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Nicole Grom: Irina und das sprechende Bild.

Einmal ins Märchenland und zurück

Wer mag, darf in Nicole Groms Irina und das sprechende Bild alte Bekannte aus der slawischen Märchenweld entdecken. Parallelen zu einem bekannten deutschen Kinderbuchautor sind ebenfalls nicht ausgeschlossen. Bei so viel Vorhersehbarkeit und bei aller Banalität des Themas, nämlich der Kraft der Stärke zur Veränderung im Selbst, ist es wirklich ein Wunder, dass der Autorin ein freundliches und nettes Kinderbuch gelungen ist.

Die Kraft zur Veränderung des Lebens steckt im Selbst. Was im Märchen gang und gäbe ist, wurde längst zum amerikanischen Traum und findet sich nun wieder bei Irina und das sprechende Bild. Dabei bräuchte es gar keine so hoch trabenden Absichten, um das Kinderbuch von Nicole Groms zu einer spannenden Lektüre zu machen. Zugegeben, der Markt ist hart umkämpft und gegen die Altgranden wie Astrid Lindgren und Otfried Preußler ist leider immer noch kein Kraut gewachsen.

Raus aus dem Trott

Die kleine Irina langweilt sich zu Tode. Seit dem Tod ihrer geliebten Mutter versteckt sich der Vater hinter seinen Tresen im Handelskontor und Irina soll alles lernen, was man braucht, um eine gute Partie zu sein. Ihr Freund Valentin, ein Straßenjunge, passt so gar nicht ins Konzept. Aber selbst er schafft es nur selten, Irina aus ihrem Alltag zu befreien. Irina wünscht sich ein Wunder, eines, das sie aus ihrem Käfig herausholt.

Es kommt in Form einer Brieftaube, die Irina an Bord eines Bauerngespanns schickt, um ein Bild bei einem Einsiedler abzuholen. Die Reise dorthin ist ziemlich umständlich, nicht zu sprechen von einem ominösen Skelett, das Irina übersetzt. Doch der Einsiedler entpuppt sich als gestresster Menschenfreund, der Irina ein schwarzes Bild mit der Inschrift »Das sprechende Bild« übergibt und mangels Erklärungsmöglichkeiten weiter zur Baba Jaga schickt, die ihr helfen soll, den geheimnisvollen Ort Ridnitsirednuwsad zu finden.

Odyssee durch die Sagenwelt

Vom Einsiedler zur Baba Jaga, von dort in eine Stadt mit einem gescheiterten Puppenspieler, vom Puppenspieler zum Müller, der in eine Nixe verliebt ist und im großen Bogen in die Stadt des Großschnurres, der nach dem Tod seiner Ehefrau nur noch rückwärtssprechen kann zurück in die Heimat. Nicole Grom hat ein Märchen geschrieben auf Basis einer Sage, die schwer an den starken Wanja erinnert, der ebenfalls nichtsahnend auszog, um schließlich die Prinzessin zu freien.

Manche Handlungsstränge sind nur angerissen, wie der der Baba Jaga, die zur Witzfigur verkommt, oder der des Räubers, der Irina auf Schritt und Tritt verfolgt oder der des Müllers, der schließlich mit Irinas Hilfe die Nixe ehelichen darf. Auch der Schluß, in dem sich Ridnitsirednuwsad als Vorort der Heimatstadt und Sitz eines frustrierten Malers, des Onkels von Valentin, entpuppt, wirkt konstruiert.

Zu hoch gegriffen, doch gut gefallen

Nicole will von allem zu viel. Ihre Irina ist eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Momo, aus dem starken Wanja und der kleinen Hexe. Es hätte gereicht, sich auf einen Aspekt zu konzentrieren. Man hätte auch die Geschichte nicht pseudophilosophisch überlagern müssen, wenn man sich am Ende nur fragt, was an der Geschichte denn wundervoll gewesen sein könnte und selbst ein Eremit keine Antwort weiß.

Irina und das sprechende Bild ist trotzdem ein interessantes Kinderbuch. Vor allem, weil Niole Grom über eine schöne Sprache verfügt, der es gelingt, die Geschichte um Irinas Wunder glaubhaft zu erzählen. Man ließt gerne weiter, trotz manch hochgezogener Augenbraue bleibt der Spannungsbogen erhalten. Auch wenn man Erzähltraditionen wiedererkennt, sind sie gut nachempfunden. Vor allem wünsche ich der Autorin, dass sie ihre Stimme findet, in der sie ganz eigene Kinderbüche verfassen wird. Denn das kann sie.

Titelangaben:

Nicole Grom: Irina und das sprechende Bild

Plochingen: Kiel und Feder Verlag, 2017. 212 Seiten. 10,99 EUR.

 

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