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Katja Haas: Brush Lettering und Watercolor.

Chris Campe: Handbuch Handlettering. Eigene Buchstaben & illustrative Schrift gestalten.

Schreibt schön!

Katja Haas und Chris Campe haben es mit ihren Büchern Brush Lettering und Watercolor und Handbuch Handlettering. Eigene Buchstaben & illustrative Schrift gestalten auf etwas abgesehen, das wir heute kaum mehr benötigen: Eine schöne Handschrift. In der Generation Whatsapp, Snapchat, Instagram und Facebook ist nichts weniger wichtig als das geschriebene Wort. Geradezu passend dazu wird eine schöne Schrift zum Luxusgut der Nostalgiker.

Als ich noch in der Grundschule war, galt »Schönschrift« zu meinem großen Leidwesen als reguläres Unterrichtsfach. Besonders schön habe ich nämlich noch nie geschrieben. Entsprechend gestalteten sich meine Zensuren und ich habe mir einen besonderen Respekt vor der schönen Handschrift angeeignet. Wenn nun der Trend gar zur dekorativen Handschrift, zum Handlettering, geht, die nur durch die sportliche Moderne von der Kalligraphie zu unterscheiden ist, fühle ich mich ein bisschen an die Wand gestellt.

Das Geheimnis der Schönschrift

Chris Campe und Katja Haas gehen die Schönschreiberei auf je eigene Weise an. Für alle, die es im Notfall »quick and dirty« mögen (ich zähle mich gleich mal dazu) ist Katja Haas dünneres Taschenbuch die erste Wahl. Ums schöne Schreiben geht es auch hier, doch Perfektionismus wird genauso wenig erwartet wie typographische Vorbildung. Statt dessen erwarten mich seitenweise Buchstabenübungen, Tips für die passenden Stifte (mit entsprechender Werbung) und grafische Entwürfe, die sofort einsetzbar sind.

Meine Tochter hat sich in Katja Haas‘ Styleguide verliebt und schafft, was mir die letzten dreissig Jahre nicht gelungen ist: Schön zu schreiben. Klar kratzen die bunten Schriften mit Blending, Watercolorextras und Texteffekten nur an der Oberfläche, aber für uns Sonntagsmaler ist das genug. Man darf sich allerdings von Katja Haas außerhalb der praktischen Tips nicht viel erwarten. Die sind aber völlig ausreichend, um Tisch- und Grußkarten ansprechend zu gestalten.

Für Buchstabenverliebte

Ganz anders bei Chris Campe, Buchhändlerin und Kommunikationsdesignerin aus Hamburg. Sie liebt alles, was mit Buchstaben und Worten zu tun hat und wird von einem durchdringenden, ganzheitlichen Anspruch getrieben. Man sieht sofort: Hier kommt der Profi. Von der Entwicklung der Schrift, bis hin zu klitzekleinen graphischen Details erfährt man alles Notwendige zum Thema Druckschrift.

Dabei liegt der Fokus keineswegs auf Grußkarten, Campe denkt in größeren Dimensionen. Plakate, Magazine, Buchcover, Ladenschilder, Werbetafeln: Originelle Schriftarten verleihen jedem Wort das gewisse Etwas. Für alle, die wie die Profis arbeiten wollen, bietet Campe nicht nur detaillierte Anleitungen für jeden Buchstaben auf jede nur erdenkliche Art und Weise, auch Fehler werden besprochen und schlussendlich darf auch der Fortschritt nicht fehlen: Die eigene Handschrift wird digitalisiert, nachbearbeitet und perfektioniert.

Puristen oder Träumer

Letztendlich ist meine Entscheidung längst gefallen: Ich kann einfach nicht schön schreiben. Deshalb darf meine Tochter Katja Haas‘ praktischen Handlettering – Guide behalten, während Chris Campes Typographiebibel zu einer Freundin wandert, die als Grafikerin täglich mit Schrift arbeiten muss. Schuster, bleib bei deinem Leisten! Und ich kann definitiv besser tippen als schreiben.

