Archiv der Kategorie: Rezensionen

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Mary Karlin: Das große Buch vom Fermentieren. Grundlagen, Anleitungen und 100 Rezepte.

Aus Liebe zum Essen

Tatsächlich war mir nicht bewusst, wieviele fermentierte Lebensmittel ich in der Woche zu mir nehme. Der passionierten Köchin und Autorin Mary Karlin, gebührt die Ehre, mir bewusst gemacht zu haben, was da jeden Tag auf meinem Tisch landet. Das große Buch vom Fermentieren ist kleiner als man denkt, steckt aber voller Überraschungen. Und macht auch deutlich, dass man sich nun auf ein biochemisches Abenteuer einlässt.

Tendenziell fällt mir zum Thema Fermentieren nur Sauerkraut ein. Das ist nicht negativ gemeint, denn ich mag Sauerkraut wirklich. Aber damit endet auch mein Wissensstand. Tatsächlich ist Fermentieren viel mehr. Im Endeffekt ist es eine Art des kontrollierten Verwesens, so dass Lebensmittel durch bestimmte Pilze und Bakterien für eine gewisse Zeit haltbar gemacht werden, in dem ein Gärprozess in Gang gesetzt wird.

Willkommen in der Hexenküche

Mary Karlin erläutert in einem ersten Teil Grundregeln und Grundausstattung beim Fermentieren und schnell wird klar, dass man ein kleines Küchenchemielabor benötigt. Die Utensilien am besten aus Edelstahl, damit sie keine Bakterien annehmen, alles immer sauber und hygienisch, die einzelnen Produkte voneinander getrennt, damit sich die Bakterien nicht kreuzkontaminieren. Gar nicht so einfach.

Trotzdem gelingt es Karlin im Buch gut, schwierige und einfache Methoden zu zeigen, also für die unterschiedlichsten Stufen des Ehrgeizes Projekte vorzustellen. Fermentiert wird alles: Gemüse (Sauerkraut, Kimchi, Oliven…), Getreide (Sauerteig, Bier), Milch (Joghurt, Käse), Tee (Kombucha), Fleisch (Wurst, Corned Beef), Hülsenfrüchte (Sojasauce, Tofu….) und Fisch (Worcestersauce). Das Beste ist natürlich, dass am Ende mit den fermentierten Lebensmitteln auch noch gekocht wird, das erspart einem die komplizierte Suche nach Rezepten.

Alte Küchentradition neu zum Leben erweckt

In jeder Kochkultur wurde immer irgend etwas fermentiert. Ich kenne natürlich Sauerkraut und Sauerteigbrot, aber auch Joghurt, Wurst und Käse konsumiere ich. Joghurt stelle ich bereits selbst her, Käse, vor allem Frischkäse, immer wieder. In meinem Alltag funktionieren am besten schnelle Rezepte. Tendenziell gilt: Fermentieren ist nicht schnell. Ich sehe es an meinem Apfelessig. Wer also sich die Zeit nehmen kann, auf Vorrat zu produzieren, der wird hier seine reine Freude haben. Mein erster Apfelessig ist nun nach drei Monaten trinkfertig und ich freue mich jeden Tag darüber.

Gerade weil der Prozess aufwändig ist, lohnt es sich, auf gute Lebensmittel Wert zu legen. Ich fermentiere also nur, was ich selbst geerntet habe. Das macht die Auswahl leichter. Dieses Jahr gibt es Apfelessig und das Sauerkraut steht auf der To-Do Liste ganz oben. Joghurt mache ich am liebsten aus der guten Milch vom Bioladen und Käse gibt es nur als Frischkäse. Sojasauce würde mich ja sehr interessieren, aber ich habe keine Sojabohnen. Karlins Buch ist auch eines für den langen Atem. Es wird im Bücherregal stehen und immer wieder hervorgeholt werden. Toll finde ich auch ihren Ansatz, ohne Reste zu kochen. Mit Resten vom Sauerteigbrot wird also Joghurt fermentiert, Molke wird zum Saucenkochen benutzt. So bleibt nichts übrig und man ehrt damit auch die eigene Arbeit. Karlin hat mit Das große Buch vom Fermentieren einen absoluten Gegenentwurf zur aktuellen Schnelllebigkeit verfasst und wer sich den Inhalt aneignen will, wird auf jeden Fall entschleunigen müssen.

