Bücher ab 2019

Sofia Antonsson: Endlich entspannt essen! Gesunde Ernährung für einen Darm in Balance.

Lynn Hoefer: Einfach himmlisch gesund. Natürliche und schnelle Rezepte für das echte Leben.

Angela Liddon: Oh she glows für jeden Tag. Schnelle Gerichte, die einfach satt und glücklich machen.

 

Sommergerichte bunt und gesund

 

An sich ist es für meine Kinder eher eine Drohung, wenn ich ankündige, dass es heute etwas Gesundes zu essen gibt. Auch Diätessen hat gemeinhin etwas frustig Graues. Natürlich ist das dieses Mal nicht so, sonst hätte ich keinen Anlass zu schreiben. Sofia Antonsson widmet sich in Endlich entspannt essen! Gesunde Ernährung für einen Darm in Balance dem Reizdarmsyndrom, unter dem immer mehr Menschen, vor allem Frauen, leiden.  Lynn Hoefer beschreibt in Einfach himmlisch gesund. Natürliche und schnelle Rezepte für das echte Leben, wie sie es schafft, sich pflanzenbasiert und nachhaltig zu ernähren, ohne sich zu sehr unter Druck zu setzen. Angela Liddon begibt sich in Oh she glows für jeden Tag. Schnelle Gerichte, die einfach satt und glücklich machen auf das nächste Level der veganen Ernährung.

Was allen drei Rezeptbüchern gemeinsam ist, ist eine grundlegende, strukturierte Vorratshaltung, die jeweils empfohlen wird, um stets gut kochen zu können. Tatsächlich kann eine Großfamilienmutter wie ich bei derartigen Ratschlägen nur gähnen. Natürlich muss man Vorrat halten! Wie sieht es aber in kleinen Familien aus oder in Single-Haushalten? Was hält sich wie lange? Liddon gibt hier wertvolle Tipps, die gut umzusetzen sind.

 

Der kleinste gemeinsame Nenner

Lynn Hoefer eignet sich für alle, die gar nicht den Nerv haben, sich groß mit ideologischem Unterbau und ausgefallenen Rezepturen auseinanderzusetzen. Das Kochbuch ist sehr sympathisch und unkompliziert verfasst, die schönen Fotos machen richtig Lust aufs Kochen. Die Rezepte gliedern sich in Vorratshaltung, z.B. Gewürzmischungen oder Kimchi, in schnelle Frühstücksrezepte, vor allem mit Müslis, in schnelle „Lieferservice“ – Gerichte, Gerichte, die innerhalb von dreißig Minuten gekocht werden können, in „Zero-Waste“ Gerichte, Meal-Prep -Gerichte und aufwändigere Gerichte fürs Wochenende.

Besonders nett finde ich die feinen Abstufungen in den Rezepten. Nichts ist „extraordinaire“, aber alles sehr dezent und lecker. Ist es nicht schön, einen Unterschied machen zu können zwischen einem Mittwochsmüsli und Sonntagsbrunch? Zero – Waste in der Küche heißt natürlich Resteverwertung, aber das macht nichts. So muss man sich seine Restefeste wenigstens nicht selbst ausdenken. Die Meal-Preps tragen unserem schnellen Zeitalter Rechnung. Oft wird Reis, Quinoa oder Hirse vorgekocht und separat zu Saucen eingefroren. Ideal, oder?

Spezialküche für gestresste Menschen

Sofia Antonsson richtet sich dagegen mit Endlich entspannt essen! an eine sehr spezielle Peergroup. Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden unter vielen verschiedenen Symptomen, Stress macht die Erkrankung meist nicht besser. Da die Symptome so unspezifisch sind, geraten die Patienten oft in einen Strudel aus Diäten und Medikamentencocktails, ohne wirklich Erleichterung zu finden. Antonsson greift auf eine Ernährungsumstellung zurück, die FODMAP Methode, die sie in vegetarischer Form präsentiert.

Man sollte sich also vielleicht schon ein bisschen auskennen mit dieser Diät, wenn man Antonssons Rezeptbuch zur Hand nimmt oder zumindest eine gewisse Liebe zum Detail zeigen. Nicht in jeder Phase der Diät kann alles gegessen werden. Proteinquellen sind zwar immer angegeben, aber insgesamt liest die Diät sich etwas umständlich, wie wahrscheinlich alle Diäten. Die Rezepte, wie Zitronenrisotto, Auberginen-Linsencurry oder Pasta mit Quorn (vegetarisches Hackfleisch), hören sich dagegen alle so lecker an, dass ich mich frage, ob man nicht auch einfach den Diätteil überlesen könnte, wenn man keinen Bedarf danach hat.

Haute Cuisine im Alltag

Angela Liddon behauptet ja, ihre Rezepte seien im Nu nachgekocht und absolut alltagstauglich. So hübsch und jugendlich wie sie da steht, mit einem Kleinkind und einem strahlenden Ehemann, ist mir das alles zu klischeehaft. Allerdings ist sie sehr strukturiert im Vorgehen, zum Thema Vorratshaltung und Grundrezepte sind ihre Tipps die umfangreichsten. Zudem hat sie für ihre Rezepte viele Labels wie „kinderfreundlich“ oder „tiefkühlgeeignet“ kreiert, die einem die Orientierung erleichtern.

Liddon hangelt sich ebenfalls mit den Tagesmahlzeiten durchs Buch. Aus dem Rezeptregister stechen vor allem die Smoothies heraus, genauso wie Riegel und hausgemachte Vorräte. Das hört sich sehr alltagstauglich an! Allerdings schrecken ellenlange Zutatenlisten mit solch erwählten Ingredienzen wie Kokoswasser, Matchapulver, Mandelmehl und Sonnenblumenkernmus eher ab. Kein Wunder, dass sich vorn im Buch auch ein Bestellcoupon befindet.

 

Man könnte sagen, mit den drei Kochbüchern kann man sich auf verschiedenen Leveln der pflanzlichen Küche bewegen. Wer schon versierter ist oder spezielle Interessen oder Probleme hat, wird garantiert fündig. Aber auch für alle, die wie ich am Bodensatz der vegetarischen Küche kratzen, finden sich gerade bei Lynn Hoefer viele alltagstaugliche und schnell umsetzbare Gerichte. Der Pflanzensommer kann kommen.

 

Titelangaben:

Lynn Hoefer: Einfach himmlisch gesund. Natürliche und schnelle Rezepte für das echte Leben.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2020. 248 Seiten. 28 €.

Sofia Antonsson: Endlich entspannt essen! Gesunde Ernährung für einen Darm in Balance.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 144 Seiten. 25€.

Angela Liddon: Oh she glows für jeden Tag. Schnelle Gerichte, die einfach satt und glücklich machen.

Kandern: Unimedica Verlag, 2017. 380 Seiten. 29€.

 

Claudio Del Principe: A Casa. Gut kochen. Besser essen. Jeden Tag.

Leila Lindholm: Meine Rezepte für die ganze Familie.

Joanna Gaines: Magnolia Table.

Gemeinsam sind wir unterschiedlich

 

Es ist unheimlich, in diesen Tagen Rezensionen für Kochbücher zu schreiben. Allen, die mich für wahnsinnig halten, kann ich begegnen: Es ist wahnsinnig. Die Welt fliegt uns um die Ohren. Und ich sollte nicht schreiben müssen, was ich nun sage. Dass die Welt, wie wir sie kennen, schon lange nicht mehr existiert. Dass in diesem Szenario ein Virus nur ein Teil ist. Klimawandel und Globalisierung sind ein weiterer Teil. Deshalb schreiben Autoren wie Claudio Del Principe, Leila Lindholm und Joanna Gaines Bücher vom idyllischen Leben mit Selbstgekochten. Deshalb verschlingen wir Leser Bücher wie A Casa, Meine Rezepte für die ganze Familie oder Magnolia Table.

Wir verstehen die Welt nicht mehr. Alle sind hilflos. Es ist die Umkehrung aller Werte. Schon verrückt, wie bewusst uns plötzlich wird, welch beeindruckende Arbeit VerkäuferInnen, KrankenpflegerInnen, Ärzte und Ärztinnen und ZustellerInnen leisten. Schämen wir uns ruhig. Vergessene Berufe gelangen neu ins Bewusstsein. Die Leistung dieser Menschen ist unglaublich. Nichts passt mehr, Wohlstand und Reichtum wirken obszön.

Sehnsucht nach dem Guten

Es ist die Sehnsucht nach dem Glück der Kindheit, verbunden mit Geschmäckern, Düften und Gerüchen, die Menschen immer wieder in die Küche treibt. Liebe geht durch den Magen, auch die Selbstliebe. Das ungewöhnlichste der drei Kochbücher ist jenes von Claudio Del Principe, einem Schweizer Blogger mit einer ungebrochenen Leidenschaft für gutes Essen, der seinen Blog in Buchform herausgegeben hat.

 

Darin geht es um eben jenes gute Essen, das Zeit und Weile und Zuwendung braucht, dann aber auch unschlagbar gut schmeckt. Er hütet seine Mutterhefe wie ein neugeborenes Baby, wenn er Pasta macht, gerät er in Verzückung. Es sind nicht einmal die Rezepte, die das Lesevergnügen bestimmen, sondern die unverkennbare Leidenschaft für gutes Essen, die aus jeder Buchseite spricht. Claudio Del Principe ist ein Glückspilz, er kann seine Leidenschaft zum Beruf machen und sich jede Zeit der Welt dafür nehmen. Wir anderen sollten uns von diesem Glück waghalsig etwas stehlen.

Gutes für alle

Leila Lindholm hat wie Claudio Del Principe zwei Kinder. Wie er möchte sie für ihre Familie gut kochen. Dabei passt sie sich viel mehr dem aktuellen Lifestyle an. Sie hat damit ein eher klassisches Kochbuch verfasst, dass mit seinen schönen Bildern vom Bullerbü Leben der Familie verführt. Das Tolle am Buch: Kleine Fähnchen kennzeichnen die Rezepte, falls sie glutenfrei, laktosefrei, vegetarisch, ohne Nüsse oder vegan etc. sind.

Damit findet jeder, was ihm schmeckt. Gerade in großen Familien geht es oft genau darum. Selten habe ich Tage, an denen ich etwas koche, das allen schmeckt. Typischerweise habe ich in meiner Familie eine Vegetarierin, einen Karnivoren, eine Laktoseintolerante, einen, der nichts Süßes mag und so weiter.  Meistens gibt es so eine Art Modulessen, die Reste der Vortage bilden mit Frischgekochtem ein buntes Buffet an Leckereien. Dank Lindholm kann ich jetzt glutenfreie Bananenpfannkuchen, Chia – Knuspermüslis, Scones und selbstgemachten Mandelaufstrich zum Frühstück kredenzen.

Küstenessen

Gefühlt gibt es viel Fisch bei Leila Lindholm, eine Spezialität, die ich aus Bayern außerhalb der Forelle kaum kenne. Gut für alle, die in Küstennähe wohnen! Aber auch viele Thai- und Vietnamesische Gerichte mit und ohne Fleisch erinnern daran, dass auch Kinder gerne trendig essen. Lindholm macht weniger selbst als Claudio Del Principe, aber auch bei ihr wird fast alles von Hand gekocht. Das gefällt mir gut, ich bin der festen Überzeugung, dass jedes selbst gekochte Essen noch einmal besser schmeckt.

Dabei scheut sie nicht vor außergewöhnlichen Rezepten, wie z.B. Wassermelonenpizza oder Carpaccio von roten Beten zurück. Zwischendurch plaudert sie aus dem Nähkästchen und betont, wie wichtig es ist, dass Biolebensmittel gekauft werden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass dies schon fast reflexhaft geschieht, vor allem vor Fleisch- und Fischgerichten. Dabei muss sie sich nicht dafür entschuldigen, dass sie kein rein vegetarisches Kochbuch geschrieben hat.

South American Life Style

Joanna Gaines, die mit ihrem Mann Chip das Lifestyle Restaurant Magnolia in Waco, Texas betreibt, teilt in diesem Kochbuch Lieblingsrezepte ihrer Großfamilie. Der Riesenvorteil an den Rezepten ist natürlich, dass sie alle nicht nur großfamilientauglich sind, sondern meisten, wie Scones, Tacos oder Burger, auch beliebt. Mich alte Selbermacherin stört tatsächlich, dass Gaines dabei oft auf Fertigteige oder Fertigsaucen zurückgreift. Ich weiß, dass Brotbacken in den Vereinigten Staaten keine große Tradition hat, aber Pizza….

 

Dafür habe ich endlich ein Rezept für grüne Tomaten. Wer wie ich das Buch  in den 90ern gelesen hat, wird begeistert sein. Das Kochbuch strotzt vor Rezepten aus dem amerikanischen Süden, gespickt mit asiatischen Einschlägen. Ein Meltingpot, wie er im Buche steht. Nicht immer habe ich Chancen, an alle Zutaten zu gelangen, z.B. an die „Himbeer-Chipotle-Sauce“, was immer das auch sein mag. Dafür gibt es gerade im Dessert -Teil viele Rezepte mit Hand und Fuß, die um Nachahmung flehen. Fudge- Sauce, Schokoladen-Cola -Kuchen (die Traumkombi meiner Jungs) und Brotpudding sind schon gesetzt. Guten Appetit!

 

Titelangaben:

Claudio Del Principe: A Casa. Gut kochen. Besser essen. Jeden Tag.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 320 Seiten, 39,90€.

Leila Lindholm: Meine Rezepte für die ganze Familie.

Köln: Fackelträger Verlag, 2016. 240 Seiten, 9, 99€.

Joanna Gaines: Magnolia Table.

Kandern: Unimedica Verlag, 2019. 344 Seiten. 29,90€.

 

 

Philipp Blom: Bei Sturm am Meer.

 

Flaute in der Seele

Was geschieht, wenn eine intensiv gelebte Existenz sich mit einem Mal in Rauch auflöst und erlischt? Philipp Blom erzählt in Bei Sturm am Meer von vertanen Chancen, Lebenslügen und Sackgassen, in die sich Ben, Marketingspezialist in der Wiener Museenlandschaft, laufend hineinmanövriert. Zwischen Vätern, die keine sind und solchen, die keine werden, laviert sich der schlaffe Protagonist durch sein vergeudetes Leben. VIOLA STOCKER betrachtet ein Feuer, das in sich erstickt.

Ben kommt nach Amsterdam, um der Urnenbeisetzung seiner Mutter Marlene beizuwohnen. Die Inhaberin eines Kunstbuchhandels war nach langer Krankheit verstorben, am Grab trifft er eine für ihn unbekannte ältere Dame. Eine Begegnung, die eine Lawine an Geschehnissen auslöst, in deren Verlauf sein Leben auf den Kopf gestellt wird. Die folgenden Ereignisse protokolliert er für seinen Sohn Sascha.

Ein Leben in Unaufrichtigkeit

Philipp Blom konstruiert ein Netzwerk an Existenzen, die sich alle durch grundlegende Unaufrichtigkeit auszeichnen. Bens Brief an seinen vierjährigen Sohn, den er ihm erst in vierzig Jahren zukommen lassen will, soll als roter Faden durch die Erzählung führen und dient dem Protagonisten gleichzeitig als Rechtfertigung für das eigene Versagen. Denn das ist es.