Titelangaben:

Katja Haas: Brush Lettering und Watercolor.

Köln: Lingen Verlag, 2018, 80 Seiten, 9,95 €.

Chris Campe: Handbuch Handlettering. Eigene Buchstaben & illustrative Schrift gestalten.

Bern: Haupt Verlag, 2017, 160 Seiten. 29,90€.

Farbenstrahlen

Es wär ja ein Wunder, wenn alles immer so leicht wär. Grad hader ich mit meinem Zeitmanagement genauso wie mit meinem Entschluss, nochmal eine Ausbildung anzufangen. Gottlob war am Wochenende eitel Sonnenschein draußen, so dass ich die bunten Ecken meines Ladens mit in den Garten nehmen konnte. Sonne und Licht tun so gut nach einem dunklen Winter. Seht Ihr, dass mein Teppich fertig geworden ist? Ich will Ostern einen bunten Balkon haben, ein bisschen Zeit dafür hab ich noch. Und ich habe mir vorgenommen, endlich das Gestell für eine Skulptur, das mein Mann mir zum letzten Geburtstag gebaut hat, zu bestücken. Mit PET-Flaschen. Sogar eine rosafarbene aus dem Spanienurlaub ist noch dabei.

Sonst bin ich viel mit Lernen und Organisieren beschäftigt und fühle mich von Schuldgefühlen gegenüber meiner Familie geplagt. So ungefähr wie Orest von den Erinnyen gejagt wurde. Ich verbringe zu wenig Zeit mit meinen Kindern und meinem Mann, Haus, Garten und Obstwiese sehen aus wie Sau, meine Kunden beklagen sich über meine Abwesenheit und alles geht drunter und drüber. Was hab ich mir dabei gedacht?

Ich weiß, dass es eigentlich allen Vollzeit erwerbstätigen Müttern so geht. Nur, dass ich ja zusätzlich einen Haufen Zeugs lernen muss. Was für ein Wahnsinn.

Mal schaun, ob ich die nächsten drei Jahre überlebe.

Ich wünsche Euch eine gute Woche und schicke mal alles zum Creadienstag, bevor ich meinen Rucksack für heute packe! Macht es besser!

 

 

Hinterherhecheln

Es ist ja nicht so, dass in meiner Werkstatt nichts entsteht, ich komme nur generell nicht hinterher. Seit Oktober mache ich eine Ausbildung und schwanke zwischen Begeisterung und Panik. Wie soll ich das nur schaffen? Mit Haus, Laden, Kindern, Mann und Garten? Es geht ganz einfach nicht und alles muss etwas zurückstecken. Ab und an kriege ich was fertig, so wie die Flaschendame oben oder den Papierkorb unten, der jetzt im Kinderbad steht und gebraucht wird. Manchmal habe ich Zeit und bemale beim Frühstück ein Ei oder ich finde eine Minute, um den Bund eines alten T-Shirts abzuschneiden und zu verflechten. Ostern hätte ich gern für meinen Balkon einen bunten Teppich.

Wenigstens ein paar Bäume auf der Obstwiese sind beschnitten und die ersten Saaten angesetzt. Gemach, gemach…. Ich wünsche Euch eine schöne Woche!

Ab zu Creadienstag und HoT !

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Lynn Brunelle, Anna-Maria Jung: Mach dieses Buch zum Bienenhaus

Perfektes Frühlingsgeschenk!

Dieses Mal verfasse ich eine denkbar kurze Rezension. Denn zu Lynn Brunelles und Anna-Maria Jungs Mach dieses Buch zum Bienenhaus gibt es nicht besonders viel zu sagen, außer: loslaufen und einkaufen! In perfekter Manier vereint dieses Taschenbuch Theorie und Praxis. Auf keiner Seite wird es lang oder langweilig, Experimente und Informationen wechseln sich ab. Das Beste aber kommt zum Schluss: Die Aussicht, ein Bienenhaus zu bauen!

