitungen teils so, dass man selbst entscheiden kann, wie groß die vielflächigen Himmelis werden sollen. So gibt es Entwürfe, die ein Fenster verschönern oder Entwürfe, die ein Treppenhaus ausstatten. Auch die Farbe der Strohhalme spielt eine Rolle, so dass Himmelis aus Dinkelstroh wesentlich massiver aussehen als solche aus Haferstroh. Manchmal webt Väisänen Holzperlen dazwischen, was leichte Farbakzente im sonst zarten Beige setzt. Insgesamt passen die Himmelis wundervoll zum derzeit aktuellen reduzierten skandinavischen Wohnstil, der auf hochwertige Naturmaterialen mit wenigen bunten Einschlägen setzt. Und gottlob hat Väisänen auch ein Kapitel zur Reparatur von Himmelis angefügt, denn niemand will, dass die zarten Gebilde frühzeitig aufgrund einer Unachtsamkeit zu Bruch gehen.

Titelangaben:

Pirjo Väisänen: Federleichtes Basteln mit Stroh. Grundtechniken und 50 kreative Ideen aus Natur-

Halmen.

Aus dem Finnischen von Varpu Vuorjoki und Günter Habermann.

Münster: LV – Buch, 2016. 192 Seiten. 19,95 EUR.

Heike Löffel, Christa Manske: Ein Dino zeigt Gefühle [Die Box]. Memo und Lotto.

Emotionales Erinnern

Der Verlag Mebes & Noack hat mit Heike Löffels und Christa Manskes Ein Dino zeigt Gefühle [Die Box]. Memo und Lotto seine pädagogischen Spiele vervollständigt. Auf der Basis klassischer Memory oder Lottovarianten kann in Gruppensituationen über Emotionen und deren Unterschiede gesprochen werden. Ich finde, dass dieses Memo gerade in Kindergartengruppen, die viele verschiedene Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Ländern und Schichten integrieren müssen, ein guter Weg sein kann, eigene Emotionen anhand der Figur des Dinos zu analysieren.

Es bleibt nicht viel mehr zu sagen über ein rundum nettes Spiel. Die solide quadratische Box beinhaltet alles, was die SpielerInnen brauchen und die enthaltenen Legeplatten und Karten sind stabil ausgestanzt. Ab vier Jahren können Spielvarianten ausprobiert werden. Die Dinokärtchen sind sehr nett gestaltet, aber auch alle sehr ähnlich. Die Memovariante dürfte also etwas komplexer sein. Gut so, denn nur so eröffnen sich Gespräche über das Gesehene, über Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke bei verschiedenen Gefühlen.

Große Interpretationsfreiheit

Dabei finde ich vor allem interessant, dass die verschiedenen Kärtchen durchaus unterschiedlich interpretiert werden können. Keine Zeichnung ist absolut eindeutig, das gibt Raum für Diskussionen und Auslegungen. Wunderbar auch die Lottovariante für größere Kinder. Auf der Rückseite der Lottoplatten befinden sich keine Bilder, sondern Aussagesätze: »Ich bin mutig!« oder »Ich bin misstrauisch!«.

Auch solche Karten entbehren Eindeutigkeit und Kinder können beim Durchsuchen der Bilder über ihre Bildeindrücke sprechen und sie zuordnen. Das hilft enorm beim Umgang miteinander. Kleine Kinder lernen schnell, die Stimmungslagen der Eltern zu analysieren, doch mit den Gesichtern anderer steigt die Komplexität. Und erst die eigenen Gefühle! Oft fehlen die passenden Worte, doch der Dino zeigt mit seinen Gesten und seiner Mimik, wie es ihm geht. Gerade in Gruppen mit erhöhtem Integrationsbedarf kann ich mir solch ein Memo als Türöffner gut vorstellen. In Familiensituationen bin ich konservativ und setze eher auf ein liebevolles Gespräch.

Titelangaben:

Heike Löffel, Christa Manske: Ein Dino zeigt Gefühle [Die Box]. Memo und Lotto.

Köln: Mebes & Noack, 2013. 23,41 EUR.

Stacey Dugliss – Wesselman: Natürlich schön & ausgeglichen. Selbstgemachtes für Körper und

Seele. Cremes, Tinkturen, Tees und mehr.

Die hohe Kunst des Salbenkochens

Ich denke, es gibt in meinem Hirn einen Trigger, der immer anspringt, wenn auf einem Buchtitel »Selbstgemachtes« angepriesen wird. Selbermachen ist zu meiner zweiten Haut geworden und ich liebe es, autark zu sein. Der Gedanke, meinen Kosmetikschrank von nun an selbst bestücken zu können, war so verführerisch, dass ich mich sofort in Stacey Dugliss – Wesselmans Natürlich schön & ausgeglichen verliebt habe.

Eines vorausgeschickt: Natürlich schön & ausgeglichen ist nicht ganz meine Kragenweite, ich will mich schließlich nicht überschätzen. Hier arbeitet eine eingefleischte Kosmetikerin mit Hang zur Pharmazie relativ professionell. Also gar nicht meine Kragenweite. Aber. Alles ist wahr und das einleitende Kapitel über Gifte in Kosmetika und die Geschichte der Heilkräuterkunde berührt sehr. Was alles sollen unsere Körper noch erdulden? Wir waschen uns mit Seifen, die unsere Haut austrocknen, ölen sie dann wieder mit Silikonen und wundern uns, dass sich nichts ändert.

Sich selbst achten

Die Prozesse von Stacey Dugliss-Wesselman sind alle mehr oder weniger aufwändig. Da lohnt es, sich ihre Liste von schädlichen Inhaltsstoffen in konventionellen Kosmetika genauer anzusehen, sozusagen als Entscheidungshilfe pro Selbsttätigkeit. Um die Furcht vor der Pharmazie zu nehmen, stellt sie in den einzelnen Kapiteln immer wieder Möglichkeiten vor, auf schnelle Art gesunde Kosmetika herzustellen, bzw. die Inhaltsstoffe von natürlichen Zutaten zu nutzen. Meine Lieblingserkenntnis: Lavendel ist ein echter Allrounder. Ob bei Abschürfungen, Blasen, Kopfschmerzen, Insektenstichen – es scheint, als ob Lavendel alles könne.

Dugliss-Wesselman stellt anfangs alle ihre Zutaten vor und erläutert ihre Wirkstoffe. So kann man, wenn man möchte, später kreativ werden und eigene Kosmetika kreieren. Selbiges gilt für Grundprozesse. Wie werden Kräuteraufgüsse, Sude, Tinkturen, Sirup, Salben und Lotionen hergestellt? Erfreulicherweise erfasst der Grundlagenteil mehr als ein Drittel des Buches, also viel Stoff, um damit selbst zu arbeiten.

Hexenküche und Küchenkuren

Der Rezeptteil ist eine Mischung aus komplexer Hexenküche, in die immer wieder – zu meiner Erleichterung – schnelle Küchenkuren eingebaut werden. Ich liebe Küchenkuren, weil die meisten Zutaten verfügbar sind, wie bei der straffenden Maske aus Ei und Maisstärke. Aus Aufgüssen und Ölen und pflanzlichen Inhaltsstoffen werden Gesichtsreiniger hergestellt, die sich im Kühlschrank ca. eine Woche halten. Auch die Peelings, z.B. aus Milchpulver, Haferflocken, Maismehl, Lavendel und Honig, sind einfach herzustellen und dank der Pulverform länger haltbar.

Die kosmetischen Varianten bei Dugliss- Wesselman sind so ausgeprägt, dass man wahrscheinlich gar nicht selbst kreativ werden muss. Selbst für kosmetische Wehwehchen gibt es Tips, Seren zur Akne – Behandlung, Augengel, Lippenpflege und Rezepte zum Sonnenschutz werden aufgeführt. Immer wieder werden die teils sehr aufwändigen Rezepturen aufgelockert von Küchenkuren, die schnelle Abhilfe bei großer Wirkung versprechen, aber eben auch nicht haltbar sind.

Alltagskosmetik

Dugliss- Wesselman schafft es tatsächlich, auf viele Bereiche einzugehen, denen man im Alltag begegnet. Kräuterteemischungen, Tinkturen und Kräuterhonigmischungen helfen bei Alltagsstress, Grippe oder Magenbeschwerden, Salben für Gelenkschmerzen, Kompressen für Krampfadern, Dampfinhalationsmischungen, Badezusätze und Körperbutterrezepte für jeden Tag bilden eine wundervolle Grundlage der Naturkosmetik. Selbst Zahnpasta, Mundwasser und Shampoos werden hergestellt. Und für die gestresste Mutter gibt es als Zuckerl am Ende viele natürliche Helfer im Haushalt, die konventionelle Reinigungsmittel ersetzen können. Dagegen verhallt der Schlussappell, sich auf saisonale Produkte zu konzentrieren, nach hundertfünfzig Seiten Kosmetikpharmazie eher ungehört. Er ist auch nicht notwendig, um das Kosmetikbuch für interessierte Frauen attraktiv zu machen.

Titelangaben:

Stacey Dugliss – Wesselman: Natürlich schön & ausgeglichen. Selbstgemachtes für Körper und

Seele. Cremes, Tinkturen, Tees und mehr.

Aus dem Englischen von Maria Heyne.

Münster: LV – Buch, 2015. 160 Seiten. 17,95 EUR.

Eric und Jessica Childs: Kombucha! Der natürliche Energydrink, der vitalisiert, heilt und entgiftet.

In den Zaubertrank gefallen!

Zugegeben, vor allem die Erinnerungen an meine Öko – Kindheit haben mich dazu gebracht, Erich und Jessica Childs‘ Kombucha! Der natürliche Energydrink, der vitalisiert, heilt und entgiftet zu rezensieren. Kombucha stand in der Küche meiner Mutter und meiner Großmutter, die schwabbrigen Pilze lagen im Kompost und die Obstfliegen waren verrückt danach. Ich weniger. Es geht hier also auch um die Beseitigung alter Vorurteile. Und ums Zaubertrankbrauen.

Eric und Jessica Childs sind ein typisches New Yorker Pärchen. Zwei Wissenschaftler in Manhattan lernen sich kennen und lieben und entwickelten aus ihrer Liebe zu Gourmet – Essen und fermentierten Lebensmitteln einen neuen Kombucha, den sie in ihrem eigenen Unternehmen »Kombucha Brooklyn Style« (KBBK) herstellen und verkaufen. Tatsächlich hat der Brauvorgang nicht mehr viel mit dem zu tun, was meine Mutter und Großmutter getan hatten.

Ein Chemielabor

Ich kann mich noch erinnern, dass meine Mutter einfach ein Stück Bucha-Pilz in eine gezuckerte Teekanne gab und umkippen ließ. Das konnte gut gehen, musste aber nicht, so dass wir oft nur Essig erhielten oder der Kombucha schimmelte. Irgendwann verschwand er aus unserer Küche. Bei Eric und Jessica Childs lerne ich zuerst so viel Theorie, dass mir einerseits der Kopf schwirrt, ich mich aber auch frage: Kann Kombucha das wirklich?

Ich weiß, wie gesund fermentierte Lebensmittel sind, aber mit mikrobiotischen Vorgängen habe ich mich weniger auseinandergesetzt. Ganz klar, Kombucha ist ein Superfood! Die Mikrobiologin Jessica Childs listet ganz genau auf, was im Kombucha drin ist und was er kann. Spätestens hier wird auch klar, dass Kombucha! Der natürliche Energydrink, der vitalisiert, heilt und entgiftet kein Buch zum schnellen Kochen ist. Man braucht ein kleines Labor.

Brauanleitung für den Zaubertrank

Gut, KBBK geben sich extra viel Mühe und verkaufen Geschmacksrichtungen, an die ich nicht einmal denke. Ich würde nur gerne einen Kombucha brauen, der nicht nach Essig schmeckt und mich nicht die Welt kostet. Gut, dass die Childs eine Liste der Ausrüstung mitgepackt haben und gut, dass ich schon mal Käse gemacht habe. Viel habe ich daheim, nur pH-Teststreifen müsste ich kaufen.

Gebraut wird Kombucha mit Tee und Zucker. Den Pilz besorgt man sich. Ich frage mich, ob ich wie bei der Essigherstellung auch einen Kombuchapilz herstellen könnte. Tendenziell ist die Herstellung einfach: Tee Kochen, Süßen, Kombuchapilz mit Kombucha rein, warten. Der Teufel liegt wie immer im Detail und Eric und Jessica Childs führen durch die Buchabraucamps. Ich fand auch die Herstellung von Apfelessig gar nicht schwierig, hält man sich an Details und Wärmevorgaben.

Gourmetvarianten

Für mich ist im Moment nur interessant, wie ich überhaupt einen Kombucha braue. Eric und Jessica Childs gehen weiter. In weiteren Bucha-Camps wird der Kombucha ein zweites Mal vergoren, um Geschmackszutaten und Säfte zugeben zu können. So wird das Getränk sehr vielseitig. In einer weiteren Gärung wird der Alkoholgehalt so verändert, dass eine art Bucha-Bier entsteht. Mich fasziniert die Variationsbreite, wenn mir auch im Moment das Grundprinzip ausreicht.

Schließlich am Schluss die Gretchenfrage: Wie hältst Du‘ s mit den Buchapilzen? Eric und Jessica Childs haben auch hierfür massenhaft Lösungen. Die Kombucha – Pilze werden nur einmal verwendet, dann bildet sich ein neuer Pilz. Die alten Pilze sind ideal zum Kompostieren, zum Essen, zum Braten, zum Kochen. So findet sich im Anhang an die Brauanleitungen noch ein ausführlicher Kochteil. Super, finde ich, wenn auch der Hasenfuß in mir sehr beruhigt ist, dass ich zur Not den Kombucha einfach kompostieren kann. Jetzt warte ich auf die Sommerferien und dann lege ich los!

Titelangaben:

Eric und Jessica Childs: Kombucha! Der natürliche Energydrink, der vitalisiert, heilt und entgiftet.

Aus dem Englischen von Julia Augustin.

Kandern: Unimedica Verlag, 2015. 216 Seiten. 19,80 EUR.

Soheyla Sadr: Matti, Mütze und Pfütze.Wie man einen grauen Regentag bunt zaubert.

Stille Tropfen sind bunt

Soheyla Sadr hat ein viertes Bilderbuch veröffentlicht. Die Lübeckerin beschreibt in Matti, Mütze und Pfütze.Wie man einen grauen Regentag bunt zaubert wie wundervoll es ist, wenn sich enttäuschte Hoffnungen in etwas ganz Neues umwandeln. Und wie schön es ist, alles Laute und Grelle für einen Tag einmal abzustellen und die Schönheit der Stille und der leisen Töne zu spüren.

Der kleine Matti muss mit einer Enttäuschung aufwachen. Eigentlich wollte er an diesem Tag einen besonderen Ausflug mit seinem Papa machen, statt dessen trommeln die Regentropfen an das Fenster. Fällt nun alles ins Wasser? Wütend verkriecht er sich unter der Bettdecke. Der Vater jedoch schafft es, den Sohn zu trösten. Vielleicht ein Ausflug im Regen? Und Matti lässt sich ein auf ein besonderes Erlebnis: im Regen spazieren zu gehen und nicht zu sprechen. Wie fühlt sich das an?

Grafik der Stille

So schnell ist also die Geschichte erzählt und dann ist es an Sadr, den Erlebnissen dieses Tages mit Pinsel und Collagen den besonderen Anstrich zu geben. Wundervoll zu sehen, wie Illustratoren immer noch ihr Handwerk lieben und in zarten Farbtönen einen Tag malen, der gar nicht grau in grau ist, obwohl der Himmel alles in Nässe getaucht hat. Wenn außer Papa und Matti niemand unterwegs ist, sieht man alles viel genauer. Die Eule, die Haselmaus, die Farben der Autos, die aus dem Grau herausstechen.

Leise Töne werden laut und die Welt erhält endlich ihr großes Geheimnis zurück. Die Paralleluniversen unseres Alltags öffnen sich, so dass Matti die raschelnden Mäuse sehen kann, den Duft aus der Backstube wahrnimmt und die Regentropfen eine eigene Bühne für ihre zauberhafte Choreographie erhalten. Wind und Regen bilden eine neue Geräuschkulisse für das Schauspiel des Lebens und Matti lernt, still zuzusehen und zu genießen.

Bedeutende Kleinigkeiten

Tatsächlich erlangen Kleinigkeiten eine ungeahnte Bedeutung. Wie bunt der Straßenmusiker aussieht, an dem man bei Sonnenschein vorbei gegangen wäre. Wie viel freundlicher bei Regen ein Lächeln wirkt. Sadrs Verdienst ist es, der Stille eine Farbe zu geben und die tiefe Zufriedenheit, die ein in Stille verbrachter Tag ausstrahlt, eingefangen zu haben. Eine Anregung kann ihr Bilderbuch sein, für große und kleine Leser, Regentage in Zukunft anders zu verbringen.

Titelangaben:

Soheyla Sadr: Matti, Mütze und Pfütze.Wie man einen grauen Regentag bunt zaubert.

Ostfildern: Patmos Verlag, 2016. 24 Seiten, 12,99 EUR.

Brigitte Laarmann, Bernadette Lütke Hockenbeck: Wir Kinder vom Hof. Entdeckt mit uns die

Landwirtschaft

Einführung in die moderne Landwirtschaft

Brigitte Laarmann und Bernadette Lütke Hockenbeck haben ein Kindersachbuch über Landwirtschaft geschrieben. In Wir Kinder vom Hof. Entdeckt mit uns die Landwirtschaft wird vom modernen Leben auf einem Hof erzählt. Uns Große mutet das gleichsam faszinierend wie befremdlich an, wird doch nichts von nostalgischer Anmut, Landlust – Romantik oder Demeter-Flair vermittelt. Gut so, denn Bauer ist ein toller, moderner Beruf.

Die Autorinnen begleiten zwei Bauersfamilien in ihrem Alltag. Moritz lebt mit seinen drei Geschwistern, Eltern und Großeltern auf einem Schweinehof, Luisa mit ihren beiden Schwestern, Eltern und Großeltern auf einer Rinderzucht. Der generationenübergreifende Alltag ist das einzige historische Relikt und macht mich ein bisschen neidisch. Oma und Opa immer verfügbar? Toll. Ein Bauernhof ist eine tolle Spielwiese, der große Grundbesitz und viele Tiere bieten einen abwechslungsreichen Alltag.

Leben auf dem Bauernhof heute

Wie lebt es sich als Kind in einer Schweinezucht? Moritz begleitet die Leser überall hin: in den Schweinestall, zu trächtigen Muttersauen und kleinen Ferkeln. Die Fotos erklären wunderbar den Alltag auf einem modernen Bauernhof, wo schwangere Sauen mit Ultraschallgeräten untersucht werden, die Bäuerin Zahnärztin ist und die Schweine regelmäßig gebraust und verfrachtet werden. Die Steuerung der Schweinestallbelüftung funktioniert über ein Smartphone, Anbau des Silofutters erfolgt in konventioneller Landwirtschaft.

Die Autorinnen vermeiden Werturteile, es wird nicht getröstet, dass die Ferkel Biomastschweine wären, dem kleinen Moritz ist bewusst, dass aus seinem Schweinchen ein Schnitzel wird. Trotzdem ist dieses Buch ein schönes Buch, weil es so ruhig und alltäglich ist. Nostalgische Gefühle brechen dann durch, wenn Luisa eine Maus beim Erdbeerstehlen erwischt und eine Fasanenfeder findet. Man sieht die Freiheiten der Bauern und Bauerskinder, die im Sommer zum Planschen einen großen Pool haben, aber nicht einfach so in ein Freibad radeln können. Wie der Bauer selbstbestimmt sein Land und sein Vieh verwaltet, ohne Urlaub machen zu können.

Glattfotografiert

Natürlich gibt es keine Fotos von geschredderten Hähnchen, Kuhbegattungsanlagen und Tieren, die im eigenen Kot liegen. Alles sieht so sauber, technisch durchdacht und perfekt aus, dass man fast misstrauisch werden möchte. Ist der Melkroboter für die Kuh wirklich so angenehm? Vom Laufstall gibt es nur eine Grafik – er ähnelt einer Chillout – Area für Kühe. Man möchte so gern glauben, dass es den Tieren dort gut geht!

Überhaupt ist alles so viel ordentlicher und sauberer als bei uns daheim. Sollte ich Verdacht schöpfen? Schön ist es, zu sehen, wie Moritz und seine Geschwister den Alltag der Eltern nachspielen. Auf einem Bauernhof geht das tatsächlich! Gerade für kleine Kinder ist der Bezug zur Realität bei Berufen wichtig. Silage herstellen? Kühe verarzten? Wenn abends die Mutter die Kinder ins Bett steckt, wird es auch im Schweinestall ruhig.

Kleiner Rundgang durchs Bauernjahr

Nun wird es doch noch nostalgisch. Nach der Ernte im Spätsommer, wenn nur die Tiere und nicht die Felder zu versorgen sind, wird drinnen gearbeitet. Ein neuer Weihnachtsbaum für die Dorfkapelle muss her. Die umliegenden Höfe versorgen gemeinsam eine Kapelle und Weihnachten auf dem Bauernhof erinnert auch in der Moderne fast ein bisschen an Bullerbü. Nur mit Smartphone.

Titelangaben:

Brigitte Laarmann, Bernadette Lütke Hockenbeck: Wir Kinder vom Hof. Entdeckt mit uns die

Landwirtschaft

Münster: Landwirtschaftsverlag, 2016. 56 Seiten. 17,95 EUR.

Malu Simões, Alberto Musacchio: Vegetarissimo. Feine vegetarische Kochkunst aus Italien.

Gourmetküche fleischlos

Nur an Italien zu denken, löst Glücksgefühle aus. Sonne, Toskana, Meer, blauer Himmel und am Abend das leckere Essen bei einem Glas Rotwein. Es ist eigentlich völlig logisch, dass das auch vegetarisch geht. Es ist allerdings Malu Simões und Alberto Musacchio aus dem Country House Montali zu verdanken, dass mit Vegetarissimo. Feine vegetarische Kochkunst aus Italien ein vegetarisches Kochbuch aus der Gourmetküche seinen Weg nach Deutschland gefunden hat.

Ganz einfach: an diesem Kochbuch stimmt alles. Es geht um feine Küche, nicht um Hausmannskost und entsprechend darf man sich gerne wappnen. Malu Simões und Alberto Musacchio kochen keine Montagsessen, die in einer halben Stunde fertig sein müssen und möglichst warm haltbar gekocht werden, weil alle Kinder unterschiedlich von der Schule kommen. Nein, hier wird italienische Kochkunst zelebriert und mit allen modernen und kosmopolitischen Kniffen kredenzt.

Menüs für jede Geschmacksrichtung

Die Rezepte sind klassisch aufgeteilt nach Antipasti, Primi, Secondi und Desserts. Sehr sympathisch sind die kleinen Anekdoten, die der Autor und Koch aus seinem Gastronomennähkästchen teilt. Zusammen mit der äußerst ästhetischen Aufmachung wird Vegetarissimo so zum idealen Geschenk an vegetarisch lebende Freunde. Wundervoll auch die kleinen dezenten Hinweise am Anfang jedes Rezepts, wo Entstehungsgeschichte und Humor ihren Platz finden.

Zur besseren Orientierung finden sich anfangs ebenfalls für die Hobbyköche nützliche Übersichten bezüglich Zubereitungszeit, Schwierigkeitsgrad und der Möglichkeit, das Rezept auch glutenfrei oder vegan nachzukochen. Gerade die glutenfreie Variante gefiel mir sehr. Die meisten Rezepte in diesem Kochbuch sind sowohl auf herkömmliche Weise als auch glutenfrei zu kochen, was vielen Menschen endlich Zugang zu einer traditionell glutenhaltigen Küche gewährt.

Traditionelles und Ausgefallenes

Es macht, wie immer, die Mischung. Die Möglichkeit, auf der einen Seite traditionelles Salzgebäck herstellen zu können und eine Seite weiter ein Rezept für Blumenkohlschaum zu finden, macht den Reiz des Kochbuchs aus. Wieder eine Seite weiter wird brasilianisches Streetfood gekocht, gefolgt von Focaccia. Selbst vegetarisches Sushi fehlt nicht. Wer bis jetzt schon gern vegetarisch gekocht hat, wird diese Küche lieben, vor allem, wenn sich Leidenschaft mit Zeit verträgt.

Denn zeitintensiv sind die meisten Rezepte, selbst die Pasta, die nicht frisch zubereitet wird. Es wird geköchelt, was das Zeug hält, so dass selbst die traditionell einfache Tomatensauce eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt. Gut Ding will Weile haben, das gilt ganz gewiss für die Gourmetküche. Neben klassischer Pasta und Reis wird auch Couscous und Filoteig zur Zubereitung benutzt.

Abwechslungsreich und anspruchsvoll

Es wird einem nicht langweilig bei der Lektüre von Vegetarissimo. Es gibt kein Kochprinzip, das ständig wiederholt wird, jedes Rezept ist ein Unikat und schmeckt auch so. Gerade die Tatsache, dass auf Fisch und Fleisch (aber nicht auf Käse) verzichtet wird, stellt die Köche vor interessante Herausforderungen, denn der ewige Sonntagsbraten kann gewiss nicht zubereitet werden. Doch gefüllte Artischocken, Hirsepastete und Kokoskartoffeln lassen keine Wünsche offen und jedermann satt werden.

Wundervoll auch die Desserts, von denen ich kein einziges kannte. Brasilianische Flans, glutenfreie Schokoladendesserts oder Brotpudding – es hört sich alles wundervoll an. Das einzige Problem ist tatsächlich der Zeitaufwand, der mit der Zubereitung verbunden ist. Wer nicht ein leidenschaftlicher Sonntagskoch ist, wird Vegetarissimo wohl eher selten zur Hand nehmen. Die kulinarischen Preziosen sind leider kaum alltagstauglich. Trotzdem und vielleicht gerade deswegen ist es ein wundervolles Kochbuch.

Titelangaben:

Malu Simões, Alberto Musacchio: Vegetarissimo. Feine vegetarische Kochkunst aus Italien.

Aus dem Englischen von Christine Frauendorf-Mössel.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2015. 336 Seiten. 34 EUR.

Mima Sinclair: Mug Cakes. Ruckzuck – Kuchenglück aus der Tasse.

Schnelles Vergnügen

Mug Cakes sind gerade der letzte Schrei. So fügt sich Mima Sinclairs Mug Cakes. Ruckzuck – Kuchenglück aus der Tasse wunderbar in diesen Reigen. Dass kein langweiliges und sich wiederholendes, sondern ein wirklich schönes Mug Cake Buch entstanden ist, ist auch der Edition Michael Fischer zu verdanken, die in gewohnt ästhetischer Manier Sinclairs Rezepte verlegt hat. So können viele sich an den schnellen Tassenkuchen erfreuen: Kuchenliebhaber und jene, die gerne schenken.

Tatsächlich finde ich, dass Mug Cakes. Ruckzuck – Kuchenglück aus der Tasse ein ideales Geschenk an jene sind, die schnelles Kuchenglück lieben. Während ich als Großfamilienmama tendentiell in Wannen koche und backe, werden hier alle glücklich, die nachmittags nicht von Horden heimgesucht werden und vielleicht einfach nur in Ruhe zu einer Tasse Kaffee etwas schnelles Süßes brauchen.

Geniales Grundrezept

In einem übersichtlichen Einführungsteil erfährt man alles über Mug Cakes und was zur Zubereitung benötigt wird. Im Endeffekt handelt es sich um einen schlichten Eischwerteig, der durch Zugabe von Backpulver und etwas mehr Flüssigkeit in einen cremigen Tassenkuchen verwandelt wird. Das zu wissen, rettet schon einmal den Tag, ganz zu schweigen von den genialen Rezeptvarianten, die Sinclair dann vorstellt.

Pro Doppelseite wird ein Rezept vorgestellt. Sinclair hat ihre Ideen in verschiedene Kategorien aufgeteilt, von Klassikern angefangen über Kuchen für besondere Anlässe (wobei ich hier ja auf die Torte zurückgreifen würde), über Happy Hour Kuchen bis zu köstlichen Naschereien. Bestimmt findet jeder seinen Traumkuchen. Schokoladen, Erdnussbutter, Rüblikuchen, Gewürzkuchen, Brownies, Bananenbrot, Kuchen ohne Gluten oder ohne Ei, jeder wird bestimmt fündig.

Für Genießer

Selbst Tortenliebhaber kommen auf ihre Tasse Genuss: beim Schwarzwälder Kirschkuchen, einer Erdbeertorte oder einem Christmascake – einsames Kuchenglück ist nun nicht mehr fade. Cocktailfans dürfen sich auf Pina Colada Kuchen, Baileys On The Rocks, Mochaccino oder einen Mojitokuchen freuen. Es sind diese besonderen Rezepte, die Sinclairs Mug Cakes. Ruckzuck – Kuchenglück aus der Tasse zu einem so netten Geschenk für die Liebhaber von Süßem machen. Obwohl ich also definitiv nicht zur idealen Adressatengruppe gehöre, denn niemand macht freiwillig sechs verschiedene Tassenkuchen nacheinander, wenn die Wäsche schreit, finde ich gerade für kleine Familien oder Singles oder berufstätige Mamas diese Variante genial.

Titelangaben:

Mima Sinclair: Mug Cakes. Ruckzuck – Kuchenglück aus der Tasse.

Aus dem Englischen von Christiane Manz.

Igling: Edition Michael Fischer, 2015. 96 Seiten. 9,99 EUR.

Mary Maguire: Basteln mit Draht. Schritt für Schritt. Kupferdraht & Co. Selber biegen.

Voll verdrahtet

Gleich einmal vorne weg: ich hatte mir unter Mary Maguires Basteln mit Draht. Schritt für Schritt. Kupferdraht & Co. Selber biegen etwas anderes vorgestellt. Was, das sieht man in der Einleitung und am Schluss: die künstlerischen Arbeiten toller Menschen mit Draht. Natürlich ist das nichts für Einsteiger. Warum aber müssen die Alternative gleich schnörkelige Herzchenkörbe und Kringelgarderoben sein?

Draht ist toll. Vor allem ist er immer wieder in nennenswerten Resten vorhanden. Nach der Hausrenovierung blieb einiges an Draht übrig, was unsere Elektriker nicht verarbeiten konnten. Unter anderem für diese Reste hatte ich Maguires Buch gedacht. Es fängt gut an: mit Werkzeug und Grundtechniken. Wobei – auch diese sind spiralenlastig. Doch Webtechniken und die Verarbeitung von Hasendraht wird gut erklärt und ist vielversprechend.

Sehr landhauslastig

Um es mal neutral zu sagen: vor allem Liebhaber von Shabby Chic Elementen und Landhausstilfanatiker werden hier fündig. Die Projekte sind allesamt gut erklärt, durchführbar und praktisch. Ein Toilettenpapierhalter in Herzchenform, Bilderrahmen mit Wellenschnörkeln, Wandregale aus Kaninchendraht, Halsketten aus Pfeifenputzern und Grußkarten mit Drahtblumen. Ich bin offensichtlich nicht die ideale Adressatin für dieses Buch.

Dann kommen die Schnörkelblumen, Schnörkelbürstenhalter und gottlob – bevor ich verzage – ein Drahtkorb, den ich mir gut für Zwiebeln oder Äpfel vorstellen kann. Zwar auch mit Schnörkeln verziehrt (ich sehe hier ein Grundprinzip in Maguires künstlerischem Wirken), aber gut erklärt und funktional. Er hebt die Stimmung, bevor ich zum Schnörkelkronleuchter, Herzchentablett, Schnörkelwandleuchter und Mobile weiterblättern muss.

Einzelne Lichtblicke

Jedesmal, kurz bevor ich verzweifle, packt Maguire ein interessantes Projekt mit ein: wie den Stuhl, dessen Sitzfläche aus Drahtgeflecht besteht. Vielleicht etwas für meine kaputten alten Esszimmerstühle? Der Flaschenkorb und das Kaminbesteck sind auch nicht uninteressant, aber brauche ich nicht. Dann schnörkelt es sich weiter über Körbchen, Engelchen, Toastständer und Laternchen. Eierständer und Herzchengewürzregal nicht zu vergessen. Man sieht, ich bin frustriert. Nichts findet sich, was einem sparsamen Design folgt und für mein Haus vorgesehen wäre. Und den Trick mit den Schnörkeln hat jeder irgendwann raus. Von den Impressionen am Schluss kann ich nur träumen. Dieses Buch braucht definitiv eine romantisch veranlagte Leserin!

Titelangaben:

Mary Maguire: Basteln mit Draht. Schritt für Schritt. Kupferdraht & Co. Selber biegen.

Übersetzt von Dr. Katrin Korch.

Münster: LV – Buch, 2016. 112 Seiten. 17,95 EUR.

Laura Sinikka Wilhelm: Alles Jeans. 80 blaue Nähprojekte.

Eine Liebeserklärung an die Blue Jeans!

Laura Sinikka Wilhelm liebt ihre Jeans ganz offensichtlich. So sehr, dass sie sich auch dann nicht von ihnen trennen kann, wenn ihr letztes Stündlein geschlagen hat. In Alles Jeans. 80 blaue Nähprojekte setzt sie der zeitlos trendigen blauen Hose auf viele Arten ein Denkmal. Für diejenigen, die bereits die vorhergehenden Bücher Wilhelms kennen, wiederholt sich einiges, aber gottlob nicht alles. Über den Rest weiß ich zu berichten.

Wer sich mit Textilupcycling beschäftigt, weiß, dass es Grenzen gibt. Bereits zwei Bücher hat Laura Wilhelm zu diesem Thema verfasst, in beiden geht es auch immer wieder um Jeans. Hier darf Denim alleine glänzen und deshalb ist ein Blick ins Buch trotz der Wiederholungen lohnenswert. Die Bandbreite der Denimexperimente ist groß und nicht immer allzu originell. So gefallen mit die Tischsets aus Jeansbeinen, die Serviettenringe und Teelichthüllen sind dagegen etwas mühsam. Allerdings sollte ich lobend erwähnen, dass nach Wilhelms Prinzip von einer Jeans nicht viel übrig bleibt.

Immer wieder Taschen

Zugegeben, Taschen aus alten Jeans sehen einfach toll aus. Aber ich kenne das Prinzip leider schon aus früheren Büchern von Laura Wilhelm und daher muss ich diesmal viel überblättern. Für alle anderen: hier werden Kurier- und Handtaschen aller Art aus Denimstoffen genäht und ja, sie sind cool und so stabil! Dazu passen aus Jeansresten die kleinen Schlüsselanhänger, z.B. in Fischgrätenform. Das sind nette Mitbringsel für einen nächsten Besuch!

Für Vielreisende hat sich Wilhelm auch einiges ausgedacht, z.B. Schuhbeutel aus Jeans mit Fußsohlenabdrücken, Schlüsselanhänger aus Hosenbünden, Kulturbeutel aus Jeans, Utensilos und Tablethüllen. Alle Modelle sind durchweg hübsch, keines ist gedanklich revolutionär. Da gefällt mir das Kapitel über Alltagshelfer besser, den schönen Jeanswäschesack am Kleiderbügel nähe ich z.B. bestimmt und auch die Gartenschürze mit allerlei Taschen und Haken finde ich spitze. Gut aufgepasst und absolut mamatauglich!

Hilfe im Alltag

Wäschesack und Gürteltasche, es ist erstaunlich wozu Denim gut ist! Manchmal wird gemogelt, der Wäschesack ist nämlich aus Jeansstoff und nicht aus einer alten Jeans. Aber blau ist trotzdem toll. Auch das Utensilo ist neu genäht, wobei doch hier wirklich eine alte Jeans ausreichen würde. Hm. Hübsch auch die Türstopperhäschen aus Jeans – und anderen Stoffen, aber sie kommen mir definitiv auch bekannt vor.

Wer mag, kann mit Jeansstoff auch seine Klamotten aufpeppen. Eine weiße Tunika mit Jeansstreifen erinnert bald an Matrosenuniformen, Hosen und Jacken werden bestempelt und Batikshirts waren schon immer cool. Blütenapplikationen oder aufgenähte Schmetterlinge verändern schlichte Kleidungsstücke und bringen ein bisschen Hippieflair in den Alltag. Aufregend ist allerdings davon nichts.

Stadtbummel in blau

Gottlob verkünstelt sich Wilhelm für einen Denimstadtbummel. Ein schlichter Jeansrock mit aufgesteppten Ranken, eine Hosenbundpolkadottasche und ein bemalter Jeansrock sind endlich etwas Anderes! Weshalb nicht eine Jeans vogelwild bemalen? Wer mag, darf sich nach einem anstrengenden Tag auf Jeanskissen ausruhen, sie sind alle schön. Ich mag Zickzack gerne, aber auch Jeansstreifen oder ein Bodenkissen mit Rüschen sind ein echter Hingucker. Werden Streifen unversäubert aufgenäht, ergibt sich ein sehr interessanter Used Look.

Für Jungs

Ein großes Plus an diesem Buch ist, dass Wilhelm an die Jungs gedacht hat. Handytaschen, Jungstaschen, Tablethüllen, Angelrutenhüllen, Anglertaschen, Jeanshüte, Laptoptaschen, Krawatten (ha!), Schürzen, Gürteltaschen und Fliegen sind mein großer Grund, dieses Buch zu loben und zu behalten. Ich brauche so oft coole Geschenke für Jungs, die zu groß für Spielsachen sind, aber zu klein, um auf Geschenke verzichten zu wollen. Endlich denkt jemand an sie! Als Jeansenzyklopädie ist also Wilhelms Buch sehr empfehlenswert, vorausgesetzt, die vorhergehenden Bücher wurden noch nicht gelesen! Ansonsten habe ich noch eine Frage: Frau Wilhelm, was machen Sie so aus alten T-Shirts?

Titelangaben:

Laura Sinikka Wilhelm: Alles Jeans. 80 blaue Nähprojekte.

Fotos von Marjo Koivumäki.

Bern: Haupt Verlag, 2016. 176 Seiten. 24,90 EUR.

Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch, Nelly Mager: Kinder, an den Herd! … wir kochen, experimentieren und staunen.

Essen aus dem Küchenlabor

Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch und Nelly Mager haben mit Kinder, an den Herd! … wir kochen, experimentieren und staunen ein wundervolles Kinderkochbuch herausgebracht. Der AT-Verlag hat es sich nicht nehmen lassen, das Buch derart schön zu gestalten, dass man versucht ist, es zum Familienlieblingskochbuch werden zu lassen. Ein Novum an diesem Kochbuch ist, wie Kinder nicht nur zum Kochen, sondern auch zum Experimentieren angeleitet werden. Jeder, der auch nur einmal eine Buttercremetorte versucht hat weiß, dass eine Küche ein Chemielabor ist!

Die Kapitel sind wunderbar aufgeteilt in Sinneinheiten: Kinder dürfen sich ihre Schulbrotzeit selber machen, genauso wie Frühstück, und dann eben Familiengerichte, Themengerichte, Kochen aus dem Vorratsschrank, Rezepte der Großeltern und auch Kochen für Rollenspiele. In jedem Kapitel gibt es ein oder mehrere Küchenexperimente wie Hefeteig ansetzen, Sprossen ziehen, Butter herstellen.

Solide Rezepte, kinderleicht

Was ich absolut gut finde: die meisten Rezepte können Kinder ab 8 Jahren selbständig kochen. Auf ausgewogene Ernährung wird geachtet, Pausenbrote werden wunderhübsch aufgepeppt. Gleichzeitig muss ich sagen, dass man vergebens auf den großen Wurf wartet, den es so auch nicht geben kann. Pausenbrote sind nur begrenzt variabel, vor allem, wenn Kinder sie selbst zubereiten. Das gleiche gilt für Kinderklassiker: Pommes und Fischstäbchen werden selbst gemacht und wundervoll gewürzt, es bleiben aber natürlich Pommes mit Ketchup.

Auch alle anderen Rezepte, von Risi -Bisi über Gemüsechips bis zum Brotteig „Hermann“ sind jenen bekannt, die schon immer gerne kochen und ihre Kinder mitkochen lassen. Wer sich in der Küche bisher nicht so heimisch gefühlt hat, kann sich freuen, denn die gut erklärten Rezepte sind allesamt Klassiker und funktionieren – von Chicken Nuggets über Guglhupf zum Baiser. Zum Schluss gibt es für Kochbegeisterte verschiedene Menüs, die aus den Rezepten im Buch zusammengestellt wurden.

Schönes Kochbuch, bekannter Inhalt

Als Mama finde ich am Besten immer noch die Küchenexperimente. Aber selbst die habe ich alle schon mit Kindern gemacht, wenn auch ohne die fachlichen Erläuterungen. Hefeteig, Butterschütteln, Popcorn poppen, auch die Bräunung bei den Äpfeln wird erklärt. Auf diesen Seiten kann ein Kind am schnellsten verstehen, dass Kochen nicht einfach nur heißt, verschiedene Zutaten zu vermengen. Maße, Temperaturen und Zeiteinheiten werden plötzlich relevant, die Küche wird ein Labor. Und aus den Erklärungen kann jeder Erwachsene noch etwas lernen.

Titelangaben:

Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch, Nelly Mager: Kinder, an den Herd! … wir kochen, experimentieren und staunen.

Aarau: AT Verlag, 2015. 184 Seiten, 19.95 EUR.

Susan Guagliumi: Handgemacht für meinen Garten. 75 grüne DIY-Projekte.

Kleine Kostbarkeiten für das eigene Grün

Wer seinen Garten liebt und hegt weiß schnell, wie viel Geld er kostet, wenn man ihn auch schön haben will. Deshalb sind Projekte zum Selbermachen immer interessant, vor allem, wenn sie, wie bei Susan Guagliumis Handgemacht für meinen Garten. 75 grüne DIY-Projekte, den begrenzten Geldbeutel mit einplanen. Die Kreativen wird es freuen, den Garten bestimmt auch.

Susan Guagliumi gärtnert aus Leidenschaft. Die Sonderpädagogin konnte schon seit der Kindheit kreative Erfahrungen in Summercamps sammeln, später gab sie sie als Gruppenleiterin weiter. Dreimal hat Susan Guagliumi einen Garten angelegt, die DIY-Projekte, die sie in Angriff nahm, hat sie schließlich dokumentiert und für ein Buch aufbereitet. Es ist also auch ein sehr persönlicher Schaffenseinblick.

Große Auswahl an Topfkonstruktionen

Vor allem für Terrassen- und Kübelgärten finde ich das Buch interessant. Guagliumi arbeitet oft mit Tontöpfen, die sie verändert und verschönert. Oft reicht ja schon Farbe aus, manchmal ist eine bestimmte Drucktechnik auch schön. Nur nimmt dieses Kapitel im Buch viel Raum ein, obwohl die Technik selbsterklärend ist. Schade, dass Guaglimi hier eine gute Idee so unterträglich in die Länge gezogen hat. Besser gefällt mir daher ihre Technik, aus vielen Tontöpfen Muttertöpfe, z.B. für Erdbeeren, zu bauen. Sie sehen toll aus und können auch nicht ohne weiteres gekauft werden.

Wer mag, darf auch zum omnipräsenten Beton greifen. Mein Mann und ich haben auch für unser Tomatenbeet Betonfüße gemacht, deshalb finde ich die Idee, ganze Blumenkästen aus Beton zu gießen, nicht schlecht. Vor allem, wenn man den Pflanzkästen im Garten einen festen Platz zuweisen möchte. Hier finde ich toll, dass es auch Tipps für Unglücksfälle gibt: was tun, wenn der frischgegossene Pflanzkasten einen Riss hat?

Praktische Ideen rund um den Garten

Manche Ideen brauche ich nicht, auch wenn ich sie gut finde. So stellt Guagliumi verschiedene Arten vor, für die Anzuchtphase aus Zeitungspapier Töpfchen herzustellen. Das kenne ich schon und mache es seit Jahren so. Interessanter finde ich schon ihre Praxis, aus Samen und Zeitungspapier Saatbänder anzufertigen. Das ist genial und die ideale Arbeit für Januar, wenn im Garten nichts zu tun ist, man aber die neue Saison nicht abwarten kann.

Viel wird mit Upcycling gemacht. Aus alten Plastiktüten werden Folientunnel, PET-Flaschen werden Minigewächshäuser und zerbrochenes Geschirr wird neues Mosaik auf Blumentöpfen. Das gefällt mir gut und kommt sicher vielen Menschen entgegen. Benutzen, was man hat und so die Umwelt schonen. Tomaten, Bohnen und andere Rankpflanzen erhalten ihre Rankgerüste aus alten Ästen, wie sie bei mir zu hunderten auf der Obstwiese liegen. Kapuzinerkresse und Erbsen dürfen an kleinen Weidezäunen klettern.

Werkzeug selbst gemacht

Praktisches schätzt der Gärtner immer. Also baut Guagliumi Pflanzhölzer, um in verschiedenen Anordnungen Saatgut einbringen zu können. Einreihig, im Block, einzeln, für alle Varianten hat Guagliumi gute Ideen, wie man mit Holzbrett, Dübeln und Bohrern sich die Arbeit erleichtert. Vertikale Gärtner freuen sich über die Technik, Pflanzsäcke selbst aus z.B. Rupfen zu nähen und Gärtner mit großem Baumbestand (wie ich) jubeln, wenn sie endlich lernen, wie man Reisigbesen bindet.

Selbst Platz für Schönes gibt es noch: Lavendelzauberstäbe, bedruckte Samentüten und Erntezöpfe sind wundervolle Geschenke, die man Freunden jederzeit machen kann. Das eigene Haus schmücken Kräuter, zum Trocknen aufgehängt. Vorfreude auf das nächste Gartenjahr kommt auf, wenn man das Saatgut trocknet und katalogisiert. Abonnenten gängiger Gartenzeitschriften erkennen hier bestimmt Vieles wieder und müssen entscheiden, ob sich ein Buchkauf für sie lohnt.

Titelangaben:

Susan Guagliumi: Handgemacht für meinen Garten. 75 grüne DIY-Projekte.

Aus dem Englischen von Wiebke Krabbe.

Bern: Haupt Verlag, 2016. 208 Seiten. 24,90 EUR.

Marco Campanella: Leo Lausemaus will nicht verreisen.

Daheim ist es am schönsten

Das denkt sich zumindest Leo Lausemaus in Marco Campanellas Version eines Familienurlaubs. Weshalb denn in die Ferne blicken, wenn das Gute liegt so nah? Doch natürlich ist jeder Widerstand gegen die elterliche Macht zwecklos. Leo Lausemaus will nicht verreisen, doch am Ende ist es im Urlaub mindestens so schön wie daheim. Eine Geschichte über die Angst vor der eigenen Neugier.

Marco Campanella hat eine Geschichte für ca. Dreijährige verfasst, entsprechend einfach gestrickt und schnell erzählt ist die Handlung. Leos Eltern planen den diesjährigen Urlaub, doch Leo Lausemaus ist davon keineswegs begeistert. Er möchte sich weder von seinen Spielsachen trennen, noch auf seine ortsansässigen Freunde verzichten. Während also Mutter und Vater Reisekataloge wälzen, gibt Leo seiner schlechten Laune Ausdruck.

