Archiv für den Monat: März 2015

Auf meinem Tisch – On my Table

Eischnee

Irgendwie kennt fast keiner mehr einen ordentlichen Suppenbiskuit. Schließlich kommen die Backerbsen nicht von irgend her! Es gibt Tage, da mache ich mir die Mühe, vor allem, wenn ich frische Rindssuppe gekocht habe und vielleicht auch noch Wochenende ist. Dann kollabieren meine Kinder schier vor Glück, denn es gibt Schöberl!

This is a hard one today. I will write about my favourite part of a clear broth which is not the ingredients of which the broth is made, but more, what is added afterwards. We call it a soup biscuit and I found no adequate translation for it. But: as my kids love it, you might, too!

Für ein doppeltes Rezept brauche ich:

4 getrennte Eier, 80 g Mehl, 2 Prisen Salz.

Das Eiweiß wird steif geschlagen,

For a double amount I take:

4 eggs (separate the yolk from the white), 80g flour, 2 pinches of salt.

Beat the eggwhite until stiff,

 

Eischnee fertig

das Eigelb wird verquirlt und dann

beat the yolk and

Eigelb verquirlen

 

unter das Eiweiß gehoben.

add it to the eggwhite.

 

Eigelb unterheben

Erst jetzt hebe ich noch Mehl und Salz vorsichtig unter.

Now comes flour and salt, mix carefully.

 

Eigelb untergehoben

Mehl unterheben

Schöberl salzen

 

Alles streiche ich auf ein Backblech und schiebe es für 15 min bei 180°C in den Ofen.

Spread it on a baking pan and bake it in the oven for 15 min. on 180°C. 

Schöberl aufstreichen

 

Schön goldgelb kommt der Teig aus dem Ofen, nun kann ich ihn mit dem Messer in kleine Rauten schneiden. Ich richte die Schöberl immer extra an, jeder darf sich zwei, drei in seinen Suppenteller legen und dann – genießen. Den Genuss schicke ich gleich weiter zu Frollein Pfau!

Was steht diese Woche auf Eurem Tisch?

When the biscuit is golden, it’s done. Take a knife and cut small diamonds out of the dough. I usually place the biscuits on an extra plate so that everyone can serve himself. So yummy.

What’s on your table this week?

 

Schöberl Teig fertig

Aus meiner Werkstatt – In my Studio

Silbergeflecht

Ich bin im Hintertreffen mit den Geburtstagsgeschenken. Nicht unbedingt mit dem Machen – aber auch da ein wenig, sondern vor allem mit dem Zeigen. Hier kommt nun endlich die Tasche, die ich meiner Freundin zum Geburtstag geschenkt habe. Ich habe wieder massenweise Safttetrapaks verflochten, denn so hatte ich eine schöne silberne Außenseite (gefällt mir halt im Moment) und diesmal habe ich noch eine Klappe dazu geflochten.

I’m way behind with my birthday presents. Both in making and showing. Here comes the purse I made for a friend’s birthday. I came up with binding masses of LPGs from apple juice because I wanted it to be silvery and spacy, plus I made a flap on top.

Tetrataschenkleber

Damit man den Verschluss nicht sieht, habe ich mich für selbstklebende Klettverschlusspunkte entschieden. Leider, denn sie gehen mit der Zeit ab und nun muss ich doch noch nachdenken.

I decided on self-adhesive hook-and-pile fasteners, which was a bad idea, at least regarding the self-adhesive part. Got to think once more.

Kletttetra

Dann wurde Modeschmuck zum Aufpeppen geplündert.

Then I got all that forgotten jewelry. 

alter Schmuck zerteilt

Auseinandermontiert und angeklebt. Heißkleber hält.

Which was destroyed and reused with hot glue.

Taschenverschluss

Blumen für den Frühling dazu.

A flower was added for springtime.

Graublüte

Taschenblüte

Und dann, damit es schön freakig bleibt, der Taschengurt aus Dosenverschlüssen.

And I made the handle from tin lids. 

Dosenverschlüsse

Dafür hab ich einen alten Baumwollpullover aufgetrennt, denn ich wollte nicht, dass sich meine Freundin mit der Unterseite der Verschlüsse ihre schönen Kleider zerkratzt.