Ben lernt seinen Vater nie kennen. Der gefeierte Hamburger Journalist ist für eine Recherche in Südamerika unterwegs und verschwindet spurlos während dortiger politischer Unruhen. In Deutschland wird er bald für tot erklärt. Bens Mutter erzählt ihrem Sohn die Geschichte des unerschrockenen Helden, an der der junge Ben selbst scheitern muss. Doch Bloms Gespinst umfasst noch mehr Personen und Schicksale.

Lebenslang verstrickt

Bens Mutter Marlene ist das Kind einer schönen, alleinerziehenden Hamburger Büroangestellten, die Zeit ihres Lebens von Ruhm und Reichtum träumt und doch einen faden Amsterdamer Privatier heiratet, um der unehelichen Tochter ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Unmengen an Make-Up, Alkohol und eine Affäre mit dem benachbarten Künstler können Großmutter Elly nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Leben verpfuscht ist.

Marlene ihrerseits zeigt sich nicht in der Lage, den Anforderungen der gescheiterten Mutter zu entsprechen. Die schöne junge Frau beginnt ein Studium, das sie nie abschließt, weil sie Bens Vater Henk aus Hamburg kennenlernt, der wild und freiheitsliebend ist und der extremen Linken in Deutschland nahesteht. Sie wiederholt den Fehler ihrer Mutter, wird schwanger und heiratet Henk.

Brüche und Kollagen

Bloms Roman spielt in intellektuellen Zirkeln Hamburgs, Amsterdams und Wiens. Kollagenhaft überlagern sich oft die Eindrücke, zusammengehalten vom Brief an den Sohn, der ihn jetzt noch nicht verstehen kann. Gescheiterte Beziehungen wollen erlernt sein, scheint Blom zu sagen, denn Ben, dessen Ehe mit der distanzierten Wissenschaftlerin Xenia längst erkaltet ist, begeht den gleichen Fehler wie die Frauen seiner Familie.

Er begibt sich in ein Netz aus Lügen und verzweifelten Brüchen. Am Grab seiner Mutter lernt er Clara kennen und erfährt, dass sein Vater lebt. Alt und dement, ganz in der Nähe. Bens Welt bricht zusammen, seine Mutter hatte ihn angelogen, um ihre eigene Bitterkeit zu ersticken. Henk hatte Marlene für Clara verlassen. Seine Mutter hatte eine Festung aus Lügen errichtet, in der sie sich versteckt hatte. In einer Welt aus Illusionen war sie schließlich, ähnlich seiner Großmutter Elly, verstorben.

Es gibt kein Glück

Man wartet in diesem Roman umsonst auf den Moment, in dem der Protagonist die Lügengebilde erkennt und niederreißt. Ben entdeckt in Amsterdam ein Plakat für eine Ausstellung, auf dem er als junger Mann nackt abgebildet ist. Seine erste große Liebe, eine lokale Künstlerin, hatte es gemalt. Was für Ben einzigartig und der alleinige Zugang zur Kunst ist, entpuppt sich in der Ausstellung als nur ein Aspekt unter vielen. Ben ist nur ein Motiv, das gemalt wird, in der Galerie sind die anderen Portraits junger Männer in Schubladen verstaut, weil es ihrer zu viele gibt.

Es wäre nun der Punkt, Tabula Rasa zu machen und in Ehrlichkeit neu anzufangen. Stattdessen flüchtet Ben sich in eine neue Affäre mit der Künstlerin Rachel, sie malt ihn ein zweites Mal. Trotzdem kehrt Ben am Ende zu seinem Sohn zu zurück, mit einem Brief, den er ihm erst in vierzig Jahren geben wird, in ein Leben voller Lügen, zu einer Frau, die ihn nicht liebt, um sie vielleicht für ein Angebot aus Paris zu verlassen. Die zweite Zeichnung zeigt ihn als alternden Mann, untertitelt mit »Leichnam«.

Es stürmt nur innen

Bloms Erzählmodus bleibt lakonisch und distanziert. Bisweilen scheint die Leidenschaftslosigkeit von Bens Ehe auf den Schreibstil des Autors überzugehen. Drei Generationen einer deutschen Lüge, Flucht vor dem Selbst, wobei die sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingen nur Kulisse auf dieser Seelenschau sind. Die aufwändig konstruierte Story um den reisenden Journalistenvater, die bühnenverliebte Großmutter, den Ruf einer Pariser Werbeagentur, wirkt manchmal etwas sehr gewollt.

Dabei geht es um persönliches Scheitern, um ein familiäres Erbe, das man nicht einfach abstreifen kann, um die Unmöglichkeit, ein Leben in Aufrichtigkeit zu führen. Werden Beziehungen nur durch Lügen am Leben gehalten? Ben ist ein Antiheld, sein Scheitern, sein stilles sich Entfernen am Schluss des Romans hinterlässt nur Fragen, keine Antworten. Es herrscht Windstille in der Liebe.

Titelangaben:

Philipp Blom: Bei Sturm am Meer.

Wien:  Verlag Zsolnay, 2016. 224 Seiten. 20 €.

 

 

 

Höner, Guido, Bengsch, Noemi: Entdecke mit uns den Bauernhof.

Eder, Sigrun und Gottlieb: Fantatiere.

Kaiblinger, Sonja, Bertrand, Fréderic: Vincent flattert ins Abenteuer.

Holzapfel, Falk: Böse Brummer.

Hudek: Marc: Ich schwöre!

Trueit, Trudi: Die Feder des Falken.

Unterhaltsame Kinderlektüre für graue Regentage

Die Sturmwarnung trifft uns gottseidank nicht unvorbereitet. Selbst wenn niemand morgen zur Schule gehen kann, wird uns bestimmt nicht langweilig. Für alle meine Kinder habe ich dieses Mal Lektüre zur Hand. Höners und Bengschs Entdecke mit uns den Bauernhof ist ideal für Erstleser und Bauernhofverliebte, in Eders Fantatieren gibt es unglaubliche Einblicke in die Tierwelt. Sonja Kaiblinger und Fréderic Bertrand wagen sich mit Vincent flattert ins Abenteuer in die Welt der Grafic Novel, genauso wie Falk Holzapfel mit Böse Brummer. Spannend und futuristisch zugleich schreibt Trudi Trueit in Die Feder des Falken und meine Große freut sich über politische Lektüre von Marc Hudek in Ich schwöre!

Cruz Coronado aus Die Feder des Falken hat seine Mutter verloren. Das ist ein schlimmes Schicksal, das nicht nur ihn betrifft, sondern viele Kinder auf dieser Welt. Doch Cruz‘ Mutter war eine besondere Frau. Die Wissenschaftlerin hat als Pharmazeutin in einem geheimen Labor gearbeitet und eine Formel entwickelt, mit der alle Krankheiten der Welt geheilt werden können. Die Pharmafirma wollte aber nicht ihren Monopolstatus verlieren uns so kam Frau Coronado auf mysteriöse Weise ums Leben. Zuvor aber konnte sich noch die Teile der Formel quer über den Globus verteilt verstecken.

Der Krimi ist ideal für Kinder, die sich für Wissenschaft und Forschung interessieren, schließlich wird er auch von National Geographic herausgegeben. In der futuristischen Welt besucht Cruz eine Eliteschule, die einen Forschungstörn absolviert und ist in der Lage, mit unzähligen Gadgets zum Beispiel mit Walen zu kommunizieren. Der Forscherkrimi ist eine Mischung aus James Bond und Star Trek, tatsächlich aber werden im Anhang viele der Inhalte auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft oder echte Helden dargestellt. Toll für jene, die mehr wissen wollen!

Grafic Novels für Grundschüler

In der Szene haben sich für Erwachsene Grafic Novels längst als Kunstform etabliert. In der Kinderbuchecke vegetieren sie noch zwischen Comic und Bilderbuch. Dabei haben sie so viel mehr zu bieten. Das zeigt auch Falk Holzapfel mit Böse Brummer. Dabei bewegt sich die Story von den zwei übermütigen Jungs, die in einer futuristischen Stadt alle Verbote missachtend in die gefährliche Region unter der Erde absteigend, herrlich humoristisch zwischen Jules Verne und den Barbapapas.

Steven und Piet überschätzen sich natürlich maßlos und geraten ab sofort in unüberwindbare Schwierigkeiten mit überdimensionierten Insekten, den Bugs. Gottseidank entpuppen sich gerade die gruseligsten Monster als süße Kuscheltiere. In einer von Menschen zerstörten Umwelt erkunden die zwei Freunde unterirdische Katakomben und entdecken neben riesigen Insekten auch noch beleidigte Roboter und die Helden ihrer Schulzeit. Schade fast, dass die kurzweilige Grafic Novel so leicht an einem Abend durchzulesen ist.

Schaurig schöne Freundschaft

Vincent hat es schwer. Die Katze jagt ihn, das Tor zur Geisterwelt ist verschlossen und obwohl er eine Halb-Geisterfledermaus ist, hat er keine Ahnung, wie er sich unsichtbar machen soll. Polly, der Poltergeist und die kluge Eule Beule wissen, was da zu tun ist: Vincent braucht einen richtig guten Freund. Doch es stellt sich heraus, dass ein guter Freund gar nicht so einfach zu finden ist. Zwar malt Beule den perfekten Steckbrief, aber es melden sich nur Versager.

Das Eichhörnchen räumt alles voll mit Nüssen, die Ente will nur baden. Niemand weiß, wie man mit einer übergewichtigen, übellaunigen Katze fertig wird. Da schleppt Beule auch noch ein Mehrschweinchenmädchen an. Vincent ist fast am Verzweifeln. Fritzi, das Mehrschweinchen ist viel zu süß, um es mit der Katze aufzunehmen. Doch was geschieht, als das Katzenvieh wieder einmal Vincent das Leben schwer machen will? Fritzi entpuppt sich als Halbgeistertier. Freunde, so die Moral, finden sich manchmal da, wo man sie gar nicht sucht.

Launen der Natur

Die Fantatiere sind ein perfektes Vater- Tochter- Projekt. Sigrun und Gottlieb Eder pflegen gemeinsam ihre Leidenschaft für die Natur. Das kreative Malbuch vereint naturwissenschaftliche Fakten mit den fantasievollen Bildern der Kinder. Natürlich haben wir uns alle schon einmal gefragt, ob der Eisbär sich von Eis am Stiel ernährt, die Haubentaucher besonders schöne Mützen tragen oder die Uhrforelle immer weiß, wie spät es ist.

Wer mag, kann mit den fantastischen Zeichnungen eintauchen in die Welt der kuriosen Tiernamen und sich mit vielen Buntstiften die Zeit vertreiben. Dabei finde ich besonders toll, dass sich das kleine, kompakte Malbuch so gut zum Mitnehmen eignet. Langwierige Zugfahrten, Autofahrten oder öde Kaffeeklatschnachmittage bei viel zu alten Erwachsenen lassen sich so gut ertragen. Wer mag, findet im Malbuch genügend Platz, um auch das eine oder andere eigene Fantatier zu malen, nichts ist unmöglich!

Landidylle in echt

Guido Höner und Noemi Bengsch erzählen in Entdecke mit uns den Bauernhof erfrischend authentisch vom Leben auf dem Land. Während viele Kinderbücher dazu tendieren, das Bauernleben zu archaisieren und zu verniedlichen, geht es hier einmal nicht um Blumenpflücken und Küken streicheln. Unsere Landwirtschaft wird dargestellt, wie sie ist, mit all ihrer maschinenlastigen Modernität.

Trotzdem ist alles hell und freundlich gezeichnet, der Dünger, der ausgebracht wird, ist gar nicht schlimm, Marike und Julius fassen ihn auch an und düngen damit ihr Kinderbeet. Das Buch schwankt zwischen Kinderidylle und schamlosen Lobbyismus für die industrielle Landwirtschaft. Nur manchmal ahnt man, dass es auch anders gehen kann. Wenn zum Beispiel am Rand erwähnt wird, dass Biobauern viel mehr arbeiten müssen oder dass es Menschen gibt, die keine Tiere schlachten möchten. Ich finde es dennoch ein sehr informatives Kinderbuch, das bis weit ins Grundschulalter hinein geeignet ist zum Vorlesen und Selberlesen. Hoffentlich fühlt sich auch einmal ein Biobauer angeregt, mit einem Kinderbuch zu kontern.

Freundschaftsbande

Lenny Baumeister ist zwanzig Jahre als, studiert Sport und ist insgesamt durch bedingungslose Mittelmäßigkeit gekennzeichnet. Das Abi hat er irgendwie geschafft und Sportpädagogik schleppt er vor sich hin, er kümmert sich gutmütig um seine Freunde, aber für eine Freundin ist er zu unspektakulär. Die schönste Frau in seinem Leben ist seine Dozentin, ausgerechnet sich ist verheiratet mit einem coolen, sympathischen Typ. Lenny ist konsequent erfolglos.

Wäre nicht seine Freundschaft mit Yussuf und Faris, mit denen er sich regelmäßig in einem ranzigen Jugendclub trifft, würde in seinem Leben nichts passieren. Bis sich an einem Tag alles auf einmal ändert. Lenny lernt Anna kennen, eine echte Leistungssportlerin, die Bier trinkt und raucht und im Rollstuhl sitzt und ehe er sich versieht, hat er sich verliebt. So merkt er zu spät, dass Yussuf und Faris sich in einer Koranschule im Jugendclub radikalisieren. Als seine Freunde sich nach Syrien absetzen wollen, findet er ausgerechnet Hilfe beim Ehemann seiner Dozentin. Der Jugendroman schafft es gerade noch so, nicht ins Klischeehafte abzugleiten und eigentlich ist es auch wichtig, dass die Geschichte gut ausgeht. Ohne Stereotype zu bedienen, erzählt Mark Hudek in Ich schwöre von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und den fragilen Banden einer Freundschaft.

Titelangaben:

Höner, Guido, Bengsch, Noemi: Entdecke mit uns den Bauernhof.

Münster: LV – Buch, 2019. 96 Seiten, 16€.

Eder, Sigrun und Gottlieb: Fantatiere.

Salzburg: Edition Riedenburg, 2019. 216 Seiten, 19.90€.

Kaiblinger, Sonja, Bertrand, Fréderic: Vincent flattert ins Abenteuer.

Bindlach: Loewe Verlag, 2020. 128 Seiten. 12€.

Holzapfel, Falk: Böse Brummer.

Bindlach: Loewe Verlag, 2020. 160 Seiten. 12€.

Hudek: Marc: Ich schwöre!

Hamburg: Tredition, 2017. 216 Seiten, 9,99€.

Trueit, Trudi: Die Feder des Falken.

Mainz: National Geographic, 2019. 224 Seiten. 14,99€.

 

 

 

DUDEN: Die Reise durch das ABC- Universum.

DUDEN:Übungsheft Grammatik. 3. Klasse.

DUDEN:Übungsheft Rechtschreibung. 3. Klasse.

DUDEN:Übungsheft Aufsatz. 3. Klasse.

DUDEN:Übungsheft Lesen. 3. Klasse.

