Archiv für den Monat: Mai 2017

Lady in Green

Endlich, endlich ist sie fertig, meine grüne Dame. Diese Tasche hat am allerlängsten gedauert. Mittlerweile ist die zweite blaue Tasche im Laden, eine schwarze und eine braune und von blau, rot, braun und schwarz sind neue in der Fertigung. Aber grün? Man möchte es kaum glauben, aber ich fand fast keine grünen Seiten. Umso mehr freue ich mich jetzt, dass sie fertig ist. Und fange vorsichtshalber gleich das nächste Täschchen an. Falten macht süchtig.

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Finally, I’m done with her, my lady in green. Isn’t she a pretty one? That was the longest time ever I worked on a purse. Over a year. It seems I don’t have enough greens in my paper waste. In the meantime I finished a second blue one,  started a new red, brown, black and blue one and finished several smaller wallets and purses. And I really am so glad I finally finished that green one. Well, that keeps me folding, you know?

Neu Gelesen

Marlene Fritsch, Volker Konrad: Der Tag, an dem Paul wieder bunt wurde.

Für Farbe im Leben

Es ist wundervoll, wie Marlene Fritsch uns auf erstaunliche Dinge in unserer Welt hinweist. Wie bunt und farbenfroh sie ist, welch abwechslungsreiche Bilder uns durch die Medien erreichen, wie multikulturell wir leben. Doch Der Tag, an dem Paul wieder bunt wurde zeigt auch die Eindimensionalität des Denkens, die Kraft der Vorurteile selbst bei Kindern und unser ständiger Versuch, in Schwarz-Weiß Schemata unsere Umwelt zu sortieren. Ein Appell.

Der kleine Paul ist auf Besuch bei seiner Oma und blättert in deren Fotoalben. Alle Fotos sind schwarz – weiß und Paul staunt über die graue Realität im Leben seiner Großmutter. Der kleine Anachronismus, dass höchstwahrscheinlich alle Omas heutzutage schon Farbfotos besaßen, stört kaum. Denn die Szene mit den Fotoalben ist nur der Aufhänger. Früher waren die Menschen schwarz-weiß, heute sind sie bunt. Doch die Oma sieht das anders.

Farbe im Kopf

Schwarz – weiß – Denken entsteht im Kopf, erklärt sie Paul und der versteht nicht. Natürlich nicht, denn kleine Leser wissen wahrscheinlich nicht, was mit dem zweidimensionalen Denken gemeint ist. Insofern ist der Aufhänger der Geschichte von Marlene Fritsch ein guter für Erwachsene, aber ein unverständlicher für Kindergartenkinder. Kleine Kinder vertrauen den Großen blind. Das kann falsch sein und Marlene Fritsch zeigt im Verlauf der Geschichte, warum.

Paul begleitet seine Oma auf ihren Weg zu einem Malkurs. Die Stadt ist bunt und wuselig. Doch schon bei der ersten Busfahrt wird Paul Zeuge eines Gesprächs, das von Xenophobie und Vorurteilen nur so trieft. Und die beiden alten Damen, die sich in ihrem Fremdenhass gegenseitig aufputschen, verlieren jede Farbe und werden schwarz-weiß, sehr anschaulich dargestellt im sonst farbigen Bild dank Volker Konrad.

Alltagssituationen

Marlene Fritsch gelingt es wirklich gut, anhand von Alltagssituationen aufzuzeigen, wie sehr wir von Vorurteilen beeinflusst werden und wie leicht sie ausgehebelt werden können. Es geht um Ausländerfeindlichkeit, Stereotype, Diskriminierung von Frauen. Es geht aber zum Beispiel nicht um Geschlechterstereotype oder Homosexualität. Das lässt den pädagogischen Wert drastisch sinken. Und lässt einen deutlichen Softspot der Autorin vermuten.

Auf sechs Seiten wird dargestellt, dass nicht jeder Ausländer klaut und nicht jeder Muslim ein Terrorist ist, aber dass Schwule und Lesben sich immer noch Anfeindungen ausgesetzt sehen und nur wenige Väter den Rollentausch vollziehen wird nicht erwähnt, das fehlt sehr. Dafür dürfen Mädchen endlich Fussballspielen, eine Aussage, die schon etwas abgegriffen ist. Am Ende wird Paul sogar selbst schwarz-weiß, weil er eben den Mädchen jede sportliche Kompetenz abspricht.

