Archiv der Kategorie: Allgemein

Neu Gelesen

Hans Christian Andersen: Die Schneekönigin

Jane Austen: Eine Rose für Mr. Darcy. In Jane Austens Garten

Stephanie Hauschild: Summer Queen und Maiden Blush. Obstportraits von Frauen des 19. Jahrhunderts.

Schön beschenkt

Alle drei Büchlein, die ich heute vorstelle, eignen sich perfekt als bibliophile Weihnachtsgeschenke.

Sowohl Hans Christian Andersens Die Schneekönigin, als auch Jane Austens Eine Rose für Mr. Darcy. In Jane Austens Garten und Stephanie Hauschilds Summer Queen und Maiden Blush. Obstportraits von Frauen des 19. Jahrhunderts laden zum Blättern und Schmökern ein. Angesprochen fühlen sich all jene, die gerne Buchkunst ansehen, einen Hang zur Natur haben und graphische Qualitäten schätzen.

Dabei handelt es sich bei der Austen Sammlung und dem Andersen Märchen um kleine Buchschätze, die ein wunderbares Mitbringsel abgeben. Zwar ist die Märchenillustration modern und neu gehalten, doch erinnert sie in der Komposition an die wunderschönen Buchgestaltungen aus dem Jugendstil und Artdeco. Aufgrund der kleinen Schriftgröße würde ich das Büchlein eher an Märchenliebhaber denn an ein Kind verschenken, das sich in der Buchstabendichte etwas verlieren könnte.

Nostalgische Natur pur

Bezaubernde Gartenansichten aus englischen Gärten, dazu auch Jane Austens Garten, kombiniert mit Auszügen aus Briefen und Büchern der beliebten britischen Schriftstellerin machen Eine Rose für Mr. Darcy zu einem Juwel für Liebhaber nostalgischer Hortikultur. Wie immer erfrischt Jane Austens weise und pragmatische Sicht auf die Dinge Herz und Sinn. Dank der zauberhaften Fotografien fühlt man sich direkt in die Zeit von Mr. Darcy oder Emma zurückversetzt.

Ähnlich befasst sich Stephanie Hauschilds Summer Queen und Maiden Blush mit den Darstellungen von Gärten amerikanischer Frauen aus dem 19. Jahrhundert. Ihr haben es vor allem die Zeichnungen der Künstlerinnen angetan, die für die amerikanische pomologische Gesellschaft die Bandbreite der regionalen Obstsorten abgebildet haben. Ihre Recherchen beziehen auch die Ausbildung der Zeichnerinnen und deren gesellschaftliche Stellung mit ein, wenn es auch einen etwas bitteren Nachgeschmack hat, wenn als Quelle allen Ernstes Wikipedia genannt wird.

Schön anzuschaun

Alle drei Bücher bestechen durch die schöne haptische Gestaltung und die wundervollen Bilder, die darin enthalten sind. Als Geschenk sind sie damit wundervoll, in die Annalen der hochwertigen Ausgaben werden sie wohl kaum eingehen. Für Liebhaber einschlägiger Literatur sind sie aber ein herrlicher Schatz an ästhetischen Darstellungen, in den man sich gerne versenkt.

Titelangaben:

Hans Christian Andersen: Die Schneekönigin

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 64 Seiten, 9,90€.

Jane Austen: Eine Rose für Mr. Darcy. In Jane Austens Garten

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 64 Seiten, 9,90€.

Stephanie Hauschild: Summer Queen und Maiden Blush. Obstportraits von Frauen des 19. Jahrhunderts.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 160 Seiten, 26€.

Es weihnachtet!

Hals über Kopf sind wir ins erste Adventswochenende gestartet. Wie gut, dass wir schon erprobt im Dekorieren sind und mittlerweile sogar mein Jüngster die Adventskalender an der Treppe anbringen kann.

Meine Große hat sich an einem Nachmittag auf den Weg zu unserer Obstwiese gemacht und den alten Zwetschgenbaum vom Mistelzweig befreit, der nun über unserer Küchentür hängt. Schön, dass diese Tradition nun auch richtig selbstgemacht ist. Für den Laden habe ich wieder einen großen Weihnachtsbaum gemacht, vielleicht wandert der auch nach oben, wer weiß.