Titelangaben:

Mary Karlin: Das große Buch vom Fermentieren. Grundlagen, Anleitungen und 100 Rezepte.

Aus dem Amerikanischen von Claudia Theis-Passaro.

Aarau: AT- Verlag, 2015. 256 Seiten. 26,95 EUR.

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Florencia Campos Correa: Minis Weben mit dem Pin Loom.

Kleinkariert

Florencia Campos Correa liebt das Weben. Die Industriedesignerin hat ein Kindheitshobby zum Beruf gemacht. Das muss man sehen und respektieren wenn man sich Minis Weben mit dem Pin Loom zu Gemüte führt. Für alle, die gerne einfach zum Zeitvertreib Handweben möchten auf einem sehr kleinen Rahmen, ist das Buch genau das Richtige. Für mich, als Upcyclerin und Mama in permanenter Zeitnot bietet der Pin Loom nichts Positives.

Mein Haupteinwand: Pin Loom Weben scheint schon immer sinnlos gewesen zu sein. In einem historischen Abriss gewährt Correa Einblick in die Entwicklung des Pin Loom Webens, das vor allem in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts sehr beliebt war. Aber schon damals wusste niemand so recht etwas anzufangen mit den kleinen Flicken, so dass sie zu Patchworkdecken und Babymode verarbeitet wurden. Mit dem zweiten Weltkrieg geriet der Loom in Vergessenheit.

Vergessen und wieder ausgegraben

Zurecht, sag ich mal, denn ich verstehe nicht, weshalb etwas so Überflüssiges wiederbelebt werden muss. Wer eine kleine Handarbeit für Zwischendurch sucht, könnte ja auch häkeln, stricken, sticken. Denn dafür, dass die Minis zu nichts nutze sind, ist die Weberei ganz schön anstrengend. Gewebt wird auf einem kleinen Rahmen, auf dem Nägel in Dreiersystem angeordnet sind. Je nachdem, wie später die Farben um die Nägel gewickelt werden, ergeben sich andere Muster.

Man erkennt, wie gern und gut Correa webt, denn der Part über Mustervariationen ist bei weitem der Ausführlichste im Buch. Und die Muster sind schön und kunstvoll. Je nach Garnqualität, Farbe und Dicke sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Es wird der Kettfaden in drei Lagen aufgebracht, die genau abzuzählen sind. Der Schussfaden webt dann einfach zwischen durch. Wenn man bedenkt, dass zum Vorbereiten ein ebener Untergrund und gute Beleuchtung notwendig sind, ist das Weben ganz schön aufwändig.

Kompliziert und kurz

Jedes Muster erhält eine detaillierte Webanleitung. Je nachdem, wie oft gleichmäßig gewebt wird oder wann über oder unter den Kettfäden durchgewebt wird, ergeben sich unterschiedliche Muster. Verzählen darf man sich genau so wenig wie bei komplexen Strickmustern. Die Muster sehen alle toll aus, doch ist ihnen gemeinsam, dass sie aufgrund der Webtechnik, mit Wolle zu weben, relativ grob und locker gewebt sind. Das muss nicht immer gut aussehen.

Ich finde es schwierig, dass Correa zwar so viele schöne Muster zeigt, aber ihr am Schluss herzlich wenig einfällt, was damit anzufangen wäre. Die Werkstücke enden in allem, was eckig ist: Decken, Handyhüllen, Taschen, Kissen, Ponchos. Bedenkt man, wie viel Arbeit so ein einzelner Mini ist, häkle ich tausendmal lieber Grannysquares, denn das optische Ergebnis ist jedesmal eher ernüchternd, selbst bei einer professionellen Weberin.

Titelangaben:

Florencia Campos Correa: Minis Weben mit dem Pin Loom.

Münster: LV-Buch, 2015. 144 Seiten. 16,95 EUR.

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Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch, Nelly Mager: Kinder Party Küche.

Endlich was zu essen!