Selbige verbessert sich erheblich, als Leos Mutter ihm einen kleinen Koffer schenkt, in den er persönliche Dinge für den Urlaub packen darf. Nun scheint der Abschied nicht mehr schwer zu fallen und Familie Maus macht sich zum Aufbruch bereit. Es wird mit dem Auto gefahren, was entsprechende Staus und Verzögerungen und Kommentare von der Rückbank mit einschließt. Campanella lässt die Mäusekinder einschlafen, zum Glück für die Eltern.

Simple Geschichte nett erzählt

Im Urlaub angekommen ist alles anders und aufregend. So sehr, dass Leo Lausemaus sein Kuscheltier verliert und er kurz vorm Verzweifeln ist. Auch ein schickes Abendessen beim Italiener kann da nichts mehr richten. Wie gut, dass ein Nachbarsjunge das Kuscheltier findet und sich gleich noch als Spielkamerad anbietet. Der Urlaub ist gerettet, Leo Lausemaus zufrieden und die Eltern begeben sich zum Entspannen mit der jüngeren Schwester an den Strand, während Leo mit seinen neuen Freunden spielt.

Die Story ist weder revolutionär noch originell, doch kindgerecht erzählt mit freundlichen Bildern. Kunstsinnige Eltern greifen wohl eher nicht nach diesem Bilderbuch, aber im Hinblick auf die Urlaubssaison könnte es so sein, dass für die kleinen Leser die Geschichte Leos, der Schwierigkeiten hat, sich auf Neues einzustellen, ein wundervolles Trostpflaster ist. Denn obwohl es daheim natürlich am allerschönsten ist, tut es manchmal gut, die Nase nach der weiten Welt zu stecken.

Titelangaben:

Marco Campanella: Leo Lausemaus will nicht verreisen.

Aus dem Italienischen von Frieda Böhm.

Köln: Helmut Lingen Verlag, 2015. 32 Seiten. 6,95 EUR.

Dechen Shak – Dagsay: Mantras. Meine Erfahrungen mit der heilenden Kraft tibetischer Weisheit.

Gesungenes gelesen

Dechen Shak – Dagsay wagt mit ihrem Buch über Mantras. Meine Erfahrungen mit der heilenden Kraft tibetischer Weisheit einen schwierigen Spagat. Sie will gesungenen tibetischen Dialekt in deutscher Sprache lesbar und zugänglich machen. Ich finde, dass trotz offensichtlicher akkustischer Defizite ein interessanter Einblick in die metaphysische Struktur einer alten buddhistischen Gesellschaft gelungen ist.

Dechen Shak-Dagsay ist Tibeterin und lebt seit ihrer Kindheit in der Schweiz. Ihre Familie musste im Konflikt um die tibetische Unabhängigkeit das Heimatland verlassen, denn Shak-Dagsays Vater war als Lama ein hoher religiöser Würdenträger und besonders gefährdet. In der Schweiz findet die Familie eine zweite Heimat und Dechen Shak-Dagsay wächst mit sowohl westlichen als auch tibetischen Traditionen auf.

Traditionen in der Fremde bewahren

Schreibt Shak-Dagsay also über die Mantras und die religiösen Traditionen, die sie seit ihrer Kindheit prägen, geschieht dies immer mit dem Blick eines Menschen auf eine verlorene Heimat, deren intellektuelle Reste somit besonders bewahrenswert bleiben. Lange Zeit arbeitet Dechen Shak-Dagsay in der freien Wirtschaft, bevor sie sich entschließt, als Musikerin sich der Verbreitung der an sich gesprochenen Mantras ihrer Kultur zu widmen.

Aus dieser Position heraus ist Mantras. Meine Erfahrungen mit der heilenden Kraft tibetischer Weisheit verfasst. Dem Leser wird also vorerst nicht nur eine einfühlsame Familiengeschichte erzählt, sondern auch ein tiefer Einblick in die tibetische buddhistische Kultur gegeben. So erschließen sich viele Aspekte dieser Lebens- und Meditationspraxis, die nicht mit einer Religion verwechselt werden darf, dem Leser bereits früh und bieten die Chance, sich, wenn man möchte, näher mit den buddhistischen Praktiken auseinanderzusetzen.

Übersetzungsschwierigkeiten

Shak-Dagsay geht ganz klar an die kulturellen Grenzen, wenn sie ab der Hälfte ihres Buches versucht, die Mantras, die sie auf ihren Konzerten singt und in der Familie praktiziert, für westliche Leser erfühlbar und verstehbar zu machen. Wie sie früh im Buch erklärt, sind die Mantras durch rituelle Silben konstruiert, die sich oft nicht einmal aus tibetischen, sondern vielmehr hinduistischen Dialekten, die viele tausend Jahre alt sind, herleiten. Diese nun ins Deutsche zu übertragen, muss nicht nur scheitern, sondern zerstört unwillkürlich auch die Satzmelodie, durch die die Mantras erst singbar gemacht werden.

Jedes Mantra wird auf tibetisch und dann in deutscher Übersetzung gedruckt. Wobei man dabei ausgehen darf, dass auch die tibetische Form eine verwestliche ist, die die Nachsprechbarkeit sicher stellen soll, denn natürlich würde das Originalschriftbild für deutsche Leser unverständlich sein. Die Übersetzung holpert leider so sehr, dass von einem Mantra nicht mehr die Rede sein kann. Auch die starke Metaphorik, die über Jahrhunderte übermittelt wurde, erschließt sich in einer anderen Sprache kaum.

Berührender Einblick in tibetische Traditionen

Was dennoch an Dechen Shak-Dagsays Buch berührt, ist, wie einfühlsam sie es versteht, die geistigen Traditionen ihres Volkes einem weltweiten Publikum zu vermitteln. Auch das Prinzip der Mantras und Meditationstechniken erläutert sie gut und lässt man sich auf ihre Musik ein, erhält man einen sehr genauen Eindruck darüber, was die Mantras in einer tibetisch buddhistischen Meditation bewirken. Letztendlich ist dies genau Shak-Dagsays Fokus, nämlich einem möglichst großen Publikum eine Lebenspraxis nahe zu bringen, die sie für eine heilende und erfüllende Alternative zu westlichen Konsumgesellschaften hält.

Titelangaben:

Dechen Shak – Dagsay: Mantras. Meine Erfahrungen mit der heilenden Kraft tibetischer Weisheit.

Berlin: Allegria Verlag, 2014. 240 Seiten. 19,99 EUR.

Boris Lauser: Go Raw – Be Alive! So schmeckt gesund. Schlank, fit & happy mit Rohkost.

Rohkost neu erfunden

Boris Lauser begibt sich mit Go Raw – Be Alive! So schmeckt gesund. Schlank, fit & happy mit Rohkost auf seine persönliche Mission. Er möchte gerne unser Verhältnis zu ungekochten Speisen revolutionieren. Dafür hat er ein Studium aufgegeben und ist um die Welt gereist, um Rawfoodköchen beim Arbeiten zuzusehen und selbst einer zu werden. Das Resultat ist eine faszinierende Geschmacksexplosion, in der viel Zeit und Liebe steckt.

Damit sind auch die beiden Hauptaspekte benannt, die für mich Lausers Buch ausmachen: Zeit und Liebe. Denn die meisten seiner Rezepte sind mehr oder minder aufwändig. Vorbei die Zeiten, in denen Rohkost hieß, eine Möhre in den Salat zu schnippeln. Lauser dörrt, fermentiert, mariniert und lässt seinen Gerichten Zeit, ihren Geschmack zu entfalten. Nicht immer perfekt für meine Großfamilienküche, in der alles immer schnell und in Massen zubereitet werden muss, aber ein tolles Experiment ist es trotzdem.

Raw ist nicht roh

Lauser bereitet sein Rawfood klug zu. Dabei gefällt mir vor allem, dass »raw« eben nicht »roh« heißt. Wie bereits erwähnt, macht Fermentation einen großen Teil des Buches aus, was mir auch deshalb zusagt, weil ich es schon lange mal selbst ausprobieren wollte. Wie wundervoll, dass Lauser ohne schwere, große Sauerkrauttöpfe und Steine auskommt. Praktisch auch der Grundlagenteil vorn im Buch, der auf die Umstellung von normaler Kost auf Rohkost eingeht und hilfreiche Tipps parat hält.

Für mich besonders interessant auch die Tatsache, dass Lauser sich nicht einfach nur mit Rohkost beschäftigt, sondern die meisten seiner Gerichte auch noch vegan und glutenfrei sind. Wer mag, erhält oft auch Tipps für alternative Rezeptvorschläge, aber gerade die glutenfreie Variante finde ich toll, weil mittlerweile doch mehr Menschen sich glutenfrei ernähren müssen, als man vielleicht erst einmal denkt. Der einzige Wermutstropfen: wer eine Nussallergie hat, wird mit Lausers Kochbuch eher nicht glücklich. In fast jedem Rezept werden Nüsse und Samen verarbeitet. Klar, Mehl und Milchprodukte fallen weg und möchte ich die veganen Rezepte durch herkömmliche ersetzen, führe ich natürlich Lausers Prinzip ad absurdum.

Perfekte Sommerküche

Um das mal klar zu stellen: Ich werde nicht vegan, nicht glutenfrei und auch nicht von Rohkost leben. Ein ordentlicher Schweinebraten mit Knödeln und Krautsalat (juhu, Rohkost) stehen auf meiner Speisekarte immer noch weit oben. Aber, wie Lauser selbst erwähnt, man muss ja nicht zum Dogmatiker mutieren. Und seine Gerichte sind perfekt für heiße Sommertage, an denen der Herd kalt bleiben soll.

Er mixt Smoothies, grün oder bunt, fermentiert asiatisches Gemüse, bereitet aus Nussmilch Käse zu, dazu gibt es Ravioli aus Kolrabi, Quinoa Pizza, Zucchini Spaghetti Bolognese, Asiarollen und wunderbare Desserts wie Mousse au Chocolat, Cheesecake, Softeis oder Müsli Riegel. Alles roh, vegan, glutenfrei. Es sieht toll aus, die Nährstoffe im Obst und Gemüse bleiben viel besser erhalten als beim herkömmlichen Kochen und wer möchte, kann viele klassische Rezepte durch Rawfoodvarianten ersetzen. Toll, wenn man sieht, wie aus einer Avocado abwechselnd Eis, Mousse au Chocolat oder Pastasauce wird! Der Sommer kann kommen und mein Gemüse darf endlich wachsen.

Titelangaben:

Boris Lauser: Go Raw – Be Alive! So schmeckt gesund. Schlank, fit & happy mit Rohkost.

Stuttgart: Kosmos Verlag, 2015. 160 Seiten. 19,99 EUR.

Anette Schrag: Pilates aus dem PowerHAUS. Das Ganzkörpertraining für Einsteiger, Geübte, Profis.

Zum Auspowern

Wer immer sich fit und gesund halten möchte, kommt schwerlich an Pilates vorbei. Die Übungen werden, wenn schon nicht als Pilates – Programm angeboten, in vielerlei Fitnesskursen integriert und fast jeder kennt die eine oder andere Einheit. Schön, dass Anette Schrag sich in Pilates aus dem PowerHAUS noch einmal den Grundlagen gewidmet hat, so dass jeder, der mag, ganz genau auf das kucken kann, was er da eigentlich macht.

Klar. Bücher sind zum Lesen da und nicht zum Turnen. Super, dass Anette Schrag ihrem Pilatesbuch gleich hintan eine DVD beigefügt hat, auf der nicht nur kurz ihre Arbeitsprinzipien vorgestellt werden, sondern auch zwei komplette Trainingseinheiten enthalten sind, so dass jeder sofort loslegen kann. Weil ich schon viel über Pilates gehört hatte und einige Übungen auch beherrsche, fand ich es besonders spannend, Schrags Grundlagen und ihre Philosophie kennen zu lernen.

Joseph Pilates: ein früher Gesundheitsfanatiker

Pilates, früher ein kränklicher, asthmatischer Junge und Sohn eines deutschen Turners und einer Naturheilkundlerin beschäftigte sich von Jugend an mit Fitness. Sein Ziel war, den eigenen schwachen Körper zu stählen und dauerhaft gesund zu halten. Interessiert an fernöstlichen Meditationstechniken und Körpermethoden, entwickelte er ab seiner Emigration 1912 nach Großbritannien seine eigene Trainingsmethode, die er in britischer Kriegsgefangenschaft verfeinerte.

Joseph Pilates emigrierte 1926 endgültig in die USA, denn als Pazifist und renommierter Trainer wollte er sich nicht am Aufbau der deutschen Armee beteiligen. Seit den 30er Jahren war er in New York Inhaber eines Trainingsstudios, wo er seine Methoden fortwährend verfeinerte und dokumentierte. Er starb 1967, seine Frau und seine Schüler führten seine Technik jedoch weiter und seit den 1990er Jahren ist sie durch Stars und Sternchen, die ihren Körper jung halten möchten, zum Trend geworden.

Pilates und der Körper

Bevor man sich auf eine Trainingsmethode einlässt, bietet sich an, zu wissen, was das Training mit dem eigenen Körper macht. Schrag geht hierauf sehr ausführlich ein. Vor allem der Rücken, die Wirbelsäule, die Bauchmuskulatur und der Beckenboden werden beansprucht. Zu wissen, was die einzelnen Übungen mit den Muskeln machen, weshalb wo und wann angespannt werden muss und auch in welchen Situationen bestimmte Übungen zu meiden sind, vertieft das Verständnis dessen, was einige Seiten später in der Praxis durchgeführt wird.

Besonders hat es Schrag das sogenannte PowerHAUS angetan. Tatsächlich ist damit eine Reihe von Muskeln im Unterbauch und Beckenboden gemeint, die es bei jeder einzelnen Übung zu stabilisieren gilt. Behält man ihre Ausführungen dazu im Kopf fallen nicht nur die Trainingseinheiten leichter, sondern man spürt schnell, wie sich der Körper auch in Alltagssituationen stabilisieren lässt.

Klassische Übungen perfekt erklärt

Es gibt wenig Firlefanz in Schrags Buch. Sie stützt sich auf die klassischen Pilatesübungen wie »The Half Roll Back«, »The Shoulder Bridge«, »Criss Cross« etc., die aber je nach persönlicher Fitness in verschiedenen Schwierigkeitsstufen erklärt und dargestellt werden. Die geschriebenen Übungsanleitungen sind mehr als ausführlich, in z.T. zehn Einzelschritten erklärt, so dass es fast wichtig ist, den Überblick nicht zu verlieren.

Zu jeder Einheit gibt es sowohl mentale Hilfestellungen als auch Warnungen bei gesundheitlichen Problemen und weiterführende Varianten. Mit nur dreizehn grundlegenden Übungen lässt sich so ein sehr abwechslungsreiches Trainingsprogramm gestalten. Aktive werden dabei wohl schnell auf die DVD zurückgreifen, weil das mehrmalige Lesen doch mühsam wird. Gleichzeitig werden viele An- und Entspannungsübungen gezeigt, von denen sich einige auch in den Alltag, z.B. am Schreibtisch oder im Stehen, integrieren lassen. Ein perfektes Rundumprogramm also, so dass man nur noch anfangen muss.

Titelangaben:

Anette Schrag: Pilates aus dem PowerHAUS. Das Ganzkörpertraining für Einsteiger, Geübte, Profis.

Kandern: Unimedica im Narayana Verlag, 2014. 152 Seiten. 24,80 EUR.

Katrin Hensler: Windelfrei, gestillt und getragen. Ein Ratgeber für einen natürlichen Umgang ohne Windeln und Ersatznahrung

Von allem ein bisschen

Katrin Hensler hat sich aufgemacht, in Windelfrei, gestillt und getragen. Ein Ratgeber für einen natürlichen Umgang ohne Windeln und Ersatznahrung eine Schlacht gegen die Kommerzialisierung des Umgangs mit unseren Babies zu führen. Dass dies nur zum Teil gelungen ist, liegt hauptsächlich am eigenen Anspruch, ein möglichst breites Themenfeld zu bearbeiten. Schade, denn so gibt es zu allen Themen ein bisschen und zu keinem richtig viel.

Aber vielleicht überlegt sich ja Katrin Hensler noch einmal, ein weiteres Buch zu veröffentlichen und sich dabei auf eines ihrer durchaus interessanten Themen zu konzentrieren. Nachdem es bereits viele Veröffentlichungen zum Thema Tragekinder und Babynahrung gibt, würde sich ihre Praxis der windelfreien Erziehung anbieten. Im vorliegenden Werk liest sich einiges halbgar, jedes Thema wird auf den insgesamt knapp hundert Seiten angerissen und dann wieder fallen gelassen.

Es bleiben viele Fragen

Ganz klar gibt Frau Hensler einen persönlichen Erfahrungsbericht der windelfreien Erziehung ihrer beiden Kinder. Sie ist zum Glück dabei weder dogmatisch noch belehrend, so dass auch Skeptiker sich vielleicht für ihre Herangehensweise erwärmen können. Gerade die persönliche Komponente aber lässt viele Fragen offen. Zum Beispiel erwähnt sie, dass sie ihre eigenen Kinder im Abstand von vier Jahren geboren hat. Windelfreie Erziehung fällt hier leichter als bei einem Abstand von z.B. eineinhalb Jahren, wie ich es hatte.

Geht dann das? Welche Erfahrungsberichte außer dem ihren gibt es noch? Vater und Mutter arbeiten eng zusammen – was, wenn mindestens ein Elternteil berufstätig ist und vielleicht viel unterwegs? Welche Möglichkeiten würde sie empfehlen? Was ist mit Schreikindern? Hensler verallgemeinert konsequent und so mancher Mutter wird wohl ein schales Gefühl bleiben, wenn man bedenkt, wie unterschiedlich die eigenen Kinder waren. Das schreibe ich definitiv als Mutter von vier Kindern, die alle mit Stoffwindeln gewickelt wurden.

Für Persönliches zu wenig Platz

Andererseits würde sich auch ein noch intimerer Blick in die eigenen vier Wände anbieten, möchte Hensler sich schon auf den eigenen Erfahrungsbericht konzentrieren. Es gibt viele tolle persönliche Blogs von Müttern, die sich dem Strom der Allgemeinheit entgegenstellen und mit schönen Bildern, wundervollen Geschichten und praktischen Tipps ihre Leser begeistern. Viele davon haben längst den Schritt von der Online – zur Offlineautorin gewagt.

Aber hinter derartigen persönlichen Projekten bleibt Hensler zurück. So entwickelt sich der Eindruck, dass sie ihre ureigene Erfahrung mit windelfreier Erziehung auf die Allgemeinheit übertragen möchte. Doch das geht nicht, sie führt selbst des Öfteren an, in welchen Fällen die Stoffwindel mit darf, wann Kompromisse geschlossen werden etc. Vielleicht passt Henslers System nur für ihre Familie? Da sie außer der eigenen Perspektive keine Belege bringt, lässt sich Vieles schlecht nachvollziehen.

Am Schluss folgen Plattitüden

Schade ist, dass Hensler in ihre weiteren beiden titelgebenden Themen, nämlich dem Tragen von Babies und der Babynahrung, kaum investiert. So bleibt es bei Plattheiten wie der Tatsache, dass Tragetücher toll sind und Gläschennahrung überflüssig. Sie übersieht dabei, dass die Zielgruppe ihres Buches das bereits wissen wird. Es fehlen z.B. schöne Babyrezepte, die auch in Abwandlung für den Familientisch geeignet sind – was habe ich für Große und Kleine nicht gekocht! Oder Möglichkeiten, einfache Babyslings selbst zu nähen oder die Tücher besonders zu binden. Der Hinweis auf Trageberaterinnen vor Ort entbindet nahezu vom Kauf des Buches. Auch hier fehlen wieder entweder der sehr persönliche und damit auch ausführlichere Bezug zur eigenen Praxis oder aber eine bessere Aufarbeitung des Forschungsstands. So schickt Hensler ihr Publikum in ein Wechselbad der Gefühle, denn ihr gutgemeinter und richtiger Ansatz versandet im Halbgaren.

Titelangaben:

Katrin Hensler: Windelfrei, gestillt und getragen. Ein Ratgeber für einen natürlichen Umgang ohne Windeln und Ersatznahrung.

Darmstadt: Synergia – Verlag, 2013. 112 Seiten. 12,90 EUR.

Eva Hauck: Carrom, Kreisel, Murmelbrücke. Kinderspiele aus aller Welt zum Selbermachen.

Es darf gespielt werden!

Spielen ist etwas Wunderbares. Erwachsene und Kinder haben seit jeher freie Zeit für das Spiel benutzt. Spielzeug, Gesellschaftsspiele, Brettspiele haben sich unabhängig voneinander quer über den Weltball entwickelt. Schön, dass Eva Hauck in Carrom, Kreisel, Murmelbrücke. Kinderspiele aus aller Welt zum Selbermachen uns diese kreative Weltreise ermöglicht, die nicht nur die Fantasie der Kinder anregt, sondern auch für uns Große eine tolle Weltkarte der Verspieltheit unserer Gattung ist.

Eva Haucks Weltreise beginnt bei der Wiege der Menschheit, in Afrika. Wir Menschen spielen gerne, miteinander, auf Instrumenten, mit Spielsachen oder Brettspielen. Einiges kennt man, manches ähnelt Bekannten und oft gräbt Hauck Spiele aus, die viele tausend Jahre alt sind und deren Regeln Forscher zu rekonstruieren versuchen. So ergibt sich ein wunderbar verspieltes Mosaik, das bei den Pharaonen beginnt.

Gute Erklärung, schöne Beispiele

Selbst sehr alte Spiele wie das ägyptische Zehn-Ringe-Spiel werden so erklärt, dass die Regeln nachvollziehbar sind. Eine Doppelseite widmet sich jeweils dem Spiel, die nächste Doppelseite zeigt, was Hauck mit ihren Versuchskindern daraus gemacht hat. Schließlich geht es darum, die Spiele immer selbst nachzubauen und zu spielen. Gut, dass die Mittel stets einfach gewählt sind und Hauck auch immer die Altersgruppen der Kinder angegeben hat, die das Spiel gebaut haben. So kann man sich gut überlegen, ob die Anforderungen an die eigenen Kinder passen.

Toll finde ich auch, wie ausgewogen Spielsachen und Brettspiele verteilt sind. Hauck hat sich sehr gründlich mit dem befasst, was Kinder und Erwachsene auf dem jeweiligen Kontinent gerne spielen und lässt für alle etwas entstehen – für die Denker und Strategen, die Stillsitzer, die Wilden und die Teamplayer. Vieles kennt man – bestimmte Arten, mit Murmeln zu spielen oder das nigerianische Spiel Draft, das unserem Damespiel gleicht. Auch selbst gemachte Kreisel sind nicht unbekannt. Hier finde ich es einfach schön, zu sehen, dass alle Kinder überall irgendwie gleich spielen.

Berühmte Spiele neu gespielt

Für uns Erwachsene ist es dagegen oft schlicht interessant, zu erfahren, woher all die bekannten Spiele stammen, die wir selbst spielen. Der Dreidel zum Beispiel, der am jüdischen Chanukka gespielt wird und ursprünglich nur als Ablenkungsmanöver beim Torastudium diente oder das berühmte Backgammon, das in der Türkei leidenschaftlich gespielt wird. Es gibt auch Spiele, die überall gespielt werden, so dass der Ursprung gar nicht mehr festgestellt werden kann, Carrom im Königreich Bhutan ist solch ein Spiel.

Die Bastelanleitungen bleiben nahe am Original und tragen doch der Tatsache Rechnung, dass am Ende mit wenig Geld – und Zeitaufwand hauptsächlich gespielt werden soll. Gerade die Brettspiele lassen sich deshalb gut in Gruppenarbeit herstellen und nachher auch entsprechend bespielen. Dagegen sind die chinesischen Flugdrachen oder Centipeden aufwändig gestaltete Liebhaberobjekte, die Zeit und Geduld erfordern, dafür aber später auch wunderschön aussehen.

Warum spielen wir

Immer wieder ergründet Hauck auch die Frage, weshalb von bestimmten Kulturen gewisse Spiele gespielt werden. Geht es, wie bei den kanadischen Inuits, nicht auch um Jagdgeschicklichkeit? Oder wie bei Temari um eine Meditationspraxis chinesischer Mönche, die unserem Fußball verblüffend gleicht? Oder bieten sie, wie bei Moksha Patamu aus Indien, religiöse Erklärungskonstrukte? Die Geschichte jedes einzelnen Spiels ist faszinierend und verändert sicher unseren Blick auf das Spiel, wenn wir es letztendlich selbst spielen.

Rituelle Spiele, die dem Gedächtnis dienen, werden auch in Australien gespielt, wo es für Aborigenes wichtig ist, im Outback über jede Wasserstelle Bescheid zu wissen. Doch Spaß muss immer sein, sonst gäbe es nicht Bora Boras, die singenden Schwirrhölzer, die bei Riten und Erzählungen eine tragende Rolle spielen. Fast erblasst man vor Neid, darf man mit Eva Hauck quer durch die Welt reisen und von diesem unglaublichen Spielereichtum erfahren.

Neues vom alten Kontinent

Besonders berührend ist es, wenn Eva Hauck schließlich auch den europäischen Kontinent besucht und natürlich viele Spiele wiederentdeckt, die längst in Vergessenheit geraten sind. Das isländische Halatafl zum Beispiel ist ein Strategiespiel der Wikinger, vergleichbar mit Schach. Oder das finnische Kyykkä, ein Wurfspiel fürs Freie. Aus Deutschland stammt Poch, ein Vorfahr des Pokerspiels, von Hans Sachs überliefert. All diese uralten vergessenen Spiele nachzubauen und zu spielen ist etwas ganz Besonderes.

Quer durch Europa findet Hauck Spielideen, die für Kinder ab 5 Jahren geeignet sind. Selbst die griechische Antike wird nicht vergessen. Schön, wenn es dann zum Schluss von der ganz alten in die neue Welt geht, von der wir schon viel übernommen haben und wo sich christliche und heidnische Bräuche auf besonders kreative Weise vermischt haben. Pinatas sind selbst bei uns bekannt und beliebt und Patolli, das Spiel der Maya und Azteken, konnte mittlerweile fast rekonstruiert werden. Wunderschön auch die Kotomisipuppen aus Suriname, die von versklavten Westafrikanern in einer typischen Tracht hergestellt wurden und die oft traurigen Verquickungen der Völker besonders gut zeigen. Für Kinder wie Erwachsene ist es bereichernd zu sehen, wie nahe sich eigentlich die Menschen überall auf dem Globus sind. Dies gerade durchs Spiel zu erfassen, ist ein glücklicher Schachzug, für den man Eva Hauck sehr dankbar sein darf!

Titelangaben:

Eva Hauck: Carrom, Kreisel, Murmelbrücke. Kinderspiele aus aller Welt zum Selbermachen.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 240 Seiten. 24,90 EUR.

Herbert Renz- Polster, Gerald Hüther: Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum. Ein

neuer Blick auf das kindliche Lernen, Fühlen und Denken.

Raus!

Wie tief verunsichert Eltern dieser Tage bezüglich der Erziehung ihrer Kinder sind, zeigt allein die Fülle an Literatur zu familienpädagogischen Fragen. Jedes Buch, das einen Hauch von Normalität in den überpädagogisierten Kinderalltag bringt, verdient deshalb großes Lob. Umso mehr, wenn es, wie Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther in Wie Kinder heute wachsen, derart profund den kindlichen Entwicklungsraum analysiert und die Leser wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holt.

Ein renommierter Kinderarzt und Vater von vier Kindern und ein angesehener Professor für Neurobiologie verfassen gemeinsam ein Buch über die Kindheit. Das lässt hohe fachliche Kompetenz erahnen, die in unserer Gesellschaft, in der mittlerweile menschliches Urteil über McKinsey-Studien gefällt wird, sehr gefragt ist. Dennoch haben Renz-Polster und Hüther vor allem eines geschrieben: ein Buch über den gesunden Menschenverstand.

Bildungsverzweiflung

Wenn PISA-Studien an den intellektuellen Leistungen des Nachwuchses verzweifeln, Lehrer und Professoren über Verdummung schimpfen und Amokläufe und digitale Welten den Alltag der Kinder aus den Angeln heben, muss doch etwas schief gelaufen sein. Verzweifelte Schulreformen versuchen zu korrigieren, immer mehr Wissen wird in immer kürzerer Zeit doch nicht angeeignet und Wirtschaft und Politik verlangen jüngere Arbeitskräfte mit mehr Bildung.

Gleichzeitig ändert sich wenig zum Guten, Kinder können weder Schwimmen noch Fahrradfahren, motorische Fähigkeiten lassen nach und emotionale Bindungen veröden. Was ist faul im Staate Dänemark? Während die Gesellschaft an Kindergärten und Schulen immer höhere Forderungen heranträgt, legen die Autoren den Finger in die Wunde. Schuld sind die Großen, nicht die Kinder. Es sind die Erwachsenen, die vergessen haben, was Kindheit seit Urzeiten bedeutet.

Kindheit als Ontogenese

Gut, dass Hüther und Renz-Polster hierrauf eingehen. Wie funktioniert Kindheit, das Gehirn, was ist eigentlich los mit dem vermaledeiten Nachwuchs? Die Antwort ist denkbar einfach. Nichts ist los. Die Kinder sind völlig in Ordnung, wie sie es schon immer waren. Nur die Gesellschaft hat sich verändert. Der Mensch wird hilflos geboren und entwickelt zum Homo Sapiens. Doch hat er vergessen, dass auch seine Gattung Teil der Natur ist.

Die Zivilisation gaukelt der Gesellschaft vor, dass sie mit dem großen »Draußen« nichts zu tun habe. Die Höhlen, die Lagerfeuer, Jagen und Sammeln, Überleben in einer Gemeinschaft, in der jeder auf den anderen angewiesen ist, alles scheint überwunden. Doch in der Kindheit spiegelt sich die Ontogenese des Menschen jedes Mal aufs Neue. Deshalb sollten sich Kinder vor allem an der Kraft messen, an der sich die Menschheit schon immer messen musste: an der Natur.

Bildung als Bequemlichkeit

Doch genau hier fangen die Probleme an. Renz-Polster und Hüther schlüsseln klug auf, dass es nicht die Kinder sind, die unter Defiziten leiden, sondern dass es die zivilisierte Bequemlichkeit der Erwachsenen ist, die ihnen den Zugang zur Menschenbildung verweigert. Wenn Erwachsene nicht draußen sind, haben Kinder keine Gelegenheit, sich an der Natur zu bilden. Der Ehrgeiz der Eltern erstreckt sich über viele Dinge, die Natur gehört jedoch nicht dazu. Dabei ist es so einfach, Kinder draußen glücklich zu machen.

Kinder brauchen Natur und Kinder brauchen Kinder. Altersgemischte Gruppen, so die Autoren, die draußen unbeaufsichtigt spielen dürfen, finden schnell in soziale Gefüge, die denen von Gesellschaften gleichen. Die Großen kümmern sich um die Kleinen, nicht immer gewinnt der Stärkere, draußen braucht es auch Geschick und Klugheit. Sportliche Wettbewerbskriterien verfallen, wenn es darum geht, einen Bach zu stauen oder Beeren zu ernten. Kinder, die draußen sind, sind glücklicher und ausgeglichener.

Achtsamkeit drinnen und draußen

Dass Natur nützt und nicht schadet, zeigt der Zulauf zu Waldkindergärten und die lapidare Feststellung Renz-Polsters, dass Waldkindergartenkinder bei der Einschulung keine Defizite aufweisen gegenüber Kindern, die schon im Kindergarten in die Bildungsmühle geraten sind. Mehr Wissen und das auch noch früher? Es bringt den Kindern nichts, sie verarmen emotional und motorisch und sind der Natur unterlegen.

Wie geht man aber mit dem gefährlichen »Drinnen«, den Computerspielen, dem Fernseher um? Hüther und Renz-Polster holen die besorgten Eltern auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie erinnern daran, dass es vor ca. hundert Jahren besorgte Mediziner gab, die feststellten, dass Lesen für Frauen schädlich sein könne, da es den Wahnsinn fördere. Computer und Fernseher gehören zu unserer modernen Art, Geschichten zu erzählen. Es ist der maßvolle Umgang, der hier geübt werden sollte, der den Eltern Angst und schlechtes Gewissen nehmen kann. Kinder, die viel draußen sind, dürfen auch drinnen am Fernseher und Computer spielen und ausruhen.

Bedrohte Welt, bedrohte Kindheit

Es ist dieser Gesellschaft leider gelungen, nicht nur die Erde, die Grundlage ihrer Existenz, deutlich auszulaugen und auszubeuten sondern darüber hinaus auch noch die Basis ihres Fortbestands, den Nachwuchs, zu verunbilden und zu entwurzeln. Dabei hatte die Pädagogik im zwanzigsten Jahrhundert viele gute Ansätze, die den Kindern nützlich wären. Es braucht gar keine großen Reformen, wenn man Renz-Polster und Hüther glaubt. Ein liebevoller, offener Blick auf die Kinder und kritische Hinterfragung der eigenen Lebensart reichen vollkommen aus. Man sollte den Kindern die Natur zurückgeben.

Titelangaben:

Herbert Renz- Polster, Gerald Hüther: Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum. Ein

neuer Blick auf das kindliche Lernen, Fühlen und Denken.

Weinheim: Beltz Verlag 2013. 264 Seiten. 17,95 EUR.

Roswitha Paetel: Pulp-Art. Gestalten mit Papiermaché

Alte Kunst neu belebt

Vielen Dank an Roswitha Paetel, die mit Pulp-Art. Gestalten mit Papiermaché endlich einen stiefmütterlich behandelten Werkstoff wieder dorthin bringt, wo er hingehört: ins Atelier. Dass Papiermaché so viel mehr ist als billiges Bastelmaterial für Kinder und dennoch die Arbeit damit keine Hexerei ist, kann man in ihrem Arbeitsbildband wunderbar erfahren. Das schön gestaltete Werkelbuch aus dem Haupt Verlag ist eigentlich viel zu kostbar für die Werkbank und doch wird es bei mir dort stehen, denn es wird gepulpt!

Das besondere an Pulp-Art ist, dass eine Künstlerin dieses Buch verfasst hat. Somit ist von vornherein eines klar: hier geht es mehr um Kunst als um Basteln. Das ist ein großer Unterschied, obwohl die bald folgenden Projekte durchaus viel Dekoratives und Basteliges an sich haben. Auch das Vorwort zum Buch wurde nicht von begeisterten Kursteilnehmerinnen, sondern von einer Kunstprofessorin verfasst. Gerade im Hinblick auf die Verarbeitungsweisen sollte man sich dessen bewusst bleiben.

Von der Pike auf

Paetel legt Wert darauf, ihre Arbeitstechnik grundlegend zu erklären. Das dies nie langweilig wird, ist auch den wunderbaren Fotografien von Mechthild Wilhelmi zu verdanken. Um den Überblick zu behalten, werden auf zwei Doppelseiten Arbeitsmaterialien und Werkzeuge abgebildet und im Folgenden erklärt. Am besten aber ist, dass Paetel ihren Werkstoff am Werk erklärt. Es geht also schnell in medias res, denn zuerst werden Anhänger in Steinoptik gefertigt.

Was schnell klar ist: rasch geht hier gar nichts. Wer also mit dem Gedanken spielt, mit Pulp zu arbeiten, sollte sich eine großzügige Arbeitsfläche, Trockenflächen und viel Zeit zurecht legen. Zwar mag die Pulpmasse schnell angerührt sein, mit Kindergartenpappmaché hat sie aber nichts zu tun. Vor allem die Nachbearbeitung hat es in sich: schleifen, lackieren und wieder schleifen. Dazwischen immer die Trocknungszeiten im Auge behalten. Ganz deutlich: dieser Werkstoff ist die Verkörperung der Langsamkeit.

Papier oder Stein

Wen das nicht stört, der wird mit ausgesucht schönen Objekten belohnt. Es erfreut zudem das Auge, eine Künstlerin beim Herstellen dekorativer Gegenstände zu beobachten, weil ihre Herangehensweise noch immer die einer Künstlerin ist. Paetel lässt ihre Pulpobjekte meist in einer steinartigen Optik, die durch das graue Zeitungspapier und die Zugabe von gemahlener Kreide noch betont wird.

Wo Farben benutzt werden, unterstreichen sie die rauhe Grundform, wie bei den Schüsseln, deren Äußeres betonartig anmutet, deren Innenleben aber so vergnügt bunt leuchtet, dass man sie unbedingt nachbauen möchte. Aber Vorsicht: hinter jedem augenscheinlich einfachen Objekt steckt viel Zeit. Damit die Pulpobjekte die Farben annehmen, stellt Paetel eine Gessogrundierung aus Hasenleim selbst her, die dann erst mit Acrylfarben und Lack bearbeitet wird.

Dekoration und Nutzen

Herstellen lässt sich mit Paetels Technik vieles, von Schmuckstücken über Kerzenhalter, bis hin zu Vasen und großen Wandobjekten. Die Verfahrensweise ist stets gleich, dankbar darf man sein über die vielen klugen und kreativen Tricks, mit denen sie ihre Objekte gestaltet. Man sieht, Pulp ist Paetels Lebensaufgabe. Besonders schön werden ihre Gegenstände, wenn sie anfängt, mit amorphen Strukturen zu arbeiten. Hier sieht man, wie schön sich Pulp in eine beliebige Umgebung eingliedern lässt.

Selbst eine Wäschetonne und ein riesiger Paravent lassen sich gestalten, der Fantasie sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Doch keine Angst, der eigenen Begabung obliegen durchaus Schranken. Auch wenn Paetel alle ihre Rezepte und Tricks offen legt, ist klar, dass hier eine Künstlerin für Laien anbietet. Und das deprimierende Gefühl, ihr Niveau niemals erreichen zu können, bleibt. Dafür lohnt am Schluss ein Blick über den Tellerrand. Paetel stellt im Anhang nicht nur Techniken und Rezepte vor, sondern auch zeitgenössische und historische Künstler, die mit Pulp gearbeitet haben. Erst hier beginnt man, die Dimension dieses unterschätzten Werkstoffes wirklich zu erahnen.

Titelangaben:

Roswitha Paetel: Pulp-Art. Gestalten mit Papiermaché.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 232 Seiten. 29,90 EUR.

Martine Lizambard: Feines aus der Speisekammer. Natürlich selbst gemacht.

Feines zum Saisonstart

Zugegeben, es ist noch etwas früh, um ans Ernten zu denken. Februar ist ein elender Monat. Er endet nicht, obschon er nur 28 Tage hat. Aber es ist doch nie zu früh, vom Ernten zu träumen und Martine Lizambard gibt mir allen Grund dazu. Sie macht soviel Feines aus der Speisekammer, dass mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammenläuft und ich vorsichtshalber einen Abstecher in meinen Vorratskeller mache um sicherzustellen, dass genügend Gläser und Flaschen vorhanden sind.

Mein Lieblingsplus an diesem Buch: alles ist machbar, alles ist einfach. So soll es sein, denn nur wenige haben Zeit, sich ewig in die Küche zu stellen. Außerdem ist es spitze, wenn die Rezepte möglichst stark variieren, niemand braucht nur Marmeladen oder nur Liköre. Hier gibt es von allem ein bisschen und begnadeterweise ist es auch noch nach Jahreszeiten geordnet. Ist das nicht wundervoll?

Kräuterfrühling

Lizambard beginnt mit einer Orgie an Kräuterrezepten. Das ist praktisch, denn oft sind Kräutersträucher im Frühling die ersten, die wieder etwas zu ernten bieten, müssen sie sich doch nicht um die Frucht kümmern. Estragon, Petersilie, Knoblauch – sie werden mit Öl und Essig angesetzt und nach Belieben mit saisonal erhältlicher Frucht (Mango – aus dem Supermarkt) verfeinert.

Mich irritiert, dass auch Möhren zum Frühling sortiert werden, aber schließlich können sie gut gelagert werden und sind das ganze Jahr über erhältlich. Sie werden orientalisch eingelegt und sehen schon so hübsch auf den Fotos aus, dass dieses Rezept hier schon in meiner To-Do -Liste verankert ist. Im Frühling wird noch so manches eingelegt, gepickled oder, wie die Schalotten, in einer Balsamicoreduktion haltbar gemacht. Sehr lecker.

Großes Portfolio

Ich mag auch die vielen verschiedenen Chutneys, z.B. aus grünen Tomaten (kenn ich, lecker!) oder aus Sauerkirschen oder Erdbeeren. Wird Konfitüre gekocht, dann immer mit dem gewissen Etwas, z.B. Erdbeerkonfitüre mit Pfeffer. Meine Kinder werden die große Auswahl an Sirup lieben, Erdbeersirup, Rhabarbersirup, wir können einen ganzen Sommer nur von Sirup leben…

Mein Mann dagegen wird sich über Kräuterliköre freuen, ich mich eigentlich auch, was sage ich denn. Am faszinierendsten finde ich neben dem Thymianlikör den Kirschkernlikör. Toll, auch noch Upcycling! Im Sommer geht es grad so weiter, aus Himbeeren wird Essig gemacht (meine Angst: es wird ob der zahlreichen kleinen Nascher nicht genügend Himbeeren für Essig geben), aus Pfefferminze auch.

Wintervorräte anlegen

Endlich beginnt im Sommer die Erntezeit. Cornichons werden eingelegt, Tomaten getröcknet und mariniert, selbst Auberginen kann man haltbar machen. Viele der Rezepte kennt man aus der Feinkostabteilung, wie schön ist es, dass man sie nun auch selber nachkochen kann. Mit der Sommerernte werden wieder Konfitüten und Chutneys in interessanter Zusammenstellung zubereitet, und ich weiß jetzt schon, dass Aprikosen und Mandeln wunderbar harmonieren.

Im Sommer an den Winter denken? In der Vorratsküche ist das dringend notwendig. Hier werden Pfirsiche weihnachtlich gewürzt und eingelegt, der Walnusswein hält mehrere Jahre, Chutneys wie z.B. das aus Brombeeren und Sternanis schreien förmlich danach, zu Weihnachten verschenkt zu werden. Im Winter wird mit dem gekocht, was erhältlich ist, also mit getrockneten Kräuter, Zitrusfrüchten und lagerfähigem Obst/ Gemüse. Manches wird zugekauft, doch fast alles ist saisonal auf Märkten erhältlich, wenn man keinen eigenen Garten hat. Schön, die Rezepte so liebevoll aufbereitet und klug zusammengefasst zu sehen, da macht die Garten – und Vorratsplanung für ein neues Jahr doppelt Spaß!

Titelangaben:

Martine Lizambard: Feines aus der Speisekammer. Natürlich selbst gemacht.

Aus dem Französischen von Susannen Lötscher.

Igling: Edition Michael Fischer GmbH, 2014. 176 Seiten. 19,99 EUR.

Claus Schulz, Jürgen Becker (Fotografien): Der Garten im Winter. Eine Spurenlese in faszinierender Vielfalt.

Genießen, wenn alles schläft

Jurist, Gartenliebhaber und Inhaber eines Gartengestaltungsunternehmens Claus Schulz hat in Jürgen Becker einen kongenialen Beobachter eines Gartens im Winterschlaf gefunden. Der Garten im Winter ist mehr als nur ein hübsches »Coffeetable-Buch«, es mahnt die Schönheit einer Jahreszeit an, die von den meisten Liebhabern von Flora ignoriert wird. Zu Unrecht, denn ich lasse mich von den berückenden Fotografien eines Dornröschenschlafs verzaubern (mehr Rezensionen zu tollen Büchern findet Ihr auch hier).

Sehr lyrisch beschreibt Claus Schulz einen Garten, der zu allen Jahreszeiten betörend schön ist. Doch es ist dem Winter mit Schnee und Frost zu verdanken, dass die Ergebnisse menschlicher Arbeit und natürlichen Wachstums geradezu unwirklich erscheinen. Schulz nimmt dem Garten im Winter die Trostlosigkeit, die einen sonst ambitionierten Gartenfreund in den grauen Monaten beim Anblick seines Hobbies überfällt.

Schlafes Bruder

Tod und Schlaf liegen in dieser Jahreszeit nah beieinander. Für alle, die auf Farben und Formen zwischen November und März nicht verzichten wollen, beschreibt Schulz genau Art und Gattung der fotografierten Pflanzen. Sehr sympathisch und dazu noch arbeitserleichternd ist, dass er den Garten in einer von der Natur selbst gewählten Form ruhen lässt. Während Gehölze durch Laubabwurf Gewicht und Wasserhaushalt reduzieren, schaffen es einige mutige Spätblüher nicht, sich der eisigen Hand des Frostes zu entziehen. Der Winter, ein Mausoleum für blühende Pflanzen.

Wenn das Grün der Blätter fehlt, fallen Strukturen umso mehr ins Auge. Gräser und Gehölze definieren den Anblick, der Formschnitt der Immergrünen erhält durch die Witterung ein weißes Kleid. Schön, wie Schulz alte Blütenstände überwintern lässt, sie lockern die strengen Formen der Äste und Zweige auf. Um den eigenen Garten ähnlich ansprechend zu gestalten, hat Schulz viele kreative Vorschläge parat, die sich vor allem auf die richtige Auswahl der Pflanzen beziehen. Unterschiedliche Rindenstrukturen und Gehölzfarben, sowie einige wenige Winterblüher verwandeln auch den winterlichen Garten in ein Paradies.

Zurückhaltung und Respekt

Dennoch sollte das Motto des Gärtners im Winter das der Winterruhe bleiben. Wer nun seinen Garten mit Schnitten und Aufräumarbeiten belastet, stört den wohlverdienten saisonalen Schlaf. Schließlich sollen die Pflanzen für den Frühling neue Kraft schöpfen. Der Winter bleibt eine »tabula rasa« für bevorstehende Frühlingsträume, die Ruhe sei nicht nur dem Garten, sondern auch dem Gärtner vergönnt. Von der Rolle des Gestalters in die des Beobachters gedrängt, sind ihm gottlob in gärtnerischer Hinsicht weitgehend die Hände gebunden. Es bleibt die Möglichkeit, den Winter zu genießen und zu betrachten.

Titelangaben:

Claus Schulz, Jürgen Becker (Fotografien): Der Garten im Winter. Eine Spurenlese in faszinierender Vielfalt.

München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2014. 144 Seiten. 29,99 EUR.

Kirsten Hinkler, Marc Hartmann: Mein Name ist Lennox.

Hallo Lennox!

Und alle anderen Kinder auf dieser Welt, die es genau so gut wie Lennox haben. Denn Lennox wohnt in einem Baumhaus. Immer. Mit Eltern und Bruder in benachbarten Baumhäusern. Durchs Jahr begleitet von Kirsten Hinkler und Marc Hartmann, die mit poetischen Bildern und feinem Strich einem Kinderleben den Zauber geben, den wir Eltern heute manchmal vermissen. Mein Name ist Lennox erinnert daran, dass sich Kinder immer noch draußen am wohlsten fühlen.