Und Adventskranzbinden fällt aus, denn mein wundervoller Papieradventskranz aus alten Gartenkatalogen begleitet mich seit drei Jahren. Dafür war meine Zweite beim Kerzenziehen mit dem Jüngsten.

Trotzdem ist es stressig und ich freue mich jedesmal, wenn „Entspannen“ heißt, dass ich es schaffe, neben dem Lernen noch zu stricken. Wenn Zeit bleibt, arbeite ich für den Laden. Diesmal wurden es ein Notizhalter aus einem Buch und eine Puppe für eine Kundin.

Mein Jüngster hat schon seinen Wunschzettel aufgehängt. Meiner wär ganz kurz: Ruhe und Zeit mit meinen Lieben.

Wie geht es Euch in der Adventszeit?

Verlinkt mit: Creadienstag.

Neu Gelesen

Donna Hay: Weihnachten Festlich genießen.

Julia Cawley, Saskia Van Deelen, Vera Schäper: Hello Santa. Backen – Lesen – Genießen.

Christian Rätsch, Claudia Müller – Ebeling: Heidnische Weihnachten. Bräuche, Riten, Rituale.

Es weihnachtet sehr!

Diesmal kommt es dicke weihnachtlich. Passend zum ersten Advent stelle ich Euch heute die Bücher vor, die gerade auf meinem Nachttisch oder in der Küche liegen. Nämlich Donna Hays Weihnachten Festlich genießen,Julia Cawleys, Saskia Van Deelens und Vera Schäpers Hello Santa. Backen – Lesen – Genießen sowie Christian Rätsch, Claudia Müller – Ebeling: Heidnische Weihnachten. Bräuche, Riten, Rituale.

Der Einfachheit halber beginne ich mit dem für mich schwierigsten Titel. Es ist Donna Hays Weihnachten Festlich genießen. Was ich bis zum Schmökern überhaupt nicht begriffen hatte, ist, dass Donna Hay aus Australien stammt. Ihr versteht, was ich meine? Während ich auf Tiefkühlgemüse zurückgreife und saisonal Kohl, Rüben und Kartoffeln kaufe, liegen im Hay’schen Haushalt marinierte Shrimps auf dem Weihnachtsgrill.

Einmal um die Welt

Das tolle daran: Donna Hay stellt meine Weihnachten einfach auf den Kopf, auch kulinarisch. Die entsprechende Küche ist mediterran, leicht, fruchtig und karibisch geprägt. Gefüllte Zucchiniblüten, Garnelen, Hummer-Brötchen und Finger – Sandwiches mit Räucherlachs katapultieren mich in eine Region, in der an Weihnachten Hochsommer herrscht. Das Doofe daran: Ohne schlechtes Gewissen kann ich da nur wenig nachkochen.

Dennoch gefallen mir die Rezepte, die auch viel von amerikanischen und britischen Weihnachtstraditionen mit sich bringen, mit denen ich sonst nicht in Kontakt käme. Für einen klassischen marinierten Weihnachtsschinken gibt es sage und schreibe fünf Variationen, ähnlich geschieht es dem Truthahn. Bestimmt ist da für jeden etwas dabei. Weihnachtsbraten nach Donna Hay schmeckt aromatisch und fruchtig, nicht unbedingt schwer wie bei mir zuhause.

Exklusive Rezepte

Selbst die vegetarischen Rezepte muten exotisch an. Champagner-geschmorte Thymian – Pastinaken, Honig-Mandel Hasselback Kürbis, Brioche – Toast mit Birnen und Rosmarin. Fast die Hälfte der Rezepte betreffen die süßen Gaumenfreuden, Pawlowas, Christmas -Cakes und Puddings, Torten und Karamellbonbons geben sich die Klinke in die Hand. Weihnachtsfreuden sind hier garantiert!

Cawley, Van Deelen und Schäper sind dagegen sparsamer mit ihren Rezepten, in Hello Santa. Backen – Lesen – Genießen versuchen sie, ein Winterkindheitsmärchen zu Papier zu bringen. Zauberhafte, stimmungsvolle Fotos machen dieses Buch in Kombination mit den wundervollen Rezepten und den durchdachten Einführungen zum idealen Geschenk für all jene, die auch einmal in Ruhe schmökern möchten.