I ripped an old cotton sweater as I didn’t want my friend to get her good clothes destroyed.

Wolle auftrennen

Also habe ich die Verschlüsse eingehäkelt.

Then I started a bit of crocheting. 

Verschlüsse verhäkeln

Sah dann so aus:

Here she is….

Taschengurt fertig

Mit einem D-Ring habe ich den Tragegurt an der Tasche festgemacht.

I used a D-ring to fix the handle on the bag.

Taschengurt detail

Und natürlich noch eine schöne Kiste gebaut, Nassklebeband sei Dank.

Plus I made a pretty box for that purse. 

Kiste für Tasche Kiste frontal

Der Rest vom Modeschmuck kam dran.

Diamonds are a girl’s best friend.

Schmuckverschluss

Tasche  rein, Federn und Schnickschnack drauf.

Bag in, feathers on top. 

Tasche verpackt

 

Und obenrum ein bisschen Wahnsinn für den Alltag. Herzlichen Glückwunsch!

Ich schicke alles zum Upcycling Dienstag, zu Meertje, zum Creadienstag, zu Pamelopee und zu Taschen und Täschchen!

Was habt Ihr diese Woche gewerkelt?

Plus a bit of plain folly for everyday. Happy birthday!

What did you make this week?

 

Tasche fertig verpackt

Jetzt – Neu gelesen

Herbert Renz- Polster, Gerald Hüther: Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum. Ein

neuer Blick auf das kindliche Lernen, Fühlen und Denken.

Raus!

Wie tief verunsichert Eltern dieser Tage bezüglich der Erziehung ihrer Kinder sind, zeigt allein die Fülle an Literatur zu familienpädagogischen Fragen. Jedes Buch, das einen Hauch von Normalität in den überpädagogisierten Kinderalltag bringt, verdient deshalb großes Lob. Umso mehr, wenn es, wie Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther in Wie Kinder heute wachsen, derart profund den kindlichen Entwicklungsraum analysiert und die Leser wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holt.

Ein renommierter Kinderarzt und Vater von vier Kindern und ein angesehener Professor für Neurobiologie verfassen gemeinsam ein Buch über die Kindheit. Das lässt hohe fachliche Kompetenz erahnen, die in unserer Gesellschaft, in der mittlerweile menschliches Urteil über McKinsey-Studien gefällt wird, sehr gefragt ist. Dennoch haben Renz-Polster und Hüther vor allem eines geschrieben: ein Buch über den gesunden Menschenverstand.

Bildungsverzweiflung

Wenn PISA-Studien an den intellektuellen Leistungen des Nachwuchses verzweifeln, Lehrer und Professoren über Verdummung schimpfen und Amokläufe und digitale Welten den Alltag der Kinder aus den Angeln heben, muss doch etwas schief gelaufen sein. Verzweifelte Schulreformen versuchen zu korrigieren, immer mehr Wissen wird in immer kürzerer Zeit doch nicht angeeignet und Wirtschaft und Politik verlangen jüngere Arbeitskräfte mit mehr Bildung.

Gleichzeitig ändert sich wenig zum Guten, Kinder können weder Schwimmen noch Fahrradfahren, motorische Fähigkeiten lassen nach und emotionale Bindungen veröden. Was ist faul im Staate Dänemark? Während die Gesellschaft an Kindergärten und Schulen immer höhere Forderungen heranträgt, legen die Autoren den Finger in die Wunde. Schuld sind die Großen, nicht die Kinder. Es sind die Erwachsenen, die vergessen haben, was Kindheit seit Urzeiten bedeutet.

Kindheit als Ontogenese

Gut, dass Hüther und Renz-Polster hierrauf eingehen. Wie funktioniert Kindheit, das Gehirn, was ist eigentlich los mit dem vermaledeiten Nachwuchs? Die Antwort ist denkbar einfach. Nichts ist los. Die Kinder sind völlig in Ordnung, wie sie es schon immer waren. Nur die Gesellschaft hat sich verändert. Der Mensch wird hilflos geboren und entwickelt zum Homo Sapiens. Doch hat er vergessen, dass auch seine Gattung Teil der Natur ist.

