Müde Krieger

Wenn ich mir auf den Fotos der letzten Tage ansehe, was ich während der Woche so treibe, wundert es mich gar nicht, dass ich pausenlos müde bin. Im Laden arbeite ich grade an einem neuen großen Korb (er soll mal im Bad stehen, wenn er passt), in der Küche wächst ein neuer Weihnachtsbaum.

Am Wochenende haben wir es endlich geschafft, die kleine Nixe an den Brunnenrand zu setzen. Hoffentlich überlebt sie den Winter.

Auf den Obstwiesen gibt es hier und da noch ein paar letzte Äpfel, dafür trägt unser Quittenbäumchen wie ein Wahnsinniger. Ist doch auch gut, die Kinder lieben Quittenspeck und Quittengelee.

Und während eigentlich die Neuroanatomieklausur naht, bilde ich mir ein, dass ich so gerne wieder Hackbrett üben möchte. Aufgestellt ist es, es klingt scheußlich. Bald muss ich mal ordentlich stimmen.

Die letzten Sonnenstrahlen treiben mich bei jeder Gelegenheit nach draußen, irgendwie ist für Drinnen noch gar kein Platz in meinem Leben. Wie geht es Euch in diesem strahlenden Herbst?

Immerhin entsteht Vieles und Abends müde sein ist völlig in Ordnung.

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Neu Gelesen

DUDEN:Ich bin liebenswert.

DUDEN:Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt.

Van Vliet, Elma: Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter.

Kleine Geschenke

Das Jahresende naht mit Riesenschritten, Geburtstage und Feste lauern hinter allen Ecken, zumindest in meiner Familie. Daher bin ich stets dankbar für kreative Geschenkvorschläge. Diesmal halte ich Ich bin liebenswert und Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt aus dem DUDEN – Verlag in der einen Hand und Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter von Elma van Vliet in der anderen Hand. Gut, drei Geschenke sind gefunden.

Ein schönes Geschenk darf manchmal auch nur sehr freundlich sein, ohne dass man sich irgendwelchen geistreichen Superlativen unterwirft. Zum Beispiel kann ein kleines, nettes Büchlein ein Kaffeekränzchen versüßen, die perfekte Ergänzung zu selbstgemachter Marmelade sein oder einen langen Wintertag magisch untermalen. Alle drei Eigenschaften bringen diese kleinen Geschenke mit sich.

Wie schön ist das Leben

Ich bin liebenswert ist eine Hommage an gesunden Egoismus. Und zwar an einen, den man sich selbst erst erschaffen muss. Tatsächlich gibt es nach einer kurzen Einführung gar nicht mehr viel zu lesen, denn es handelt sich um eine Art Tagebuch. Während wir uns tagtäglich von einer globalisierten Medienindustrie einreden lassen, wie wir zu sein haben, dürfen wir im Tagebuch uns einfach gut finden. Wie wohltuend.

Die einzelnen Seiten sind mit wundervollen Zitaten berühmter Persönlichkeiten gespickt, die allesamt die Bedeutung der Selbstliebe unterstreichen. Dazu gehören so illustre Namen wie Robert Musil, Rita Mae Brown, Winston Churchill oder Miss Piggy. Als Mutter von zwei Teenagern wünsche ich jedem Mädchem, jedem Jungen die Gabe, sich selbst anzunehmen und zu lieben als Grundvoraussetzung dafür, andere zu lieben. Vielleicht hilft dieses Journal dabei.

Best Friends ever

Schön, wenn man diese Liebe auch an seine Freundinnen weitergeben kann. Freundinnen sind etwas Besonderes, jede weiß das. Mit ihnen wird alles Leid und jede Freude dieser Welt geteilt. Für alle, die ihre Zuneigung nicht selbst in Worte fassen können, ist Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt ideal. Von A bis Zett gibt es in schönster DUDEN- Tradition, allerdingst liebevoll illustriert Bemerkungen zur besten Freundin.