Für Lennox sind Eltern so, wie sie für alle Kinder sein sollten: wohlwollend im Hintergrund platziert. Sie umsorgen und lieben ihre Kinder, niemand friert, bei Albträumen werden Gespenster verjagt und für Nahrung ist gesorgt. Aber ansonsten? Ansonsten lebt Lennox auf seinem Baum, in einem Baumhaus und lacht über die Sorgen seiner Mutter unten hinweg. Klingt das nicht zauberhaft? Hatten wir nicht eine ähnliche Kindheit?

Wild sein dürfen

Lennox darf wild sein. Viele von uns Eltern durften das auch. Aber wir wollen nicht mehr so gerne, dass unsere Kinder wild sind. Während Lennox im Baumhaus davon träumt, ein Vogel zu sein, werden unsere Küken eingesperrt und mit dem Auto von A nach B gefahren. Lennox spielt und baut in seinem Baumhaus. Sein Spiel ist unendlich und ziellos, nur manchmal greifen Vater oder Mutter ein, wenn Lennox sie braucht. Das gibt allen Freiheit. Eltern wie Kindern.

Spätestens nach den ersten paar Seiten stellt sich die Frage, für wen Hinkler und Hartmann eigentlich geschrieben haben, für die Eltern oder die Kinder? Das Kinderbuch ist künstlerisch hochwertig gestaltet, kaum wagt man, es anzufassen. Aber warum eigentlich sollen kleine Kinder keine kostbaren Bücher lesen? Verstehen sie die Formensprache eines Künstlers? Das sind eigentlich viel zu viele Fragen für die simple Handlung dieses Buches. Lennox ist gern draußen, das ist es.

Fantastische Abenteuer

Alleingelassen, erleben viele Kinder fantastische Abenteuer. Vor allem, wenn sie wie Lennox die Gelegenheit haben, draußen zu spielen. An der starken, unkalkulierbaren Natur lassen sich so wunderbar Kinderkräfte messen. Und ist es nicht erstaunlich, dass die Kinder draußen meist unser Erwachsenenleben führen? Behausungen werden gebaut, die Großen kümmern sich um Kleine, es wird repariert, gepflanzt und geerntet.

Lennox lernt auch, Respekt vor den Kräften der Natur zu haben. In seinem Baum leben viele Tiere. Im heißen Sommer gibt er seinem Baum zu trinken und als Dank schwillt eine Pfütze zu einem See an und beschert vielen Kindern einen herrlichen Badetag. Doch als ein Sturm aufkommt, wird der Baum zur Gefahr. Erst drinnen, im Baumhaus, in der vermenschlichten Natur, kann Lennox sich bei Tee und Kuchen wieder ausruhen.

Einklang mit der Natur

Wie wunderbar so ein Baum ist, merkt Lennox auch, als die Erntezeit naht. Es wachsen so viele Früchte auf den Bäumen, sie ernähren ihn und seinen kleinen Bruder. Im Herbst gibt es dank des Blätterregens ein letztes Farbenfeuerwerk. Doch geht der Baum nun zu Bett, um Winterschlaf zu halten? Keineswegs, denn im Winter wird der Baum zum ruhigen und gutmütigen Gefährten bei Schneeballschlachten und Schneemannbauten. Aber trotzdem sehnt Lennox sich nach dem Frühling.

Ich finde, Hinkler und Hartmann haben liebevoll und fein beobachtet und gezeichnet, wie Kinder draußen spielen. Das rührt mich sehr. Weil das Buch aber sehr besonders ist, weiß ich nicht, mit welchem meiner Kinder ich es lesen sollte. Mit einem fantasiebegabten Kind auf jeden Fall, mit einem Kind, das gerne draußen ist und Abenteuer erleben möchte. Mit einem Kind, das seine Eltern liebt und auch Geschichten. Was schreibe ich da? Alle Kinder sind so.

Titelangaben:

Kirsten Hinkler, Marc Hartmann: Mein Name ist Lennox.

Berlin: Waldhuhn Verlag, 2014. 32 Seiten. 14,95 EUR.

Barbara Baumann, Qsi Gisler (Fotos): Neues aus alten Zeitungen. 60 Projekte für spielerisches Recycling.

Nichts ist wertvoller als die Zeitung von gestern

Ich stelle voran, dass ich eine große Verehrerin von Barbara Baumann bin. Schon ihr Buch über Papierschmuck hat mich geflasht. Nun macht sie auch noch Neues aus alten Zeitungen. Das ist sozusagen ein logischer Schritt, den der Haupt – Verlag gewohnt professionell und ästhetisch in Buchform gebracht hat. Ihre 60 Projekte für spielerisches Recycling werde ich nicht mal ins Bücherregal einstellen. Ich platziere das Buch besser gleich auf meinem Werkeltisch.

Man weiß gar nicht so recht, wo man mit dem Lob anfangen soll. Vielleicht am besten damit, dass sie sich auch noch verbal kurz fasst und so ihr Werk sprechen lässt. Alles, was sie zeigt, ist einigermaßen unaufwendig nachahmbar. Es wird nach einem kurzen einführenden Vorwort und etwas Begriffserklärung sofort losgearbeitet. Kopieren und schneiden stehen an vorderster Stelle und was Barbara Baumann mit den Kopien macht ist so einfach wie wirkungsvoll.

Warhol? Baumann!

Zeitungsausschnitte werden mehrfach kopiert und à la Warhol mit Stiften oder Pinsel unterschiedlich koloriert. Auf Karten und Umschlägen entstehen so reizvolle Grafiken. Größer kopiert, können Zeitungsgrafiken dank Transferfolie auch T-shirts und Taschen zieren. Nichts für meine anhaltende monochrome Phase, aber zum Beispiel für Kinder sehr süß. Bemalt oder bedruckt man Zeitungspapier großflächig, erhält man wunderschönes Geschenkpapier.

Auch Kunstwerke für Zuhause werden gefertigt. Schon mal Zeitungsbilder teilweise mit Deckweiß übermalt? Es entstehen interessante Farbwirkungen, die Fotos wirken sehr verfremdet. Zerknittert und zerknüllt lassen sich Objekte zaubern, die der Vergänglichkeit huldigen – von Sichtschutz über Kränze bis hin zu Bällen und Perlen. Gebündelt werden aus Zeitungen bequeme Hocker und meine Kinder stanzen Konfetti aus Prospekten.

Flechtwerk

Auch geflochten sind Zeitungspapiere schön, Schriften verändern sich, das Papier wird stabiler und aus geflochtenem oder genähtem Zeitungspapier lassen sich faszinierende Patchworkarbeiten herstellen. Toll finde ich auch den Schlüsselanhänger aus Zeitung, ich stelle mir vor, ich könnte auch einen Gürtel nach dem gleichen Prinzip arbeiten. Baumann hat nach der gleichen Technik auch ein Etui gemacht, es sieht sehr schlicht und schön aus.

Selbst gehäkelt und gestrickt wird mit Zeitung. Ich habe es schon ausprobiert. Baumann lässt einfach ein paar Zeitungsseiten durch den Reißwolf wandern und näht die dünnen Streifen dann mit farbigem Garn im Zickzackstich zusammen. Damit wird gearbeitet. So werden Ketten, Bilder und Objekte gehandarbeitet. Aus Papierschnur wird gewebt, mit Zeitungspapierrollen werden dreidimensionale Objekte gebaut und schließlich, bevor der Kopf zu rauchen beginnt, wird es gegen Ende des Buches noch einmal einfach.

Nutzbar

Wem es zwischendurch zu künstlerisch war, wird sich freuen, wenn am Ende des Buches einfach nur gefaltet und unterfüttert wird. So entstehen wieder schöne Karten, Briefkuverts, aber auch in Kaschiertechnik gefertigte Schalen und – dank Decoupagelack – verzierte Boxen und Möbel. Wer mag, darf auch schöpfen und Modellieren, es scheinen der Möglichkeiten und der Fantasie keine Grenzen gesetzt zu sein. Gerade weil es so vielseitig ist, ist Baumanns Buch so schön zum selber haben und weil Qsi Gisler so toll fotografiert hat, ist es auch ein wunderbares Buch zum Weiterschenken.

Titelangaben:

Barbara Baumann, Qsi Gisler (Fotos): Neues aus alten Zeitungen. 60 Projekte für spielerisches Recycling.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 176 Seiten. 24,90 EUR.

Ulrike Münch: Das Ornament. Auf den Spuren der Macht I

Spannung in der Schule

Ulrike Münch hat beim Narayana Verlag ihr Erstlingswerk vorgelegt: Das Ornament. Auf den Spuren der Macht I ist der Beginn einer Reihe fantastischer Abenteuer. Es empfiehlt sich, als Erwachsener bereits gelesene Fantasyromane zur Seite zu legen und nicht zu vergleichen. Denn auch hier kommt ein Fantasyroman für Kinder und obwohl vieles dem traditionellen Klischee folgt, sorgen unerwartete Wendungen für Spannung und Freude beim Lesen.

Zugegeben, ich bin Tolkien-Leserin und als solche verwöhnt vom Sprachduktus eines Linguisten. So brauchte ich ein bisschen Zeit, mich daran zu gewöhnen, ein dickes Buch nicht mit Erwachsenen- sondern Kinderaugen zu lesen. Sprachlich nämlich lässt dieser Roman zu wünschen übrig, doch das war auch seinerzeit meine Begründung Harry Potter nicht zu lesen. Die Geschichte selbst ist einfach gestrickt, aber schlüssig und birgt doch ein paar Überraschungen.

Klassischer Kampf zwischen Gut und Böse

Klar, dass die Protagonisten typische Antihelden sind. Spätestens seit Bastian Balthasar Bux wissen wir, dass wahre Größe nicht im Äußeren liegt. Lukas und Moppel sind Freunde, ersterer ein schmächtiger Asthmatiker, letzterer ein übergewichtiger Kumpeltyp. Sie erfüllen damit alle Klischees und das stört mich ein wenig, macht es den Plot doch vorhersehbar. Lukas ist in den Besitz eines rätselhaften Lederbeutels und eines Pergaments gekommen. Doch woher stammen die Schätze?

Gut finde ich, dass beide Buben zwar in klischeehaften, doch funktionierenden Familien leben. Es müssen nicht immer alle Helden Waisen sein. Außerdem ergibt sich daraus ein schönes Spannungsverhältnis zwischen Familien- und Schulalltag auf der einen und den Abenteuern einer fantastischen Welt auf der anderen Seite. Lukas und Moppel würden gerne die Geheimnisse des Lederbeutels lüften. Dabei hilft ihnen Lukas‘ schrullige Tante Muriel, die ein Zwischending aus Hexe und Zauberin ist, aber im Moment etwas zurückgezogen in der Realität lebt. Sie übergibt Lukas ein geheimnisvolles altes Buch und stirbt daraufhin praktischerweise.

Stellenweise langatmig

Das Lesetempo im Buch ist sehr unterschiedlich. Ich fand es etwas mühsam, bis zu dem Punkt vorzudringen, an dem die Abenteuer endlich beginnen. Es dauert, bis Lukas und Moppel die alte Schrift enträtselt haben und Münch ergeht sich in Andeutungen über einen bösen verschrobenen Schulrektor, einen liebevollen Geschichtslehrer und einen seltsamen Busfahrer. Man möchte der Autorin stellenweise die Tastatur aus der Hand nehmen und weiterschreiben.

Doch als dann die Abenteuer beginnen, stürzen die Jungs Hals über Kopf ins Unbekannte. Sie werden jedesmal neu ins Buch hineingezogen, um an unterschiedlichen Orten Abenteuer zu bestehen und Bruchstücke eines Ornaments aufzusammeln, das dem Eigentümer grenzenlose Macht und Reichtum beschert. Klar, dass auch dunkle Gestalten hinter dem Ornament her sind, das dürfen Lukas und Moppel bald und schmerzhaft erfahren. Immer wieder aber helfen verkleidete Zauberer und Krieger den Jungen aus der Bredouille.

Atemberaubend am Schluss

Was am Anfang zu langatmig schien, erhält gegen Ende ein atemberaubendes Tempo. Natürlich ist der verschrobene Schulrektor der böse Gegenspieler der Jungs, doch welche Rolle spielt der Geschichtslehrer? Der Busfahrer jedenfalls entpuppt sich mehrmals als Retter in der Not und im letzten Kampf treffen Lukas und Moppel sogar eine wunderschöne, verjüngte Tante Muriel wieder, die als Tochter eines großen weisen Zauberers, der Lukas öfter im Traum erscheint, den Kampf gegen das Böse anführt.

Das Böse entpuppt sich als letztendlich entfesselter Dämon, dessen Jünger, der Rektor, mittels des Ornaments gerne alle Macht an sich reißen möchte. Gut, dass Lukas ganz am Schluss das Ornament zerstören kann. Doch was nun? Der Dämon wird von seinen Jüngern an einem geheimen Ort aufgepeppelt, Lukas und Moppel reisen zurück in die Gegenwart und die Geschichte scheint beendet. Doch ein kurzer Ausblick auf einen zweiten Teil gibt mir Rätsel auf. Wie will Ulrike Münch das bloß schaffen, hier anzuknüpfen? Es sind solche unerwarteten Wendungen und darüberhinaus die durchgehend kindgerechte Aufbereitung, die Münchs Roman lesenswert machen, auch wenn es schon so viele Fantasyromane für Kinder gibt.

Titelangaben:

Ulrike Münch: Das Ornament. Auf den Spuren der Macht I

Kandern: Unimedica im Narayana Verlag, 2014. 344 Seiten. 17,50 EUR.

Michaela Drosten: Durchstarten an der Nähmaschine. Tolle Projekte aus deinem Atelyeah.

Kleine Kinder, große Projekte

Ich hoffe ja schwer, dass meine Kinder einmal meine Leidenschaft fürs Selbermachen für sich übernehmen. Deshalb pflege ich immer wieder eine einseitige Literaturauswahl, die ich, schick verpackt, meinen Liebsten vor die Nase halte. Wunderbarerweise darf ich in diese Reihe nun auch Michaela Drostens Durchstarten an der Nähmaschine. Tolle Projekte aus deinem Atelyeah einsortieren.

Nachdem auch schon die kleine Friederike von mir ein Handarbeitsbuch zum Geburtstag bekommen hat, ist nun meine große Charlottte dran. Für sie habe ich Michaela Drostens Durchstarten an der Nähmaschine gewählt. Denn Charlotte wird immerhin schon zehn Jahre alt und eigentlich bin ich der Ansicht, dass sie langsam richtig Nähen lernen sollte. Kindgerecht erklärt und gut bebildert kann sie relativ gut die Grundlagen des Maschinennähens erfassen.

Gute Einführung

Mir gefällt, wie zielgerichtet Kinder ans Nähen herangeführt werden. Alle Materialien, Begriffe und schließlich auch die Nähmaschine werden genau erklärt. Dann geht es ans Üben. Natürlich kann niemand an einer Nähmaschine drauf los nähen. Es wird auf Papier geprickelt und es wird gezeichnet, ich finde diese Übungstechnik wirklich genial. Damit später ja alles klappt, wird auch ein Nähführerschein gemacht. Das Projekt? Ein Nadelkissen natürlich.

Nun geht es an die Projekte. Und sie sind alle total süß und wirklich hübsch und einfach zu nähen. Ob schräge Vögel zum Kuscheln, Utensilos, ein eigener Wäschesack, Wandaufbewahrungen, Türstopper, Beutel, eine Flötenhülle, Mäppchen, Lesekissen, Schürzen, Loops, Beanies, Kissen, Röcke, Lunchbags, Armbänder und Tücher werden nacheinander schön bebildert in gut verständlichen Anleitungen genäht.

Nichts zu meckern

Weil es für meine Verhältnisse echt selten ist, muss ich sagen, dass ich an diesem Buch wirklich nichts zu bemängeln habe. Ganz abgesehen davon, dass ich beigefügte Schnittmusterbögen am Ende eines Nähbuches traumhaft finde. Vor allem, wenn ich nichts mehr vergrößern muss. Für alle, die sich gerne an genaue Herstellerangaben halten, gibt es genügend Adressen, wo die hübschen Stoffe zu beschaffen sind.

Es ist einfach hilfreich, wenn eine Autorin ein Buch über etwas verfasst, das sie von der Pike auf gelernt hat. Michaela Drosten hilft als gelernte Schneiderin Erwachsenen und Kindern in ihrem Atelyeah bei der Umsetzung ihrer Kreativprojekte. Nun muss ich ihr Buch nur noch Charlotte unter die Nase halten und darauf hoffen, dass das Nähfieber meine Große so richtig packt. Und das muss es einfach!

Titelangaben:

Michaela Drosten: Durchstarten an der Nähmaschine. Tolle Projekte aus deinem Atelyeah.

Igling: Edition Michael Fischer, 2014. 112 Seiten. 16,99 EUR.

Lene Knudsen: Mug Cakes. Trendige Tassenkuchen in 5 Minuten

Eine Tasse Kuchen, bitte!

Kuchen und Kekse sind etwas wunderbares, vor allem wenn der Duft frisch gebackenen Kuchens durch die Küche schwebt und die Kaffeepause zu etwas Besonderem macht. Lene Knudsen weiß das und präsentiert nun liebevoll gestaltet im Thorbecke Verlag die Variante für den kleinen Haushalt oder den Kaffeenachmittag mit der liebsten Freundin. Mit den Mug Cakes gibt es keine Entschuldigung mehr fürs Backen!

Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, weil ich eigentlich dachte, irgendeine superschnelle Kaffe- und Kuchenvariante damit hervorzaubern zu können. Das ist auch bestimmt möglich – für alle Menschen außer mir. Es liegt nicht am technischen Equipment (ich habe schließlich wieder eine Mikrowelle), sondern schlicht an der Anzahl der Interessenten. Mug Cakes setzen voraus, dass nicht mehr als zwei Teilnehmer einen Kuchen haben wollen.

Originelle Rührkuchenvariante

Basisteig ist ein Rührteig, der je nach Rezept verfeinert und garniert wird. Er ist im Resultat weicher und breiiger als Rührteig, weil er nur 1 Minute 40 Sekunden in der Mikrowelle gebacken wird. Deshalb werden Mug Cakes gelöffelt. Nachdem niemand Angst haben muss, dass sein Kuchen nach dem Backen auseinander fällt, da er ja durch eine Tasse geschützt ist, macht Knudsen die verrücktesten Sachen mit den Kuchen. Es werden Schokolade, kandiertes Obst, Karamellbonbons und Marshmallows kurzerhand versenkt und mitgebacken.

Mug Cakes sollten schnell verzehrt werden, es lohnt sich also, nur zu backen, was wirklich gegessen wird. Sie werden deshalb auch warm serviert. Meine Kinder waren schon beim Durchblättern hin und weg, denn Layout und Fotografien sind wirklich sehr vielversprechend. Zusätzlich zu den Mug Cakes gibt es noch Rezepte für Mug Cookies, die ebenfalls lauwarm und weich gegessen werden. Hier fehlen meist die flüssigkeitsliefernden Zutaten wie z.B. Sahne oder Fruchtpürees.

Perfekt für den kleinen Haushalt

All die Vorteile der Mug Cakes arten zu Nachteilen aus, wenn ich sie in meinem Haushalt eingliedern möchte. Ein Kuchen in der Tasse? Für sechs Kuchen in sechs Tassen ist der Zeitaufwand fast genauso groß wie für einen ganz normalen Rührkuchen. Zudem hält mein Rührkuchen auch ein paar Tage, für den Fall, dass der große Hunger nach der halben Portion gestillt ist. Schlimmer wird es, wenn ich Kuchen für Freunde mit einplane, die im Normalfall auch Kinder haben.

Ich habe also schlicht ein Mengen – und Aufwandsproblem. Denn selbst wenn ich nur mit meiner Freundin sitzen und quatschen wollte, würde ich wahrscheinlich, wenn ich mich schon zum Backen aufraffe, immer für den Rest der Familien mitdenken wollen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass meine Kinder wildes Gekeife veranstalten würden wenn es darum geht, die Tassen auf die Mäuler zu verteilen.

K(l)eine Auszeit

Was mir also am meisten an den Mug Cakes gefällt, nämlich die Möglichkeit, sich im Alltag unaufwendig eine kleine und leckere Auszeit zu gönnen, ist genau, was in meinem Alltag nicht geschehen wird. Wahrscheinlich würde ich überlegen, welche Kleinfamilien und Singles ich in meinem Umkreis mit den Mug Cakes glücklich machen kann, denn sie sind die ideale Mug Cakes Zielgruppe. Klein, lecker, schnell, unaufwendig und ohne großen Dreck in der Küche. Ach, es könnte so schön sein….

Titelangaben:

Lene Knudsen: Mug Cakes. Trendige Tassenkuchen in 5 Minuten.

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2014. 72 Seiten. 9,99 EUR.

Kirsten Hinkler, Marc Hartmann: Carlin kopfüber

Alles zu seiner Zeit

Fliegen oder nicht fliegen – Carlin stellt sich diese Frage erst mal nicht. Wann kommt im Leben einer kleinen Fledermaus der richtige Zeitpunkt für irgendetwas? Wir Eltern stellen uns diese Frage doch dauernd. Spricht mein Kind zu spät? Laufen die anderen früher? Nach vier Kinder kann ich beruhigt sagen- alle meine Kinder laufen, sprechen, lernen, jedes zu seiner Zeit. Wie Carlin kopfüber. Vielen Dank deshalb an die Künstler Kirsten Hinkler und Marc Hartmann, dass sie sehen, wie Kinder lernen.

Carlin macht entweder gar nichts oder er macht es mit Karacho. Er wird nicht still geboren, er kommt mit einem Rumms auf die Welt. Dann macht er erstmal außer Essen und Kucken nicht viel. Wie mein Johann. Die kleine Fledermaus ist unserem zurückhaltenden Sohn sehr ähnlich. Und wie Carlins Eltern frage ich mich ständig: »Ist das in Ordnung? Müsste er nicht längst?« Ich denke, das haben sich die Eltern Hinkler und Hartmann auch gefragt, bevor sie als Vater und Mutter lernen mussten, dass man manchmal nur zukucken kann.

Zarte Striche für große Träume

Nun wäre es aber für kleine Kinder ein fades Buch, wenn der pädagogische Zeigefinger derart erhoben auf die Eltern zugerast käme und für die kleinen Leser nichts mit im Päckchen wäre. So ist es gottlob nicht. Denn während die Eltern gerne ernsthaft über die Textaussage nachdenken dürfen, können die Kinder in den zauberhaft zart gezeichneten Bildern der beiden Künstler schwelgen, dürfen von der großen Freundschaft zwischen der kleinen Fledermaus und der winzigen Motte erfahren, vom Fressen und Gefressen werden, von den wunderbaren Abenteuern auf der nächtlichen Blumenwiese.

Dass Carlin dabei ganz nebenbei doch noch fliegen lernt und zwar wieder mit Karacho, geht dabei fast unter. Denn für ein Kind ist von Anfang an klar: natürlich lernt Carlin fliegen. Schließlich ist er eine Fledermaus. Kinder stellen sich solche Fragen nicht, weil ihre Welt noch viel klarer gestrickt ist. Das schreckhafte »Was wäre wenn?« seiner Fledermauseltern kann Carlin nicht nachvollziehen. Er wartet einfach auf den Tag, an dem er von sich aus fliegen kann. Und der Tag kommt.

Ein Buch zum Schenken und Träumen

Weil Hinkler und Hartmann so zart und detailliert zeichneten, finde ich es schwierig, das Lesealter richtig einzuteilen. Ich denke, Jakob und Johann werden es gleichermaßen lieben. Johann kann vielleicht weniger mit dem Inhalt anfangen, da auffallend unspektakulär, ohne Monster und ohne Autos, aber er liebt schöne Bilder und wird die Zeichnungen mögen. Jakob hingegen wird die Geschichte der Freundschaft zwischen der Motte Berga (ein Wortspiel, das außer mir in diesem Haus niemand geblickt hat) und Carlin mögen, denn er kuckt sich gerne Tiere und Blumen an. Für alle, die überdies ein schönes Geschenk für ein kleines Kind suchen, ist Carlin kopfüber ideal, gerade weil es so hochwertig gedruckt und so schön gezeichnet ist.

Titelangaben:

Kirsten Hinkler, Marc Hartmann: Carlin kopfüber

Berlin: Waldhuhn – Verlag 2014. 32 Seiten. 14,95 EUR

Torgeir Berge, Berit Helberg: Tinni & Sniffer. Eine abenteuerliche Freundschaft.

Wo Fuchs und Hund sich „Gute Nacht“ sagen

An Weihnachten wünschen wir uns nichts mehr als schöne Märchen, die gut ausgehen. Wir begnügen uns zur Not auch mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, wenn sonst nichts zu haben ist. Aber Gottlob hat der Unimedica Verlag ein gutes Näschen und mit Torgeir Berge und Berit Helberg ein kongeniales Autorenteam verpflichtet, die eine herzerwärmende Geschichte der Freundschaft zwischen Fuchs und Hund zum Besten geben. Dass Tinni und Sniffer auch noch auf Tatsachen beruht und Berge ein wunderbarer Tierfotograf ist, tut sein Restliches dazu.

Die zauberhafte Geschichte ist schnell erzählt. Fotograf Torgeir Berge geht eines Tages mit Schäferhündin Tinni spazieren, als ein junger Fuchs aus dem Wald auf die beiden zugelaufen kommt und mit Tinni spielen will. Schnell stellt sich heraus, dass Sniffer ein Fuchswaisenkind ist und Berge und Tinni beginnen, sich ein bisschen um Sniffer zu kümmern. Der wiederum bedankt sich mit wunderbaren Aufnahmen von sich und Tinni beim Spielen, Kuscheln und Auskundschaften.

Weihnachtsmärchen für Große und Kleine

Autorin Berit Helberg versucht, die Geschichte dieser außergewöhnlichen Freundschaft von der Warte der beiden Vierbeiner zu erzählen. Natürlich gelingt dies nicht immer, manchmal wirkt der Text etwas weit her geholt. Doch stets bleibt Helberg nah an den Bildern und am Wesen des Fuchses. Besonders dieses verhilft den großen und kleinen Lesern zu erhellenden Momenten und es wird viel gelernt über den roten Bewohner des Waldes.

Wissenswertes vermengt mit amüsanten Momentaufnahmen einer berührenden Freundschaft – aus solchen Zutaten werden Märchen gestrickt. Ob Sniffer mit Tinni nach einer neuen Behausung sucht, warum Füchse Bäume hoch klettern können und Hunde nicht, was Sniffer auf dem Eis macht, wie Füchse laufen und warum der Traktor auf dem Feld nebenan stört. All diese Augenblicke der Begegnung zwischen Mensch, Fuchs und Hund werden fest gehalten und mittels kleiner Anekdoten erläutert. Dieses Buch macht gute Laune und ist einfach sehr, sehr süß!

Titelangaben:

Torgeir Berge, Berit Helberg: Tinni & Sniffer. Eine abenteuerliche Freundschaft.

Aus dem Norwegischen von Uwe Meyer.

Kandern: Unimedica im Narayana Verlag. 106 Seiten. 19,80 EUR.

Rebecca Lina: Mama näht & ich helf mit. 33 zauberhafte Nähprojekte für Mama und Kind.

Hübsches für große und kleine Schneiderinnen

Es ist ein Buch zur Welt gekommen, ganz für mich allein! Naja, nicht nur für mich. Für mich und Friederike. Denn wir zwei sind hier die Stofftanten und vor allem ist Friederike noch im begeisterungsfähigen Schnippelalter. Vielen Dank, Rebecca Lina, für Mama näht und ich helf mit.

Ich weiß schon, mit wem ich einen Heidenspaß an diesem Buch haben werde.

Ganz ehrlich: wenn Ihr ein tolles Buch in den Händen haltet, das sich mit einem Thema befasst, das mehr oder weniger in Euren Alltag integriert ist – dann braucht man auch die Grundlagen nicht immer, oder? So jedenfalls rechtfertige ich meinen Entschluss, großzügig über Vorwort und Basiswissen hinweg zu blättern. Lieber will ich sehen, was Friederike mit mir nähen kann. Die Fotos zumindest sind schon mal sehr vielversprechend.

Nähen zum Spielen

Ich würde sagen, für Mädchen bis 8 Jahre ist dies ein wunderbares Buch. Alles, was kleine Damen gerne spielen, wird hier kreativ abgeklappert. Super finde ich, dass bei jedem Projekt die Schritte gesondert angegeben sind, die ein Kind selbst durchführen kann. Gleich zu Anfang wird ein Cupcake Stand mit Cupcakes gebaut, gebacken und genäht und mir gefällt, wie umfassend Lina das Projekt durchzieht. Nicht nur Kuchen werden genäht und geklebt, sondern auch der Stand selbst und ein Aushängeschild. Sehr süß.

Das Tipi aus Spitzenstoff und den darauf folgenden Indianerschmuck aus weißen Federn mit weißer Spitze haut mich dagegen nicht vom Stuhl, so etwas habe ich in den letzten zwei Jahren des Öfteren in Büchern gesehen, ich werde langsam abgebrüht. Auch das Steckenpferd ist sehr hübsch und gepunktet, doch die wahnsinnige Variante davon steht in meinem Keller und ich mag sie auch. Bevor ich aber beginne, mich zu langweilen, amüsieren mich die Fische für kleine Hochbettangler. Ein Angelspiel in groß, sehr lustig und leicht anzufertigen. Die Fische werden genäht und an Angeln gebunden – warum eigentlich nur mit Haken versehen, damit ein richtiges Spiel daraus wird?

Kleiner Schnickschnack für den Alltag

Die stoffbezogenen Pflasterdosen sind ebenfalls fast banal, aber ich finde, sie sind ein echt hübsches Mitbringsel und sollten überdies in keiner Mamahandtasche fehlen. Auch die Kirschkernkissen in Wolken- und Herzform sind schön, aber ich habe sie schon genäht. Hier gefallen mir vor allem die zarten Stoffdesigns und der Gedanke, dass Kinder sich die Vorlagen für ihre Kirschkernkissen eigentlich auch selbst malen könnten.

Die Zahnfeewelt mag ich nicht, mit vier Kindern steht man ziemlich bald auf Kriegsfuß mit der Zahnfee und will nicht an den nächsten Wackelzahn erinnert werden. Auch Schwert und Schild für Ritterjungs finde ich eher bemüht. Meine rüpelhaften Buben würden sich nie mit Stoffschwertern begnügen oder sich grad deswegen umso mehr prügeln. Ich sehe schon, nichts habe ich im Griff. Dafür gefallen mir die Kinderkronen. Sie sind natürlich total einfach zu nähen, ich hätte sie oft gerne als Geburtstagskrone gehabt und konnte mich einfach nicht zum Nähen aufraffen.

Schmuck und Tand für kleine Feen

Die Fotos sind natürlich sehr zauberhaft und Sternchenhaarschmuck wird noch schöner, wenn er auf einem hübschen Kopf sitzt. Linas Ideen sind oft sehr leicht und durchführbar, Friederike könnte die meisten Schnitte selbst aufzeichnen und auch einiges mit der Hand nähen. Das Tutu kann sie sogar ganz alleine anfertigen, das finde ich super! Dagegen bleibt die Mithilfe auf der Strecke, sobald es um Kleidung geht. Friederike würde wohl gerne mehr machen als nur Stoff aussuchen… Es geht wohl nicht anders, doch ich finde es wirklich schade, denn gerade dort, wo meine Kleine bei Erfolg am stolzesten sein könnte, kann sie nichts machen. Am Ende wird sie wohl vor allem über den schönen Fotos schwelgen und mir sagen, was ich alles nähen darf.

Titelangaben:

Rebecca Lina: Mama näht & ich helf mit. 33 zauberhafte Nähprojekte für Mama und Kind.

Igling: Edition Miachel Fischer GmbH, 2014. 144 Seiten. 16,99 EUR.

Antje Rittermann, Susann Rittermann: Werkstatt Holz. Techniken und Projekte für Kinder.

Selbst ist das Kind!

Zugegeben, mein Haushalt ist in DIY – Dingen sehr frauenlastig. Ich koche, ich nähe, ich stricke, ziemlich oft klebe ich mit Karton. Meine Mädchen und Buben lieben alles, was ich mache und werkeln fleissig mit. Antje Rittermann und ihre Zwillingsschwester Susann haben sich aufgemacht, um dem Abhilfe zu verschaffen. Werkstatt Holz garantiert mir durchführbare Projekte mit meinen Jungs und Mädels, die endlich nichts mit Frauensachen zu tun haben. Spannend.

Antje und Susann Rittermann haben großes Vertrauen in Kinder ab 5 Jahren und gehen in die Vollen. Es wird geschnitzt, gewerkt, gebohrt, gefeilt, geleimt, genagelt und gebildhauert. Das ist toll, denn so entstehen auf knapp zweihundert Seiten viele unterschiedliche Projekte, die sowohl für Mädchen und für Jungs geeignet sind. In den einzelnen Kapiteln gibt es jeweils kurze Einführungen zu Werkzeug und Technik, so dass ich nun ziemlich genau weiß, wonach ich in unserer Werkstatt gezielt kucken muss.

Gestalten mit Holz

Ich finde es toll, dass mit dem Schnitzen angefangen wird. Hat man das richtige Werkzeug – und die Rittermanns sorgen dafür, dass ich es erkenne – , scheint mir dies die einfachste Technik um mit dem Werkstoff Holz vertraut zu werden. Für den Fall, dass man selber wenig Fantasie hat, werden genügend Projekte vorgeschlagen, die in verschiedenen Schwierigkeitsgraden für Kinder ab fünf Jahren durchführbar sind.

Gesägt werden dann später zum Beispiel ein Weihnachtsbaum, ein Hai, der wirklich schwimmen kann, Mäusehaus und Zwergenhäuser sowie ein Alligator. Mir gefallen die Einsetzbarkeit der Technik (Weihnachtsbaum) und die Tatsache, dass wie in Fällen des Hais verschiedene Antriebe der Kinder verbunden werden. Etwas selber machen – toll. Damit im Wasser pritscheln? Supertoll! Außerdem ist der Hai beliebig groß und man könnte ihn auch im Weiher oder See schwimmen lassen, sofern man bereit ist, sich tendentiell von ihm zu trennen.

Verschiedene Schwierigkeitsstufen

Auch beim Bohren gefallen mir die durchführbaren Projekte, die über bloße Dekozwecke hinaus gehen. Es wird ein Brettspiel hergestellt, wer will, kann Namensschilder bohren. Besonders reizvoll finde ich, dass der Haupt-Verlag genialerweise wieder kleine Filme zur Verfügung stellt, die über QR-Codes abgerufen werden können. Hier werden Techniken und Projekte nochmal genauer erklärt. Für Kinder, die geschickt sind oder schon etwas älter, werden die Projekte auch etwas schwieriger.

Schließlich werden alle Techniken miteinander verbunden und echte Werkelfans können Werkzeugtafel, Motorräder, Schatzkisten, Stifte – Igel und Schlüsselbretter bauen. Als Mama gefallen mir auch die Tipps aus der Praxis gut, die auf Sicherheitsaspekte und Besonderheiten bei Gruppenarbeit hinweisen. Vier Kinder sind schließlich schon fast eine Gruppe! Auch die Hinweise im Anhang, bezüglich der Grundausstattung an Werkzeug und am Arbeitsplatz, bzw. der Ausstattung für Gruppen sind Goldes wert, will man sich wirklich ans Werkeln wagen. Ich für meinen Teil freue mich schon auf spannende Nachmittage in der Werkstatt.

Titelangaben:

Antje Rittermann, Susann Rittermann: Werkstatt Holz. Techniken und Projekte für Kinder.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 208 Seiten. 24,90 EUR.

Mikael Benichou: Le Cookie. Rezepte für American Sweets à la française.

Ein Traum vom feinen Geschmack

Mikael Benichou hatte die geniale Idee, französische Haute Cuisine auf traditionelle amerikanische Keksrezepte anzuwenden. So entstand auch ein Buch, Le Cookie. Rezepte für American Sweets à la française, das nicht nur eine Gaumen- sondern vielmehr auch eine Augenfreude für all jene Genussmenschen ist, die zum Nachmittagstee nicht einfach nur irgendein Gebäck servieren wollen. Zu schön, um wahr zu sein.

Der Thorbecke Verlag hat sich im Format völlig zu Recht auf quadratisch, praktisch, gut festgelegt und in seiner kompakten Form eignet sich Le Cookie wunderbar als Geschenk. Ich denke, als solches ist das Buch perfekt und auch gedacht. Die Rezepte sind sehr fein und unterscheiden sich von traditionellen Cookie-Rezepten meist dadurch, dass die Zutaten leicht abgeändert, bzw. schlicht verfeinert wurden.

Französische und amerikanische Tradition fein kombiniert

Die Zubereitung scheint mir jeweils einigermaßen aufwändig, kein Rezept ist von der Art, dass ich es einfach meinen Kindern zum Nachmittagsschmaus vorsetzen würde. Doch schwebt mir seit längerem vor, dass ich irgendwann einmal nette Leute zum Nachmittagstee einladen könnte und dafür sind die Cookies, Whoopies, Cupcakes und Macarons einfach perfekt. Es wird mit kandierten Orangen, Rosenblüten, Nougat, grünem Tee, Jasminextrakt und was weiß ich nicht alles experimentiert.

Die Fotos sind durchgehend zauberhaft, genau wie das Layout und allein deshalb den Kauf wert. Die Rezepte sind sehr lecker, bei den Macarons wird angenehmerweise viel weniger mit Lebensmittelfarbe hantiert als ich befürchtet hatte. Für die Ganache und die Macarons gibt es jeweils ein Grundrezept, das je nach Rezept verfeinert wird. Toll finde ich auch, dass Benichou offenbar nicht davon ausgeht, dass alle Normalsterblichen sämtliche auf dem Markt erhältlichen Backformen zuhause haben, die Macarons und Whoopies werden gespritzt, die Cookies gelöffelt.

Ein tolles Geschenk für tolle Geschenke

Meine Idealvorstellung wäre, Le Cookie jemandem zu schenken, der echt gerne und gut backt und mich von ihm zurückbeschenken zu lassen. Mit Cookies und Macarons. Höchstwahrscheinlich mach ich es genau anders, kann mich von dem Buch nicht trennen und backe selber alle Rezepte durch. Dann muss ich nur noch zusehen, dass mir meine Gäste und Kinder nicht alles wegfuttern und ich noch genügend Reste für mich zur Seite schaffe. Mmhh…..

Titelangaben:

Mikael Benichou: Le Cookie. Rezepte für American Sweets à la française.

Aus dem Englischen von Renate Christ.

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2014. 64 Seiten. 12,99 EUR.

Ibe-Meinhardt, Henry/ Simons, Natalie/ Wischnewski, Jan: Die Winterweihnachtszauberküche

An die Tafel, Herrschaften!

Ich bin doch wirklich ein gesegneter Mensch. Zum einen darf ich die Winterweihnachts-zauberküche aus dem Thorbecke Verlag rezensieren, zum anderen konnte ich gleich mal das Buch meinem Bruder unter die Nase halten, seines Zeichens Koch und in der Lage, noch besser als ich die Rezeptesammlung von Meinhardt, Simons und Wischnewski zu beurteilen. Darüber hinaus verzweifle ich angesichts der Feiertage regelmäßig und denke nun, dass ich endlich der Weihnachtsgans etwas entgegen zu setzen habe.

Ganz ehrlich, in Sachen Festtagsmenüs kann ich gern auf ein Vorwort verzichten. Dass es nett ist, begrüßt zu werden, weiß ich, aber weiß der Thorbecke Verlag, dass ich seit fünfzehn Jahren an Weihnachten eine Gans brate? Wir haben hier also einen Notfall und ich will ein Festtagsmenü. Tolle Fotos wie in diesem Fall sind notwendig, aber nicht hinreichend für einen bleibenden Eindruck, da bin ich als Rezensentin schon sehr verwöhnt.

Fünf Gänge für alle

Theoretisch lassen sich beliebig viele Fünf-Gänge-Menüs zusammenstellen, denn der Festtagszauber gliedert sich in „Vorspeisen“, „Suppen“, „Salate und Beilagen“, „Hauptgerichte“ und „Desserts“. „Weihnachtsbäckerei“ gibt es auch noch, interessiert mich aber nicht. Ich habe viele verschiedene Anforderungen an meine Menüs. Könnte ich vegetarisch kochen oder glutenfrei? Auf was sind wieviele allergisch und essen das meine Kinder überhaupt? Das hört sich sehr banal an, kann aber in der Kombination zu beliebig umfassenden Komplikationen führen.

Bei den Vorspeisen habe ich es unendlich leicht. Ganze acht davon könnte ich glutenfrei hinbekommen, bei den Allergien ist es etwas schwieriger (leider können wir keine Avocados essen) und das Schlimmste ist, dass ich jetzt schon weiß, was meine Kinder alles NICHT mögen. Couscous, Hummer, Kumquats, Ingwer und Spinat und ich bin nahe an Depressionen. Ich würde jede einzelne Vorspeise lieben, aber… Doch das Millefeuille aus Lachs, Ananas und Gurke ist glutenfrei und mit Zutaten bereitet, die alle mögen und das Rindercarpaccio mit Passionsfrucht und Limetten hört sich toll an. Hier gibt es sogar ein Lob von meinem Bruder, weil das Filet nicht gefroren wird, um es dünn aufzuschneiden. Perfekt!

Heiß aufgebrüht

Das Kapitel über die Suppen beginnt mit einer Enttäuschung. Flädlesuppe? Muss so etwas in ein Kochbuch? Es ist nicht einmal ein besonderes Rezept und Flädlesuppe gibt es bei mir daheim mindestens zweimal im Monat. Also wirklich. Viel interessanter finde ich da die Asiatische Suppe. Ich würde nur keinen Fischfond kaufen wollen. Und keine Asia – Fischsauce. Schade eigentlich. Die Gemüsesuppe mit Kartoffelravioli ist etwas für meine Kinder, sie ist aber nicht glutenfrei.

Die blaue Kartoffelsuppe irritiert mich und in Kombination mit Möhren und Orangen werde ich sie nicht servieren können. Ich frage mich, ob vielleicht noch etwas Spektakuläres kommt, doch es gibt nur Broccoli – und Blumenkohlcremesuppen mit Pfannkuchen und eigentlich gefällt mir von den Suppen keine einzige so richtig. Ich mag gern den asiatischen Touch und freue mich, dass zwei Suppenrezepte ihn haben, doch ansonsten blättere ich mich ein bisschen hilflos durch den Suppenteil.

Prickelnder Geschmack für zwischendurch

Umso begeisterter bin ich von den Salaten. Hier haben sich die Autoren relativ viel einfallen lassen und mir gefällt, dass ich keinen einzigen Salat so gemacht hätte. Da kann ich gut dazu lernen. Selbst mein Bruder hat sie alle abgenickt und ihm gefiel die Kombination genauso wie mir. Wenn das nicht spitze ist. Fruchtige und feine Geschmacksrichtungen ergänzen sich, wie z.B. beim „Garnelen- Mango – Granatapfelsalat“ , beim „Entenbrust-Chicorée-Salat“ oder beim „Seeteufel auf Feldsalat mit Mango und Granatapfelkernen“. Solche Rezepte liebe ich, sie garantieren mir eine Geschmacksexplosion zwischen Vorspeise und Hauptgericht.

Außerdem sind die meisten Salate und Beilagen leicht zuzubereiten bzw. lassen sich auch schon einen Tag vorher vorbereiten. Orientalische, asiatische und heimische Geschmacksrichtungen emulgieren hier zu ganz feinen Gaumenfreuden. Oft wird Salat mit tropischen Früchten und Fleisch oder Fisch aufgewertet, so dass er nicht nur Beilage, sondern ein eigenständiger Gang wird. Fast finde ich es schade, als dieses Kapitel zuende ist.

Einmal quer durchs Gemüsebeet

Die Hauptgerichte überzeugen mich durch ihre Vielfältigkeit. Natürlich gibt es die Klassiker: Wild, Rind, Geflügel, Fisch. Aber jedes Rezept hat etwas Eigenes und Auge und Gaumen werden gleichermaßen beachtet. Das Rinderfilet wird mit blauen Kartoffeln und Brombeersauce serviert. Die gefüllten Kalbsrouladen dürfen sich einer Füllung aus Rosinen, Lebkuchen und Äpfel erfreuen, ist das nicht eine wunderbare Abwechslung zu Speck und Essiggurken?

Gut, den Kürbisgratin brauchen zumindest meine Kinder nicht. Und an der Ente habe ich zu bemängeln, dass sie mit Aprikosen zubereitet wird. Wo bitte, soll ich im Dezember schmackhafte Aprikosen hernehmen? Das Doradenfilet mit Schwarzwurzeln und Petersilienmousse ist für alle gut, die nicht wie ich ein Vorurteil gegen Schwarzwurzeln hegen. Doch spätestens bei Seeteufelmedaillons mit Currysauce und Safranwalnüssen freue ich mich wieder und zwar so sehr, dass weder Lachs in Gewürzkruste noch Heilbutt mit Steinpilzen mich wirklich überraschen.

Das Beste kommt zum Schluss

Beim Nachtisch sieht es leider schlecht aus mit glutenfreien Gerichten, da er etwas Kuchenlastig ausfällt. Dafür werde ich keine Probleme haben, meinen Kindern Schokoladenbarren, Schokoladencreme, Weihnachtsgewürztarte, Nougatparfais mit Himbeercoulis, Mangodesserts oder Schokozitronentörtchen vor zu setzen. Einige Desserts, die ich hier nicht aufgeführt habe, werden mit Schnaps zubereitet, was immer total gut schmeckt für alle, die keine kleinen Kinder haben.

Ein paar wenige nachfolgende Seiten sind der Weihnachtsbäckerei gewidmet, der Vollständigkeit halber. Ich finde, das Kochbuch hätte auch ohne die paar Plätzchenseiten genug zu bieten, zumal man vielleicht sowieso ein Plätzchenbackbuch zuhause hat. Auf der anderen Seite hört sich das Florentinerrezept einfach sehr nett an…. Ich finde mir jedenfalls im Weihnachtskochbuch des Thorbecke Verlags mindestens drei alternative Menüs, die ich ohne Bedenken für unsere Familie und Freunde während der Feiertage zubereiten könnte und damit darf ich für meinen Teil sagen: Mission erfüllt!

Titelangaben:

Ibe-Meinhardt, Henry/ Simons, Natalie/ Wischnewski, Jan: Die Winterweihnachtszauberküche

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag 2014. 184 Seiten. 24,99 EUR.

Dolores Wally: Meine Nähmaschine und ich

Das kleine Nähmaschinen- ABC

Nähen ist In. Da gibt es solche wie mich, die schon Jahrzehnte lang nähen und sich freuen, dass ein Hobby, für das sie früher schräg angeschaut wurden, nun so unendlich hip ist. Und es gibt die vielen Neuanfänger, die voller Elan und mit einer Nähmaschine und einem Haufen Stoff sich hinsetzen und fast verzweifeln. Nur fast, denn damit das nicht passiert, hat Dolores Wally Meine Nähmaschine und ich veröffentlicht.