Selbsterkenntnis

Abgesehen davon ist es wichtig, wie Marlene Fritsch darauf verweist, dass der alte Affe Angst uns reitet, wenn wir wieder in unseren Vorurteilen versinken. Und dass man sich seiner Angst bewusst werden muss, um die Vorurteile überwinden zu können. Mittels eines bunten Plakates zum Beispiel oder dank eines Gespräches mit der Oma. Nachfragen, Kinder, über Dinge sprechen. Dann macht es nichts mehr, wenn mein Junge ein lila Hemd anzieht und sein Freund lange Haare trägt. Dann freut man sich, wenn sich zwei Frauen küssen und lädt die afghanische Nachbarin zum Tee.

Titelangaben:

Marlene Fritsch, Volker Konrad: Der Tag, an dem Paul wieder bunt wurde.

Ostfildern: Patmos Verlag, 2016. 24 Seiten. 12,99 EUR.

MMI – Geschenke aus dem Garten machen

Meine Freundin hat sich Pflanzen aus meinem Garten gewünscht. Nichts leichter als das! Im Frühjahr muss ich mir sowieso jedes Jahr überlegen, wo ich meinen Stauden mehr Platz schaffen muss und viele ziehen um. Manche neigen dazu, sich in Windeseile auszubreiten, meine Kaukasusvergissmeinnicht zum Beispiel, andere, wie die Funkien und die tränenden Herzen, haben gern mehr Zeit und Platz. Also: ich habe eine Menge ausgegraben, all meine kleinen Töpfchen sortiert und Schildchen geschrieben. Es sind tatsächlich 18 Töpfe geworden, ist das nicht toll?

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Kopfblumen – Flowers on my Head

Dies ist der letzte Teil meiner Schaufensterblumen – solche nämlich, die sich auf die Haare neuer Besitzerinnen freuen!

This is the last part of my flower trilogy  – namely that of the flowers waiting for fresh hair…..

Aus Futterstoffresten habe ich verschieden große Kreise zugeschnitten, die ich dann wiederrum fünfmal eingeschnitten habe, es ergeben sich so fünf Blütenblätter. Jeder Kreis wird in großem Abstand über eine Kerzenflamme gehalten. Aufpassen, dass nichts Feuer fängt! Die Futterstoffe schmelzen oft willkürlich in eine sehr schöne Blütenform. Manchmal brennen sie auch, dann überlege ich mir etwas anderes.

I took some polyester lining left overs and cut them in circles with again five cuts in each of them. If you are careful and hold them above a candle light, they will – hopefully – melt in a flower shape. Some just burn and I have to think of another method for those.

Wenn Ihr genügend Blüten habt, werden immer vier oder fünf zerschmolzene Blütenblätter zusammengenäht und mit einer Perle innen fixiert.

As soon as you have enough circles, sew them toghether and fix a pretty bead in the middle.

Ich habe hier Haarreifen geklebt, es wären aber natürlich auch Haarspangen oder Haargummis denkbar. Die Blüten habe ich mit Heißkleber an die Haarreifen geklebt. Es braucht etwas Fingerspitzengefühl, aber es hält gut!

 

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This time I made alice bands, but you cut of course do some slides or hair ties. I used hot glue for the bands and it’s a bit hot and tricky, but works out just fine!

Neu gelesen

Julie B. Booth: Stoffe bedrucken nach Art des Hauses.

Textildesign aus der Vorratskammer

Julie B. Booth‘ Stoffe bedrucken nach Art des Hauses ist eigentlich erst der Anfang von etwas. Denn als die Textilkünstlerin 2010 ein Stipendium erhielt, um zu erforschen, welche Haushaltsmittel als Reservemittel beim Stoffdruck eingesetzt werden können, entdeckte die sie ihr Faible für Textildruck mit allem, was das traute Heim so hergibt. Wenn man sich auch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass Textildruck eine aufregende und aufwändige Angelegenheit ist, rückt er dennoch mit diesem Buch in den Bereich des Machbaren.

Booth richtet sich nämlich ausdrücklich an kreative Leser, die Textildruck für sich erkunden möchten und vielleicht wenig Vorerfahrung und keinen Atelierzugang haben. Deshalb befasst sich das erste Kapitel ausführlich mit Werkplatz und Grundausstattung und schon hier sieht man, wie genial einfach und effizient Booth plant. Hält man sich an ihre Ratschläge, werden viele Anfängerfehler vermieden.