Von »Geheimnisse« über »Freitagabend« und »Yogakurs« sind alle möglichen und unmöglichen Substantive, Adjektive und Verben zu finden, die gemeinhin mit Freundschaft verbunden werden. Natürlich ist vieles davon kitschig, aber das darf ein Geschenk an die beste Freundin auch mal sein, solange es mit Prosecco oder einem Capuccino verbunden ist. Wieviele Stunden habe ich schon mit meinen Freundinnen verquatscht und ich möchte doch keine davon missen….

Du, Mamaaaa

In Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter komme endlich ich auf meine Kosten. Bestimmt kennen auch andere Mütter nervige Fragen ihrer Kinder. Meine glänzen gerne mit Bonmots wie »Mama, gab’s, als du ein Kind warst, schon Strom?«. Was soll ich darauf antworten? Konstruktive Gespräche sehen anders aus. Ich wünschte, ich hätte diese Gesprächskarten als junges Mädchen gehabt, ich hätte sie mit meiner Mutter durchgelesen.

Sehr persönlich und humorvoll wird über beider Leben gesprochen, das der Mutter, das des Kindes. Erinnerungen an die Kindheit, wie haben sich die Eltern kennengelernt, was erfüllt uns mit Stolz. Blicke in die Vergangenheit und Zukunft, was möchte man verändern, was war toll, wie hat die eigene Mutter das Erwachsenwerden und Muttersein erfahren? Solche Informationen erhält man mitunter selten, vor allem außerhalb des allzeit erhobenen Zeigefingers. Kinder finden es immer toll, ihre Eltern neu zu verstehen, und Eltern können hier endlich einmal sagen, wie sehr sie ihre Familie lieben!

Titelangaben:

DUDEN:Ich bin liebenswert.

Berlin: Duden – Verlag, 2018. 160 Seiten, 14€.

DUDEN:Freundinnen. A wie Allerbeste bis Z wie Zusammenhalt.

Berlin: Duden-Verlag, 2018. 64 Seiten, 10€.

Van Vliet, Elma: Herzensfragen. 50 originelle Fragen für tolle Gespräche mit deiner Mutter.

München: Knaur Verlag, 2019. 102 Seiten, 10,99€.

Neu Gelesen

Adolf Muschg: Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen.

Vom Erklimmen des Unbezwingbaren

Als Goethe sich einer Wanderung zum Gotthard aussetzt, noch dazu im November, liegt das Schicksal des Weltliteraten in den Händen der Natur. Er kämpft sich tapfer durch, erhofft Erleuchtung und Errettung, so wie der zweite Protagonist in Adolf Muschgs Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen. Autobiographisch angehaucht begeben zwei Männer sich auf eine Reise ins Innerste, ins Äußerste. Sie konfrontieren sich mit dem Tod und treffen so auf das Leben. VIOLA STOCKER darf sie begleiten.

Mit Goethe hat sich Muschg einen Lieblingshünen der deutschsprachigen Literatur ausgesucht. Ihn begleitet er auf einer Reise, die zwischen akribisch recherchiert und waghalsig ausgedacht mäandert. Sie setzt er als Parallele zur eigenen Reise in das Innerste seines Wesens, die Grundsteine seiner Existenz. Der eine Protagonist will hoch hinaus, Luft holen von den öden Verwaltungsaufgaben eines Regierungsbeamten, dessen literarisches Genie blockiert wird. Der andere sieht sich konfrontiert mit erschütternden Erkenntnissen über die eigene Existenz und den folgenden Sinnfragen.

Verwobene Existenzen

Goethe wird begleitet von seinem Landesherrn, dem jungen Erbprinzen von Weimar, Carl August, seinem Sekretär, den Bergführern. Muschg webt sein Alter Ego mitten in die Episoden Goethes, dessen Frankfurter freiheitliche Kaufmannsgeschichte sich mit fürstlichen Intrigen so schlecht verträgt. Der bis dato unbekannte Autor des »Werther« ist zu einer Art Popstar im deutschsprachigen Raum geworden. Carl August steht im Schatten seines Hofstaats.