Ich wollte, Dolores Wallys Buch wäre früher erschienen. Um genau zu sein, vierzehn Jahre früher. Da habe ich meine erste Nähmaschine bekommen, um mein Brautkleid zu nähen. Ich hatte zuvor ein paarmal mit der Maschine meiner Mutter gearbeitet, aber die war noch älter und meine neue war mir ein Rätsel. Die einzige Hilfe, die ich hatte, war das Nähmaschinengeschäft meines Vertrauens, in das ich fast wöchentlich hineinspazierte und ahnungslos um Hilfe bettelte.

Hilfe bei den Grundlagen

Für alle, die noch vor der Kaufentscheidung für eine Nähmaschine stehen, gibt Wally auch hier nützliche Tips. Ich kann sie alle nur unterschreiben. Allerdings darf ich auch in einer Fußnote anmerken, dass selbst die beste Nähmaschine nichts nützt, wenn man chronischer Vielnäher ist und auch mit Vorliebe dicke Wintermäntel näht. Der Verschleiß beginnt quasi mit dem Kauf. Die ersten paar Seiten kann ich überfliegen, denn wie eine Nähmaschine funktioniert, weiß ich nach vierzehn Jahren doch.

Aber dann geht es los. Wally verficht meinen Lieblingslehransatz: Tätig sein. Jeder Stich, jeder Arbeitsschritt wird an einem kleinen, zeitlich terminierten Projekt genau erläutert. Hier kann nichts schief gehen, die Fotos sind eindeutig, die Anleitungen kurz und klar. Wally beginnt mit dem Quadarat, einem Nadelkissen, im nächsten Schritt verfeinert durch ein Gummiband. Es werden Reißverschlüsse eingenäht, hier konnte sogar ich noch feine Tricks lernen,

Nette Projekte

Vor allem für Anfängerinnen finde ich die Nähprojekte toll. Das Nadelkissen ist fad, aber notwendig. Die Kosmetiktaschen, süß, die Röcke, sehr hübsch und die Einzelheiten immer schlau und durchdacht. Ich brauche Wallys Buch nicht mehr, für mich kommt es zu spät, aber allen jungen Mädchen und Frauen, die sich fürs Nähen entscheiden und keine Mama oder Vertrauensperson bei Hand haben, kann ich es nur empfehlen. Über die ersten schwierigen Wochen hilft Dolores Wally auf jeden Fall hinweg, mit einer Leichtigkeit, dass die Freude am Nähen noch viel schneller kommt als sonst.

Titelangaben:

Dolores Wally: Meine Nähmaschine und ich

Wien: Verlag Perlen-Reihe, 2014. 128 Seiten. 12,95 EUR.

Nadja Bruhn: Kekskunst zum Selbermachen.

Kunst am Herd für alle

Backen ist eine Kunst! Das wusste ich schon immer und wieviel mehr ist es mir bewusst, seit Nadja Bruhn von der Keksmanufaktur Henk und Henri ihre Kekskunst zum Selbermachen in Buchform beim Kosmos Verlag für alle, die Zeit und Lust haben, zugänglich gemacht hat. Abgesehen davon, dass meine vier Naschkatzen dahinschmelzen angesichts augenbetörender Kreationen, kann nicht einmal ich Rohnatur mich dem Zauber kunstvoll gestalteter Kekse entziehen.

Ich finde Nadja Bruhn hat ein ganz wundervolles Buch geschrieben. Das liegt nicht am Keksteig, denn hier stützt sie sich auf einen ganz normalen Mürbteig, der dadurch glänzt, dass nur gute Zutaten verwendet werden. Also Butter statt Margarine, Vanilleschote statt Aroma etc. Solide, gute Backkunst, für die es auch ein altes Backbuch aus Großmutters Zeiten tut. Wirklich interessant wird es, wenn es ans Dekorieren geht!

Vom Mode- zum Keksdesign

Bruhn beschreibt, wie ihre Biographie sie vom Mode-zum Keksdesign geleitet hat. Kreativität, eigene Entwürfe und die Backkunst scheinen Konstanten in ihrem Leben zu sein. Nur logisch, dass Bruhn sie letztendlich alle miteinander kombiniert hat, um ein ausgefülltes Leben zu haben. Eine Zusatzausbildung zur Konditorin wappnet sie mit allem, was sie wissen muss. Diese Kniffs und Tricks kann sie nun in ihrem Buch weitergeben.

Die unglaublich tollen Entwürfe, die Bruhn vorstellt, leben natürlich von ihrem speziellen Design. Schnell stellt sich da die Frage, woher die entsprechenden Glasuren, Ausstecher und Fläschchen nehmen. Bruhn vertreibt einiges davon auf der eigenen Homepage bzw. gibt auch immer wieder Adressen von Händlern an, die besondere Formen, Glasuren, Lebensmittelfarben etc. anbieten. Außerdem sind im Anhang für größere Kekse ein paar Schnittformen angegeben, nach denen Keksschablonen aus Karton gefertigt werden können.

Jeder Zeit einsatzbereit

Ich kann aber auch bestätigen, dass selbst ohne großes Schnickschnackzubehör Bruhns Kekse sofort nachgebacken werden können. Das hab ich nämlich gemacht. Dazu reicht erstmal eine kleine Liste guter Zutaten (siehe oben), eine Grundausstattung an Lebensmittelfarben, ein bisschen handelsübliche Keksdeko (gibt’s im Supermarkt und manchmal auch beim Discounter) und ganz normale Ausstecher, wie man sie für die Weihnachtsbäckerei braucht.

Ich habe Mürbteigherzen gebacken, für die kleine Freundin von Friederike als Geburtstagsgeschenk. Ohne Zuckerschriftstifte, Esspapier und weiß-der-Himmel was. Die Glasuren habe ich entsprechend den Angaben gefertigt, ausstechen durften die Kinder. Der große, riesengroße Haken an Bruhns Kunst: die Zeit. Insgesamt habe ich zweieinhalb Tage für die Kekse gebraucht (nur ein Rezept!), weil sie vor jedem Arbeitsschritt vollständig durchtrocknen mussten. Die Mühe habe ich mir gemacht und ich erhielt mit wenig zugekauftem Extraaufwand bildschöne, sehr, sehr leckere Kekse. Und eine lange, sehr, sehr lange Liste von kleinen Leckermäulern, die mir alle ihr Geburtsdatum notiert hatten und ihre individuellen Kekswünsche darauf festgehalten hatten. Weshalb auch nicht? Es ist ein zauberhaftes Geschenk für Groß und Klein, so ein Kekskunstwerk.

Titelangaben:

Nadja Bruhn: Kekskunst zum Selbermachen.

Stuttgart: Kosmos Verlag, 2014. 144 Seiten. 14,99 EUR.

Bärbel Oftring: Voll eklig. 55 eklige Dinge und was dahinter steckt.

Kabinett des Grauens

Liebe Mamas, wenn es Euch geht wie mir, dann wollt Ihr dieses Buch gar nicht lesen. Denn es ist Voll eklig. Wenn Eure Kinder allerdings so drauf sind wie meine, dann gieren sie förmlich nach Bärbel Oftrings neuestem Forscherbuch, dass sich diesmal auf die Spuren des Ekels begibt. Ehrlich gesagt, sogar ich finde es stellenweise gut, im Nachhinein zu wissen, dass ich mit meinem Grausen recht hatte!

Ich möchte gerne Folgendes voraus schicken: Dieses neue Forscherbuch aus dem Haupt- Verlag ist Oftring genauso brilliant gelungen wie alle anderen. Quizfragen und Selbstätigkeit geben auf fast jeder Seite den Ton an, das Gelernte wird sofort vertieft und mit einfachen Experimenten ist die eigene Kreativität gefragt. Toll, wenn es nicht so eklig wäre! Denn Oftring schöpft aus dem Vollen und es ist garantiert alles in Extenso dabei, was Mamas soooo eklig finden.

Anthropologische Grundlagen des Ekels

Die Frage, der Oftring dabei auf jeder Seite auf den Grund geht, ist, weshalb wir bestimmte Dinge eklig finden und manche anderen nicht. Wo liegen kulturelle oder historische Unterschiede, welcher Ekel entstammt einem gesunden Warnsystem? Kinder lernen so viel über sich selbst, ihre Eltern auch, wenn sie wollen. Dass wir Insekten eklig finden, liegt daran, so Oftring, dass wir genügend anderes Essen haben. In Asien gelten frittierte Vogelspinnen dagegen als Delikatesse, die Aborigenes verspeisen riesige Maden.

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt zudem, dass die Menschen früher einen viel entspannteren Umgang mit dem pflegten, was wir heute als eklig bezeichnen. In Zeiten fehlender sanitärer Grundausstattung waren Fäkalien nur mittelprächtig eklig, ebenso wie Schweiß. Mittlerweile finden wir sogar Körperbehaarung widerlich, was unsere Großmütter wahrscheinlich überhaupt nicht verstanden hätten.

Körperimmanentes Frühwarnsystem

Dagegen hat der Ekel vor Mäusen, Ratten, Schaben und Aas biologische Ursachen. Wir wissen, welche Kleintiere Krankheiten übertragen können und wie gefährlich verwesendes Fleisch ist. Manchmal essen wir aber Rindfleisch, dessen Zersetzungsprozess bereits begonnen hat und das wir als „gut abgehangen“ bezeichnen würden. Schimmel dagegen ist gefährlich und wir ekeln uns mit vollem Recht. Ebenso wie vor Schaben, Motten oder Benutztem, den hier können gefährliche Keime sich wunderbar ausbreiten.

Abgesehen davon, dass für alle meine Kinder das Gruseln sooo schön ist und ich immer wieder die gleichen ekligen Kapitel lesen muss, lernen sie eine Menge über Hygiene und beginnen, über die eigenen Körperfunktionen und ihre Umwelt nachzudenken. Ich bin gespannt, ob ich nach der Lektüre noch genauso viele benutzte Taschentücher aufsammeln muss wie vorher. Bei jedem Kapitel kann man den persönlichen Ekelgrad feststellen und zum Schluß den individuellen Ekelchampion küren. Darauf habe ich, ehrlich gesagt, eher wenig Lust, mich kratzt und juckt es überall und ich verspüre das dringende Bedürfnis, mich gründlich rein zu brausen. Ich weiß jetzt schon, dass das Buch für uns eine Art Mutprobe im Freundeskreis werden wird. Wer traut sich, es zu lesen?

Titelangaben:

Bärbel Oftring: Voll eklig. 55 eklige Dinge und was dahinter steckt.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 129 Seiten. 19,90 EUR.

Tina Kraus: In Liebe verpackt. 180 Geschenkverpackungen für jede Gelegenheit.

Fulminanter Start in die Geschenksaison

Ich werde Tina Kraus wohl auf viele Jahre dankbar sein. Sie kann natürlich nicht wissen, dass gerade in meiner Familie ab Ende September die Geburtstagssaison beginnt, die sich bis März hinzieht, aber tatsächlich ist es ab dem dritten Geschenk in Folge schwer für mich, kreativ zu verpacken. Weil es eben nicht ganz meine Welt ist, bin ich so dankbar für Tina Kraus‘ In Liebe verpackt. Hier finde ich wirklich für jede Gelegenheit eine Verpackung!

Nicht ohne Hintergedanken bin ich eigentlich auf wiederverwertbare Stoffverpackungen umgestiegen. So kann ich meine fehlenden kreativen Fähigkeiten in diesem Bereich mit einer gründlichen Portion Umweltbewusstsein kaschieren. Allerdings geht das nicht immer. Die Stoffverpackungen setze ich grundsätzlich zu Hause ein, wir alle lieben sie. Schnell ist etwas ein- und ausgepackt, ohne auch nur ein bisschen Müll zu verursachen. Mein System stößt aber dann an Grenzen, wenn meine Geschenke sich auf den Weg zu anderen Leuten machen. Hier muss professionell gearbeitet werden!

Verpacken will gelernt sein

Für Nichtskönner wie mich gibt es auf den ersten paar Seiten einen Überblick über gängige Techniken wie Schleifenbinden einfach, mehrfach, doppelt, schwierige Formate verpacken, in Papier oder Stoff einwickeln (aha!), Schachteln selbst bauen (kann ich schon), auch in schwierigen Formen (kann ich nicht) und Notfallverpackungen. Notfallverpackung? Ich will auf keinen Fall etwas in Servietten einpacken, das machen meine Kinder doch ständig!

Aber dann kommen definitiv die guten Seiten, denn nun geht es ans Eingemachte. Geschenke werden mit Origamiblüten verpackt, Bänder in schönen Linien um das Papier gelegt und Pfauenfedern mit Satinkordeln fixiert. Mir gefallen vor allem die unaufwendigen, schlichten Ideen, ich finde die Wirkung ist enorm bei relativ kleinem Zeitaufwand. Anzumerken bleibt, dass Kraus‘ Entwürfe natürlich vom stets ausgesucht schönen Papier profitieren, hier habe ich einigen Nachholbedarf.

Von Schleifen und Blüten

Kaum wird schönes Seidenpapier benutzt, wirkt auch eine einfache Faltpapierblume wie ein exotisches Gewächs. Ist das eine Mogelpackung? Die Frage erledigt sich auf der nächsten Seite, wenn die komplizierten Sternschleifen zum Selbstbauen erklärt werden und man nun nicht mehr auf billig glitzernde Exemplare aus dem Weihnachtsdiscountgeschäft angewiesen ist. Selbiges gilt auch für Pompon – Schleifen aus edlen Satinbändern, die eben nicht aus billiger Plastikschnur gefertigt sind.

Natürlich ist mein Lieblingskapitel jenes, in dem mit Naturmaterial gearbeitet wird. Ein Buch in Packpapier einwickeln und ein Herbstblatt durchstecken? Einfach magisch! Federn, Lampionblumen, Farfalle, Blätter und immer wieder Blätter, im Frühling und Sommer auch Blüten und Gräser, sie geben einem Geschenk einen unverwechselbaren Charme. Aber hätte ich nicht auch selbst darauf kommen können?

Furoshiki für alle

Seit langem werden Geschenke in Japan in schönen Tüchern verpackt. Das ist eine wunderbare Kombination aus Ästhetik und Nachhaltigkeit und außer schönen Tüchern braucht es keine textilen Kenntnisse. Dafür gestaltet Tina Kraus ihre Furoshikis selbst, bestempelt mit Füchslein, gebatikt, oder wieder mit einer Blüte. Selbst Flaschen können so ästhetisch verpackt werden, was bei mir zumindest gern in Verzweiflungstaten mündet.

Auch für verschiedene Gruppen gibt es Verpackungsvorschläge. Natürlich allen voran die Verliebten. Ehrlich gesagt, ist dies ein Kapitel, das ich überblättere. Blüten, Herzchengirlande, sogar Stickereien auf Papier zieren die Geschenke. Wunderschön, aber mir ist es ein bisschen zu viel. Da gefallen mir die coolen Verpackungen mit klaren Farben und grafischen Mustern fast besser. Hier wird gestempelt, gestanzt und gefaltet.

Glamourös und kitschig

Nun geht’s doch an die Nähmaschine. Krepppapier in Gold und Silber wird auf Kontrastfarben genäht, gekräuselt und dann als Manschette an den Geschenken befestigt. Außerdem regnet es noch Pailletten und Glitzerschleifen, Federn und Seidentaft. Pompons aus Seidenpapier, Quasten und wieder Origami Blüten ziehren Verpackungen in lila, petrol und Gold. Nicht meine Welt, das könnt Ihr Euch denken, aber definitiv hübsch anzusehen.

Die Verpackungen, die Tina Kraus für Kinder entwirft, verdanken ihren Zauber ebenfalls hauptsächlich dem ausgesprochen schönen Papier. Und wie sollte das auch nicht sein? Ein schönes Geschenkpapier und ein kleines Spielzeugtier obenauf geklebt sind an Schlichtheit und Ästhetik für Kinder schwer zu überbieten. Es gibt aber auch Hoffnung und natürlich mag ich die hübschen, gemusterten Windrädchen aus Papier und Strohhalm oder die Pinata – Schachtel. Auch eine Zuckerperlenkette oder ein Ausschnitt aus einem Comic können ein Kindergeschenk zu etwas Besonderem machen.

Essbares und Festbares

Ihr könnt Euch wohl denken, dass ein Kapitel über essbare Geschenke in diesem Haus auf große Aufmerksamkeit stößt. Tina Kraus liefert hier einige Vorlagen, mithilfe derer Pralinen, Marmeladen, Baguettes, Kräuteröle, Saucen, Schokolade und Müsli beispielhaft hübsch und lecker verpackt werden. Hier bin ich dankbare Konsumentin, denn außer Marmeladengläsern kann ich nicht viel Verzehrbares hübsch einpacken. Nun gibt es Cupcakeboxen, Geschenktütchen, Candy Bags und wieder Pralinenschachteln. Sogar ein bisschen Upcycling findet sich zwischen den Seiten.

Tina Kraus hat auch wunderbare Vorschläge für Hochzeitsgeschenke, doch die schenke ich mir. Schließlich habe ich dieses Kapitel hinter mir und romantische Rosenblüten zwischen Seidenpapier liegen mir nicht. Aber Weihnachtsgeschenke? Selbstverständlich. Gerne mit Schneeflockenkonfetti und weiß in weiß, aber auch die Origamisterne in Gold gefallen mir trotz des Aufwands bei der Herstellung. Bestempelte Papiere und Schneeflockensterne statt Schleifen an Geschenken finde ich schlichtweg betörend. Dafür kann ich mit den gefüllten Christbaumkugeln weniger anfangen. Dennoch glaube ich, dass es Tina Kraus gelungen ist, bezaubernde Geschenkverpackungen für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel zu entwerfen und gerade für einfallslose gestresste Mütter wie mich ist deshalb In Liebe verpackt genau richtig und zur rechten Zeit erschienen.

Titelangaben:

Tina Kraus: In Liebe verpackt. 180 Geschenkverpackungen für jede Gelegenheit.

Igling: Edition Michael Fischer, 2014. 144 Seiten. 16,99 EUR.

Annette Villacorta Kienzle: Lauter Kinderkram. Kindersachen selber nähen.

Süßes für kleine Mädchen

Was soll ich sagen. Als ich Annette Villacorta Kienzles Lauter Kinderkram in den Händen hielt, hatte ich gar nicht wirklich Gelegenheit, es ausführlich zu lesen, weil meine beiden Mädels es mir sofort kreischend aus den Händen rissen. Etwas später bekam ich es dann doch und begriff, was meine zwei Großen so am Buch faszinierte: Lauter Kinderkram ist eigentlich lauter Mädchenkram. Das enttäuschte meine Buben und mein Bubenmutterherz, tat aber der restlichen Begeisterung keinen Abbruch.

Gerade für nähbegeisterte Mamas von erstgeborenen Mädchen ist Villacorta Kienzles Kinderkram ideal. Hübsche Windeltaschen, U-Heft-Hüllen, Schmusetücher und Spieluhren verführen zum Stoffkauf – zumindest Mamas mit Kindern im entsprechenden Alter. Was ebenfalls bedeutet, dass mich diese Seiten nicht betreffen. Zum Glück vielleicht, denn im Alltag einer Großfamilie bedeuten zusätzliche Babydecken und Schmusehasen unnötige zusätzliche Arbeit.

Hübsche Nichtigkeiten

Damit es klar gesagt ist: nichts vom Kinderkram der Autorin ist von essentieller Notwendigkeit. Doch gerade deshalb sind ja Kirschkernkissen in Mausform und Kuschelkissen mit einer Gans darauf so besonders hübsch. Es macht sie auch zu begehrten und nützlichen Geschenken. Und damit stockt Lauter Kinderkram meinen Ideenvorrat deutlich auf. Kleine Taschen, Turnbeutel mit Wimpeln und Wimpelketten sind ideal für den Nikolaus, unseren Adventskalender und den Weihnachtsabend.

Mamas freuen sich dafür über hübsche gepolsterte Hüllen für Kühlpads und den nützlichen Beutel für nasse Schwimmsachen. Mütter mit kleinen Mädchen werden entzückt sein von der niedlichen Pippi – Langstrumpf- Schürze, aber meine großen Mädchen können sie schon nicht mehr tragen. Dafür ist endlich mit der Mappe für Malsachen ein Geschenk dabei, dass ich ohne Bedenken auch meinen Buben zumuten kann.

Nicht ganz so viel Neues

Dagegen sagen mir Haarspangentaschen, Haargummis und Loopschals eher nichts. Vorlagen dafür findet man allenthalben und dafür braucht es kein eigenes Buch. Auch die Blockflötentasche aus Patchwork ist an sich nichts Geniales, trotzdem gefällt sie mir, weil eine Blockflöte für kleine Mädchen ein nettes Geschenk ist. So geht es mir auch mit den Poesiealbum-Umschlägen, die wirklich eine sehr hübsche Alternative zu den überteuerten mit Stoff bezogenen Poesiealben sind, die es sonst zu kaufen gäbe.

Es sind diese kleinen Gimmicks, die mir dieses Buch trotzdem sympathisch machen. Der Gedanke, dass sich meine kleinen Damen hier ihre Geschenke für Geburts- und Feiertage aussuchen können tröstet mich darüber hinweg, dass meine Buben so gar nichts mit dem Kinderkram anfangen können und dass vor allem Mütter mit kleinen Kindern hier ihre Mamaträume ausleben können. In meinem Bücherregal werde ich es wohl dort einsortieren, wo weniger wichtige Bücher oder solche für Geschenkideen ihren Platz finden.

Titelangaben:

Annette Villacorta Kienzle: Lauter Kinderkram. Kindersachen selber nähen.

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2014. 88 Seiten. 14,99 EUR.

Amanda McKittrick: Taschen für jedes Beutelschema. 25 Stoffbeutel zum Selbernähen

Etwas für die Jägerin und Sammlerin

Beutel kann man nie genug haben. Sie transportieren unsere Einkäufe, die Bücher von und zur Bücherei, die Turnschuhe unserer Kinder zum Sport, mein Strickzeug auf Langstreckenfahrten und so manches mehr. Sie sind wichtig und notwendig für uns. Damit sie nun auch endlich gut aussehen, hat sich Amanda McKittrick die Mühe gemacht, Taschen für jedes Beutelschema zu entwerfen und in einem Buch zu sammeln.

McKittrick versucht, sehr gründlich und umfassend zu arbeiten. Ihre Beutel funktionieren immer nach dem gleichen Prinzip, rechteckige Stoffstücke mit Henkel werden aneinander genäht. Je nach Zweck werden die Nähte z.B. bei Büchertaschen von außen doppelt verstärkt, das Futter z.B. bei der Markttasche aus Wachstuch gefertigt, die Künstlertasche hat mehrere große Innentaschen für z.B. Skizzenbuch und Stifte.

Ein Schema, viele Taschen

Die Schutasche erhält einen Tunnelzug, die Gartentasche hat ihre Zusatztaschen außen. Das Prinzip ist immer dasselbe, das Design sehr hübsch und ansprechend, was aber an den schönen gemusterten Stoffen liegt und nicht am ausgeklügelten Schnitt. Da sticht der faltbare Einkaufsbeutel heraus, der platzsparend in jeder Handtasche Platz hat. Das ist ein Konzept, das mir gefällt und definitiv mehr Denkarbeit erfordert als z.B. die Büchertasche.

Was ich definitiv nicht brauche, sind Schnitte für Kindertaschen, im Endeffekt nur kleine Ausgaben der großen Taschen mit Bommelborte. Das ist für mich schon etwas Platzschinderei. Auch die klassische Tragetasche bekommt man tausendfach woanders, allerdings gefällt mir hier die skizzierte Anleitung, die ein gutes Gelingen möglich macht. Die Last-Minute – Tasche dagegen finde ich schon fast eine Zumutung. Für einen schlichten Beutel mit hübschem Stoff braucht man eigentlich nicht einmal einen Schnitt.

Nette Geschenkverpackungen

Diverse Schnitte für Strandtaschen und Mustermix überblättere ich gleich einmal, weil sich hier nur das Format, nicht aber das Arbeitsprinzip ändert. Die Weinflaschentasche hingegen gefällt mir. Sie ist rund genäht mit einem klugen Trick. Die Handarbeitstasche erinnert mich zwar sehr an die Gartentasche, wird aber durchgewinkt, weil sie gut organisiert ist und ich immer einen schrecklichen Nadelsalat mit mir herum schleppe.

Toll finde ich die Lenkertasche fürs Fahrrad aus Wachstuch, sie steht auf meiner potentiellen To-Do – Liste (nicht mehr dieses Jahr, aber für den Frühling?). Sie sieht schön aus uns ist praktisch, abnehmbar und wandelbar. Darauf ist die folgende Kaffeesacktasche eine Enttäuschung. Kaffeesack ist nett, aber der Schnitt ist der gleiche wie eh und je. Der Wendetasche mit Henkel zum Anklippen traue ich nicht. Die beutelige Form gefällt mir, aber ich befürchte, dass sie mit ihrer Größe voll beladen zu schwer für die Klips wird. Vielleicht aber auch nicht?

Nippes für Taschenliebhaber

Nun versteigt sich McKittrick ins Taschenparadies. Es gibt Taschen mit Schleifen (die finde ich wirklich hübsch), Sporttaschen, Yogamattentaschen, Falttaschen (von XS bis XL) und eine Mamas Tasche. Ich habe zwar kein Wickelkind mehr, aber die voluminöse, sportliche Tasche mit Magnetverschluss reizt mich, denn auch Kindergartenmamas haben Jacken, Mützen und selbst gemalte Bilder zu transportieren, von Keksen, Buch und Strickzeug ganz zu schweigen.

Ob mein Mann sich die Herrentasche wünscht – ich glaube, kaum. Mir gefällt sie auch nicht und ich sehe mir lieber die Origamitasche an, wo mich allein das Verarbeitungsprinzip reizt. Sie hat etwas bohemehaftes und leichtes, das gefällt mir. Hier endet das Buch, mit einem positiven Eindruck, der einfach dadurch getrübt wird, dass mir das ewig gleiche Prinzip schlicht zu oft wiederholt wird.

Titelangaben:

Amanda McKittrick: Taschen für jedes Beutelschema. 25 Stoffbeutel zum Selbernähen

Aus dem Englischen von Annika Loose.

Igling: Edition Michael Fisacher GmbH, 2014. 128 Seiten. 16,99 EUR.

Cecilia Vikbladh: Das Flexitarierkochbuch. Genussvoll leben mit viel Gemüse und wenig Fleisch.

 

 

Gemüse ist mein Fleisch

 

Endlich, endlich darf ich ein Buch in den Händen halten, das mir kulinarisch aus der Seele spricht. Abgesehen davon, dass ich Kochbücher jedweder Art einfach gern mag, ist Cecilia Vikbladh etwas Besonderes gelungen. Und ich habe auch einen Namen für das, was es ist: ein Flexitarierkochbuch!

Ich bin es! Zwar möchte ich nicht auf Fleisch verzichten, aber für gutes Gemüse sterbe ich. Vegetarische Kochbücher habe ich, sie sind aber viel zu eng gefasst. Hier kommt endlich die Alternative.

 

Außerdem ist mir Cecilia Vikbladh sympathisch. Sie stellt sich und ihre Familie mit Foto vor und ich sehe eine wunderschöne, lebenslustige und definitiv nicht schlanke Frau. Yes! Wer nämlich gerne kocht und isst, kann doch nicht immer hungern! Vikbladh war im früheren Leben tatsächlich Model, diäterprobt und weitgereist. Die Diäten haben sie die Lust am Essen gelehrt, die fernen Länder exotische Gerichte. Eine wunderbare Kombination.

 

Einmal quer durchs Gemüsebeet

 

Entsprechend umfassend liest sich das Inhaltsverzeichnis. Vikbladh sorgt sich um alles, es beginnt mit einem Frühstück, Smoothies stelle ich mir lecker am Vormittag vor, Suppen für kalte Tage, viele Gerichte mit Tomaten, Aubergine und Rote Bete, Reis und Pasta für den Hunger, Bratlinge und Pfannkuchen und Gerichte mit Fleisch. Salat und Süßes gibt es auch, für alle, denen der Rest nicht komplett genug ist.

 

Ich werde einige Zeit brauchen, bis ich mich durch Vikbladhs Leckereien gekocht habe. Frühstück gab es schon, ich habe Cecilias Bircher Müsli ausprobiert und es gelingt und schmeckt fantastisch, vor allem die gefrorenen Himbeeren garantieren noch einmal einen morgentlichen Geschmacksflash. Das Müsli gehört in dieser Fassung schon zu meiner täglichen Speisekarte und seit heute liebe ich auch die in Orangensaft karamelisierten Möhren mit gerösteten Brotkrumen.

 

Zukauf notwendig

 

Leider sind nicht alle Zutaten, die Vikbladh verwendet, in meinem Vorratsschrank einsortiert. Salzflocken, Schwedenmilch, Muscovadozucker fehlen mir noch. Dafür habe ich schon ein paar der arabischen Gewürze. Bulgur und Agavendicksaft habe ich auch nicht, ich werde demnächst einfach die Feinkostabteilung nebenan leer kaufen. Was mir an den Rezepten besonders gefällt, ist, wie oft Vikbladh deftiges Gemüse mit fruchtigen Aromen kombiniert. Andererseits finde ich für meinen Geschmack manche Zutaten auch weit hergeholt – im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Ich weiß nicht, was Chipotle-Paste ist und ich werde sie wohl nicht in meinen Vorratsschrank aufnehmen. Statt japanischem Panko werde ich Semmelbrösel benutzen und woher ich Kokosmehl nehmen soll, weiß ich noch gar nicht, denn seine Existenz ging bis dato an mir vorüber. Mehr als skeptisch trete ich als Niederbayerin einer Schweinsbratenversion gegenüber, die Schweinebauch mit Halloumi und geröstetem Pfirsich kombiniert. Ist das eine arme Sau oder soll ich heimlich und im Finstern Bayerns Zorn auf mich ziehen und es ausprobieren? Wichtig ist vor allem, dass endlich jemand kommt und der vegetarischen Küche für alle, die auch gern Fleisch essen, das Dogma nimmt. Alles, was kreativ ist und schmeckt, ist erlaubt und Vikbladh bringt mir einen Haufen frischer Freude in meine Küche.

 

Titelangaben:

Cecilia Vikbladh: Das Flexitarierkochbuch. Genussvoll leben mit viel Gemüse und wenig Fleisch.

Aus dem Schwedischen von Julia Gschwilm.

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag 2014. 144 Seiten. 19,99 EUR.

 

Kristin Kimball: Das Dreckige Leben. Aus den High Heels in die Gummistiefel. Wie mein Traum vom naturnahen Leben in Erfüllung ging.

 

 

Vom Schreibtisch in den Kuhstall

 

Der neue Trend zur Rückbesinnung auf Natur und Nachhaltigkeit hat schon längst den Buchmarkt erreicht. Berichte von der Läuterung der Stadtmenschen, die in großen Massen ihre Wurzeln auf dem Land suchen, gibt es allenthalben. Kristin Kimball, eine New Yorker Reisejournalistin, hat für eine Recherche ihre Pumps mit Gummistiefeln vertauscht und sich in einen Farmer und die dazugehörige Farm verliebt. Das Dreckige Leben ist ein charmanter Bericht eines radikalen Neuanfangs.

 

Kimballs autobiographische Reportage ist so plakativ wie amüsant. Ich denke, sie ist zumeist auch wahr. Ich bin keine Bäuerin, doch lange haben wir mit dem Kauf eines Hofs geliebäugelt. Nun ist es ein Haus geworden. Kimball hat mit ihrem Mann einen Hof gekauft, mehr noch, eine Idee. Sie wollten ein solidarisches Bewirtschaftungsprinzip, Biorundversorgung für alle zahlenden Mitglieder und zwar von Anfang an. Offensichtlich sind sie nicht gescheitert.

 

Ein bisschen dick aufgetragen

 

Was mich stört, ist Kimballs Hang zur Dramatik. Vielleicht haben alle Ereignisse wirklich so statt gefunden, das möchte ich nicht bestreiten, doch ihre dramatische Darstellung auf über dreihundert Seiten strapaziert manchmal meine Ausdauer. Dagegen bin ich selber ein bisschen zu still und zu niederbayrisch. Außerdem ist ihr biologisch – nachhaltiger Ansatz etwas dogmatisch, das sieht man spätestens dann, wenn von Komposttoiletten und Ackerbau mit Pferdegespann die Rede ist.

 

Die Geschichte an sich ist aber wirklich nett. Kristin Kimball soll einen Biogemüsebauern zum neuen Trend zur Nachhaltigkeit interviewen und verliebt sich in ihren zukünftigen Ehemann Mark. Der zitiert sie erstmal und auch zukünftig ständig zur Mitarbeit und Kimball wird zur Farmerin wider Willen. Gleichzeitig aber reizt sie die harte Arbeit und die Befriedigung, die sie aus ihrem neuen Dasein schöpft.

 

Heimat handgemacht

 

Kristin und Mark pachten im Winter einen Hof und im Frühjahr darauf wird provisorisch Landwirtschaft betrieben. Es ist ein Hauruckverfahren, das hier angewendet wird, andererseits sind Zeit und finanzielle Ressourcen derart begrenzt, dass eine lange Planungs- und Umbauphase ausgeschlossen ist. Schließlich haben sich die Kimballs vorgenommen, eine Gemeinschaft zu versorgen, es muss also viel gesät und aufgezogen werden, Flora und Fauna müssen bezwungen werden.

 

Es ist eine sehr persönliche Geschichte davon, wie zwei Menschen für einen Traum kämpfen – und auch davon, wie eine große Gemeinschaft von Fremden und Freunden sie dabei unterstützt, denn ohne die Hilfe eines ganzen Dorfes und der Freunde und Verwandten wäre die erste Ernte nicht einzufahren gewesen. Unabhängig davon ist es natürlich schwierig, aus Kimballs Erfahrungsbericht irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Was ich jedoch sehe und bestätigen kann ist der Gedanke, dass, wenn das eigene Gefühl sagt, dass etwas wichtig und richtig ist, es schlicht und einfach so ist.

 

Erfolgsgeschichte der Solidarität

 

Schließlich scheint für Kristin und Mark alles zu klappen. Inmitten der Erntezeit im Oktober wird Hochzeit auf dem Heuboden gefeiert, jeden Freitag wird eine immer größer werdende Anzahl von Mitgliedern der Agrargemeinschaft versorgt, Kühe kalben und Äcker werden gepflügt. Nach dem zweiten Erntejahr können sie einen Teil des Grunds aufkaufen, die Mitgliederzahl steigt ständig. Kristin und Mark lernen, mit ihrem neuen Dasein als Farmer lockerer und rücksichtsvoller umzugehen und ihre kleine Familie wächst. Als Mama und Selbermacherin ahne ich, wie viel sie arbeiten müssen und wie sehr es sie erfüllt. Es ist diese Erfüllung, die ich allen wünsche und die Kimballs Bericht einzigartig macht.

 

Titelangaben:

Kristin Kimball: Das Dreckige Leben. Aus den High Heels in die Gummistiefel. Wie mein Traum vom naturnahen Leben in Erfüllung ging.

Aus dem Englischen von Bärbel und Velten Arnold.

Kandern: Unimedica im Narayana Verlag, 2014. 336 Seiten. 19,80 EUR.

Viola E. Sutanto: Selbst Verpackt. Schöne Verpackungen für handgemachte Produkte.

 

Weihnachten für Große

 

Viola Sutantos Selbst Verpackt soll eigentlich fleissigen Heimwerkerinnen und Selbständigen die Möglichkeit geben, eigene Produkte stilvoll und passend verpackt zu verkaufen. Das tut es auch und nebenbei fühlt man sich als Leserin noch ein bisschen wie ein Kind unterm Weihnachtsbaum, das laufend tolle Sachen auspacken darf. Eigentlich möchte ich weniger die Verpackungen nachbauen als die Dinge, die da verpackt sind, besitzen!

 

Ich muss zuallererst gestehen, dass ich nur ungern einpacke. Wie gesagt, viel lieber packe ich aus. Für unsere eigenen Familienfestlichkeiten habe ich in den letzten beiden Jahren massenweise Säckchen und Umschläge aus Stoff genäht, denn ich wollte einfach nicht mehr in Geschenkpapier einwickeln. Zum einen nervte mich der Aufwand und umweltverschmutzend war es obendrein. Was aber mit den Dingen, die ich verkaufe und die hübsch sein sollen?

 

Grundlagen professionellen Verpackens

 

Sutanto versucht sich hier an einer Art Standardwerk. Zielgruppe sind alle, die selbst Gemachtes verkaufen wollen. Sei es Schmuck, Zerbrechliches, Verderbliches, Kosmetik, Kleidung, Heimtextilien, Papierwaren oder Schönes fürs Zuhause, Sutanto bietet überall Beispiele für kreative Verpackung, die sich gut vervielfältigen lässt. Der Anwendungsteil ist entsprechend reichhaltig und ansprechend gestaltet, er gefällt mir persönlich am besten.

 

Ich weiß nicht, wie wichtig der Grundlagenpart ist. Er behandelt Materialien und ihre Verwendungsmöglichkeiten. Abgesehen davon, das Sutanto auch hier ausgesprochen nettes Design zeigt, sind mir eigentlich die Verwendungsmöglichkeiten von Papier oder Stoff etc. bekannt. Nichts desto trotz habe ich mich noch nicht sehr ausführlich mit dem Thema Drucken auf Papier oder Stoff beschäftigt und sehe nun: das sollte ich tun.

 

Grenze zwischen Hobby und Profession

 

Am schwierigsten ist für mich Sutantos Buch dort, wo es eigentlich greifen soll. Denn Praktiken und Designvorschläge sprechen Menschen an, die ihr Hobby zur Profession gemacht haben. Das reicht von bedruckten Banderolen, über Papierklebeband zu Klebeetiketten und Stickern. Wenn ich schon lese, dass etwas nur mit einem bestimmten Drucker geht, bestimmten Patronen oder dass ich bestimmtes Zubehör brauche, gruselt es mich. Aber natürlich ist auch klar, dass jemand, der wirklich sein Hobby zum Beruf machen möchte, sich nicht für jedes verkaufte Produkt hinsetzen und Kisten kleben möchte.

 

Ich finde mich am Ende wieder mit meiner Unentschlossenheit. Solange ich vor allem für Familie und Freunde produziere, brauche ich Sutantos professionelle Verpackungstips nicht. Aber sollte ich mich vergrößern, dann ist es wichtig und hilfreich, gleich eine ganze Palette kreativer Verpackungsideen zur Hand zu haben, die sich alle beliebig vervielfältigen lassen, dank Vorlagen und QR – Codes. Selbst für meine alljährliche Weihnachtsgeschenkeparade könnte ich Sutantos Ideen verwenden. Und hier gehe ich mittlerweile ja wirklich richtig in Produktion! So wandert Sutantos Verpackungsbuch erst einmal zurück in mein Bücherregal – wenn auch auf die Seite mit den wichtigen Büchern für später!

 

Titelangaben:

Viola E. Sutanto: Selbst Verpackt. Schöne Verpackungen für handgemachte Produkte.

Aus dem Englischen von Birgit Lamerz- Beckschäfer.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 176 Seiten. 19,90 EUR.

 

 

Christopher Stuart: DIY – Möbel 2. Noch mehr verrückte Projekte.

 

 

Kunst am Bau selbstgemacht

 

Man sieht schon, wohin die Reise bei mir geht. Haus gekauft und nun muss alles selbst gemacht werden. Ich hoffe zwar nicht, dass ich ein fressendes Haus habe, aber noch habe ich Zeit und Energie, um mich diesem Hausprojekt voll und ganz zu widmen. Eins ist klar: sobald wir die Räume fertig renoviert haben, wollen sie eingerichtet sein. Und zwar möglichst günstig und originell. Kein Wunder also, dass mir DIY- Möbel 2 von Christopher Stuart (erschienen im Haupt – Verlag) sofort ins Auge stach.

 

Es ist auf den ersten Blick schon mal alles drin, was ich brauche: Regale und Schränke, Tische, Sitzmöbel, Lampen, Schlafzimmermöbel, Gartenmöbel und die obligatorisch nichtssagende Rubrik Verschiedenes. Christopher Stuart fungiert sowohl als Herausgeber wie auch als Designer und man darf es seinem Geschmack danken, dass trotz so vieler unterschiedlicher Persönlichkeiten das Buch aus einem Guss ist.

 

Tolle Einzelstücke

 

Stuarts Prinzip, in jedem Kapitel einzelne Designer mit ihren Entwürfen vor zu stellen, hat den eindeutigen Nachteil, dass es schwierig ist, Systeme daraus zu entwickeln. Schließlich habe ich ein Wohnzimmer mit massenhaft vielen Büchern einzurichten. Der Vorteil ist, dass man sicher sein kann, ästhetisch beeindruckende Einzelstücke anzufertigen, die jeweils einen Ehrenplatz an einer Wand haben sollten. Die meisten Möbel sind daher auch holzfarben gehalten, das hebt sich schön ab von Weiß und Beton und sieht gerade in großen Wohnungen bestimmt toll aus. Fast alle Designer haben ihre Stücke im Industrielook fotografiert, so dass sie sehr stylisch sind, aber auch ein ganz bestimmtes Publikum ansprechen.

 

Ich denke, wäre ich Mitte zwanzig, solo und eine bekannte Theaterregisseurin in Berlin, dann wäre das genau der Stilmix, den ich brauchen könnte. So bin ich Ende dreissig, verheiratet mit vier Kindern auf dem Land und ich brauche Möbel, in die viel rein geht, die man gut abschließen kann (für einen Schein von Ordnung) und die robust sind, rabaukensicher. Das tut der Ästhetik zwar keinen Abbruch, der individuellen Nutzbarkeit aber sehr wohl. Dafür freue ich mich an exakten, übersichtlichen und einfachen Bauplänen, die ich alle nutzen könnte, wenn ich wollte.

 

Ästhetik des Rohmaterials

 

Was mir sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass die meisten Designer auf überflüssigen Schnickschnack verzichten und das Material, das sie benutzen, immer sehr offen leben lassen. Das kommt besonders deutlich zum Ausdruck, wenn Dominik Hehl einen großen, robusten Tisch aus gelbem Bauholz mit Metallprofil arbeitet, oder wenn Noccolò Spirito Kunststoffrohre zu Tischen und Stühlen umgestaltet. Es ist eine Mischung aus Upcycling und Industriedesign, die auch vor Beistelltischen aus Pizzablechen und Wandschienen aus Tischbeinen nicht Halt macht.

 

Wenn Rohmaterialien auf Handwerkskunst treffen, wird es für mich besonders interessant. Deshalb gefällt mir auch der Makraméehängestuhl aus Holz- und Kupferrohren und Baumwollgarn besonders gut. Es könnte sehr gut sein, dass ich in spätestens zwei Jahren (denn wir wollen realistisch bleiben) selbst darin schaukle. Dagegen sind Möbel aus geschmolzenem Plastik oder Patschworkdecken aus Umzugsdecken für mich eher ein politisches Signal als bequeme und schöne Möbelstücke.

 

Erleuchtete Momente

 

Naturgemäß finde ich das Lampenkapitel toll. Wir haben uns fest vorgenommen, nur noch LED – Leuchtmittel zu verwenden und die dadurch höheren Kosten kompensieren wir gerne mit Lampen Marke Eigenbau. Am liebsten mag ich die Mokka Light von 45 Kilo, eine Lampe die mit Passepartout Karton, Aluminium Klebeband und Kupferrohr elegant über die Decke pendelt und für unser Wohnzimmer eine perfekte Leselampe wäre.

 

Eine andere Erleuchtung war für mich der stumme Diener aus Metallrohren und Dreiweg-Verbindungsstücken. Hier können unsere Hosen und Blusen über Nacht perfekt auslüften und -ruhen. Dagegen brauche ich einfach Christopher Stuarts Schlafzimmermöbel nicht, wenn ich sie auch durchaus schick finde – vor allem die Kommode mit Glasaufsatz. Auch Betten und Kleiderschränke brauche ich nicht und ich finde auch die vorgestellten Modelle nur bedingt alltagstauglich.

 

Schönes Design für drinnen und draußen

 

Angenehm war auch, zu sehen, dass alle Lebensbereiche bedacht wurden. Für meinen Garten gefiel mir die Outdoor – Küche (so etwas wünsche ich mir schon lange) und die diversen Rankgitter und Sitzmöbel. Hier endet für mich das Buch, wenn auch noch Vermischtes zu begutachten wäre. Aber die Kerzenständer aus Zement oder Zementbuchstützen brauche ich im Moment einfach nicht. Dafür vielleicht Ihr? Mir haben Stuarts DIY – Möbel 2 gut gefallen, etwas handwerkliches Geschick ist bestimmt von Vorteil, aber ansonsten sieht wirklich alles stylisch und vor allem machbar aus. An die Werkbänke also!

 

Titelangaben:

Christopher Stuart: DIY – Möbel 2. Noch mehr verrückte Projekte.

Aus dem Englischen von Lina Feske.

Bern: Haupt – Verlag 2014. 144 Seiten. 24,90 EUR.

 

Charlotte May, Marie-Helene Steghöfer (hg.): Dirndl, Maß und Brezn- Gaudi. Der Oktoberfestguide mit Geheimtipps, Rezepten und Anleitungen für selbst gemachte Accessoires.

 

 

O’zapft is!

 

Wenn bei mir daheim jemand sagen möchte, dass von vornherein feststeht, dass etwas gut laufen wird (Gott, was für ein langer Satz) dann nennt er das eine »gmahde Wiesn«. So ging es mir, als ich mir zur Rezension den Oktoberfestguide aus der Edition Michael Fischer (Redaktion Charlotte May und Marie-Helene Steghöfer) senden ließ. Bei Dirndl, Maß und Brezn – Gaudi kann einfach nichts schief gehen!

 

Ich muss sagen, ich war mehr als positiv überrascht. Ich gehe nämlich gar nicht aufs Oktoberfest (viel zu viele Menschen) und auch bei Brezn bin ich mehr als heikel (sie müssen schließlich rösch sein – ja googelt bitte dieses Wort!). Bleibt eigentlich nur das Dirndl und ich habe immerhin zwei davon, eines für mich und eines für meine Stubnmusik. Dies alles verkleinert die potentielle Schnittmenge enorm und so habe ich mich sehr gefreut, viele nette kleine Sachen im Oktoberfestguide zu finden, die ich dringend brauchen kann und noch nicht habe!

 

Elementargliederung

 

Am schönsten finde ich ja das Inhaltsverzeichnis. Kurz, bündig und ein wenig mundfaul wie die Bayern: Vor da Wiesn, Auf da Wiesn, Nach da Wiesn. Ist das nicht genau das, worauf es ankommt? Wer dann doch etwas mehr wissen möchte, blättert einfach weiter, denn es werden alte Dirndl aufgehübscht, Pelerinen gestrickt (ich will sie haben!), Taschen und Geldbörsen gehäkelt und Schmuck und Accessoires für Damen und Herren von Kopf bis Fuß selbst gemacht. Selbstredend, dass für mich alte Werkerin dies mein Lieblingskapitel ist.

 

Natürlich gibt es mehr fürs Dirndl, aber die Burschn kriegen immerhin Wadenwärmer, bestickte Trachtenhemden und Glasmarkierer für die Maßkrüge. Ich liebe einfache, schnelle und dennoch geniale Geschenkideen und hier bekomm ich sie meterweise am Band geliefert. Die Make-up Tips betreffen mich jetzt weniger, aber es sind gottlob nicht so viele. Tja, und dann kommt mein Problemteil, ich wusste ja, dass er für mich nicht passt und deshalb meine sehr milde Kritik.