Es ist ja nicht so, als ob ich nie Kinderkochbücher rezensieren würde. Nicht alle finde ich gut, dieses hier schon. Das Autorinnenteam Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch und Nelly Mager hat mit Kinder Party Küche bewiesen, dass eine Party vor allem eins braucht: gutes Essen. Dass ich hier ein Kinderkochbuch rezensieren darf, in dem ordentlich und mit guten und frischen Zutaten gekocht wird, freut mich sehr.

Wie bei den meisten Kindergeburtstagen geht es auch diesmal um Mottoparties. Ich finde mittlerweile nach dem vierten Kind Mottoparties deutlich überschätzt, aber mit gutem Essen kann man mich versöhnen. Claudia Seifert schickt die Kindertruppe in den Dschungel, aufs Fußballfeld, zur Teeparte, ins All, auf Hohe See und in einen Gruselfilm. Etwas Auswahl hat man also. Es ist wundervoll, wenn man auf den Fotos echtes gekochtes Essen sieht (nicht nur gestyltes) und anhand der Zutatenliste ersichtlich wird, dass hier wirklich in der Küche gearbeitet wird.

Nichts für Faule

Hier kommt auch das große Manko dieses Buches: wer nicht gerne in der Küche steht, sollte lieber vom Erwerb absehen. Denn hier wird Mürbteig geknetet, es werden Windbeutel gespritzt, Brot wird gebacken und Fleisch wird mariniert und gegrillt. Die »weltbesten Geburtstagskuchen« sind es wirklich, denn obwohl alle Kinder Muffins und Cakepops mögen, sind es immer die gleichen, uralten Rezepte, die dann ganz aufgegessen werden: Guglhupf (hier vogelwild gestreift), Käsekuchen mit Sauerkirschfüllung oder Biskuittorten. Ich fühle mich angenehm an die Kaffeekränzchen meiner Kindheit erinnert.

Die Damen hinter der Kinder Party Küche haben an alles gedacht. Zu jedem Thema gibt es gesunde und witzige Getränke, Smoothies, Shakes oder Bowlen. Selbst die Dekorationsideen sind perfekt und einfach mit Kindern nachzugestalten. Wer möchte, könnte die gesamte Geburtstagsplanung auf diesem Buch fußen lassen. Mir gefällt auch der letzte Teil sehr gut, in dem Geschenke aus der Küche hergestellt werden. Kinder wollen nicht nur feiern, sie wollen auch anderen eine Freude machen. Und das geht am besten mit Selbstgemachtem.

Abwechslungsreich und gesund

Hier sei auch ein Lob bezüglich der Rezeptauswahl ausgesprochen: Selten habe ich ein so abwechslungsreiches und gesundes Kinderkochbuch gesehen. An den Zutatenlisten sieht man bereits, dass alles wundervoll schmecken wird und sogar Kinder mit Unverträglichkeiten können hier zufrieden sein. Mindestens fünf Rezepte sind glutenfrei und sehr oft können Zutaten unaufwändig ersetzt werden.

Viele der Rezepte sind nicht auf einen Kindergeburtstag zugeschnitten. Die Hähnchenspieße mit Dip schmecken auch den Großen, so dass die meisten Ideen variabel einsetzbar sind. Schließlich wird die Kindergeburtstagszeit irgendwann vorüber sein und man ist froh, wenn man ein gutes Kochbuch dann nicht wegwerfen muss. Diesmal also spreche ich ein rundum uneingeschränktes, großes Lob an die Autorinnen aus. Ein tolles Kochbuch!

Titelangaben:

Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch, Nelly Mager: Kinder Party Küche.

Aarau: AT-Verlag, 2016. 184 Seiten. 19,95 EUR.

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Harold Enlow: Der kleine Schnitzworkshop. Figuren und Gesichter.

Schnitz Dir einen Cowboy!

Nein, ich wollte mir wirklich keinen neuen Mann schnitzen. Vielmehr hat mich interessiert, was ich mit dem vielen Holz von meiner Wiese anfangen könnte. Schnitzen lag nahe, nachdem ich bereits Weidenpfeifen mit meinen Kindern angefertigt hatte. Harald Enlow liefert mit Der kleine Schnitzworkshop. Figuren und Gesichter eine Einführung. Allerdings für das Karikaturenschnitzen. Es hätte so schön sein können.

