Archiv der Kategorie: Rezensionen

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Monbijou: Loriot Notizen.

Shane Madden: Stickern nach Zahlen. Fabelhafte Tierwelt.

Helmut Stabe: Poesien des Alltags. Das Zündholz.

Kleine Geschenke für bibliophile Freunde

Ich entwickle eine emotionale Beziehung zu Papier. Schöne Buchseiten haben etwas sehr Entschleunigendes an sich. Diesmal stelle ich Euch drei ganz unterschiedliche Exemplare vor, die alle wundervolle Geschenke sind. Die Loriot Notizen von Monbijou huldigen dem großen Komiker, Shane Maddens Stickern nach Zahlen. Fabelhafte Tierwelt vereint Meditation und Papier und Helmut Stabes Poesien des Alltags. Das Zündholz erinnert an die kleinen Dinge des Lebens.

Der rote Faden ergibt sich aus dem Gedanken des Geschenks an sich. Manchmal weiß ich, welche Art von Buch gern gelesen wird, ein andermal brauche ich nur eine Geste. Eine wundervolle Geste an nostalgische Menschen ist Helmut Stabes Hommage an das Zündholz. Ganz klein und zart, mit liebevoll goldenem Imprint und die Innenseite gestaltet wie eine Zündholzschachtel. Das kleine rote Heft ist ganz den Gedanken gewidmet, die um die Kunst des Feuermachens mit Streichhölzern kreisen.

Wundervoll editiert

Natürlich wird Prometheus, der Stammvater des Feuers, bemüht. Aber auch alle anderen Techniken, Wärme und Licht in die Menschenwelt zu bringen, werden aufgezählt, bis eben das Streichholz an der Reihe ist. Wer hat’s erfunden? Welche Geschichten handeln vom Zündholz und was machen die Leute mit den alten Schachteln? Humorvoll und liebevoll kreist das Heftchen um das Zündholz und lässt auch Anekdoten und Spiele nicht aus. Ein tolles Geschenk für Nostalgiker.

Genauso schmunzelnd wird man das Loriot Notizbuch betrachten, das aus der Monbijou Edition stammt. Mein Rezensionsexemplar widmet sich den Damen des Komikers, unvermeidlich denke ich an Evelyn Haman und das Jodelseminar. Wer Loriots verzweifelte und stille Karikaturen mag, wird das Notizbuch lieben. Die schönen Seiten werden durch einen Reißverschluss geschützt, die Buchdeckel sind stabil wie eine Mappe. Und innen wandern Loriots Damen tippend, tobend, als Walküren, als Politessen durch das Büchlein. Herrlich.

Farbenfreude entspannt

Wer sich lieber ohne lesen und schreiben entspannt, für den ist Shane Maddens Stickerbuch die richtige Wahl. Es folgt dem Trend der Ausmalbücher für Erwachsene, nur ist es etwas reisetauglicher gehalten. Keine Stifte sind notwendig, um den schönen Tierbildern Charakter zu geben. Doch geht es nicht nur ums Kleben: Madden hat jedes Tier mit einer Mediation umrahmt. Entspannung, Selbstliebe, Seelenruhe, neue Tatkraft: Das sollen die unterschiedlichen Meditationen und Tierbilder vermitteln.

Es entstehen farbenfrohe Tiermandalas im orientalischen Stil, die nach dem Kleben vielleicht ein zweites Leben als Postkarte oder in einem Rahmen erhalten dürfen. Die Farbkombinationen sind sehr harmonisch und ich kann mir gut vorstellen, dass an einem regnerischen Nachmittag die Sticker eine perfekte Beschäftigung sind. Dreimal also darf gewählt werden, alle Ausgaben sind ideal als Mitbringsel zum Kaffeetrinken, zum Geburtstag oder an einem netten Abend.

Titelangaben:

Monbijou: Loriot Notizen.

Köln: Helmut Lingen Verlag, 2018. 96 Seiten. 10,99 €.

Shane Madden: Stickern nach Zahlen. Fabelhafte Tierwelt.

Übersetzt von Christine Heinzius.

Münster: LV-Buch, 2017. 64 Seiten. 7,06 €.

Helmut Stabe: Poesien des Alltags. Das Zündholz.

Aarau: AT Verlag, 2018. 32 Seiten. 7,50 €.

Neu Gelesen

Felix Immler: Outdoor mit dem Taschenmesser. Das kleine Handbuch für unterwegs.

Nicolas Lätt: Outdoor Kids. Bushcraft und Abenteuer mit Kindern für jede Jahreszeit.

Raus mit Euch!

Im AT – Verlag sind in diesem Jahr einige Bücher zum Thema »Outdoor« erschienen. Eine wahre Goldgrube für all jene, die ihre Ferien ab vom Mainstream verbringen möchten, ob mit oder ohne Kinder. Natürlich interessieren mich die Aktivitäten für und mit Kindern mehr, deshalb heute eine kleine Vorauswahl. Mit Felix Immlers Outdoor mit dem Taschenmesser. Das kleine Handbuch für unterwegs erhält man ein tolles Projektbuch für Tage im Wald, während Nicolas Lätts Outdoor Kids. Bushcraft und Abenteuer mit Kindern für jede Jahreszeit ganze Reiseprojekte vorstellt. Perfekt für Familien!