 

Oktoberfest für Anfänger

 

Auch hier ist alles hineingepackt, was man wissen muss. Es gibt eine kleine Geschichte des Oktoberfests, eine kleine Trachtenkunde, Bairisch für Anfänger (seufz) und praktische Tipps für einen Tag auf der Wiesn. Alles ist wirklich sehr nett gemacht und wie immer mag ich das geschmackvolle Layout der Edition Michael Fischer und ich schätze auch die leicht ironische Grundhaltung, die diesem Kapitel unterlegt ist. Ich bin nur, wie gesagt, etwas menschenscheu.

 

Dehalb finde ich es schade, dass der After-Wiesn – Teil so kurz ausfällt, wenn ich auch gestehen muss, dass selbst für Wiesn-Abstinenzler ein Antikaterprogramm manchmal sinnvoll sein kann. Außerdem gibt es ein Lebkuchenrezept dazu und das erinnert mich daran, dass ich einfach die großen bunten Lebkuchenherzen so gern anschaue. Ich finde, hier hätte man durchaus noch einhaken können, das kann doch nicht alles gewesen sein! So muss ich notgedrungen zurück an den Anfang blättern und wieder feststellen, dass sich dieses Büchlein allein ob seines schönen Anleitungsteils einfach lohnt.

 

Titelangaben:

Charlotte May, Marie-Helene Steghöfer (hg.): Dirndl, Maß und Brezn- Gaudi. Der Oktoberfestguide mit Geheimtipps, Rezepten und Anleitungen für selbst gemachte Accessoires.

Igling: Edition Michael Fischer, 2014. 96 Seiten. 12,99 EUR.

 

Kathrin Hofmeister: Küchengärten. Die Lust am schönen Nutzen

Barocke Augenfreuden

 

Der Boom von Zeitschriften, die das schöne Landleben betrachten, legt nahe, dass es uns ein echtes Bedürfnis ist, in Zeiten wachsender Betonberge, Geist und Hände im satten Grün zu erden. Darüber hinaus reiht sich die Lust am Garten ein in den neuen Trend, Dinge selbst zu machen und zu gestalten. Denn es geht in der gängigen Gartenliteratur weniger um die Natur als um die Freude an der Gestaltung derselben. Kathrin Hofmeister hat gemeinsam mit den kongenialen Fotografen Ulrike Romeis und Josef Bieker einen liebevoll gestalteten Bildband über Küchengärten verfasst. Ich  lasse michich von der Lust am schönen Nutzen verzaubern.

 

Auch wenn Hofmeister sich die Mühe gemacht hat, ein ordentliches Inhaltsverzeichnis zu verfassen, sollte jedem klar sein, dass ein Bildband weder die Möglichkeiten noch den Anspruch hat, umfassendes Wissen über Küchengärten zu vermitteln. Dennoch wird in einem ersten Kapitel kurz auf die Entstehung der Küchengärten eingegangen. Klöster und große Bauernhöfe hatten seit jeher versucht, sich stets selbst mit Erzeugnissen aus dem Garten zu versorgen und so unabhängig zu bleiben. Faszinierend ist dagegen, dass Friedrich der Große seinerzeit in Potsdam eigens einen Küchengarten anlegen ließ und damit die Feinschmecker in ganz Europa entzückte.

 

Alte Tradition neu erweckt

 

Es ist schön zu sehen, dass sich diese alte Tradition der Küchengärten auf mannigfaltige Weise erhalten hat. Kathrin Hofmeister hat vier Küchengärten ausgewählt, die sie besucht hat und die von ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten bewirtschaftet werden. Jeder Küchengarten wird mit einer Einführung und einem ausführlichen Fototeil bedacht. Die beiden Gärtnerinnen von De Boschhoeve in den Niederlanden teilen sich Profession und Leidenschaft, Hobby und Beruf vereinen sich zu einem üppig barocken Farbenspiel, bei dem es nicht ums Ernten, sondern ums Anschauen geht.

 

Ganz anders der Küchengarten auf Schloss Ippenburg, wo die Schlossherrin zusammen mit ihrem Team für Sterneköche und den Eigenbedarf Blumen und Gemüse anbaut. Ihr Garten gleicht eher den traditionellen Bauerngärten und auch die große Anbaufläche weist auf die sowohl wirtschaftliche als auch ästhetische Orientierung hin. Deshalb fällt das Farbenspiel hier auch nicht ganz so üppig aus, dafür ringt einem der offensichtliche Umfang des Projekts großen Respekt ab.

 

Zucht und Erhalt

 

Wieder anders wirtschaftet der Kaldenhof, wo in kleinem Familienbetriebsrahmen Gemüse und Blumen gezüchtet werden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wagt das Unternehmen regelmäßige Blicke über den Tellerrand und gliedert z.B. Gemüsesorten und Wirtschaftsweisen aus Südeuropa in das Zuchtprogramm ein, ohne den Erhalt autochthoner Sorten zu vernachlässigen. Damit ensteht ein Eldorado für Kleingärtner, die gerne in ihrem eigenen Küchengarten robuste und schmackhafte Sorten anbauen möchten.

 

Schließlich kommen auch einige Selbstversorgergärten mit Schönheitsanspruch zum Zuge, sie gleichen am ehestem dem, was man als Leser zuhause umsetzen könnte. Liebe zum Detail und eine schöne Umgebung sind einer ästhetischen Gartengestaltung mehr als zuträglich, nicht jeder hat beides. Immer jedoch geht es ums bewusste Ernten und Genießen, um den Umgang mit den Ressourcen des Bodens und um den guten Geschmack. Letztlich ist er es, der in der heutigen Zeit ein Hauptgrund zum Gärtnern ist, neben der offensichtlichen Entspannung und seelischen Wohltat. Ein optischer Einstieg in dieses Metier ist durch Hofmeisters Küchengärten auf jeden Fall gewährleistet.

 

Titelangaben:

Kathrin Hofmeister, Ulrike Romeis, Josef Bieker: Küchengärten. Die Lust am schönen Nutzen.

München: Deutsche Verlags- Anstalt, 2014. 144 Seiten. 29,99 EUR.

 

Bärbel Oftring: Wald und Wiese. Das Natur – Mitmachbuch für Kinder.

 

Auf ins Abenteuer!

Als ich Bärbel Oftrings neues Buch Wald und Wiese zur Rezension erhielt, war mir etwas bange zumute. Schließlich ist es nun das dritte Buch, das ich von dieser Autorin lesen darf und ich gehe tendenziell von der Annahme aus, dass einem irgendwann die Ideen ausgehen. Falsch! Oftrings neues Buch zum Wald ist genauso herzerfrischend spannend, informativ und kindgerecht gestaltet wie alle anderen zuvor. Für alle, die nahe einem Wald leben, ein Muss!

Oftring behält ihr bewährtes Mitmachprinzip stringent bei. Zuerst gibt es eine kurze Einführung zum Thema »Draußen sein«, in der auf Ausrüstung, Verhalten und Gefahren hingewiesen wird. Schließlich will nachhaltig und umweltfreundlich geforscht sein. Dann geht es auch schon los. In einem ersten Teil werden Lebensräume in Wald und Wiese vorgestellt. Wissen wird spielerisch verinnerlicht, denn Kritzeleien im Buch sind hier ausdrücklich erwünscht! In vielen Tabellen können Kinder Beobachtungen notieren, Rätsel lösen und sich ihr Wissen selbst erarbeiten.

Selbstätigkeit als Forscherprinzip

Ein Forscher wird schließlich auch tätig und konsumiert nicht nur schlaue Bücher. Oftrings Buch will deshalb dringend im geräumigen Rucksack mitgenommen sein, damit man über die jeweiligen Lebensräume in Wald und Wiese gründlich forschen kann. Es werden Pflanzen vorgestellt, die es dann zu suchen gilt, Tiere, Pflanzen und Insekten durchs Jahr begleitet und zum Beispiel ein Blätter-Memory gespielt. Das alles auf so ansprechende Weise, dass ich mir ernsthaft überlege, das Buch gar nicht erst meinen Kinder zu zeigen, sondern selbst zu behalten.

Einzig den Versuch, Vögel an Gesangsmustern zu erkennen, die beschrieben sind, finde ich schwierig. Doch Oftring und der Haupt Verlag bieten an vielen Stellen im Buch Links zu Filmen und Tonaufnahmen im Internet, die das Wissen verdeutlichen und veranschaulichen. Für ganz Fleissige gibt es auch immer wieder Flächen, um eigene Fotos einzukleben, wenn zum Beispiel Vögel vorgestellt werden (anhand einer Auswahl) und ein eifriger Forscher gerne noch eigene Beobachtungen hinzufügen möchte.

Genauer Blick auf Flora und Fauna

Oftring sieht sich Wald und Wiese ganz genau an. Sie blickt auf, über und unter die Erde. Die Bewohner im Waldboden sind ebenso interessant wie die Mieter im Obergeschoss der Bäume. Auch die Umgebung und der Himmel gehören zu den Beobachtungsschwerpunkten. Wer noch nichts darüber weiß, kann über Wolkentypen lesen und Wetterexperimente durchführen. Auch Carl von Linnés Blumenuhr findet Erwähnung, genauso wie all die vielen wunderschönen Falterarten in Wald und Wiese.

Dass die Natur und Nahrung und Obdach gibt, ist uns theoretisch bewusst, doch wieviele Lebewesen ernährt eine Eiche? Bärbel Oftring gibt Einblick in diesen ganz besonderen Lebensraum, der im Laufe eines Eichenlebens erstaunliche 2000 Tierarten beherbergen kann. Natürlich geht es auch um die großen Waldtiere, die immer noch in unseren Wäldern leben: Hirsche, Rehe, Wildschweine, Füchse und Dachse werden vorgestellt und ihre Hauptmerkmale aufgelistet.

Abenteuer Wald

Spannend wird es vor allem, wenn Oftring schließlich konkrete Vorschläge für Abenteuerspiele im Wald gibt. Ob das nun eine Wanderung oder eine Schnitzeljagd oder eine GPS-Schnitzeljagd mit Geocache ist, vor allem größere Kinder können hier ihr Wissen unter Beweis stellen. Auch eine Übernachtung im Wald ohne künstliches Licht wird für die ganz Mutigen vorgeschlagen. Für jede Jahreszeit findet Oftring wunderbare und interessante Waldmomente, die Flora und Fauna erklären und zugänglich machen. Da ist es auch nicht schlimm, wenn jeweils nach dem selben Prinzip vorgegangen wird, schließlich sehen Wald und Wiese zu jeder Jahreszeit anders aus. Wald und Wiese ist ein Buch, das man hüten sollte, vor allem, falls es Geschwisterkinder gibt, denn es ist immer wieder spannend zu lesen!

 

Titelangaben:

Bärbel Oftring: Wald und Wiese. Das Natur – Mitmachbuch für Kinder.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 128 Seiten. 19,90 EUR.

 

Joanna Gosling: Wohlfühlwohnen. Kreativprojekte für ein gemütliches Zuhause.

 

Schönes schon gesehen

Ich hatte mich sehr gefreut auf Joanna Goslings Wohlfühlwohnen. Kreativprojekte für ein gemütliches Zuhause, erschienen in der Edition Michael Fischer. Schließlich bin ich gerade im Begriff, mein neues Zuhause in Besitz zu nehmen und bin dankbar für jede kreative Anregung zur Wohnraumgestaltung. Da ich vorhabe, mich auf jeden Fall in meinem neuen Haus wohl zu fühlen, schien dieser schön gestaltete Band für mich prädestiniert.

Vorweg darf ich sagen, dass ich mittlerweile ein bisschen schleckig werde. Was mir an den Büchern der Edition Michael Fischer wirklich unglaublich gut gefällt, ist, dass sie allesamt liebevoll und gut gemacht sind. Jedes einzelne Buch ist einfach schön anzufassen. Das ist wichtig, denn etwaige labberige Taschenbücher zersetzen sich schnell im täglichen Gebrauch. Für alle bibliophilen Mamas ist also Wohlfühlwohnen schon mal nicht verkehrt.

Des Öfteren ein Déjà Vu

Hand in Hand geht damit mein Hauptproblem. Bei den vielen Büchern, die ich schon gelesen habe, wird es schwierig, mich noch richtig auf zu rütteln. Und die bezogenen Bügeleisen und Fahrradsitze, die mir Joanna Gosling präsentiert, tragen eben nicht dazu bei. Dass man Christbaumdeko aus Salzteig und Girlanden aus Papier machen kann, ist selbst bei mir angekommen.

Trotzdem ist es nicht so, dass ich mich sofort von meinem Exemplar trennen würde. Erstens ist es sehr hübsch und wird auf meinem noch nicht vorhandenen Coffeetable landen. Zweitens mag ich viele ihrer Projekte, auch wenn ich sie kenne. Weinkisten aufpeppeln, Palettentische, Einkaufstasche. Was ich ihr eher anlaste ist, dass nicht zu jedem Projekt Fotos vorhanden sind. Ich bin eine verwöhnte Mama, die gern sehen würde, was sie liest!

Versteckte Schätze

Das Strickkapitel habe ich nur überflogen, nichts dabei für mich. Aber: Schokoladen – Karamellkonfekt? Bitte sehr! Badeöl mit Rose und Mandarine? Yes! Selbst an Lippenbalsam hat sie gedacht. In Gedanken schreibe ich längst meine Weihnachtsgeschenkeliste und sie wird gerade länger. Zudem bringt Joanna ein paar Dinge zurück in meinen Kopf, die mir entfleucht waren. Gefärbte Kiefernzapfen für Weihnachten – da war doch eine Kiste voll, die ich aus dem Urlaub mitgebracht hatte!

Für mich persönlich ist das genau die Stärke an diesem Buch. Die meisten Projekte kenne ich, hätte sie aber in der Form und Zusammensetzung aber eben doch nicht gemacht. Dank Joannas sparsamen und klaren Stil kann ich viele Dinge für unser Haus eins zu eins umsetzen. Nicht, dass es bei mir auch nur halb so hübsch aussehen würde. Und gerade besagter Weihnachtsbaum wird bei uns genau so im hoffentlich bald fertigen Wohnzimmer stehen.

Titelangaben:

Joanna Gosling: Wohlfühlwohnen. Kreativprojekte für ein gemütliches Zuhause.

Aus dem Englischen von Beate Wellmann.

Igling: Edition Michael Fischer, 2014. 160 Seiten. 19,99 EUR

 

Nicole Maalouf: Das neue SoLebIch Buch. Für ein schönes Zuhause.

 

Generation Nestbau

 

Der Reiz einer ästhetischen Innenarchitektur verfängt immer. Bislang schien es, als ob nur hochpreisige Zeitschriften und Bücher guten Geschmack vermitteln könnten und damit dem Otto-Normal-Verbraucher der Zugang zum illustren Zirkel der Vorzeigeimmobilien verwehrt wäre. Wie weit dieses Klischee der Wirklichkeit hinterher hinkt, zeigt der zweite, neue Bildband der Wohncommunity SoLebIch.de, der unter der Ägide von Initiatorin Nicole Maalouf Einblick in die privaten Gefilde designverliebter Normalos gewährt. Das neue SoLebIch Buch ist ein echtes Schmankerl für alle Voyeure und Ästheten. Ich blättere mich staunend durch die Privatresidenzen der Republik.

 

Zugegeben, der inhaltliche Gehalt des Bildbands lässt zu wünschen übrig. Am meisten wird noch im Vorwort geschrieben, doch nicht unbedingt gesagt. Doch ist diese Tatsache eigentlich kein Problem, denn im neuen SoLebIch Buch sammelt und verewigt Nicole Maalouf hauptsächlich die gelungensten Beiträge aus ihrer Online Wohncommunity. Für Kenner ist es wohl eher ein wohlwollendes Blättern in einem Familienfotoalbum, für alle, die bis dato noch keinen Kontakt zu SoLebIch.de hatten, eine ordentliche Portion Voyeurismus.

 

Manifest einer Online Community

 

Dank des Buches dürfen sich einrichtungsbegeisterte Community – Mitglieder im Druck verewigt sehen. Dass auch dies ästhetisch ordentlich gemacht ist, zeigen die einleitenden Illustrationen von Larissa Bertonasco. Maalouf konzentriert sich auf die Themenbereiche Flur, Küche, Essplatz, Wohnzimmer, Arbeitsplatz, Schlafzimmer und Kinderzimmer, die jeweils mit einem kurzen Vorwort vorgestellt werden. In jedem Kapitel werden außerdem Angaben zu DIY- Projekten, Designklassikern und aktuellen Trends gegeben.

 

Die redaktionelle Bearbeitung der Fotos ist der Hauptunterschied zur Internetseite. Jeder, der möchte, kann sich ein Profil auf der Community anlegen und eigene Fotos teilen. Maalouf hat sozusagen die Beiträge der Gemeinschaft gefiltert und konzentriert in diesem Bildband. Die Kommentare zu den Fotos haben meist erklärenden Charakter, oft werden sie begleitet von Zitaten der Urheber. Wer mag, erfährt hier also mehr über die gezeigten Stücke und deren Erwerbsmöglichkeiten. Ein Paradies für Nachahmer also.

 

Betörende Ästethik ohne weiteren Anspruch

 

Insgesamt ist der Bildband sehr schön anzusehen und die abgedruckten Fotos regen zum Tätigwerden an. Schließlich sind es ja Privatfotos, die Nachahmbarkeit suggerieren. Wer sich für einzelne Markennamen interessiert, erhält die notwendigsten Informationen und im Anhang ein Register für Kaufinteressierte. Man muss leider anmerken, dass beide Tatsachen Das neue SoLebIch Buch nur wenig von herkömmlichen Zeitschriften abheben. Selbst ein Architectural Digest liefert mehr Hintergrundinformationen zu Stil, Material oder Herstellungsart.

 

Dass man trotzdem sehr gerne durch das Buch blättert, ist der soliden Aufmachung und den tollen Fotos zu danken. Maalouf hält sich sehr zurück mit den Erläuterungen, was aber gleichzeitig den Bildern und Originalkommentaren der Mitglieder entsprechend mehr Raum gibt. Das neue SoLebIch Buch hat damit alles Potential für ein hübsches Wohnzimmertischbuch, in dem hauptsächlich geblättert und weniger gelesen wird und kann auch eine Quelle der Inspiration für jene werden, die gerne selbst Hand an ihre Wohnung legen würden.

 

Titelangaben:

Nicole Maalouf: Das neue SoLebIch Buch. Für ein schönes Zuhause.

München: Deutsche – Verlags – Anstalt, 2014. 192 Seiten. 29,99 EUR.

 

Estérelle Payany: Ein Kuss aus der Küche. Heissgeliebte Klassiker natürlich selbstgemacht.

 

 

Geniale Küchenbasics

 

Zugegeben, ich war etwas zurückhaltend, als ich dieses Kochbuch zur Rezension erhalten hatte. Wird hier nicht Uraltes wieder aufgewärmt? Ketchup, Cordon-bleu und Mayonnaise? Aber ja, bitte!Denn Estérelle Payanys Kuss aus der Küche interpretiert Heissgeliebte Klassiker völlig neu. Und lädt damit zum sofortigen Nachkochen ein. Was für ein wundervolles Buch!

 

Alles ist idiotensicher und einfach gehalten bei Payany. Also genau richtig für mich selbst. Die farblich abgestufte Gliederung am Anfang zeigt mir übersichtlich, wohin ich mich wenden muss, wenn ich nun Frühstück, Milchprodukte, Aperitifs, Herzhaftes, Süssigkeiten, Getränke etc. herstellen will. Gleich zu Anfang ein kleiner Wermutstropfen für alle, die nicht die ganzen Gerätschaften haben: auch bei Estérelle braucht man eine Eismaschine zum Eismachen. Gottlob habe ich eine alte vererbt bekommen.

 

Lauter leckere Standards

 

Ich bin schon auf Seite 6 überwältigt. Payanys Rezept für eine Nuss-Nougat Creme wirkt auf mich sehr vertrauenerweckend und kommt auf die Will-Haben-Liste. Zuerst stutzte ich, da Payany manchmal eine eigenwillige Zutatenliste angibt, doch gottseidank gibt es im Anhang eine Adressenliste, damit man Fermente und Extrakte auch in Deutschland bequem online kaufen kann. Auf die Erdbeermarmelade kann ich verzichten, aber schon das Schokocrunchmüsli hat es mir wieder angetan.

 

Es ist wirklich so, dass Payany versucht, die Dinge, die mehr oder weniger jeder im Supermarkt kauft, durch Selbstgemachtes zu ersetzen und dabei auch noch zeigt, wie unendlich einfach das geht! Es gibt also süße Brötchen mit Schokodrops, weiches Toastbrot, Trinkschokolade, schwedische Brötchenhälften und Joghurt in verschiedenen Varianten. Wer mag, darf sogar seinen Pudding ohne Puddingpulver selber machen.

 

Herzhafter und Süßer Alltag

 

Hat man sich durch all die leckeren Desserts und Frühstücksvarianten probiert, geht es ans Herzhafte. Angefangen mit Laugensticks und Käsecrackern, werden Salzcracker, Backpulver (ja, Backpulver!), Blinis, Hummus, Auberginenpaste und verschieden gewürzte Popcornvarianten angeboten. Das kommt mir sehr gelegen, Ihr wisst ja, wie oft ich für meine Kinder Popcorn mache!Selbst die Tortillachips sind hausgemacht und die Kartoffelchips sowieso.

 

Weshalb macht man das, wo doch alles im Supermarkt einfacher und billiger zu haben ist? Es geht ums Prinzip, um das Bewusstsein, die Produktionskette selbst in der Hand zu haben und schließlich auch um den Geschmack. Denn handgemachte Country Potatoes mit gewürzter selbst gemachter Mayonnaise sind einfach tausendmal leckerer als die Industrievariante und der Arbeitsaufwand bleibt überschaubar.

 

Zurück in die Vergangenheit

 

Letztendlich erhalten wir hier die wunderbare Gelegenheit, uns durch Standards zu kochen, die schon vor uns Generationen geliebt haben und die auch deshalb zum Verkaufsschlager geworden sind. Leider schmeckt man manchmal nur noch den Schatten des ursprünglichen Geschmacks, wenn man z.B. Hamburger bei einem Fast-Food-Restaurant kauft. Weshalb Hotdogs, Cordon Bleus und Hamburger so beliebt sind, zeigt sich spätestens dann, wenn man sich die Mühe macht, sie anhand von Payanys Rezepten wieder selbst herzustellen.

 

Auch viele andere Klassiker, wie Butterkekse, Spekulatius, Cookies, Schokostäbchen oder Kokosriegel lassen sich einwandfrei selber machen und man kann bald auf die Industriemassenartikel verzichten. Payany rundet ihr Angebot mit Eisrezepten und Getränken wie Grenadine, Eistee, Pfefferminzsirup und Limonade ab und von Anfang bis Ende habe ich das Gefühl, dass ich jedes einzelne Rezept nachkochen will. Dazu tragen bestimmt auch die süßen und appetitanregenden Fotos von Guillaume Czerw und die liebevolle Aufmachung durch die Edition Michael Fischer bei. Ein Leckerbissen bleibt dieses Buch allemal.

 

Titelangaben:

Estérelle Payany: Ein Kuss aus der Küche. Heissgeliebte Klassiker natürlich selbst gemacht.

Aus dem Französischen von Regine Schmidt.

Igling: Edition Michael Fischer 2014. 144 Seiten, 19,99 EUR.

Jenny Hendy: Das große Gartenbuch für Kinder. 120 tolle Projekte für draußen und drinnen.

 

 

Kleine Gärtner ganz groß

 

Mit vier kleinen Kindern, einem Rohbau mit Garten und jeder Menge Tatendrang lässt sich einiges erledigen, viel mehr verderben und Unendliches Erträumen. Daher ist mir im Moment jede Hilfestellung willkommen. Und da ich manchmal meinem schönen Garten etwas hilflos gegenüber stehe und mir doch klar sein muss, dass noch mehrere Jahre kleine Kinder durch den Garten stiefeln werden, ist es besser, ich halte mich an Jenny Hendy und Das große Gartenbuch für Kinder, um unseren Garten familientauglich zu bekommen.

 

 

Zuvorderst angemerkt: Das große Gartenbuch für Kinder ist groß! Es lohnt sich also, gleich einmal ein größeres Bücherregalfach frei zu räumen. Zudem ist es bei aller logischer Gliederung ein Buch, das benutzt werden will, also sollte ich es besser so einordnen, dass es wiederauffindbar ist. Jenny Hendy wusste das natürlich und so gliedert sich das Gartenbuch in die Bereiche »Grundlegendes« (Sicherheit, Gärtnerische Fachbegriffe, Ausrüstung), Gärtnerlatein (Wachstum, Pflanzen, Basteln, Nachhaltigkeit, Projekte für drinnen) und Leben mit den Jahreszeiten (Gärtnern in Frühling, Sommer Herbst und Winter).

 

Übersichtlich und hübsch

 

Der Aufbau ist also nicht nur logisch, sondern in den einzelnen Kapiteln aus durchgehend übersichtlich gehalten und dank der vielen Fotos für Kinder und Eltern hübsch anzusehen. Gleich zu Beginn steht Hendys Bemerkung, dass es notwendig sei, den Garten speziell an die Bedürfnisse von Kindern anzupassen. Lapidar? Leider kann ich aus leidvoller eigener Erfahrung sagen, dass das, was für Kinder ein schöner Garten ist, sich nicht immer mit den Vorstellungen der Eltern deckt. Gut, dass so etwas noch einmal an zentraler Stelle bemerkt wird.

 

Dank der konsequenten Verwendung von Zeichen weiß ich auch schnell, welche Projekte aufwändiger oder gefährlicher sein könnten und kann mich zur Not noch rechtzeitig umentscheiden. Auch der Hinweis zur Sicherheit im Garten tut Not, denn man kann einfach nicht kleine Kinder auf Harke und Schere loslassen, ohne sie zu beaufsichtigen. Die gärtnerischen Fachbegriffe dagegen erlasse ich meinen Kindern, für mich sind sie sehr informativ.

 

Kleine Forscher ausbilden

 

Schön finde ich, dass gerade für etwas größere Kinder (also bei mir ab sieben Jahren) vieles zum Thema Gärtnern erklärt wird. Angefangen von der Bedeutung der Pflanzen für unser Ökosystem, über den Aufbau einer Pflanze, über botanische Namen bis hin zur Bodenkultur. Immer und überall finden sich kleine Experimente, die Kinder ab der zweiten Klasse wirklich ohne Probleme nachstellen können.

 

Mit einfachen Mitteln im Garten arbeiten – das entspricht ganz meiner eigenen Philosophie. Kein Wunder, dass mich der genial einfache Kompost aus Drahtgeflecht fasziniert. Er steht ganz oben auf meiner Wunschliste und seine Herstellung ist nur noch eine Frage der Zeit! Die Minifrühbeete aus PET – Flaschen dagegen kenne ich schon und freue mich nur, dass sie überhaupt den Weg in ein Buch gefunden haben.

 

Säen und Ernten

 

Gut finde ich auch die Langzeitprojekte, die im Buch erwähnt werden. Meine Kinder sollen ruhig merken, dass Gärtnern nicht von heute auf morgen funktioniert. Erst will Saatgut gesammelt sein, bevor man im nächsten Jahr gutes Gemüse anbauen kann. Die Idee, Stecklinge schlicht in Erdsäcke zu setzen, ist schlicht brillant und mich ärgert nur, dass sie nicht von mir stammt. Weil es um Gärten für Kinder geht, nehmen Balkongärten einen großen Platz ein und auch die Pflanzenauswahl berücksichtigt klassische Vorlieben von Kindern. Es gibt Kartoffeln, Möhren, Paprika, Beeren aller Couleur und Obst.

 

Das Kinderauge arbeitet mit und so sind Blühpflanzen ein weiteres großes Kapitel im Gartenbuch. Ich müsste vielleicht nicht für jede Art von Blühpflanzen eine große Doppeseite haben, doch so bleibt alles übersichtlich. Dafür haben es mir die einzelnen Bepflanzungsentwürfe wieder angetan. Den Sinnesgarten finde ich besonders toll und noch dazu gut nachzuarbeiten. Dagegen lassen mich die Basteleien für den Garten eher kalt, weder Etiketten noch Schilder erregen in mir besonderes Interesse.

 

Nachhaltigkeit lernen

 

Ein Garten ist ein wunderbarer Ort, um Kindern zu vermitteln, dass wir mit unserem Ökosystem vorsichtig umzugehen haben. Futterstationen für Vögel gehören dazu wie Naturwiesen, Bienenparadiese, Schmetterlingspflanzen und Farngärten. Was aber, wenn der trübe Winter kommt? Dann gibt es eben Sprossen zu essen, Experimente mit Gemüse und Pflanzenzwiebeln, und Minigartenanlagen in Plastikschalen. Das ist zwar nicht unbedingt etwas für mich, hat aber meinen Kindern ganz besonders gefallen. Außerdem kann Das große Gartenbuch für Kinder nun wirklich sagen, dass es für jede Jahreszeit und jeden Aspekt einen guten Rat oder ein Projekt parat hat. Ist das nicht wundervoll?

 

 

Titelangaben:

Jenny Hendy: Das große Gartenbuch für Kinder. 120 tolle Projekte für draußen und drinnen.

Aus dem Englischen von Claudia Huber.

Bern: Haupt, 2014. 256 Seiten. 29,90 EUR.

 

Der Kampf mit dem inneren Schweinehund

 

Kennt Ihr es auch, das ewige »Ich sollte mal wieder…«? Mich verfolgt es auf Schritt und Tritt. Ich sollte mal wieder ordentlich sauber machen, bügeln, mit den Kindern Musik machen, Hackbrett üben und ganz nebenbei etwas für meinen Körper tun, der den ganzen Tag funktionieren muss und nicht ausfallen darf. Bis jetzt hatte ich ja die Entschuldigung, dass ich einfach keine Zeit für einen Kurs habe- jetzt wird es schwieriger. Denn Amiena Zyllas Alles Yoga! zeigt auf handtaschenkompakten hundertzwanzig Seiten, dass man immer und überall etwas für sich selbst tun kann!

 

Amiena hat ihr Yogabüchlein in die Situationen gegliedert, die einer Mama im Alltag begegnen können: Unterwegs sein, Beruf und Arbeitsalltag, Hausarbeit, Kinderalltag, Stimmungstiefs, Tage, an denen alles schief läuft, Frauenbeschwerden und einige Specials wie Entgiftung, Immunsystemstärkung, Menstruationsbeschwerden, Schwangerschaft, Menopause und Burn Out. Auf mich bezogen, kann ich nur sagen: fast zu komplett, um wahr zu sein.

 

Einmal Alltag und zurück

 

Aber schließlich ist es doch genau dies, worum es geht: in unserem wahnsinnigen Mütteralltag gesund zu bleiben. Die kleinen Übungen Zyllas können helfen, die eigenen Verhaltensweisen im Alltag so zu verändern, dass es uns gelingt, auch in kleinen Pausen unserem Körper Erholung und Entspannung zu verschaffen. Meine Lieblingsübung: die Venenpumpe für die Supermarktkassenschlange. Ich kenne die Venenpumpe auch aus anderen Yogaübungsprogrammen und finde diese Version einfach genial. Und man vergisst fast die Zeit darüber.

 

Oder eine Übung fürs Wartezimmer beim Kinderarzt? Für den Fall, dass Ihr nicht wie ich Kleinkinder habt, die das Wartezimmer auseinanderbauen, gibt es Übungen zur Bauchstraffung. Bei endlosen Elternabenden bieten sich Übungen zum Thema »endlose Meetings« an, die den eingeschlafenen Kreislauf wieder etwas wach rütteln. Ich habe sie unzählige Male während der zweiten Kindergarteneingewöhnungszeit von Johann und Jakob angewendet.

 

Ruhig durchs Leben gehen

 

Was mich Amienas Büchlein lehrt, ist die Kunst, ein bisschen ruhiger durchs Leben zu gehen. Morgens, wenn der Wecker schrillt, wackle ich halbtot aus dem Bett und der Alltag beginnt. Aber für zwei kleine Yogaübungen zum Wachwerden hätte ich wirklich Zeit und sie geben meinem Kreislauf vielleicht die Chance, nicht bis vormittags um halb zehn hinterher zu hinken. Und eine Kopfmassage beim Haarewaschen? Ja, bitte! Es könnte so einfach sein, es sich gut gehen zu lassen.

 

Die Übungen mit Kindern passen dagegen für mich nicht so gut. Ich würde gerne meine vier Rabauken ruhig durch den Tag begleiten, aber für so viel Wellness bleibt die Zeit nicht. Hier sehe ich Einzelkindmamas deutlich im Vorteil. Es ist toll, wenn man mit seinem Kind zum Aufwachen eine Yogaübung machen kann. Aber wenn man sie viermal machen muss? Während die anderen nach dem Frühstück schreien? Schwer durchführbar, muss ich sagen.

 

Nur für Mamas

 

Trotzdem finde ich gut, dass ich mich als Mutter so wunderbar in Zyllas Übungen wiederfinden kann. Es gibt sogar Übungen für Kummer und Ärger – und für faule Tage, an denen einem nichts gelingt und man zu gar nichts Lust hat. Ich kenne sie gut, die faulen Tage! Auch die Übungen gegen Rückenschmerzen nehme ich dankbar ins Repertoire, denn wenn ich einen ganzen Vormittag gestrichen habe, kenne ich oft jeden einzelnen Rückenwirbel.

 

Für Amienas Specials hatte ich noch keine Verwendung, aber das macht sie nicht schlechter. Am besten gefällt mir wirklich, dass Alles Yoga! so klein ist, dass ich es überall mit hin nehmen kann. Das kommt meinem definitiv schlechten Gedächtnis sehr entgegen, denn ich muss oft nachschlagen, bis ich eine Übung auswendig kann. Es lohnt sich, denn jede Minute, die man sich als Mama für sich selbst erkämpft, ist gut für uns und die Familie!

 

Titelangaben:

Amiena Zylla: Alles Yoga! Entspannt im Alltag & unterwegs

Wien: Verlag Perlen – Reihe, 2014.128. Seiten.12,95 EUR.

Kate Bernard: Minifilz. Süße Sachen zum Kaffeeklatsch. Nähen und Backen

 

Süße Verführung

 

Im Moment komme ich weder zum Kuchenbacken noch zum Nähen. Doch die Sehnsucht stirbt zuletzt und wenn ich mir Kate Bernards Minifilz. Süße Sachen zum Kaffeeklatsch genauer ansehe, dann wird mir bewusst, dass ich echt bald wieder mit Kochen, Backen und Nähen anfangen muss, oder ich verliere den Verstand!

 

Mit Minifilzprojekten habe ich mich noch gar nicht auseinandergesetzt. Aber weil ich für den Kaufladen meiner Kinder schon Muffins gehäkelt habe, dachte ich, die süßen kleinen Kuchen aus Filz könnten nett sein. Das sind sie auch! Sehr sogar. Die Rose aus Filz ist zwar nicht nach meinem Geschmack, weil ich viel lieber meine Rosenbäumchen im Garten mag. Aber den Rosencocktail mit Rosensirup und Limettensaft würde ich sofort ausprobieren!

 

Konditorei und Sommerküche

 

Immer wieder sind zwischen den Nähideen auch Rezepte eingeflochten. Auf die Filztarteletts folgen Mini-Obst – Tartelettes. Auf die Filzpralinen folgt eine Schokoladentarte mit Pralinen. Da macht doch das Nähen erst richtig Spaß, wenn man die eigene Arbeit dann mit leckerem Kuchen genießen kann. Die Projekte sind jeweils sehr gut beschrieben, für unterschiedliche Effekte wird je unterschiedlicher Filz benutzt und ein bisschen schade finde ich nur, dass Kate Bernard mir Unkundigen leider nicht offenbart, wo ich am besten Filz einkaufe. Macht aber nichts, Google ist dankbar und schnell.

 

Ich weiß nicht, was ich ansprechender finde: Bernards süße Filzprojekte oder ihre netten und leckeren Rezepte. Zur Not lieber doch gleich essen? Cupcakes, Macarons, Torten: alles wird aus Filz genäht und gleich nachgebacken. Und für die, die dann noch nicht genug haben, lohnt sich ein Blick auf Kates Blog. Auf www.minifilz.de gibt es noch mehr Anleitungen, noch mehr Rezepte und sehr, sehr schöne Fotos. Außerdem ist es immer spannend, ein bisschen mehr über die Autorin eines Buches zu erfahren.

 

Lust aufs Nähen und Backen

 

Kate Bernards Minifilztörtchen machen so richtig Lust aufs Nähen und Backen. Ich sollte eigentlich eher über Vorhänge als über Filzpralinen nachdenken, aber das gute an solch kleinen Projekten ist doch, dass sie schnell abgeschlossen werden können und dann wieder Zeit ist für die wichtigen Dinge des Lebens. Zum Beispiel Vorhänge nähen und umziehen. Oder von Torten träumen.

 

Titelangaben:

Kate Bernard: Minifilz. Süße Sachen zum Kaffeeklatsch. Nähen und Backen

Igling: Edition Michael Fischer, 2014. 64 Seiten. 14,99 EUR.

Monika Künti: einhängen & verschlingen. Maschenbildung mit vorangeführtem Fadenende

Textiles Werken wie vor 2000 Jahren

 

Auf eine interessante und spannende Zeitreise darf sich jeder freuen, der Monika Küntis einhängen & verschlingen in der Hand hält. Dank ihr lernte ich eine textile Verarbeitungstechnik kennen, die die Menschen viele hundert Jahre lang zur Herstellung von Stoffen und Maschenstrukturen benutzt hatten und die mittlerweile durch Häkeln und Stricken ganz verdrängt worden ist. Schade eigentlich, denn auch mit nur einer Nadel und einem endlichen Faden lassen sich tolle Dinge herstellen!

 

Zuvorderst: ich brauchte schon etwas Sitzfleisch, um mich durch den sehr sachlich gehaltenen Text zu lesen. Zwar mag ich Sachbücher an sich gerne, aber ein Sachbuch über eine Handarbeitstechnik halte ich dann doch nicht ständig in der Hand. Küntis Grundlagenwerk liest sich aber sehr trocken und man braucht schon einiges an Geduld. Dafür wird man aber reich belohnt, denn Monika Künti ist in ihrer Darstellung und Analyse sehr gründlich!

 

Weltkarte der Handarbeit

 

Im ersten Teil gibt Monika Künti einen historischen Überblick über die Verbreitung dieser maschenbildenden Technik. Allein das ist schon hoch interessant. Überall auf der Welt haben seit der Jungsteinzeit Menschen mit endlichem Faden Stoff hergestellt. Zwar sehen die Beispiele aus den verschiedenen Kontinenten sehr unterschiedlich aus, doch im Endeffekt handelt es sich um Musterausprägungen der gleichen Technik. Als würde ich mich beim Stricken zwischen Rippen- und Zopfmuster entscheiden müssen.

 

Es ist faszinierend, zu sehen, was früher aus der einhängenden und verschlingenden Technik alles gemacht wurde. Hängematten in Polynesien, Tragetaschen in Südamerika, Kindertragen in Asien. Überall wurden Variationen der gleichen Technik genutzt, deren großartiger Vorteil darin liegt, auch sehr dicke und sperrige Faden (z.B. Rattan) verarbeiten zu können. Hier stößt man ja z.B. beim Stricken durchaus auf Grenzen, denn die Verarbeitung wird mit zunehmender Fadendicke schwieriger. Ich sage nur: Teppiche aus T-Shirts!

 

Kleines Techniklexikon

 

Also wird mir schnell klar, dass ich Küntis Techniken wahrscheinlich für meine Upcyclingprojekte nutzen kann. Ich werde es Euch wissen lassen! Insofern ist der ausgeprägte Definitions – und Technikteil, der nun folgt, für mich wirklich wichtig. Sehr ausführlich und genau definiert Künti zuerst, wie sie ihre Technik verstanden haben will und gibt dann einen umfangreichen Überblick über Material, Techniken, Werkzeuge und Hilfsmittel.

 

Der wichtigste Teil ist natürlich der praktische. Hier wird zwischen einhängenden und verschlingenden Techniken unterschieden, die allesamt jeweils in ihren unterschiedlichen Ausprägungen Schritt für Schritt und sehr genau erklärt werden. Die Fotografien von Samuel Künti sind hier Gold wert. Schön ist auch, dass Künti bereits Anregungen für Muster und Farben gibt und man sich nicht alles selbst aus den Fingern saugen muss. Auch Beginn und Schluss der Arbeiten werden erläutert und man hat den Eindruck, dass keine Fragen mehr offen bleiben.

 

Am Ende auch etwas fürs Auge

 

Das hört sich alles gewichtig und trocken an und ist es auch. Deshalb bin ich mehr als froh, als dem praktischen Teil ein bebilderter Projektteil folgt, wo Arbeiten der Künstlerin und ihrer Schüler und Kolleginnen gezeigt werden. Hier sehe ich erst, wie filigran und stabil die vorher beschriebenen Techniken dann am konkreten Projekt wirken und spätestens jetzt bin ich sicher: Ich will das können. Mein Bastelmamahirn braucht immer noch Bilder, um sich zurecht zu finden und gottlob mangelt es daran nicht. Ich bin gespannt, was sich alles aus dieser Technik heraus herstellen lässt.

 

Titelangaben:

Monika Künti: einhängen & verschlingen. Maschenbildung mit vorangeführtem Fadenende.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 224 Seiten. 39,90 EUR.

Alice Thinschmidt/ Daniel Böswirth: Das Rucksackbuch für den Wald

 

 

Abenteuer in der grünen Hölle

 

Nachdem für dieses Jahr zwecks Hausumbau jeglicher Urlaub woanders gestrichen wird, bin ich soo dankbar für intelligente und durchführbare Ferienprojekte mit Kindern. Vielen Dank also auch an Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth, die im Rucksackbuch für den Wald mich mit gerade solchen Schätzen schlicht überhäufen und mich an ein starkes Gefühl meiner Kindheit erinnern: Der Wald ist einfach schön.

 

 

Als Kind habe ich den Wald geliebt. Dort habe ich Parallelwelten aufgebaut, Kräuter gesammelt, Hütten gezimmert und mit meinen Freunden gespielt. Dann bin ich erwachsen geworden und habe alles vergessen. Nun darf ich neu erleben und lesen, was ich zum Teil wusste und was mein Wissen um Vieles ergänzt. Gegliedert nach den Jahreszeiten und versehen mit praktischen Icons werde ich durch den Erlebnisraum Wald gelotst und bin begeistert.

 

Ideen für alle Jahreszeiten

 

Wie immer finde ich es einfach praktisch, wenn ein Naturbuch mich durchs Jahr begleitet. Natürlich lese ich für eine Rezension ein Buch von vorne bis hinten, aber als Mama würde ich jetzt erst einmal unter »Sommer« nachschlagen. Und entdecken, dass man aus Rinden Boote mit Antrieb schnitzen kann, pyrotechnische Experimente mit Farnsporen anstellen und aus Waldbeeren tausend leckere Sachen kochen kann.

 

Auch Spielen kommt nicht zu kurz, es werden einfache Varianten von bekannten Spielen vorgestellt, die sich hervorragend im Wald umsetzen lassen, und zwar von Kindern ab fünf Jahren aufwärts. Nichts für meinen Jakob also, aber der darf dafür Beeren naschen und Blätter abschraffieren. Oder im Herbst die Bucheckern aufsammeln, deren Kern röst- und essbar ist. Mittels chemischer Experimente können die größeren Kinder herausfinden, weshalb grüne Blätter im Herbst bunt werden, während Jakob wiedermal leer ausgeht, dafür aber klassische Blätterfiguren kleben darf.

 

Alte Dinge wiederentdeckt

 

Toll finde ich auch die Idee, selbst Tinte, z.B. aus Holunderbeeren, herzustellen oder in einem selbstgewebten Naturrahmen gesammelte Schätze für einige Tage aufzubewahren. Wer im späten Herbst noch in den Wald geht, kann mit feuchter Erde und Rindenfundstücken den Bäumen Gesichter ankleben, die der Regen irgendwann wieder abschminken wird. Selbst für den Winter gehen den Autoren die Ideen nicht aus, wenn auch naturgemäß dieses Kapitel knapper gehalten ist.

 

Aber Futterzapfen für Vögel machen doch bestimmt alle Kinder gerne, genauso wie Masken aus alten Rindenstücken oder Kerzengießformen aus Silikonkautschuk. Selbst Schreibwerkzeug und Windlichter lassen sich aus der hübschen und formbaren Birkenrinde herstellen. So fühle ich mich also rund ums Jahr versorgt mit einem doch nur kleinen Büchlein, das in jeden Rucksack passt und somit gutes Potential hat, unser ständiger Begleiter zu werden.

 

Titelangaben:

Alice Thinschmidt/ Daniel Böswirth: Das Rucksackbuch für den Wald

Wien: Verlag Perlen-Reihe, 2014. 128 Seiten. 12,95 EUR.

 

 

Karin Greiner: Glück aus dem Garten. Mit der Gartenexpertin durch die 10 Jahreszeiten.

Garantie für grüne Daumen

 

Gärtnern ist wieder IN. Das beweist nicht zuletzt ein verwunderter Blick auf die Gattin des US-Präsidenten, die sich gerne bei der Gartenarbeit im Weißen Haus ablichten lässt. Auf dieser Trendwelle schwimmt Karin Greiners Glück aus dem Garten. Es ist dem konservativen Medium des Bayerischen Rundfunks zu verdanken, dass die Diplombiologin und Pflanzenexpertin bei Bayern 1 nicht nur Trends folgen muss, sondern auch tiefe Einblicke in die Arbeitsweise der Natur geben kann. Ich ließ mich aufklären. Wer gern noch mehr lesen will, klickt auch mal hier.

 

Karin Greiner gibt eine sehr behutsame Einführung in das Gärtnern mit der Natur. Sie stellt die zehn Jahreszeiten vor, die den Jahreskreislauf im Garten viel feiner gliedern als die gängigen vier Jahreszeiten, mit denen im Normalfall gegärtnert wird. Entsprechend ist Glück aus dem Garten in die Kapitel »Vorfrühling«, »Erstfrühling«, »Vollfrühling«, »Frühsommer«, »Hochsommer«, »Spätsommer«, »Frühherbst«, »Vollherbst«, »Spätherbst« und »Winter« unterteilt.

 

Augen auf für den eigenen Garten

 

Sehr entspannend ist die Herangehensweise Greiners, die Natur im Garten genau zu beobachten, bevor man als Gärtner dort tätig wird. Wunderbar auch die vielen alten Bauernregeln, die Greiner bei vielen Gelegenheiten anführt und die die Erfahrung vieler Gärtnergenerationen verkörpern. Die meisten Regeln sind sinnvoll und selbsterklärend. Keine Arbeit in den Beeten, zum Beispiel, wenn die Erde noch an den Schuhen kleben bleibt. Die Gartenarbeit ist dann sehr anstrengend und die Erde viel zu feucht, um sich bearbeiten zu lassen.