Denn eins ist klar: ich will keine Hillbillies, keine Hexen und Waldschraten, keine grantigen Indianer und keine Gartenzwerge. Wenn ich mir Figuren geschnitzt hätte, wären es wahrscheinlich Krippenfiguren geworden. Zugegeben, Enlow hat dem Titel nach schon kein Krippenfigurenbuch verfasst. Es wird aber auch nirgends erwähnt, dass es sich ausschließlich um Karikaturenentwürfe handelt.

Schnitzgrundlagen für Mimik

Prinzipiell wird gut erklärt, wie man Gesichter schnitzt. Die Erklärungen helfen ausschließlich dann, wenn man nicht das erste Mal ein Schnitzwerkzeug in der Hand hält. Schade, dass auf dem Buchcover nicht erwähnt wird, dass der Workshop für Neulinge nicht ganz so gut geeignet ist. Wer genau wissen will, wie man ein offenes oder geschlossenes Auge schnitzt, ist hier richtig. Wer wissen will, wie man ein Schnitzmesser hält, eher nicht.

Enlow betrachtet sowohl einzelne Gesichtsteile, wie verschiedene Nasenformen, also auch ganze Porträts. Hier beschränkt er sich auf ein weibliches Gesicht, einen Cowboy, den Indianer, einen Weihnachtsmann, eine Hexe, ein hässliches Gesicht und einen Waldgeist. Für jeden Arbeitsschritt gibt es ein Foto, zudem wird das Werkzeug, das gerade verwendet wird, genau beschrieben. Es hängt viel daran, weiches Holz und scharfes Werkzeug zu benutzen.

Detailverliebte Gesichter

Auch wenn es sich nur um Karikaturen handelt, Enlows detailverliebte Gesichter haben alle eine starke Persönlichkeit. Die aber ist deutlich amerikanisch geprägt und passt nur schlecht in meine weihnachtliche Dekorationsplanung. Ich hätte mir eher gewünscht, eine Figur in verschiedenen Schwierigkeitsstufen schnitzen zu können, z.B. in groben Umrissen, mit einer Dekupiersäge vorgesägt und dann nachgearbeitet.

Oder eben themenbezogene Ensembles wie Krippenfiguren. Oder etwas total Allgemeines. So aber sitze ich mit einem Buch über Karikaturenschnitzen da, in dem ich lernen kann, geifernde Cowboygesichter nachzuarbeiten, die aber Hals abwärts im Nebel hängen, denn obwohl eine Figur aus mehr als einem Gesicht besteht, wird nicht mehr gezeigt. Bestimmt findet sich der eine oder andere leidenschaftliche Karikaturenschnitzer, dem Enlows Buch Tipps und Tricks vermitteln kann, mich weihnachtlich gestimmte Mama mit Obstwiesenholz konnte er leider nicht umgarnen.

Titelangaben:

Harold Enlow: Der kleine Schnitzworkshop. Figuren und Gesichter.

Aus dem Amerikanischen von Swantje Baumgart.

Münster: LV-Buch, 2016. 144 Seiten. 19, 95 EUR.

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Hope de Saudol-Roy, Aude Lamblin: Aufgeräumt & zugenäht. Kreative Näh-Projekte, um den Familienalltag zu organisieren.

Ordnung aufgehübscht

Hope de Saudol-Roy und Aude Lamblin haben mit Aufgeräumt & zugenäht ein Thema aufgegriffen, das den Alltag so ziemlich jeder Mama gut umreisst: die Zeit ist knapp, die Kinder sind quengelig und zuhause herrscht das Chaos. Wie sehr wünscht man sich da, mit kreativen Nähprojekten in hübschen Stoffen Ordnung in die eigenen vier Wände zu bringen. Genau das ist der Anspruch ihres Buches.

Einmal vorausgeschickt: die Projekte im Buch sind im höchsten Maße unspektakulär. Gerade als Mama, die viel näht, habe ich neunzig Prozent aller Ideen selbst schon ausprobiert. Haarspangenutensilo, Bettvorhang, Kreidetafel, tausend Utensilos für Klamotten und Bad, Schmuckbilder, Reisetaschen, alles ist bekannt. Da die Schnitte durchgehend simpel sind, reicht oft der Blick aufs Foto, um die Machart zu verstehen.