Beide Bücher sind ansprechend gemacht und wunderbar geeignet für Familien. Die Projekte und Trips sind ganz unterschiedlich gehalten und man sollte bedenken, dass der AT-Verlag aus der Schweiz stammt. Ich würde mal sagen, grad in Oberbayern und im alpinen Österreich sind alle Projekte von Nicolas Lätt sehr leicht umzusetzen, während das waldige Voralpenland und der Rest der Republik sich vielleicht über die Bushcraft von Felix Immler freut.

Draußen sein

Kinder sind gerne draußen. Meistens braucht es auch kein spezifisches Projekt, um draußen Spaß zu haben. Für einen Tag im Wald aber ist es oft ganz praktisch, im Falle aufkommender Langeweile Ideen zu haben. Die haben beide Autoren, während Immlers Impulse aber besser geeignet sind für kurze Aufenthalte. Eine Hütte bauen, schnitzen, über einer Feuerstelle grillen. Kleine Kinder finden sich gleich in ein Rollenspiel, während die großen ihre Schnitz- und Baukünste erproben müssen.

Nicolas Lätt ist selbst Vater von vier Kindern und übernachtet mit ihnen gerne draußen. Entsprechend eignen sich seine Gedanken perfekt für die Planung ganzer Touren, die mehrere Tage dauern sollen. Lätt lebt in der Schweiz, Berge, Bäche und Wälder sind in den Projekten allgegenwärtig. Im Schwabenland dagegen werde ich nicht in Versuchung kommen, mit meinen Jungs ein Iglu zu bauen.

Die richtige Ausrüstung

Beide Autoren betonen, wie wichtig eine gut funktionierende Ausrüstung für Outdoorabenteuer ist. Vom hochwertigen Taschenmesser bis hin zu den richtigen Schlafsäcken und Zelten erhält man in beiden Büchern wertvolle Hinweise für Planung und Durchführung. Dabei gefällt mir besonders, dass Lätt sowohl für kleine als auch große Kinder plant und dass Immlers Projekte sich auch für Erwachsene eignen.

Immlers Projekte gliedern sich in »Werkzeuge und Hilfsmittel«, »Campingeinrichtung«, »Küchenutensilien« und »Kochstelle«. Einem erfolgreichen Aufenthalt im Wald wird also auch in kulinarischer Hinsicht nichts entgegenstehen. Lätt dagegen sind nach den Jahreszeiten aufgeteilt. Im Frühling wird im Wald eine Hütte gebaut, Feuer gemacht und im Wald geklettert, Gold gewaschen, mit dem Kanu gefahren und mit Pfeil und Bogen geschossen. Bachbettwanderungen im Sommer, Kochen auf einer Feuerstelle, kindgerechtes Wandern und Wasserwandern sind wundervolle Projekte im Sommer.

Lust auf Natur

Was beide Autoren sympathisch macht, ist auch, dass sie jeweils großen Wert auf einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen der Natur legen. Wie verhalte ich mich im Wald, was ist, wenn ein Kind auf die Toilette muss, welches Material kann ich ohne Bedenken nutzen. Gerade Lätt, der Vater und Lehrer plaudert dabei humorvoll und sympathisch aus dem Nähkästchen, während Immler sich lieber kurz hält und im Taschenbuchformat alle wichtigen Informationen vermittelt.

Titelangaben:

Felix Immler: Outdoor mit dem Taschenmesser. Das kleine Handbuch für unterwegs.

Aarau: AT Verlag, 2018. 128 Seiten. 13 €.

Nicolas Lätt: Outdoor Kids. Bushcraft und Abenteuer mit Kindern für jede Jahreszeit.

Aarau: AT Verlag, 2018. 136 Seiten. 20 €.

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Maria Skärlund: Töpfern lernen. Grundlagen. Technik. Projekte. Inspiration.

Projekte für die Zukunft

Ich bin eine große Keramikliebhaberin. Wo immer ich hinfahre und Urlaub mache, versuche ich, landestypische Keramik mit nach Hause zu bringen. Italien, Spanien, Griechenland, überall finde ich kostbare Kleinigkeiten. Am liebsten würde ich selbst Keramik herstellen können. Deshalb wollte ich unbedingt Maria Skärlunds Töpfern lernen. Grundlagen. Technik. Projekte. Inspiration lesen. Ein wunderbares Buch für Einsteiger. Und definitiv zu anspruchsvoll für mich.

Schuster, bleib bei deinen Leisten. Ich werde wohl nicht Töpfern lernen. Denn obwohl Maria Skärlund alles dafür tut, einem die Angst zu nehmen und in ihrem Büchlein sehr einfache Projekte vorstellt, scheitere ich an der Zeit. Wann bloß soll ich jetzt auch noch töpfern? Generell ist Skärlunds Buch toll aufgeteilt. Es gibt Kapitel zu Grundlagen, Ton Schlagen, Schalen, Teller, Fliesen, Formen, Becher, Henkel, Dosen und Fußkonstruktionen.

