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Sarah Whittle: Nadel und Faden. Das Handbuch der Stiche und Nadelarbeiten

 

 

 

Verstickt und Zugenäht

Sarah Whittle hat ein Buch über Stick- und Nähstiche veröffentlicht. Nadel und Faden ist ein Versuch, ein umfassendes Kompendium darüber herauszugeben, was unsereiner völlig dilettantisch an Wochenenden zu verbrechen versucht, kaum dass Sticktwist und Stickstoff einer Kiste entfliehen. Endlich kann ich wissen, was ich da mache.

Dem Hauptverlag ist mit diesem Handbuch ein wahres Schmuckstück gelungen. Ich weiß, ich hab das dieses Jahr schon öfter geschrieben – ich sterbe nun einmal für gelungenes Design und ein durchdachtes Konzept. Bis jetzt habe ich mich hauptsächlich an Kreuzstichprojekte gewagt – der Einband von Sarah Whittles Nadel und Faden erinnert mich stark an die rot-weiß bestickten Mustertücher, die in all den Bauernstuben meiner Heimat hingen. Meine Mutter hat auch so eines gestickt – in blau-weiß. Kindheitserinnerungen also.

Vollumfassend informiert

Wären es nur nostalgische Erinnerungen, die ich mit diesem Buch verbinde, wäre es wohl kaum des Lesens wert. Vielmehr mag ich auch das ganze Konzept. Sarah Whittle hat ihr Kompendium zweigeteilt: ein erster Teil betrachtet Sticktechniken im Allgemeinen und ein zweiter Teil ist den einzelnen Stichen gewidmet. Ein einfaches Prinzip, das mir Information und Anleitung zur Umsetzung gleichzeitig bietet. Möchte ich zum Beispiel etwas über fadenungebundene Stickerei erfahren, erhalte ich eine kurze Einführung und dann eine detaillierte Beschreibung der Techniken, wie z.B. freies Sticken, Crewelstickerei, Goldstickerei etc. Geschichte und Verbreitung werden dabei ebenso erwähnt wie Arbeitsmaterialien und die passenden Stiche, die bei dieser Technik benutzt werden.

Das wirklich geniale bei Nadel und Faden ist, dass die entsprechenden Stiche für jede Technik mit Seitenzahlangabe gelistet sind, so dass der Anleitung Schritt für Schritt gefolgt werden kann . Für den Fall der Goldstickerei würde ich mir vielleicht den Klosterstich aussuchen, dann nachschlagen im Anleitungsteil und dort endlich erfahren, was ich tun soll. Sarah Whittle erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dennoch hat man das Gefühl, sich mit dem »Who’s Who« der Stickstiche zu befassen. Wer allerdings Muster zum Nachsticken sucht, wird enttäuscht werden: Sarah Whittle wendet sich ausdrücklich an Nadelkünstler und solche, die es werden wollen. Es ist fast schade, dass ich nicht mehr über das Buch sagen kann, doch Sarah Whittle hat ein Nachschlagewerk verfasst und keinen hübschen Teetischschmöker. Gott sei Dank!

Titelangaben:

Sarah Whittle: Nadel und Faden. Das Handbuch der Stiche und Nadelarbeiten.

Aus dem Englischen von Eva Korte.

Bern: Haupt Verlag 2013. 240 Seiten. 39.90 EUR.

 

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