Archiv für den Monat: November 2017

In der Pipeline – Waiting to be Finished

Oh Mist, ich habe es natürlich nicht geschafft, die blaue Tasche an einem Tag zu vollenden. Mittendrin ging mir das Papier aus, stellt Euch bloß vor!

Und dann habe ich mir noch vorgenommen, Fotos zu machen von meinen Stricksachen, damit sie alle in den Onlineshop von HANDWERK wandern können. Mannomann…..

Und weil es grad so gemütlich war, hatte ich überhaupt keine Lust, in mein Werkzimmer zu gehen und Papier zu schneiden. Das habe ich dann am nächsten Morgen gemacht. Dafür hatte ich noch ein großes Knäuel (120g) selbst gesponnener, richtig dicker Wolle. Ich beschloss, der Abwechslung halber ein Tea Cozy zu stricken. Der Strickteil ging schnell, ich habe an zwei Kannen gemessen, damit es über niedrige, dicke genauso passt wie über hohe, schlanke. Jetzt kommt die Häkelei…..

Well, of course I didn’t finish that blue purse when I wanted it to be finished. I run out of paper (sounds ridiculous in this house) and was not in the mood to go and look through my stash. Hence I started working on a tea cozy and a cap to be in my SHOP HANDWERK 

It turned out it was just the sort of distraction I needed. From paper to needles, I love it that way! Have a nice week!

  

Hm – welche Blüten ich wohl wohin nähe? Fertig bin ich noch nicht. Und am Abend viel mir auf, dass ich in meinem Onlineshop keine Herrenmütze habe. Nein! Das muss dringend geändert werden. Und mein nächster Adventskranz mit Papierblüten? Auch in der Pipeline.

Alles soll möglichst schnell für HANDWERK fertig gestellt werden. Ach, wär ich doch ein Oktopus!

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Neu gelesen!

Merja Ojanperä: Bezaubernde Wollsocken. Mit Liebe Gestrickt.

Zeigt her Eure Füße!

Die Finnin Merja Ojanperä teilt mit mir eine Leidenschaft: gestrickte Socken. Nur dass ich mit meinen schnöden Fußbedeckungen bei ihr nicht weit kommen werde. Wer Lust auf echte schicke Strümpfe hat, der sehe, was hier anrollt. In Bezaubernde Wollsocken. Mit Liebe Gestrickt kommen endlich mal unsere geplagten, winterkalten Füße dann zur Geltung, wenn sie es richtig verdient haben. Lasst uns unsere Beine mit wunderschönen Strümpfen verwöhnen!

Es geht einem das Herz auf, wenn man liest, aus welch langer Handarbeitstradition Merja Ojanperä schöpfen darf. Die ganze weibliche Linie hing sozusagen an den Nadeln. Kein Wunder, dass extravagante Strümpfe für die gelernte Schneiderin und Brautmodendesignerin nur der letzte, konsequente Schritt waren. Und wie wundervoll, dass sie von ihrer Geschichte nur das Notwendigste teilt, um mich dann mit ihren schönen Entwürfen zu überhäufen.

Strümpe aus dem Märchenland

Ojanperäs Strümpfe tragen Namen wie Adalmina, Elina, Veilchen, Illusia, Eismeerhexe oder Schmetterling und damit ist sofort klar, dass alle, die sich auf schwarz und grau und klares Design versteifen, ein anderes Buch brauchen. Hier wird geschwelgt. Die Muster sind alle derart aufwändig, dass sie über mindestens vier Seiten beschrieben sind, aufgelockert durch wunderschöne Bilder.

Wer also genug hat von glatt rechts mellierten Socken und keine Angst vor Ajourmustern und Farbwechseln hat, wird sich zwischen all den Spitzen- und Fair- Isle-Mustern bestimmt wohl fühlen. Die meisten Strümpe sind mit Nadeln der Stärke 3 oder 3,5mm gestrickt und damit mit etwas dickeren Nadeln als ich gewohnt bin. Das verspricht ein relativ schnelles Ende und warme Beine!

Nur eine Frage der Zeit

Alles, was mich hindert, sofort zu beginnen, ist erstens, dass ich anderes Garn in größeren Mengen brauche und zweitens, dass ich mehr Zeit zum Stricken brauche und drittens Abnehmer. Denn leider kratzt mich alles, was Wolle ist, auf purer Haut und ich scheue etwas den Kontakt mit Kniestrümpfen. Allerdings, über eine Legging geht alles und ich werde sicher eine Möglichkeit finden, solche Preziosen zu tragen.