Man erfährt so allerhand von Bienen. Honigbienen, Solitärbienen, Hummeln. Und was sind eigentlich Wespen und Hornissen? Wer macht Honig, wer ist eine Biene, auch wenn er keinen Honig macht? Was ist Honig? Kinder erfahren, seit wann es auf der Erde Bienen gibt und weshalb sie so besonders und wichtig sind. Tatsächlich finde ich am wichtigsten, dass Kinder verstehen lernen, dass es außer Honigbienen auch noch andere Bienen gibt.

Fleißige Sammlerinnen

Denn nicht alle Bienen leben in großen Staaten und produzieren Honig. Mindestens genauso wichtig für das Ökosystem sind die Solitärbienen und Hummeln, die lebensnotwendig für unsere Obstwiesen und wilden Naturgegenden sind. Das muss man erst mal wissen. Solche Bienen freun sich über das Bienenhaus, das aus dem festen Umschlag und vielen bunten Papieren, die bereits im Buch enthalten sind, angefertigt werden kann.

Wassertränken für Bienen, kognitive Tests, Bienenhäuser. Im Buch gibt es viel zu entdecken und auszuprobieren. Für tierliebende Kinder im Grundschulalter oder in den Unterstufen der weiterführenden Schulen ist dieses Buch genial. Die Illustrationen im Buch sind humorvoll und vermitteln einen komplexen Inhalt fröhlich und einfach. Man kann es eigentlich kaum erwarten, bis der Lektüreteil vorbei ist, um endlich mit dem Bau des Bienenhauses beginnen zu können.

Titelangaben:

Lynn Brunelle, Anna-Maria Jung: Mach dieses Buch zum Bienenhaus

Rheinbreitbach: Ullmann Medien, 2018. 192 Seiten. 14,99 €.

Neu Gelesen

Béatrice D‘ Asciano: Upcycling mit Palettenholz.

Landlust: Werken mit Holz.

Maud Vignane, Sarah El Karmiti, Julien Sirdey: Genial einfache Holzideen.

Nichts für Holzköpfe

Holz ist wundervoll und ich entdecke gerade die Werkstatt meines Mannes für mich. Wenn ich es recht bedenke, brauche ich Regale, Tischchen, Abstellflächen und ich weiß nicht was, gerne für drinnen und draußen. Deshalb begeistern mich Bücher wie Béatrice D‘ Ascianos Upcycling mit Palettenholz, Werken mit Holz von Landlust oder Maud Vignanes, Sarah El Karmitis und Julien Sirdeys Genial einfache Holzideen.

Tatsächlich ist für Einsteiger Genial einfache Holzideen ideal. Die dekorativen und einfachen Ideen lassen sich mit wenig Aufwand schnell durchführen und sind bestimmt von Erfolg gekrönt. Dafür ist der Stil zwar manchmal ein bisschen derb oder sehr Industrial Style geprägt, aber wer gerne Kupferrohre und Rohrschellen um sich hat, wird sich wohlfühlen. Ich stelle mir die Schilder, Regale und Lampen in sehr reduzierten, modernen Wohnungen vor, in denen sie als Einzelstücke glänzen können.

Robust und schlicht

Der robuste Look kommt daher, weil viel verschraubt wird, keine Leim- oder Dübelverbindungen gemacht werden. Natürlich ist das Werkstück so auch viel leichter herzustellen, im Endeffekt reichen ein paar Rollen Schmirgelpapier und ein Akkuschrauber. Tischgestelle werden aus Metallschienen und Winkeln zusammengeschraubt und die Arbeitstechnik spart sowohl Zeit als auch Geld. Ideal für Anfänger, Studenten oder für Menschen, die gerne experimentell leben.

