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Usha Lad und Dr. Vasant Lad: Das Kochbuch des Ayurveda. Selbstheilung durch die ayurvedische

Küche

Speisekarte einer anderen Kultur

Usha Lad, ihres Zeichens Krankenschwester, begeisterte Köchin und Ehefrau des Arztes Dr. Vasant Lad, präsentiert gemeinsam mit ihrem Ehemann Das Kochbuch des Ayurveda. Selbstheilung durch die ayurvedische Küche. Wer mag, darf es als interessantes Kochbuch benutzen, aber es ist natürlich mehr als das. Basierend auf der Lehre des Ayurveda erhält man die Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit und die dazu gehörenden Ernährungsgewohnheiten zu analysieren und zu ändern.

Eine solche Analyse ist natürlich nur möglich, wenn zuerst die persönliche Konstitution festgelegt wird. Der Ayurveda kennt drei Elemente, Vata, Pitta und Kapha, die sich in jedem Menschen auf unterschiedliche Art mischen, wobei immer ein Element überwiegt. Es wird davon ausgegangen dass, je nachdem welcher Typ ein Mensch ist (Vata=Luft, Pitta= Feuer, Kapha=Erde), auch seine Ernährung eine andere sein muss, um Körper und Geist generell gesund zu halten.

Experiment mit dem eigenen Körper

Je nachdem, ob man sich auf diese Lehre einlassen möchte, erhält man ein Kochbuch oder ein Therapiebuch. Denn die unterschiedlichen Elemente sind verantwortlich für unterschiedliche Charaktereigenschaften, die sich in der körperlichen Konstitution niederschlagen. Der Ayurveda versucht nun, die Konstitution in einem Gleichgewicht zu halten. Ein Mensch, bei dem das Feuerelement sehr stark ist, sollte demnach weniger Nahrungsmittel zu sich nehmen, die das Feuer noch mehr anfachen und statt dessen lieber ausgleichende Elemente wie z.B. Erde (feucht) zu sich nehmen.

Wer mag, stellt sein Leben um. Plötzlich fallen Äpfel aus dem Speiseplan, dafür rutscht Grießbrei hinein. Die Lads stellen eine Liste mit Lebensmittelkombinationen zusammen, denn auch die Lebensmittel sind von den drei Doshas geprägt und passen mitunter nur schlecht zusammen. Erstaunlicherweise verträgt sich offensichtlich Obst mit nur wenigem, was eine gefüllte Gans zu Weihnachten in weite Ferne rücken lässt. Die Umstellung erfolgt konsequent und vollständig, was auch der Grund ist, weshalb ich sie nicht vollzogen habe. Zu viele Menschen in diesem Haus, die das nicht mittragen würden.

Körper, Geist und Darm

In der Lehre des Ayurveda kommt dem Verdauungstrakt eine maßgebliche Funktion zu. Das Verdauungsfeuer, Agni, muss am Leben erhalten werden, um ein gesundes und ausgeglichenes Dasein zu ermöglichen. Alles, was darmreizend ist, wird erst einmal ausgespart. Dafür geben die Lads umso mehr Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise, je nach Konstitution. Diese schließen körperliche Aktivitäten genauso ein wie sexuelle Betätigung. Man sollte also willens sein, ein gut Teil der Selbstbestimmung aufzugeben.

Um schließlich kochen zu können, geben die Lads einen Überblick über die Vorratshaltung in der ayurvedischen Küche, einschließlich einer Menüplanung, die sich an den Verlauf der Jahreszeiten anlehnt. Endlich wird dann gekocht. Hier gebührt den Lads großes Lob. Denn auch für diejenigen, die nicht ihr Leben gemäß der ayurvedischen Lehre umstellen möchten, bieten sie Interessierten einen tollen Überblick über eine wundervolle Art, zu kochen.

Reise durch das Universum der Gewürze

Die Rezepte selbst sind jeweils kurz und bündig beschrieben, schöne Bilder zeigen, was nach dem Kochen auf dem Tisch stehen sollte. Es wird traditionell gekocht und für Landeier wie mich ergibt sich sofort die Frage nach den Bezugsquellen für die Zutaten. Hier bietet der Verlag Abhilfe für alle, die keinen Asialaden vor der Haustüre haben. Der Narayana – Verlag vertreibt einige der erforderlichen Gewürze selbst. Aber es gibt auch immer wieder Rezepte, wie z.B. eine Tomatensuppe, wo fast alle Zutaten leicht zu bekommen sind. Ein Naturkostladen wird helfen.

Auch einige Reisgerichte und der Chaitee sind leicht aus dem Vorrat herzustellen, so dass jeder, der mag, auch erst einmal in eine andere Welt des Kochens hineinschnuppern darf, bevor er sich zu weitergehenden Schritten entschließt. Gerade für Vegetarier finde ich diese Art des Kochens interessant, in keinem einzigen Gericht wird Fleisch benutzt, andere Tierprodukte hingegen schon. Dafür finde ich, dass mit sehr viel Stärke gekocht wird, seien es Mehle oder Kartoffeln oder Hülsenfrüchte. Der Mensch will nunmal satt werden.

Liebe zum Kochen und zur Konsequenz

Ganz klar richtet sich dieses Kochbuch am ehesten an Menschen, die der indischen Mythologie und dem Ayurveda an sich bereits nahestehen. Für sie ist es auch ein hilfreiches Kompendium mit verständlichem Glossar, abwechslungsreichen Rezepten und einer guten Einführung. Für solche, die nur mal indisch essen wollen, ist es als Buch zu umfangreich. Für alle, die sich abwechslungsreich und fleischlos ernähren wollen, ist es eine klare Alternative zu anderen vegetarischen Kochbüchern. Für Mamas mit vier Kindern aus Niederbayern, die so gerne Schweinebraten essen und Apfelstrudel, ist es – ähem – eher nichts.

Titelangaben:

Usha Lad und Dr. Vasant Lad: Das Kochbuch des Ayurveda. Selbstheilung durch die ayurvedische

Küche

Aus dem Englische von Samira Goth.

Kandern: Narayana Verlag, 2015. 288 Seiten, 29 EUR.

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