Fit für die Schule

Ausgehend vom Vorschulalter bis zur 3. Klasse habe ich nun schon einige Übungshefte des DUDEN- Verlags vorliegen gehabt. Tatsächlich brauchte ich bis jetzt keines davon. Das hat sich schlagartig geändert und ich bin richtig froh, für meinen Jüngsten das passende Übungsprogramm zu haben. Mit den Übungsheften Grammatik, Rechtschreibung, Aufsatz und Lesen, 3. Klasse, übt es sich leicht und spielerisch.Für noch Jüngere eignet sich das simple ABC – Puzzle, Die Reise durch das ABC- Universum.

Ich beginne mit dem Übungsprogramm. Tatsächlich nutze ich alle vier Hefte, teilweise auch für meinen Fünftklässler, wenn es darum geht, grammatische Strukturen noch einmal zu wiederholen. Dass alle Hefte mit einem Sammelkartensystem und Stickern versehen sind, macht es etwas leichter, auch wenn mittlerweile alle Kinder verstanden haben, dass Sammelkarte nicht gleich Sammelkarte ist.

DUDEN – Qualität

Alle vier Hefte sind in gewohnt hochwertiger DUDEN-Qualität verfasst. Wer zum Beispiel Aufsätze üben will, erhält unendliche viele Übungen mit Wortfeldern zu den verschiedensten Themen. Von Katzen bis hin zu Urlaub und Fussball, erfahrene Mütter wissen längst, dass irgendeines dieser Themen Gegenstand eines Aufsatzes sein wird. Bis endlich ein ganzer Aufsatz geschrieben ist, gibt es viele Übungen zum Thema Gliederung, Reihenfolge, Satzüberleitungen, abwechslungsreiche Wortwahl.

Die meisten Übungen machen wir aus dem Rechtschreibheft. Zusammengesetzte Substantive, Pluralbildung, Wortarten, Groß- und Kleinschreibung, Trennen und Verlängern. Ziemlich vollständig sind diese Übungen, ich könnte mir vorstellen, dass nicht nur mein Jüngster, sondern auch Kinder, die eine andere Muttersprache haben, von den abwechslungsreichen Heften profitieren.

Gutes Zusatzprogramm

Natürlich sind solche Hefte immer erst einmal unabhängig vom jeweiligen Bundesland, Lehrplan und Stoffverteilungsplan in einer Schulklasse. Deshalb nutze ich sie auch nicht in einer bestimmten Reihenfolge, sondern mache die Übungen zusätzlich, die gerade auch zum Stundeninhalt passen. Leider ist die deutsche Sprache nicht immer einfach. Schön, wenn man die Steigerung von Adjektiven genauso üben kann, wie ein Verb in verschiedene Zeiten zu setzen.

Das Lesetraining konzentriert sich auf Textverständnis. Multiple Choice Fragen dienen dazu, festzustellen, ob ein kurzer Text verstanden wurde. Manchmal ist anzugeben, wo eine Information im Text steht oder richtige Aussagen sind von falschen zu trennen. Alles regt dazu an, sich einen Text nochmal genauer anzusehen und zu überprüfen. In Anbetracht der Tatsache, dass Studien Schülern ein immer schlechteres Textverständnis attestieren, ein kleiner Rettungsanker.

Freude am Entdecken

Der vergnüglichere Teil des DUDEN-Pakets besteht aus einem ABC-Puzzle, das in verschiedenen Schwierigkeitsstufen als Spiel zusammengesetzt werden kann. Dabei wird jeder Buchstabe durch ein Piktogramm dargestellt und damit der Weltraumzug starten kann, müssen alle Buchstaben richtig hintereinander angeordnet werden. Dabei gilt das Anlaut Prinzip: »A« wie »Affe« und so weiter.

Damit lernen Kinder im Vorschulalter das gleiche Prinzip, mit dem sie später auch in der Schule Buchstaben erlernen. An sich also nicht verkehrt. Meine Kritik gilt eher den Bildern: Zum Beispiel steckt der »Biber« von »B« in einem Astronautenanzug. Spontan hätte ich ihn zu »A«, »Astronaut« gesetzt. Gut, dass zur Rettung noch »Buch« dahinter abgebildet war. Ich finde die Anlautmethode eigentlich gut. Im Hinterkopf habe ich nur, dass ein Alphabet eigentlich ein willkürliches System ist. Ist es wirklich wichtig, das ABC genauso zu können? Trotzdem, für Vorschulkinder ist das Puzzle ein tolles Geschenk, weil es nicht so schwer ist und richtig Laune aufs Lesenlernen macht.

Titelangaben:

DUDEN: Die Reise durch das ABC- Universum.

Berlin: DUDEN- Verlag, 2019. 19,95€.

DUDEN:Übungsheft Grammatik. 3. Klasse.

Berlin: DUDEN- Verlag, 2019. 80 Seiten. 6€.

DUDEN:Übungsheft Rechtschreibung. 3. Klasse.

Berlin: DUDEN- Verlag, 2019. 80 Seiten. 6€.

DUDEN:Übungsheft Aufsatz. 3. Klasse.

Berlin: DUDEN- Verlag, 2019. 80 Seiten.6€.

DUDEN:Übungsheft Lesen. 3. Klasse.

Berlin: DUDEN- Verlag, 2019. 80 Seiten. 6€.

 

 

Thorbecke Verlag: Girls Night. Rezepte und Tipps für den perfekten Mädelsabend.

Sue Quinn: 5 Zutaten. 10 Minuten. Einfach gekocht. Schnell gekocht.

Lena Söderström: Wohlfühlgerichte aus einem Topf.

Guillaume Marinette: Ofenkäse.

LV-Buch: Deftige Eintöpfe und Suppen.

Zeit zum Schlemmen und Genießen

Kaum ist die Partyzeit mit Silvester und Weihnachten vorüber, stapeln sich Kochbücher auf meinem Schreibtisch. Nun gut, denn nach dem Fest ist vor dem Fest. Wie es sich auch im Alltag kinderleicht schlemmen lässt beschreiben Sue Quinn mit 5 Zutaten. 10 Minuten. Einfach gekocht. Schnell gekocht, Lena Söderström mit Wohlfühlgerichte aus einem Topf, Guillaume Marinette mit Ofenkäse und LV-Buch mit Deftige Eintöpfe und Suppen. Für den nötigen Glamour sorgt der Thorbecke Verlag mit Girls Night. Rezepte und Tipps für den perfekten Mädelsabend.

Um alle Bücher kompakt zu würdigen, möchte ich gleich starten, und zwar mit Ofenkäse. Meine Kinder lieben ihn und das in allen Varianten. Tatsächlich geht es in dem kleinen Büchlein nicht um den Käse (er wird gekauft), sondern um das, was es dazu gibt. Hier reichen die Ideen von in Kräuterbutter gerösteten Croutons bis hin zu ganzen Hefekränzen, in die der Käse sozusagen eingebacken wird. Das Tolle daran: Im schlimmsten Fall hat man immer den Käse und ein Baguette, im besten Fall hervorragende Cracker, Lamosa-Sterne mit Fleischfüllung, Blätterteigspieße oder Champignonschiffchen. Der Fantasie sind offensichtlich keinerlei Grenzen gesetzt. Unser Weihnachtsessen war damit übrigens festgelegt.

Lecker im Winteralltag

Lena Söderström widmet in Wohlfühlgerichte aus einem Topf ein ganzes Buch dem Eintopf. Im Winter vereint der Eintopf viele positive Aspekte: Vollständige Resteverwertung, nahrhafte Gerichte für viele hungrige Menschen, absolute Alltagstauglichkeit da entweder tiefkühl- oder aufwärmbar und schließlich allein der verführerische Duft heißen Eintopfs. Dank Söderström gibt es von nun an mehr Varianten als Pichelsteiner und Graupensuppe. Fleisch, gegrillte Paprika, süßsaure russische Fischgerichte, dazu knusprig geröstetes Gemüse und Croutons: der Winter kann kommen.

Tatsächlich finden sich viele Geschmacksrichtungen von süßsauer bis mediterran oder gar orientalisch in ihren Rezepten. Eintopfmuffel haben von nun an keine Chance mehr. Toll, das Söderström auch ein paar Anregungen um den Eintopf herum gibt, wenn zum Beispiel Salate, Saucen oder Cracker gereicht werden. Die wenigen vegetarischen Gerichte sorgen zusätzlich für Abwechslung. Der Eintopf wird definitiv zum Sonntagsschmaus.

Familienerprobte Gerichte

Auch bei Deftige Eintöpfe und Suppen von LV-Buch geht es um die Alltagstauglichkeit der Kulinarik. In den gesammelten Rezepten der Landfrauen ist alles dabei. Manchmal auch Rezepte, die ich nicht gebraucht hätte. Klar bin ich etwas puristisch. Aber wenn ich nun schonmal Geld für ein tolles Kochbuch ausgebe, erwarte ich tatsächlich auch so etwas wie Kochkunst. Meistens finde ich das auch. Bei den Landfrauen sind wirklich alle Rezepte Großfamilientauglich. Aber nicht alle sind wirklich von Anfang bis Ende selbst gekocht.

Ich benutze weder Dosenlinsen, noch noch Tomatencremesuppe aus der Tüte. Und auch Chinapfannengemüse aus der Tiefkühltheke mache ich nie, sowie ich auch keine Zigeunersauce im Kühlschrank habe. Die meisten Rezepte sind richtig gekocht. Um jedes einzelne, das mit Fertigprodukten zubereitet wird, tut es mir leid. Ich finde, gerade wenn es um Nachhaltigkeit und Wertschätzung geht, sollten wir bei dem anfangen, was auf unseren Tellern landet. Fertigprodukte sind nicht schlimm. Aber weder nachhaltig noch Teil der Haute Cuisine.

Ideales Anfängerkochbuch

Ein bisschen anders ist es mit Sue Quinns 5 Zutaten. 10 Minuten. Einfach gekocht. Schnell gekocht. Ihr Kochbuch auf die Schnelle ist in ein paar Jahren ein wunderbares Geschenk für meine Mädchen, wenn sie einmal ausziehen wollen und selbständig werden. Tatsächlich gibt es nur fünf Zutaten pro Gericht, wobei manchmal ebenfalls Fertigprodukte wie zum Beispiel Tortillas verwendet werden. Das ist auch geschummelt, wobei ich in diesem Fall sagen würde, Kochanfänger dürfen das.

Von Standards wie Guacamole bis hin zu Spaghetti mit Venusmuscheln oder Seebarsch in Dashibrühe findet man eine große Auswahl an einfachen Rezepten, die über die lästige Nudelsuppe und TL-Pizza hinausgehen. Ganz zu schweigen davon, dass man in einem kleinen Studentenhaushalt weder eine große Vorratshaltung hat noch viel Platz, um zu kochen. Ideal also als Geschenk zum ersten eigenen Hausstand.

Partyfieber

Girls Night aus dem Thorbecke Verlag hingegen ist ein perfektes Geschenk für einen Mädelsabend. Hier wird nicht nur Essbares gekocht, es stehen auch Beautyrezepte, Drinks, kleine Basteleien und Filmtipps zur Debatte. Frei nach dem Motto »Glitzer geht immer« gibt es alles in Pink, fruchtig, fröhlich und verspielt. Wenn das mal keine Garantie für eine denkwürdige Geburtstagsparty für Teenager aufwärts ist, weiß ich es auch nicht. Meine Große jedenfalls wird dieses Büchlein auf dem Tisch liegen haben. Als Partygarantie.

Titelangaben:

Guillaume Marinette: Ofenkäse.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2018. 72 Seiten. 12€.

Lena Söderström: Wohlfühlgerichte aus einem Topf.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 128 Seiten. 20€.

LV-Buch: Deftige Eintöpfe und Suppen.

Münster: LV-Buch, 2019.116 Seiten. 18€.

Sue Quinn: 5 Zutaten. 10 Minuten. Einfach gekocht. Schnell gekocht.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 256 Seiten. 10€.

Thorbecke Verlag: Girls Night. Rezepte und Tipps für den perfekten Mädelsabend.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 64 Seiten. 14€.

 

Christopher Ecker: Der Bahnhof von Plön.

 

 

 

Zwischen Apokalypse, Dystopie und Mummenschanz

 

Christopher Ecker zieht in Der Bahnhof von Plön mit schwerem Geschütz auf. Beängstigend konsequent bohrt sich der Kieler Autor in die Abgründe menschlicher Albträume. Der Protagonist, der sich im jüngsten Roman seinen Handlungsspielraum nur mit sich selbst teilen muss, mäandert als eine Mischung aus Superheld, Massenmörder und Oberstudienrat durch Raum und Zeit.

 

Jemand verfasst seine Memoiren. Christopher Ecker beginnt Der Bahnhof von Plön im Bereich des Beliebigen. Memoiren sind für alte Männer und noch auf den ersten eineinhalb Seiten belässt der Autor seine Leser im harmlosen Stillleben eines Kindes mit Hamster. Das gefällige und abgedroschene Bild eines Lebens im Hamsterrad steht in starkem Kontrast zum Rest des Werks. Selbiger ist von einem bildgewaltigen, cineastischen Stil geprägt.

 

Monumentalistische Gemälde

Zwar überzeugt Ecker seit jeher mit seiner Wortgewalt, diesmal jedoch gliedert er seinen Roman wie ein Regisseur. Vom anfänglichen Fokus auf einen Hamster im Laufrad schwenkt die Kamera im Laufe des Werks auf ein bombastisches Gemälde, dessen Eindrücklichkeit und Beklemmnis zwischen Hieronymus Bosch, Pieter Bruegel und Peter Paul Rubens wechselt. Sofort wird man in den Bann eines Antihelden gezogen, der versagen muss, scheitert und zum Schlächter wird.

 

Dabei spielt Ecker mit Metaphern, wie sie aus Agentenromanen, Fantasyepen und kafkaesken Dystopien bekannt sind. Weder aber legt er sich auf ein Genre fest, noch verfolgt er konsequent ein Ziel. Letztendlich endet sein Roman dort, wo er beginnt, oder er findet einen Weg, das Fantastische gegen die Realität zu tauschen oder er stellt ein neues Rätsel. Was ist der Mensch?

 

Vergangenheit und Zukunft eines Geschlechts

Schließlich bleibt der Autor im Vagen. Ein Held, nicht näher benannt, benimmt sich wie ein Geheimagent, ein Auftragskiller, der für obskure Personen, denen er sich verpflichtet fühlt, Aufträge ausführt, die sinnlos sind. Tötet er sein eigen Fleisch und Blut? Der Auftraggeber, »Lotse« genannt, führt den Protagonisten wie eine Marionette an Fäden durch die Handlung, die zwischen ekelerregend und fantastisch schwankt.

 

Dabei bedient sich Ecker gekonnt aus vielen Genres, wobei die einzelnen Schilderungen überaus plastisch geraten. Die Aufgaben, die der Antiheld bewältigen muss, gleichen denen der griechischen Sagen oder des nordischen Sagenkreises. Wie Beowulf, der sein eigenes Monstrum gebiert, schleppt der Held, der sich als Prinz eines niedergehenden Geschlechts entpuppt, die verwesenden Leichen seiner mörderischen Aufträge von einem Stockwerk ins andere.