 

Dafür gibt es viele Tips zum Gärtnern auf der Fensterbank, um die ersten schönen Wochen nach dem Winter zu überbrücken. Auch der Rat, ein Auge auf die Strauchblüte zu werfen, um den richtigen Zeitpunkt zum Pflanzen abzuwarten, ist Goldes wert. Es geht nicht darum, möglichst professionell zu gärtnern, sondern im Einklang mit der Natur die Früchte und Kräfte des Gartens zum eigenen Vorteil zu nutzen.

 

Wunderbare Ratschläge für jeden Garten

 

Greiner spricht in jedem Kapitel Probleme an, die dem Gärtner für gewöhnlich begegnen. Natürlich ist Unkraut ein Thema, genauso wie Mulchen und Düngen. Auf wenigen Seiten lernt man so viel und kann sich dann dem eigenen Garten viel erleichteter widmen. Endlich wird auch darüber gesprochen, weshalb der Traum vom grünen Rasen in unseren Breiten ein Märchen bleiben muss, will man nicht Unmengen von Grundwasser dafür verschwenden.

 

So manche vermeintlich goldenen Regeln werden auch entzaubert. Natürlich dürfen Kräuter auch nach der Blüte geerntet werden. Und selbstverständlich gibt es selbst einfach herzustellende Pflanzenjauchen und Dünger, die zum Wohle der grünen Zöglinge ohne Gefahr ausgebracht werden können. Gespritzt oder gegossen dienen sie zum Schutz der Pflanzen. Überhaupt das Gießen, ihm widmet Greiner fast das ganze Kapitel zum Hochsommer.

 

Viel Freude, wenig Arbeit

 

Es ist beruhigend, zu lesen, wie einfach man es sich selbst in einem schönen Garten machen kann. So ist es im Süden Deutschlands viel zu sonnig für grüne Gärten. Dafür wachsen Rosen und mediterrane Kräuter gut. Angesichts der zunehmenden sommerlichen Unwetter tut es auch gut, zu hören, dass man durch intelligente Bepflanzung seinen Garten bei Hagel und Gewitter schützen kann. Greiner listet genau die Stauden auf, deren Wuchs eine rasche Erholung nach einem Unwetterschock begünstigt. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen!

 

Erwartungsgemäß sind die längsten Kapitel den Sommer- und Herbstmonaten gewidmet, während man im Winter getrost genießen darf. Doch auch hier werden praktische Tips, z.B. zur Christbaumverwertung, für den Hobbygärtner aufgezählt. Trotz des kleinen Formats handelt es sich bei Glück aus dem Garten um ein sehr kompaktes und wertvolles Buch für alle, die in ihren Garten verliebt sind und ihn entsprechend hegen, pflegen und genießen wollen.

 

Titelangaben:

Karin Greiner: Glück aus dem Garten. Mit der Gartenexpertin durch die 10 Jahreszeiten.

München: Deutsche Verlags – Anstalt, 2014. 256 Seiten. 19,99 EUR.

 

 

Gudrun Ongania: An die Töpfe, Gärtnern, los! Praxiswissen und Ideen fürs urbane Gärtnern.

 

 

Lust auf grüne Städte

 

Gudrun Ongania hat im Haupt Verlag ein Buch zum Urban Gardening veröffentlicht. In An die Töpfe, Gärtnern, los! wird Seite für Seite Lust aufs grüne Chaos gemacht. Bisher habe ich ja am Stadtrand in einem großen Gemüsegarten gearbeitet. Aber nun werde ich umziehen in die Innenstadt und ich freue mich so, dass unser Haus dort auch einen Garten hat, aber einen Gemüsegarten gibt es dort nicht. Also muss ich stadtgärtnern.

 

 

Urban Gardening ist in aller Munde. Ich finde es auch toll, wenn unsere Städte wieder grüner werden. Allerdings weiß ich auch nicht, ob ich bleivergiftete Gehwegtomaten essen möchte. Aber nicht alle Städte haben ein gleich hohes Verkehrsaufkommen und ich hoffe doch sehr, dass bald viele Elektroautos und Fahrräder die Innenstädte entstinken. Auf jeden Fall ist meine Kleinstadt relativ verkehrsberuhigt und mein Garten hinter einer hübschen Mauer. Es kann also losgehen.

 

Gärtnern für Alle

 

Das wirklich tolle an Onganias Buch ist, dass sie so viele Stadtgartenvarianten vorstellt, dass bestimmt jeder Leser seinen passenden Urban Garden findet. Damit das auch gut geht, gibt es hierfür dankenswerter Weise eine Checkliste, auf der ich ausfüllen kann, wieviel Zeit ich investieren möchte, was ich anbauen möchte und wieviel Platz ich habe. Je nachdem, ob nur ein Balkon oder vielleicht sogar ein Grundstück zur Verfügung steht, werden verschiedene Anbaumöglichkeiten aufgezeigt.

 

Es ist ein Buch, das zum Mitmachen anregt. Mir gefallen vor allem die Mixtur aus Gartentheorie (man kann nie genug wissen), Praxis (und zwar gleich pflanzfertig) und anschaulichen Beispielen des Urban Gardening. Von Fischfarmen bis zu Fensterbepflanzung ist alles dabei. Alles davon ist unglaublich interessant, mir war nicht bewusst, wieviel Variationen der Gärtnerei es wirklich gibt.

Besonders gefällt mir, dass Ongania ein Herz fürs Upcycling hat. Pflanzgefäße mpssen nicht immer aus Ton sein, nicht wahr?

 

Pflanzen, Ernten und Genießen

 

Beim Urban Gardening ist der Platz oft begrenzt. Von Ongania erfährt man, wie man seine Pflanzen unterpflanzen kann und so die Ernte erhöht. Bisher habe ich meine Tomaten immer einzeln in Töpfe gepflanzt. Von nun an werde ich um die Stämmchen herum Basilikum oder Salat säen, um die Erde nicht brach liegen zu lassen. Ich bin ja lernfähig. So hält sich nämlich auch der Pflegeaufwand für den urbanen Garten in Grenzen und ich kann nach dem Ernten schneller genießen.

 

Als Schlusszuckerl gibt es eine zwanzigseitige Rezeptsammlung, schließlich will die Ernte auch gegessen werden. Das ist super, denn wenn vierzig Seiten vorher eine Topfbepflanzung mit Kürbis und Bohnen vorgestellt wird, findet man später auch gleich die passenden Rezepte dafür. Damit niemand sagen kann, mit der Ernte ließe sich nichts anfangen. Damit hat Gudrun Ongania ein rundum gelungenes Gartenbuch verfasst, das nun eigentlich jeden an die Töpfe locken sollte, damit unser Leben grüner und gesünder wird.

 

Titelangaben:

 

Gudrun Ongania: An die Töpfe, Gärtnern, los! Praxiswissen und Ideen fürs urbane Gärtnern.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 192 Seiten. 29,90 EUR.

Georg Schweisfurth: Die Bio- Revolution. Die erfolgreichsten Bio – Pioniere Europas.

Revolutionäre Landkarte

 

Georg Schweisfurth, Mitinitiator der Herrmannsdorfer Landwerkstätten und der basic AG, macht sich auf die Suche nach dem guten Geschmack. Auf den Spuren der Bio – Revolution reist er zu einundzwanzig Bio- Betrieben in Europa, um heraus zu finden, wie ökologisch – nachhaltige Landwirtschaft wirklich funktionieren kann. Die erfolgreichsten Bio-Pioniere Europas liefern ein beeindruckendes Zeugnis dafür, wie die landwirtschaftliche Zukunft aussehen könnte. Ich ließ mich aufklären. Noch mehr aktuelle Bücher findet Ihr beim Titel-Kulturmagazin.

 

Zugegeben, die hochtrabenden Versprechungen des Klappentextes sind nicht zu erfüllen. Es ist von Lösungsansätzen die Rede, welche die ökologischen Krisen unseres Planeten überwinden könnten. Klimawandel, Lebensmittelskandale, genmanipuliertes Saatgut. Auch Georg Schweisfurths Tour de Force durch Europa liefert keine Antworten auf dringende Fragen. Insofern bleibt das Buch weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Aber es wäre wohl auch zu viel verlangt, vom Autor Wunder zu erwarten, die ein ganzer Stab von Ökonomen und Klimaforschern nicht vollbringen können.

 

Zögernder Einstieg

 

Dennoch liest sich Georg Schweisfurths Reise durch Europas Biobetriebe wie ein fantastisches Märchen. Um zu verstehen, wie die meisten Biolandwirte organisiert sind, gibt Schweisfurth zu Beginn einen kurzen Überblick über seine Hauptargumente. Wirtschaftliche Gegenentwürfe zum Wachstumspostulat stehen hier an vorderster Stelle, zusammen mit der sogenannten Retro- Innovation: zu sehen, was die Vorväter besser konnten und genau das an die Gegenwart anzupassen. Ingenieursschelte ist ebenfalls ein Thema, wobei man hier noch stark das Gefühl von klischeebehafteter Argumentation hat.

 

Es sind dies Thesen, die weder neu noch revolutionär sind. Rohstoffausbeutung, Land Grabbing, die Abhängigkeit von Nahrung und Erdöl und die Zunahme der Müllproduktion geistern immer wieder durch die Schlagzeilen. So lesen sich die ersten Seiten in ihrer Informationsdichte etwas quälend. Interessierte Leser wissen möglicherweise längst Bescheid und tiefergehende Erörterung ist auf nur dreissig Seiten schlecht machbar. Aber es bleiben ja noch weitere zweihundert Seiten zu durchschmökern.

 

Spannende Reise nach Utopia

 

Wirklich spannend wird es, wenn Schweisfurth die einzelnen Unternehmer besucht und zu Wort kommen lässt. Alle hergebrachten Vorurteile werden hier Lügen gestraft. Sämtliche Lebenswege sind zu finden. Da gibt es Biobauern, die seit Familiengenerationen nichts anderes als Biolandwirtschaft betreiben und auch die Quereinsteiger, die Geisteswissenschaften studierten, bis sie ihre Biographie in eine andere Richtung führte.

 

Als Leser darf man sich auf abwechslungsreiche Stationen quer durch Europa freuen. Es wird mit Roswitha Huber eine Bäuerin und Brotbäckerin vorgestellt, die auf einer Alm Kindern und Erwachsenen zeigt, wie man Bauernbrot bäckt. In den Schweizer Alpen lebt ein Paar, das sich dem

Käsen mit Milch von Biokühen verschrieben hat und offenbar vorzüglichen Käse herstellt. Es ist aufregend, zu sehen, nach welchen Prinzipien solche Menschen leben und wirtschaften und wie gut sich auch Privates mit Geschäftlichem verbinden lässt.

 

Von Nord bis Süd Erfolg

 

Faszinierend auch die Landwirte in Südeuropa, die sich den angestammten Kulturlandschaften widmen und sich dem Arterhalt verschrieben haben. Zwei Deutsche haben ein Stück spanische Dehesa in Andalusien gekauft und erhalten damit eine weltberühmte Kulturlandschaft mitsamt Flora und Fauna: denn das dort autochthone Ibérico Schwein liefert weltbekannten Schinken und hilft beim Rekultivieren der Dehesa.

 

Um das Wiederbeleben fast vergessener autochthoner Sorten geht es auch auf Mallorca, wenn statt beliebter Modeweine jene Rebsorten gezüchtet werden, die für Generationen auf der Insel wuchsen und an Witterung und Klima angepasst waren. Erhalt und Entwicklung, dies scheinen die treibenden Motive für viele der vorgestellten Bio-Revolutionäre zu sein. Dem Land wiedergeben, was dorthin gehört und dies so weiter zu entwickeln, dass Landwirtschaft auch für kommende Generationen nachhaltig bleibt.

 

Vom Außenseiter zum Mainstream

 

Wie so oft haben auch in Sachen ökologischer Landwirtschaft die skandinavischen Länder eine Vorreiterrolle übernommen. Biobauern in Schweden und Dänemark werden vorgestellt, deren Popularität ihnen längst den Weg in die Medien geebnet hat, und deren Bewirtschaftungsmodell beispielhaft für die ökologische Landwirtschaft in Nordeuropa geworden ist. Direktvermarktung heißt oftmals das Zauberwort, zusammen mit einer starken Identifikation mit dem Kunden. Viele Landwirte betreiben auf ihrem Hof zusätzlich Hofladen, Metzgerei und Gastwirtschaft.

 

Was Georg Schweisfurth somit auf zweihundert Seiten anschaulich zeigt, ist, dass ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften keineswegs ein Hirngespinst von wenigen technikfeindlichen und rückwärtsgewandten Nachfahren der 68er Generation ist. Es wird ein starkes Gefühl dafür vermittelt, dass eben dieser Wirtschaftsweise die Zukunft gehören muss und dass alle Bestrebungen, diese Modelle flächendeckend umzusetzen, zu unterstützen sind. Grundlegende fachwissenschaftliche Fragen sollte man sich dennoch lieber von Spezialisten beantworten lassen.

 

Titelangaben:

Georg Schweisfurth: Die Bio – Revolution. Die erfolgreichsten Bio-Pioniere Europas.

Wien: Christian Brandstätter Verlag, 2014. 304 Seiten. 22.50 EUR.

Norbert Bareis: Expedition in die Heimat. Erlebnistouren in Baden- Württemberg.

 

 

Warum denn in die Ferne schweifen?

 

Wenn das Gute liegt so nah! Dahoam is dahoam, sagt der Bayer und ich höre trotzdem nicht drauf. Aber dieses Jahr musste ich unseren Urlaub absagen, die Renovierung unseres Hauses wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Zu viel Zeit, um weg zu fahren. Da freute ich mich über die Anfrage, ob nicht Norbert Bareis‘ Expedition in die Heimat rezensieren wollte. Woher konnte der Belser Verlag wissen, dass ich genau diesen Urlaub Daheim für dieses Jahr brauche?

 

Eines der Haupthighlights ist lächerlicherweise die Karte gleich nach dem Impressum. Für gestandene Schwaben bestimmt kein Problem, aber ich wusste weder, wo Hohenlohe, noch wo Kraichgau, noch wo Ortenau liegen. Beim Lesen kann ich mir so gottlob selbst helfen und das ist Goldes wert. Und nun kommt mein Loblied auf dieses wirklich gelungene und sehr schöne Buch, das sich so sehr für die Schwaben engagiert und für ein wunderbares Bundesland.

 

Am Meer Württembergs

 

Ich war noch nicht am Bodensee. Es soll wunderschön dort sein. Wenn ich die schönen Fotos von Friedrichshafen sehe, glaube ich das sofort. Aber auch die Reichenau fasziniert mich mit den wunderbaren Obst- und Gemüsefeldern. Es wirkt sehr mediterran und alterwürdig. Ein gelungener Start also, wenn man sich mit Baden-Württemberg näher befassen möchte. Von hier aus wird der Leser in den Hegau begleitet. In jedem Ort gibt es eine kleine Unternehmererfolgsgeschichte, von Maggi bis Daimler.

 

Der Bodensee hat Baden-Württemberg sicherlich geprägt. Aber auch die Gegenden rundherum haben ihren eigenen Charm. Die urzeitliche Vulkanlandschaft prägt Flora und Fauna, verwunschene Flusslandschaften laden zum Erleben ein. Schon auf den ersten dreissig Seiten habe ich mindestens drei tolle Ausflugsziele für uns entdeckt. Weil ich so gerne esse und trinke, interessiert mich immer, wer wo tollen Wein anbaut oder besondere Leckereien herstellt. Ich fürchte fast, meine Kinder gehen lieber Kanufahren.

 

Burgen und Klöster

 

Meinen Kindern haben natürlich am besten die Beiträge über Burgen, Schlösser und Klöster gefallen und deren gibt es reichlich. Beuron, Lichtenstein und natürlich Maulbronn – Schule Hermann Hesses. Sowohl verwitterte Ruinen als auch prunkvolle Barocksäle bieten Anlass zum Träumen und dankenswerter Weise sind besondere Tipps bei jeder Sehenswürdigkeit vermerkt, so dass ich nach Extravagantem gar nicht lange suchen muss.

 

Natürlich bin ich auch ein wenig stolz, dass auch das Biosphärenzentrum Schwäbische Alb Erwähnung findet, wo ich selbst wohne und gerade versuche, mit meinen Kindern die unmittelbare Umgebung kennenzulernen. Die romantischen Streuobstwiesen kenne ich genauso wie den gigantischen Blick von der Alb ins Tal. Und ich war sogar schon beim Schafauftrieb mit den Kindern.

 

Neckarträume

 

Der Fluss der Schwaben fliesst durch viele schöne Städtchen. Rottweil zum Beispiel. Das Mittelalter scheint hier noch sehr nah. So wie in Horb am Neckar, wo Ritterspektakel die Schaulustigen vergnügen. Wie gut, dass meine Mäuse und ich sogar korrekt gewandet dorthin gehen können! Es gibt soviele Städte und Ortschaften zu entdecken, dass ich mich doch ein bisschen schäme, angesichts der Tatsache, dass ich seit vier Jahren hier wohne und kaum meinen Kopf vor die Tür stecke.

 

Dafür war ich schon in Schwäbisch Hall und habe dort ein sehr schönes Städtchen und ein fabelhaftes Kunstmuseum angekuckt. Von Rothenburg ob der Tauber dagegen habe ich nur gehört und gelesen. Die Fotos sind traumhaft und ich gedenke mich in die Heerscharen von Asiaten einzureihen, die fotografierend durch die Altstadt streifen. In Heidelberg dagegen war ich schon und kann die Begeisterung von vielen Touristen verstehen, die der Schönheit dieser alten Studentenstadt zu Füßen liegen. So geht es mir Seite für Seite. Meine Mädchen sind begeistert und selbst Johann freut sich auf die Ausflüge, sofern wir dabei auf Ritter treffen. Die Sommerferien können kommen!

 

Titelangaben:

Norbert Bareis: Expedition in die Heimat. Erlebnistouren in Baden -Württemberg.

Stuttgart: Belser Verlag, 2014. 192 Seiten. 24,95 EUR.

 

Caroline Verbrugghe: Kreativista. Farbenfrohe DIY – Projekte mit Gute- Laune Garantie

 

 

Selbst gemachte Glückseligkeit

 

Caroline Verbrugghe und einige ihrer Freunde leben offensichtlich in einem kreativen Mekka. Ich hingegen lebe in einem sechsköpfigen Haushalt, der zeitweise einem Affenzirkus gleicht. Meine Kreativität leidet eher unter meinem Alltag. Daher ist es für mich wie ein Urlaub in der eigenen Fantasie, wenn ich Carolines Kreativista. Farbenfrohe DIY – Projekte mit Gute – Laune Garantie in den Händen halten kann.

 

Verbrugghe macht Nägel mit Köpfen. Für ihre DIY – Projekte braucht man nur eine Handvoll Arbeitsmaterialien. Von Cutter über Schneidematte bis hin zu Hammer und Fuchsschwanz lohnen sich die Anschaffungen allemal. Denn die Projekte sind meistens einfach und schnell nachzuarbeiten, so dass der Gute-Laune Effekt gleich von Anfang an greift. Passend dazu ist das erste Kapitel der Herstellung von Partyzubehör gewidmet, also Wortgirlanden, Einladungskarten, Partygläsern und Mitbringsel.

 

Schmuck und Dekoration

 

Mir gefallen auch die Ideen zu selbstgemachten Ausstecherformen aus Dosen, aus denen Caroline Verbrugghe hübschen Schmuck herstellt. Und der Geburtstagskalender in Form einer Girlande ist stark nachahmungsverdächtig. Dagegen brauche ich natürlich eher keine unsichtbare Lampe aus Karton. Bei anderen Projekten interessieren mich vor allem die Techniken, ich wusste nicht, wie ich Porzellan schnell und einfach fettfrei bekomme. Caroline Verbrugghe hat einfach so viele gute und funktionierende Einfälle!

 

Ich finde auch die selbst bemalten Strumpfhosen super, wenn ich auch definitiv ein paar Jährchen zu alt bin dafür. Viele Projekte erinnern mich an die Mode meiner Kindheit, die 80er Jahre, und irgendwie bin ich noch nicht bereit für ein Revival. Mein absolutes Lieblingsprojekt im Buch sind die selbst bezogenen Schuhe. Ich will unbedingt ein paar alter Pumps aufpeppen. Die Technik ist wieder einmal genial einfach und – zumindest scheinbar – todsicher. Dank der gutdokumentierten Fotos lassen sich die einzelnen Arbeitsschritte bei jeder Technik gut nachvollziehen.

 

Farben und Formen

 

Pinnwände in sechseckigem Design aus Korkmatten oder ein selbst entworfener Teppich aus Türmatten zeigen, auf wie vielen Gebieten Caroline kreativ tätig ist. Mir gefällt besonders die Origami – Hängelampe. Besonders im Hinblick darauf, dass ich einige Lampen für unser Haus brauche. Ich weiß nur nicht, ob ich die Geduld aufbringe. Sehr ausdrucksvoll in der Form sind auch die Blumenampeln aus Tetrapaks. Natürlich im Sechseck. Auf sie habe ich es auch abgesehen.

 

Psychedelisch wird es, wenn Caroline Seidenschals und Strumpfhosen in intergalaktische Designerstücke verwandelt. Genau das ist zwar nicht mehr meine Altersklasse, aber es ist wirklich kreativ und sieht sehr cool aus. Das Gleiche gilt für die Glitzer Ellbogenschoner aus alten Pailletenshirts. Nichts für mich, aber sehr spacig. Definitv für mich ist dagegen die Wanddeko mit Schmetterlingen aus Blechdosen, das es ist unsagbar hübsch.

 

Anleihen von Russland und Mexiko

 

Farben und Blüten der russischen Folklore oder der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo finden Eingang in Blütendiademe, kunterbunte Schals in XL-Maschenoptik und Arbeiten mit Jerseygarn. Faden und Stickerei gehen eine wunderbare Liaison ein, wenn alte Stühle bestickt werden oder Ketten in Makrametechnik geflochten werden. Puristisch dagegen wirkt der Schmuckständer aus einem weißlackierten Zweig oder die Fotodrucke auf Holz. Für ein bisschen Verwöhngefühl gibt es auch Rezepte für Badebrausekugeln oder selbstgemachte Zahnpasta. Ich finde eigentlich alles wunderbar und freue mich Seite über Seite über ein kreatives Feuerwerk sondergleichen. Ich hoffe doch sehr, dass Carolines kreative Ader damit nicht aufgebraucht ist.

 

Titelangaben:

Caroline Verbrugghe: Kreativista. Farbenfrohe DIY – Projekte mit Gute- Laune Garantie.

Aus dem Niederländischen von Birgit van der Avoort.

Igling: Edition Michael Fischer GmbH, 2014. 176 Seiten.19,99 EUR.

Axel Gutjahr: Tiere im Zoo

 

 

Riesenviecherei

 

Axel Gutjahr, begeisterter Zoologe und Agrarökonom, hat in der Perlen – Reihe einen Zooführer für Kinder veröffentlicht. In Tiere im Zoo erläuternRätsel, lustige Zeichnungen und ein quirliges Erdmännchen den Kindern das Leben in Zoos. Für Eltern und Kinder birgt das Lesen des Führers gleichermaßen Spaß und alle lernen etwas dazu. Wunderbar.

 

Welches Kind geht nicht gern in den Zoo? Meine jedenfalls lieben Tiere und sterben dafür, sie zu beobachten. Ein Ausflug in den Tiergarten ist also auf jeden Fall eine tolle Sache. Noch toller wird es, wenn man einen sachkundigen Führer dabei hat, der den Kindern altersgerecht die nationale und internationale Fauna nahebringt. Und wenn selbiger Führer auch noch Handtaschengröße hat und total lustig ist, dann sind Mama und Kinder gleichermaßen glücklich.

 

Von großen und kleinen Tieren

 

Suri, das Erdmännchen, führt die Leser durch die Zoos. Es zeigt den Kindern alles, was in den meisten Zoos interessant ist. Affen, die so lustig sind und uns so nah. Manche ihrer Eigenheiten sind erstaunlich. Die Großkatzen, die uns in ihrer Kraft faszinieren und über die wir doch so wenig wissen. Welches Schwanzende haben Pumas und Löwinnen? Ist das Fell des schwarzen Panthers schwarz? Wie oft frisst ein Löwe?

 

Auch Elefanten sind Lieblinge der Kinder. Deshalb ist es nur logisch, dass auch die grauen Riesen vorgestellt werden. Vor allem der Rüssel, der so offensichtlich faszinierendste Körperteil des Elefanten. Es ist erstaunlich, wie viel man erfährt über so typische Exoten wie Löwen, Elefanten, Giraffen, Eisbären und Waschbären. Aber auch kleine Tiere wie Eichhörnchen, Meerschweinchen und Ziegen haben ihren Platz auf Suris Zooführung.

 

Lesen und handeln

 

Besonders nett finde ich, dass es ein Zooführer ist, der nicht nur gelesen werden will, sondern der auch zum Handeln anregt. Immer wieder nämlich sind im Buch Blankoseiten zu finden, die mit Fragen überschrieben sind. Die kleinen Leser dürfen malen, raten und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Zum Beispiel, wenn Gutjahr das Schnabeltier vorstellt und die Kinder fragt, wie ein zusammengesetztes Tier noch aussehen könnte.

 

Das Erdmännchen Suri verrät oft besonders lustige Details, wie zum Beispiel Piranhazähne, die zum Rasieren benutzt werden. Oder dass bei Clownfischen nur Männchen geboren werden, die sich bei Bedarf zu Weibchen weiter entwickeln. Sein ganzes erworbenes Wissen darf der Leser am Schluss an einem Quiz testen, damit nichts vom Erlesenen verloren geht. Ein rundum gelungenes kleines Büchlein also, dass beim nächsten Zoobesuch auf jeden Fall mit im Rucksack eingepackt sein sollte!

 

Titelangaben:

Axel Gutjahr: Tiere im Zoo

Wien: Verlag Perlen-Reihe, 2014. 128 Seiten. 12,95 EUR.

Helena Arendt: Naturgeschenke. 100 Ideen zum Gestalten mit Kindern

 

 

Geschenke nicht nur des Himmels

 

Helena Arendt hat im Haupt Verlag ein wundervolles Buch über einen einfachen Sachverhalt geschrieben: das Schenken. Denn dass Schenken soviel einfacher ist, als wir manchmal denken, zeigt sich schnell in dieser Ausgabe. Wenn wir bedenken, dass wir nur nutzen müssen, was das Geschenk des Himmels an uns war: die Natur. Wie dankbar bin ich also Helena Arendt für ihre Naturgeschenke, die ein Quell der Inspiration für mich sind.

 

Der einzige Fehler an dieser Publikation, und das muss ich doch sofort los werden, ist, dass sie sich dem Titel nach an Kinder richtet. Denn, ehrlich gesagt, mag ich solche Geschenke genau so gerne wie meine Kinder. Außerdem finde ich, dass manche Sachen für Kinder allein noch nicht herzustellen sind, besonders, wenn dabei gekocht oder mit Feuer hantiert wird. Also ist meine Anwesenheit doch absolut notwendig!

 

Alles, was die Erde hergibt

 

Helena Arendt hat ihr Buch wunderbar sinnvoll gegliedert. Am Anfang stehen Geschenke aus Pflanzen, die im Frühling und Sommer gesammelt werden. Blütenköpfe, die im Wasser schwimmen, Blumenkränze, wunderschön verflochten mit Efeu und Wiesenblumen, Blumengefäße aus simplen Marmeladengläsern, verziert mit Steinen und Stöcken. Auch Obst – und Gemüsenetze werden verwertet. All das können Kinder selber machen. Wachsblumen sind hinreißend, ebenso wie kandierte Blüten oder Blütenessig.

 

Viele der Rezepturen habe ich schon selbst ausprobiert. Essige und Öle kenne ich und muss ebenfalls sagen, dass größere Kinder sie ohne Weiteres selbst herstellen können. Auch selbst gesammelte Tees und Salben sind ein tolles Geschenk, wenn beim Erhitzen von Wachs oder Fett die Eltern helfen. Toll finde ich die Seifen und die Blütentinte. Die Räucherbündel sind auch eine süße Idee, ich liebe Lavendel. Auch Papiere können alle selbst schöpfen, selbst kleinere Kinder.

 

Gesammelt, getrocknet, gebastelt

 

Im Frühling und Sommer ist die Blütenernte reichlich. Wohl dem, der Vorratshaltung mag. Kräutersäckchen für den Kleiderschrank oder ein Bad sind eine Bereicherung und hübsch anzusehen, genau wie Blütentees, wenn sie frisch oder getrocknet aufgegossen werden. Viele der Blüten schmecken wunderbar auf Brot oder zieren, gepresst, Marmeladengläser als Teelichter. Blütenseife aus Glycerin ist ein schönes Mitbringsel und, glaubt man Helena Arendt, leicht herzustellen.

 

Ich liebe auch die vielen bunten Salze. Und meine Mädchen trocknen gerne Kräutersträuße für den Winter. Blumen pressen ist eine ergiebige Freizeitbeschäftigung, vor allem, wenn man mit dem Ergebnis Leinwände, Grußkarten, Bilderrahmen, Windlichter, Geschenkpapier oder gar Gipsreliefs gestalten lassen. Dies führt schnell zum Herbst, in dem sich die Beschenkten über Sträuße aus bunten Blättern, Blätterkreaturen, Laubschnitte oder Blätterdrucke freuen dürfen.

 

Blätter und Samen

 

Die Samen, die im Frühling und Sommer gesammelt wurden, geben Bastelschätze für den Winter ab. Die Samen werden zu bunten Mandalas, aus Erdnussschalen werden Figuren und Skulpturen gemacht, Schmuck und Dekorationen werden aus Kartoffeln und Kürbissen geschnitzt. Doch wenn es kalt wird, was bleibt dann? Hölzer und Steine können Bestandteile besonderer Skulpturen sein, bemalt oder umfilzt bringen sie Farbe in den Winter. Ich mag vor allem die Idee, schöne Steine zu bemalen und in leere Pralinenschachteln zu platzieren.

 

Überhaupt sind Steine etwas Besonderes. Nicht umsonst schleppt Jakob sie den ganzen Tag in seinen Hosentaschen herum. Spiele lassen sich aus ihnen entwickeln, Tiere und Figuren bauen. In einem letzten Kapitel stellt Helena Arendt Naturgeschenke vor, die Kinder das ganze Jahr über basteln können. Manche der Ideen von Arendt sind wunderbar originell, manche kannte ich, manche sind so simpel, dass ich nicht darauf gekommen wäre. Immer sind sie mit Kinderaugen besehen, die es oft so viel einfacher mögen, als wir denken. Gerade in dieser Hinsicht tut allein das Blättern in den Naturgeschenken gut.

 

Titelangaben:

Helena Arendt: Naturgeschenke. 100 Ideen zum Gestalten mit Kindern

Bern: Haupt Verlag, 2014. 232 Seiten. 24,90 EUR.

Bärbel Oftring: An Tümpel, Fluss und Meer. Das Natur-Mitmachbuch für Kinder

Auf, ans Wasser!

 

Bärbel Oftrings Mitmachbuch ist ein Appell an alle Landratten, endlich die Juniorforscherausrüstung zu schultern und sich auf Schusters Rappen aufzumachen An Tümpel, Fluss und Meer. Wie gerne lasse ich mich von ihr führen, um Flora und Fauna an unsern heimischen Gewässern kennen zu lernen. Kommt Ihr mit?

 

Schon im Inhaltsverzeichnis kann sich jeder kleine Forscher ab sieben Jahren den Bereich aussuchen, den er am liebsten mag. Jahreszeiten, Insekten, Säugetiere, Blumen und Bäume, Amphibien, Fische, Weichtiere, Krebse, Vögel oder Lebensräume am Wasser. Damit der Forscherausflug gelingt, gibt es am Anfang eine Ausrüstungsliste mit einer Bauanleitung für einen Kescher.

 

Profunde Einführung ins Thema

 

Jedes einzelne Kapitel erfährt eine grundlegende und gründliche Einführung. Es ist aber nicht so, dass die Jungforscher hier nur Lesearbeit erwarte, nein! Woraus ein Flusslauf besteht, kann man sich selber am Quiz aneignen. Rätsel gibt es auf fast jeder Seite, die Lösungen befinden sich hinten im Buch. Außerdem darf in dieses Buch hineingeschrieben werden! Tabellen und Listen über Tiere und Pflanzen geben genügend Gelegenheit, eigene Beobachtungen nieder zu schreiben.

 

In den meisten Themen bin ich selbst nicht bewandert. Wie sehen Amphibienlarven aus, wo legen Molche oder Frösche ihre Eier ab, wie sieht es im Auwald aus. Nichts davon könnte ich beantworten, doch die Kinder lernen solche Bereiche kennen über eigenes Lernen. Die Bäume oder Frösche, die man entdeckt hat, können abgehakt werden. Selbst einen Blühkalender zum selber ausfüllen hat Bärbel Oftring auf einer Seite verfasst. Pflanzen an Gewässern können so im jahreszeitlichen Wechsel beobachtet werden.

 

Bewusste Wahrnehmung der Natur

 

Das Mitmachbuch regt vor allem die Neugier und Wahrnehmung der Kinder an. Wann ist Frühling, wie riecht oder klingt er? Welcher Vogel singt zuerst? Solche spannende Fragen wecken den Forscherinstinkt. Wie also kann man mit den Funden aus dem Kescher umgehen? Auch das wird erläutert und bietet den Kindern Hilfestellung, die auch das Leben der Tiere schont. Je nach Region gibt es Kapitel für Flüsse, Seen, Teiche oder Küsten.

 

Oftring gibt auch Anregungen für Aktivitäten mit Gruppen, sei es Zelten an Gewässern oder Kanuausflüge, bei denen sich Flora und Fauna erforschen lassen. Auch das Spiel kommt nicht zu kurz, Wasserräder werden gebaut, Gartenteiche angelegt, es wird mit Uferpflanzen gekocht und zum Schluss lassen alle ihre Drachen fliegen. Von vorne bis hinten garantiert dies Spaß und Kurzweile. Ich freue mich schon auf den ersten Ausflug an unseren Waldbach!

 

Bärbel Oftring: An Tümpel, Fluss und Meer. Das Natur-Mitmachbuch für Kinder

Bern: Haupt Verlag 2014. 128 Seiten. 19,90 EUR.

 

Claudia Scholl: Das Urlaubsbuch für Kinder und Eltern. Ideen zum Basteln, Spielen und Spaß haben.

 

 

 

Ab in den Urlaub

 

Die nächsten Ferien kommen bestimmt und langsam ist es auch draußen so schön, dass man richtig in Urlaubsstimmung kommt. Wer träumt nicht von entspannten zwei Wochen an jenem Ort, den man schon so lange sehen wollte? Dass die Realität oft anders aussieht, weiß jeder, der Kinder hat. Regentage generieren Langeweile und schlechte Laune, die unterschiedlichen Bedürfnisse aller lassen sich nicht immer unter einen Hut bringen und statt Urlaubsstimmung hängt der Haussegen schief. Damit mir nichts davon passiert, liegt auf meinem Schreibtisch Claudia Scholls Urlaubsbuch für Kinder und Eltern.

 

Claudia Scholl versucht in einem Rundumschlag, alle potentiellen Urlaubsszenarien zu behandeln. Urlaub am Meer, in den Bergen, im Schnee, in der Stadt, im Umland, zu Hause, in fremden Kulturen. Hier ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Damit alle Bastelideen durchgeführt werden können, lag dem Buch eine verschließbare Plastiktüte bei, in die die Werkmaterialien und fertige Projekte passen. Perfekt organisiert also.

 

Mehr vom Urlaub haben

 

Claudia Scholls Ansatz ist sehr simpel: Eine Familie möchte sich im Urlaub gerne erholen. Für den Fall, dass das nicht an sich gelingt, schlägt sie kleine kreative Hilfen vor, die die Kinder bei jedem Wetter beschäftigt halten und so die Mindestentspannung garantieren. Dass das nur mit einem hohen Maß an Ruhe und Flexibilität möglich ist, sollte eigentlich klar sein. Scholls Mantra vom »erst mal ankommen, hinnehmen und das Beste daraus machen« strapaziert meine Nerven nach hundert Seiten trotzdem. Klar weiß ich, wie recht sie hat, doch als lernfähiger Mensch würde ich mir wünschen, dass nicht jedes Kapitel gleich anfängt.

 

Ein Familienurlaub ist im Normalfall kein Bastelkurs, so sind auch die Ideen, die Scholl vorschlägt, sehr simpel. Das Gute daran: alles lässt sich leicht organisieren, transportieren und nacharbeiten. Da meist mit Upcycling – Material gewerkelt wird, werden Geldbeutel und Umwelt gleichermaßen geschont. Irgendwelche Verpackungen gibt es überall und aus allem können kreative Kinder etwas machen. Vor allem für Familien, die sich mit Kreativität schwer tun, ist dieses Buch ein Segen, denn die einfachen Projekte können unter Garantie alle nacharbeiten.

 

Augen auf

 

Das erfordert natürlich von Allen, sich genau umzuschauen, nach Arbeitsmaterial ebenso wie nach Anregungen. Als positiver Nebeneffekt ergibt sich so, dass man sich die Umgebung, in der man seinen Urlaub verbringt, noch genauer als sonst ansieht. Vor allem dieser Aspekt gefällt mir am Buch. Je nach Urlaubsort basteln die Kinder Schiffchen, Medaillons, Ketten, Forscher- Stationen oder Seilbahnen. Im Fall von Regentagen kann so das Erlebte noch einmal verarbeitet werden. Die Beschränktheit der Mittel sehe ich als kreativen Ansporn an.

 

Für uns als kreative Familie habe ich im Buch auch viel gefunden, das ich schon kenne und so ist es nur zur Hälfte interessant. Genau diese Hälfte aber setzt halb eingerostete Mechanismen in Bewegung à la: »wir könnten ja mal wieder«. Deshalb kann ich es auch gar nicht erwarten, wieder Urlaub zu machen, denn an den Regentagen oder in müden Pausen würde ich gerne Claudia Scholls Vorschläge ausprobieren. Angesichts unseres Hausumbaus fürchte ich fast, dass wir uns auf das Kapitel »Urlaub zu Hause« beschränken, aber auch hierfür gibt es viele Ideen. Dank Wochen- und Tagesplaner am Ende des Buches können wir die auch gleich eintragen und schonmal ein bisschen Urlaubsstimmung aufkommen lassen.

 

Titelangaben:

 

Claudia Scholl: Das Urlaubsbuch für Kinder und Eltern. Ideen zum Basteln, Spielen und Spaß haben.

Bern: Haupt Verlag 2014. 160 Seiten. 19,90 EUR.

Chantal Sabatier: Land und Leinen. Duftig – leichte Nähideen im französischen Landhausstil.

 

 

Gartenlust und Frust

 

Der Frühling naht und mit ihm die Sehnsucht nach dem Draußen- Sein. Chantal Sabatiers Land und Leinen. Duftig- leichte Nähideen im französischen Landhausstil kam mir da gerade recht. Nähen für draußen und dann draußen das Genähte genießen – was kann es Schöneres geben? Einiges, muss ich leider sagen, denn das im Thorbecke Verlag erschienene Buch birgt sowohl Gartenlust, als auch Gartenfrust.

 

Mein erster Kritikpunkt ist natürlich, dass mir der Gartenteil mit nur einem Kapitel viel zu klein ist. Die drei verbleibenden Kapitel befassen sich mit Heimtextilien, Aufbewahrungsgegenständen und Dingen für den Esstisch. Unnötig zu erwähnen, dass sich alles ein bisschen überschneidet und nur die Heimtextilien ein wirklich eigenständiges Kapitel darstellen. Aber auch da fehlt mir so einiges. Andererseits muss ich zugeben, dass Layout und Fotos sehr ansprechend gestaltet sind, und mittlerweile bedeutet mir das wirklich viel. Ein schönes Buch in den Händen zu halten, macht einfach Spaß.

 

Viel Lesearbeit

 

Die meisten Projekte finden inklusive Foto auf einer Doppelseite Platz. Das macht die Organisation im Buch zwar leichter, doch mein Verständnis leidet darunter. Die meisten Handarbeitsbücher arbeiten mittlerweile mit bebilderten Anleitungen. Ich kucke mir kurz die Bilder an und nachdem ich relativ versiert im Nähen bin, erklärt sich vieles von selbst. Nicht so hier, alles muss man sich mühsam durchlesen, nichts erklärt sich. Ich persönlich finde das mehr als frustrierend. Ganz abgesehen davon, dass es mit gefühlt Schriftgröße drei auch gar nicht so einfach ist, sich im Text zurecht zu finden.

 

Ansonsten sind die Schnitte recht einfach gehalten, für so manche Patchworkdecke, die sich nur aus Quadraten zusammensetzt, hätte ich auf die Anleitung ganz verzichten können. Nackenrollen und Kissen sind außerdem nicht unbedingt spektakulär. Man blättert sich also durch und hofft bei den Aufbewahrungsgegenständen auf Besserung. Hier gibt es hübsche Täschchen, die ich nicht brauche. Die kleinen Körbchen jedoch gefallen mir, dafür wollte ich schon immer einen Schnitt haben. Mit Stoff überzogene Kisten aus Karton sind auch hübsch, aber wieder unglaublich unspektakulär. Das einzige außergewöhnliche Gefäß ist in Milchkannenform gehalten, dessen Funktion erschließt sich mir nicht, es ist im Buch mit Watte gefüllt.

 

Tischlein deck dich

 

Die Patchworktischdecke ist hübsch und leicht nachzuarbeiten. Und auch die folgenden Topflappen haben etwas für sich. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich mir für meine Küche die Arbeit des Applizierens machen würde, aber für Geschenke finde ich das eine sehr hübsche Idee. Auch die Schürze ist niedlich und leicht. Mich nervt nur wieder der komplizierte Anleitungstext. Ich wäre zumindest für Stichpunkte dankbar gewesen. Fürs Weitere brauche ich keinen Übertopf mit Schachbrettpatchwork. Beim Blumengießen würde er für meinen Geschmack viel zu schnell schmutzig werden.

 

Zum Schluss fiebert man regelrecht auf das Gartenkapitel hin. Hier lockt eine hübsche Hängematte mitsamt Decke und Kissen. Leider gibt es die Hängematte schon einmal nicht zu nähen, wie schade. Auch eine Picknicktasche in der Größe eines Einkaufsbeutels brauche ich nicht. Ich habe vier Kinder und vielleicht noch Freude zum Picknick eingeladen. Der Strohhut mit der Blüte ist hübsch, aber viel zu kompliziert genäht, das geht mit Kanzashi viel einfacher. Und die Picknickpatchworkdecke ist gar nicht gepatcht, sondern es werden nur Stoffquadrate auf einen Basisstoff gesteppt. Mein Highlight in diesem Kapitel ist das Moskitonetz. Im Endeffekt wird zwar nur ein Ikea- Moskitonetz aufgehübscht, aber das wirklich einfach und nett, so dass ich mir überlege, mir so ein Moskitonetz für meinen Garten zuzulegen. Dem Rest stehe ich mehr als zwiespältig gegenüber. Trotz der hübschen Fotos bietet das Buch nur wenig und das zu einem hohen Aufwand. Viel Frust für wenig Lust.

 

Titelangaben:

Chantal Sabatier: Land & Leinen. Duftig- leichte Nähideen im französischen Landhausstil.

Aus dem Französischen von Christine Frauendorf- Mössel.

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2014. 96 Seiten. 14,99 EUR.

 

Caroline Hosmann: Feiern mit den Naturkindern. Anregungen für kleine Feste im Jahresverlauf

 

Hosmann, FEIERN MIT DEN NATURKINDERN_druck.inddKleine Feste feiern wie sie fallen

 

Ganz ehrlich: ich beneide Caroline Hosmann. Als Mama von vier Kindern hat sie doch genug zu tun, nicht wahr? Und sie bloggt auch noch auf www.naturkinder.com, so viel zu Gemeinsamkeiten. Aber ganz im Gegensatz zu mir hat sie hier ein zauberhaftes Buch veröffentlicht, mit vielen kleinen, doch kreativen Ideen, die sich im Laufe eines Jahres unproblematisch verwirklichen lassen. Also wollen wir Feiern mit den Naturkindern.

 

Man sieht von Anfang an, wie sehr Caroline Mama ist. Weil sie weiß, wie gerne Kinder feiern. Ich muss bei dem Gedanken ans Feiern immer an Johann denken, dessen größter Wunsch es ist, im Sommer endlich einen Feierabend mit der Familie zu verbringen. Ganz abgesehen von der natürlichen Relevanz von Geburtstagen, Weihnachten, Nikolaus, Ostern, Advent, Silvester usw. Ich bin also dankbar, wenn Caroline mir zeigen kann, wie viele Ideen es noch gibt, sehr unaufwendig ein feierliches Gefühl bei meinen Kindern zu erzeugen.

 

Feste feiern im Einklang mit der Natur

 

Besonders gefällt mir der Einstieg. Hosmanns erster Festvorschlag bezieht sich auf den Winter. Es ist nunmal so, dass die Natur ihr Jahr mit dem Winter beginnt und auch beendet. Herkömmliche Familienbücher fangen oft mit dem Frühling an, das bringt mir aber im Januar nur wenig. Schön, dass ich nun eine Vogelhochzeit feiern kann, mit Futterkuchen zubereiten, Vogelzählung, Vogelstempel und Vogelkeksen. Bestimmt ist für jeden etwas dabei, das die trübe Winterlaune hinwegbläst. Es ist fast schade, dass nun schon März ist.

 

Dafür freuen sich meine Kinder auf eine Gänseblümchenparty. Man sollte jedes einzelne kleine Gänseblümchen feiern, kündigen sie doch den lang ersehnten Frühling an. Die Fotos von den Naturkindern sind bezaubernd, sie erinnern mich leider daran, dass meine Frühjahrsklamotten für die Kinder noch nicht fertig sind. Carolines kreativer Schatz ist damit natürlich noch nicht ausgebeutet. Kreuz und Quer durchs Jahr werden noch Zaubermeistertreffen feierlich begangen, Lichterfeste und Kinderhauseinweihungsparties geschmissen und jedesmal wunderbare Einladungen, Mitgebsel, Bastelideen, Dekorationen und Rezepte selbst gemacht.

 

Schön anzusehen, einfach nachzumachen

 

Vielleicht beschleicht einen hie und da das Gefühl, die Anregungen seien etwas sehr einfach gehalten. Das stimmt und bedeutet zum einen, dass man schon so einiges selbst gemacht hat, heißt aber zum anderen auch, dass wirklich alles jederzeit nachempfunden werden kann. Was nützt schon ein Buch voller schöner Fotografien, wenn man sich sicher sein kann, dass es nicht genutzt wird. Da ist es mir tausend Mal lieber, etwas in den Händen zu halten, mit dem ich etwas anfangen kann.

Mir gefallen natürlich vor allem jene Ideen, die ich nicht kannte, zum Beispiel, wie man ein Weidenpfeifchen schnitzt oder japanische Panflöten herstellt. Auch Traumfänger haben wir noch nicht gebastelt, genauso wenig wie Sitzkissen aus Filz. Dafür brauche ich keine Rezepte für Kinderknete, Röstis, Blätterteig oder Weizenkleber.