Gute Einführung für Neugierige

Man erhält einen sehr komprimierten Überblick über alles, was es beim Töpfern zu bedenken gilt.

Wichtige Fachbegriffe zu Glasuren und Brenntechniken werden genauso vorgestellt, wie bestimmte Handgriffe beim Drehen der Töpferscheibe oder Tricks beim Abformen. Faszinierend, wie wenig sich die Techniken in den letzten tausend Jahren geändert haben. Töpfern ist eine uralte Handwerkskunst.

Entsprechend gestalten sich die Werkzeuge, die benutzt werden. Seit vielen Jahrzehnten begleiten z.B. Schamotte, Schlicker, Engoben oder Ränderscheiben die Keramiker. Viel Wert wird auch auf das Schlagen von Ton gelegt, der vor der Bearbeitung erst weich werden muss. Wer nicht gleich viel Geld in eine Töpferscheibe investieren will, erhält Tipps für die Gestaltung von Hand. Ob Abformung oder Ausformung mit den Fingern, der Einstieg ist leicht.

Netzwerk erforderlich

Letztendlich braucht man aber doch einen Kurs. Denn wie sonst erhielte man Zugang zu einem Brennofen oder den entsprechenden Lasuren? Ich habe bereits einmal getöpfert und von Hand geformt und hatte das Glück, einen Keramiker zu kennen, der für mich mitgebrannt hat. Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn gerade bei Laien zerplatzen die Werkstücke oft, wenn in der Abformung Risse oder Blasen waren.

Im Handwerk ist nichts so leicht, wie es aussieht. Ich habe großen Respekt vor den Keramikern, die liebevoll und in Kleinstarbeit ihre Werkstücke ausgestalten. Aber ein Buch allein wird mich nicht in dieses Universum einführen. Für alle, die sich aber ernsthaft mit dem Gedanken an einen Kurs herum schlagen, kann ich das Buch als wertvollen Einstieg in die Welt der Fachbegriffe nur empfehlen. An die Scheibe!

Titelangaben:

Maria Skärlund: Töpfern lernen. Grundlagen. Technik. Projekte. Inspiration.

Übersetzt von Christine Heinzius.

Münster: LV-Buch 2016. 116 Seiten. 17,95 €.

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Hugh Fearnley- Whittingstall: Täglich Früchte. 160 Rezepte, pikant und süß.

König der Obstbauern

Klar, hier bin ich voreingenommen. Dieses Jahr habe ich 40 kg Sauerkirschen und 30 kg Süßkirschen geerntet. Plötzlich merke ich, wieviel Obst auf meinen Obstwiesen wächst. Wer nicht nur Kirschmarmelade haben möchte, liest bei Hugh Fearnley- Whittingstall nach. In Täglich Früchte. 160 Rezepte, pikant und süß gibt der bekannte Gastronom viele Anregungen, die über Saft und Marmelade hinaus gehen.

Früchte sind immer toll. Sie schmecken am besten roh, vom Baum oder Strauch und die sonnengereifte Süße betört jeden Gaumen. Es geht nichts über eine Handvoll Erdbeeren oder eine Aprikose, die vor reifer Süße freiwillig vom Baum fällt. Hält sich die Ernte in überschaubaren Grenzen, ist dies der beste Weg, Früchte zu genießen. Für alle anderen Möglichkeiten gibt es nun ein neues Buch.

Süße Früchtchen

Hugh Fearnley-Whittingstall vergisst in seiner Abhandlung nichts. Von Sommerbeeren über Rhabarber, bis hin zu Steinobst, Äpfeln, Wildfrüchten, Südfrüchten und Trockenobst widmet er allen Obstsorten ein Kapitel. So kommt es, dass Täglich Früchte ein relativ umfangreiches Buch ist. Das Prinzip darin ist aber einfach: Früchte schmecken immer. Natürlich auch auf Tartes und anderen Kuchen, deshalb findet man auch diese Rezepte im Buch.

Aber eben auch im Salat, zum Braten, im Brot und so weiter. Chutneys und Saucen bekommen durch Früchte eine ganz eigene Würze, auch mit Frischkäse, Speck und Bohnen lassen sie sich gut kombinieren. Zu jedem Kapitel gibt es eine ausführliche, persönliche Einführung, so dass es auch einfach lohnt, Täglich Früchte zu lesen. Hugh Fearnley – Whittingstall ist sich nicht zu gut für klassische Rezepte wie ein wundervolles Himbeersorbet, aber natürlich sind es Schätze wie ein »Kaninchen-Rillette mit Stachelbeer – Relish«, die sofort Lust aufs Kochen machen.