 

Ein Konglomerat der menschlichen Erinnerungen

Zeitweise wähnt man sich bei »Game of Thrones«, ein andermal bei »James Bond« oder dem »Herr der Ringe«. Ein Prinz, begleitet von einem trollähnlichen, treuen Diener, reist durch die Zeit, um den Untergang seines Geschlechts zu verhindern. Geführt von seinen Feinden, die ihm seine ureigene Begabung, nämlich durch Zeit und Raum zu gleiten, entreißen wollen.

 

Was macht ein Held, der zwischen Trollen, Zauberern und untreuen Vasallen kämpft, um sich selbst zu retten? Was hat eine Wohnung in New York, unterkellert mit magischen Katakomben, mit dem Bahnhof von Plön zu tun? Es ist eine Rundreise, angestachelt von Eckers Fantasie, die an den archäologischen Entdeckungen des Plöner Sees beginnt, die Gedanken parallel zu unserer eigenen Menschheitsgeschichte weiterspinnt und in der Jetztzeit eines Kieler Gymnasiums endet.

 

Karikatur des Übermenschlichen

Letztendlich wird der Antiheld auf einem Parforceritt durch die menschliche Entwicklungs- und Kulturgeschichte begleitet. Mündliche Überlieferungen und magische Verwicklungen spielen dabei eine große Rolle. Ebenso die endlosen Fragen nach der Zukunft der Menschheit und der Kapazität menschlichen Denkvermögens. Ecker beantwortet sie mit einem sarkastischen Schmunzeln.

 

Denn wenn ein zeit- und raumreisender, übermenschlicher Prinz eines aussterbenden, magischen Zauberergeschlechts, dessen Diener Trolle und Magier sind, den unsagbaren Qualen der Folter unterzogen wird, in Folge derer er die überragenden Fähigkeiten seines Geistes verliert, entsteht daraus – oh Wunder – ein Oberstudienrat für Deutsch und Philosophie. Was also ist der Mensch?

 

Titelangaben:

Christopher Ecker: Der Bahnhof von Plön.

Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2016. 400 Seiten. 22,95€.

 

 

 

Kate Hodges: Powerfrauen. Was Beyoncé mit Michelle Obama und Anne Frank verbindet.

Claudia Peters, Dorothea Siegert-Binder: Yoga kennt kein Alter.

Jutta Vogt-Tegen: 99 Wege zur Achtsamkeit.

Franz Alt, Helfried Weyer: Unsere einzige Erde. Eine Liebeserklärung an die Zukunft.

Dylan Thuras, Rosemary Mosco, Joy Ang: Atlas Obscura. Kids Edition. Entdecke die 100        abenteuerlichsten Orte der Welt.

Ruan Guangmin, Johannes Fiederling: DongHuaChun Friseursalon.

 

 

 

Last Minute Weihnachten

 

Ehrlich: Bücher sind das beste Last-Minute Geschenk ever. Unter diesem Motto stelle ich euch heute sechs Ausgaben vor, die sich seit Wochen zur Rezension auf meinem Schreibtisch stapeln und stapeln und stapeln und sich aber jeweils perfekt als Weihnachtsgeschenk eignen. Das sind Kate Hodges‘ Powerfrauen. Was Beyoncé mit Michelle Obama und Anne Frank verbindet, Claudia Peters‘ und Dorothea Siegert-Binders Yoga kennt kein Alter, Jutta Vogt-Tegens 99 Wege zur Achtsamkeit, Franz Alts und Helfried Weyers Unsere einzige Erde. Eine Liebeserklärung an die Zukunft, Dylan Thuras‘, Rosemary Moscos und Joy Angs Atlas Obscura. Kids Edition. Entdecke die 100 abenteuerlichsten Orte der Welt sowie Ruan Guangmins und Johannes Fiederlings DongHuaChun Friseursalon.

 

Beginnen möchte ich mit Ruan Guangmins und Johannes Fiederlings DongHuaChun Friseursalon. Das Kuriosum an dieser Graphic Novel ist die Tatsache, dass sie zweisprachig verfasst wurde und der deutsche Teil sich von hinten nach vorne liest. Hat man sich daran erst gewöhnt, darf man ganz in eine asiatische Familiengeschichte eintauchen, die sehr unpolitisch verfasst wurde, aber viel von persönlichen Träumen und Versagensängsten in einer kleinen Gemeinde erzählt.

 

Kulturwechsel

Ein Dorffriseur erhält einen Brief von seinem verschollenen Vater und mit dem Brief eine Schwester. Sein Gehilfe ist ein ehemaliger Häftling, ein korrupter Polizist und ein Gerechtigkeitsfanatiker spielen ebenfalls tragende Rollen. Immer wieder wechseln Gegenwart und Vergangenheit sich ab, dank der tollen grafischen Darstellung hält sich die Verwirrung beim Lesen in Grenzen. Ein Comic, der von Enttäuschungen, neu gefundenen Lieben und den ruralen Strukturen Asiens spannend erzählt.

 

Sehr ansprechend gestaltet ist auch der Atlas Obscura von Dylan Thuras, Rosemary Mosco und Joy Ang. Perfekt auf Kinder abgestimmt können hier wundervoll illustriert magische Orte besucht werden, die es wirklich gibt. Wer schon einmal seinen Urlaub planen möchte oder sich für Geocaching interessiert, findet auch alle notwendigen Koordinaten und Informationen. Jeder Ort erhält eine Doppelseite und schnell begreift man beim Lesen auf welch wunderbarem Planeten wir wohnen dürfen.

 

Hommage an Mutter Erde

Die Erwachsenen erfahren einen ähnlichen Effekt beim Schmökern in Franz Alts und Helfried Weyers Unsere einzige Erde. Eine Liebeserklärung an die Zukunft. In herrlichen Bildern unterlegt mit Zitaten aus Bibel, Literatur und anderen Weltreligionen stellt der Journalist Franz Alt dar, weshalb wir unserem Planeten gegenüber eine nicht auflösbare Verpflichtung haben. Spätestens beim Betrachten der atemberaubenden Fotografien von Helfried Weyer stellt sich auch die Frage der Verantwortung, die wir für nachfolgende Generationen übernommen haben.

 

Dass nicht nur unsere Erde, sondern auch die Menschen darauf etwas ganz Besonderes sind, lese ich in Kate Hodges: Powerfrauen. Was Beyoncé mit Michelle Obama und Anne Frank verbindet. In hinreißend illustrierten Kurzporträts stellt Hodges Frauen vor, die jeweils etwas für ihre Zeit Außergewöhnliches geleistet haben. Es überqueren Frauen im Flugzeug oder Boot die Welt, sie studieren zum ersten Mal Medizin oder erhalten zwei Nobelpreise.

 

Besondere Menschen

Schnell wird klar, was sie im Netzwerk der Autorin verbindet: Jede Frau hat eine Vision, die sich zu einer Mission weiterentwickelt und ihr besondere Kraft gibt. Besonders reizvoll finde ich die Idee im Buch, alle diese großartigen Frauen mit einer Art Spinnwebfaden untereinander zu verbinden. So weiß ich, dass Nina Simone Gemeinsamkeiten mit Patti Smith und Josephine Baker hatte und lebe am Ende des Buchs in einem weiblichen Universum der omnipräsenten Verknüpfungen. Netzwerken tut offensichtlich allen Frauen gut!

 

Zu guter Letzt noch zwei Werke, die sich auf den besonderen Menschen in jedem von uns beziehen. In Jutta Vogt-Tegens 99 Wege zur Achtsamkeit lernen wir, radikal zu entschleunigen. Vielleicht bleibt in den Tagen zwischen den Jahren für die eine oder andere Zeit, Vogt-Tegens Tipps zu nutzen?  Tatsächlich habe ich mir auch eine Meditationstechnik herausgesucht, von der ich weiß, dass ich sie gut anwenden kann.

 

Mens sana in corpore sano

Für den gesunden Körper bietet sich Claudia Peters‘ und Dorothea Siegert-Binders Yoga kennt kein Alter an. Humorvoll illustriert wird deutlich, dass es auch als Mensch jenseits der fünfzig überhaupt nicht schaden kann, sich regelmäßig in alle Himmelsrichtungen zu verbiegen. Dabei sind die Übungen angepasst an Körper, die bereits ein arbeitsreiches Leben hinter sich haben. Immer begleiten gute Worte die Übungen, schließlich soll Yoga Körper und Geist ausgleichend in Einklang bringen. Für die Feiertage ist das doch ein wundervoller Vorsatz!

 

Titelangaben:

Kate Hodges: Powerfrauen. Was Beyoncé mit Michelle Obama und Anne Frank verbindet.

Darmstadt: WBG 2019.  192 Seiten, 20,99€.

Claudia Peters, Dorothea Siegert-Binder: Yoga kennt kein Alter.

Ostfildern: Verlag am Eschbach, 2018. 64 Seiten. 15€.

Jutta Vogt-Tegen: 99 Wege zur Achtsamkeit.

Köln: Lingen Verlag, 2017. 160 Seiten. 9,95€.

Franz Alt, Helfried Weyer: Unsere einzige Erde. Eine Liebeserklärung an die Zukunft.

Ostfildern: Patmos Verlag, 2019. 144 Seiten, 28€.

Dylan Thuras, Rosemary Mosco, Joy Ang: Atlas Obscura. Kids Edition. Entdecke die 100        abenteuerlichsten Orte der Welt.

Bindlach: Loewe Verlag, 2019. 112 Seiten, 19,95€.

Ruan Guangmin, Johannes Fiederling: DongHuaChun Friseursalon.

Uitikon-Waldegg: Chinabooks, 2018. 430 Seiten. 24,90€.

 

 

 

 

 

Hans Christian Andersen: Die Schneekönigin

Jane Austen: Eine Rose für Mr. Darcy. In Jane Austens Garten

Stephanie Hauschild: Summer Queen und Maiden Blush. Obstportraits von Frauen des 19. Jahrhunderts.

Schön beschenkt

Alle drei Büchlein, die ich heute vorstelle, eignen sich perfekt als bibliophile Weihnachtsgeschenke.

Sowohl Hans Christian Andersens Die Schneekönigin, als auch Jane Austens Eine Rose für Mr. Darcy. In Jane Austens Garten und Stephanie Hauschilds Summer Queen und Maiden Blush. Obstportraits von Frauen des 19. Jahrhunderts laden zum Blättern und Schmökern ein. Angesprochen fühlen sich all jene, die gerne Buchkunst ansehen, einen Hang zur Natur haben und graphische Qualitäten schätzen.

Dabei handelt es sich bei der Austen Sammlung und dem Andersen Märchen um kleine Buchschätze, die ein wunderbares Mitbringsel abgeben. Zwar ist die Märchenillustration modern und neu gehalten, doch erinnert sie in der Komposition an die wunderschönen Buchgestaltungen aus dem Jugendstil und Artdeco. Aufgrund der kleinen Schriftgröße würde ich das Büchlein eher an Märchenliebhaber denn an ein Kind verschenken, das sich in der Buchstabendichte etwas verlieren könnte.

Nostalgische Natur pur

Bezaubernde Gartenansichten aus englischen Gärten, dazu auch Jane Austens Garten, kombiniert mit Auszügen aus Briefen und Büchern der beliebten britischen Schriftstellerin machen Eine Rose für Mr. Darcy zu einem Juwel für Liebhaber nostalgischer Hortikultur. Wie immer erfrischt Jane Austens weise und pragmatische Sicht auf die Dinge Herz und Sinn. Dank der zauberhaften Fotografien fühlt man sich direkt in die Zeit von Mr. Darcy oder Emma zurückversetzt.

Ähnlich befasst sich Stephanie Hauschilds Summer Queen und Maiden Blush mit den Darstellungen von Gärten amerikanischer Frauen aus dem 19. Jahrhundert. Ihr haben es vor allem die Zeichnungen der Künstlerinnen angetan, die für die amerikanische pomologische Gesellschaft die Bandbreite der regionalen Obstsorten abgebildet haben. Ihre Recherchen beziehen auch die Ausbildung der Zeichnerinnen und deren gesellschaftliche Stellung mit ein, wenn es auch einen etwas bitteren Nachgeschmack hat, wenn als Quelle allen Ernstes Wikipedia genannt wird.

Schön anzuschaun

Alle drei Bücher bestechen durch die schöne haptische Gestaltung und die wundervollen Bilder, die darin enthalten sind. Als Geschenk sind sie damit wundervoll, in die Annalen der hochwertigen Ausgaben werden sie wohl kaum eingehen. Für Liebhaber einschlägiger Literatur sind sie aber ein herrlicher Schatz an ästhetischen Darstellungen, in den man sich gerne versenkt.

Titelangaben:

Hans Christian Andersen: Die Schneekönigin

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 64 Seiten, 9,90€.

Jane Austen: Eine Rose für Mr. Darcy. In Jane Austens Garten

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 64 Seiten, 9,90€.

Stephanie Hauschild: Summer Queen und Maiden Blush. Obstportraits von Frauen des 19. Jahrhunderts.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 160 Seiten, 26€.

 

Donna Hay: Weihnachten Festlich genießen.

Julia Cawley, Saskia Van Deelen, Vera Schäper: Hello Santa. Backen – Lesen – Genießen.

Christian Rätsch, Claudia Müller – Ebeling: Heidnische Weihnachten. Bräuche, Riten, Rituale.

Es weihnachtet sehr!

Diesmal kommt es dicke weihnachtlich. Passend zum ersten Advent stelle ich Euch heute die Bücher vor, die gerade auf meinem Nachttisch oder in der Küche liegen. Nämlich Donna Hays Weihnachten Festlich genießen,Julia Cawleys, Saskia Van Deelens und Vera Schäpers Hello Santa. Backen – Lesen – Genießen sowie Christian Rätsch, Claudia Müller – Ebeling: Heidnische Weihnachten. Bräuche, Riten, Rituale.

Der Einfachheit halber beginne ich mit dem für mich schwierigsten Titel. Es ist Donna Hays Weihnachten Festlich genießen. Was ich bis zum Schmökern überhaupt nicht begriffen hatte, ist, dass Donna Hay aus Australien stammt. Ihr versteht, was ich meine? Während ich auf Tiefkühlgemüse zurückgreife und saisonal Kohl, Rüben und Kartoffeln kaufe, liegen im Hay’schen Haushalt marinierte Shrimps auf dem Weihnachtsgrill.

Einmal um die Welt

Das tolle daran: Donna Hay stellt meine Weihnachten einfach auf den Kopf, auch kulinarisch. Die entsprechende Küche ist mediterran, leicht, fruchtig und karibisch geprägt. Gefüllte Zucchiniblüten, Garnelen, Hummer-Brötchen und Finger – Sandwiches mit Räucherlachs katapultieren mich in eine Region, in der an Weihnachten Hochsommer herrscht. Das Doofe daran: Ohne schlechtes Gewissen kann ich da nur wenig nachkochen.

Dennoch gefallen mir die Rezepte, die auch viel von amerikanischen und britischen Weihnachtstraditionen mit sich bringen, mit denen ich sonst nicht in Kontakt käme. Für einen klassischen marinierten Weihnachtsschinken gibt es sage und schreibe fünf Variationen, ähnlich geschieht es dem Truthahn. Bestimmt ist da für jeden etwas dabei. Weihnachtsbraten nach Donna Hay schmeckt aromatisch und fruchtig, nicht unbedingt schwer wie bei mir zuhause.