Nichts Neues

Auch die Autoutensilos habe ich bereits selbst genäht und allein die Tatsache, dass Lamblin und Saudol-Roy besonders hübsche Stoffe verwenden, macht die Schnitte ja nicht anspruchsvoller. Tendenziell muss ich sagen, dass man, möchte man Ordnung ins Kinderzimmer bringen, mit einem Pinterestaccount fast besser fährt. Das Prinzip ist einfach: Konzentration auf drei Grundfarben, alles harmoniert in Schnitt und Stil und dann sieht es aufgeräumt auf.

Leider weiß ich aus mittlerweile 12 -jähriger Mamaerfahrung, dass auch Utensilos sinnvoll genutzt werden wollen und jedes Haarspangenutensilo umsonst ist, wenn das Zeug trotzdem über die Böden fliegt. Aufräumen muss man immer noch selbst. Außerdem mogeln die Autorinnen ein bisschen, denn hübsch bemalte Schülerpulte, Kreidetafeln und Kasperlestheatervorhänge haben erstmal mit Ordnung nichts zu tun.

Wenig Ideen

Auch die Tatsache, dass der Grundgedanke eines Utensilos einfach nur mannigfaltig abgewandelt wird, macht den Frust nicht kleiner. Spiele für den Strand und Wimpelketten sind hübsch, man hat aber den Eindruck, ein Füllsel vor sich zu haben. Man näht doch längst aus Filz Körbe, oder fertigt Taschen zum Aufräumen von Kleinteilen. Für große Kinder braucht es Systeme. Die Schulsachen wollen organisiert sein, ebenso wie Musikschulsachen, Sportbeutel etc. Es gäbe schon Bedarf an genähten Ordnungssystemen, Hängeregale in Kleiderschränken oder Schuhschränken, Gartenordnungssysteme oder Ordnungstaschen für Strickerinnen. Online findet man das längst. Das einzige, was mir an diesem Buch gefallen hat, ist die Kuchentasche zum Transport von Blechkuchen oder Obstkuchen. So etwas habe ich noch nicht gesehen und das ist ein Trostpflaster in einem sonst faden Buch.

Titelangaben:

Hope de Saudol-Roy, Aude Lamblin: Aufgeräumt & zugenäht. Kreative Näh-Projekte, um den Familienalltag zu organisieren.

Aus dem Französischen von Petra Bös.

Münster: LV-Buch, 2015. 96 Seiten. 17,95 EUR.

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Constanze Guhr, Anna Zimmermann: Das kunterbunte Naturbastelbuch.

Perfekt für Kinder

Einmal durch Jahr und Garten gebastelt – klingt das nicht wunderbar? Constanze Guhr und Anna Zimmermann machen genau das in Das kunterbunte Naturbastelbuch. Sie basteln sich einmal durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit Grundschulkindern, die Lust haben, einen etwas genaueren Blick auf ihre Umwelt zu werfen und in Schoten, Blättern, Zapfen plötzlich neue Farben und Formen zu entdecken.

Die Bastelvorschläge sind durchgehend einfach gehalten, so dass selbst Kindergartenkinder sich ans Basteln machen können. Das ist super, denn so dürfen Geschwisterkinder zusammen werkeln. Verarbeitet wird alles, was Natur und Bastelkiste hergeben, gottlob sind Guhr und Zimmermann sehr undogmatisch und achten lieber auf den Blick der Kinder. Dekorstifte, bunte Papiere und Korken harmonieren mit Astgabeln, Blättern, Ahornnasen.

Spielduktus der Kinder aufgegriffen

Am meisten gefällt mir, dass man beim Durchblättern von Das kunterbunte Naturbastelbuch den Eindruck hat, die Autorinnen hätten direkt bei den Kindern abgekupfert. All die Astgabellibellen, Steinkäfer, Blattpuppen und Zapfenbäumchen kennt eigentlich jede Mama aus der eigenen Kindheit. Ich habe meist nichts bemalt und finde es super, wie braunes Holz durch Kinderhand etwas bunter wird.

