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Petra Mattfeldt: Multiversum. Der Aufbruch

Zeit und Ort sind relativ

Dass man eigentlich ein wenig von Physik verstehen sollte, vergisst man schnell in Petra Mattfeldts spannendem Multiversum. Ort und Zeit verschmelzen und plötzlich dringt das Mittelalter in die Gegenwart und der Teenager Tom macht sich auf die Suche nach seinen Eltern in einem Paralleluniversum. Ganz klar eine Lektüre für meine actionversessene Charlotte, die nach neuem Lesestoff lechzt.

Bei einem Bootsunfall vor acht Jahren verlor Tom seine Eltern, ein Architektenehepaar. Während Tom sich in der Obhut seiner Großmutter mit dieser Last abmüht, erreicht ihn eine Nachricht seiner Eltern. Die Besonderheit daran: sie stammt aus einer anderen Zeit. Mit Hilfe von Professor Steiner, der sowohl Spezialist für Physik als auch Geschichte ist und dem Mediävisten Dr. Winter entschlüsselt Tom die Botschaft. Sie stammt aus einem Paralleluniversum.

Thriller und Historienroman

Petra Mattfeldt vermischt viele Genres in ihrem Jugendroman, das macht ihn zu einer handlungsgeladenen Geschichte, die viele filmische Elemente beinhaltet. Während Tom und die Wissenschaftler noch an der Lösung des Problems arbeiten, bekommen sie Gesellschaft vom Geheimdienst, der ebenfalls entdeckt hat, dass es vor Englands Küste Anomalien gibt. Wer schon mal die Matrix-Trilogie gesehen hat oder wenigstens Star Trek Fan ist, wird vieles wiedererkennen.

Ganz klar: es geht weder um literarische, noch um wissenschaftliche Exaktheit. Durch ein Raum-Zeit-Kontinuum (und ich kenne dieses Wort, weil ich Star Trek Fan bin) reist Tom mit Dr. Winter in das Salesbury des 13. Jahrhunderts. Gut, dass Dr. Winter fließend Altenglisch spricht (könnte ich auch noch radebrechen), so kommen sie in einer fremden Kultur durch. In Old Sarum werden sie vom Abt des dortigen Klosters aufgenommen und verdienen sich die Gastfreundschaft durch die Planung und den Bau einer fortschrittlichen Mühle, die Old Sarum den Fortbestand als Gemeinde sichern soll.

Agentenkomik

Skurril wird es, wenn der MI6 beschließt, sich auch ins Mittelalter begeben zu wollen, ohne jedoch der Sprache mächtig zu sein oder auf technische Details verzichten zu wollen. Hier kommt der Part, der zwar spannend bleibt, über dessen Logik aber eher nicht nachgedacht werden sollte. Von den Bewohnern Old Sarums ist offensichtlich niemand erstaunt, wenn mit Munition des 21. Jahrhunderts geschossen wird und auch der kurze, freiheitliche Diskurs über schwule Liebe wird im Kern erstickt, denn der schwule Mönch entpuppt sich – natürlich – als verkleidete Fürstentochter.

Es bleibt spektakulär, denn Tom findet wirklich seine Eltern, die zufällig im Nachbarsort die Kathedrale planen. Mattfeldt fängt ab Mitte des Romans an, mit Zufällen nur so um sich zu werfen, um ihre Geschichte zu einem Happy – End zu bringen. Funktionierende Funkgeräte mit Datenempfang über viele hundert Kilometer, ohne dass ein Mobilfunkmast irgendwo bei Old Sarum stünde, Agenten, die sich seit Jahren als Frater verkleiden und offensichtlich nicht die gleichen Sprachprobleme hatten wie ihre Nachfolger.

Logische Lücken

Ich glaube, dass meine Tochter gerne die logischen Lücken, die ich finde, überliest. Mich stört das inkonsequente Verhalten mancher Figuren, von denen sich erst immer im Nachhinein herausstellt, weshalb sie vorher etwas anderes gemacht haben. Schade, dass Mattfeldt ihre Figuren nicht entwickelt und sie im Eindimensionalen belässt, so hält sich das Lesevergnügen für Erwachsene leider deutlich in Grenzen. Trotzdem ist Multiversum eine spannende Lektüre für einen Regentag, der sicher noch weitere folgen werden.

Titelangaben:

Petra Mattfeldt: Multiversum. Der Aufbruch

München: Buntstein Verlag, 2015. 336 Seiten, 9,99 EUR.

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