Exklusive Rezepte

Selbst die vegetarischen Rezepte muten exotisch an. Champagner-geschmorte Thymian – Pastinaken, Honig-Mandel Hasselback Kürbis, Brioche – Toast mit Birnen und Rosmarin. Fast die Hälfte der Rezepte betreffen die süßen Gaumenfreuden, Pawlowas, Christmas -Cakes und Puddings, Torten und Karamellbonbons geben sich die Klinke in die Hand. Weihnachtsfreuden sind hier garantiert!

Cawley, Van Deelen und Schäper sind dagegen sparsamer mit ihren Rezepten, in Hello Santa. Backen – Lesen – Genießen versuchen sie, ein Winterkindheitsmärchen zu Papier zu bringen. Zauberhafte, stimmungsvolle Fotos machen dieses Buch in Kombination mit den wundervollen Rezepten und den durchdachten Einführungen zum idealen Geschenk für all jene, die auch einmal in Ruhe schmökern möchten.

Wintergeschichten

Die Rezepte sind ideal für süße Schleckermäuler und es findet sich so manche kulinarische Geschenkidee darunter. Die herrlichen Winterbilder stimmen bisweilen wehmütig. Ich glaube kaum, dass ich diesen Winter auf meinen Obstwiesen solch verschneiten Zauber antreffen werde. Dafür sind die Rezepte traumhafte Variationen von altbekannten Leckereien wie gebrannten Nüssen, Hefegebäck und Blechkuchen. Das garantiert schonmal, dass einige Rezepte auch tatsächlich durchführbar sind.

Ganz anders befassen Christian Rätsch und Claudia Müller – Ebeling sich in Heidnische Weihnachten. Bräuche, Riten, Rituale mit dem Fest der Liebe. Schade, dass der Titel nicht Preis gibt, dass sich das Buch vor allem auf die botanischen Aspekte unseres Weihnachtsfestes konzentriert. Trotzdem ist es faszinierend, zu lesen, wie sich all unsere Bräuche, die sich in Europa um Weihnachten ranken, geschichtlich entwickelt haben.

Heidentum und Christentum

Viele der Brauchtumsriten stammen aus vorchristlicher Zeit. Der Weihnachtsbaum, das Räuchern, die Figur des Nikolauses oder die Tradition, an Weihnachten Geschenke zu machen sind Überbleibsel unserer heidnischen Vorfahren und wurden von den christlichen Missionaren geschickt umgemünzt. Rätsch und Müller-Ebeling stellen nicht nur die vorchristlichen Traditionen vor, sie untersuchen vor allem die botanischen Aspekte genau und bieten mit aktuellen Rezepturen den Menschen, die gerne auf den Spuren der Vorfahren wandeln möchten, eine Plattform. So wird Weihnachten nicht nur ein Fest, sondern auch verstanden!

Titelangaben:

Donna Hay: Weihnachten Festlich genießen.

München: AT-Verlag, 2019. 240 Seiten. 29,90 €.

Julia Cawley, Saskia Van Deelen, Vera Schäper: Hello Santa. Backen – Lesen – Genießen.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 168 Seiten. 28 €.

Christian Rätsch, Claudia Müller – Ebeling: Heidnische Weihnachten. Bräuche, Riten, Rituale.

München: AT-Verlag, 2003. 320 Seiten. 25 €.

 

DUDEN:Ich bin liebenswert.

DUDEN:Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt.

Van Vliet, Elma: Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter.

Kleine Geschenke

Das Jahresende naht mit Riesenschritten, Geburtstage und Feste lauern hinter allen Ecken, zumindest in meiner Familie. Daher bin ich stets dankbar für kreative Geschenkvorschläge. Diesmal halte ich Ich bin liebenswert und Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt aus dem DUDEN – Verlag in der einen Hand und Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter von Elma van Vliet in der anderen Hand. Gut, drei Geschenke sind gefunden.

Ein schönes Geschenk darf manchmal auch nur sehr freundlich sein, ohne dass man sich irgendwelchen geistreichen Superlativen unterwirft. Zum Beispiel kann ein kleines, nettes Büchlein ein Kaffeekränzchen versüßen, die perfekte Ergänzung zu selbstgemachter Marmelade sein oder einen langen Wintertag magisch untermalen. Alle drei Eigenschaften bringen diese kleinen Geschenke mit sich.

Wie schön ist das Leben

Ich bin liebenswert ist eine Hommage an gesunden Egoismus. Und zwar an einen, den man sich selbst erst erschaffen muss. Tatsächlich gibt es nach einer kurzen Einführung gar nicht mehr viel zu lesen, denn es handelt sich um eine Art Tagebuch. Während wir uns tagtäglich von einer globalisierten Medienindustrie einreden lassen, wie wir zu sein haben, dürfen wir im Tagebuch uns einfach gut finden. Wie wohltuend.

Die einzelnen Seiten sind mit wundervollen Zitaten berühmter Persönlichkeiten gespickt, die allesamt die Bedeutung der Selbstliebe unterstreichen. Dazu gehören so illustre Namen wie Robert Musil, Rita Mae Brown, Winston Churchill oder Miss Piggy. Als Mutter von zwei Teenagern wünsche ich jedem Mädchem, jedem Jungen die Gabe, sich selbst anzunehmen und zu lieben als Grundvoraussetzung dafür, andere zu lieben. Vielleicht hilft dieses Journal dabei.

Best Friends ever

Schön, wenn man diese Liebe auch an seine Freundinnen weitergeben kann. Freundinnen sind etwas Besonderes, jede weiß das. Mit ihnen wird alles Leid und jede Freude dieser Welt geteilt. Für alle, die ihre Zuneigung nicht selbst in Worte fassen können, ist Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt ideal. Von A bis Zett gibt es in schönster DUDEN- Tradition, allerdingst liebevoll illustriert Bemerkungen zur besten Freundin.

Von »Geheimnisse« über »Freitagabend« und »Yogakurs« sind alle möglichen und unmöglichen Substantive, Adjektive und Verben zu finden, die gemeinhin mit Freundschaft verbunden werden. Natürlich ist vieles davon kitschig, aber das darf ein Geschenk an die beste Freundin auch mal sein, solange es mit Prosecco oder einem Capuccino verbunden ist. Wieviele Stunden habe ich schon mit meinen Freundinnen verquatscht und ich möchte doch keine davon missen….

Du, Mamaaaa

In Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter komme endlich ich auf meine Kosten. Bestimmt kennen auch andere Mütter nervige Fragen ihrer Kinder. Meine glänzen gerne mit Bonmots wie »Mama, gab’s, als du ein Kind warst, schon Strom?«. Was soll ich darauf antworten? Konstruktive Gespräche sehen anders aus. Ich wünschte, ich hätte diese Gesprächskarten als junges Mädchen gehabt, ich hätte sie mit meiner Mutter durchgelesen.

Sehr persönlich und humorvoll wird über beider Leben gesprochen, das der Mutter, das des Kindes. Erinnerungen an die Kindheit, wie haben sich die Eltern kennengelernt, was erfüllt uns mit Stolz. Blicke in die Vergangenheit und Zukunft, was möchte man verändern, was war toll, wie hat die eigene Mutter das Erwachsenwerden und Muttersein erfahren? Solche Informationen erhält man mitunter selten, vor allem außerhalb des allzeit erhobenen Zeigefingers. Kinder finden es immer toll, ihre Eltern neu zu verstehen, und Eltern können hier endlich einmal sagen, wie sehr sie ihre Familie lieben!

Titelangaben:

DUDEN:Ich bin liebenswert.

Berlin: Duden – Verlag, 2018. 160 Seiten, 14€.

DUDEN:Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt.

Berlin: Duden-Verlag, 2018. 64 Seiten, 10€.

Van Vliet, Elma: Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter.

München: Knaur Verlag, 2019. 102 Seiten, 10,99€.

 

Adolf Muschg: Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen.

Vom Erklimmen des Unbezwingbaren

Als Goethe sich einer Wanderung zum Gotthard aussetzt, noch dazu im November, liegt das Schicksal des Weltliteraten in den Händen der Natur. Er kämpft sich tapfer durch, erhofft Erleuchtung und Errettung, so wie der zweite Protagonist in Adolf Muschgs Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen. Autobiographisch angehaucht begeben zwei Männer sich auf eine Reise ins Innerste, ins Äußerste. Sie konfrontieren sich mit dem Tod und treffen so auf das Leben. VIOLA STOCKER darf sie begleiten.

Mit Goethe hat sich Muschg einen Lieblingshünen der deutschsprachigen Literatur ausgesucht. Ihn begleitet er auf einer Reise, die zwischen akribisch recherchiert und waghalsig ausgedacht mäandert. Sie setzt er als Parallele zur eigenen Reise in das Innerste seines Wesens, die Grundsteine seiner Existenz. Der eine Protagonist will hoch hinaus, Luft holen von den öden Verwaltungsaufgaben eines Regierungsbeamten, dessen literarisches Genie blockiert wird. Der andere sieht sich konfrontiert mit erschütternden Erkenntnissen über die eigene Existenz und den folgenden Sinnfragen.

Verwobene Existenzen

Goethe wird begleitet von seinem Landesherrn, dem jungen Erbprinzen von Weimar, Carl August, seinem Sekretär, den Bergführern. Muschg webt sein Alter Ego mitten in die Episoden Goethes, dessen Frankfurter freiheitliche Kaufmannsgeschichte sich mit fürstlichen Intrigen so schlecht verträgt. Der bis dato unbekannte Autor des »Werther« ist zu einer Art Popstar im deutschsprachigen Raum geworden. Carl August steht im Schatten seines Hofstaats.

Muschg hingegen lässt seinen Erzähler ebenfalls pendeln, zwischen der Kindheit mit einer depressiven Mutter und dem früh verstorbenen Vater, seiner japanischen Ehefrau, anthroposophischen Familientraditionen und den erschütternden Diagnosen seiner Ärzte in der Klinik. Was ist zu tun, wenn es nichts zu tun gibt, als gegen Unmögliches anzukämpfen? So gerät die Erzählung zum stillen Zwiegespräch, Goethes Auseinandersetzungen mit den Musen, dem eigenen Genie, der Realität vermengen sich mit japanischen Arrangements im Garten, schillernden Spiegeln auf Terrassen, dem Wind im Baum vor dem Haus des Autors.

Endlich sich selbst entwachsen

Während des Autors Protagonist von einer Krebsdiagnose heimgesucht wird, angesichts derer sich alle je gesprochenen Worte, Dialoge und Fragen zum allumfassenden ästhetischen Choral bachschen Ausmasses vereinigen, flieht Goethe als »Weber« vor dem Autor des »Werther«. Es lassen sich im niedern Tal des Alltags keine weltumspannenden Worte niederschreiben, doch oben, als es schon scheint, die kleine Wandergruppe müsse umkehren, flüstert die Muse endlich die entscheidenden Worte: »Ewig«.

Muschg erzählt diese Reise, wie ausgedacht sie scheint, als umsichtiger Kommentator einer Welt, die schon sehr viel weiß. Darin ähnelt er Goethe, dem wissbegierigen, dessen Geist auch nicht vor Mineralen und Farben halt machte. Griechische Mythologie verbindet sich mit der aktuellen politischen Situation einer neuen Völkerwanderung, in der viele Menschen die vertraute Umwelt verlassen und sich ins Unbekannte geben. Dies sind die großen Parallelen in Muschgs Erzählung, die Fingerzeige auf die Omnipräsenz des unbezwingbaren Schicksals.

Dem Herzschlag lauschen

Berührend intim sind die Gespräche, die Muschg Goethe andichtet, klug und persönlich die Gesprächsfetzen, die auch aus Interviews mit dem Literaturprofessor stammen könnten. Der weiße Freitag ist nicht nur eine Erzählung über die Überwindung eines Schicksals, es ist auch eine Metaerzählung über den Prozess des Schreibens, Dichtens, eine Rekonstruktion des Flügelschlags der Musen kluger Menschen. Was inspirierte Goethe? Was bringt Adolf Muschg zum Schreiben? Der Autor lässt die Fragen unbeantwortet, alles endet in Fragezeichen und mündet in einen hermeneutischen Zirkel.

Titelangaben:

Adolf Muschg: Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen.

München: C.H.Beck, 2017. 251 Seiten. 22,95€.

 

Molly Shuster: Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart.

Anna Helm Baxter: Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht.

Bestens auf den Alltag vorbereitet

Nun startet auch bald mein Unterricht wieder und ich habe nur noch wenige Tage Zeit, um einen reibungslosen Alltag vorzubereiten. Gut, dass es Autorinnen wie Molly Shuster und Anna Helm Baxter gibt, die sich offensichtlich mit exakt derselben Problematik wie ich herumschlagen. Gutes kochen in wenig Zeit für viele Menschen. In Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart und Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht wird genau das versucht und es gelingt.

Dabei sei vorausgeschickt, dass beide Arten zu kochen eine gewisse Neigung zum Eintopf voraussetzen. Das ist nicht schlimm, ich mag gerne einen bunten Teller vor mir stehen haben. Ob meine Jungs das genau so sehen, die quasi Trennkost essen und sich nur die Rosinen aus jedem Gericht herauspicken, wird sich herausstellen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Toll, dass in jedem der Bücher Vegetarier, Fleischesser und Naschkatzen gleich auf ihre Kosten kommen, das spart Nerven und Diskussionen.

Pfannenkunst

Dabei praktiziert Anna Helm Baxter sicher die aufwändigere Kochweise. Ihre gusseisernen oder Edelstahlpfannen werden für ein Gericht mehrmals benutzt. Sie ist auch diejenige, die die Zeit für sich spielen lässt. Viele der Gerichte brauchen eine Einweichzeit, Marinierzeit, Gehzeit. Kein Problem für gut organisierte Mamas, die morgens das Gericht vorbereiten, das sie abends fertig kochen.

Manchmal jedoch beschleicht mich das Gefühl, beschummelt zu werden: Baxter benutzt zwar nur eine Pfanne, viele Rezepte sehen jedoch vor, dass die Zutaten darin nacheinander zubereitet werden. Das schont vielleicht die Spülmaschine, dauert aber grad solange, als würden verschiedene Töpfe auf dem Herd stehen. Beim »Brotsalat mit Kürbis« etwa werden die Brotwürfel erst angebraten, dann herausgenommen, damit dann der Kürbis in 25 Minuten gar braten kann. Viele Gerichte werden ganz zum Schluss miteinander vermischt und ansonsten nacheinander gebraten.

Variantenreiche Bratpfanne

Toll finde ich, dass man gut sieht, wie wenig man zum Kochen oft braucht. Die Pfanne kann sowohl auf dem Herd als auch im Ofen stehen, ein Kirschclafoutis schmeckt aus der Pfanne genauso hervorragend, wie eine Lammtajine. Ob diese Art zu kochen wirklich unaufwändiger ist, wage ich zu bezweifeln. Die Rezepte aber sind toll, von Ofenpfannkuchen über Brownies, Boef Stroganoff oder Kichererbsenpilaw finden sich altbekannte oder ganz neue Ideen für die Lieblingspfanne.