Zwei Instinkte von Kindern – zumindest meinen – werden so perfekt aufgegriffen: Der Jäger- und Sammlerinstinkt (egal, ob Muscheln, Zapfen, Stöckchen, meine Kinder sammeln immer alles!) und der Instinkt, kreativ zu werden und in Dingen Wesen zu sehen. Mit jedem Stöckchen wurde gespielt, ein Stock wird zum Ritter, Zauberer, das Blatt zur Fee und Guhr und Zimmermann haben gut beobachtet und gehen auf diese Spielart ein.

Jahreszeitlich angemessen

Es wird mit dem gespielt, was die Saison bereit hält. Blüten und Blätter im Frühling, mitsamt dem obligatorisch bemalten Ei, Gräser, Hölzer und Blätter im Sommer, von der Ahornnasenlibelle zum Rindensegelboot, Samen und Stöcke im Herbst und im Winter Zapfen und Material aus der Bastelkiste. Sogar eine Kronkorkenrassel aus einer Astgabel wird gebastelt, das freut das Upcyclerherz.

Mir gefällt, dass manche Projekte an Ort und Stelle draußen durchgeführt werden können, ich sage nur »Rindenboote«, während gerade die Winterprojekte davon leben, Gesammeltes an einem trüben Nachmittag zu verarbeiten. Alle Ideen lassen sich wundervoll in einer Gruppe durchführen, so dass sie sich theoretisch auch für Schulklassen, Kindergartengruppen oder Kindergeburtstage eignen. So schlicht die Ideen also sind, so mannigfaltig sind die Verwendungsmöglichkeiten.

Titelangaben:

Constanze Guhr, Anna Zimmermann: Das kunterbunte Naturbastelbuch.

Bern: Haupt Verlag, 2016. 144 Seiten. 24,90 EUR.

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Eric und Jessica Childs: Kombucha! Der natürliche Energydrink, der vitalisiert, heilt und entgiftet.

In den Zaubertrank gefallen!

Zugegeben, vor allem die Erinnerungen an meine Öko – Kindheit haben mich dazu gebracht, Erich und Jessica Childs‘ Kombucha! Der natürliche Energydrink, der vitalisiert, heilt und entgiftet zu rezensieren. Kombucha stand in der Küche meiner Mutter und meiner Großmutter, die schwabbrigen Pilze lagen im Kompost und die Obstfliegen waren verrückt danach. Ich weniger. Es geht hier also auch um die Beseitigung alter Vorurteile. Und ums Zaubertrankbrauen.

Eric und Jessica Childs sind ein typisches New Yorker Pärchen. Zwei Wissenschaftler in Manhattan lernen sich kennen und lieben und entwickelten aus ihrer Liebe zu Gourmet – Essen und fermentierten Lebensmitteln einen neuen Kombucha, den sie in ihrem eigenen Unternehmen »Kombucha Brooklyn Style« (KBBK) herstellen und verkaufen. Tatsächlich hat der Brauvorgang nicht mehr viel mit dem zu tun, was meine Mutter und Großmutter getan hatten.

Ein Chemielabor

Ich kann mich noch erinnern, dass meine Mutter einfach ein Stück Bucha-Pilz in eine gezuckerte Teekanne gab und umkippen ließ. Das konnte gut gehen, musste aber nicht, so dass wir oft nur Essig erhielten oder der Kombucha schimmelte. Irgendwann verschwand er aus unserer Küche. Bei Eric und Jessica Childs lerne ich zuerst so viel Theorie, dass mir einerseits der Kopf schwirrt, ich mich aber auch frage: Kann Kombucha das wirklich?

Ich weiß, wie gesund fermentierte Lebensmittel sind, aber mit mikrobiotischen Vorgängen habe ich mich weniger auseinandergesetzt. Ganz klar, Kombucha ist ein Superfood! Die Mikrobiologin Jessica Childs listet ganz genau auf, was im Kombucha drin ist und was er kann. Spätestens hier wird auch klar, dass Kombucha! Der natürliche Energydrink, der vitalisiert, heilt und entgiftet kein Buch zum schnellen Kochen ist. Man braucht ein kleines Labor.