Drucktechniken und Material

Dann geht es aber auch gleich zur Sache. In einem zweiten Kapitel wird genau erklärt, wie gedruckt werden kann. Collagetechniken, erhabene und vertiefte Drucke, Strukturen mit Fundstücken und Küchenwerkzeugen. Booth‘ Fundus mutet abenteuerlich an, aber die Ergebnisse sind absolut erstaunlich. Schnell verliert man die Angst, denn irgendetwas von dem Material, mit dem Booth druckt, hat jeder zuhause.

Selbst Obst und Gemüse wird zweckentfremdet. Und wenn ich auch etwas leide, weil ich so ungern Essen verschwende, so sehe ich doch die Schönheit eines Kartoffeldrucks, die Strukturen, die in Möhren geschnitten werden können und dass ein halber Apfel immer perfekt in sich ist. Booth beschränkt sich aber nicht nur auf den Kühlschrank, prinzipiell druckt sie mit allem, was ihr zwischen die Finger kommt.

Das eigene Auge schulen

Für mich ist dies die wichtigste Lehre aus dem Buch: habe Mut, dich deines eigenen Auges zu bedienen. Es gibt so viele Strukturen um uns herum, die sich nutzen lassen. Gummis, um Pappröhren gewickelt, die wiederum auf Walzen geschoben werden, Druckstöcke aus Salzteig oder Pappe mit Reis oder Pasta, Schablonen aus Müslikartons und vieles mehr. Die Küche ist ein unendlicher Fundus an Druckmodeln, die nur darauf warten, zweckentfremdet zu werden.

Reservemittel aus der Küche

Darunter versteht man Techniken, die Stoffbereiche vor dem Farbauftrag schützen. Je nach Technik erhält der Stoff eine andere Textur. Mit Wasser und Weizenmehl beispielsweise lassen sich Craquelémuster erzielen, bei Gelatine ergibt sich eine körnige Pünktchenstruktur und mit Handspülmittel ergeben sich scharfe Konturen. Insgesamt können dank der Reservemittel mehrere Schichten Farbe und Druckmuster aufgetragen werden, die dann wieder abgekratzt werden und nach dem Fixieren ausgewaschen werden.

Erst mit dieser etwas komplizierten Technik sehen die Stoffe aus wie gekauft. Booth empfiehlt selbst, viel zu experimentieren, so dass anfangs vor allem Fat Quarter Formate entstehen werden, bevor man sich an den Druck von größeren Stoffflächen wagt. Allein die vielen schönen Arbeitsbeispiele machen Lust aufs Loslegen und dank der detaillierten bebilderten Beschreibungen hat man auch nicht das Gefühl, dass sonderlich viel schiefgehen kann.

Titelangaben:

Julie B. Booth: Stoffe bedrucken nach Art des Hauses.

Aus dem Englischen von Sybille Heppner-Waldschütz.

Bern: Haupt Verlag, 2016. 128 Seiten. 24,90 EUR.

MMI – Meinen Balkon

Ich mag ihn so gern, meinen chaotischen, alten Balkon. Der Boden ist kaputt, die Stühle zerschlissen und Kinderschuhe und Gießkannen türmen sich. Doch für eine Tasse Kaffee an einem sonnigen Nachmittag gibt es keinen schöneren Platz. Ich denke, bald bekommt er eine extra Portion Designliebe…… Was meint Ihr: Boho, Landlust oder Bauhaus? Was für eine Frage.

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I love it so, that old balcony of mine. It’s a mixture between balcony and porch and I love that space outside for a cup of coffee. It needs some tending, though, with its broken tiles and old furniture. Do you hear that cry for Boho? Or Scandinavion chic? Let’s wait for a while.

Garten in der Werkstatt – A Garden in the Studio

Das hier war mein Schaufenster, bevor es im Laden war: ein chaotischer Haufen von Blumen und Blüten und Drähten und Stoffen in der Werkstatt. Unter anderem habe ich PET-Blüten gemacht. Sie werden aus dem Boden der PET-Flaschen geschnitten. In unserem Urlaub letztes Jahr haben wir festgestellt, dass die Italiener unglaublich viele bunte PET-Flaschen benutzen. Wir haben sie alle ausgewaschen und aufgehoben und ich habe sozusagen meine Urlaubsernte verwerkelt. Der Flaschenboden wird zu Blüten geschnitten und geschmolzen. Mit dem Lötkolben löte ich Löcher ins Plastik, durch die ich dann meinen Perlendraht ziehe. Je nach Blüte fädle ich passende Perlen auf. Der Draht wird fixiert und eine Spange dient dazu, die Blüten flexibel einsetzbar werden zu lassen. Zum Beispiel an einem Geschenk oder, wie hier in meinem Laden, an einem Zweig. Schön, wie sie glitzern, oder? Mein Laden ist bunter und in den Weltmeeren schwimmen diese PET-Flaschen nicht.