Muschg hingegen lässt seinen Erzähler ebenfalls pendeln, zwischen der Kindheit mit einer depressiven Mutter und dem früh verstorbenen Vater, seiner japanischen Ehefrau, anthroposophischen Familientraditionen und den erschütternden Diagnosen seiner Ärzte in der Klinik. Was ist zu tun, wenn es nichts zu tun gibt, als gegen Unmögliches anzukämpfen? So gerät die Erzählung zum stillen Zwiegespräch, Goethes Auseinandersetzungen mit den Musen, dem eigenen Genie, der Realität vermengen sich mit japanischen Arrangements im Garten, schillernden Spiegeln auf Terrassen, dem Wind im Baum vor dem Haus des Autors.

Endlich sich selbst entwachsen

Während des Autors Protagonist von einer Krebsdiagnose heimgesucht wird, angesichts derer sich alle je gesprochenen Worte, Dialoge und Fragen zum allumfassenden ästhetischen Choral bachschen Ausmasses vereinigen, flieht Goethe als »Weber« vor dem Autor des »Werther«. Es lassen sich im niedern Tal des Alltags keine weltumspannenden Worte niederschreiben, doch oben, als es schon scheint, die kleine Wandergruppe müsse umkehren, flüstert die Muse endlich die entscheidenden Worte: »Ewig«.

Muschg erzählt diese Reise, wie ausgedacht sie scheint, als umsichtiger Kommentator einer Welt, die schon sehr viel weiß. Darin ähnelt er Goethe, dem wissbegierigen, dessen Geist auch nicht vor Mineralen und Farben halt machte. Griechische Mythologie verbindet sich mit der aktuellen politischen Situation einer neuen Völkerwanderung, in der viele Menschen die vertraute Umwelt verlassen und sich ins Unbekannte geben. Dies sind die großen Parallelen in Muschgs Erzählung, die Fingerzeige auf die Omnipräsenz des unbezwingbaren Schicksals.

Dem Herzschlag lauschen

Berührend intim sind die Gespräche, die Muschg Goethe andichtet, klug und persönlich die Gesprächsfetzen, die auch aus Interviews mit dem Literaturprofessor stammen könnten. Der weiße Freitag ist nicht nur eine Erzählung über die Überwindung eines Schicksals, es ist auch eine Metaerzählung über den Prozess des Schreibens, Dichtens, eine Rekonstruktion des Flügelschlags der Musen kluger Menschen. Was inspirierte Goethe? Was bringt Adolf Muschg zum Schreiben? Der Autor lässt die Fragen unbeantwortet, alles endet in Fragezeichen und mündet in einen hermeneutischen Zirkel.

Titelangaben:

Adolf Muschg: Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen.

München: C.H.Beck, 2017. 251 Seiten. 22,95€.

Auf Vorrat werkeln

Der Wahnsinn beginnt bald wieder, oder hat er mich längst eingeholt? Nächsten Montag starte ich nach vier Wochen Praktikum zurück in die Schule und werde dort wahrscheinlich vom Lernstoff erschlagen. Mein Stundenplan zeigt mir massenweise neue, spannende Fächer, in denen Klausuren geschrieben oder mündliche Prüfungen gehalten werden. Ich denke mir fast zwanghaft, dass ich in der einen Woche Pause alles mögliche erledigen muss.

Manchmal mache ich es mir dabei einfach. Schon lange möchte ich die Küchenrolle bei mir im Haus ersetzen, ich weiß noch nicht, ob mir das gelingt. Aber ich nähere mich. Die letzten Tage habe ich frech mit der Zackenschere alte Handtücher zerschnitten und hoffe darauf, dass Frechheit siegt. Die Zeit rennt mir davon, das Weihnachtsgeschäft wartet und meine Kunden haben fleißig Aufträge platziert. Eigentlich habe ich keine Zeit, für meinen eigenen Haushalt Dinge herzustellen. Aber vielleicht franst das alte Handtuch ja dank der Zackenschere nicht aus, was meint Ihr? Dann schneide ich noch Taschentücher und Geschirrtücher aus alter Bettwäsche zurecht, das wäre mir das allerliebste…..

