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Christopher Stuart: DIY – Möbel 2. Noch mehr verrückte Projekte.

 

 

Kunst am Bau selbstgemacht

 

Man sieht schon, wohin die Reise bei mir geht. Haus gekauft und nun muss alles selbst gemacht werden. Ich hoffe zwar nicht, dass ich ein fressendes Haus habe, aber noch habe ich Zeit und Energie, um mich diesem Hausprojekt voll und ganz zu widmen. Eins ist klar: sobald wir die Räume fertig renoviert haben, wollen sie eingerichtet sein. Und zwar möglichst günstig und originell. Kein Wunder also, dass mir DIY- Möbel 2 von Christopher Stuart (erschienen im Haupt – Verlag) sofort ins Auge stach.

 

Es ist auf den ersten Blick schon mal alles drin, was ich brauche: Regale und Schränke, Tische, Sitzmöbel, Lampen, Schlafzimmermöbel, Gartenmöbel und die obligatorisch nichtssagende Rubrik Verschiedenes. Christopher Stuart fungiert sowohl als Herausgeber wie auch als Designer und man darf es seinem Geschmack danken, dass trotz so vieler unterschiedlicher Persönlichkeiten das Buch aus einem Guss ist.

 

Tolle Einzelstücke

 

Stuarts Prinzip, in jedem Kapitel einzelne Designer mit ihren Entwürfen vor zu stellen, hat den eindeutigen Nachteil, dass es schwierig ist, Systeme daraus zu entwickeln. Schließlich habe ich ein Wohnzimmer mit massenhaft vielen Büchern einzurichten. Der Vorteil ist, dass man sicher sein kann, ästhetisch beeindruckende Einzelstücke anzufertigen, die jeweils einen Ehrenplatz an einer Wand haben sollten. Die meisten Möbel sind daher auch holzfarben gehalten, das hebt sich schön ab von Weiß und Beton und sieht gerade in großen Wohnungen bestimmt toll aus. Fast alle Designer haben ihre Stücke im Industrielook fotografiert, so dass sie sehr stylisch sind, aber auch ein ganz bestimmtes Publikum ansprechen.

 

Ich denke, wäre ich Mitte zwanzig, solo und eine bekannte Theaterregisseurin in Berlin, dann wäre das genau der Stilmix, den ich brauchen könnte. So bin ich Ende dreissig, verheiratet mit vier Kindern auf dem Land und ich brauche Möbel, in die viel rein geht, die man gut abschließen kann (für einen Schein von Ordnung) und die robust sind, rabaukensicher. Das tut der Ästhetik zwar keinen Abbruch, der individuellen Nutzbarkeit aber sehr wohl. Dafür freue ich mich an exakten, übersichtlichen und einfachen Bauplänen, die ich alle nutzen könnte, wenn ich wollte.

 

Ästhetik des Rohmaterials

 

Was mir sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass die meisten Designer auf überflüssigen Schnickschnack verzichten und das Material, das sie benutzen, immer sehr offen leben lassen. Das kommt besonders deutlich zum Ausdruck, wenn Dominik Hehl einen großen, robusten Tisch aus gelbem Bauholz mit Metallprofil arbeitet, oder wenn Noccolò Spirito Kunststoffrohre zu Tischen und Stühlen umgestaltet. Es ist eine Mischung aus Upcycling und Industriedesign, die auch vor Beistelltischen aus Pizzablechen und Wandschienen aus Tischbeinen nicht Halt macht.

 

Wenn Rohmaterialien auf Handwerkskunst treffen, wird es für mich besonders interessant. Deshalb gefällt mir auch der Makraméehängestuhl aus Holz- und Kupferrohren und Baumwollgarn besonders gut. Es könnte sehr gut sein, dass ich in spätestens zwei Jahren (denn wir wollen realistisch bleiben) selbst darin schaukle. Dagegen sind Möbel aus geschmolzenem Plastik oder Patschworkdecken aus Umzugsdecken für mich eher ein politisches Signal als bequeme und schöne Möbelstücke.

 

Erleuchtete Momente

 

Naturgemäß finde ich das Lampenkapitel toll. Wir haben uns fest vorgenommen, nur noch LED – Leuchtmittel zu verwenden und die dadurch höheren Kosten kompensieren wir gerne mit Lampen Marke Eigenbau. Am liebsten mag ich die Mokka Light von 45 Kilo, eine Lampe die mit Passepartout Karton, Aluminium Klebeband und Kupferrohr elegant über die Decke pendelt und für unser Wohnzimmer eine perfekte Leselampe wäre.

 

Eine andere Erleuchtung war für mich der stumme Diener aus Metallrohren und Dreiweg-Verbindungsstücken. Hier können unsere Hosen und Blusen über Nacht perfekt auslüften und -ruhen. Dagegen brauche ich einfach Christopher Stuarts Schlafzimmermöbel nicht, wenn ich sie auch durchaus schick finde – vor allem die Kommode mit Glasaufsatz. Auch Betten und Kleiderschränke brauche ich nicht und ich finde auch die vorgestellten Modelle nur bedingt alltagstauglich.

 

Schönes Design für drinnen und draußen

 

Angenehm war auch, zu sehen, dass alle Lebensbereiche bedacht wurden. Für meinen Garten gefiel mir die Outdoor – Küche (so etwas wünsche ich mir schon lange) und die diversen Rankgitter und Sitzmöbel. Hier endet für mich das Buch, wenn auch noch Vermischtes zu begutachten wäre. Aber die Kerzenständer aus Zement oder Zementbuchstützen brauche ich im Moment einfach nicht. Dafür vielleicht Ihr? Mir haben Stuarts DIY – Möbel 2 gut gefallen, etwas handwerkliches Geschick ist bestimmt von Vorteil, aber ansonsten sieht wirklich alles stylisch und vor allem machbar aus. An die Werkbänke also!

 

Titelangaben:

Christopher Stuart: DIY – Möbel 2. Noch mehr verrückte Projekte.

Aus dem Englischen von Lina Feske.

Bern: Haupt – Verlag 2014. 144 Seiten. 24,90 EUR.

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