Natürlich sind die Schuhgrößen bei den Entwürfen festgelegt, eine versierte Strickerin stört das bestimmt nicht. Sogar ein paar Männerstrümpfe habe ich gefunden, wobei hier ja Trachtenstrümpfe unübertroffen sind. Wichtig sind natürlich die Abnahmen am Schaft und hier liegt der Has‘ im Pfeffer – denn je nach dem Umfang derselben würde sich das Muster verändern. Weil Ojanperä schlau ist, wählt sie ihren Mustermix so, dass eine Abnahme dann immer geschickt möglich ist und man keine Rechnerei innerhalb des Musters hat. An die Nadeln, sage ich nur!

Titelangaben:

Merja Ojanperä: Bezaubernde Wollsocken. Mit Liebe Gestrickt.

Aus dem Finnischen von Varpu Vuorjoki.

Münster: LV – Buch, 2017. 120 Seiten. 16 EUR.

Buchfreude!

Neu gelesen und gefreut: Ab zum Freutag!

Djennat Derradj: Kinderkram. Werken, Basteln, Selbermachen für die ganze Familie.

Schöner Spielen

Djennat Derradj hat in Kinderkram. Werken, Basteln, Selbermachen für die ganze Familie das Kind in sich neu entdeckt. Die Projekte, die sie vorstellt, sind nicht allesamt neu erfunden, vieles kennt eine kreative Mutter aus dem Netz. Doch sie vereint der Wille zum Werken, eine grundlegend schöne, zurückhaltende Ästhetik, ein praktischer Anspruch und vor allem: viel Freude bei der Herstellung der Kostbarkeiten.

Praktischerweise hat Derradj ihr Bastelbuch in die Jahreszeiten aufgeteilt, Blättern ist also ausdrücklich erlaubt und erwünscht. Bei vielen Projekten können kleine Kinder mitgestalten, das verdoppelt das Vergnügen. Der Fokus liegt dabei auf Alltagshelfern, klassischen Kinderrollenspielen und saisonalen Dekorationsmöglichkeiten. Nicht alles ist dafür gedacht, eine Saison zu überleben, aber alle Dinge sind individuell und wunderschön.

Klassische Saisonspiele

Blumenpressen für den Frühling, Osterdekoration, Spiele für Draußen, Picknickdecken, Tipis, oder Sammlerdisplays, Kostüme, Spielmöbel und dekoratives für saisonale Feste: Derradj bedient die Klischees, was aber völlig in Ordnung ist. Eltern erleben in ihren Kindern die eigene Kindheit noch einmal und freuen sich genauso wie die Kleinen an schönen Dingen. Dabei gelingt der Autorin der Wechsel vom Draußen nach Drinnen sehr gut, man kriegt richtig Lust aufs Kuscheln drinnen oder auf wilde Sommerspiele.

Die Ästhetik ist dabei eine klassische Erwachsenenästhetik: reduziert, wenige, teils gedeckte Farben, gute Grafik. Auch wenn kleine Hände mithelfen dürfen, geben die Großen die Ziele vor, das kann manchmal zum Problem werden. Die Ostereier, die meine Kinder verzieren, sind traditionell die scheußlichsten, die man sich vorstellen kann, doch in Liebe gemalt. Nicht immer gelingt es, den Kindern den eigenen Willen aufzudrängen und eine konsistente Ästhetik im trauten Heim umzusetzen.

Modernes Design

Natürlich kann der Fokus Derradjs nur bedingt die Alttagstauglichkeit sein. Mit breit gefächertem Repertoire gelingt es ihr, auch aktuelle Trends wie skandinavischen Chic, Upcycling oder naturbelassene Dekorationen, aufzugreifen. Somit ist für viele Interessensgebiete Schönes im Buch. Der Hauptaugenmerk liegt trotzdem auf Dingen für Kinder im unteren Altersbereich, ab dem zehnten Lebensjahr wird es wohl eher schwierig.