Deftige Obstvariationen

Eigentlich muss man nur ein bisschen umdenken und aufhören, Obst als Süßigkeit zu begreifen. Steckt man seinen Kopf in die Welt hinaus, wird man schnell entdecken, dass in Asien, im Orient oder in Südamerika viel öfter deftig mit Früchten gekocht wird. Die Melone mit Schinken hat es sogar in unsere Breitengrade geschafft. Als niederbayerische Mama kenne ich viele süße Hauptgerichte, Mehlspeisen, die aus der böhmischen und österreichischen Tradition stammen. Ich könnte Whittingstalls Ausführungen hier ergänzen.

Toll finde ich auch die Wildobst- und Trockenobstrezepte am Ende des Buches. Sie sind vor allem für Menschen gedacht, die keinen uneingeschränkten Zugang zu Früchten haben. Für mich ist Dörren oft eine tolle Möglichkeit, Sommerobst wie Kirschen haltbar zu machen. In Wein eingelegt lassen sich daraus tolle Bratensaucen zaubern. Gleichzeitig lerne ich auch gute englische Küche mit den vielen Puddings und gedämpften Fleischgerichten kennen. Das »River Cottage«-Team ist bekannt für seinen nachhaltigen und experimentellen Kochstil. Früchte in unseren täglichen Ernährungsplan mit einzuplanen, ist das neue Verdienst des Teams rund um Hugh Fearnley-Whittingstall.

Titelangaben:

Hugh Fearnley- Whittingstall: Täglich Früchte. 160 Rezepte, pikant und süß.

Aus dem Englischen von Susanne Bonn.

Aarau: AT Verlag, 2017. 416 Seiten. 28 €.

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Ernst Peter Fischer: Das Große Buch der Physik.

Willkommen in unserem Universum

Ernst Peter Fischer gelingt es mit Das Große Buch der Physik meisterhaft, interessierten Laien einen populärwissenschaftlichen Zugang zu physikalischen Grundlagen und deren Auswirkungen auf unser aller Leben zu geben. In dem prunkvollen Band aus der Edition Fackelträger werden, umrahmt von berauschenden Fotografien und Grafiken, physikalische Phänomene verständlich erklärt. Sämtliche Begriffe und Teildisziplinen, von der Energie bis zur Plasmaphysik, werden auf knapp dreihundert Seiten vorgestellt und in einen Zusammenhang gebracht.

Physiker werden nur müde lächeln ob Fischers Bemühungen, die Welt der Physik praktisch allen zugänglich zu machen. Doch der Professor für Physik, der sich auf die Wissenschaftsgeschichte spezialisierte und unter anderem in Heidelberg und Konstanz lehrte, ist bekannt für seine ausgezeichneten publizistischen Leistungen. In Das Große Buch der Physik macht er sich auf, vielen Menschen auf äußerst ästhetische Weise die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen.

Symbiose von Theorie und Praxis

Physik ist ein wunderbares Beispiel für das anschauliche Zusammenwirken von Theorie und Praxis. Seit tausenden von Jahren beschäftigen sich Denker mit den Phänomenen der sichtbaren und unsichtbaren Welt und versuchen, die Beobachtungen in Denkmodellen der Physik zusammenzufassen. Entsprechend begibt sich der Wissenschaftshistoriker Fischer auf eine Zeitreise und teilt sein Buch über Physik in drei große Teile: Die Grundbegriffe, klassische Physik bis zur Quantenmechanik und schließlich moderne physikalische Strömungen mit ihren großen Rätseln für unsere Zukunft.

Dabei richtet sich der ästhetische, große Bildband an jene interessierten Leser, die zu Schulzeiten an der Physik vielleicht sogar gescheitert sind, bzw. froh waren, nach Ende der Schulzeit mit solch komplexen Phänomenen nichts mehr zu tun zu haben. Entsprechend umfangreich ist auch der Teil des Buches, der sich den Grundbegriffen widmet, die geklärt sein wollen, bevor es der Relativitätstheorie an den Kern geht.

Reise durch die Wissenschaftsgeschichte

Was ist eigentlich Energie? Viele gängigen physikalischen Grundbegriffe wurzeln in den Denkmodellen der Antike, sowie zum Beispiel Aristoteles den Begriff der Energie, »energeia« geprägt hat. Energie ist dann die Aufwendung, die ein Individuum einsetzen muss, um eine Möglichkeit auszuführen. Es brauchte aber erst den Umweg über den Gedanken der Kraft, der auf Newton zurückgeht, sowie die Entwicklungen der industriellen Revolution, bis der bahnbrechende Gedanke der »energeia« des Aristoteles in die Lehre aufgenommen wurde.

Anekdotenhaft und charmant führt Fischer die Leser durch das Universum der Physik. So vieles wird vermittelt, »Atom«, »Quantum«, »Elementarteilchen« und das Standardmodell der Physik. Fischer strengt sein Publikum an, er fördert nicht nur das Verständnis der Wissenschaft, er fordert auch das Verstehen ein. Während er nonchalant über Komplementarität plaudert, sich wundervolle Wissenschaftsfotografien und Grafiken durch den Bildband schlängeln, wird immer wieder nebenbei eine Formel erklärt und niedergeschrieben.