Wintergeschichten

Die Rezepte sind ideal für süße Schleckermäuler und es findet sich so manche kulinarische Geschenkidee darunter. Die herrlichen Winterbilder stimmen bisweilen wehmütig. Ich glaube kaum, dass ich diesen Winter auf meinen Obstwiesen solch verschneiten Zauber antreffen werde. Dafür sind die Rezepte traumhafte Variationen von altbekannten Leckereien wie gebrannten Nüssen, Hefegebäck und Blechkuchen. Das garantiert schonmal, dass einige Rezepte auch tatsächlich durchführbar sind.

Ganz anders befassen Christian Rätsch und Claudia Müller – Ebeling sich in Heidnische Weihnachten. Bräuche, Riten, Rituale mit dem Fest der Liebe. Schade, dass der Titel nicht Preis gibt, dass sich das Buch vor allem auf die botanischen Aspekte unseres Weihnachtsfestes konzentriert. Trotzdem ist es faszinierend, zu lesen, wie sich all unsere Bräuche, die sich in Europa um Weihnachten ranken, geschichtlich entwickelt haben.

Heidentum und Christentum

Viele der Brauchtumsriten stammen aus vorchristlicher Zeit. Der Weihnachtsbaum, das Räuchern, die Figur des Nikolauses oder die Tradition, an Weihnachten Geschenke zu machen sind Überbleibsel unserer heidnischen Vorfahren und wurden von den christlichen Missionaren geschickt umgemünzt. Rätsch und Müller-Ebeling stellen nicht nur die vorchristlichen Traditionen vor, sie untersuchen vor allem die botanischen Aspekte genau und bieten mit aktuellen Rezepturen den Menschen, die gerne auf den Spuren der Vorfahren wandeln möchten, eine Plattform. So wird Weihnachten nicht nur ein Fest, sondern auch verstanden!

Titelangaben:

Donna Hay: Weihnachten Festlich genießen.

München: AT-Verlag, 2019. 240 Seiten. 29,90 €.

Julia Cawley, Saskia Van Deelen, Vera Schäper: Hello Santa. Backen – Lesen – Genießen.

Ostfildern: Thorbecke Verlag, 2019. 168 Seiten. 28 €.

Christian Rätsch, Claudia Müller – Ebeling: Heidnische Weihnachten. Bräuche, Riten, Rituale.

München: AT-Verlag, 2003. 320 Seiten. 25 €.

Vorweihnachten

Eigentlich dachte ich, ich wär ganz gut dabei. Bin ich irgendwie auch noch immer, wenn man mal vom ganz normalen Chaos absieht. Es entstehen am Band Kleinigkeiten für den Laden und dieses Jahr habe ich für mich zwei neue Faltungen entdeckt. Einmal für Sterne, einmal für Anhänger. Außerdem entsteht wieder ein großer Weihnachtsbaum. Wie schön, dass es Weihnachten werden kann.

Verlinkt mit: Creadienstag

Fleissiges Wochenende

Es macht Spass, wenn Dinge von der Hand gehen und manchmal habe ich so eine diebische Freude daran, meiner Umwelt zuzusehen. Mein neuestes Lacetuch wird fertig und hängt im Keller zum Spannen.

Während des Abendessenkochens habe ich eine Schüssel Apfelessig angesetzt (einfach die kleinen Äpfel geschnitten, die eh niemand verarbeiten will) und ein Glas Kastanienwaschmittel. Dieses Jahr habe ich nicht viele Kastanien, weil Jakob alle seinem Freund vermacht hat. Mist.  Am Sonntag habe ich meine Eltern besucht und bin über ein kurioses Schild gestolpert. Was denkt Ihr darüber? Nicht, dass es makaber wäre…

Verlinkt mit Creadienstag!

 

Müde Krieger

Wenn ich mir auf den Fotos der letzten Tage ansehe, was ich während der Woche so treibe, wundert es mich gar nicht, dass ich pausenlos müde bin. Im Laden arbeite ich grade an einem neuen großen Korb (er soll mal im Bad stehen, wenn er passt), in der Küche wächst ein neuer Weihnachtsbaum.

Am Wochenende haben wir es endlich geschafft, die kleine Nixe an den Brunnenrand zu setzen. Hoffentlich überlebt sie den Winter.

Auf den Obstwiesen gibt es hier und da noch ein paar letzte Äpfel, dafür trägt unser Quittenbäumchen wie ein Wahnsinniger. Ist doch auch gut, die Kinder lieben Quittenspeck und Quittengelee.