Wer es etwas schneller und einfacher mag, macht es wie Molly Shuster und schmeißt alles auf ein Blech. Natürlich stimmt auch das nicht immer ganz. Shuster fügt ebenfalls die Zutaten oft nacheinander zusammen. Da aber alles in einer Auflaufform landet und vorbereitet werden kann, scheint mir diese Technik leichter zu sein. Tolles Add-On: Shuster hat vorausschauend an Antipasti gedacht und damit meinen Familienalltag echt bereichert.

Ein Blech für alles

Meine Lieblingsrezepte klingen wie das »Huhn mit Speck«: Alles vermischen und 25 Minuten im Backofen garen. Klingt nach einem familienfreundlichen Abendessen. Natürlich werden auch in diesem Buch gerade für die raffinierteren Gerichte wie »Hühnerspiesse« oder »Gegrillte Ente mit Äpfeln und Zwiebeln« Marinierzeiten vorausgesetzt oder die Zutaten nacheinander angebraten. Aber es gibt auch vermehrt die einfachen Varianten. Die Hälfte der Rezepte sind Fleisch und Fischgerichte, das sollten Vegetarier wissen.

Auch bei den Gemüsegerichten ist oft Hühnerbrühe dabei oder Speckwürfel. Klar, das macht es einfach. Für meine kleine Vegetarierin hätte ich mir hier aber mehr Vielfalt gewünscht. Dafür ist der Dessertteil riesig. Toll, was alles an Früchten in den Ofen wandert. Äpfel, Ananas, Birnen, Aprikosen – alles wird gegrillt, gebacken und mit Nüssen und Crumbles dekoriert. Ideal für kalte Herbsttage, an denen man dringend etwas Süßes zum Tee braucht. Zudem sind diese Rezepte meist einfacher nach zu kochen als ein Rührkuchen. Ein dickes Plus von meiner Seite! Insgesamt sollten beide Bücher in der Lage sein, den Küchenalltag aufzulockern, bei mir werden sie gleich ins Rezeptregal einsortiert.

Titelangaben:

Molly Shuster: Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 160 Seiten, 20€.

Anna Helm Baxter: Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht.

Aarau: AT-Verlag, 2018. 160 Seiten, 20€.

Andrea Natschke -Hofmann: Köstlich backen mit Äpfeln.

James Rich: Äpfel. Rezepte aus dem Obstgarten.

Massenweise Ideen zur Erntezeit

Meine Obstwiesen ruhen sich aus dieses Jahr. Zeit für mich, nachzudenken, was ich in Zukunft mit meiner umfangreichen Apfelernte anstellen könnte. Klar mache ich Essig und Saft und Dörräpfel, aber dann? Gottlob kann ich mir Rat holen bei Andrea Natschke -Hofmann mit Köstlich backen mit Äpfeln und James Rich mit Äpfel. Rezepte aus dem Obstgarten. Vor Ernteüberfluss muss ich nun keine Angst mehr haben.

Dabei sind Äpfel sowieso eine mehr als dankbare Obstsorte. Sie halten sich lang, werden über einen relativ langen Zeitraum geerntet, können zu Mus, Marmelade, Saft, Essig und zu Kuchen verarbeitet werden. Dennoch gerät man schnell in eine Art Apfeltrott und konzentriert sich auf einige wenige Lieblingsrezepte. Um das aufzulockern, hilft meine Lektüre, auch wenn in beiden Büchern das Rad nicht neu erfunden wird.

Alles aus dem Ofen

Natschke-Hofmann konzentriert sich auf das Naheliegende: den Apfelkuchen. Wir kennen ihn wahrscheinlich in tausend Varianten und jede Familie hütet ein Apfelkuchenfamilienrezept wie einen Schatz. Nichts ist so sehr mit Kindheit und Wohlbefinden verbunden wie der Geruch des einen frischen Apfelkuchen, den Mutter oder Großmutter seit Generationen auf den Tisch bringen. Genau darum geht es der Autorin, die in ihrem Buch Lieblingsrezepte sammelt.

Von Apfelstrudel, über gedeckten Apfelkuchen, Apple Crumble, Apfelbrot, Apfelküchlein bis hin zur Apfelweintorte finden sich alte und neue Rezepte in diesem Buch. Ofenschlupfer, Kaiserschmarrn und Bratäpfel riechen nach Weihnachten, die Apfeltarte oder Apfelzimtpancakes erinnern an Urlaube in Frankreich und den USA. Was macht Natschke-Hofmann sonst noch mit ihren Äpfeln? Müsli, Cookies, Marmelade oder Likör, hier werden alle fündig. Super, dass es auch noch Empfehlungen zu den perfekten Apfelsorten für jedes Rezept gibt.

Rezepte vom Apfelbauern

Wesentlich komplexer sind die Rezepte von James Rich. Der Brite führt eine englische Mosterei als Traditionsunternehmen. Äpfel sind sein Beruf, aber auch seine Berufung. Wer also nicht nur gerne backt, sondern auch die Äpfel anderweitig verwenden möchte, wird hier fündig. Natürlich gibt es auch hier Apfelkuchenrezepte, darüber hinaus kreiert Rich aber auch Cocktails mit Äpfeln oder Cider.

Tees, Liköre, Apfelpunsch runden die Rezeptliste in diesem Buch ab. Doch auch die übrigen Desserts sind ausgefallen: Apfelsorbet mit Apfelweinbrand, Pavlova mit Äpfeln und Vanillecreme, Apfelrosmarinkuchen und Pochierte Äpfel finden sich unter anderem im langen Rezeptregister. Besonders erhellend sind auch Richs herzhafte Variationen. Äpfel im Zwiebelkuchen, Schweinelende mit Senf und Äpfeln, Schinken in Apfelwein, Puten-Apfel-Burger. Ganz zu schweigen von diversen Chutneys und Saucen, die breit einsetzbar sind. Künstler und experimentierfreudige Apfelliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten.

Hommage an alte Sorten

Beide Bücher lassen die Liebe zu Äpfeln und besonders alten Sorten wieder aufleben. Wer sieht, wie breit Äpfel in der Küche einsetzbar sind, muss ob einer reichen Ernte nicht mehr aufstöhnen. Äpfel schmecken fantastisch, sind unglaublich gesund und passen offensichtlich zu allem. Wer wie ich das Glück hat, alte, gewachsene Obstwiesen zu besitzen, wird auf keins der beiden Bücher verzichten wollen.

Literaturangaben:

Andrea Natschke -Hofmann: Köstlich backen mit Äpfeln.

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2019. 144 Seiten. 25€.

James Rich: Äpfel. Rezepte aus dem Obstgarten.

Aarau: AT-Verlag, 2019. 224 Seiten. 25€.

François Loeb: Zeitweichen. Fast-Read-Romane.

 

 

 

Fastfood für die Fantasie

 

François Loeb ist ein Relikt. Seine Erscheinung erinnert an die eines klassischen Gentleman, nonchalant, gebildet, beredt. Seinen Ruhestand hat sich der weltmännische Unternehmer, Politiker und Autor wohl verdient und darf ihn seinen Lieblingstätigkeiten widmen – ein beneidenswerter Zustand. Es passt zum Image des Bohemien, dass er in einem großen Schweizer Blatt seine Fast-Read-Romane veröffentlichen kann. Die vorliegende Printausgabe widmet er der Zeit. In Zeitweichen begegnet VIOLA STOCKER der Herausforderung, die Zeit nicht unnötig zu vergeuden.

 

Loebs Fast-Read-Romane lesen sich sagenhaft leicht. Sie spielen, jeder einzelne, mit den Gedanken einer modulierbaren, fassbaren Zeit, die wie Knete formbar ist, deren Verstreichen wie rieselnder Sand sichtbar wird. Humorvoll und elegant widmet Loeb jede Episode einem neuen Blickwinkel. Eine Zeitbank, den Zeitgeist, Hochzeit, Wortspiel um Wortspiel mäandert Loebs Werk durch das Universum eines Begriffs, der grundsätzlich körperlich abwesend ist.

 

Frühstücksromane

Wird der Rahmen einer Zeitung addiert, passen Loebs Kurzgeschichten perfekt. Zwischen Frühstück, Tram und Mittagspause liest sich eine Episode über die Zeit wie ein frischer Sommerregen. Intelligent, amüsant, elegant. Jede Story birgt Grübelpotential, die eigene Fantasie erhält Flügel, auf denen über alternative Wirklichkeiten nachgedacht wird. Läuft das eigene Leben richtig? Hätte es andere Möglichkeiten gegeben? Wenn es denn überhaupt ein Ansatz sein kann, über Alternativen und Entscheidungsfreiheiten zu sprechen.

 

Insgesamt ähnelt jede der Kurzgeschichten einem großen Wortspiel. »Zeittotschlag«, eine der kürzeren Episoden, handelt vom Hilferuf der Zeit, die von einem Totschläger bedroht wird. So nimmt Loeb sich vieler unserer Alltagsmetaphern an, zerlegt sie, wie den Begriff des »Zeitsparens«. In ihrer absoluten Absurdität erscheinen sie dann als das, was sie sind: Erfindungen einer menschlichen Kultur, die Schwierigkeiten mit Begriffen hat, die nicht fassbar sind.

 

Altersweise Gesellschaftskritik

Loeb, der Unternehmer und Denker, Schöngeist und Autor, benutzt gängige Umschreibungen der Zeit gepaart mit dem unternehmerischen Denken des Kapitalismus. Entblößend wirken Stories wie »Zeitsparkasse«, »Zeitvertrieb« oder »Zeitgutschrift«. Merkt die Menschheit überhaupt noch, wie absurd der Umgang mit der Ewigkeit ist? Zeit als Ressource, als handelbares Objekt einer imaginären Börse – Loeb lässt kein Klischee undurchdacht.

 

In der großen Masse der zeitkritischen Gedanken liegt auch die stärkste Gefahr der Fast-Read-Romane von François Loeb. Was amüsant oder schockierend ist, wird in der Menge der Varianten und der Kürze der Episoden bald anstrengend. Loebs Kurzgeschichten sollten auch in der gebundenen Ausgabe gelesen werden wie in der NZZ: Häppchenweise, jeden Tag ein kluger Gedanke. Geballt wirken die Kunstgriffe des Autors auch gekünstelt, bei mancher Metapher huscht ein »kenn ich doch« über die Seiten.

 

Zeit zum Zeitungslesen

Was Loeb nicht davon abhalten sollte, weiter intelligente Kurzgeschichten über unsere modernen Laster zu verfassen. Er hat ein Talent, das zunehmend abhanden kommt: Loeb ist ein guter Geschichtenerzähler. Mit dem tiefen Blick eines anthropophilen Kritikers erfasst er die Probleme einer westlichen Zivilisation kurz und knapp und ist in der Lage, sie in eine fesselnde Geschichte zu verpacken. Letztendlich wertet er nicht, er beleuchtet nur die verschiedenen Aspekte vorfindbaren Verhaltens. Jeder darf sich selbst gespiegelt sehen oder auch nicht. Die Zeit zu nehmen, diesen Spiegelungen zu folgen, ist die stille Aufforderung, die Loeb seinen Lesern täglich anbietet.

 

Titelangaben:

François Loeb: Zeitweichen. Fast-Read-Romane.

München: Allitera Verlag, 2017. 164 Seiten. 14,80 €.

 

 

Heike Mohr, Beate Walther: Schatztruhe Garten. Geschenke für jeden Anlass selbst gemacht.

Catherine Delvaux: 100 inspirierende Pflanzideen.

Catherine Delvaux: 50 grüne Dekoideen.

Deborah Schneebeli-Morrell: Der dekorierte Garten. 25 Projekte für Ihren Platz im Freien.

Für den grünen Daumen

Gerade haben unsere Sommerferien begonnen und ich habe richtig Lust und Zeit, draußen zu werken und zu genießen. Super, dass ich passend für jede Saison die idealen Tipps und Anregungen bekomme. In Heike Mohrs und Beate Walthers Schatztruhe Garten. Geschenke für jeden Anlass selbst gemacht wird der Erntesegen verarbeitet, während Catherine Delvaux in 100 inspirierende Pflanzideen und in 50 grüne Dekoideen dafür sorgt, dass alle Pflanzen in Haus und Garten richtig in Szene gesetzt werden. Wer darüber hinaus noch Tipps sucht, findet sie in Deborah Schneebeli-Morrells Der dekorierte Garten. 25 Projekte für Ihren Platz im Freien.

Wer seinen Garten verschönern möchte, Blühpausen überbrücken will oder gerne Lichteffekte setzen würde, ist bei Deborah Schneebeli-Morrells Der dekorierte Garten. 25 Projekte für Ihren Platz im Freien genau richtig. Wie aufwändig man das eigene Engagement gestalten möchte, ist dabei frei gestellt, denn es gibt alle Schwierigkeitsgrade bei den Projekten. Vom Blickfang Kieselmosaik über Pflanzschilder aus Draht bis hin zu simplen Lichtertüten mit Scherenschnittmotiven sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Während die vielen Drahtobjekte mir zu schnörkelig sind, liebe ich die farblich variierenden Objekte aus Weidenruten. Rankgerüste, Gartentore, Wuchshilfen aus Haselnuss und Weide verschönern den Garten und sind hilfreiche Objekte. Selbst die Vogelscheuche wird königlich neu definiert und strahlt in silbernem Glanz über die Beete. Ich mache mir eine To-Do-Liste und sie wird ganz schön lang, denn jeder Garten verdient es, dass die besonderen Stellen hervorgehoben werden.

Drinnen und Draußen

Wer sich in seinem Grün beschränken muss, ist dagegen vor allem bei Catherine Delvauxs 50 grüne Dekoideen gut aufgehoben. Delvaux arrangiert dekorativ für den Außen- und Innenbereich Pflanzen in kunstvollen Ensembles und Stilleben. Vor allem Sukkulenten und Jungpflanzen werden in schönen Kästen oder Gläsern zum Blickfang auch kleiner Wohnungen. So viel Zartheit passt nicht zu meinem wilden Garten, aber wer seine Wohnung mit Balkon aufpeppen möchte, ist bei Delvaux genau richtig.

Für die Neulinge entpuppen sich auch die genauen Pflanzanleitungen und Beschreibungen als überaus wertvolle Zutat. Damit die Arrangements lange schön bleiben, brauchen sie gewissenhafte Pflege und im Fall der Beherbergung in Gläsern auch ab und an frische Luft. Wie man seine Pflanzen dauerhaft schützt und pflegt, wird einfach und genau erklärt. Delvaux arbeitet mit ganz unterschiedlichen Materialien und so ist garantiert, dass für die unterschiedlichsten Geschmäcker genau das Richtige dabei ist.

Gartenwonne

Wer es etwas üppiger mag, wählt die dicke Ausgabe von Catherine Delvaux: 100 inspirierende Pflanzideen. In diesem Schmöker finde ich mich auch wieder, weil viele Pflanzideen sich auch für große Gärten eignen und ein hervorragender Blickfang sind. Stauden und Beete werden nach Motto angeordnet, Beerensträucher eingebettet in Rosen. Wer aus seinem schönen Garten einen atemberaubenden Park machen möchte, hält sich an Delvaux.