Kniffliges Upcycling

Deutlich anspruchsvoller sind dagegen die Werkstücke in Upcycling mit Palettenholz. Hier werden aus dem unscheinbaren Palettenholz Unikate hergestellt, an denen man lange seine Freude hat. Für Anfänger ist das Werkbuch allerdings weniger geeignet. Eine Garderobe mit Schubladen und Spiegel bringt Ordnung in die Flure, Eckregale machen sich auch gut auf dem Balkon und die robuste Werkbank aus Palettenholz gehört in jede Garage.

Die Arbeitsanleitungen sind detailliert und umfassend, setzen aber voraus, dass der Leser schon mal mit Holz gearbeitet hat. Natürlich sehen dafür Schmuckstücke wie das 50er Jahre Tischchen besonders hübsch aus. Einfachere Modelle wie Vogelhäuschen oder ein Tablett bestechen dennoch mit der Exaktheit der Ausführung, man ahnt schon, dass der höhere Aufwand sich lohnen wird. Zeit- und Kostenaufwand sind für jedes Werkstück angegeben, so dass man wunderbar sehen kann, wieviel Aufwand eingeplant werden muss.

Klassisch für Drinnen und Draußen

Werken mit Holz von Landlust präsentiert eine Sammlung der Holzprojekte aus den Zeitschriften, ist dafür aber kompakt zusammengefasst. Werk die Zeitung abonniert hat, wird das Buch nicht benötigen, für alle anderen ist es ein Eldorado der Holzarbeiten. Manche Projekte sind mir zu konservativ, aus dem bildhübschen Schwedenhäuschen sind meine Kinder leider herausgewachsen, aber so einfache Projekte wie den Fußabtreter aus Holz, die Rundbank um einen Baum (meine Buche!!!), tolle Obstleitern oder die süße Wäscheleine will ich haben.

Eine Blumenstellage wäre wundervoll für meinen Balkon, das Bett im Baum wäre mein Lieblingsplatz zum Lesen, die Kinderspielsachen mache ich alle mal für meine Enkelkinder, das Trockenregal für die Handschuhe brauche ich an der Garderobe direkt neben dem Stiefelregal. Ihr seht, wo meine Prioritäten liegen? Die Projekte sind richtig solide gemacht und ich würde sie mir allesamt nicht zutrauen. Also gehen sie als Bestellung an meinen Mann. Die technischen Zeichnungen sind sehr genau, doch fehlt hier jede Angabe zu Zeit – oder Kostenaufwand. Die Anleitung ist auch eher für Könner, mir fehlen die Zwischenschritte. Wer gerne schreinert, ist hier aber am besten aufgehoben. Meine Wunschliste jedenfalls steht…..

Titelangaben:

Béatrice D‘ Asciano: Upcycling mit Palettenholz.

Münster: LV-Buch, 2017. 112 Seiten. 9€.

Landlust: Werken mit Holz.

Münster: LV-Buch, 2017. 144 Seiten. 18,50€.

Maud Vignane, Sarah El Karmiti, Julien Sirdey: Genial einfache Holzideen.

Münster: LV-Buch, 2016, 100 Seiten. 8,81 €.

Dies und das und viel Papier

Ich kann es nicht lassen, will auch gar nicht. Es gibt massenweise Papier in diesem Haus. Mittlerweile wandert es durch ganz Metzingen bis zu mir und wird verwurstet. Diesmal ein Auftragswerk und ein Eigennutz. Mögt Ihr raten, was was wird?

Mal sehen, was Ihr seht. Auf jeden Fall hab ich demnächst blaue Finger und einige Zeitungen weniger. Der Wein war auch gut. Alles in allem, ein schöner Abend.

Ab damit zum Creadienstag, zu HoT, Gusta und Dienstagsdinge!

 

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Tom Disch, Christopher Ecker (Hrsg.): Endzone. Letzte Gedichte. Zweisprachige Ausgabe.

