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Barbara Baumann, Qsi Gisler (Fotos): Neues aus alten Zeitungen. 60 Projekte für spielerisches Recycling.

 

Nichts ist wertvoller als die Zeitung von gestern

 

Ich stelle voran, dass ich eine große Verehrerin von Barbara Baumann bin. Schon ihr Buch über Papierschmuck hat mich geflasht. Nun macht sie auch noch Neues aus alten Zeitungen. Das ist sozusagen ein logischer Schritt, den der Haupt – Verlag gewohnt professionell und ästhetisch in Buchform gebracht hat. Ihre 60 Projekte für spielerisches Recycling werde ich nicht mal ins Bücherregal einstellen. Ich platziere das Buch besser gleich auf meinem Werkeltisch.

 

Man weiß gar nicht so recht, wo man mit dem Lob anfangen soll. Vielleicht am besten damit, dass sie sich auch noch verbal kurz fasst und so ihr Werk sprechen lässt. Alles, was sie zeigt, ist einigermaßen unaufwendig nachahmbar. Es wird nach einem kurzen einführenden Vorwort und etwas Begriffserklärung sofort losgearbeitet. Kopieren und schneiden stehen an vorderster Stelle und was Barbara Baumann mit den Kopien macht ist so einfach wie wirkungsvoll.

 

Warhol? Baumann!

Zeitungsausschnitte werden mehrfach kopiert und à la Warhol mit Stiften oder Pinsel unterschiedlich koloriert. Auf Karten und Umschlägen entstehen so reizvolle Grafiken. Größer kopiert, können Zeitungsgrafiken dank Transferfolie auch T-shirts und Taschen zieren. Nichts für meine anhaltende monochrome Phase, aber zum Beispiel für Kinder sehr süß. Bemalt oder bedruckt man Zeitungspapier großflächig, erhält man wunderschönes Geschenkpapier.

 

Auch Kunstwerke für Zuhause werden gefertigt. Schon mal Zeitungsbilder teilweise mit Deckweiß übermalt? Es entstehen interessante Farbwirkungen, die Fotos wirken sehr verfremdet. Zerknittert und zerknüllt lassen sich Objekte zaubern, die der Vergänglichkeit huldigen – von Sichtschutz über Kränze bis hin zu Bällen und Perlen. Gebündelt werden aus Zeitungen bequeme Hocker und meine Kinder stanzen Konfetti aus Prospekten.

 

Flechtwerk

Auch geflochten sind Zeitungspapiere schön, Schriften verändern sich, das Papier wird stabiler und aus geflochtenem oder genähtem Zeitungspapier lassen sich faszinierende Patchworkarbeiten herstellen. Toll finde ich auch den Schlüsselanhänger aus Zeitung, ich stelle mir vor, ich könnte auch einen Gürtel nach dem gleichen Prinzip arbeiten. Baumann hat nach der gleichen Technik auch ein Etui gemacht, es sieht sehr schlicht und schön aus.

 

Selbst gehäkelt und gestrickt wird mit Zeitung. Ich habe es schon ausprobiert. Baumann lässt einfach ein paar Zeitungsseiten durch den Reißwolf wandern und näht die dünnen Streifen dann mit farbigem Garn im Zickzackstich zusammen. Damit wird gearbeitet. So werden Ketten, Bilder und Objekte gehandarbeitet. Aus Papierschnur wird gewebt, mit Zeitungspapierrollen werden dreidimensionale Objekte gebaut und schließlich, bevor der Kopf zu rauchen beginnt, wird es gegen Ende des Buches noch einmal einfach.

 

Nutzbar

Wem es zwischendurch zu künstlerisch war, wird sich freuen, wenn am Ende des Buches einfach nur gefaltet und unterfüttert wird. So entstehen wieder schöne Karten, Briefkuverts, aber auch in Kaschiertechnik gefertigte Schalen und – dank Decoupagelack – verzierte Boxen und Möbel. Wer mag, darf auch schöpfen und Modellieren, es scheinen der Möglichkeiten und der Fantasie keine Grenzen gesetzt zu sein. Gerade weil es so vielseitig ist, ist Baumanns Buch so schön zum selber haben und weil Qsi Gisler so toll fotografiert hat, ist es auch ein wunderbares Buch zum Weiterschenken.

Titelangaben:

Barbara Baumann, Qsi Gisler (Fotos): Neues aus alten Zeitungen. 60 Projekte für spielerisches Recycling.

Bern: Haupt Verlag, 2014. 176 Seiten. 24,90 EUR.

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