Wunder erkennen

Dabei umgibt sich Fischer nicht mit den Insignien eines dünkelhaften Gelehrten. Ihm ist klar, dass seine realitätsverhafteten Leser erst einen Zugang zur Thematik brauchen, der sich bei Mechanik und Elektrodynamik noch rasch finden lässt, aber spätestens bei den Relativitätstheorien und der Quantenmechanik dem Alltagsverständnis entzieht. Ohne Arroganz zeigt er auch die Grenzen der Wissenschaft auf, die eigentlich ja die Welt erklären will und doch immer wieder erkennen muss, wie sehr sie erst am Anfang der Welt steht.

Entsprechend komplex gestaltet sich der Teil über moderne physikalische Denkansätze, von Astrophysik über Geophysik bis hin zur Kosmologie und zur Tieftemperaturphysik. Hier gibt es nichts final zu erklären, es kann nur ein Tor aufgestoßen werden zu einem Universum voller Rätsel und Wunder. Dennoch gelingt es Fischer, anhand von Beispielen wie dem CERN oder gerade der Geophysik mit der Darstellung des irdischen Planeten konkrete Bezüge zur Wirklichkeit zu schaffen. Nicht, dass man nach der Lektüre ein Physikstudium in Angriff nehmen könnte. Doch zu verstehen und hochzuachten, dass es Menschen gibt, die sich den Rätseln des Universums kreativ stellen, ist eine Erkenntnis, die man nach der spannenden Lektüre von Fischers Das Große Buch der Physik durchaus gewinnen kann.

Titelangaben:

Ernst Peter Fischer: Das Große Buch der Physik.

Köln: Fackelträger Verlag, 2017. 320 Seiten. 40 EUR.

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Andy Standing: Aus einem Brett. Einfache Holzprodukte.

Aus einem Holz geschnitzt

Andy Standing hat in Aus einem Brett. Einfache Holzprodukte in eindrücklicher Weise klar gemacht, dass Kreativität oftmals gar nicht viel braucht. Um Wundervolles und Nützliches herzustellen, genügen manchmal ein Brett und eine Werkstatt. Wer zufällig ein Brett daheim herumliegen hat – und wer hat das nicht – kann mit den Bauplänen von Standing einfache Dinge für Haus und Garten schnell herstellen und erhält einzigartige Unikate.

Geht es Euch nicht auch so? Holz ist besonders. Sofort bekommt die Umgebung einen warmen Glanz, Holz wirkt irgendwie nie schmuddelig und immer sauber, man fasst es gerne an und fühlt sich wohl und wie zuhause. Ach ja. Klar sollte sein: Für mich ist dieses Buch gar nicht gedacht. Ich habe viele Hobbies, aber die Holzarbeit ist es nicht. Dafür denke ich ganz fest an meinen Mann bei diesem Buch, denn einige der Projekte finde ich wirklich nicht nur praktisch, sondern auch schön.

Schön und nützlich

Andy Standing weiß genau, was wichtig ist. Und für mich ist das im Moment nicht noch mehr Krempel sondern lieber Dinge, die ich viele Jahre benutzen werde. Wenn Standing also Baupläne liefert für Wäscheständer, Werkzeugkisten, Bücherregale und Schuhständer, dann finde ich das super. Sauber und ordentlich sehen die Dinge aus, schnörkellose Designs, die sich auf das Wesentliche beschränken.

Während ich Schirmständer und Lampenfuß aus Holz plump finde und nicht mag, hat es mir besonders das Weinregal und das Schuhregal angetan. Alles fliegt in diesem Haus durcheinander und Standings Pläne sehen so übersichtlich aus, dass sie sich wahrscheinlich variieren lassen. Großer Nachteil für Anfänger: Man braucht Werkzeug und zwar gutes. Wer also keine Werkstatt hat und weder über eine Kappsäge noch über einen Bandschleifer verfügt, der wird sich schwer tun.

Gute Ideen für Hobbyschreiner

Selbst, wenn die Entwürfe einfach gehalten sind, sollte man für Standings Pläne mehr sein als ein blutiger Anfänger. Schließlich sollen die Werkstücke, ob nun Regale, Messerblock, Wannenablage oder Tritthocker, lange halten und nicht nach Murks aussehen. Andy Standing hat damit ein ideales Buch für alle Hobbyholzarbeiter geschrieben, die bereits über eine gut ausgestattete Werkstatt verfügen und nun nur noch die passenden Ideen brauchen. Hier kommen sie!

Titelangaben:

Andy Standing: Aus einem Brett. Einfache Holzprodukte.

Übersetzt von Susanne Englmayer.

Münster: LV Buch, 2017. 176 Seiten. 20 EUR.

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Malin Landqvist: Marmelade, Saft & Sylt. Bullerbü im Glas.

