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Katrin Hartig: Seelenküsse. Yoga für Körper und Geist.

Zuviel des Guten

Katrin Hartig hat mit Seelenküsse. Yoga für Körper und Geist eines der zahlreichen Yogabücher der letzten Jahre herausgegeben. Bereits in der Einleitung versucht sie zu erklären, weshalb gerade ihr Yogabuch anders und notwendig ist. Um es kurz zu machen: Es gelingt ihr nicht. Hartigs Yogatrainer ist ein nettes und hübsches Buch, aber leider absolut nicht notwendig. Es scheint auf einer großen Welle mit schwimmen zu wollen. Hoffentlich wird es keine Bauchlandung.

Schon Hartigs Begründungen, weshalb dieses Buch wichtig ist, lassen mich ratlos im Wohnzimmer zurück. Sie habe bewusst auf die Originalsprache Sanskrit verzichtet, schreibt sie. Oh, vielen Dank. Denn ich spreche nicht fließend Sanskrit und ich möchte bitte sehr gerne haben, dass ein Buch, das ich zur Rezension erhalte, in einer mir verständlichen Sprache geschrieben ist. Auch der Verzicht auf komplizierte Bewegungsabläufe ist für mich kein Alleinstellungsmerkmal. Oje. Kein guter Anfang.

Ästhetische Aufmachung

Die guten Sachen zuerst. Hartigs Seelenküsse. Yoga für Körper und Geist ist ein hübsch gestaltetes Buch, in dem sich nicht nur die einzelnen Yogapositionen befinden, sondern auch jeweils Anekdoten und Wissenswertes rund um die jeweilige Figur. Wer mag, kriegt noch ein Mantra zum Singen und Beten oder ein Mudra für die Finger, um die jeweilige Yogafigur zu unterstützen. Das ist freundlich und schön, bedeutet aber auch sehr viele Worte für ein Buch, das eigentlich alles unkompliziert machen wollte.

Nachdem ich in den letzten Jahren viele Yogabücher rezensiert habe, finde ich mir hier einfach nichts Neues. Das ist mein Hauptproblem. Wenn ich aber eine interessierte Freundin hätte, die noch nie Kontakt zu irgendeinem Yogabuch hatte, wäre dieses hier vielleicht gar nicht so schlecht. Die stabile Ringbuchbindung sorgt dafür, dass der Trainer auch wirklich einsatzbereit ist und die aufgeschlagenen Seiten in der jeweiligen Position bleiben.

Nach den Sternen gegriffen

Ansonsten finde ich für mich viele Fehler. Allein die Art, wie die Seiten angeordnet sind, macht mich wahnsinnig. Wahrscheinlich war es so gedacht, das Yogatraining als Aufsteller zu benutzen und dadurch die Übung auch sehen zu können, die man macht. Fakt ist aber, dass ich unnötig viel blättern muss und nicht einfach wie in einem Buch umblättern kann, sondern eher wie bei Kalendern die Seiten einzeln hoch hebe.

Außerdem wird der Begriff »Achtsamkeit« mittlerweile derart breit getreten, dass ich ihn schon nicht mehr hören kann. Achtsam essen, achtsam stricken, achtsam gärtnern, achtsam Yoga treiben. Es schwebt die trübe Wolke eines Trends über all dem, was vor langer Zeit sicher einmal wichtig und neu war. Nun wird viel ausgeschlachtet. Ich will Katrin Hartig nicht unterstellen, dass sie ihr Yogabuch nur aus wirtschaftlichem Interesse verfasst hat, denn das wäre ein legitimes Unterfangen. Auch sind die Illustrationen zu liebevoll gezeichnet, um nur schnöde kommerziell zu wirken. Aber schon die vielen persönlichen Anekdoten finde ich unnötig. Fast alle Positionen kenne ich und die Mantras sind schwierig nachzuempfinden, wenn man sie nicht hört. Frau Hartig hat ihr Buch schlicht einen Tick zu spät veröffentlicht.

Titelangaben:

Katrin Hartig: Seelenküsse. Yoga für Körper und Geist.

Köln: Lingen Verlag GmbH, 2017. 112 Seiten. 7,95 EUR.

 

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