Im Endeffekt ist es wie bei vielen anderen Aspekten der Kindheit: unsere Kinder dürfen nur bis zur dritten Klasse Kinder sein. Dann gilt in vielem die Erwachsenenästhetik und das ist schade. Derradj hat viele Projekte für Babies, Kleinkinder, Kindergartenkinder und Grundschulkinder. Teenager sind ausgelassen, und doch sind auch das noch Kinder, die sich über schöne Dinge freuen. Ich würde außerdem meinen, dass bei einem mit »für die ganze Familie« untertiteltem Werk nicht nur große Kinder, die es manchmal gibt, mitgemeint sind, sondern auch die Väter. Die haben jedoch klar das Nachsehen.

Nix für Väter

Wenn die Papas nicht gerade genauso auf Häkeldeckchen und zarte Pastelltöne abfahren, wie die Mütter, dann muss man feststellen, dass eben nicht die ganze Familie gemeint ist. Das Problem ist eines mit Folgen. Jungs werden groß und orientieren sich an Vätern, die sich in dem Buch kaum finden werden. Also werden weder große Jungs noch die Papas besonders viel werken. Babies und Kleinkinder können noch nicht teilnehmen und Derradj, die eigentlich alle mit einbeziehen wollte, steht plötzlich nur einem kleinen Teil der Familie gegenüber: den Müttern. Sehr schade.

Titelangaben:

Djennat Derradj: Kinderkram. Werken, Basteln, Selbermachen für die ganze Familie.

Aarau: AT Verlag, 2017. 1128 Seiten. 25 EUR.

MMI – Meinen Laden im Papierwahn – Paper Love

So ist das wohl, wenn mein Kunsthandwerkerkalender sagt, dass bis zum Advent nur noch wenige Tage bleiben – im Wahn kommen oft die besten Ideen! Heute habe ich mir vorgenommen, eine blaue Tasche fertig zu machen – viel fehlt nicht mehr und wenn ich fleissig bin, steht sie heut abend unten im Laden und ab spätestens nächster Woche im Onlineshop. Vorher muss ich nämlich noch meinen Mann bezirzen und zum Fotografieren bewegen, viele Dinge, die ich im Laden unten habe, fehlen noch im Webshop. Ach, es ist ein weiter Weg!

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Well, my calender tells me Christmas Shopping time has almost begun. And while working, a lot of ideas still come in. Today, that blue purse has to be finished and I’ll put it downstairs in the shop. And I hope that till next week it will be online – depends on that gorgeous photographer. Which means I have to cook a good meal, do a little flirting, well. A long way to go as a lot of my products still aren’t online.

 

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Mein fünftes Kind ist geboren – Hurra HANDWERK

Seit einem Jahr schon trage ich meine Pläne mit mir herum, in unzähligen Abendstunden und bei sehr vielen Gläsern Wein ist ein Projekt entstanden, von dem ich zwischendurch dachte, dass es einem Berliner Flughafen nicht unähnlich sei.

Jeden Samstag sitze ich in meinem Laden und genieße vier Stunden Ruhe mit meinen Unikaten, die ich während der Woche herstelle. Meine Kundschaft freut sich mit mir an den Upcycling – Projekten, mit denen ich mich jeweils aktuell beschäftige. Seit Wochen bin ich im Papierwahn, Ihr wisst es ja. Zeitgleich, ruhig und stetig wie er nun einmal ist, hat mein Mann begonnen, mir einen Onlineshop zu bauen. Mit vielen Dingen, die ich im Laden habe, noch nicht mit allen, und manches ist auch nicht unbedingt für einen rabiaten Versand gedacht.

Trotzdem besitze ich nun ein Schaufenster für die Welt und freue mich über mein allerneuestes Kreativprojekt, das ich ohne meinen Mann nie geschafft hätte. Er hat fotografiert, designt und sich mit Webbugs geärgert, wo ich längst einen Wutanfall bekommen hätte. Ich liebe es, zu werken und zu handarbeiten, Webshopdesign ist nicht mein Lieblingsfach. Ist es da nicht wundervoll, jemanden zu haben, der das so toll macht?

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Neu Gelesen

Jimmy Liao: Die Sternennacht. Wo es Schatten gibt, da gibt es Licht.

Traumtänzerische Initiationserzählung

Jimmy Liaos Karriere als Grafic Novel Autor begann erst 1998 im Alter von vierzig Jahren, als der an Leukämie erkrankte ein Abschiedsgeschenk für seine Familie gestalten wollte. Er konnte seine Krankheit überwinden und als Autor neue Erfüllung finden. Sein Grundthema, die prinzipielle Verlorenheit des Individuums, hat er beibehalten. In Die Sternennacht. Wo es Schatten gibt, da gibt es Licht machen sich zwei verlorene Kinder auf die Suche nach ihrer Seele.