Und während eigentlich die Neuroanatomieklausur naht, bilde ich mir ein, dass ich so gerne wieder Hackbrett üben möchte. Aufgestellt ist es, es klingt scheußlich. Bald muss ich mal ordentlich stimmen.

Die letzten Sonnenstrahlen treiben mich bei jeder Gelegenheit nach draußen, irgendwie ist für Drinnen noch gar kein Platz in meinem Leben. Wie geht es Euch in diesem strahlenden Herbst?

Immerhin entsteht Vieles und Abends müde sein ist völlig in Ordnung.

Verlinkt mit: Creadienstag.

Neu Gelesen

DUDEN:Ich bin liebenswert.

DUDEN:Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt.

Van Vliet, Elma: Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter.

Kleine Geschenke

Das Jahresende naht mit Riesenschritten, Geburtstage und Feste lauern hinter allen Ecken, zumindest in meiner Familie. Daher bin ich stets dankbar für kreative Geschenkvorschläge. Diesmal halte ich Ich bin liebenswert und Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt aus dem DUDEN – Verlag in der einen Hand und Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter von Elma van Vliet in der anderen Hand. Gut, drei Geschenke sind gefunden.

Ein schönes Geschenk darf manchmal auch nur sehr freundlich sein, ohne dass man sich irgendwelchen geistreichen Superlativen unterwirft. Zum Beispiel kann ein kleines, nettes Büchlein ein Kaffeekränzchen versüßen, die perfekte Ergänzung zu selbstgemachter Marmelade sein oder einen langen Wintertag magisch untermalen. Alle drei Eigenschaften bringen diese kleinen Geschenke mit sich.

Wie schön ist das Leben

Ich bin liebenswert ist eine Hommage an gesunden Egoismus. Und zwar an einen, den man sich selbst erst erschaffen muss. Tatsächlich gibt es nach einer kurzen Einführung gar nicht mehr viel zu lesen, denn es handelt sich um eine Art Tagebuch. Während wir uns tagtäglich von einer globalisierten Medienindustrie einreden lassen, wie wir zu sein haben, dürfen wir im Tagebuch uns einfach gut finden. Wie wohltuend.

Die einzelnen Seiten sind mit wundervollen Zitaten berühmter Persönlichkeiten gespickt, die allesamt die Bedeutung der Selbstliebe unterstreichen. Dazu gehören so illustre Namen wie Robert Musil, Rita Mae Brown, Winston Churchill oder Miss Piggy. Als Mutter von zwei Teenagern wünsche ich jedem Mädchem, jedem Jungen die Gabe, sich selbst anzunehmen und zu lieben als Grundvoraussetzung dafür, andere zu lieben. Vielleicht hilft dieses Journal dabei.

Best Friends ever

Schön, wenn man diese Liebe auch an seine Freundinnen weitergeben kann. Freundinnen sind etwas Besonderes, jede weiß das. Mit ihnen wird alles Leid und jede Freude dieser Welt geteilt. Für alle, die ihre Zuneigung nicht selbst in Worte fassen können, ist Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt ideal. Von A bis Zett gibt es in schönster DUDEN- Tradition, allerdingst liebevoll illustriert Bemerkungen zur besten Freundin.

Von »Geheimnisse« über »Freitagabend« und »Yogakurs« sind alle möglichen und unmöglichen Substantive, Adjektive und Verben zu finden, die gemeinhin mit Freundschaft verbunden werden. Natürlich ist vieles davon kitschig, aber das darf ein Geschenk an die beste Freundin auch mal sein, solange es mit Prosecco oder einem Capuccino verbunden ist. Wieviele Stunden habe ich schon mit meinen Freundinnen verquatscht und ich möchte doch keine davon missen….

Du, Mamaaaa

In Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter komme endlich ich auf meine Kosten. Bestimmt kennen auch andere Mütter nervige Fragen ihrer Kinder. Meine glänzen gerne mit Bonmots wie »Mama, gab’s, als du ein Kind warst, schon Strom?«. Was soll ich darauf antworten? Konstruktive Gespräche sehen anders aus. Ich wünschte, ich hätte diese Gesprächskarten als junges Mädchen gehabt, ich hätte sie mit meiner Mutter durchgelesen.