Alles Gute kommt von Obst und Beeren

Malin Landqvist hat alle Begehrlichkeiten, die es jemals geben kann, bei mir aktiviert. In Marmelade, Saft & Sylt. Bullerbü im Glas wird schwer danach getrachtet, eine kochsüchtige Obstwiesenmama wie mich richtig glücklich zu machen. Ich liebe Bullerbü, Beeren und Obst. Und obwohl ich zuerst gedacht hatte, ich hätte ein wundervolles Geschenkbuch zur Rezension erhalten, kann ich jetzt sehr deutlich sagen: Nö. Nix da. Dieses Buch bleibt. Bei mir.

Ganz klar: Es gibt wiedermal nicht viel zu rezensieren. Für mich gerade wunderbar, da mein buntes Leben mir viel abfordert. Und doch Zeit zum Träumen lässt. Was werde ich diesen Sommer nicht alles kochen. Landqvist kocht sehr professionell ein, das schließt die Zugabe geringer Mengen von Konservierungsstoffen mit ein. Das muss ich nicht machen, aber ich finde es interessant, zu lernen, was ich beim hygienischen Abfüllen beachten muss.

Anleitung zum Genießen

Der Rezeptteil ist wundervoll. Meist hat man an Utensilien sowieso schon alles zuhause. Wer hat nicht bereits einmal Marmelade eingekocht? Es ist alles keine Hexerei. Nur Sylt kannte ich nicht. Dank Landqvist hat meine Speisekarte nun eine Erweiterung erfahren dürfen. Sylt ist ein wenig konserviertes Zwischending aus Saft und Konfitüre. Meist wird es zu Hauptgerichten als Soße gereicht, wir alle kennen es aus Preiselbeeren, die zu Hackbällchen genommen werden.

Manche Beerensorten, die Landqvist einkocht, kenne ich nicht und ich frage mich, ob sie vielleicht nur in Skandinavien vorkommen. Doch ansonsten folgen die Rezepte dem Jahreslauf. Als erstes wird Rhabarber eingekocht, zu Saft und Marmelade, dann folgen Erdbeeren, Himbeeren, Holunder und so weiter. Nicht immer sind die Rezepte revolutionär und vieles kennt man schon. Landqvist verwendet aber z.B. keinen Gelierzucker, schon interessant, wie dann das Rezept abgeändert werden muss.

Originelles aus konservierten Früchten

Wenn Erdbeersaft roh gerührt wird oder immer aus jeder Frucht Sylt gekocht wird, dann finde ich diese Rezepte wirklich bereichernd. Erdbeercreme, Erdbeerdrink, marinierte Erdbeeren, oft wird die Frucht mehrfach variiert zubereitet. Walderdbeeren in Rotwein, Himbeeressig, Johannisbeerdrink aus den Blättern und natürlich tausendfach unser geliebter Apfel. Kein Wunder, dass ich das Gefühl habe, ohne dieses Buch nicht den Sommer überstehen zu können.

Wer wie ich eine Obstwiese besitzt oder einfach seinen Beerengarten liebt, der freut sich immer über neue Ideen zur Verwertung von Obst und Beeren. Genau das bietet Malin Landqvist. Die paar Rezepte, die ich schon kenne, atme ich einfach weg. Der Rest wird dieses Jahr genau so gekocht. Ich blicke also mit Sehnsucht auf die Knospen meiner Obstbäume und hoffe sehr, dass alle Blüten, die ich jetzt dort sehe, sich zu leuchtenden Früchten entwickeln. Für Marmelade, Saft & Sylt.

Titelangaben:

Malin Landqvist: Marmelade, Saft & Sylt. Bullerbü im Glas.

Übersetzt von Elke Adams.

Münster: LV-Verlag, 2017. 96 Seiten. 14,95 EUR.

 

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Rudi Beiser: Vergessene Heilpflanzen. Botanik, Volksheilkunde, Anwendungen.

Wunderkraft auf der Wiese

Rudi Beiser beschäftigt sich seit fast vierzig Jahren mit der Kräuterheilkunde. In Vergessene Heilpflanzen. Botanik, Volksheilkunde, Anwendungen stellt er allen Interessierten Wildkräuter vor, die jeder mehr oder weniger kennt und die in unserer Zeit teils als Unkraut verschrien sind. Dabei konzentriert er sich auf die Kräuter und deren Wirkstoffe, Rezepturen überlässt er lieber den Lesern und Teeköchen.

Beisers Analyse hat einen Haken, der vielleicht keiner ist: er stützt sich in seinen Ausführungen zum einen auf alte Pflanzenbeschreibungen, zum anderen auf Studien aus aussereuropäischen Ländern. Dies sei vorausgeschickt, bevor man sich an die Lektüre zur Heilkraft von Blutweiderich, Dost, Ehrenpreis, Gierch, Gundermann, Wilde Möhre oder Portulak macht. Beiser begründet seine Herangehensweise natürlich und sie ist tatsächlich nicht unlogisch.

Heimische Superfoods

Eigentlich ist Beisers Buch ein Gegenentwurf zum Hype der internationalen Superfoods. In Zeiten, in denen natürliche und gesunde Ernährung en vogue ist und viele Menschen versuchen, chemische Medikamente mit natürlichen Heilmitteln zu ergänzen, erleben plötzlich Pflanzen wie Chia, Flohsamen, Umkaloabo oder Echinacea einen Hype. Beiser hat dafür eine einfache Begründung: Seltenheit.