Erwachsenwerden ist nichts für Weichlinge. Liaos Grafic Novel ist eine erschütternde Mischung aus Bilderbuch, Comic und kafkaesker Kurzprosa. Ein Mädchen wächst bei ihren Großeltern in den Bergen auf. Liebe und Natur umgeben das Kind, das zwar die berufstätigen Eltern in der Stadt vermisst, aber auch das Leben auf dem Land genießen darf. Kaum ist es ein Schulkind, muss es in die Stadt zu den Eltern. Die Kleine vermisst die Liebe und Einfachheit bei den Großeltern und findet nicht in den strengen Rhythmus von Fordern und Leisten im Schulalltag.

Erschreckende Kindheit

Für das Mädchen haben die Eltern kaum Zeit, Haustiere sollen die Einsamkeit vertreiben. Dann stirbt der geliebte Großvater, das Mädchen verfällt in eine tiefe Depression. Als ein neuer Junge in die Klasse kommt, der ebensosehr Außenseiter ist wie das Mädchen, finden die beiden schnell zueinander. Zu zweit lässt sich die Einsamkeit leichter ertragen. Zugleich entgrenzen sich die Freunde immer mehr. Eine Flucht aufs Land scheint unausweichlich.

Die beiden fliehen vor der Großstadt, der Einsamkeit, den Streitereien zwischen den Eltern und suchen das Gefühl der Zugehörigkeit, welches das Mädchen bei den Großeltern erfahren durfte. Die Illusion scheint zu funktionieren, Wald und See sind wunderschön. Doch das Mädchen erkrankt nach der Rückkehr in die Stadt schwer und muss lange das Bett hüten. Ihr Freund verlässt die Stadt und findet Ruhe bei einer wiedervereinten Familie. Das Mädchen bleibt mit seiner Einsamkeit allein.

Starke Illustrationen

Liao arbeitet mit stark vereinfachenden Bilderbuchgrafiken, die nur auf den ersten Blick kindlich anmuten. Denn in seinen Illustrationen verstecken sich immer wieder die Werke großer Künstler, vor allem Surrealisten und der allgegenwärtige van Gogh. Künstler, die die Existenz des Menschen und die Beschaffenheit der Welt, wie wir sie sehen, stets in Frage stellen. So wird aus wundervollen Bildern eine beklemmende Situation.

Es ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von der Entmenschlichung unserer Gesellschaft, die nur noch durch Effizienzoptimierung auffällt. Liebe gerät zum Nebenschauplatz und Kinder, die sich ihr Leben nicht aussuchen können, werden zum Spielball der Interessen ihrer Eltern. Bedenkt man, dass Liao aus dem asiatischen Kulturkreis kommt, muten die Verdammung des konfuzianischen Fleißdenkens nahezu prophetisch an. Kinder, die an Depressionen und Burn – Out leiden, sollte es nicht geben. Eine Gesellschaft, in der Eltern ihre Kinder nicht lieben können, ist falsch und krank. Es bleibt die Flucht oder das Verzagen.

Titelangaben:

Jimmy Liao: Die Sternennacht. Wo es Schatten gibt, da gibt es Licht.

Aus den Chinesischen von Marc Hermann.

Uitikon-Waldegg: Chinabooks, 2017. 70 Seiten. 22,90 EUR.

Die Konzertzeit beginnt – concert times

Diesmal habe ich mich auf absolutes Neuland gewagt. Unfreiwillig, eigentlich. Es wird Herbst und damit beginnt die Konzertzeit für Musikschulkinder. Meine Mädchen treten mit ihren Ensembles auf und wenn man Gitarre oder Cello spielt, bevorzugt man lange Hosen, sofern man nicht auf Abendkleider steht. Letztes Jahr hatte ich Charlotte eine wunderschöne Hose aus schwarzem Samt genäht, doch die ist nun zu klein und wird in den Schrank der kleinen Schwester wandern. Kein Problem, dachte ich, in einem Haus voller Stoff und ich machte mir einen Schnitt in der neuen Größe und ging Stoff suchen. War da nicht noch ein schwarzer Cordsamt irgendwo? Tatsächlich fand ich gar nichts und kam ins Grübeln. Stoff kaufen? Wohl kaum zu rechtfertigen bei meinem Vorrat. Hose kaufen? Ungern.