Sehr persönlich und humorvoll wird über beider Leben gesprochen, das der Mutter, das des Kindes. Erinnerungen an die Kindheit, wie haben sich die Eltern kennengelernt, was erfüllt uns mit Stolz. Blicke in die Vergangenheit und Zukunft, was möchte man verändern, was war toll, wie hat die eigene Mutter das Erwachsenwerden und Muttersein erfahren? Solche Informationen erhält man mitunter selten, vor allem außerhalb des allzeit erhobenen Zeigefingers. Kinder finden es immer toll, ihre Eltern neu zu verstehen, und Eltern können hier endlich einmal sagen, wie sehr sie ihre Familie lieben!

Titelangaben:

DUDEN:Ich bin liebenswert.

Berlin: Duden – Verlag, 2018. 160 Seiten, 14€.

DUDEN:Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt.

Berlin: Duden-Verlag, 2018. 64 Seiten, 10€.

Van Vliet, Elma: Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter.

München: Knaur Verlag, 2019. 102 Seiten, 10,99€.

Neu Gelesen

Adolf Muschg: Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen.

Vom Erklimmen des Unbezwingbaren

Als Goethe sich einer Wanderung zum Gotthard aussetzt, noch dazu im November, liegt das Schicksal des Weltliteraten in den Händen der Natur. Er kämpft sich tapfer durch, erhofft Erleuchtung und Errettung, so wie der zweite Protagonist in Adolf Muschgs Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen. Autobiographisch angehaucht begeben zwei Männer sich auf eine Reise ins Innerste, ins Äußerste. Sie konfrontieren sich mit dem Tod und treffen so auf das Leben. VIOLA STOCKER darf sie begleiten.

Mit Goethe hat sich Muschg einen Lieblingshünen der deutschsprachigen Literatur ausgesucht. Ihn begleitet er auf einer Reise, die zwischen akribisch recherchiert und waghalsig ausgedacht mäandert. Sie setzt er als Parallele zur eigenen Reise in das Innerste seines Wesens, die Grundsteine seiner Existenz. Der eine Protagonist will hoch hinaus, Luft holen von den öden Verwaltungsaufgaben eines Regierungsbeamten, dessen literarisches Genie blockiert wird. Der andere sieht sich konfrontiert mit erschütternden Erkenntnissen über die eigene Existenz und den folgenden Sinnfragen.

Verwobene Existenzen

Goethe wird begleitet von seinem Landesherrn, dem jungen Erbprinzen von Weimar, Carl August, seinem Sekretär, den Bergführern. Muschg webt sein Alter Ego mitten in die Episoden Goethes, dessen Frankfurter freiheitliche Kaufmannsgeschichte sich mit fürstlichen Intrigen so schlecht verträgt. Der bis dato unbekannte Autor des »Werther« ist zu einer Art Popstar im deutschsprachigen Raum geworden. Carl August steht im Schatten seines Hofstaats.

Muschg hingegen lässt seinen Erzähler ebenfalls pendeln, zwischen der Kindheit mit einer depressiven Mutter und dem früh verstorbenen Vater, seiner japanischen Ehefrau, anthroposophischen Familientraditionen und den erschütternden Diagnosen seiner Ärzte in der Klinik. Was ist zu tun, wenn es nichts zu tun gibt, als gegen Unmögliches anzukämpfen? So gerät die Erzählung zum stillen Zwiegespräch, Goethes Auseinandersetzungen mit den Musen, dem eigenen Genie, der Realität vermengen sich mit japanischen Arrangements im Garten, schillernden Spiegeln auf Terrassen, dem Wind im Baum vor dem Haus des Autors.

Endlich sich selbst entwachsen

Während des Autors Protagonist von einer Krebsdiagnose heimgesucht wird, angesichts derer sich alle je gesprochenen Worte, Dialoge und Fragen zum allumfassenden ästhetischen Choral bachschen Ausmasses vereinigen, flieht Goethe als »Weber« vor dem Autor des »Werther«. Es lassen sich im niedern Tal des Alltags keine weltumspannenden Worte niederschreiben, doch oben, als es schon scheint, die kleine Wandergruppe müsse umkehren, flüstert die Muse endlich die entscheidenden Worte: »Ewig«.