Brauanleitung für den Zaubertrank

Gut, KBBK geben sich extra viel Mühe und verkaufen Geschmacksrichtungen, an die ich nicht einmal denke. Ich würde nur gerne einen Kombucha brauen, der nicht nach Essig schmeckt und mich nicht die Welt kostet. Gut, dass die Childs eine Liste der Ausrüstung mitgepackt haben und gut, dass ich schon mal Käse gemacht habe. Viel habe ich daheim, nur pH-Teststreifen müsste ich kaufen.

Gebraut wird Kombucha mit Tee und Zucker. Den Pilz besorgt man sich. Ich frage mich, ob ich wie bei der Essigherstellung auch einen Kombuchapilz herstellen könnte. Tendenziell ist die Herstellung einfach: Tee Kochen, Süßen, Kombuchapilz mit Kombucha rein, warten. Der Teufel liegt wie immer im Detail und Eric und Jessica Childs führen durch die Buchabraucamps. Ich fand auch die Herstellung von Apfelessig gar nicht schwierig, hält man sich an Details und Wärmevorgaben.

Gourmetvarianten

Für mich ist im Moment nur interessant, wie ich überhaupt einen Kombucha braue. Eric und Jessica Childs gehen weiter. In weiteren Bucha-Camps wird der Kombucha ein zweites Mal vergoren, um Geschmackszutaten und Säfte zugeben zu können. So wird das Getränk sehr vielseitig. In einer weiteren Gärung wird der Alkoholgehalt so verändert, dass eine art Bucha-Bier entsteht. Mich fasziniert die Variationsbreite, wenn mir auch im Moment das Grundprinzip ausreicht.

Schließlich am Schluss die Gretchenfrage: Wie hältst Du‘ s mit den Buchapilzen? Eric und Jessica Childs haben auch hierfür massenhaft Lösungen. Die Kombucha – Pilze werden nur einmal verwendet, dann bildet sich ein neuer Pilz. Die alten Pilze sind ideal zum Kompostieren, zum Essen, zum Braten, zum Kochen. So findet sich im Anhang an die Brauanleitungen noch ein ausführlicher Kochteil. Super, finde ich, wenn auch der Hasenfuß in mir sehr beruhigt ist, dass ich zur Not den Kombucha einfach kompostieren kann. Jetzt warte ich auf die Sommerferien und dann lege ich los!

Titelangaben:

Eric und Jessica Childs: Kombucha! Der natürliche Energydrink, der vitalisiert, heilt und entgiftet.

Aus dem Englischen von Julia Augustin.

Kandern: Unimedica Verlag, 2015. 216 Seiten. 19,80 EUR.

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Malu Simões, Alberto Musacchio: Vegetarissimo. Feine vegetarische Kochkunst aus Italien.

Gourmetküche fleischlos

Nur an Italien zu denken, löst Glücksgefühle aus. Sonne, Toskana, Meer, blauer Himmel und am Abend das leckere Essen bei einem Glas Rotwein. Es ist eigentlich völlig logisch, dass das auch vegetarisch geht. Es ist allerdings Malu Simões und Alberto Musacchio aus dem Country House Montali zu verdanken, dass mit Vegetarissimo. Feine vegetarische Kochkunst aus Italien ein vegetarisches Kochbuch aus der Gourmetküche seinen Weg nach Deutschland gefunden hat.

Ganz einfach: an diesem Kochbuch stimmt alles. Es geht um feine Küche, nicht um Hausmannskost und entsprechend darf man sich gerne wappnen. Malu Simões und Alberto Musacchio kochen keine Montagsessen, die in einer halben Stunde fertig sein müssen und möglichst warm haltbar gekocht werden, weil alle Kinder unterschiedlich von der Schule kommen. Nein, hier wird italienische Kochkunst zelebriert und mit allen modernen und kosmopolitischen Kniffen kredenzt.

Menüs für jede Geschmacksrichtung

Die Rezepte sind klassisch aufgeteilt nach Antipasti, Primi, Secondi und Desserts. Sehr sympathisch sind die kleinen Anekdoten, die der Autor und Koch aus seinem Gastronomennähkästchen teilt. Zusammen mit der äußerst ästhetischen Aufmachung wird Vegetarissimo so zum idealen Geschenk an vegetarisch lebende Freunde. Wundervoll auch die kleinen dezenten Hinweise am Anfang jedes Rezepts, wo Entstehungsgeschichte und Humor ihren Platz finden.