Außerdem habe ich beschlossen, meine Kräuterbadewanne langsam abzuernten. Ich habe mir etwas Garn geschnappt und gleich fertige Bündel für Sirup und zum Würzen gebunden, die jetzt in der Küche trocknen. Zum Teil jedenfalls, denn es sind ganz schön viele. Wenn ich koche, reicht mir ein Kräuterbündel zum Würzen. Es funktioniert wunderbar, denn gestern gab es mit dem geernteten Gemüse und den Kartoffeln schon eine bunte Gemüsesuppe.

Damit mir nicht langweilig wird, habe ich mit meinem Mann zusammen noch einen kleinen Konzertabend gestaltet. Es war wunderschön, und jetzt bin ich froh, dass die Proberei erst mal pausiert. Euch eine gute Woche!

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Neu Gelesen

Molly Shuster: Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart.

Anna Helm Baxter: Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht.

Bestens auf den Alltag vorbereitet

Nun startet auch bald mein Unterricht wieder und ich habe nur noch wenige Tage Zeit, um einen reibungslosen Alltag vorzubereiten. Gut, dass es Autorinnen wie Molly Shuster und Anna Helm Baxter gibt, die sich offensichtlich mit exakt derselben Problematik wie ich herumschlagen. Gutes kochen in wenig Zeit für viele Menschen. In Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart und Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht wird genau das versucht und es gelingt.

Dabei sei vorausgeschickt, dass beide Arten zu kochen eine gewisse Neigung zum Eintopf voraussetzen. Das ist nicht schlimm, ich mag gerne einen bunten Teller vor mir stehen haben. Ob meine Jungs das genau so sehen, die quasi Trennkost essen und sich nur die Rosinen aus jedem Gericht herauspicken, wird sich herausstellen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Toll, dass in jedem der Bücher Vegetarier, Fleischesser und Naschkatzen gleich auf ihre Kosten kommen, das spart Nerven und Diskussionen.

Pfannenkunst

Dabei praktiziert Anna Helm Baxter sicher die aufwändigere Kochweise. Ihre gusseisernen oder Edelstahlpfannen werden für ein Gericht mehrmals benutzt. Sie ist auch diejenige, die die Zeit für sich spielen lässt. Viele der Gerichte brauchen eine Einweichzeit, Marinierzeit, Gehzeit. Kein Problem für gut organisierte Mamas, die morgens das Gericht vorbereiten, das sie abends fertig kochen.

Manchmal jedoch beschleicht mich das Gefühl, beschummelt zu werden: Baxter benutzt zwar nur eine Pfanne, viele Rezepte sehen jedoch vor, dass die Zutaten darin nacheinander zubereitet werden. Das schont vielleicht die Spülmaschine, dauert aber grad solange, als würden verschiedene Töpfe auf dem Herd stehen. Beim »Brotsalat mit Kürbis« etwa werden die Brotwürfel erst angebraten, dann herausgenommen, damit dann der Kürbis in 25 Minuten gar braten kann. Viele Gerichte werden ganz zum Schluss miteinander vermischt und ansonsten nacheinander gebraten.

Variantenreiche Bratpfanne

Toll finde ich, dass man gut sieht, wie wenig man zum Kochen oft braucht. Die Pfanne kann sowohl auf dem Herd als auch im Ofen stehen, ein Kirschclafoutis schmeckt aus der Pfanne genauso hervorragend, wie eine Lammtajine. Ob diese Art zu kochen wirklich unaufwändiger ist, wage ich zu bezweifeln. Die Rezepte aber sind toll, von Ofenpfannkuchen über Brownies, Boef Stroganoff oder Kichererbsenpilaw finden sich altbekannte oder ganz neue Ideen für die Lieblingspfanne.