Es gibt für jede Licht- und Wärmelage Tipps und Arrangements, Töpfe, Beete und Hängeampeln stufen die Gärten in die dritte Dimension durch. Passend für jede Jahreszeit werden auch Töpfe bepflanzt, die dann zum Hingucker werden an einzelnen Stellen. Dabei achtet Delvaux auf die Farbgebung der Pflanzen, den Lichteinfall, den Wasserbedarf und die Struktur der Pflanzgefäße. Es ist unglaublich, aber hier kann ich zur Gartenarchitektin werden.

Gartengeschenke für alle

Schlussendlich möchte man sein Gartenglück teilen. Dass dies auch jenseits der mir wohlbekannten Grenzen von Sirup und Marmelade geht, zeigen Heike Mohr und Beate Walther in Schatztruhe Garten. Geschenke für jeden Anlass selbst gemacht.Besonderer Pluspunkt: Die Autorinnen benutzen für Ihre Gestecke, Sträuße und Arrangements auch totes Material, Fruchtstände und Zweige. So wird alles aus dem geliebten Garten verwertet.

Natürlich finden sich auch Rezepte, aber nicht nur. Über Grillkräuterbündel, Kräuterzucker oder Teemischungen freuen sich sicher viele. Dass auch Saatgut hübsch verpackt ein originelles Geschenk für Gartenliebhaber ist, darf ich immer feststellen. Für jede Jahreszeit geben die Autorinnen Tipps und tatsächlich ist in einem klugen Garten auch noch im Winter Erntezeit. Wie schön sich Samenkapseln und Fruchtstände getrocknet machen! Und dank immergrünem Efeu wird auch der graue Winter bunt. Was für ein schönes Gartenjahr!

Titelangaben:

Heike Mohr, Beate Walther: Schatztruhe Garten. Geschenke für jeden Anlass selbst gemacht.

Münster: LV-Buch, 2018. 144 Seiten, 18 €.

Catherine Delvaux: 100 inspirierende Pflanzideen.

Münster: LV-Buch, 2018. 260 Seiten. 24€.

Catherine Delvaux: 50 grüne Dekoideen.

Münster: LV-Buch, 2019. 144 Seiten. 18€.

Deborah Schneebeli-Morrell: Der dekorierte Garten. 25 Projekte für Ihren Platz im Freien.

Münster: LV-Buch, 2019. 128 Seiten, 15€.

Max McMurdo: Zweite Chance für Kellerfunde. 20 Kreativprojekte aus wiederverwendetem Material.

Smarticular: Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie.

Macht es doch selbst!

Jeder spricht über Nachhaltigkeit, die Umweltverschmutzung und ein klimaneutrales Leben. Doch es wird nichts geschehen, wenn nicht jeder Mensch in kleinen Schritten bei sich selbst beginnt. Smarticular veröffentlicht regelmäßig im Netz Hausmittel, Tricks und Tipps für ein nachhaltiges Leben. In Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie werden Natron, Soda, Zitronensäure, Essig und Kernseife zu Alleskönnern im Alltag. Max McMurdo zeigt in Zweite Chance für Kellerfunde. 20 Kreativprojekte aus wiederverwendetem Material, wie nachhaltiges Design funktioniert. Los geht’s!

Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie habe ich im klassischen Sinne gar nicht erst gelesen. Lernen durch Tun, hieß hier die Devise. Zwar gäbe es einen wunderbar einführenden Teil zu allen chemischen Eigenschaften der einzelnen Hausmittel, doch war der Tatendrang zu groß. Trotzdem bleiben einige der wertvollen Tipps hängen. Ich lerne über Kalkseife, die Beseitigung derselben und über die Unterschiede zwischen Natron und Soda.

Entrümpeln

Ganz klar, jeder Putzmittelschrank kann kleiner werden, wendet man die Hausmitteltipps korrekt an. Seit Monaten schon putze ich mein Bad mit selbst gemachtem Essigreiniger, genauso wie die Fenster. Als Weichspüler mit Lavendelöl veredelt oder als Klarspüler leistet er mir wunderbare Dienste. Natron? Zum Brezenbacken, für selbstgemachtes Backpulver, als Scheuermilch, Haarshampoo und im Waschmittel – aus meinem Haushalt nicht wegzudenken.

Mehrere Fliegen mit einer Klappe, denn jedes Hausmittel eignet sich für Dutzende Anwendungen. Ich verwende immer lebensmittelechte Zitronensäure, wenn ich nicht damit putze, kommt es in den Sirup. Nichts bleibt ungenutzt und ganz nebenbei verschwinden die hässlichen Plastikverpackungen, denn alles ist in papiernen Großpackungen oder Glasflaschen zu erwerben. Die Herstellung der Putzmittel ist kinderleicht und mittlerweile schreibe ich die Rezepturen auf die Vorratsgläser, das spart den Griff zum Buch.

Aufmöbeln

Während der Putzmittelschrank leerer wird, entrümpeln wir noch den Keller. Klar, McMurdos Kreationen sind bisweilen sehr speziell. Wenn ihr nicht zufällig alte Leitern oder Rohrverbindungen rumfliegen habt, hilft Euch das Buch nicht so viel. Aber wer ein altes Haus renoviert – so wie ich – und ganz nebenbei auf die verstaubten Pretiosen stößt, der freut sich über das ein oder andere Unikat, für das im Buch die perfekte Anleitung gegeben wird. Als kreative Anregung für Selbermacher ist es auch noch ein tolles Geschenk.

Mir gefällt außerdem, dass endlich mal richtig nette Geschenkideen für Männer darin zu finden sind. Es ist doch so, die armen Herren der Schöpfung kommen bei der frauenlastigen Dekogemeinde immer zu kurz. Hier gibt es viel Blech und Stahl und Holz und schlichte Formen, das freut auch die Männerästhetik. Wir Damen nehmen dagegen gern die entstandenen Kunstwerke in Anspruch, denn am Ende winken Stuhlbänke, Hocker, Badregale oder Lampen für ein schönes Zuhause. Also, in der richtigen Reihenfolge: Erst ökologisch putzen, dann schick einrichten.

Titelangaben:

Max McMurdo: Zweite Chance für Kellerfunde. 20 Kreativprojekte aus wiederverwendetem Material.

Münster: LV Buch, 2018. 144 Seiten, 20 €.

Smarticular: Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie.

Berlin: Smarticular Verlag, 2018. 192 Seiten, 14,95 €.

 

Andrea Weller-Essers, Eilika Mühlenberg: Von Alpakakacka bis Zotteltrottel. Das voll verbotene ABC.

Sarah De Vos: Mein Kind langweilt sich nie.

DaWanda: Lieblingsstücke für Kinder.

Alles für den Sommer

Kurz bevor die Sommerferien bei uns anbrechen, checke ich noch schnell meinen Rezensionsbücherschrank. Was könnte Kinder und Eltern helfen, die längsten sechs Wochen dieses Jahres zu überstehen? Und ich werde fündig: Andrea Weller-Essers und Eilika Mühlenberg Von Alpakakacka bis Zotteltrottel. Das voll verbotene ABC, Sarah De Vos‘ Mein Kind langweilt sich nie und DaWandas Lieblingsstücke für Kinder versprechen eine ausgefüllte To-Do-Liste selbst dann, wenn es gar nichts mehr zu tun gibt.

Es beginnt am Spielplatz, jede Mutter kennt diese Situation, jedes Kind auch: Eigentlich wollte man an dem coolen Klettergerüst mit dem besten Freund spielen, aber dann ist da schon jemand. Etwas lustloses Geschaukel, im Weg rum stehen und irgendwann fällt es: das erste böse Wort. Was gut gemeint war, endet im Streit und mit schlimmen Wörtern, die jeder kennt und die nur einen relativ kleinen Wortschatz ausmachen. Schluss damit!

Gut geschimpft ist halb gewonnen

Die Geschichte vom Schimpfwörterwettkampf in Von Alpakakacka bis Zotteltrottel wirkt nicht konstruiert, weil wir alle diese Momente kennen, in denen wir gerne etwas kreativeres als die gewöhnlichen Fäkalausdrücke verwenden können. Dass es dann verrückt und lustig illustriert quer durch das ABC geht, ist eine Herausforderung, die meistens aufgeht. Die kongeniale Illustration vermittelt einen humorvollen Eindruck, wie zum Beispiel so ein »Zotteltrottel« aussehen könnte. Perfekt für einen regnerischen Nachmittag!

Eher für die Mamas ist dagegen von DaWanda das Buch über Lieblingsstücke für Kinder. Fast anachronistisch, denn meine Rezensions erscheint erst nach der Übernahme von DaWanda durch Etsy. Nichts desto trotz erhält man gerade für Babies und Kleinkinder wunderbare Lieblingsstücke vorgeführt, die an der Nähmaschine schnell genäht sind und auch an langweiligen Ferienabenden eine willkommene Abwechslung bieten.

Von Windeltasche bis Tipi

Von der Windeltasche bis zum Tipi findet man hier alles, was große und kleine Menschen brauchen können. In der typischen DaWanda Ästhetik werden blau gestreifte Lichterketten, Kissen, Sitzsäcke, Wimpelketten und Babyhosen angefertigt. Wer nicht für sich selbst nähen möchte, findet hier einen riesengroßen Fundus an schönen Geschenken für groß und klein! Meist sind es fröhliche Kleinigkeiten, die sich auch perfekt als Mitgebsel an einem Kindergeburtstag eignen.

Sollte wider Erwarten doch einmal Langeweile aufkommen, darf man ruhig zu Sarah De Vos‘ Mein Kind langweilt sich nie greifen. Es sind »150 Tipps gegen Ideenlosigkeit« versprochen, das sollte doch für ein paar gedehnte Sommerferientage reichen. Vom Malen auf alten Tapenrollen, über Straßenkreide, Seifenkisten und Piñatas finden sich viele bekannte Ideen, die aber eine Auffrischung verdienen.

Altes und Neues vereint

Dart auf dem Küchenboden, Schneeflocken aus Papier, Kinderspiele, Bastelideen, Parcour, selbstgemachtes Memory. Man könnte eine beliebige Seite aufschlagen und würde drei Ideen erhalten, von denen eine bestimmt die richtige ist. Die Ideenkiste ist kurz und bündig formuliert, dafür sehr freundlich und frisch illustriert und wartet nur darauf, endlich aus dem Bücherregal geholt und geöffnet zu werden. Sommerferien, kommt ruhig!

Titelangaben:

Andrea Weller-Essers, Eilika Mühlenberg: Von Alpakakacka bis Zotteltrottel. Das voll verbotene ABC.

Berlin: DUDEN, 2019. 64 Seiten. 10€.

Sarah De Vos: Mein Kind langweilt sich nie.

Münster: LV Buch, 2017. 174 Seiten. 18€.

DaWanda: Lieblingsstücke für Kinder.

Münster: LV Buch, 2017. 112 Seiten. 17,95 €.

 

Karen Page: Vegetarische Aroma Bibel. Lexikon der vegetarischen Aromen- und Geschmackskombinationen.

Sara Ask, Lisa Bjärbo: Das Veggiefamilienkochbuch.

Iris Lange-Fricke, Stefanie Nickel: Herzhaft vegetarisch.

Fleisch? Wie öde.

Seit ich eine kleine Vegetarierin in meiner Familie habe, muss ich mich vermehrt mit verschiedensten Arten des Kochens befassen. Und stelle begeistert fest, dass ich mit Sara Asks und Lisa Bjärbos Das Veggiefamilienkochbuch oder Iris Lange-Frickes und Stefanie Nickels Herzhaft vegetarisch genau die richtigen Bücher für feine vegetarische Alltagsküche gefunden habe. Für alle, die profunden Luxus obenauf brauchen, empfehle ich Karen Pages Vegetarische Aroma Bibel.

Davor aber beginne ich mit Sara Asks und Lisa Bjärbos Das Veggiefamilienkochbuch, denn vielleicht geht es ja meinen LeserInnen genau wie mir und es ist der vegetarische Familienalltag, der wichtig ist. In meinem Fall ist es noch etwas komplizierter. Wir kombinieren Lactoseunverträglichkeiten, kohlenhydratarme Kost, Vegetarismus und Fructoseunverträglichkeit mit den karnivoren Bestrebungen meiner zwei Raubmänner. Mein jüngster liebt Obst und Gemüse, dem Himmel sei Dank.

Abwechslung heisst erst mal Wechseln

Das ist mein Credo. Nachdem ich auch noch ein Leben außerhalb meiner Küche habe und noch zur Schule gehe, meinen Laden bestücke und Obstwiesen betreue, kann ich nicht den ganzen Tag mir Gedanken über vegetarische Leckereien machen. Das Kochbuch von Sara Ask und Lisa Bjärbo ist vor allem alltagstauglich. Meistens koche ich also abwechselnd: vegetarisch, mit Fleisch, ohne Kohlenhydrate etc. Auf dem Tisch steht in der Regel ein buntes, buffetartiges Allerlei.

Deshalb mag ich auch die Rezepte für TexMex, Meze oder Ofengerichte so gern. Chili, Burger und Lasagne mögen bei uns alle. Und ich kann mischen, vegetarisch oder nicht, so dass immer alle satt werden. Ehrlich gesagt, bin ich auch froh, dass Ask und Bjärbo Pommes aus der Tüte oder Ketchup erlauben. Wenn ich im Alltag nur wenig Zeit habe, koche ich nicht wie Paul Bocuse. Dafür gefällt mir, dass die Rezepte sich eng an das halten, was Kindern sowieso schmeckt: Tofustäbchen statt Fischstäbchen, Chili con Carne mit Linsen, Burger mit Getreidebratlingen. Alles sehr lecker und einfach.

Sonntagsküche

Iris Lange-Fricke und Stefanie Nickel räumen in Herzhaft vegetarisch mit sämtlichen herkömmlichen Vorurteilen gegenüber vegetarischem Essen gründlich auf. Wer sich an diese Rezepte hält, dem wird es an nichts fehlen! Schon die einzelnen Kapitel verraten, dass es deftig wird: Es geht um Burger, Pasta, Pizza, Klassiker in der Veggie-Variante, Grillen, Saltate, Suppen und Angeber-Rezepte für Gäste.

Jedes einzelne Rezept glänzt durch ausgefeilte Gewürzkombinationen, von Koriander, Chili, über Kreuzkümmel, Cayennepfeffer und Muskatnuss wird alles zusammengemixt, was traditionell mit herzhaftem Geschmack verbunden wird. Klassiker wie Königsberger Klopse oder Gyros erfahren eine interessante vegetarische Neuauflage und auch jene, die gerne Grillen, freuen sich über Halloumi-Schaschlikspieße, Spicy Maiskolben, gegrillten Romanasalat und Auberginenröllchen. Von einfach bis festlich werden hier alle Varianten bedient!

Grundlagen

Wer darüber hinaus informiert sein will, hält sich an Karen Pages Vegetarische Aroma Bibel. In diesem dicken Schinken gibt es weniger Rezepte zu finden, als vielmehr Hintergrundwissen zur vegetarischen Küche, Historisches zu Vegetarismus und dann, vor allem: Geschmackskombinationen. Tatsächlich wird von A bis Z alles abgearbeitet, was in der vegetarischen Küche kombiniert werden kann. „Frühlingszwiebeln“ zum Beispiel werden nach Saison, Geschmacksprofil, Nährstoffprofil und Techniken gegliedert, dann folgen alle Kombinationen, zum Beispiel mit Basilikum Couscous, Fenchel, Kartoffeln und Nudeln, um nur einige zu nennen.