This time I dared to try something new. Concert time has begun, as always in autumn and the girls are deep into making music and wearing pretty clothes. Pants are preferred and I had made a beautiful pair of black concert pants for Charlotte last year, which were just right for Friederike this year. Hence  a new pair was needed and I cut out a new pattern only to find out I had no fabric in the house. To make this clear: no black fabric suitable for pants. I guess I have any other fabrics whatsoever.

Also: ein Experiment. Aus dem ganzen Bekanntenkreis bekomme ich alte Textilien zum Zerschneiden zugesteckt. Keine Ahnung, von wem die schwarze Jeans kam, die Säume waren abgetreten. Es hat mich ziemlich viel Zeit und Nerv gekostet, alles abzutrennen, so dass es zur Wiederverwertung taugt, aber es funktionierte. Aus einer großen Hose wurde eine kleine, ich konnte sogar die Schnittteile so auflegen, dass ich nicht einmal Taschen oder Bund zuschneiden musste. Der alte Reißverschluss wurde der neue, nur der Untertritt musste neu zugeschnitten werden. Sogar den Bund mit dem Etikett konnte ich wieder annähen und die Hose sieht aus wie neu. Allerdings kostete mich das Experiment zwei Nachmittage. Aber es funktioniert und ich habe nun die perfekte Wiederverwertungsmethode für abgetretene Erwachsenenjeans!

Well, that cried for experiments. I have an upcycling stash of old blue jeans and well, there was a black one, too. And after two afternoons and some anger and some cursing, I had made a small pair of pants out of a larger one. I used even the zipper, all the pockets and the waistband. I dare say this pant was perfectly recycled. Only it took more care and time than I had expected. Like so often.

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Neu Gelesen

Feridun Zaimoglu: Evangelio. Ein Luther Roman.

Zeitreise mit Dämonen

Pünktlich zum Reformationsjubiläum erscheint Feridun Zaimoglus Roman Evangelio. Er umfasst den Zeitraum der Haft, die Martin Luther nach seinem Thesenanschlag in Wittenberg auf der Wartburg verbüßen muss. Im Jubiläumsjahr verarbeitet Zaimoglu wohl eines der prominentesten Schicksale der deutschen Geschichte. Seinem kritischen Blickwinkel ist es zu verdanken, dass aus seinem Luther weder ein vergötterter Prophet noch ein Teufel geworden ist. VIOLA STOCKER begibt sich in den Abgrund der Dämonen.

Es ist Landsknecht Burkhard, ein Katholik, der zum persönlichen Schutz von Martin Luther, genannt Junker Georg, auf der Wartburg abgestellt ist. Der kampferprobte Söldner weiß meist nicht, was er vom intellektuellen Häftling halten soll, auch umgekehrt braucht Luther lange, bis er sich an den rauhbeinigen Kämpfer herantastet. Luther hat sich für die Haft in der Wartburg sein wohl bekanntestes Projekt vorgenommen: die Übersetzung der Heiligen Schrift in die deutsche Sprache.

Visionen eines Visionärs

Die Tage in der Haft verbringt Luther in gequältem Zustand. Sein Körper versagt immer wieder, allen voran das Verdauungssystem, was Wächter Burkhard zu üblen Scherzen verleitet, aber der Metaphorik des Romans folgt, nach der das äußere Streben des Geistlichen von inneren Dämonen und Plagen begleitet wird. Wird Luthers Reformation heute als der Beginn der Moderne gesehen, muten die Bonmots aus des Meisters Mund hier mehr als mittelalterlich an.

Luther ist ein Frauenhasser, der wie ein Inquisitor Dämonen und Teufelsanbeter in jedem Winkel wahrnimmt. Seinen kläglichen köperlichen Zustand vermag er nur durch gelegentliche Exorzismen, denen sich arme Hungerleider unterziehen müssen, zu verbessern. Stets scheint der Katholik Burkhard, der rationale Realpolitiker, im Vorteil und mehr als einmal rettet er Leib und Leben des Predigers.

Ungleiche Freundschaft

Anfangs unfreiwillig, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem Prediger und dem Söldner. Burkhard unterstützt auf seine unbeholfene Weise Luthers Streben nach einer verständlichen Bibel, der Geistliche hingegen legt für den undiplomatischen Krieger so manch gutes Wort ein, wenn Hauptmann und Burgherr ob der Ruchlosigkeit des Soldaten die Geduld verlieren wollen. Burkhard ermöglicht Luther schließlich zwar nicht die Flucht, doch wohl Ausflüge in die nahegelegenen Ortschaften und schließlich auch nach Wittenberg, wo der Geistliche sich mit seinen Mitstreitern beratschlagt.

