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Cosa Kitchen: Mit Essen spielt man nicht. Ein Bastelkochbuch

 

 

 

 

Kochkunst

Corinna Babylon und Sarah Humeniuk alias Cosa Kitchen haben ein Kochbuch geschrieben. Aber zwei Kommunikationsdesignerinnen aus Berlin wären nicht ihres Berufes würdig, wenn sie nicht in der Küche genau so kreativ zugange wären, wie ihr Berufsethos es ihnen vorgaukelt. Und weil Kreativität etwas Besonderes ist und meine Mutter mir immer sagte, Mit Essen spielt man nicht, ist Ein Bastelkochbuch auf jeden Fall einen Blick wert.

Cosa Kitchen macht mit dem Essen das, was ich als Kind niemals hätte machen dürfen. Basteln, spielen, gestalten, verändern. Die Rezepte bleiben dabei mehr als einfach. Es werden Figuren und Schiffchen aus Gemüse gestaltet. Sie schwimmen in Gemüsesuppen, mutieren zusammen mit Wiener Würstchen und Spaghetti zu kuriosen Tellerbewohnern und verwandeln den Küchentisch in eine Erlebniswelt. Die Methoden, derer sich Cosa Kitchen bedienen, bleiben leicht nach zu machen, so dass jeder, der möchte, sich Besteckflossen zum Mittagessen basteln kann, die mit Schiffshütchen, Mondlampen und Strohhalmmonstern den tristen Alltag aufpeppen.

Kuchen in allen möglichen Formen

Natürlich gibt es auch etwas, das Kinder wirklich mögen: Kuchen nämlich. Mit Gemüse ist es so eine Sache. Schiffchen und Püppchen ja, das Ganze essen: Nein! Aber Kuchen, der geht immer. Zum Beispiel in Zitrusfrüchten, in Eiswaffeln, leeren Walnussschalen, in Blumentöpfen, an Kaffeetassen, in Gläsern, Löffeln oder in Eierschalen. Man kann ihn auch färben, mit Lebensmittelfarben. Die Rezepte gibt es in einem Extrateil und sie sind alle einfach und leicht nachzuarbeiten. So einfach sogar, dass sie unnötig sind, denn Rezepte für einen Rühr- Nudel- oder Hefeteig gibt es unzählige.

Das ist auch meine große Kritik am Bastelkochbuch und gleichzeitig auch der große Vorteil für diejenigen, die ohne viel Aufwand die Ideen nachkochen möchten. Es geht alles einfach und es braucht nur Zeit, die kreativen Projekte selbst zubereiten zu können. Kinderhände sind gefragt und auch der Ideenreichtum der kleinen Köpfe. Aber – mal ehrlich: wann haben Mamas Zeit, derart viel Energie in die Zubereitung von Pasta, Brot und Kuchen zu stecken? Ich schaue mir die Fotos gerne an und jedesmal denke ich: so viel Zeit, so viel Aufwand.

Eine Prise Upcycling

Natürlich gefällt mir da schon eher die Idee, aus alten Straßenkarten Schiffchen zu basteln, auch die Trinkbecher aus aufgeschnittenen Tetrapaks finde ich wunderbar. Auch die Geisterhemden haben Charme und die Etagere aus Bechern und Papptellern. Andere Gestaltungstipps sind für mich eher weniger interessant, ich werde keinen Schminktisch aus Pappe für meine Mädchen bauen und wahrscheinlich auch nicht mein Sonntagsporzellan mit Papierborten bekleben. Die Idee, dass ich alte Dosen verzieren und umgestalten könne, hatte ich schon lange.

Cosa Kitchen fädelt aus Süßigkeiten Schmuck, das wird meinen Mädchen gefallen, genauso wie die Kakteen aus Gurken, die mit Zuckerfrüchten gespickt werden – sie sehen verblüffend echt und doch zum anbeißen aus. Die Fruchtspieße sehen hübsch aus, aber wieder tut es mir leid um die Überbleibsel, die gleich gegessen werden sollten oder in den Müll wandern. Selbstverständlich sind auch Masken und Lollies aus Brotteig für die Kinder toll, aber wie gerne werden sie gegessen? Lieber als Brot? Vor allem dann, wenn feststeht, dass es trotz alledem nur Brot ist?

Ich bin mir nicht sicher, ob Cosa Kitchen ein Buch geschrieben haben, das ich mag. Mir imponieren die große Kreativität und der Einfallsreichtum sehr, aber eigentlich habe ich viel mehr von meiner Mutter in mir, als mir manchmal bewusst ist. Unabhängig davon, dass jeder gerne seine Ideen und Experimente ausführen darf, wie es beliebt, merke ich, dass ich mit meinem Essen nicht spielen möchte. Jeden Tag stehe ich lange in der Küche. Ich backe unser Brot, mache Butter und Kuchen selbst und verbringe viel Zeit damit, meine Familie zu ernähren. Für mich ist das kein Spiel.

Titelangaben:

Cosa Kitchen: Mit Essen spielt man nicht. Ein Bastelkochbuch.

Igling: Edition Fischer Verlag 2013. 142 Seiten. 14,90 EUR.

 

 

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