 

Außerdem gefällt es mir natürlich, wenn ich lese wie Caroline Hosmann, die bei München lebt, bayerisches Brauchtum aufgreift, an das ich mich zwar aus meiner Kindheit noch gut erinnere, doch in dem Bewusstsein, dass von meinen Freundinnen fast niemand darüber Bescheid weiß. Gerade die alten Bräuche um Weihnachten und Erntedank bieten viele Möglichkeiten, Kinder einzubinden und ich freue mich, dass jemand dieses alte Gedankengut aufgreift. Ich habe mir fest vorgenommen, dieses Jahr mit meinen Kindern kein Fest auszulassen, sondern sie wirklich so zu feiern, wie sie fallen!

 

Hosmann, FEIERN MIT DEN NATURKINDERN_druck.inddTitelangaben:

Caroline Hosmann: Feiern mit den Naturkindern. Anregungen für kleine Feste im Jahreslauf.

Bern: Haupt, 2014.176 Seiten. 24,90 EUR.

Zu kaufen beispielsweise hier.

 

Rose Marie Donhauser, Reinhardt Hess et al.: Meine Küchenschätze aus Natur und Garten. Hausgemachtes für den Vorrat

 

 

Kochen aus der Schatzkiste

 

Der Kosmosverlag meint es offensichtlich gut mit mir. Auch mein zweites Rezensionsexemplar bringt mich zum Schwärmen. Endlich habe ich neue Rezepte, um meine Vorratshaltung aufzupeppen. Ein Autorenteam um Rose Marie Donhauser und Reinhardt Hess hat ein gemeinsames Brainstorming veranstaltet und es sprangen Küchenschätze aus Natur und Garten dabei heraus. Es sind wirkliche Schätze und ich hoffe, es läuft Euch das Wasser im Mund zusammen.

 

Zuerst möchte ich erwähnen, dass es ein sehr großes Autorenteam ist, das an diesem Buch gearbeitet hat. Neben den bereits erwähnten Donhauser und Hess haben auch Cornelia Schinharl, Regine Stroner, Anne Rogge, Barbara Krasemann und Gabriele Bickel Rezepte beigesteuert. Sie alle widerlegen die Redewendung »Viele Köche verderben den Brei«, denn was sie in den folgenden drei Kapiteln gezaubert haben, ist alles andere als verdorben.

 

Süße Schätze

 

Im ersten Abschnitt geht es um alles, was süß ist und essbar. Konfitüren, Gelees und kandierte Früchte sind die Hauptdarsteller. Vieles ist natürlich bekannt, aber ich mag die abwechslungsreichen Kombinationen, mit denen althergebrachte Rezepte aufgehübscht werden. Das Apfelgelee wird mit Rosenblüten angesetzt, zu Brombeergelee gesellt sich Vanille und Stachelbeeren und Ingwer freunden sich an. Aber wirklich interessant ist für mich das Löwenzahngelee mit Blütenblättern. Das muss ich einfach ausprobieren.

 

Aber auch die Kombination von Tomaten und Chili mit Gelierzucker finde ich spannend, das sollte zum Käse wunderbar passen. Kandierte Veilchen wollte ich immer schon einmal machen, Veilchenblütengelee finde ich auch gut, Konfitüre habe ich bereits versucht. Natürlich brauche ich nicht unbedingt Anleitungen für einen Rumtopf und auch den Erdbeerzucker habe ich bereits an anderer Stelle gefunden und nachgekocht. Dennoch sind es gute Rezepte und wert, nachgekocht zu werden.

 

Herzhaft gewürzt

 

Ich mag Herzhaftes besonders gerne. Bei vielen Abendessen im Jahr freue ich mich, wenn ich nicht nur Wurst und Käse auftischen muss, sondern etwas aus dem eigenen Vorratskeller zusteuern kann. Selbst wenn ich dafür Zutaten kaufen muss! Antipastigemüse mag ich deshalb immer wieder gerne, Chutneys sind zu Fleisch und Käse ein Genuss, besonders wenn sie aus Birnen, Rhabarber, Johannisbeere und Apfel gemacht sind. Wieder sind es die außergewöhnlichen Zusatzkombinationen, die die Rezepte zu etwas Besonderem machen.

 

Interessant wird es dann, wenn plötzlich Farnsprossen eingelegt werden. Natürlich hätte ich an so etwas nicht im Traum gedacht. Jetzt muss ich nur noch Farn finden. Dagegen sind Cornichons oder Mixed Pickles nett, aber nicht besonders aufregend. Prickelnder sind da schon die Waldkapern aus Bärlauchknospen, an Bärlauch habe ich mich noch nicht herangewagt. Selbiger wird auch, genau wie Giersch, zu Pesto verarbeitet. Giersch finde ich wundervoll. Er wächst überall und ich benütze ihn bereits für Kräuterspinat.

 

Zuwachs für die Kräuterküche

 

Eine Kräuterhexe bin ich noch lange nicht, aber ich freue mich natürlich, wenn auch hier neue Ideen meinen Küchenschatz bereichern. Kräutersträußchen zum Würzen, Estragonsenf, eingelegte Pilze, Steinpilzsalz oder andere Kräutersalze sind leicht herzustellen und bereichern die Speisekammer auf lange Zeit. Selbiges vermögen auch die Ansatzliköre, Säfte, Essige und Sirupe, die zum Abschluss folgen. Hier spielt zwar der Faktor Zeit eine Rolle, doch so wie sich die Rezepte lesen, lohnt die Mühe. Auch Teemischungen werden vorgeschlagen, sogar eine Möglichkeit, fermentierten Schwarztee aus Beerenblättern selbst herzustellen. Woher wussten die Autoren, dass ich mich hauptsächlich von Schwarztee ernähre? So geht es mir immer wieder mit diesem Buch. Zwischen all den bekannten Rezepten entdecke ich immer wieder wahre Küchenschätze, die ich so noch nicht kannte. Sie machen die Küchenschätze so erwerbenswert.

 

Titelangaben:

Rose Marie Donhauser, Reinhardt Hess et al.: Meine Küchenschätze aus Natur und Garten.

Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlag, 2014. 144 Seiten. 14,99 EUR.

 

Regine Stroner: Selbst gemacht & mitgebracht. Geschenke aus der Küche.

 

 

Viel zu schade zum Verschenken!

 

Regine Stroner hat mit Selbst gemacht & mitgebracht im Kosmos Verlag ein unaufgeregtes und durch und durch sympathisches Kochbuch für Mitbringsel herausgebracht. Mein einziges Problem: Eigentlich will ich alles selber haben und gar nichts verschenken. Also, rein in die Küche!

 

Stroners kulinarische Geschenkeparade ist gut organisiert. Das ist angenehm praktisch für Mamas wie mich, die keine Zeit haben. So kann ich gleich auf den ersten Blick entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Auch die Rubrik über Grundtechniken finde ich gut, denn manches habe ich tatsächlich nicht gewusst, das ich nun in meine Küchenpraxis einbringen kann. Und für Faule wie mich ist es ein Segen, dass auf fast jeder Seite passende Verpackungstipps stehen. Denn schließlich soll Selbstgekochtes nicht nur gut schmecken, sondern auch schön aussehen.

 

Eine gute Mischung aus Alt und Neu

 

Ein erstes Kapitel geht auf Konfitüren ein. Marmelade ist etwas wunderbares, vor allem dann, wenn althergebrachte Rezepte auf intelligente Weise aufgepeppt werden! Pfirsichkonfitüre mit Salbei, wer hätte das gedacht? Außerdem gefällt mir, dass immer wieder Rezeptvariationen angegeben werden. Auch für Rhabarber und Aprikosen gibt es Rezepte, die nicht ganz alltäglich sind. Für alle, die wie ich auf Vorrat kochen, sind Verfallsdaten angegeben. Chutneys aus Melonen, Kürbis oder Zwetschgen erweitern das Speisenangebot auf Frühstück bis Abendbrot.

 

Regine Stroner hat aber noch mehr im Angebot. In einem weiteren Kapitel gibt es interessante Rezepte für Kochzutaten, die man auf Vorrat zum Mitbringen kochen kann. Dazu gehören Kräutersalze, Aromazucker, Punschessenz, Sirupe, Duftessige, Öle, Würzpasten, Kräuterbutter oder Pilzpaste. Hier kenne ich bereits Vieles, ich würde sagen, mehr als die Hälfte der Rezepte. Für alle, die aber noch kein Würzgemüse oder keine Sirupe gemacht haben, ist dieses Kapitel eine echte Fundgrube.

 

Süß und Sauer für Alle

 

Mitbringsel für den Kaffeetisch gibt es natürlich aus. Man darf wählen zwischen exquisiten Rosenkeksen, Cantuccis, Japonais, Katzenzungen, Glückskeksen, Teekuchen im Glas (einer meiner Favoriten), Trüffeln, Marzipankonfekt, Fruchtwürfeln und vielen anderen. Auch hier finde ich viel Bekanntes, von Rumkugeln bis Pfeffernüsse. Die Rezepte sind bestimmt lecker, aber außer Cookies verbinde ich Kekse oft mit Weihnachten und Trüffel sind einfach nur eingeschränkt haltbar. Am Interessantesten finde ich noch den Kuchen im Glas, den ich sicher ausprobieren werde.

 

Vielversprechender gestaltet sich das letzte Kapitel, in dem pikante Geschenke vorgestellt werden. Schon die Olivenschnecken hören sich so lecker an. Es folgen Pistazienkekse, Kräutermuffins, Brioches mit Speck, Walnussbaguettes, Grissinis, Käsegebäck und Gewürznüsse. Auf das Käsegebäck hätte ich verzichten können, da gibt es einige Rezepte in meinem Bücherschrank, aber die Gewürznüsse finde ich wieder wundervoll. Nachdem wirklich zu jedem Rezept eine Verpackungsidee angegeben wird, ist das Geschenk praktisch fertig mit dem Kochvorgang. Das ist Gold wert, nachdem ich meistens spätestens beim Aufräumen und Saubermachen die Geduld verliere und meine Geschenke gar nicht verpacke. Ein rundum gelungenes Buch also für alle, die ein paar gute kulinarische Mitbringsel gern in der gleichen Ausgabe suchen möchten anstatt stundenlang Bücherregale und Einzelexemplare zu durchforsten. Es sollte möglichst nah an der Küche stehen, denn es wird oft gebraucht werden!

 

Titelangaben:

Regine Stroner: Selbst gemacht & mitgebracht. Geschenke aus der Küche.

Stuttgart: Franckh-Kosmos-GmbH, 2013. 144 Seiten. 14,99 EUR.

 

Remo H. Largo: Wer bestimmt den Lernerfolg: Kind, Schule, Gesellschaft?

Rufer in der Wüste

 

Remo Largo, seines Zeichens renommierter Professor für Kinderheilkunde und Autor so bekannter Bücher wie Babyjahre, Schülerjahre und Jugendjahre hat eine Flugschrift herausgebracht. In Wer bestimmt den Lernerfolg hält er uns Eltern den Spiegel vor und plädiert einmal mehr für einen realistischen, liebevollen Umgang mit unseren Kindern. VIOLA STOCKER ließ sich gerne überzeugen.

 

Etwas ist faul im Staate Dänemark und mittlerweile braucht es nicht einmal mehr PISA-Studien, um uns dies vor Augen zu führen. Obschon die Mitglieder unserer Gesellschaft in zunehmenden Wohlstand leben und wir uns selbstverliebt eine »Wissensgesellschaft« nennen, vermögen wir es offensichtlich nicht, unser Wissen oder zumindest die Wertschätzung desselben an unsere Kinder weiterzugeben. Was sonst wohl würde das nur mittelmäßige Abschneiden unserer Sprösslinge bei internationalen Tests erklären?

 

Sinnlose Reformen

 

Während die Kultusminister der Länder in Panik das Schulsystem reformieren wollen, müssen sie sich nach stets neuen Vorbildern umschauen. Denn mittlerweile schneiden auch die einst hochgelobten skandinavischen Länder bei internationalen Bildungsvergleichen schlechter ab. Was ist nur mit den Kindern los, mag man sich fragen. Remo Largo tat dies offensichtlich auch und zwar infolge einer Langzeitstudie, die er mit Kollegen in der Schweiz und weltweit ausgewertet hatte.

 

Die Ergebnisse sind überraschend und erhellend zugleich. Lediglich zwanzig Prozent der Gesamtmenge an Einflussfaktoren fallen auf solche, die gesellschaftlich heiß diskutiert werden: weder der sozioökonomische Status, noch die Peers, noch die Schule oder die Schulleitung haben wesentlichen Einfluss auf den Lernerfolg. Diese Erkenntnis liest sich wie eine Sensation, doch die logische Konsequenz, die daraus folgt, ist eine Binsenweisheit.

 

Neue Lehrer braucht das Land

 

Denn immerhin dreißig Prozent des Lernerfolgs werden durch die Lehrerpersönlichkeit bestimmt. Sie bewirkt, dass Schüler sich angenommen, gefordert und verstanden fühlen oder eben abgelehnt, überfordert und unverstanden. Dabei sind Methodik und Didaktik sekundär. Es kommt, so Largo, einzig darauf an, wie gut es dem Lehrer gelingt, die Schüler einzubinden. Entsprechend plädiert er für eine Reform der Lehrerbildung und einen höheren Anteil von psychologischen Auswahlverfahren in der Ausbildung der Pädagogen, um möglichst früh die Spreu vom Weizen trennen zu können.

 

Die größte Verantwortung für den Lernerfolg tragen die Kinder schließlich selbst. Ob sie erfolgreich in der Schule sind, bestimmen die Schüler aufgrund ihrer genetischen Anlagen und ihrer Motivation. Largo setzt sich für eine realistische und flexible Sichtweise ein, die Kindern zugesteht, ihre Kompetenzen in unterschiedlichem Maß und zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu entfalten. Selbst bei größtmöglicher Förderung wird man Unterschiede in der Lese- und Rechenkompetenz der Schüler feststellen können. Während manche Kinder schon mit vier oder fünf Jahren gut lesen, plagen sich andere ihr Leben lang.

 

Lernen im Tun

 

Kindgerechtes Lernen besteht Largo zufolge im Tun. Zu beobachten ist dies insbesondere am Erwerb der Muttersprache und der motorischen Kompetenzen im Kleinkindalter. Der kindliche Spracherwerb zieht sich über mehrere Jahre, in dem das Kind der Muttersprache ganz ausgesetzt ist. Fehler werden toleriert unter der Voraussetzung, dass Verständigung möglich ist. Dennoch verläuft der Erwerb von sprachlichen und motorischen Kompetenzen bei jedem Kind anders. Es ist Aufgabe der Eltern, sich hier von gesellschaftlichen Vorstellungen zu lösen und sich auf das jeweilige Kind zu konzentrieren.

 

Nachhaltiges Lernen heißt also auch, Lerninhalte aktiv erfahren zu können. Üben allein vertieft Verhaltensweisen, garantiert aber kein Wissen, das nach Jahren noch abrufbar ist. Dessen sollten sich alle Eltern bewusst sein, vor allem, wenn man bedenkt, dass Überforderung letztendlich zu Lernblockaden führen kann. Largo gibt hier zu bedenken, dass der Ruf nach Chancengerechtigkeit im Bildungssystem auch sozialen Abstieg beinhaltet. Diese bittere Pille müssen Eltern schlucken, wenn sie die Kompetenzen ihrer Kinder realistisch einschätzen können wollen, um sie umfassend fördern zu können.

 

 

Sozialpolitik ist Teil der Bildungspolitik

 

Unabhängig vom eigenen Wunschdenken sollte uns bewusst sein, dass jeder Abstieg einen Aufstieg für jemand anderen bedeutet. Remo Largo weist darauf hin, dass die statistischen Werte stets zur Mitte tendieren. Sehr gebildete Eltern müssen also damit rechnen, dass ihre Nachkommen den eigenen Status nicht halten können, während Eltern aus den unteren Schichten darauf hoffen dürfen, dass ihre Kinder es einst besser als sie selbst haben werden. Es ist an der Politik, dafür zu sorgen, dass diese Durchlässigkeit gewährleistet wird.

 

Jedes Kind in seiner Einzigartigkeit zu schätzen und zu respektieren, das ist die Aufgabe der Eltern. Die besonderen Begabungen der einzelnen Schüler zu erkennen und zu fördern, ist die Aufgabe der Lehrer. Ein flexibles Bildungssystem zu gestalten, in dem unterschiedliche Begabungen optimal gefördert werden können, ist die Aufgabe der Schulen. Es ist die Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass prinzipiell jedem Kind die größtmögliche Förderung zur Verfügung gestellt werden kann. Uns immer wieder daran zu erinnern, dass wir auf diesem Weg noch nicht sehr weit fortgeschritten sind, ist Remo Largos Aufgabe, der er sich, wie er im Interview, das der Flugschrift angehängt ist, ausführt, seit Jahrzehnten beruflich und persönlich stellt.

 

Titelangaben:

Remo H. Largo: Wer bestimmt den Lernerfolg: Kind, Schule, Gesellschaft?

Weinheim: Beltz Verlag 2013. 111 Seiten. 9,95 EUR.

 

Noch mehr interessante Rezensionen findet Ihr auf dem TITEL-blog.

 

Deborah Forman: Kunst – Lab Malen. 52 aufregende Projekte inspiriert von großen Künstlern

 

Einmal malen wie Gerhard Richter

 

Farben haben mich schon immer fasziniert. In der kinderlosen Phase meines Lebens habe ich mich auch gerne mal an der Leinwand ausgetobt. Dann kamen vier Kinder und Farbexperimente finden eher in der Waschmaschine und auf dem Fußboden anstatt auf einer Leinwand statt. Das wird sich nun hoffentlich drastisch ändern, weil ich Deborah Formans Kunst – Lab Malen in den Händen halten darf und fest vorhabe, mindestens zwei der vorgestellten Projekte nach zu arbeiten.

 

Ich glaube kaum, dass jemand, der auch nur ansatzweise Ahnung von Kunst und Malerei hat, dieses Buch wirklich braucht. Künstlerisch begabte Menschen studieren im besten Fall an der Kunsthochschule und rümpfen über Veröffentlichungen wie die von Forman nur die Nase. Dessen muss man sich wohl bewusst sein, wenn man sich doch für den Kauf von Kunst – Lab Malen entscheidet. Nun, da wir dies geklärt haben, gehen wir doch in media res!

 

In 52 Projekten durch die Malerei

 

Nachdem ich mich selbst bestenfalls als interessierten Laien bezeichnen darf, bin ich also sozusagen der idealtypische Käufer. Das zeigt mir schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis, denn für ungeduldige Menschen ideal ist bereits die Tatsache, dass sie schon auf den ersten vierzig Seiten ungefähr entscheiden können, wie sie malen möchten: Gerhard Richter, Paul Klee, Frida Kahlo und andere stehen zur Auswahl. Ich bin zudem sehr dankbar für das Kapitel zu vorbereitenden Maßnahmen, weil Malgründe, Pinselstärken, Verzögerer und andere Malmittel nicht in meinem Fokus lagen. Hier werde ich also aufgeklärt und kann mir gleich eine Einkaufsliste anlegen.

 

Meine absoluten Lieblingskapitel sind drei (Malmedien) und sechs (Farbfeinheiten). Als Autodidaktin weiß ich über beide Themen so gut wie gar nichts und freue mich sehr, verschiedene Malmittel, Pasten und Techniken in ihrer konkreten Anwendung kennen lernen zu können. In Kapitel sechs faszinieren mich die Ergebnisse, die mit verschiedenen Farbkombinationen erreicht werden können. Malen in Komplementär – oder Analogfarben, Lasierende Farbschichten, Monochrome Stilleben, ich hatte mich zuvor noch nicht damit beschäftigt.

 

Tolle Techniken, fade Bilder

 

Auch, wenn es um Zeit- und Ortsbezug geht, kann mir Deborah Forman viel Anregung geben. Action-Painting finde ich toll, genauso wie lineare Rhythmen. Kunst – Lab Malen ist ein tolles DIY Einsteigerbuch für alle, die endlich wieder ran an die Farbtöpfe wollen. Leider gefallen mir die Werke, die Forman und ihre Schüler vorstellen, nur selten. Das ist der eigentliche Wermutstropfen an diesem Buch. Wer malen will wie Richter oder Kahlo sieht sich in seiner Talentlosigkeit nur ungern Gemälde von ebenso unbegabten Kunstschülerinnen amerikanischer Colleges an. Ein wenig mehr Größenwahnsinn und etwas weniger Realismus hätte meinem Selbstbewusstsein gut getan. Aber was sage ich: schließlich will ich ja nicht malen, was Forman malt, sondern nur ihre wundervoll erklärte Technik benutzen. Und dass ich vorhabe, Jackson Pollock zu toppen, versteht sich von selbst!

 

Titelangaben:

 

Deborah Forman: Kunst – Lab Malen. 52 aufregende Projekte inspiriert von großen Künstlern.

Aus dem amerikanischen Englisch von Beate Wellmann.

Igling: Edition Michael Fischer, 2014. 136 Seiten. 19,90 EUR.

Johanna Rundel: Entzückend Schmückend. 30 kreative Schmuckideen

Spielwiese für kleine Fashionistas

 

Zugegeben, beim ersten Durchblättern war ich etwas ratlos. Und fühlte mich schnurstracks in eine Minimidlifecrisis hineinversetzt. Wie alt konnte ich sein, dass mir Stricklieselarbeiten für meinen Halsschmuck nicht mehr zusagten? Perspektivenwechsel war angesagt. Denn aus den Augen der Tochter meiner Freundin, die sich gerade im besten Teenageralter befindet, ist Johanna Rundels Kreativbuch Entzückend Schmückend. Sehr sogar!

 

Wie gesagt, ich musste mich erst von dem Gedanken lösen, dass ich für mich selbst produziere. Dann nämlich hätte mir das Buch wenig zu bieten. Ich mag gern reduziertes Design und Rundels Entwürfe sind mir einfach zu mädchenhaft. Doch das genau ist die Stärke von Entzückend Schmückend. Für junge Mädchen, die mit wenig Taschengeld für ihre Freundinnen und sich selbst tollen Schmuck herstellen wollen, ist dieses Buch ideal.

 

Einfache Techniken

 

Alle vorgestellten Arbeitsweisen sind mehr oder weniger einfach gehalten. Zum Beispiel Arbeiten mit der Strickliesel. Ich muss zugeben, ich habe für das altmodische Gerät einiges übrig und viele meiner Kordeln sind mit ihr entstanden. Wenige können tatsächlich mit ihr arbeiten, so dass ich es gut finde, dass Johanna Rundel erst einmal die Technik an sich erklärt. Dann wird losgelegt und es entstehen Ketten, Armbänder und Ohrringe mit der Strickliesel. Auch für jene, die ihren Kleiderschrank ausmisten möchten, gibt es Projekte.

 

Papas alte und hässliche Krawatten werden zerschnitten und zu Ketten und Armbändern verarbeitet, der Inhalt der Knopfkiste darf auch auf ein Zweitleben als Armband hoffen und selbst halbe herumlungernde Reißverschlüsse werden zu schicken Ansteckblumen verarbeitet, ebenso wie Leder- und Spitzenreste ein neues Dasein erhalten. Für wenig Taschengeld so viele hübsche Schmuckstücke herstellen zu können, finde ich für ein Mädchen schon super.

 

 

Upcycling und Modellieren

 

Mir gefällt auch gut die Idee, herkömmliche Modelliertechniken wie z.B. Fimo mit innovativen Upcyclingverfahren zu verbinden, wie z.B. das Schmelzen von bestimmten Plastikarten im Ofen. Sicher ist dies eine Technik, die etwas mehr Wissen und Fingerspitzengefühl erfordert, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. So entstehen bei Rundel Ketten, Bettelarmbänder, Ringe und Broschen.

 

Selbst Papas Werkstatt ist nun nicht mehr sicher, denn Unterlegscheiben, Metallringe, Muttern, Ankerketten und Weihnachtsbaumkerzenhalter werden zu Armbändern, Colliers, Broschen und Ketten. Einzig die Technik, Korken zu verarbeiten, gefällt mir persönlich weniger, aber das ist ja reine Geschmackssache. Der Vorlagenteil hält sich derart in Grenzen, dass er diesen Namen nicht verdient, andererseits sind die meisten Projekte selbst erklärend und frei in ihrer Gestaltung. Für Mamas also eher weniger geeignet, für Teenies allerdings ein Glücksgriff und ich kann es kaum erwarten, bis meine Mädels endlich loslegen.

 

 

Titelangaben:

 

Johanna Rundel: Entzückend Schmückend. 30 kreative Schmuckideen.

Igling: Edition Michael Fischer, 2014. 96 Seiten. 14,99 EUR.

 

 

Sarah Goldschadt, Lexi Walters Wright: Pompons! Im Flauschrausch mit 25 kunterbunten Projekten

Kugelrunde Kuschelinvasion

 

Pompons sind ja soo süß. Und so nutzlos. Gut, dass gerade alle Welt Bommelmützen trägt, sonst müsste man sich weitere Verwendungsmöglichkeiten für Pompons echt aus den Rippen schneiden. Auf immerhin fünfundzwanzig eben solche rippengeschnittene Projekte brachten es Sarah Goldschadt und Lexi Walters Wright in Pompons! Im Flauschrausch mit 25 kunterbunten Projekten.

 

Irgendwie sind Pompons wie Babies. Sie benutzen eine Art Kindchenschema für Handarbeiten, um uns Große anzusprechen, weil wir sonst weder Nerv noch Lust und Zeit hätten, uns mit ihnen zu befassen. Schon das Cover von Pompons! weiß das zu nutzen. Die Farben sind wunderschön in Gelb, Pink, Grau und Türkis und die Motive gefallen Mamas und Kindern. Blumen, kleine Igel, Wanddekoration. Schon geschickt gemacht, nicht wahr?

 

Nutzloses für Daheim

 

Die Autoren geben den Mangel an Verwendungsmöglichkeiten durchaus zu. Sie wissen genau, dass Pompons nur niedlich aussehen und ansonsten keinerlei Zweck erfüllen. Im Inhaltsverzeichnis darf man sich also aussuchen, ob man Nutzloses gern für zu Hause, fürs Outfit oder für Parties haben möchte. Mit Pompons werden Kissen, Quilts und Teppiche genauso verziert wie Gardinen und Mützen, es wird ein Bouquet aus Pompons gestaltet und Briefbeschwerer gewickelt. Sogar ein Fascinator gehört dazu.

 

Die Bommel sind wie die Tribbles aus Star Trek: überall! An Ketten, Ringen, Ohrringen, Schlüsselanhängern, Geschenken und Girlanden. Es gibt tatsächlich mehr Möglichkeiten, damit Dinge aufzuhübschen, als ich gedacht habe. Wer lieber gleich in medias res gehen will, überspringt den Projektteil und hält sich an die Pompon – Basics, wo ab Seite vierundsechzig erklärt wird, wie und aus welchen Materialien welche Pompons hergestellt werden können. Ich kannte fast gar keine der Techniken (außer, wie Pompons mit Pappringen gewickelt werden), deshalb ist dies der Teil, der mir persönlich am meisten Nutzen bringt. Hier werden die Flauschkugeln aus Wolle, Stoff und Papier gewickelt, gefaltet und geschnitten, dass es eine reine Freude ist!

 

Fundgrube für alle ab Fünf

 

Ich weiß nicht, welche Projekte ich mir aussuchen werde. Ich weiß aber sehr wohl, welche Projekte meine Kinder nacharbeiten werden wollen. Die Briefbeschwerer gefallen den Mädchen, Johann kann mir zum Muttertag den Schlüsselanhänger machen und Jakob darf mit allen Pompons kuscheln, denn das findet er wunderbar. Und das ist das eigentlich Nette an diesem Buch: dass es so hübsch anzuschauen ist für die Mamas und dass sich darin Projekte finden, die für Groß und Klein in relativ kurzer Zeit gut nachzuarbeiten sind. Und ob ich daraus etwas Cooles mache (ganz ehrlich – wie cool kann ein Pompon sein) oder einfach etwas Niedliches für Kinder entsteht, kann ich ja wunderbar selbst entscheiden.

 

Titelangaben:

Sarah Goldschadt, Lexi Walters Wright: Pompons! Im Flauschrausch mit 25 kunterbunten Projekten.

Aus dem Englischen von Heike Fröhlich.

Igling: Edition Michael Fischer, 2014. 96 Seiten. 12,99 EUR.

 

Heinz Haber, Erich Übelacker: Die Sterne

 

 

Sonne, Mond und Sterne

 

Ich habe hier ein paar wissbegierige kleine Forscher zuhause. Auf viele ihrer Fragen kann ich antworten, auf noch viel mehr Fragen nicht. Ich habe gelernt, mit meinen Kindern mit zu lernen und als ich von Tausendkind das nette Angebot bekam, ihr Buchangebot zu durchstöbern, hatte ich kompetente Berater zu meiner Seite. So kam auch das Buch zur Astrophysik in meinen Besitz. Die Sterne interessieren meine mittlerweile neunjährige Forscherin Charlotte brennend.

 

Prof. Dr. Heinz Haber, Naturwissenschaftler und Prof. Dr. Erich Übelacker, Astronom und Geophysiker haben sich die unglaubliche Mühe gemacht, unser Universum für Kinder verständlich zu erklären. Professor Übelacker durfte Professor Habers Konzept modernisieren und alle Illustrationen wurden aktualisiert. Aber meine Charlotte interessieren solche Nebensächlichkeiten nicht. Sie wollte gerne wissen, wie es kommt, dass wir leben wo wir leben, was um uns herum geschieht und wie es eigentlich kommt, dass ein Haufen Menschen auf einem Ball kopfüber durch ein Vakuum kullern.

 

Vom Ursprung der Erde

 

Was wussten unsere Vorfahren von der Welt und dem Universum? Die ersten Kapitel befassen sich mit der Erdentstehung und vorzeitlichen astronomischen Beobachtungen. Wie die Menschen in der Steinzeit und später in antiken Hochkulturen die Erde und den Sternenhimmel erfahren haben, wie schließlich erste griechische Mathematiker die Kugelform der Erde errechneten und wie später Kopernikus, Galilei und Kepler die Darstellung des Universum revolutionierten, wird sehr ausführlich erklärt. Meine kleineren Kinder könnten den Erklärungen noch nicht folgen, doch für Charlotte passt das Niveau gut.

 

Anschließend dreht sich alles um das Sonnensystem, in dem wir leben, mit den dazugehörigen Planeten. Es wird erläutert, wie wahrscheinlich unser Sonnensystem entstand, wie die Planeten geboren wurden und dort landeten, wo sie heute ihre Bahnen ziehen. Auch die Frage, weshalb die Erde in unserem Sonnensystem der einzige Planet ist, auf dem Leben möglich ist, wird behandelt und so schön erklärt, dass sich alle Fragen Charlottes erledigt haben. Endlich bin ich aus dem Schneider!

 

Was sonst noch so im All rumfliegt

 

Dass unser Sonnensystem mehr zu bieten hat, wissen wir ja. Aber der Unterschied zwischen Meteoriten, Planetoiden und Kometen? Mittlerweile keine Frage mehr und ich hoffe bloß, ich kann mir alles merken. Sonne, Mond und Sterne, Nebel und Gaswolken sind wunderbare Phänomene, die Astrophysiker und Radiotechniker mit verbesserter Technik analysieren können. Aber richtig spannend wird eigentlich erst alles, wenn man sich mit Charlotte, dem Was Ist Was – Buch und einem tagesaktuellen Onlinemagazin hinsetzt und feststellt, dass sich über uns gerade eine wunderbare Supernova ereignet. Alles, was wir eben noch gelesen haben, wird echt und wahr und aufregend. Und nun brauchen wir ein Fernrohr.

 

Titelangaben:

Heinz Haber, Erich Übelacker: Die Sterne.

Nürnberg: Tessloff 2010. 48 Seiten. 9,95 EUR.

 

Tatjana Marti: Was macht die Feuerwehr?

 

 

Tatütata und Schafe retten

 

Ein neues Sachbuch hat Einzug gehalten in unseren büchernärrischen Haushalt. Dank Tausendkind dürfen meine Buben ein Was ist Was mini Sachbuch über die Feuerwehr in den Händen halten. Was uns kampferprobten Bubenmamas schnell zum Hals heraus hängt, ist ein nie versiegender Quell der Freude für kleine Buben. Was macht die Feuerwehr fragt sich Johann seit einigen Tagen so intensiv, dass das Feuerwehrbüchlein abends neben ihm im Bett liegen muss. Zum Durchlesen durfte ich es mir ausborgen.

 

Die Geschichte ist einfach. Paul und Pia beobachten gegenüber einen Brand und sagen dem Papa Bescheid, der die Feuerwehr ruft. Mich stört, dass die Feuerwehr so von Anfang an zu einem Männerverein wird, damit hat aber Johann kein Problem (»Du bist halt kein Mann, Mama!«). Was ich aber sehr nett finde, ist, dass es eine Parallelhandlung gibt. Das, was Paul und Pia sehen, spiegelt sich am anderen Ende der Telefonleitung, wo sich die Feuerwache befindet, mit allen Gebäudlichkeiten, Fahrzeugen und Werkstätten.

 

Mit Toni durch das Feuer

 

Paul und Pia beobachten den folgenden Einsatz und lernen so Feuerwehrmann Toni kennen. Die Ausrüstung der Feuerwehr wird vorgestellt und der Einsatz begleitet. Nach erfolgreicher Löscharbeit dürfen Paul und Pia zur Belohnung (natürlich) die Feuerwache besichtigen, auch hier wird auf einer Doppelseite sehr kindgerecht der Alltag der Feuerwehrmänner erklärt. Und dass in dem großen Turm die Schläuche trocknen, das wusste ich wirklich nicht (»Kannst Du auch nicht, so als Mama«, meint Johann dazu jovial).

 

Jakob liebt vor allem die Stelle, bei der Pia und Paul auf der Rückfahrt von der Feuerwache nochmals auf die Feuerwehrmänner stoßen, die ausgebüxte Schafe wieder einfangen und ein Unfallauto bergen müssen. »Drei Mäh!«, sagt er und kümmert sich überhaupt nicht um die Feuerwehrmänner. Tierkinder sind noch immer sein Lieblingsthema und ich habe solches Glück, ein Buch in den Händen zu halten, das beide Buben glücklich macht. Johann hat sich auch über das Entdeckerquiz am Ende des Sachbuches gefreut, die Fragen sind so simpel, dass er sie sicher beantworten kann. Im Schlaf, sozusagen. Dorthin kann ich ihm sein Buch auch zurückgeben. In den Schlaf.

 

Tatjana Marti: Was macht die Feuerwehr?

Nürnberg: Tessloff Verlag, 2012. 14 Seiten. 7,95 EUR.

 

 

Bruno P. Kremer, Bärbel Oftring: Im Moor und auf der Heide. Natur erleben – beobachten – verstehen.

 

 

Von Moorleichen und der Heideblüte

 

Eigentlich hatte ich ein bisschen gehofft, etwas über die Wacholderheiden zu erfahren, von denen wir hier so viele haben. Dass Bärbel Oftring und Bruno Kremer – zwei studierte Biologen – einen sowohl unterhaltsamen als auch spannenden Naturführer über Moore und Heiden in Deutschland veröffentlichen, hat mich etwas überfahren. Im Moor und auf der Heide zeigt sehr gründlich, welch wunderbare Lebensräume es bei uns noch gibt, und sogar die Wacholderheiden finden Erwähnung!

 

Weil es mit Sicherheit ein gutes Biologiebuch ist, hier alles Negative zuerst. Ich dachte, ich könnte über Moor und Heide mit meinen Kindern lesen, doch leider ist das Sachbuch nicht für ihre Altersklasse geeignet. Zudem leidet die Betrachtung von Moor und Heide – so abwechslungsreich und fantasievoll sie verfasst ist – unter Strecken von Langatmigkeit. Bestimmt ist das Buch ideal für Kinder ab zwölf Jahre, die gerne draußen sind.

 

Gegensätze übers ganze Jahr

 

Kremer und Oftring geben uns einen Überblick über die Aktivitäten in Moor und Heide während eines ganzen Jahres. Grundlegende Arten von Moor und Heide werden erklärt, dabei hat mich am meisten fasziniert, dass die Moore über Jahrtausende, oft als Nachwirkung aus der Eiszeit, entstanden sind, während die Heide, die uns so ursprünglich erscheint, eine Kulturlandschaft ist, gezeichnet von frühem Ackerbau und Rodung.

 

Zwei Naturlandschaften und so unterschiedliche Entstehungsweisen. Und über die Jahrhunderte in jeder Landschaft ganz eigene Lebensräume, Tier – und Pflanzenarten. Jede Jahreszeit hat ihre Faszination, selbst jede Erdschicht eine eigene unwiederholbare faszinierende Geschichte. Kremer und Oftring verstehen es meisterhaft, ein trockenes und doch durchfeuchtetes Milieu abwechslungsreich zu erschließen.

 

Fast zu gut als Sachbuch

 

Wie schade, muss ich da denken, dass die Schulbücher meiner Kindheit nicht diese Qualität hatten. Als Jugendliche, gelangweilt von Biologie und Geographie, hätte ich mich nach derart gut und unterhaltsam verfasstem Lehrmaterial wirklich gesehnt. Und wie schade, dass der Haupt Verlag kein Schulbuchverlag ist, denn dieses Buch wäre ein gutes Schulbuch. Es sind zusätzliche Websites angegeben, die weitere Filme, Tonaufnahmen und Bilder enthalten.

 

Zu jedem Kapitel gibt es Quizfragen, die das Gelesene vertiefen und doch um die Ecke zielen. Für die ganz Eifrigen wird anfangs sogar eine Ausrüstungsliste zur Verfügung gestellt, so dass einer Expedition in die Natur nichts mehr im Wege steht. Ein Lebensraum, der uns vielleicht entweder düster oder fade erscheint, erstrahlt in neuem Glanz. Man lernt sehr viel über die zweihundert Seiten und so wiegt die Tatsache, dass meine drei- bis neunjährigen Kinder noch nichts damit anfangen können, gar nicht so schwer.

 

Titelangaben:

 

Bruno P. Kremer, Bärber Oftring: Im Moor und auf der Heide. Natur erleben – beobachten – verstehen.

Bern: Haupt Verlag 2013. 208 Seiten. 19,90 EUR.

 

Keith Finch: Pop up. Design und Konstruktion

 

 

Über Berg und Tal

Was hatte ich erwartet, als ich mir Keith Finches Pop up. Design und Konstruktion als Rezensionsexemplar bestellt hatte? Nicht viel, glaube ich. Vielleicht ein Who is Who der Pop Up Kunst, eine kurze Entstehungsgeschichte mit ein paar aktuellen Daten? Aber weshalb sandte mir dann der Haupt Verlag ein Trainingslager für Faltsüchtige zu? Es muss doch allen klar gewesen sein, dass ich nicht mehr zu halten bin, sobald ich etwas mit meinen Händen machen kann!

Ja, ich muss auch zugeben, dass das Cover in schwarz, weiß und giftgrün schon sehr cool aussieht. Das könnte durchaus in meine Entscheidung eingeflossen sein. Ein weißer Pop Up Globus als Cover, als könnte ich allen Ernstes die ganze Welt in Falten und flach legen, das ist doch ganz außerordentlich bemerkenswert. Mehr wusste ich jedoch nicht und als ich das Buch – und es ist eins der schweren, dicken Exemplare – schließlich in den Händen hielt, war ich sprachlos.

Konstruktionscamp

Wer auch immer gerne allgemein bedeutungsschwere Anmerkungen zum Thema Pop Up lesen möchte, kann getrost auf Keith Finches Werk verzichten. Keine historischen Daten, keine aktuellen Künstler, keine Anwendungsformen, keine neuen Ausstellungsdaten. Nichts, was einen zum Nachdenken verleiten könnte. Deshalb kann ich meine Rezension auch so herrlich kurz halten. Es gibt eine viertelseitige Einleitung, einen halbseitigen Überblick über Hilfsmitten und immerhin eine Seite zu allgemeinen Technikbegriffen. Aber kein Inhaltsverzeichnis, kein Register, kein Anhang, nichts!

Weil es nicht gewollt und nicht notwendig ist. Schon beim Öffnen meines Exemplares türmte sich vor meinen Augen ein sehr komplexes Pop Up mit Drehscheibe, Parallelfaltungen, Neigungswinkeln und was weiß ich nicht alles. Ich öffne und schließe meine Ausgabe des Öfteren, nur um zu beobachten, wie sich das Pop Up aufbaut und entdecke stets neue Aspekte. Nur zwei Seiten weiter und ich befinde mich mitten in einer eigenen Konstruktionswelt, in der Lesen nichts mit Lektüre zu tun hat sondern mit Arbeiten. Als würde ich über meinem Schnittpapier grübeln, grüble ich nun über Faltungen.

Übung macht die Meisterin!

Tatsächlich bin ich nun am Ende, denn auf der nächsten Doppelseite befasse ich mit einfacher Winkelfaltung, komplexer Winkelfaltung, einfacher Parallelfaltung, komplexer Parallelfaltung, Schiebeelementen, Drehmechanismen, Drehscheiben, der Planung von Pop Ups und einer Schritt für Schritt Anleitung für eben jenen Globus, den ich bereits auf dem Titelbild bewundert hatte. Das alles wäre sehr mühsam und trocken, hätte ich nicht das Glück, für jedes Kapitel jeweils zwei Übungsseiten zu finden, deren Stanzteile sich wunderbar leicht lösen ohne Risse zu bekommen und sich zu genau den genialen Pop Ups verbinden lassen, die ich schon die ganze Zeit bestaune.

Das heißt, dass alle, die dieses Buch durcharbeiten, am Ende mindestens zwei fertige, komplexere Pop Ups vor sich stehen haben. Und damit habe ich einen Weihnachtsfavoriten für all meine Freunde, die technisch begabt sind und über Weihnachten ein paar Tage mehr vom Alltag haben möchten als Braten und Plätzchen. Es wird definitiv unter dem Christbaum landen und ist perfekt für geschickte Menschen ab dem Teenageralter, in dem man sich in korrekter Arbeitsweise zumindest etwas einem erwachsenen Standard annähert.

Titelangaben:

Keith Finch: Pop Up. Design und Konstruktion.

Übersetzung aus dem Englischen von Lina Feske.

Bern: Haupt Verlag 2013. 24 Seiten. 30 EUR.

 

 

 

Victoria Woodcock (Hrsg.): Volle CRAFT voraus. 60 kreative Projekte zum Selbermachen

 

 

WeltWeitWerkeln

 

Ich hatte es doch längst geahnt und vermutet: Do – It- Yourself (DIY) ist eine weltweite kreative Bewegung, in der alle, Künstler und Laien, willkommen sind und die eines eint: Selbermachen. Wie gut, dass Victoria Woodcock sich in Volle CRAFT voraus die Mühe gemacht hat, ein paar der kreativen Kosmopoliten zu Interviews und zu extra Projekten zu überreden, dann fühlt man sich so richtig daheim in der großen, weiten DIY – Welt.

 

Zugegeben, die ersten zweiundfünfzig Seiten habe ich mir wieder einmal geschenkt. Mir ist schon klar, dass die Arbeitsvoraussetzungen bei den Leuten unterschiedlich sind, doch mittlerweile hat jedes Kreativbuch seinen eigenen Grundlagenteil dabei und es beschleicht einen das Gefühl, dass hier ein paar Seiten dazu gemogelt werden sollen. Vor allem, nachdem durchaus interessante Techniken wie zum Beispiel Kerzen sieden oder Seifenherstellen eben nicht erklärt werden. Nähen, Stricken und Häkeln kann ich und blättere gleich weiter zu den Projekten.

 

Vogelwild und zuckersüß

 

Die sechzig Projekte, die dann folgen, umfassen einen sehr weiten Bereich. Manche sind einfach, fast idiotisch, einige traue ich mir ganz sicher nicht zu. Ich und Siebdruck? Muss ich da nicht sehr genau arbeiten? Aber die Haarklammern mit der Strickliesel stehen ganz oben auf meiner Mädchenmamawunschliste und überhaupt habe ich das CRAFTwerk hauptsächlich zum Schwelgen benutzt.

 

Dabei erfährt man viel. Hier reicht schon ein Blick auf das Cover. Fast alle Projekte haben irgendwo ihren Platz gefunden, das finde ich schon genial. Man darf wählen zwischen Schmuckstücken, Büchern, Mobiles, Kissen, Lampenschirmen, Stühlen, Kleidungsstücken, Kerzen, Pflanzgefäßen, Schuhen, Bildern, Karten und immerhin acht ausführlichen Interviews mit ein paar der kreativen Köpfe, die hinter den Projekten stehen.

 

Kreativer Vulkanausbruch

 

Insgesamt folgt das Buch keiner einheitlichen Linie außer der, junge kreative DIY-Künstler auf der ganzen Welt vorzustellen. Es gibt auch keine ethische Botschaft, wenngleich einige der Handwerker sich ausdrücklich zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz bekennen. Der rote Faden ist das Handlungsprinzip, das Selbermachenwollen in einer Welt, in der man alles schon kaufen kann. Die Bereitschaft, Fehler zu machen und nicht perfekt und austauschbar zu sein, gehört dazu und adelt Woodcocks kreative Sammlung.

 

Ich mag Volle CRAFT voraus mit dem ganzen bunten kreativen Chaos, dass damit sozusagen auf meinen Werkeltisch geworfen wird. Nun habe ich es schon ein paar Tage bei mir herumliegen und jedesmal, wenn ich es aufschlage, fällt mir ein neues Projekt ins Auge, das ich eigentlich einmal ausprobieren könnte oder eine Idee aus dem Buch bringt mich wiederum auf eine andere Idee und ich versuche mich an Techniken, die bis jetzt noch nicht auf meinem Speisezettel standen. Siebdruck vielleicht. Oder Duftkerzen. Oder was ganz anderes.

 

Titelangaben:

Victoria Woodcock: Volle CRAFT voraus. 60 kreative Projekte zum Selbermachen.

Aus dem Englischen von Hanne Henninger.

Igling: Edition Michael Fischer, 2013. 239 Seiten. 16,90 EUR.

 

 

Sosumi: Catch, Cut & Fold. Individuelle Aufbewahrungslösungen aus Pappe

 

 

 

Halt‘ die Pappe!

 

Petra Schröder und Dirk von Manteuffel alias Sosumi, ein Designduo aus Frankfurt, machen sich in Catch, Cut & Fold daran, den schnöden Verpackungsmüll in schicke Nützlichkeiten aus Pappe umzuwandeln. So etwas muss mich einfach begeistern!

 

Dass man aus Pappe viel machen kann, wusste ich eigentlich schon immer. Und auch ohne Sosumi habe ich mir schon des öfteren Schachteln gebaut und verschönert, die uns eine Zeitlang begleiten und dann ausgetauscht werden. Kosten entstehen kaum, nur die Zeit, die ich zum Bauen brauche, die muss ich rechnen. Eigentlich möchte man also denken, dass mir so ein Papparbeitsbuch von zwei Frankfurter Designern nicht viel Neues sagen kann.