So geht es einmal quer durch den Gemüse – und Gewürzgarten. Am Ende wird man feststellen, dass jedes Vorurteil gegenüber vegetarischer Küche haltlos ist. Die Kombinationsmöglichkeiten sind reichhaltig bis endlos, alle Varianten von dezent bis Umami voll sind genauso möglich wie in der traditionellen fleischhaltigen Küche und dank neuester Küchentechniken sind vielfaltige Geschmackserlebnisse garantiert.

Titelangaben:

Karen Page: Vegetarische Aroma Bibel. Lexikon der vegetarischen Aromen- und Geschmackskombinationen.

Aarau: AT- Verlag, 2017. 432 Seiten, 39,90 €.

Sara Ask, Lisa Bjärbo: Das Veggiefamilienkochbuch.

Münster: LV-Buch, 2015. 152 Seiten. 17,95€.

Iris Lange-Fricke, Stefanie Nickel: Herzhaft vegetarisch.

Aarau: AT- Verlag, 2016. 192 Seiten. 24,95€.

 

Susi Strickliesel: Knit Happens. Strickprojekte, Social Media & mehr.

#knittersofinstagram: #stricken macht glücklich.

Annette Danielsen: Stricken wie in 1001 Nacht. 17 orientalisch-inspirierte Strickmodelle.

Alljahresstricken

Mittlerweile weiß ich sicher, dass es keine Saison für Wolle gibt. Ich stricke praktisch immer, auch warme Sachen, weil ich weiß, der nächste Winter kommt bestimmt. Und ich liebe schöne Bücher, die sich mit meinem Lieblingsthema befassen, allen voran die begnadete Annette Danielsen mit Stricken wie in 1001 Nacht. 17 orientalisch-inspirierte Strickmodelle. Aber auch der wilde Haufen von #knittersofinstagram: #stricken macht glücklich versetzt mich in Aufregung, mehr zumindest wie Susi Strickliesels Knit Happens. Strickprojekte, Social Media & mehr.

Für letzteres Buch bin ich zu alt und zu gestresst. Wer dagegen erst anfängt, zu stricken und sich dazu noch einen Social Media Kanal aufbauen will, bekommt von Susi Strickliesel wertvolle Tipps. Handyapps, Fotobearbeitungsprogramme, Strickanleitungen, Logoentwicklung und vieles mehr. Hier wird auf so vielen Hochzeiten getanzt, dass die Strickerei fast zu kurz kommt. Außerdem geht es meist um einfache Muster und ich mag es gern kompliziert.

Wer also bereits einen Schal in kraus rechts stricken kann, braucht die Anleitungen von Susi Strickliesel nicht. Es sei denn, es sind Ratschläge zur Erstellung eines Blogs oder zur Einrichtung eines Social Media Accounts gefragt. Dann ist man hier goldrichtig. Die Bloggerin gibt einiges über sich selbst preis (das mich aber gar nicht interessiert) und vermarktet ihre Strickphilosphie. Ideal also für junge Menschen, die sich vielleicht das erste Mal mit dem Thema befassen und noch einen kleinen Schubs brauchen.

Social Knitters

Auch die #knittersofinstagram begründen ihre Popularität über die Social Media, aber weil in diesem Buch der Edition Michael Fischer so viele verschiedene Persönlichkeiten vorgestellt werden, unter anderem auch Susi Strickliesel, ist das Portfolio unendlich groß. Und es gibt massenweise komplizierte Sachen, von Mosaikmustertüchern über gemusterte Strümpfe bis hin zu Spitzenschals und Zopfmusterjacken.

Ein ideales Buch für Strickliebhaber, die sich mal undogmatisch quer durch die Szene nadeln wollen. Auf den ersten Blick habe ich schon mindestens drei Weihnachtsgeschenke gefunden. Wie immer finden sich am Anfang des Buches die lästigen Grundlagen und ich weiß ja, dass auch Erststrickerinnen es verstehen sollen, aber….Zu jedem Strickstück gibt es eine kleine Information zu den Designerinnnen und deren technischen Schwerpunkten, die ich sehr unterhaltend finde, ohne dass sie mich vom Hauptzweck ablenkt.

Goddess of Needles

Nicht zu übertreffen ist schließlich Annette Danielsen, die sich diesmal auf orientalische Wege begibt. Es ist nicht mein erstes Buch von ihr, auch Winterstrick, Blumenstrick und Unheimlich.Schön.Gestrickt haben mich verzaubert. Die letzten beiden Bücher wohnen bei meiner Freundin, doch Winter und Orient dürfen bei mir bleiben. Schon der Einband in marokkanischer Fliesenoptik macht mich schwach.

Danielsen schafft es immer wieder, ihre Inspirationen grandios zu übersetzen. Ein Foto zeigt die Inspiration, in diesem Fall vielleicht das Atlasgebirge, dann folgt die Umsetzung als Strickmodell, diesmal in Form eines Pullovers. Es ist unglaublich, wie sie Farben, Formen und Stimmungen auf ihren Nadeln einfängt und in Modelle umwandelt, die anspruchsvoll zu arbeiten, schön zu tragen und für alle Größen geeignet sind. Ich hoffe ja sehr, dass Frau Danielsen bald wieder etwas Schönes für mich einfällt.

Titelangaben:

Susi Strickliesel: Knit Happens. Strickprojekte, Social Media & mehr.

Igling: Edition Michael Fischer 2019. 144 Seiten. €19,99.

#knittersofinstagram: #stricken macht glücklich.

Igling: Edition Michael Fischer 2019. 96 Seiten. € 15,99.

Annette Danielsen: Stricken wie in 1001 Nacht. 17 orientalisch-inspirierte Strickmodelle.

Münster: LV-Buch, 2019.128 Seiten. €22.

 

Horst Schöne: Gräser und Blattschmuckstauden. Faszinierende Pflanzen, Eindrucksvolle Kombinationen, hilfreiche Pflegetipps.

Remo Vetter: The Lazy Gardener und seine Gartengeheimnisse. Mit weniger Aufwand zur besseren Ernte im Biogarten.

Peter Bauwens: Der perfekte Küchengarten. Aktuelle Methoden, Pläne, Sorten und Anbautipps.

Auf nach Draußen!

Mich hält natürlich schon lange nichts mehr draußen. Jedes Jahr versuche ich, meinen Außenbereich zu verschönern. Ein bisschen gelingt es mir und längst habe ich gemerkt, dass man in Sachen Garten nie auslernt. Mit den neuen Tipps, die Horst Schöne in Gräser und Blattschmuckstauden. Faszinierende Pflanzen, Eindrucksvolle Kombinationen, hilfreiche Pflegetipps, Remo Vetter in The Lazy Gardener und seine Gartengeheimnisse. Mit weniger Aufwand zur besseren Ernte im Biogarten und Peter Bauwens in Der perfekte Küchengarten. Aktuelle Methoden, Pläne, Sorten und Anbautipps geben, wird es wieder etwas besser werden.

Die drei Bücher haben sehr unterschiedliche Ansätze und ergänzen sich gerade deswegen wunderbar. Ich werde sie der Einfachheit halber in meiner Lektürereihenfolge vorstellen. Begonnen habe ich mit Remo Vetter. Sein The Lazy Gardener und seine Gartengeheimnisse. Mit weniger Aufwand zur besseren Ernte im Biogarten hat mich unglaublich angesprochen, denn wer möchte nicht gerne faul sein und dennoch jede Menge ernten?

Damit gleich klar ist: Es geht dem Autor vor allem um ein bestimmtes Prinzip des Gärtnerns, weniger um konkrete Planungsentwürfe. Seine ruhige, unaufgeregte Art, leben und leben lassen, fand ich sehr ansprechend. Dennoch muss ich dazu sagen, dass mein Garten natürlich nicht Remo Vetters Garten ist. Wer eher einen kleinen Garten bewirtschaftet, so wie ich, wird weniger geneigt sein, großzügig anzupflanzen und der Natur ihren Lauf zu lassen.

Perfekte Fotos verbreiten gute Stimmung

Dennoch: Humus ist wichtig, Regenwürmer auch, rückenschonende Hochbeete erhöhen die Freude beim Gärtnern. Hier habe ich mir wichtige Tipps zum Thema Gründünger und nachhaltig wirtschaften geholt und ich gönne jeder Leserin eine Prise dieses unaufgeregten Menschen. Insgesamt denke ich, dass Remo Vetter eher in der Königsliga der Gärtner unterwegs ist und sich viele von der tollen Stimmung einnehmen lassen, ohne in der Lage zu sein, selbst ähnlich Gärtnern zu können.

Ganz praktisch sieht Peter Bauwens in Der perfekte Küchengarten. Aktuelle Methoden, Pläne, Sorten und Anbautipps den Garten und das kommt gerade kleinen Küchengärten zugute. Mir gefallen die thematisch sortierten Anbautipps und die strukturierten Zeichnungen genauso gut wie die Empfehlungen zu Gemüsesorten und Gartenpflege. Wer loslegen will und einem bestimmten Plan folgen möchte, wird hier fündig.

Ein Garten für jeden Geschmack

Bauwens entwirft Gärten für Liebhaber der mediterranen Küche, für Kinder, für Klassiker oder frankophile Potagerverfechter. Ein Bauerngarten gefällig, oder lieber ein Garten in bestimmten Farbnuancen? Bauwens bietet immer ein komplettes System an, mit Beetstrukturen, Pflanzbeispielen und Ratschlägen zur Bodenstruktur. Dabei hält er sich stark an die historischen Gärten der Romantik, die mit den Kontrasten aus Umzäunung und üppigen Grün Struktur in die wilde Natur bringen.

Wieder völlig anders und diesmal auch ohne kulinarischen Nutzen bespricht Horst Schöne in Gräser und Blattschmuckstauden. Faszinierende Pflanzen, Eindrucksvolle Kombinationen, hilfreiche Pflegetipps den dekorativen Aspekt des Gartens. Hier scheiden sich die Geister: Soll es wild und farbenfroh blühen oder ranken sich schlanke Gräser im Garten? Wer sich durch das Buch blättert, findet eine Hommage an die Gartenplanung des frühen zwanzigsten Jahrhunderts und entdeckt viele Pflanzen aus den Gärten der Eltern- und Großelterngeneration wieder. Wie schön Blattschmuckstauden und Gräser immer wieder sind, welche Sorten sich für welche Standorte eignen und wie sich die Gräser am besten in dekorative Arrangements einbinden lassen, findet sich hier in extenso. Auf also nach Draußen!

Titelangaben:

Horst Schöne: Gräser und Blattschmuckstauden. Faszinierende Pflanzen, Eindrucksvolle Kombinationen, hilfreiche Pflegetipps.

Münster: LV-Buch, 2018. 120 Seiten. 18€.

Remo Vetter: The Lazy Gardener und seine Gartengeheimnisse. Mit weniger Aufwand zur besseren Ernte im Biogarten.

Aarau: AT-Verlag, 2018. 224 Seiten. 35€.

Peter Bauwens: Der perfekte Küchengarten. Aktuelle Methoden, Pläne, Sorten und Anbautipps.

Münster: LV-Buch, 2018. 160 Seiten. 10€.

 

Christiane Wegner: Flechtfrisuren schnellgemacht.

DUDEN: Ich schreib dir einen Brief. Alles rund ums Briefeschreiben.

Perfekte Geschenke

So unterschiedlich Christiane Wegners Flechtfrisuren schnellgemacht und Ich schreib dir einen Brief. Alles rund ums Briefeschreiben vom DUDEN – Verlag inhaltlich auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Beide wandern auf meinen Bücherstapel für perfekte Geschenke. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mindestens je drei Jungs und Mädels, die sich über die Maßen über eines der beiden Bücher freuen werden.

Schenken ist gar nicht so einfach. Schnell werden Dinge ins Eck geworfen oder aus der Hand gelegt. Wenn ich dann etwas finde, bei dem ich Kreativität, Sinnhaftigkeit und Freude verbinden kann, bin ich außer mir vor Begeisterung. Im vorliegenden Fall freuen sich kleine Jungs und Mädels, oder kleine, mittlere und große Mädels. Damit decke ich einiges an Geburtstagskundschaft ab. Von Klasse zwei an bis zum Erwachsenenalter sind die beiden Bücher tolle Geschenke.

Monstermäßig Briefe schreiben

Hand aufs Herz – wer schreibt noch Briefe von uns Erwachsenen? Aber einen Brief erhalten, schön geschrieben, auf kostbarem Papier, saubere Schrift, von einem lieben Menschen: Das berührt. Wer kann das noch und wer hat Lust dazu? Der DUDEN – Verlag zeigt allen Kindern, wie es geht. In einem kleinen Beiheft wird etwas zur Geschichte des Briefes und der Post erzählt. Welche Briefe gibt es, wer bringt sie wohin?

Wie schreibe ich einen Brief? Von der Beschriftung des Briefumschlags über die Postleitzahl bis hin zu verschiedenen Briefstilen: Mit bunten Bildern, lustigen Rätseln und einem freundlichen Monsterteam wird Briefeschreiben zum Kinderspiel. Damit es nicht so theoretisch bleibt, befinden sich im Set wunderbare Briefkarten, die sich als Einladungen oder für Briefe an nette Menschen perfekt verwenden lassen. Vom Denken zum Tun, mit praktischen Hilfestellungen, so geht Lernen leicht von Hand!

Spitzenstyling für alle Tage

Christiane Wegner ist Fachfrau: Als Mädelsmama und Friseurmeisterin weiß sie genau, wie wichtig schnelles und aussagekräftiges Styling im Alltag sind. Deshalb hat sie für jeden Tag und jede Situation die ideale Lösung. Von 5-Minuten Frisuren bis hin zu 20 Minuten Frisuren ist alles dabei und frau kann sich täglich aussuchen, welchen Stil sie selbst oder ihre Töchter heute vorführen dürfen.

Die notwendigen Hilfsmittel haben alle daheim, die lange Haare haben und die Techniken, wie Zwirbeln, kordeln oder flechten, kennen auch die meisten. In raffinierten Varianten, wie fünfsträhnigen Zöpfe, keltischen Knoten, gekordelten Doppelzöpfen oder Bauernzöpfen werden einfache Prinzipien zu Augenweiden. Wer es lieber kompliziert mag, wählt Wasserfallzöpfe, geflochtene Dutts oder mehrere festgesteckte französische Zöpfe.

Große Bandbreite

Sich hinsetzen und Briefe schreiben oder dem eigenen Haar romantischen Flair verleihen – zwei Bücher, die Fertigkeiten vermitteln, die nicht mehr selbstverständlich sind und gerade dadurch zu einem wunderbaren Geschenk für jene werden, die sich von Nostalgie in ihrer modernen Anpassung bereitwillig verführen lassen möchten. Die jeweils sehr handlichen Ausführungen sind ideal für den Alltag, bestimmt werden sie oft benutzt werden!

Titelangaben:

DUDEN: Ich schreib dir einen Brief. Alles rund ums Briefeschreiben.

Berlin: Duden Verlag, 2018. 16 Seiten + Kartensets. 9,99 €.

Christiane Wegner: Flechtfrisuren schnellgemacht.

Münster: LV-Buch, 2019. 192 Seiten. 18 €.