Seiner Ansicht nach lohnt es für Pharmakonzerne nicht, die kostenintensiven Studien für Pflanzenmedikationen zu finanzieren, die für jedermann am Wegrand kostenlos erhältlich sind. Das macht die Pflanzen aber nicht weniger wirksam. Dagegen wird an den medizinischen Fakultäten in Rumänien, der Türkei, Russland, Indien, Syrien und China fleissig zu Arzneien geforscht, die jedermann selbst herstellen kann in Gebieten, in denen eine medizinische Grundversorgung nicht erreicht werden kann.

Oldie but Goldie

Er beschränkt sich daher nicht nur auf solche moderneren Forschungen sondern durchforstet auch die alten Schriften der Griechen, des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Dioskurides, der Kräuterarzt, kommt dabei genauso zu Wort wie Hildegard von Bingen. Und Reiser stellt erstaunliches fest: viele der alten Rezepturen und Analysen decken sich mit den modernen Studien. Gerade bei entzündungshemmenden Wirkstoffen oder fiebersenkenden Mitteln gibt es so einfache Alternativen zur herkömmlichen Medizin.

Die meisten Wildkräuter Beisers sind gleichzeitig alte Küchekräuter, die früher in Gemüsegärten kultiviert wurden, wie Portulak und Vogelmiere. Vergiftung und Fehlanwendung sind damit kaum zu befürchten, im schlimmsten Fall hilft der Salat nicht, wie er sollte. Für Tees und Tinkturen stellt Beiser ein Grundrezept vor, doch meist reicht es, die frischen Wildkräuter zur passenden Erntezeit einfach unters Abendessen zu mischen. Ist das nicht eine vortreffliche Heilmethode?

Titelangaben:

Rudi Beiser: Vergessene Heilpflanzen. Botanik, Volksheilkunde, Anwendungen.

Aarau: AT Verlag, 2016. 240 Seiten. 29,95 EUR.

Kunst und Handwerk, Upcycling

Unikate, Upcycling, Handarbeit, Kunsthandwerk, Schmuck

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Isabelle Bruno, Christine Baillet: Müll 2.0. 70 kreative Projekte aus Recyclingmaterial

Pinnwand geknackt!

Hilfe! Genau so fühle ich mich, wenn ich Isabelle Brunos und Christine Baillets Müll 2.0. 70 kreative Projekte aus Recyclingmaterial in den Händen halte. Ich wurde ertappt, mein Pinterest Account wurde vom Haupt – Verlag gehackt und nun sehe ich alles, was ich bereits vorgemerkt hatte, in Buchform vor mir auf dem Tisch liegen. Das ist meine Chance, endlich alle die Projekte anzugehen, die bisher auf meinem virtuellen Moodboard gespeichert sind.

Die Autorinnen haben die Projekte in Schwierigkeitsstufen gegliedert. Je nach der persönlichen Einschätzung dürfen hier »Einsteiger«, »Bastler«, »Könner« und »Profis« tätig werden. Es versteht sich von selbst, dass auf dem Einsteigerlevel jeder, der mag, werkeln kann, während die Profis dann schon Zugang zu einem Werkraum brauchen. Entsprechend ist auch die Differenz in der Produktqualität, von banal – Blechdosen werden zu Pflanzgefäßen umgemodelt – bis hin zu aufwändig, wenn z.B. Paletten zu einem Kinderschaukelbett umgebaut werden.

Anregendes Fotoalbum

Tatsächlich scheinen die Autorinnen auch wirklich auf die gleichen Internetseiten gekuckt zu haben wie ich selbst. Das zeigt mir zum Einen, wie klein die Welt ist, zum Anderen, wie gut ich selbst mittlerweile informiert bin und schließlich auch, dass die tatsächlichen Durchführungsmöglich-keiten oftmals endlich sind. Die Monsterutensilos aus Shampooflaschen mache ich gern, auch die Trophäen und Masken aus Waschmittelflaschen habe ich schon gebastelt.

Spielzeug aus Karton, Traumfänger aus alten Bechern, Besteckhalter aus Dosen. Die Autorinnen geben die Internetseiten mit den Originalanleitungen stets an, so dass das Urheberrecht gewahrt bleibt. Tatsächlich frage ich mich, wozu ich dann ein Buch brauche, denn alle Ideen aus den Weiten des Web sind im selbigen zu finden und die Anleitungen oft kostenlos. Hier zeigt sich die Widersprüchlichkeit des Buches, denn Isabelle Bruno und Christine Baillet vermarkten die Projekte anderer.

Nachbau schwierig

Manchmal ärgert mich auch die Anleitung, wenn z.B. ein komplexer Sessel aus Karton gebaut wird und alle Maßangaben fehlen und nur lapidar geschrieben wird, man solle die Maße in ein CAD – Programm eingeben. Ich habe viele Bücher zu Arbeiten mit Karton und sie alle haben genaue Maßangaben. Es ist also möglich. Viele Projekte von den Könnern und Profis kann ich nicht nachbauen, weil ich kein CAD-Programm habe.

