Neu Gelesen

Claudio Del Principe: A Casa. Gut kochen. Besser essen. Jeden Tag.

Leila Lindholm: Meine Rezepte für die ganze Familie.

Joanna Gaines: Magnolia Table.

Gemeinsam sind wir unterschiedlich

 

Es ist unheimlich, in diesen Tagen Rezensionen für Kochbücher zu schreiben. Allen, die mich für wahnsinnig halten, kann ich begegnen: Es ist wahnsinnig. Die Welt fliegt uns um die Ohren. Und ich sollte nicht schreiben müssen, was ich nun sage. Dass die Welt, wie wir sie kennen, schon lange nicht mehr existiert. Dass in diesem Szenario ein Virus nur ein Teil ist. Klimawandel und Globalisierung sind ein weiterer Teil. Deshalb schreiben Autoren wie Claudio Del Principe, Leila Lindholm und Joanna Gaines Bücher vom idyllischen Leben mit Selbstgekochten. Deshalb verschlingen wir Leser Bücher wie A Casa, Meine Rezepte für die ganze Familie oder Magnolia Table.

Wir verstehen die Welt nicht mehr. Alle sind hilflos. Es ist die Umkehrung aller Werte. Schon verrückt, wie bewusst uns plötzlich wird, welch beeindruckende Arbeit VerkäuferInnen, KrankenpflegerInnen, Ärzte und Ärztinnen und ZustellerInnen leisten. Schämen wir uns ruhig. Vergessene Berufe gelangen neu ins Bewusstsein. Die Leistung dieser Menschen ist unglaublich. Nichts passt mehr, Wohlstand und Reichtum wirken obszön.

Sehnsucht nach dem Guten

Es ist die Sehnsucht nach dem Glück der Kindheit, verbunden mit Geschmäckern, Düften und Gerüchen, die Menschen immer wieder in die Küche treibt. Liebe geht durch den Magen, auch die Selbstliebe. Das ungewöhnlichste der drei Kochbücher ist jenes von Claudio Del Principe, einem Schweizer Blogger mit einer ungebrochenen Leidenschaft für gutes Essen, der seinen Blog in Buchform herausgegeben hat.

 

Darin geht es um eben jenes gute Essen, das Zeit und Weile und Zuwendung braucht, dann aber auch unschlagbar gut schmeckt. Er hütet seine Mutterhefe wie ein neugeborenes Baby, wenn er Pasta macht, gerät er in Verzückung. Es sind nicht einmal die Rezepte, die das Lesevergnügen bestimmen, sondern die unverkennbare Leidenschaft für gutes Essen, die aus jeder Buchseite spricht. Claudio Del Principe ist ein Glückspilz, er kann seine Leidenschaft zum Beruf machen und sich jede Zeit der Welt dafür nehmen. Wir anderen sollten uns von diesem Glück waghalsig etwas stehlen.

Gutes für alle

Leila Lindholm hat wie Claudio Del Principe zwei Kinder. Wie er möchte sie für ihre Familie gut kochen. Dabei passt sie sich viel mehr dem aktuellen Lifestyle an. Sie hat damit ein eher klassisches Kochbuch verfasst, dass mit seinen schönen Bildern vom Bullerbü Leben der Familie verführt. Das Tolle am Buch: Kleine Fähnchen kennzeichnen die Rezepte, falls sie glutenfrei, laktosefrei, vegetarisch, ohne Nüsse oder vegan etc. sind.

Damit findet jeder, was ihm schmeckt. Gerade in großen Familien geht es oft genau darum. Selten habe ich Tage, an denen ich etwas koche, das allen schmeckt. Typischerweise habe ich in meiner Familie eine Vegetarierin, einen Karnivoren, eine Laktoseintolerante, einen, der nichts Süßes mag und so weiter.  Meistens gibt es so eine Art Modulessen, die Reste der Vortage bilden mit Frischgekochtem ein buntes Buffet an Leckereien. Dank Lindholm kann ich jetzt glutenfreie Bananenpfannkuchen, Chia – Knuspermüslis, Scones und selbstgemachten Mandelaufstrich zum Frühstück kredenzen.

Küstenessen

Gefühlt gibt es viel Fisch bei Leila Lindholm, eine Spezialität, die ich aus Bayern außerhalb der Forelle kaum kenne. Gut für alle, die in Küstennähe wohnen! Aber auch viele Thai- und Vietnamesische Gerichte mit und ohne Fleisch erinnern daran, dass auch Kinder gerne trendig essen. Lindholm macht weniger selbst als Claudio Del Principe, aber auch bei ihr wird fast alles von Hand gekocht. Das gefällt mir gut, ich bin der festen Überzeugung, dass jedes selbst gekochte Essen noch einmal besser schmeckt.

Dabei scheut sie nicht vor außergewöhnlichen Rezepten, wie z.B. Wassermelonenpizza oder Carpaccio von roten Beten zurück. Zwischendurch plaudert sie aus dem Nähkästchen und betont, wie wichtig es ist, dass Biolebensmittel gekauft werden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass dies schon fast reflexhaft geschieht, vor allem vor Fleisch- und Fischgerichten. Dabei muss sie sich nicht dafür entschuldigen, dass sie kein rein vegetarisches Kochbuch geschrieben hat.

South American Life Style

Joanna Gaines, die mit ihrem Mann Chip das Lifestyle Restaurant Magnolia in Waco, Texas betreibt, teilt in diesem Kochbuch Lieblingsrezepte ihrer Großfamilie. Der Riesenvorteil an den Rezepten ist natürlich, dass sie alle nicht nur großfamilientauglich sind, sondern meisten, wie Scones, Tacos oder Burger, auch beliebt. Mich alte Selbermacherin stört tatsächlich, dass Gaines dabei oft auf Fertigteige oder Fertigsaucen zurückgreift. Ich weiß, dass Brotbacken in den Vereinigten Staaten keine große Tradition hat, aber Pizza….

 

Dafür habe ich endlich ein Rezept für grüne Tomaten. Wer wie ich das Buch  in den 90ern gelesen hat, wird begeistert sein. Das Kochbuch strotzt vor Rezepten aus dem amerikanischen Süden, gespickt mit asiatischen Einschlägen. Ein Meltingpot, wie er im Buche steht. Nicht immer habe ich Chancen, an alle Zutaten zu gelangen, z.B. an die „Himbeer-Chipotle-Sauce“, was immer das auch sein mag. Dafür gibt es gerade im Dessert -Teil viele Rezepte mit Hand und Fuß, die um Nachahmung flehen. Fudge- Sauce, Schokoladen-Cola -Kuchen (die Traumkombi meiner Jungs) und Brotpudding sind schon gesetzt. Guten Appetit!

 

Titelangaben:

Claudio Del Principe: A Casa. Gut kochen. Besser essen. Jeden Tag.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 320 Seiten, 39,90€.

Leila Lindholm: Meine Rezepte für die ganze Familie.

Köln: Fackelträger Verlag, 2016. 240 Seiten, 9, 99€.

Joanna Gaines: Magnolia Table.

Kandern: Unimedica Verlag, 2019. 344 Seiten. 29,90€.

 

 

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