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Niklas Ekstedt, Henrik Ennart: Das Kochbuch der 100-jährigen.

Der Traum vom ewigen Alter

Es ist ja schon ein erstaunlicher Gesellschaftswandel, dass mittlerweile gar nicht mehr so häufig darüber gesprochen wird, wie man möglichst lange jung bleibt. Das Schreckgespenst der Demenz geht um, Gesetze werden geändert und angesichts der Statistiken beschäftigen wir uns lieber damit, wie man möglichst lange gesund alt bleibt. Der Wissenschaftsjournalist Henrik Ennart hat sich intensiv mit Blue Zones beschäftigt und der Sternekoch Niklas Ekstedt hat versucht, Ennarts Informationen essbar zu machen. Herausgekommen ist Das Kochbuch der 100-jährigen als ein Versuch, zu begreifen, weshalb manche Menschen im hohen Alter noch so gesund sind.

»Blue Zones« sind geographisch abgegrenzte Gebiete, in denen die Menschen besonders alt werden. Sie erkranken seltener an Demenz, Krebs, Herz – und Gefäßkrankheiten und sind gesünder und ausgeglichener als wir. Weshalb? Es ist wichtig, Ennarts Nebensätze mit zu lesen. Nein, anders kochen allein wird nicht ausreichen, um 100 Jahre alt zu werden. Eine Balance zwischen Entspannung und Bewegung ist genauso wichtig wie Freunde und Familie. Kurz: eine Umkehrung des heutigen Lebensstils wird nottun, möchte jemand hundert Jahre alt werden.

Verschiedene Blue Zones

Ennart und Ekstedt führen den Leser in die unterschiedlichsten Blue Zones kreuz und quer über den Globus. Es gibt Blue Zones in Japan, Italien, Griechenland, Costa Rica und Schweden. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, gesund über hundert Jahre alt zu werden, sehr hoch. Der Forscher Ennart fragt sich nun, welche Lebensstile die Menschen dort verbinden, während der Koch Ekstedt sich dafür interessiert, wie deren kulinarischer Alltag aussieht.

Gleich zu Beginn gibt es eine Frohbotschaft, denn die Menschen ernähren sich von Blue Zone zu Blue Zone sehr unterschiedlich. Mal herrscht vegetarische Nahrung vor, mal gibt es oft Fisch, mal ist der Speisezettel fleischlastig. Es wird geraucht, Alkohol getrunken und getanzt. Ist das denn so viel anders als bei uns? Natürlich. Denn wir leben nicht mehr in der Zeit. Im Normalfall sind wir gestresst und hetzen von Termin zu Termin. In der Eile essen wir ungesund und zuviel, genauso verhält es sich mit den anderen Lastern.

Gemeinsamkeiten in den Blue Zones

Die unterschiedlichsten Blue Zones verbinden ein paar einfache Dinge. Zum einen handelt es sich meist um schwer zugängliche Gebiete, so dass die Menschen dort lange von der Außenwelt abgeschnitten waren und z.B. kaum Zugang zu Handelsware hatten. Daraus folgt, dass alle Lebensmittel selbst angebaut und weiterverarbeitet wurden. Alle Lebensmittel in den Blue Zones sind also sehr hochwertig und voller Antioxidantien.

Zum Anderen bot die Arbeit auf den Feldern, in den Gemüsegärten und Ställen den Menschen einen wunderbaren Ausgleich. Selbst zu ernten, was man gesät hat ist nicht nur erfüllend, es ist auch sehr sicher. Und dank der harten körperlichen Arbeit entspannt man sich freiwillig abends im Gespräch mit Freunden und Nachbarn. Die Kargheit der Landschaften und deren Abgeschiedenheit trug dazu bei, dass gegessen wurde, was das Land hergab und es kaum einseitige Ernährung gab. Die Armut zwang die Bewohner dazu, mit ihrem sozialen Gefüge in Eintracht zu leben und mit Menschen auszukommen. Das lässt ruhig werden.

Rezepte zum Nachkochen

Hier kommt der schwierige Teil. Denn die Küche von Okinawa/ Japan oder Nicoya/ Costa Rica entspricht nicht dem, was wir kennen. Experimentierfreudige machen sich auf zum Asiashop und vergessen dabei, dass wir uns damit nicht wie Bewohner von Blue Zones verhalten. Gottlob gibt es Gerichte aus Sardinien, Schweden und Griechenland, sie ähneln unseren Essgewohnheiten eher. Alle Rezepte sind schlicht wie die Geschichte der Menschen in den Blue Zones und sehr variantenreich. Wer sich gern ausprobiert, wird sicher fündig. Ob wir dadurch länger leben, bezweifle ich sehr. Doch ich habe eine Obstwiese und einen Garten, die ich bewirtschafte und werde Ennarts und Ekstedts Beobachtungen zum Anlass nehmen, mir meine eigene Blue Zone zu schaffen.

Titelangaben:

Niklas Ekstedt, Henrik Ennart: Das Kochbuch der 100-jährigen.

Aus dem Schwedischen von Dr. Ulrike Strerath-Bolz.

Köln: Fackelträger Verlag 2016.166 Seiten, 20 EUR.

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