Die Fotos der Autorinnen gleichen denen im Web auf eine Weise, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass sie nicht versucht haben, die Projekte selbst nachzubauen. Im Endeffekt haben sie eine Art Fotoalbum oder Upcycling – Katalog herausgegeben, der all jenen nützt, die die Projekte gerne ansehen und auf einem Fleck haben wollen. Für Bastler und Heimwerker ist das Buch einfach nicht notwendig. Vom hübschesten Projekt, der PET- Lampe vom Titelbild, gibt es nur eine halbseitige, nicht bebilderte Anleitung. Ein Nachbau wird damit fast unmöglich.

Titelangaben:

Isabelle Bruno, Christine Baillet: Müll 2.0. 70 kreative Projekte aus Recyclingmaterial

Aus dem Französischen von Eva Korte.

Bern: Haupt Verlag, 2017. 192 Seiten. 24,90 EUR.

 

Kunst und Handwerk, Upcycling

Unikate, Upcycling, Handarbeit, Kunsthandwerk, Schmuck

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Buchfreude am Freutag!

Sonja Buchhop: Kulinarische Weihnachtsreise. Festtage in heimischen Länderküchen.

Weihnachten kann kommen!

Das wirklich Sympathische an Sonja Buchhops Kochbuch Kulinarische Weihnachtsreise. Festtage in heimischen Länderküchen ist die Tatsache, dass man auf ziemlich authentische Art und Weise in hiesige Küchen schauen darf und sich dran freuen kann, wie individuell Menschen in diesem Land Weihnachten mit ihren Lieben feiern. Sie hat es wirklich geschafft, aus jedem Bundesland jemanden zu finden, der Haus und Hof für sie geöffnet hat und sich in die Kochtöpfe gucken ließ.

Es ist auch der talentierten Food-Fotografin Indra Kaldewey zu verdanken, dass die teils sehr traditionellen Rezepte so schön in Szene gesetzt sind. Weihnachtsliebhaberin Sonja Buchhop hat viele verschiedene Menschen besucht und zu ihren Weihnachtstraditionen befragt. Zu den illustren Protagonisten gehören eine Biersommelière aus Baden Württemberg, eine Cafébesitzerin aus Bayern, Foodtrucker aus Nordrhein-Westfalen, eine Foodfotografin aus Niedersachsen, eine Weinkönigin aus Rheinland-Pfalz, eine Kräuterfrau aus Brandenburg und ein Chefkoch aus Mecklenburg – Vorpommern. Zusammen mit vielen anderen ist eine faszinierende Kochtopfschau entstanden.

Lust auf Heimat

Was am stärksten beeindruckt ist die Tatsache, wie schön unser Land doch ist, wie erstaunlich und unterschiedlich die Menschen und ihre Geschichten. Fernab von allen Klischees, die man mit bestimmten Bundesländern verbindet, geht es hier einfach nur darum, sympathischen Menschen über die Schulter zu schauen und wie in einer Peepshow kleine Einblicke in ihr Leben zu erhalten. Geschichten vom Alltag und Berufen gehören dazu, wie kleine Anekdoten und Persönliches.

Während die Rezepte sehr unterschiedlich sind und vom »Bieramisu« über »Dibbeldabbes mit Apfelmus« oder »Grünkohl mit Kasseler und Graupen« bis hin zum Wildragout, Quittenpralinen, Saumagen-Burger, und Wokgemüse alles an Geschmäckern quer über den Globus vereinen, bleibt bei all den Geschichten die eine Komponente gleich: Weihnachten feiern Familien gemeinsam. Es ist dies eine sehr rührende Botschaft, die Sonja Buchhop vermittelt. Wie schön es ist, Zeit miteinander zu verbringen.

Kulinarische Peepshow

Kulinarische Weihnachtsreise. Festtage in heimischen Länderküchen vereint also viele Aspekte in sich, was das Buch zu einem sehr netten Geschenk für liebe Menschen macht. Der eine oder andere findet vielleicht ein neues Lieblingsrezept, viele werden beschliessen, die eigenen Traditionen mehr zu genießen und manch einer wird sich gewiss wie ich selbst freuen, in einem Land leben zu dürfen, in dem so viele unterschiedliche Geschichten beheimatet sein können. Wer gerne nachkochen möchte, trifft auf erprobte Rezepte aus dem Leben der Anderen, die immer nachkochbar sind. Dadurch, dass jeder Gastgeber eine Menüfolge zusammengestellt hat, passen immer alle Gerichte zusammen, niemand muss überlegen, was vorher und nachher kommen sollte. Es weihnachtet!

Titelangaben:

Sonja Buchhop: Kulinarische Weihnachtsreise. Festtage in heimischen Länderküchen.

Clenze: Edition Limosa, 2017. 160 Seiten. 29,90 EUR.

Kunst und Handwerk, Upcycling

Unikate, Upcycling, Handarbeit, Kunsthandwerk, Schmuck