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Petra Ahnert: Bienenwachswerkstatt. Kerzen, Seifen, Kosmetik und Deko selber machen

Wachsalchemie

Bienenwachs und Alchemie – passt doch wundervoll zusammen, nicht wahr? Am Ende entsteht immer etwas Goldenes. Petra Ahnert vereint in Bienenwachswerkstatt ihre beiden Leidenschaften: Analytisches Denken gepaart mit purer Kreativität. Daraus entsteht eine Alchemiewerkstatt, in der Öle, Wachse und Duftstoffe in ausgewogenen Mischverhältnissen vor sich hin köcheln und am Ende des Tages in betörenden Naturgeschenke enden.

Gleichzeitig muss ich mir mein tiefes Scheitern eingestehen. Denn leider werde ich nicht Teil einer Bienenwachswerkstatt werden. Ich habe keine Bienen und werde keine haben und für eine Alchemistenwerkstatt bin ich viel zu unordentlich. Ich denke, Petra Ahnert stellt ein wunderbares Hobby vor, das für sie zum Beruf geworden ist. Und deshalb richtet sich ihr Buch am ehesten an solche Menschen, die sich ebendies überlegen: ein Bienenhobby zum Beruf werden zu lassen.

Flüssiges Gold

Wer das aber will, wird hier schnell fündig: denn es geht nicht um die Bienen an sich, sondern um die Verwertung der Waben. Ahnerts Lebenspartner ist Imker und die Autorin verarbeitet also, was nach dem Honigmachen übrig bleibt. In einem ersten Kapitel stellt Ahnert den Werkstoff vor und wer nur weiß, dass Bienenwachs himmlisch riecht und von Bienen hergestellt wird, erfährt hier in der Kürze, was Bienenwachs eigentlich ausmacht und wofür die verschiedenen Wachsarten – von Kerzenwachs bis Brutwabenwachs – benützt werden können.

Bekanntes und Neues

Die folgenden Kapitel widmen sich den einzelnen Techniken. Wer bereits Kerzenziehen war, kann das Kerzenkapitel überspringen, für alle anderen findet sich ein guter Überblick über verschiedene Techniken und Kerzenformen. Interessant wird es, wenn Ahnert ihre Alchemistenküche öffnet und Balsame, Lotionen, Salben und Seifen herstellt. Für jedes Pflegeprodukt gibt sie eine allgemeine Herstellungsweise an, die dann auf verschiedenste Arten variiert wird. Ein Grundrezept, das man auswendig lernen kann und auf dessen Basis dann gearbeitet wird. Das Prinzip finde ich toll.

Die anfangs erwähnte Liebe zur Analytik findet hier ihren Niederschlag, denn Ahnert wiegt sehr genau die Inhaltsstoffe ihrer Pflegeprodukte aus. Das macht sie zu etwas Besonderem und genau das hält mich von der Nachahmung ab. Ich weiß ja, wie ich in meiner Küche wüte. Zudem unterliegen viele Produkte einem langen Reifungsprozess, es bietet sich also an, einen Alchemistentrakt im Haus einzubauen. Wie gesagt, toll für alle, die ein Hobby zum Beruf machen wollen.

Bienenwachs für alles

Sogar die leidenschaftliche Klientel der Seifensieder kommt auf ihre Kosten, und wer gerne zwei Hobbies verbinden möchte, kann sich die Anschaffung eines Buches über Seifensieden sparen: Ahnert erklärt gründlich und einfach. Toll finde ich auch, wie universell Wachs eingesetzt werden kann. Klar, wer Bienen hat, möchte ihre Produkte möglichst überall verwenden können: Bienenwachsanzünder, Bienenwachswindlichter, Küchenbrettpflegemittel, Holzpolitur, gewachste Stoffe und so vieles mehr, dass man sich zwischendurch fragen möchte, wie man eigentlich ohne Bienenwachs auskommen konnte. Sogar Kunsttechniken wie Enkaustik und Batik werden vorgestellt, so dass alle kreativen Adern eines Menschen angesprochen werden.

Titelangaben:

Petra Ahnert: Bienenwachswerkstatt. Kerzen, Seifen, Kosmetik und Deko selber machen

Aus dem Amerikanischen von Maria Heyne.

Münster: LV Buch, 2015. 136 Seiten. 17,95 EUR.

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