Die Zivilisation gaukelt der Gesellschaft vor, dass sie mit dem großen »Draußen« nichts zu tun habe. Die Höhlen, die Lagerfeuer, Jagen und Sammeln, Überleben in einer Gemeinschaft, in der jeder auf den anderen angewiesen ist, alles scheint überwunden. Doch in der Kindheit spiegelt sich die Ontogenese des Menschen jedes Mal aufs Neue. Deshalb sollten sich Kinder vor allem an der Kraft messen, an der sich die Menschheit schon immer messen musste: an der Natur.

Bildung als Bequemlichkeit

Doch genau hier fangen die Probleme an. Renz-Polster und Hüther schlüsseln klug auf, dass es nicht die Kinder sind, die unter Defiziten leiden, sondern dass es die zivilisierte Bequemlichkeit der Erwachsenen ist, die ihnen den Zugang zur Menschenbildung verweigert. Wenn Erwachsene nicht draußen sind, haben Kinder keine Gelegenheit, sich an der Natur zu bilden. Der Ehrgeiz der Eltern erstreckt sich über viele Dinge, die Natur gehört jedoch nicht dazu. Dabei ist es so einfach, Kinder draußen glücklich zu machen.

Kinder brauchen Natur und Kinder brauchen Kinder. Altersgemischte Gruppen, so die Autoren, die draußen unbeaufsichtigt spielen dürfen, finden schnell in soziale Gefüge, die denen von Gesellschaften gleichen. Die Großen kümmern sich um die Kleinen, nicht immer gewinnt der Stärkere, draußen braucht es auch Geschick und Klugheit. Sportliche Wettbewerbskriterien verfallen, wenn es darum geht, einen Bach zu stauen oder Beeren zu ernten. Kinder, die draußen sind, sind glücklicher und ausgeglichener.

Achtsamkeit drinnen und draußen

Dass Natur nützt und nicht schadet, zeigt der Zulauf zu Waldkindergärten und die lapidare Feststellung Renz-Polsters, dass Waldkindergartenkinder bei der Einschulung keine Defizite aufweisen gegenüber Kindern, die schon im Kindergarten in die Bildungsmühle geraten sind. Mehr Wissen und das auch noch früher? Es bringt den Kindern nichts, sie verarmen emotional und motorisch und sind der Natur unterlegen.

Wie geht man aber mit dem gefährlichen »Drinnen«, den Computerspielen, dem Fernseher um? Hüther und Renz-Polster holen die besorgten Eltern auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie erinnern daran, dass es vor ca. hundert Jahren besorgte Mediziner gab, die feststellten, dass Lesen für Frauen schädlich sein könne, da es den Wahnsinn fördere. Computer und Fernseher gehören zu unserer modernen Art, Geschichten zu erzählen. Es ist der maßvolle Umgang, der hier geübt werden sollte, der den Eltern Angst und schlechtes Gewissen nehmen kann. Kinder, die viel draußen sind, dürfen auch drinnen am Fernseher und Computer spielen und ausruhen.

Bedrohte Welt, bedrohte Kindheit

Es ist dieser Gesellschaft leider gelungen, nicht nur die Erde, die Grundlage ihrer Existenz, deutlich auszulaugen und auszubeuten sondern darüber hinaus auch noch die Basis ihres Fortbestands, den Nachwuchs, zu verunbilden und zu entwurzeln. Dabei hatte die Pädagogik im zwanzigsten Jahrhundert viele gute Ansätze, die den Kindern nützlich wären. Es braucht gar keine großen Reformen, wenn man Renz-Polster und Hüther glaubt. Ein liebevoller, offener Blick auf die Kinder und kritische Hinterfragung der eigenen Lebensart reichen vollkommen aus. Man sollte den Kindern die Natur zurückgeben.

Titelangaben:

Herbert Renz- Polster, Gerald Hüther: Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum. Ein

neuer Blick auf das kindliche Lernen, Fühlen und Denken.

Weinheim: Beltz Verlag 2013. 264 Seiten. 17,95 EUR.