Zaimoglu beschränkt sich auf einen kleinen Ausschnitt aus Luthers Biographie und auch dieser wird nicht abschließend behandelt. Die Bibel ist noch nicht fertig übersetzt, als der Roman endet. Den Spannungsbogen bezieht die Handlung aus verschiedenen Kunstgriffen Zaimoglus, die gleichzeitig den Roman sehr authentisch wirken lassen. Zum einen gelingt es Zaimoglu glaubhaft, den historischen Sprachgebrauch nachzuempfinden. Das derbe Mittelhochdeutsch Luthers, die berühmte Schlagfertigkeit des Geistlichen, die sich in zahlreichen Redewendungen bis heute zeigt, spiegelt die Zerrissenheit des Predigers zwischen göttlichem Auftrag und weltlichen Belangen.

Monologe des Zweifelns

Während die deftigen Ausbrüche des Gelehrten oft an die Grenze zur Karrikatur gehen, zeugen die Briefe an Georg Spalatin und Philipp Melanchthon von den tiefen Zweifeln und Kämpfen des Klerikers um eine bessere und reinere Version des christlichen Glaubens. Wie sehr zur damaligen Zeit Glaube und Aberglaube im Alltag vermengt waren, wird durch die vielen Szenen verdeutlicht, die den Krieger Burkhard im Umgang mit seinesgleichen zeigen. Zauberei, Magie und Hexenkunst aus altüberlieferter Zeit waren religiös ummantelt worden und hatten mit dem Christentum der Bibel nur wenig gemein.

Zaimoglus Roman ist dennoch keine Posse, was vor allem an der Briefkorrespondenz zwischen Luther und seinen intellektuellen Unterstützern liegt. Hier offenbaren sich des Reformators schlimmste Zweifel und Befürchtungen, hier kämpft er an vorderster verbaler Front für seine Sache. Sein Aufenthalt in Wittenberg dagegen ist weniger fruchtbringend. Verrat und Furcht durchdringen die sehr heterogene Gesellschaft der Glaubenserneuerer, zahlreiche selbsternannte Propheten oder gar Volksbefreier wollen auf Luthers Welle mitschwimmen. Am Ende wird schweigend Burkhard, der verabscheute Söldner und Katholik, verdingt, auf Verleumder Luthers einen tödlichen Anschlag zu verüben, um der guten Sache willen. Längst ist die Reformation in der Realpolitik angekommen, es riecht nach Krieg und Tod und Burkhard bringt Luther zurück in die Schutzhaft.

Ahnung von Geschichte

Vor allem durch die konsequent angewandte, zeitgenössische Sprache wird der Roman glaubhaft. So könnte es gewesen sein, fernab von Glanz und Gloria, als Luther die Kirche von Rom loslösen und den deutschen Fürsten unterstellen wollte. Im Sumpf des mittelalterlichen Stadtlebens mit seinen Ständen, dem Gesindel, dem Abschaum, dem Schmutz und den Heilsbringern muss Luther sich als wahrer Reformator durchsetzen und sucht die Unterstützung der Fürsten. Für sein Ideal zahlt er mit seiner Freiheit und vielen kleinen Sünden. Wahn und Wahrheit scheinen näher beisammen zu liegen als heute, Hass und Terror unmittelbarer erfahrbar zu sein. Zaimoglu verfasste keine Parabel, der Roman ist eher ein Versuch, sich dem großen Deutschen möglichst neutral und echt zu nähern. Davon profitiert der Lesegenuss, der Intellekt darf selbst die Schlüsse ziehen.

Titelangaben:

Feridun Zaimoglu: Evangelio. Ein Luther Roman.

Köln: Kiepenheuer und Witsch, 2017. 352 Seiten. 22 EUR.

MMI – Meinen Herbstgarten

Wenn an warmen Tagen die Sonne über meinen Balkon streicht, sitze ich draußen und tanke ein bisschen auf. So schön ist ein Herbstgarten, bevor er sich zur Ruhe legt und jedes Jahr staune ich, wieviele Blätter von so einem Baum runterkommen. Und im Moment ist es nur der Ahorn, nicht die Buchen. Respekt!

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