Ein langer Abschied

Tom Disch ist Zeit seines Lebens der Literatur verfallen und unterscheidet in seinen Vorlieben nicht zwischen Prosa, Lyrik oder Drama. Als Autor von Science-Fiction Romanen bekannt geworden, entwickelt er sich laufend weiter und bleibt bis zu seinem Suizid 2008 ein unbequemer Geist, der die eigene Branche kritisch beäugt. Endzone. Letzte Gedichte. Zweisprachige Ausgabe ist nach dem Titel seines lyrischen Blogs, auf dem er bis zu seinem Tod neue Gedichte veröffentlicht, benannt. Nun ist eine Sammlung seiner Lyrik in Buchform zweisprachig erschienen. .

Lyrik ist eine Kunst der wenigen Worte. In geballter Form, gereimt oder nicht, in wenigen Zeilen Inhalte und Emotionen zu vermitteln, gelingt nicht vielen Menschen. Fremdsprachige Lyrik zu übersetzen, ist nicht weniger komplex. In der zweisprachigen Ausgabe von Endzone ist ein interpretatorischer Konflikt auf fast jeder Seite greifbar. Wie gut, dass der Übersetzer Christopher Ecker ein Kenner von Dischs Werk ist und noch zu dessen Lebzeiten mit ihm korrespondiert.

Die dunklen Seiten der Seele

Disch ist von vielen Schicksalsschlägen getroffen, als er seinen Blog Endzone ins Leben ruft. Schon der Titel verrät, dass hier ein künstlerisches Werk auf seine finale Kurve einbiegt. Mit stechender Ironie, tiefgehender Hoffnungslosigkeit und markanten Metaphern gespickt muten die Gedichte an wie ein langer, schmerzhafter Leidensweg eines verkannten Künstlers. Tom Disch verdankt es der späten Freundschaft mit dem Kieler Autor Ecker, dass die Lyrik des New Yorkers einem breiteren deutschen Publikum geläufig werden kann.

Der Tod geistert durch die Seiten, er muss Disch täglich begleitet haben. Die morbide, lebensverachtende Seite des »American Dream« wird zum wiederkehrenden Thema der Lyrik, die sich mit einer Mischung aus nachsichtiger Anteilnahme und höhnischer Verachtung den Ausgestoßenen, Verlierern und Versagern widmet. Walsterben, amerikanische Ureinwohner, Obdachlose, Mäuse und vergessene Kuscheltiere finden sich auf einem Friedhof der Träume ein, der abseits der vielbefahrenen Straßen der Traumfabriken liegt.

Bitterkeit und Galgenhumor

Dass angesichts der trostlosen Grundstimmung von Endzone die Lektüre ein spannendes Erlebnis bleibt, ist dem klaren Blick Tom Dischs auf die Existenz alles Menschlichen geschuldet. Situationen, die tragikomisch sind, respektlose Interpretationen menschlichen Kulturguts wie im Falle eines pubertierenden Satans, durchbrechen die Düsternis des Gedichtbands. Das Lachen bleibt dennoch im Halse stecken. Disch ist kein Philanthrop gewesen.

Am Ende seines Lebens ist er seines geliebten Partners beraubt, das Wochenendhaus zerstört, die New Yorker Wohnung durch einen Brand beschädigt, der ehemalige Ruhm als Science-Fiction Autor der New Wave verklungen. Bitterkeit und Sarkasmus, wie in »The Community of Losers« oder »The Proud Beggar« überwiegen in Endzone und verraten viel über das Leben von Künstlern, die unangepasst bleiben und sich nicht in die Schemata der Kulturindustrie pressen lassen.

Reflexionen und Soliloquien

Ecker legt es sich auf, die Gedichte Dischs zu spiegeln, möglichst nah an der Ursprungsversion des Lyrikers zu bleiben. Nicht immer kann er so die Sprachmelodie einfangen, zu hart klingen oft die deutschen Entsprechungen im Vergleich zum amerikanischen Original. Es liegt in der Natur der Lyrik, dass sich in jeder Sprache ein eigener Klang für die jeweilige Poetik herausbildet, der sich nur schwer übertragen lässt.