Muschg erzählt diese Reise, wie ausgedacht sie scheint, als umsichtiger Kommentator einer Welt, die schon sehr viel weiß. Darin ähnelt er Goethe, dem wissbegierigen, dessen Geist auch nicht vor Mineralen und Farben halt machte. Griechische Mythologie verbindet sich mit der aktuellen politischen Situation einer neuen Völkerwanderung, in der viele Menschen die vertraute Umwelt verlassen und sich ins Unbekannte geben. Dies sind die großen Parallelen in Muschgs Erzählung, die Fingerzeige auf die Omnipräsenz des unbezwingbaren Schicksals.

Dem Herzschlag lauschen

Berührend intim sind die Gespräche, die Muschg Goethe andichtet, klug und persönlich die Gesprächsfetzen, die auch aus Interviews mit dem Literaturprofessor stammen könnten. Der weiße Freitag ist nicht nur eine Erzählung über die Überwindung eines Schicksals, es ist auch eine Metaerzählung über den Prozess des Schreibens, Dichtens, eine Rekonstruktion des Flügelschlags der Musen kluger Menschen. Was inspirierte Goethe? Was bringt Adolf Muschg zum Schreiben? Der Autor lässt die Fragen unbeantwortet, alles endet in Fragezeichen und mündet in einen hermeneutischen Zirkel.

Titelangaben:

Adolf Muschg: Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen.

München: C.H.Beck, 2017. 251 Seiten. 22,95€.

Auf Vorrat werkeln

Der Wahnsinn beginnt bald wieder, oder hat er mich längst eingeholt? Nächsten Montag starte ich nach vier Wochen Praktikum zurück in die Schule und werde dort wahrscheinlich vom Lernstoff erschlagen. Mein Stundenplan zeigt mir massenweise neue, spannende Fächer, in denen Klausuren geschrieben oder mündliche Prüfungen gehalten werden. Ich denke mir fast zwanghaft, dass ich in der einen Woche Pause alles mögliche erledigen muss.

Manchmal mache ich es mir dabei einfach. Schon lange möchte ich die Küchenrolle bei mir im Haus ersetzen, ich weiß noch nicht, ob mir das gelingt. Aber ich nähere mich. Die letzten Tage habe ich frech mit der Zackenschere alte Handtücher zerschnitten und hoffe darauf, dass Frechheit siegt. Die Zeit rennt mir davon, das Weihnachtsgeschäft wartet und meine Kunden haben fleißig Aufträge platziert. Eigentlich habe ich keine Zeit, für meinen eigenen Haushalt Dinge herzustellen. Aber vielleicht franst das alte Handtuch ja dank der Zackenschere nicht aus, was meint Ihr? Dann schneide ich noch Taschentücher und Geschirrtücher aus alter Bettwäsche zurecht, das wäre mir das allerliebste…..

Außerdem habe ich beschlossen, meine Kräuterbadewanne langsam abzuernten. Ich habe mir etwas Garn geschnappt und gleich fertige Bündel für Sirup und zum Würzen gebunden, die jetzt in der Küche trocknen. Zum Teil jedenfalls, denn es sind ganz schön viele. Wenn ich koche, reicht mir ein Kräuterbündel zum Würzen. Es funktioniert wunderbar, denn gestern gab es mit dem geernteten Gemüse und den Kartoffeln schon eine bunte Gemüsesuppe.

Damit mir nicht langweilig wird, habe ich mit meinem Mann zusammen noch einen kleinen Konzertabend gestaltet. Es war wunderschön, und jetzt bin ich froh, dass die Proberei erst mal pausiert. Euch eine gute Woche!

Verlinkt mit Creadienstag!

Neu Gelesen

Molly Shuster: Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart.

Anna Helm Baxter: Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht.

Bestens auf den Alltag vorbereitet

Nun startet auch bald mein Unterricht wieder und ich habe nur noch wenige Tage Zeit, um einen reibungslosen Alltag vorzubereiten. Gut, dass es Autorinnen wie Molly Shuster und Anna Helm Baxter gibt, die sich offensichtlich mit exakt derselben Problematik wie ich herumschlagen. Gutes kochen in wenig Zeit für viele Menschen. In Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart und Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht wird genau das versucht und es gelingt.

