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Ulrike Münch: Das Ornament. Auf den Spuren der Macht I

 

 

Spannung in der Schule

 

 

Ulrike Münch hat beim Narayana Verlag ihr Erstlingswerk vorgelegt: Das Ornament. Auf den Spuren der Macht I ist der Beginn einer Reihe fantastischer Abenteuer. Es empfiehlt sich, als Erwachsener bereits gelesene Fantasyromane zur Seite zu legen und nicht zu vergleichen. Denn auch hier kommt ein Fantasyroman für Kinder und obwohl vieles dem traditionellen Klischee folgt, sorgen unerwartete Wendungen für Spannung und Freude beim Lesen.

 

Zugegeben, ich bin Tolkien-Leserin und als solche verwöhnt vom Sprachduktus eines Linguisten. So brauchte ich ein bisschen Zeit, mich daran zu gewöhnen, ein dickes Buch nicht mit Erwachsenen- sondern Kinderaugen zu lesen. Sprachlich nämlich lässt dieser Roman zu wünschen übrig, doch das war auch seinerzeit meine Begründung Harry Potter nicht zu lesen. Die Geschichte selbst ist einfach gestrickt, aber schlüssig und birgt doch ein paar Überraschungen.

 

Klassischer Kampf zwischen Gut und Böse

 

Klar, dass die Protagonisten typische Antihelden sind. Spätestens seit Bastian Balthasar Bux wissen wir, dass wahre Größe nicht im Äußeren liegt. Lukas und Moppel sind Freunde, ersterer ein schmächtiger Asthmatiker, letzterer ein übergewichtiger Kumpeltyp. Sie erfüllen damit alle Klischees und das stört mich ein wenig, macht es den Plot doch vorhersehbar. Lukas ist in den Besitz eines rätselhaften Lederbeutels und eines Pergaments gekommen. Doch woher stammen die Schätze?

 

Gut finde ich, dass beide Buben zwar in klischeehaften, doch funktionierenden Familien leben. Es müssen nicht immer alle Helden Waisen sein. Außerdem ergibt sich daraus ein schönes Spannungsverhältnis zwischen Familien- und Schulalltag auf der einen und den Abenteuern einer fantastischen Welt auf der anderen Seite. Lukas und Moppel würden gerne die Geheimnisse des Lederbeutels lüften. Dabei hilft ihnen Lukas‘ schrullige Tante Muriel, die ein Zwischending aus Hexe und Zauberin ist, aber im Moment etwas zurückgezogen in der Realität lebt. Sie übergibt Lukas ein geheimnisvolles altes Buch und stirbt daraufhin praktischerweise.

 

Stellenweise langatmig

 

Das Lesetempo im Buch ist sehr unterschiedlich. Ich fand es etwas mühsam, bis zu dem Punkt vorzudringen, an dem die Abenteuer endlich beginnen. Es dauert, bis Lukas und Moppel die alte Schrift enträtselt haben und Münch ergeht sich in Andeutungen über einen bösen verschrobenen Schulrektor, einen liebevollen Geschichtslehrer und einen seltsamen Busfahrer. Man möchte der Autorin stellenweise die Tastatur aus der Hand nehmen und weiterschreiben.

 

Doch als dann die Abenteuer beginnen, stürzen die Jungs Hals über Kopf ins Unbekannte. Sie werden jedesmal neu ins Buch hineingezogen, um an unterschiedlichen Orten Abenteuer zu bestehen und Bruchstücke eines Ornaments aufzusammeln, das dem Eigentümer grenzenlose Macht und Reichtum beschert. Klar, dass auch dunkle Gestalten hinter dem Ornament her sind, das dürfen Lukas und Moppel bald und schmerzhaft erfahren. Immer wieder aber helfen verkleidete Zauberer und Krieger den Jungen aus der Bredouille.

 

Atemberaubend am Schluss

 

Was am Anfang zu langatmig schien, erhält gegen Ende ein atemberaubendes Tempo. Natürlich ist der verschrobene Schulrektor der böse Gegenspieler der Jungs, doch welche Rolle spielt der Geschichtslehrer? Der Busfahrer jedenfalls entpuppt sich mehrmals als Retter in der Not und im letzten Kampf treffen Lukas und Moppel sogar eine wunderschöne, verjüngte Tante Muriel wieder, die als Tochter eines großen weisen Zauberers, der Lukas öfter im Traum erscheint, den Kampf gegen das Böse anführt.

 

Das Böse entpuppt sich als letztendlich entfesselter Dämon, dessen Jünger, der Rektor, mittels des Ornaments gerne alle Macht an sich reißen möchte. Gut, dass Lukas ganz am Schluss das Ornament zerstören kann. Doch was nun? Der Dämon wird von seinen Jüngern an einem geheimen Ort aufgepeppelt, Lukas und Moppel reisen zurück in die Gegenwart und die Geschichte scheint beendet. Doch ein kurzer Ausblick auf einen zweiten Teil gibt mir Rätsel auf. Wie will Ulrike Münch das bloß schaffen, hier anzuknüpfen? Es sind solche unerwarteten Wendungen und darüberhinaus die durchgehend kindgerechte Aufbereitung, die Münchs Roman lesenswert machen, auch wenn es schon so viele Fantasyromane für Kinder gibt.

 

Titelangaben:

Ulrike Münch: Das Ornament. Auf den Spuren der Macht I

Kandern: Unimedica im Narayana Verlag, 2014. 344 Seiten. 17,50 EUR.

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