Umso berührender klingt das Nachwort Eckers und Dietmar Daths zu den Gedichten und dem Leben eines tief zerrissenen Autors. Fotografien und handschriftliche Notizen vermitteln den Eindruck eines Künstlers, der sich nicht in vollem Ausmaß entfalten kann. In einem Zeitalter, in dem unzählige Bücher pro Jahr den Markt der Bibliophilen überschwemmen, wird sich dieser Autor nur in einer Sparte durchsetzen. Es gibt zu viele Bücher, um gute Autoren angemessen fördern zu können. Man hätte Tom Disch gewünscht, mehr Glück im Leben gehabt zu haben.

Titelangaben:

Tom Disch, Christopher Ecker (Hrsg.): Endzone. Letzte Gedichte. Zweisprachige Ausgabe.

Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag, 2018. 224 Seiten. 24 €.

Flickwerk

 

Es ging wieder einmal einem Garnhaufen an den Kragen. Tatsächlich finde ich wichtig, dass ich immer wieder auch nach meinen Resten kucke und eliminiere, was zu eliminieren ist. Ich habe mich diesesmal an Sockengarn aller Art gewagt, und erstmal zweifädig kleine Quadrate gestrickt. Nadel 5mm war ok, 31 Maschen auch, die mittleren drei habe ich zusammengestrickt. So entstand die Musterung. Klar, so viele Quadrate dauern eine Weile. Ich hatte, glaube ich, 12 pro Teil, die ich dann am Boden aneinandergefügt und zusammengenäht habe.

Das geht auch nebenbei, wenn man zum Beispiel über Unterlagen brütet.

Das Resultat ist ziemlich bunt und bekam noch einen einfachen Stäbchenrand und gleich ein paar Reihen Stäbchen für den Kragen, wobei ich immer hinten und vorne Mitte mal drei, mal vier miteinander verhäkelt habe. Er wandert wohl erstmal in meinen Laden, nachdem meine Mädels weitere Ponchos abwarten wollen, bevor sie sich für ihr Lieblingsstück entscheiden.

Was sind Eure Resteprojekte?

Verlinkt mit Creadienstag, HoT, Dienstagsdinge…

Neu Gelesen

Bettina Snowdon, Martin Lagoda: Ketchup, Senf und Mayo.

Kathryn Bruton: Super Suppen. Das neue Powerfood.

Leckere Basics

Mal ehrlich: Wer mag kein Ketchup und gar keine Suppen? Ich für meinen Teil brauche beides. Vor allem die aktuellen Temperaturen treiben mich eher zum Suppentopf denn zur Pfanne und wenn ich schon Gebratenes mache, dann brauche ich viele Saucen dazu. Kein Wunder, dass sowohl Bettina Snowdons und Martin Lagodas Ketchup, Senf und Mayo als auch Kathryn Brutons Super Suppen. Das neue Powerfood mich sofort in Bann gezogen haben.

Dabei finde ich an Snowdons und Lagodas Buch so faszinierend, dass sie nicht nur Rezepte liefern, sondern auch den Ursprung der jeweiligen Sauce erklären. Wobei die Rezepte natürlich die Hauptsache sind. Ist erst einmal klar, was Ketchup, Senf und Mayo sind, wird wild gekocht und experimentiert. Dabei muss nicht immer Tomate im Ketchup sein und süßer Senf passt nicht nur zu Weißwürsten.

Klassiker konkurrieren mit Newcomern

Wer wie ich eine Obstwiese hat, interessiert sich automatisch für Ketchupvarianten mit Obst, die erstaunlich geschmacksintensiv sind und of perfekt zu Gegrilltem passen. »Brombeerketchup«, »Kirschketchup« und »Rhabarberketchup« sind Vertreter dieser Gattung. Beim Senf mag ich alle Varianten mit Körnern oder in Kombination von Früchten mit Senfmehl. Zum Käse eine Offenbarung!