Dabei sei vorausgeschickt, dass beide Arten zu kochen eine gewisse Neigung zum Eintopf voraussetzen. Das ist nicht schlimm, ich mag gerne einen bunten Teller vor mir stehen haben. Ob meine Jungs das genau so sehen, die quasi Trennkost essen und sich nur die Rosinen aus jedem Gericht herauspicken, wird sich herausstellen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Toll, dass in jedem der Bücher Vegetarier, Fleischesser und Naschkatzen gleich auf ihre Kosten kommen, das spart Nerven und Diskussionen.

Pfannenkunst

Dabei praktiziert Anna Helm Baxter sicher die aufwändigere Kochweise. Ihre gusseisernen oder Edelstahlpfannen werden für ein Gericht mehrmals benutzt. Sie ist auch diejenige, die die Zeit für sich spielen lässt. Viele der Gerichte brauchen eine Einweichzeit, Marinierzeit, Gehzeit. Kein Problem für gut organisierte Mamas, die morgens das Gericht vorbereiten, das sie abends fertig kochen.

Manchmal jedoch beschleicht mich das Gefühl, beschummelt zu werden: Baxter benutzt zwar nur eine Pfanne, viele Rezepte sehen jedoch vor, dass die Zutaten darin nacheinander zubereitet werden. Das schont vielleicht die Spülmaschine, dauert aber grad solange, als würden verschiedene Töpfe auf dem Herd stehen. Beim »Brotsalat mit Kürbis« etwa werden die Brotwürfel erst angebraten, dann herausgenommen, damit dann der Kürbis in 25 Minuten gar braten kann. Viele Gerichte werden ganz zum Schluss miteinander vermischt und ansonsten nacheinander gebraten.

Variantenreiche Bratpfanne

Toll finde ich, dass man gut sieht, wie wenig man zum Kochen oft braucht. Die Pfanne kann sowohl auf dem Herd als auch im Ofen stehen, ein Kirschclafoutis schmeckt aus der Pfanne genauso hervorragend, wie eine Lammtajine. Ob diese Art zu kochen wirklich unaufwändiger ist, wage ich zu bezweifeln. Die Rezepte aber sind toll, von Ofenpfannkuchen über Brownies, Boef Stroganoff oder Kichererbsenpilaw finden sich altbekannte oder ganz neue Ideen für die Lieblingspfanne.

Wer es etwas schneller und einfacher mag, macht es wie Molly Shuster und schmeißt alles auf ein Blech. Natürlich stimmt auch das nicht immer ganz. Shuster fügt ebenfalls die Zutaten oft nacheinander zusammen. Da aber alles in einer Auflaufform landet und vorbereitet werden kann, scheint mir diese Technik leichter zu sein. Tolles Add-On: Shuster hat vorausschauend an Antipasti gedacht und damit meinen Familienalltag echt bereichert.

Ein Blech für alles

Meine Lieblingsrezepte klingen wie das »Huhn mit Speck«: Alles vermischen und 25 Minuten im Backofen garen. Klingt nach einem familienfreundlichen Abendessen. Natürlich werden auch in diesem Buch gerade für die raffinierteren Gerichte wie »Hühnerspiesse« oder »Gegrillte Ente mit Äpfeln und Zwiebeln« Marinierzeiten vorausgesetzt oder die Zutaten nacheinander angebraten. Aber es gibt auch vermehrt die einfachen Varianten. Die Hälfte der Rezepte sind Fleisch und Fischgerichte, das sollten Vegetarier wissen.

Auch bei den Gemüsegerichten ist oft Hühnerbrühe dabei oder Speckwürfel. Klar, das macht es einfach. Für meine kleine Vegetarierin hätte ich mir hier aber mehr Vielfalt gewünscht. Dafür ist der Dessertteil riesig. Toll, was alles an Früchten in den Ofen wandert. Äpfel, Ananas, Birnen, Aprikosen – alles wird gegrillt, gebacken und mit Nüssen und Crumbles dekoriert. Ideal für kalte Herbsttage, an denen man dringend etwas Süßes zum Tee braucht. Zudem sind diese Rezepte meist einfacher nach zu kochen als ein Rührkuchen. Ein dickes Plus von meiner Seite! Insgesamt sollten beide Bücher in der Lage sein, den Küchenalltag aufzulockern, bei mir werden sie gleich ins Rezeptregal einsortiert.

Titelangaben:

Molly Shuster: Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 160 Seiten, 20€.

Anna Helm Baxter: Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht.

Aarau: AT-Verlag, 2018. 160 Seiten, 20€.