Verlinkt mit Creadienstag, Meertje, Pamelopee, Dienstagsdinge, HoT, HappyRecycling und Gusta!

This is, what my shop decoration looked like before it was placed in the shop: a total mess of flowers and blossoms. For example, I did PET – Flowers. They are cut out off the bottom of PET -bottles, melted and arranged with beads. On our last trip to Italy we found out, that beverage bottles there had all kind of colors. So we collected them, washed them and brought them home. Which means this is some sort of holiday memory. For a twig or a present. I love their gleam in my window.

Neu Gelesen

Sabrina Sue Daniels: Mittagsglück im Glas

Mehr Farbe in der Mittagspause

Wer unterschätzt nicht den Wert einer selbst zubereiteten und dekorativ angerichteten Brotzeit? Mittags soll es schnell gehen und die Proteinaufnahme steht über einer genussvollen Pause. Dank Sabrina Sue Daniels kann das anders werden. In Mittagsglück im Glas zeigt sie in einem netten, kleinen Büchlein, wie viele Varianten einer gesunden, leckeren und hübschen Brotzeit im Glas es geben kann. Von Müslis über kalte Suppen bis zu Salaten und Kuchen – die Vesperzeit verspricht, bunt zu werden!

Quadratisch, praktisch, gut, mag sich Sabrina Sue Daniels gedacht haben, als sie für EMF die überdimensionierte Schokoladentafel als Rezeptbuch konzipierte. Schon auf den Innenumschlagseiten springen einen die Gläser mit ihren farbenfrohen Inhalten an. Im Inhaltsverzeichnis geht es einmal sehr pragmatisch quer durchs Gemüsebeet. Die Autorin spart sich aufwändige Kapitel und schmeisst die paar Rezepte einfach durchs Buch.

Große Vielfalt für die Pause

Besonders nett finde ich die große Bandbreite. Marokkanische Gerichte neben mexikansichen, bayerische neben asiatischen und dazwischen immer wieder Kuchen und Obst für das Zuckertief. Es gibt nicht viel zu sagen über die Vielfalt, denn sie spricht für sich. Da alle Rezepte in Gläsern abgefüllt werden – z.B. Weckgläser oder Marmeladengläser – ist kein Raum für Heißes. Gerade für die Sommermonate finde ich daher, dass Daniels ins Schwarze getroffen hat.

Die Zutaten sind übersichtlich angeführt, meist reichen sie für zwei Gläser – Mittagsglück also auch für den Liebsten, oder zwei Kinder! Für jedes Rezept gibt es eine Doppelseite und die Zubereitung ist knapp und gründlich beschrieben. Unten gibt es Tipps oder eine Anleitung zum Anrichten, denn das Auge ist bei Sabrina Sue Daniels ausdrücklich mit. Die Zutatenlisten sind fast immer so gehalten, dass ein normaler Supermarkt reicht, um für eine Woche Mittagsglück einzukaufen.

Viele Geschmäcker werden bedient

Die Rezepte gehen von konservativ bis exotisch. Der bayerische Brezelsalat wird meine Kinder glücklich machen und ich würde den Linsen-Fenchel-Salat mit Himbeerdressing bevorzugen. Kalte Suppen mit Zucchini und Melone oder Ananas geben einen Frischekick in die Mittagspause und wer es ganz heimelig braucht, macht sich Overnight-Oats mit Schokolade und Heidelbeeren. Eigentlich ist alles gut vorzubereiten, selbst die Kuchen kann man einen Tag vorher ins Rohr schieben oder wenigstens den Teig anrühren. Das nimmt Druck aus dem stressigen Morgen und stimmt mit Vorfreude auf einen neuen Arbeitstag ein.

Titelangaben:

Sabrina Sue Daniels: Mittagsglück im Glas

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 48 Seiten. 9,99 EUR.