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Josephine Barbe: Mode machen. Entwirf und nähe deine eigene Mode.

Wie geht das mit der Mode?

Ganz klar: ich bin nicht das Zielpublikum von Josephine Barbes Mode machen. Entwirf und nähe deine eigene Mode. Das ist schon aus der Anrede im Titel herauszuhören. Aber ich kann ja abstrahieren. Und wäre ich so ein junges Ding mit sechzehn, wäre ich wahrscheinlich überglücklich über so eine profunde Einführung in die Modewelt. Denn Barbe stellt nicht ein paar nette Schnitte zum Nachnähen vor, sondern erklärt, wie man selbst Modelle entwirft.

Von der Pike auf wird erläutert, wie Mode gemacht wird. Wie man Maß nimmt, eine Figurine zeichnet, einen Schnitt entwirft und auf Schnittpapier überträgt. Toll finde ich zum Beispiel, dass auch Nähen von Hand erklärt wird. Heutzutage wird schnell vergessen, dass für das Nähen theoretisch kein großes Equipment notwendig ist. Nadel und Faden reichen aus. Wer will, bekommt zusätzlich erklärt, was in einer Nähwerkstatt wichtig ist und welche Modeepochen der Moderne durchlaufen wurden.

Gutes Einstiegswerk

Barbe wagt einen Rundumschlag, klar, dass einiges unter den Tisch fallen muss. Wer Detailinformationen zu Paspeln oder verdeckten Reißverschlüssen sucht, wird hier nicht fündig und muss wohl auf ein konservatives Standardwerk zurückgreifen. Ideal ist Barbes Mode machen. Entwirf und nähe deine eigene Mode aber für die, die mit einem kleinen Geldbeutel und einer großen Portion Enthusiasmus anfangen möchten, selbst entworfene Stücke zu nähen.

Wie man Stoffe bedruckt, was Patchwork ist, wie man Einsätze näht, das nämlich wird hier wundervoll erklärt. Selbst bedruckte Turnbeutel, Patchworkmäppchen und neue Shirts aus alten Shirts sind das kreative Resultat von Barbes Experimenten an der Nähmaschine. Anhand einfacher Basisschnitte wie Shirts mit Raglan – oder U-Bootausschnitt wird erklärt, wie Schnitte entworfen und auf Stoff übertragen werden und zwar so allgemein, dass jeder für sich das perfekte Shirt wird nähen können.

Intelligente Kombination

Für alle, die auf Schnitte nicht verzichten wollen, gibt es noch die Möglichkeit, sich auf der Verlagshomepage die Schnitte für Schiebermützen und Shirts herunterzuladen und so Buch und Medium klug zu kombinieren. Das spart Bäume, denn nur die Schnitte werden ausgedruckt, die man auch tatsächlich verwenden möchte und Nerven, denn es ist nicht notwendig, auf einem unübersichtlichen Schnittbogen sich sein Muster zusammenzukritzeln.

Wie gesagt, als Einstiegswerk bietet Barbe vielseitige Möglichkeiten, sich an das große Thema des Nähens heranzutasten. Gerade für junge Menschen, die einfach nur einmal ausprobieren möchten, ob Nähen für sie ein Hobby werden könnte, ist die Übersichtlichkeit und Kreativität des Buches ideal. Alte Hasen werden wohl lieber gleich ihre Schnitte suchen oder sich anderswo eindecken, denn für Fortgeschrittene bietet Barbes Lektüre wenig Neues.

Titelangaben:

Josephine Barbe: Mode machen. Entwirf und nähe deine eigene Mode.

Bern: Haupt, 2015. 152 Seiten. 24,90 EUR.

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