 

Anleitungen Schritt für Schritt

 

Weit gefehlt! Denn im Gegensatz zu meiner eigenen, sehr chaotischen Art, zwischen Tischabräumen und Schwimmkurs schnell eine Geschenkverpackung aus Pappe zu bauen, geben Schröder und von Manteuffel detaillierte Anleitungen und wunderbare Tipps, die die ausführlichen technischen Zeichnungen erläutern. Es folgen Projekte über Projekte. Damit sie alle gelingen, werden Material und Werkzeug in extenso vorgestellt. Jetzt weiß ich, welche Papparten für welche Projekte geeignet sind.

 

Außerdem erweitere ich meinen Horizont – Nassklebeband stand bis heute noch nicht auf meiner Einkaufsliste. Das wird sich aber ändern, denn die Entwürfe im Werkbuch sehen klasse aus und der Gedanke, dass ich eine Kiste bauen kann, ohne mir mindestens ein dutzendmal mit Heißkleber die Finger zu verbrennen und dann noch unregelmäßige Kanten zu haben, ist verführerisch. So geht es mir mit allen Ideen von Sosumi. Sie sind einfach, aber eben durchdachter als das, was ich selbst gebaut habe. Hübscher, stabiler und funktioneller sind sie obendrein.

 

Ein Blick über den Schachtelrand

 

Wem eckige Schachteln zu banal sind, der findet auch Bauanleitungen für Truhen, runde Schachteln, Stapelschachteln aller Art, Schachteln mit Klappdeckeln oder sogar Schreibtischzubehör wie Utensilos, Stiftehalter, Sekretäraufsätze, Wandleporellos, Stehsammler, Ordnungseinsätze für Schubladen und zu guter Letzt sogar Regale und Lampen. Bei den Regalen frage ich mich schon, wie stabil sie sein können, andererseits zeigt ja auch ein Blick ins Innere der Schwedenmöbel, dass offensichtlich Pappe als Baustoff unterschätzt wird. Die Lampen finde ich toll, eine davon würde ich gerne mal nachbauen.

 

Im Anhang gibt es ein kleines, aber feines Register, das bei der Themensuche hilft. Ich mag auch den Bucheinband, der aus dicker Pappe ist, überhaupt ist es ein gelungenes Buch zum Thema Selbermachen und Recycling. Man wird zwar weniger zum Schmökern als zum Bauen verleitet, aber geblättert habe ich in den letzten Wochen ja genug! Nun werde ich also anfangen, alle Pappversandverpackungen sorgfältig aufzubewahren, denn ich brauche schließlich Baumaterial!

 

Titelangaben:

Sosumi: Catch, Cut & Fold. Individuelle Aufbewahrungslösungen aus Pappe.

Igling: Edition Michael Fischer, 2013. 144 Seiten. 16,90 EUR.

 

 

 

 

Mandy Sutcliffe, Laura Edwards: Das Belle und Boo Kreativbuch. 25 bezaubernde Näh-, Strick-, und Bastelprojekte

 

 

 

Zuckersüße Kindersachen

Die Edition Michael Fischer verlegt mit dem Belle und Boo Kreativbuch ein Buch mit Anleitungen zu einer bereits erfolgreichen Kinderbuchreihe der Britin Mandy Sutcliffe. Es ist genau diese Kombination, die das Kreativbuch sowohl bezaubernd als auch überflüssig machen. Und im Übrigen lieben es meine Mädchen.

Mandy Sutcliffe hat ein Kreativbuch zu ihrer erfolgreichen Kinderbuchserie Belle und Boo illustriert. Die Illustrationen, das muss man vorweg sagen, sind einfach zauberhaft. Nostalgisch, britisch, sehr verspielt, leiten sie die Leser – und in meinem Fall sind es vier verzückte Leser unter neun Jahren – durch die fünfundzwanzig ausführlich beschriebenen und bebilderten Projekte. Meine Kinder brachen regelmäßig in Entzückungsschreie aus, Seite für Seite wollten alle immer alles haben.

Entzückender Überfluss

Nun, ich muss zugeben, die Projekte sind allesamt entzückend und einfach nachzuarbeiten. Es gibt Knopfbilder in Pastelltönen, verschieden große Sitzsäcke, Kinderschürzen, Wimpelketten, Indianerkopfschmuck, Kuschelhasen, Mobiles, Spielhäuser, Bommelmützen, Fäustlinge, Zahnfee-Kissen und noch einiges mehr. Vielleicht begreift man so leichter mein Dilemma. Keines von den Projekten ist neu, Sitzsäcke, Kissen, Schürzen und Wimpelketten habe ich in vielen Kreativbüchern. Das einzige Projekt, das neu für mich war, sind die Seifenstücke am Stiel. Selbige finde ich wirklich wunderbar, und es könnte schon sein, dass ich die alten Eisformen meiner Mutter zur Herstellung von Seife am Stiel benutze.

Alle Anleitungen sind wunderbar beschrieben und schön bebildert. Es wurde ein Kindermodel gefunden, das der kleinen Belle aufs Haar gleicht, so dass Illustrationen und Fotos perfekt harmonieren. Was natürlich zum fortwährenden Entzücken meiner Kinder beiträgt. Für alle, die noch nicht so viel gehandarbeitet haben, gibt es einen Technikanhang, in dem die verwendeten Techniken gut erklärt sind. Ich brauche ihn eigentlich nicht. Schon interessanter ist da der Vorlagenteil, in dem die Kreativentwürfe für Kopiervorlagen aufgezeichnet sind und zwar so, dass sie sich nicht überlappen.

Bezaubernder Schmöker

Das Beste an dem Belle und Boo Kreativbuch ist in meinem ganz persönlichen Fall, dass ich mich mit ihm und einem Kaffee hinsetzen und darin blättern kann. Und genau das mache ich relativ oft. Mit einem oder mehreren Kindern auf dem Schoß. Die Entwürfe sind wunderhübsch, wenn auch altbekannt und die Fotos regen die mütterliche Fantasie an und lassen mich träumen von all den freien Stunden, in denen ich die Beispiele nacharbeite. Ich befürchte nur, letztere werden nicht kommen und es wird beim blättern bleiben.

Titelangaben:

Mandy Sutcliffe, Laura Edwards: Das Belle und Boo Kreativbuch. 25 bezaubernde Näh-, Strick-, und Bastelprojekte.

Aus dem Englischen von Beate Wellmann.

Igling:Edition Michael Fischer 2013. 144 Seiten. 19,90 EUR.

 

 

Sarah Whittle: Nadel und Faden. Das Handbuch der Stiche und Nadelarbeiten

 

 

Verstickt und Zugenäht

Sarah Whittle hat ein Buch über Stick- und Nähstiche veröffentlicht. Nadel und Faden ist ein Versuch, ein umfassendes Kompendium darüber herauszugeben, was unsereiner völlig dilettantisch an Wochenenden zu verbrechen versucht, kaum dass Sticktwist und Stickstoff einer Kiste entfliehen. Endlich kann ich wissen, was ich da mache.

Dem Hauptverlag ist mit diesem Handbuch ein wahres Schmuckstück gelungen. Ich weiß, ich hab das dieses Jahr schon öfter geschrieben – ich sterbe nun einmal für gelungenes Design und ein durchdachtes Konzept. Bis jetzt habe ich mich hauptsächlich an Kreuzstichprojekte gewagt – der Einband von Sarah Whittles Nadel und Faden erinnert mich stark an die rot-weiß bestickten Mustertücher, die in all den Bauernstuben meiner Heimat hingen. Meine Mutter hat auch so eines gestickt – in blau-weiß. Kindheitserinnerungen also.

Vollumfassend informiert

Wären es nur nostalgische Erinnerungen, die ich mit diesem Buch verbinde, wäre es wohl kaum des Lesens wert. Vielmehr mag ich auch das ganze Konzept. Sarah Whittle hat ihr Kompendium zweigeteilt: ein erster Teil betrachtet Sticktechniken im Allgemeinen und ein zweiter Teil ist den einzelnen Stichen gewidmet. Ein einfaches Prinzip, das mir Information und Anleitung zur Umsetzung gleichzeitig bietet. Möchte ich zum Beispiel etwas über fadenungebundene Stickerei erfahren, erhalte ich eine kurze Einführung und dann eine detaillierte Beschreibung der Techniken, wie z.B. freies Sticken, Crewelstickerei, Goldstickerei etc. Geschichte und Verbreitung werden dabei ebenso erwähnt wie Arbeitsmaterialien und die passenden Stiche, die bei dieser Technik benutzt werden.

Das wirklich geniale bei Nadel und Faden ist, dass die entsprechenden Stiche für jede Technik mit Seitenzahlangabe gelistet sind, so dass der Anleitung Schritt für Schritt gefolgt werden kann . Für den Fall der Goldstickerei würde ich mir vielleicht den Klosterstich aussuchen, dann nachschlagen im Anleitungsteil und dort endlich erfahren, was ich tun soll. Sarah Whittle erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dennoch hat man das Gefühl, sich mit dem »Who’s Who« der Stickstiche zu befassen. Wer allerdings Muster zum Nachsticken sucht, wird enttäuscht werden: Sarah Whittle wendet sich ausdrücklich an Nadelkünstler und solche, die es werden wollen. Es ist fast schade, dass ich nicht mehr über das Buch sagen kann, doch Sarah Whittle hat ein Nachschlagewerk verfasst und keinen hübschen Teetischschmöker. Gott sei Dank!

Titelangaben:

Sarah Whittle: Nadel und Faden. Das Handbuch der Stiche und Nadelarbeiten.

Aus dem Englischen von Eva Korte.

Bern: Haupt Verlag 2013. 240 Seiten. 39.90 EUR.

 

 

Cosa Kitchen: Mit Essen spielt man nicht. Ein Bastelkochbuch

 

 

 

 

Kochkunst

Corinna Babylon und Sarah Humeniuk alias Cosa Kitchen haben ein Kochbuch geschrieben. Aber zwei Kommunikationsdesignerinnen aus Berlin wären nicht ihres Berufes würdig, wenn sie nicht in der Küche genau so kreativ zugange wären, wie ihr Berufsethos es ihnen vorgaukelt. Und weil Kreativität etwas Besonderes ist und meine Mutter mir immer sagte, Mit Essen spielt man nicht, ist Ein Bastelkochbuch auf jeden Fall einen Blick wert.

Cosa Kitchen macht mit dem Essen das, was ich als Kind niemals hätte machen dürfen. Basteln, spielen, gestalten, verändern. Die Rezepte bleiben dabei mehr als einfach. Es werden Figuren und Schiffchen aus Gemüse gestaltet. Sie schwimmen in Gemüsesuppen, mutieren zusammen mit Wiener Würstchen und Spaghetti zu kuriosen Tellerbewohnern und verwandeln den Küchentisch in eine Erlebniswelt. Die Methoden, derer sich Cosa Kitchen bedienen, bleiben leicht nach zu machen, so dass jeder, der möchte, sich Besteckflossen zum Mittagessen basteln kann, die mit Schiffshütchen, Mondlampen und Strohhalmmonstern den tristen Alltag aufpeppen.

Kuchen in allen möglichen Formen

Natürlich gibt es auch etwas, das Kinder wirklich mögen: Kuchen nämlich. Mit Gemüse ist es so eine Sache. Schiffchen und Püppchen ja, das Ganze essen: Nein! Aber Kuchen, der geht immer. Zum Beispiel in Zitrusfrüchten, in Eiswaffeln, leeren Walnussschalen, in Blumentöpfen, an Kaffeetassen, in Gläsern, Löffeln oder in Eierschalen. Man kann ihn auch färben, mit Lebensmittelfarben. Die Rezepte gibt es in einem Extrateil und sie sind alle einfach und leicht nachzuarbeiten. So einfach sogar, dass sie unnötig sind, denn Rezepte für einen Rühr- Nudel- oder Hefeteig gibt es unzählige.

Das ist auch meine große Kritik am Bastelkochbuch und gleichzeitig auch der große Vorteil für diejenigen, die ohne viel Aufwand die Ideen nachkochen möchten. Es geht alles einfach und es braucht nur Zeit, die kreativen Projekte selbst zubereiten zu können. Kinderhände sind gefragt und auch der Ideenreichtum der kleinen Köpfe. Aber – mal ehrlich: wann haben Mamas Zeit, derart viel Energie in die Zubereitung von Pasta, Brot und Kuchen zu stecken? Ich schaue mir die Fotos gerne an und jedesmal denke ich: so viel Zeit, so viel Aufwand.

Eine Prise Upcycling

Natürlich gefällt mir da schon eher die Idee, aus alten Straßenkarten Schiffchen zu basteln, auch die Trinkbecher aus aufgeschnittenen Tetrapaks finde ich wunderbar. Auch die Geisterhemden haben Charme und die Etagere aus Bechern und Papptellern. Andere Gestaltungstipps sind für mich eher weniger interessant, ich werde keinen Schminktisch aus Pappe für meine Mädchen bauen und wahrscheinlich auch nicht mein Sonntagsporzellan mit Papierborten bekleben. Die Idee, dass ich alte Dosen verzieren und umgestalten könne, hatte ich schon lange.

Cosa Kitchen fädelt aus Süßigkeiten Schmuck, das wird meinen Mädchen gefallen, genauso wie die Kakteen aus Gurken, die mit Zuckerfrüchten gespickt werden – sie sehen verblüffend echt und doch zum anbeißen aus. Die Fruchtspieße sehen hübsch aus, aber wieder tut es mir leid um die Überbleibsel, die gleich gegessen werden sollten oder in den Müll wandern. Selbstverständlich sind auch Masken und Lollies aus Brotteig für die Kinder toll, aber wie gerne werden sie gegessen? Lieber als Brot? Vor allem dann, wenn feststeht, dass es trotz alledem nur Brot ist?

Ich bin mir nicht sicher, ob Cosa Kitchen ein Buch geschrieben haben, das ich mag. Mir imponieren die große Kreativität und der Einfallsreichtum sehr, aber eigentlich habe ich viel mehr von meiner Mutter in mir, als mir manchmal bewusst ist. Unabhängig davon, dass jeder gerne seine Ideen und Experimente ausführen darf, wie es beliebt, merke ich, dass ich mit meinem Essen nicht spielen möchte. Jeden Tag stehe ich lange in der Küche. Ich backe unser Brot, mache Butter und Kuchen selbst und verbringe viel Zeit damit, meine Familie zu ernähren. Für mich ist das kein Spiel.

Titelangaben:

Cosa Kitchen: Mit Essen spielt man nicht. Ein Bastelkochbuch.

Igling: Edition Fischer Verlag 2013. 142 Seiten. 14,90 EUR.

 

 

 

 

 

Sato Watanabe: Kleider im japanischen Stil. 25 Projekte mit Nähanleitung

 

 

Ganz gerade genäht

Die freischaffende Designerin und Autorin Sato Watanabe hat mit Kleider im japanischen Stil ihr erstes Buch auf Deutsch veröffentlicht. Ein Glück, denn die japanische Technik, aus geraden Nähten komplexe Schnitte herzustellen, hat mich schon lange fasziniert. Vielleicht sollte ich mich einmal näher damit beschäftigen?

Watanabe kommt in ihrem Buch gleich zur Sache. Auf den ersten vierunddreißig Seiten stellt sie die Modelle vor, deren Schnitte sie später ausführen wird. Es sind sehr schlichte Kleider mit geraden Nähten, die wenigsten davon auf Figur genäht. Der Stil ist stets derselbe, nur mit jeweils unterschiedlichen Längen und Kragenvariationen. Die Stehkrägen und tief angesetzten Rocknähte erinnern an viele japanische Designer, die mit einem reduzierten Design arbeiten.

Bequeme Eleganz

Die Fotos zeigen einfache Modelle, deren figurumspielende Form sie sehr bequem wirken lässt. Ich frage mich, wie sie wohl an mir aussehen würden. Leider gibt Watanabe im Anleitungsteil an, sie gehe von einem durchschnittlichen Brustumfang von 89 – 91cm und einem durchschnittlichen Hüftumfang von 97 – 99 cm aus. Das ist wenig Spielraum, den ich als Näherin habe. Zwar gibt es teilweise Formeln zum Umrechnen auf die eigenen Körpermaße, aber das Grundproblem bleibt: ich glaube nicht, dass die Kleider an Frauen, die nicht mehr Größe 34 – 38 haben, gut aussehen.

Es ist wie bei allen Couture – Modellen. Sie sehen wunderschön aus in Magazinen und auf dem Laufsteg. Aber ich wäre mir nicht so sicher, ob ich nicht wirken würde, als hätte ich einen grauen Sack an. An mädchenhaften, mageren Figuren gefallen immer alle Schnitte, die Frau gerät zum Kleiderständer. Man muss sich schon bewusst sein, dass Watanabes Entwürfe an uns allen sehr unterschiedlich ausfallen werden.

Logische Schnitttechnik

Unabhängig davon, ob man die Modelle nachnähen möchte, interessiert auch die Technik, mit der Watanabes Entwürfe angefertigt werden. Es gibt keine Schnitte im herkömmlichen Sinn, vielmehr existiert für jedes Modell eine technische Zeichnung, nach der man das Kleid zuschneiden kann. Je nach Größe muss man vielleicht einiges abändern, die Formeln stehen jeweils bereit. Fast immer sind es gerade Nähte, die erst am Körper ihre weiche Form annehmen, mit Lineal und Geodreieck könnte man theoretisch alle Modelle nähen.

An sich stellt sich trotzdem die Frage nach dem Schnitt. Auch bei geraden Nähten muss ich mir letztendlich jedesmal, wenn ich das Kleid nähen möchte, alle Teile auf den Stoff aufzeichnen. Wie oft macht man das, bevor man einen Bogen Schnittpapier zur Hand nimmt und ein für alle mal einen Entwurf festhält? Andererseits ist es so, dass letztendlich nur Oberteil – und Ärmelumrisse sorgfältig aufgezeichnet werden müssen, da die Rockbahnen meist nur rechtwinklige Zuschnitte sind.

Faszinierende Experimente

Natürlich werde ich eines der Modelle nachnähen. Das Titelmodell gefällt mir sehr gut. Es ist schwarz und schlicht und gerade, wie alle anderen auch. Die angeschnittenen Ärmel und die eingesetzte Spitze machen es trotzdem zu etwas besonderem. Die leichte A-Linie und der Einsatz lassen es weniger voluminös erscheinen als andere Modelle und ich denke, dass dieses Modell auf jeden Fall eines ist, das jeder Frau gut steht. Viel Spaß beim Nacharbeiten!

Titelangaben:

Sato Watanabe: Kleider im japanischen Stil. 25 Projekte mit Nähanleitung.

Aus dem Englischen von Eva Korte.

Bern: Haupt Verlag, 2013. 120 Seiten. 24,90 EUR.

 

Maria Neumeister: Upcycling mit Nähmarie. Über 30 Produkte zur kreativen Wiederverwertung

An die Werkbank, fertig, los!

Wie schön, dass Upcycling endlich im DIY – Mainstream angekommen ist. Davon zeugen die vielen einschlägigen Bücher, die derzeit auf den Markt kommen. Mich freut es, dass nun auch die Bloggerin und Ladeninhaberin Maria Neumeister, alias Nähmarie, Über 30 Produkte zur kreativen Wiederverwertung für unsere Bücherregale spendiert hat!

Die Nähmarie weiß offensichtlich, wovon sie spricht. In Widmung und Danksagung nämlich erinnert sie sich an eine sehr kreative Kindheit mit Handarbeiten und Wiederverwertung. Ihre Erfahrungen spiegeln sich in einem kunterbunten Inhaltsverzeichnis wieder, das in die Bereiche Kleidung und Accessoires, Einrichtung und Dekoration sowie Hübsches und Praktisches aufgeteilt ist. Allerdings sind es nur 27 Projekte, das »über« bezieht sich wohl auf die weiteren Gestaltungstipps, die Neumeister bei jedem Projekt gibt.

Schöne Ideen, gut erklärt

Die Fotografien in Upcycling mit Nähmarie sind immer wunderschön. Da sieht man gerne nach, dass viele Doppelseiten auf einer Seite ein großes Foto haben und auf der gegenüberliegenden nur ein paar Stichpunkte und wieder viele Fotos. Außerdem werden die Anleitungen dadurch gerade für WerkelanfängerInnen selbsterklärend, und schließlich weiß man als Autorin nie, welchem Publikum man sich gegenüber sieht.

Sehr sympathisch ist, dass die verwendeten Upcyclingmaterialien auch für Normalsterbliche zugänglich sind. Es werden alte Tischdecken zu Tellerröcken, Lederjacken zu Fransentaschen, Wäscheleinen zu Obstkörben. Nachdem ich nicht unbedingt an Accessoires hänge, brauche ich keine Ketten, Armbänder und Schlüsselanhänger aus Lederresten. Aber sie alle sind hübsch anzusehen, das muss ich auf jeden Fall sagen!

Material- und Technikvielfalt

Es wird mit Nähmarie gewickelt, geflochten, genäht, gestickt, geklebt, gewebt und zwar mit den verschiedensten Materialen von Stoff über Leder, zu eben Wäscheleine, Konservendosen, Seil und Altglas. Manche Projekte würde ich auch meinen Kindern zutrauen, so das Eulenkissen aus alten Handtüchern oder – mein persönlicher Favorit – der stabgewebte Teppich aus Jerseybändern. Bei anderen Vorhaben darf man experimentieren, da werden Tüten gebügelt, Spitzendeckchen eingefärbt und Regenschirme zerschnitten.

Ein schöner Abschluss ist der Hinweis auf Musterwalzen für Stoff- und Papierdruck, in meiner Unwissenheit war mir das entgangen und so habe schon wieder etwas gelernt. Die vier Seiten Schnittvorlagen hätte ich nicht gebraucht, sie stören aber auch nicht. Ich muss sagen, ich habe mich sehr über dieses Upcyclingbuch gefreut, finde auch das Layout vom Verlag sehr gelungen und freue mich schon, drauf los werkeln zu können.

Titelangaben:

Maria Neumeister: Upcycling mit Nähmarie. Über 30 Projekte zur kreativen Wiederverwertung.Igling: Edition Fischer Verlag, 2013. 128 Seiten. 16,90 EUR.

 

 

Kate Oates: Lieblingsmaschen für Kinder. Gestricktes für Jungen und Mädchen

 

 

 

 

Verstrickt und Zugenäht

 

Endlich wieder etwas mehr übersetzte englischsprachige Strickliteratur auf dem deutschen Markt! Kate Oates‘ Lieblingsmaschen für Kinder  ist eine Augenweide für alle, eine Fundgrube für StrickerInnen und auch ansonsten einfach nur schön anzuschauen.

 

Es ist ein schönes Strickbuch, das Kate Oates hier zusammen mit dem Haupt- Verlag herausgegeben hat. Das merkt man schnell am Layout und dem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis. Auch die Gliederung selbst ist so schön logisch: Es gibt Kapitel für die unterschiedlichen Körperteile der Kinder, für die die Muttis stricken dürfen: von Kopf bis Fuß, sozusagen. Mein persönlicher Wermutstropfen: Weshalb muss in jedem einzelnen Strickbuch dieser Welt (und ich weiß, das ist eine grobe Verallgemeinerung) eigentlich vorn dran eine Strickschule sein? Ich kann stricken und darf daher die ersten 30 Seiten überspringen.

Schöne Muster, tolle Farben, lustige Entwürfe

Dass ein Teil der umfangreichen Strickschule sich mehrfarbigen Mustern und Zopfmustern widmet, tröstet mich, denn das gibt einem die Gelegenheit, Muster und Farben frei zu kombinieren und sich nicht unbedingt an die Entwürfe zu halten. Allerdings gilt auch hier: Zopf bleibt Zopf und Streifen bleiben Streifen, die Muster sind simpel gehalten und eigentlich selbsterklärend. Theoretisch ist auch der Musterteil für versierte StrickerInnen unnötig.

Nun aber zu den Entwürfen selbst. Oates bevorzugt oft große Nadelstärken – das kommt sowohl meinem Zeitmangel als auch meiner Vorliebe für Strukturen entgegen. Die Farbkombinationen sind meist im Colourblockingstil gehalten – für Kinder und triste, graue Herbst – und Wintertage ideal. Mir gefällt besonders eine Mütze mit Ohrenklappen in frischen Karibiktönen – sie wird wohl in meinem Strickkorb landen. Auch kleine Accessoires fürs Haar gibt es nachzustricken – nette Geschenke und ideale Resteverwertung!

Kindliche, nicht kindische Modelle

Auch im Kapitel „Schultern“ führt Oates ihr Prinzip von schönen Kindersachen, die nicht dem Kitsch verfallen, weiter. Die Schals, Loops und Capes könnten mit kleinen Abwandlungen durchaus auch von den Eltern getragen werden! In der Rubrik „Beine“ gibt es hingegen alles, was das Kinderherz begehrt, Stulpen, Leggings, geschnürte Overknees, alles in kunterbunten Hippiefarben, genau wie wenige Seiten später bei den Armstulpen, Pulswärmern und Armreifen. Ein paar bunte Socken dürfen am Schluss nicht fehlen, sie sind süß, aber eher unspektakulär. Allerdings muss ich sagen, dass ich glaube, dass Mädchenmamas eher fündig werden – meine Jungs haben sich nichts aussuchen wollen.

Die Anleitungen sind knapp, die technischen Zeichnungen klar. Vor allem wird man erst einmal ein paarmal das Buch durchblättern, so anregend und bunt und fröhlich sind die darin enthaltenen Modelle. Da kein Entwurf wirklich so schwierig ist, dass er nicht nachgearbeitet werden könnte, ist Lieblingsmaschen für Kinder auch wirklich ein Buch, das man nicht nur zum Schmökern benutzt, sondern zum Arbeiten. Und damit sind doch wohl alle zufrieden!

Titelangaben:

Kate Oates, Lieblingsmaschen für Kinder. Gestricktes für Mädchen und Jungen.

Aus dem Englischen von Lina Feske

Bern: Haupt Verlag 2013. 144 Seiten. 24,90 Euro.

 

Neu Gelesen:

 

 

Emilie Vanvolsem, Monika Niehaus (Übers.): Mit dem kleinen Salamander durchs Jahr. Das Buch für von Natur aus neugierige Kinder

 

Mit Tieren und Pflanzen durchs Jahr

 

Der kleine Salamander führt in der Übersetzung von Monika Niehaus Kinder ab fünf Jahren durch Jahr und Landschaft. Über alle vier Jahreszeiten hindurch erfahren die Kinder, welche Tiere und Pflanzen wo und wie leben und wie leicht man doch so manches Verwechslungspaar in Flora und Fauna auseinanderhalten kann. Ein wunderschönes Buch mit tollen Fotos und informativen Texten.

 

Dem Hauptverlag ist mit dem kleinen Rundumschlag durch das regionale Tierreich ein Geniestreich gelungen. Das merkt man schon auf der ersten Seite. Im Inhaltsverzeichnis sind die Gliederungspunkte farblich abgesetzt, der Frühling ist grün, der Sommer orange, der Herbst rot, der Winter blau. Für Kinder, die erst mit dem Lesen beginnen, eine große Hilfe. Die liebevoll entworfene Figur des kleinen Salamander begleitet die Kinder als eine Art roter Faden durch das Buch und passt sich dem jeweiligen Thema an.

 

»Who is who« in unserer Natur

 

Pro Jahreszeit werden drei Tiere in ihrem Lebensraum vorgestellt, zum Beispiel Biber, Schwarzmilan und Molche im Frühling. Fotos und Zeichnungen verdeutlichen genau, wie und wo diese Tiere leben. Gleichzeitig gibt es in jedem Kapitel Verwechslungspaare, die die Kinder leicht unterscheiden lernen können. Beispiele für den Frühling sind hier Zitterspinne und Weberknecht, Hermelin und Mauswiesel, Kleiner Fuchs und Distelfalter.

 

Im Sommer werden Spechte, Stechmücken und Igel näher betrachtet, im Herbst folgen Ameisen, Braunbären und Stare und der Winter stellt Bärtierchen, Luchse und Graureiher vor. Stets gibt es jeweils drei Verwechslungspaare, etwa Waldmaus und Hausmaus, Wildkatze und Hauskatze, Gimpel und Buchfink, Schneeglöckchen und Märzenbrecher. Das reich an Themen bestückte Buch hat keine Längen, die Illustrationen sind schön gemacht und selbsterklärend, dasselbe gilt für die Fotografien. Die Texte sind informativ, kurz und prägnant, man hat das Gefühl, stets wesentliche Informationen erhalten zu haben.

 

Kleines Tier, großer Spaß

 

Am meisten freuen sich meine Kinder über die Verwechslungspaare. Endlich können wir Zitterspinne und Weberknecht unterscheiden. Und dank der vielen Fotos kucken auch die Kleinsten aufmerksam mit ihren Geschwistern das Buch an. Der kleine Salamander bereitet uns allen großes Vergnügen und wir hoffen sehr, dass der Hauptverlag noch eine weitere schöne Naturbuchausgabe veröffentlichen kann.

 

Titelangaben:

 

Monika Niehaus (Übers.) Mit dem kleinen Salamander durchs Jahr. Das Buch für von Natur aus neugierige Kinder.

Bern: Haupt Verlag, 2013. 132 Seiten. 19,90 EUR.

 

 

 

Wir haben wieder ein paar Neuzugänge in unseren Bücherregalen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Clare Youngs: Neues aus alten Büchern

 

Dekoratives aus Gelesenem

 

Recycling ist groß im Kommen und immer wieder versuchen sich Künstler und Autoren an neuen und alten Objekten. Mit Papier zu basteln ist an sich nichts Neues. Auch den Ansatz, alte Bücher zu zerschnippeln, gibt es bereits. Mal sehen, ob Clare Youngs uns also doch noch etwas Neues aus alten Büchern beibringen kann.

 

Nun muss ich leider grundsätzlich zugeben, dass ich als bibliophile Mama schon ein Problem habe, wenn ich mir vornehmen wollte, ein Buch zu zerschnippeln. Gut, es gibt – bedauerlicherweise – einiges an zerfledderten Kinderbüchern, aber selbige sind hoffnungslos zerstört und deswegen nur bedingt wieder verwertbar. Trotzdem fasziniert mich die Arbeit mit Papier immer und ich freue mich jedes Mal, wenn ich etwas dazu lernen darf.

 

Clare Youngs hat ihre fünfunddreißig Projekte in vier Kapitel aufgeteilt: »Grußkarten und Papeterie«, »Dekoratives für zu Hause«, »Kreatives für Kinder« und »Tierische Ideen«. Wobei man sagen muss, dass die Übergänge zum Teil fließend sind. Ihre Grußkartenideen sind sehr romantisch, in Scherenschnitttechnik gearbeitete Vogelkäfige, florale Elemente mit Filzstift aufgemalt oder gestempelt. Ansprechend, aber nicht überragend. Kreativer dagegen ist ihre Anleitung zu Herstellung von Fotoalben und Notizbüchern, hier bekomme ich auch eher Lust, gleich nachzuarbeiten. Andere Ideen, wie Brieftaubenkarten oder Pop-up Ananas, wirken dagegen sehr bemüht.

 

Im nächsten Teil, der sich dekorativen Papiergegenständen widmet, stoße ich auf das gleiche Problem. Youngs Papierartischocken sind nett, aber auch nicht mehr. Und für meinen Fall völlig nutzlos. Auch Papierhäuser zum Aufstellen sehen schön aus, sind aber selbst für Schulkinder so leicht nachzuarbeiten, dass ich nicht sagen kann, ob man sie überhaupt in ein Buch aufnehmen sollte. Mit der Papierrose geht es mir wie mit der Artischocke und einzig die Papierskulpturen aus aufgeschnittenen Büchern finde ich zumindest optisch ansprechend. Die Pop-up Entwürfe für ein Winterdorf und Frühlingsblumen sehen hübsch aus und scheinen leicht herzustellen. Wirklich schön finde ich die abstrakte Papierkunst, die sehr reduziert und kreativ gearbeitet ist – da gibt es sicher Potential für mich. Auch die Papierschalen sind zwar nicht neu, aber die Anleitung ist gut und ich habe schon eine angefangen. Leider waren dies auch alle Highlights, denn Christbaumkugeln, Sterne und Faltsterne aus bedrucktem Papier reizen kaum.

 

Als Mama habe ich mich besonders auf das Kapitel gefreut, das Kindern gewidmet ist. Allerdings finde ich die Projekte – von Puppen über Hampelmänner bis zu Tieren zum Teil technisch sehr anspruchsvoll. Keines meiner Kinder könnte die Puppen nachbauen und die Frage ist ob Teenager, die dazu vielleicht in der Lage wären, dazu noch groß Lust haben. Die Hampelmänner dagegen interessieren mich schon, wohingegen Broschen, Tiere und Scherenschnitte meine Kinder kaum gereizt haben, da wenig neues dabei ist.

 

Für Tierliebhaber ist sicher das letzte Kapitel interessant, die niedliche Fauna ist mit Schmetterlingen, Mäusen, Katzen, Eulen Schafen und Vögelchen reichlich vertreten. Auch hier gilt: die Anleitungen sind gut verständlich und nachvollziehbar.

Insgesamt ist mir Clare Youngs zu dekolastig. Die Projekte sind meist sehr aufwendig und dann nur zu Dekorationszwecken zu gebrauchen. In meinem Alltag ist dafür leider viel zu wenig Platz. Wer aber gerne dekoriert und bastelt und die schönen Fotografien mag, die der Hauptverlag in dieser Ausgabe wie immer schön platziert, wird seine reine Freude haben an fünfunddreißig hübschen Dekoobjekten.

 

Clare Youngs: Neues aus alten Büchern

Bern: Haupt Verlag, 2013. 128 Seiten. 24,90 Euro.

 

 

 

Laura Sinikka Wilhelm : Das war doch meine Lieblingsjeans! Sachen für Kids aus gebrauchten Materialien

 

Hosen runter!

 

Laura Sinikka Wilhelm stellt in Das war doch meine Lieblingsjeans! unzählige Projekte vor, die selbige dem Altkleidersack entreißen und einer neuen Bestimmung zuführen sollen. Hochinteressant und durchaus anspornend. Also: her mit den Hosen!

 

Laura Wilhelm hat im Nachfolgeband zu Es war einmal ein Hosenbein wieder tief in die Kreativkiste gegriffen. Im Gegensatz zum letzten Mal hat sie sich hauptsächlich auf das Material Jeans konzentriert sowie auf Upcycling Projekte. Für alle, die damit nichts anfangen können: Wilhelm gibt für jedes einzelne Projekt auch Stoffverbräuche für Neuware an. Und diesmal passt der Titel auch wie die Faust aufs Auge.

 

Projekte für Große und Kleine

 

Bereits im Inhaltsverzeichnis sind diejenigen Projekte erkennbar, die Wilhelm speziell für Kinder und Teenager eingefügt hat. Ein Glücksgriff, denn schließlich gibt es nicht nur kreative Mütter, sondern auch kreative Kinder, die gerne wiederverwerten und basteln. Kinderprojekte werden grau hinterlegt, so kann man von Anfang an die Projektzielgruppe erkennen. Z.B. werden Konservendosen zu Stifteköchern umfunktioniert – mit Jeans natürlich, aus Schwemmholz Stiftehalter gebaut, Mappen geklebt, Kulturbeutel genäht usw.

 

Die Mamas freuen sich über Transportkörbe aus Jeans, Kuriertaschen, Schlüsselanhänger, Utensilos, Polsterschlangen, Kissen, Teppiche, Sitzsäcke, Vorhänge und vieles mehr. Nicht immer sind die Ideen genial und neu (ich sage nur: Kissen), aber Laura Sinikka Wilhelm hat ihren eigenen Anspruch, nur alte Textilien wieder zu verwerten, konsequent durchgehalten und dies zum Teil sehr kreativ. Die außerordentlich detaillierten Anleitungen (für Könner schon fast zu genau) machen die Nacharbeit einfach.

 

Schöne Projekte, schöne Fotos

 

Schließlich muss an dieser Stelle auch der kongenialen Fotografin Marjo Koivumäki ein Kompliment ausgesprochen werden, die es versteht, jedes einzelne Projekt stimmig und schön in Szene zu setzen, so dass aus vielen einzelnen Upcycling Vorhaben ein maritimes Gesamtkunstwerk entsteht, das man auch schlicht und einfach gerne anschaut und gern aus dem Bücherregal hervor holt. Nachdem es ein projektbezogenes Buch ist, gibt es ansonsten nicht mehr viel zu sagen außer: ran an die Hosen!

 

 

 

Titelangaben:

Laura Sinikka Wilhelm: Das war doch meine Lieblingsjeans! Sachen für Kids aus gebrauchten Materialien.

Bern: Haupt Verlag 2013. 192 Seiten. 24,90 Euro.

Papierschmuck

Baumann, Barbara: Papierschmuck. 55 Projekte aus verschiedenen Papiersorten

 

Ein Hoch auf die Zettelwirtschaft!

 

Barbara Baumann weist der Zettelwirtschaft einen neuen Platz zu. Vom Schubladendasein befreit, darf Altpapier nun an unserem Luxuskörper prangen. In Papierschmuck. 55 Projekte aus verschiedenen Papiersorten zeigt sie, wie man dem Wegwerfobjekt Papier neues Leben einhaucht, und das auf vielfältige und stylische Art und Weise, genäht, gefaltet, geknittert und geklebt.

 

Baumann weist gleich zu Anfang auf ein unumgängliches Problem hin, mit dem sich jeder Papierbastler schnell befassen muss: das Sammeln. Nur wer Papier in den verschiedensten Ausprägungen sammelt und sortiert, kann tatsächlich wunderbaren Papierschmuck herstellen. Um nicht in einem Messiedasein zu versinken, sind dann aber auch Katalogisierung und Aufbewahrungssystem zwingend notwendige Begleitprojekte. Ist man aber über dieses Level hinweg, kann es losgehen.

 

Was Sie schon immer über Papierarten wissen wollten

 

Ihre Projekte gliedert die Bibliothekarin nach Art des benutzten Materials. Das reicht von Landkarten über Reclamhefte, Zeitungen, Bonbonpapier, Karton, Geschenkpapier, Karten und Zeitschriften bis hin zu Papierschnur, Servietten, Puzzleteile, Bücher und Comics. Entsprechend vielfältig sind die Schmuckprojekte. Es werden aus Landkarten Armreifen gefaltet, Origamiohrringe hergestellt und aus Zeitungspapier Perlen gedreht oder mit der Nähmaschine Ketten genäht. Auch wenn einem nicht jedes Projekt zusagt, die Kreativität der Autorin ist enorm und man holt sich Anregung um Anregung.

 

Eine echte Fundgrube also. Leider verweist Baumann bei zwei, drei Arbeitstechniken hartnäckig auf YouTube oder Internetanleitungen. Das empfinde ich als sehr frustierend – schließlich hat man meistens einen Grund, sich ein Buch zu kaufen und möchte nicht in einem Buch mehrmals darauf hingewiesen werden, dass es eigentlich günstigere und schnellere Methoden gibt, sich Anleitungen zu beschaffen. Weshalb lässt Baumann sich auf einen solchen Kuhhandel ein? Ansonsten sind alle Anleitungen gut bebildert und nachvollziehbar – eine wahre Freude mit kleinem trüben Einschlag also.

 

Basisinformationen

 

Zur Vervollständigung gibt es auch einen Praxisteil, der sich mit Grundlagen befasst. Also Schmuckarten, Schmuckherstellung, Werkzeug, Material und Papiertechniken. Er ist nicht unbedingt notwendig, aber nett anzuschauen. Interessanter gestaltet sich hier schon der Anhang, in dem Baumann auch Bezugsquellen und weiterführende Literatur angegeben hat. Oft findet man hier spannende Zusatzlektüre und gute Tipps zur Beschaffung der Arbeitsmittel.

 

Insgesamt hat man Papierschmuck schnell durchgelesen, der Großteil besteht aus schönen Fotos und schließlich soll ja auch gearbeitet werden und nicht nur gelesen. Das Buch ist seinen Preis auf jeden Fall wert, weil es schön gemacht ist, sehr kreative Anregungen beherbergt und definitiv Lust macht auf Verarbeitung von Papier. Manche der Projekte sind übrigens auch geeignet für etwas größere und geschickte Kinder, die Papierperlen würde ich meiner achtjährigen durchaus zutrauen – und wäre das nicht ein schönes Geschenk für eine Geburtstagsparty?

 

Titelangaben:

 

Barbara Baumann: Papierschmuck. 55 Projekte aus verschiedenen Papiersorten.

Bern: Haupt Verlag, 2013. 176 Seiten. 24,90 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

Trommel, Drache, Bumerang

Eva Hauck: Trommel, Drache, Bumerang. Projekte aus aller Welt für Kinder

 

In 50 Projekten um die Welt

 

Eva Hauck hat für Kinder im Alter von 4 bis 14 Jahren eine kleine kreative Weltreise quer über alle fünf Kontinente organisiert. Wer Trommel, Drache, Bumerang liest, wird mit vielen kreativen Ideen und interessanten Details aus aller Welt belohnt.

 

Trommel, Drache, Bumerang ist nach den Kontinenten gegliedert. Die Reise beginnt in Afrika. Hauck verfasst zu jedem Kapitel eine kleine Einführung, die kulturelle Eigenheiten der Gesellschaften aufzeigt und die kreativen Projekte vorstellt. Anhand der vielen Bilder können sich Kinder und Erwachsene schnell ein Bild davon machen, wie zum Beispiel die Hand der Fatima aussieht, was eine Kalimba ist und warum in Südafrika Perlentiere gebastelt werden.

 

Jede kulturelle Zwischenstation mündet in ein bebildertes Projekt für Kinder, das je nach Altersstufe zwischen anspruchsvoll und einfach schwankt. Sehr angenehm gerade in Bezug auf den afrikanischen Kontinent ist auch, dass Hauck aktuelle Arbeitstechniken genauso miteinbezieht wie alte Kulturtraditionen. So werden zum Beispiel Tiere aus Dosenblech, Plastiktüten und leeren Flaschen gearbeitet.

 

Es gibt viel zu lernen

 

Auch in Asien wird Halt gemacht. Es gibt Projekte aus der Mongolei, aus China, Taiwan, Japan, Indien, Afghanistan und Indonesien nachzubauen. Die Techniken dabei sind oft einfach, manchmal aufwändig, aber immer machbar. Vor allem der fremdländische Bezug ist interessant. Es wird gestickt, gefilzt, geschnitten und gedruckt. Der kleinste Teil betrifft Ozeanien und Australien, hierzu gibt es leider nur drei Projekte, was schade ist angesichts eines Kulturkreises, der für unsere Kinder schwer zugänglich ist.

 

Im europäischen Part finden sich dagegen wieder mehr Beispiele, diesmal aus Schweden, Dänemark, Polen, Italien und Spanien. Was hier enttäuschend auffällt, ist, dass der deutschsprachige Raum gänzlich fehlt. Das erweckt den Eindruck, als ob es hier nichts gäbe, was nachbauenswert wäre und das ist falsch und schade. Sowohl im alpenländischen Raum als auch in Nord- und Mitteldeutschland gibt es viele liebenswerte Eigenheiten, die wir vielleicht verdrängen, die aber da sind! Von Weihnachtspyramiden über Wolpertinger und Fischerhemden, es ist auch daheim viel zu sehen. In unserer multikulturellen Gesellschaft kann man zudem nicht mehr davon ausgehen, dass alle Kinder in Deutschland auch hier kulturell verwurzelt sind und ergo alles über ihre eigene Kultur wissen.

 

In die Werkstatt, fertig, los!

 

Eva Hauck hat Projekte gesammelt, die sowohl Jungen als auch Mädchen ansprechen können. Vor allem auf dem amerikanischen Kontinent können sich alle noch einmal austoben. Es werden Behältnisse für Süßes aus Mexiko gebastelt, Blusen aus Chile genäht, und natürlich – diesmal freut man sich, dass Hauck es nicht vergessen hat – viele Dinge der nordamerikanischen Ureinwohner nachgebaut. Vom Marterpfahl bis zu den Körben der Hopi, alles findet seinen Platz und wird auf kindgerechte Art und Weise aufgearbeitet.

 

Insgesamt muss vielleicht noch angemerkt werden, dass die Altersangaben sehr optimistisch sind. Man muss schon ein sehr weit entwickeltes vierjähriges Kind haben, um es an den Projekten in angemessener Weise teilhaben zu lassen. Aber ab dem sechsten Lebensjahr ist fast alles durchführbar, zum Teil auch in Klassenverbänden. Das macht Haucks Buch umso interessanter, denn Kreativität ist mit am schönsten, wenn sie geteilt werden kann. Ein schönes Buch also, mit kleinen Mängeln, die aber den Wert nicht schmälern, wir freuen uns schon darauf, viel daraus nachzuarbeiten und vielleicht auch vorstellen zu können!

 

Titelangaben:

 

Eva Hauck, Trommel, Drache, Bumerang. Projekte aus aller Welt für Kinder

Bern: Haupt Verlag 2013. 240 Seiten. 24,90 Euro.

Viola

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans

 

 

 

 

 

 

Charlotte

 

 

 

 

 

 

Friederike

 

 

 

 

 

 

 

Johann

 

 

 

 

 

 

 

Jakob

2 Gedanken zu „Bücherbord

  1. Ivonne Burkhardt

    Liebe Viola!

    Bin nun schon die dritte Woche zu Hause!!!! Krank geschrieben!!! Ich hab mich so furchtbar gelangweilt und deshalb mit Christiane telefoniert. Die hat mir erzählt,dass du deine eigene Webseite hast. Da musste ich doch gleich mal reinschauen. Ich bin begeistert! Was du alles machst mit deinen Lieben! Alle Achtung! Mir ist das zu Hause dann immer zu blöd, da ich es ja im Geschäft machen muss. Hab dann einfach keine große Lust mehr ,auch noch zu Hause zu Basteln! Hab vielleicht doch den falschen Beruf!
    Eier färben und Ostergebäck gabs bei uns natürlich trotzdem! Wir färben mit der „alten “ Eierfarbe immer noch die ausgeblasenen Eier für den Ostersrtauß.
    Nun bin ich bei Euren Lieblingsbüchern gelandet! Da sind ja richtige Klassiker dabei! Marlen liest gerade Urmel aus dem Eis. Und Emelie kann nicht genug bekommen von den „Ich sehe was … “ Büchern. Mein Liebelingsbuch ist der Kleine Prinz! Aber im Moment lese ich alles was mir in die Finger kommt!

    Ich wünsche Euch noch ein paar schöne erholsame Tage, bis die Schule wieder losgeht! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder im Chor! Bis bald deine Ivonne

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Hallo Ivonne,

      freut mich, dass Dir mein Blog gefällt, Du darfst mich gerne weiter empfehlen! Ich hoffe, Du bist nicht ernsthaft krank und es geht Dir gut. Wir hatten hier auch eine Krankenstände und ich hoffe, dass nach den Ferien alles wieder im gewohnten Trott weitergeht.

      Bis bald im Chor oder Kindergarten!

      Deine Viola

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


+ 5 = dreizehn