Zur besseren Orientierung finden sich anfangs ebenfalls für die Hobbyköche nützliche Übersichten bezüglich Zubereitungszeit, Schwierigkeitsgrad und der Möglichkeit, das Rezept auch glutenfrei oder vegan nachzukochen. Gerade die glutenfreie Variante gefiel mir sehr. Die meisten Rezepte in diesem Kochbuch sind sowohl auf herkömmliche Weise als auch glutenfrei zu kochen, was vielen Menschen endlich Zugang zu einer traditionell glutenhaltigen Küche gewährt.

Traditionelles und Ausgefallenes

Es macht, wie immer, die Mischung. Die Möglichkeit, auf der einen Seite traditionelles Salzgebäck herstellen zu können und eine Seite weiter ein Rezept für Blumenkohlschaum zu finden, macht den Reiz des Kochbuchs aus. Wieder eine Seite weiter wird brasilianisches Streetfood gekocht, gefolgt von Focaccia. Selbst vegetarisches Sushi fehlt nicht. Wer bis jetzt schon gern vegetarisch gekocht hat, wird diese Küche lieben, vor allem, wenn sich Leidenschaft mit Zeit verträgt.

Denn zeitintensiv sind die meisten Rezepte, selbst die Pasta, die nicht frisch zubereitet wird. Es wird geköchelt, was das Zeug hält, so dass selbst die traditionell einfache Tomatensauce eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt. Gut Ding will Weile haben, das gilt ganz gewiss für die Gourmetküche. Neben klassischer Pasta und Reis wird auch Couscous und Filoteig zur Zubereitung benutzt.

Abwechslungsreich und anspruchsvoll

Es wird einem nicht langweilig bei der Lektüre von Vegetarissimo. Es gibt kein Kochprinzip, das ständig wiederholt wird, jedes Rezept ist ein Unikat und schmeckt auch so. Gerade die Tatsache, dass auf Fisch und Fleisch (aber nicht auf Käse) verzichtet wird, stellt die Köche vor interessante Herausforderungen, denn der ewige Sonntagsbraten kann gewiss nicht zubereitet werden. Doch gefüllte Artischocken, Hirsepastete und Kokoskartoffeln lassen keine Wünsche offen und jedermann satt werden.

Wundervoll auch die Desserts, von denen ich kein einziges kannte. Brasilianische Flans, glutenfreie Schokoladendesserts oder Brotpudding – es hört sich alles wundervoll an. Das einzige Problem ist tatsächlich der Zeitaufwand, der mit der Zubereitung verbunden ist. Wer nicht ein leidenschaftlicher Sonntagskoch ist, wird Vegetarissimo wohl eher selten zur Hand nehmen. Die kulinarischen Preziosen sind leider kaum alltagstauglich. Trotzdem und vielleicht gerade deswegen ist es ein wundervolles Kochbuch.

Titelangaben:

Malu Simões, Alberto Musacchio: Vegetarissimo. Feine vegetarische Kochkunst aus Italien.

Aus dem Englischen von Christine Frauendorf-Mössel.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2015. 336 Seiten. 34 EUR.

Ein Augenblick – One Moment

Lesen und Blumen – beide Hobbys vereint auf meinem Tisch. Eine Woche vorbei, die neue noch nicht begonnen. Weil’s so schön war, ab damit zum Freutag und zu Friday – Flowerday!

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende, wir sehen uns wieder am Montag!

Reading and flowers – I love them both. A week ends, the next hasn’t started yet. How wonderful!

I wish you a fabulous weekend, I’ll be back again on monday!

 

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Ein Augenblick – One Moment

Lesen und Blumen – beide Hobbys vereint auf meinem Tisch. Eine Woche vorbei, die neue noch nicht begonnen. Weil’s so schön war, ab damit zum Freutag und zu Friday – Flowerday!

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende, wir sehen uns wieder am Montag!

Reading and flowers – I love them both. A week ends, the next hasn’t started yet. How wonderful!

I wish you a fabulous weekend, I’ll be back again on monday!

Kinderblumen

Herdstrauss Hagebuttenstrauß