Entsprechend verlockend klingen Rezepte wie »Holunderblütensenf«, »Himbeersenf« oder der klassisch orientalische »Feigensenf«. Auch für Liebhaber der Mayonnaise finden sich zahlreiche Rezepte, mitunter die beliebte Aioli. Toll, dass die Autoren in diesem Kapitel auch an Menschen gedacht haben, die sich vegan ernähren möchten. Endlich gibt es Mayonnaise ohne Ei! Nach jedem Kapitel bieten die Autoren eine Pannenhilfe. So kann, auch im Ernstfall, eigentlich gar nichts schiefgehen.

Heiße Lieblingssuppen für kalte Tage

Kathryn Brutons Suppen zeichnen sich vor allem durch die ausgefeilten Würzmischungen aus, die jede Suppe zu etwas Besonderem machen. Gleichzeitig wird für Menschen wie mich dieses Kochbuch etwas kompliziert, weil ich als Landei nicht eben mal so an Zutaten wie »Kurkumazitronengraspaste« oder »Dashibrühe« komme. Wer aber im städtischen Umfeld wohnt, wird sich jede Menge leckere Würzmischungen in Asiashops oder in orientalischen Läden besorgen können.

Dann machen diese Suppen kombiniert mit ausgefallenen Toppings wirklich Spaß. Es gibt in diesem Buch nichts,was es nicht gibt, vor allem gibt es viel Umami. Brutons Suppentöpfe sind mit allem Möglichen gefüllt. Fisch, Fleisch, Tofu, viel Gemüse und als Toppings Gemüsechips, Brotcroutons oder Körner. Kein Rezept gleicht dem anderen, es wird viel Wert aufs Detail gelegt. Ich weiß nicht genau, wie alltagstauglich diese Suppen sein können, wer gern sowieso orientalisch oder asiatisch kocht, wird hier eine willkommene Ergänzung zum Speiseplan finden. Sogar süße Suppen und Smoothies sind enthalten und nebenbei versprechen alle wohltuende Nebeneffekte für Körper und Geist bei kleinem Kalorienaufwand.

Titelangaben:

Bettina Snowdon, Martin Lagoda: Ketchup, Senf und Mayo.

Köln: Edition Fackelträger, 2017. 112 Seiten. 15€.

Kathryn Bruton: Super Suppen. Das neue Powerfood.

Köln: Edition Fackelträger, 2017. 160 Seiten. 7,99€.

Voll verkorbt

Ich habe einen neuen Spleen, wobei, so neu ist er gar nicht. Wie jedes Jahr im Januar versuche ich, in mein Leben Ordnung zu bringen. Dieses Jahr ist das schwerer als je zuvor, mit vielen Umbrüchen und Neuanfängen kombiniert. Irgendwann erzähl ich was davon, in der Zwischenzeit gelingt mir hie und da ein Verschnaufer, den ich gern mit anderen hier teilen möchte.

Meine Ordnung soll schön sein, nachhaltig und kreativ. Deshalb hab ich schon im Herbst den neuen Wäschekorb im Kinderbad aus alten T-Shirts gehäkelt. Papierkörbe hab ich auch schon vorher gemacht, nur dass ich jetzt noch besser verstehe, wie ein Korb geflochten wird, weil ich es gründlich gelernt habe. Meine Freundinnen bekamen das an Weihnachten zu spüren, die Geschenke standen stark unter dem Motto „Korb“. Ich habe gelernt, was ein Durchdringungsverband ist, was ein Bodenkreuz ist und wie hübsch und kompliziert ein Zopfrand sein kann. Alles, was ich lerne, wende ich auf meinen Upcyclingbereich an und siehe da, meistens geht es. Jetzt gibt es Papierkörbe mit Deckel, große Schirmständer aus Papier, neue Techniken und viel Leben für alles, was sonst im Müll gelandet wäre.

Ich verlinke mein verkorbtes Leben mit Creadienstag, HoT, Dienstagsdinge und Gusta!