Wer es etwas schneller und einfacher mag, macht es wie Molly Shuster und schmeißt alles auf ein Blech. Natürlich stimmt auch das nicht immer ganz. Shuster fügt ebenfalls die Zutaten oft nacheinander zusammen. Da aber alles in einer Auflaufform landet und vorbereitet werden kann, scheint mir diese Technik leichter zu sein. Tolles Add-On: Shuster hat vorausschauend an Antipasti gedacht und damit meinen Familienalltag echt bereichert.

Ein Blech für alles

Meine Lieblingsrezepte klingen wie das »Huhn mit Speck«: Alles vermischen und 25 Minuten im Backofen garen. Klingt nach einem familienfreundlichen Abendessen. Natürlich werden auch in diesem Buch gerade für die raffinierteren Gerichte wie »Hühnerspiesse« oder »Gegrillte Ente mit Äpfeln und Zwiebeln« Marinierzeiten vorausgesetzt oder die Zutaten nacheinander angebraten. Aber es gibt auch vermehrt die einfachen Varianten. Die Hälfte der Rezepte sind Fleisch und Fischgerichte, das sollten Vegetarier wissen.

Auch bei den Gemüsegerichten ist oft Hühnerbrühe dabei oder Speckwürfel. Klar, das macht es einfach. Für meine kleine Vegetarierin hätte ich mir hier aber mehr Vielfalt gewünscht. Dafür ist der Dessertteil riesig. Toll, was alles an Früchten in den Ofen wandert. Äpfel, Ananas, Birnen, Aprikosen – alles wird gegrillt, gebacken und mit Nüssen und Crumbles dekoriert. Ideal für kalte Herbsttage, an denen man dringend etwas Süßes zum Tee braucht. Zudem sind diese Rezepte meist einfacher nach zu kochen als ein Rührkuchen. Ein dickes Plus von meiner Seite! Insgesamt sollten beide Bücher in der Lage sein, den Küchenalltag aufzulockern, bei mir werden sie gleich ins Rezeptregal einsortiert.

Titelangaben:

Molly Shuster: Alles auf 1 Blech. Clever im Ofen gegart.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 160 Seiten, 20€.

Anna Helm Baxter: Alles aus 1 Pfanne. Clever und schnell gekocht.

Aarau: AT-Verlag, 2018. 160 Seiten, 20€.

Neu Gelesen

Andrea Natschke -Hofmann: Köstlich backen mit Äpfeln.

James Rich: Äpfel. Rezepte aus dem Obstgarten.

Massenweise Ideen zur Erntezeit

Meine Obstwiesen ruhen sich aus dieses Jahr. Zeit für mich, nachzudenken, was ich in Zukunft mit meiner umfangreichen Apfelernte anstellen könnte. Klar mache ich Essig und Saft und Dörräpfel, aber dann? Gottlob kann ich mir Rat holen bei Andrea Natschke -Hofmann mit Köstlich backen mit Äpfeln und James Rich mit Äpfel. Rezepte aus dem Obstgarten. Vor Ernteüberfluss muss ich nun keine Angst mehr haben.

Dabei sind Äpfel sowieso eine mehr als dankbare Obstsorte. Sie halten sich lang, werden über einen relativ langen Zeitraum geerntet, können zu Mus, Marmelade, Saft, Essig und zu Kuchen verarbeitet werden. Dennoch gerät man schnell in eine Art Apfeltrott und konzentriert sich auf einige wenige Lieblingsrezepte. Um das aufzulockern, hilft meine Lektüre, auch wenn in beiden Büchern das Rad nicht neu erfunden wird.

Alles aus dem Ofen

Natschke-Hofmann konzentriert sich auf das Naheliegende: den Apfelkuchen. Wir kennen ihn wahrscheinlich in tausend Varianten und jede Familie hütet ein Apfelkuchenfamilienrezept wie einen Schatz. Nichts ist so sehr mit Kindheit und Wohlbefinden verbunden wie der Geruch des einen frischen Apfelkuchen, den Mutter oder Großmutter seit Generationen auf den Tisch bringen. Genau darum geht es der Autorin, die in ihrem Buch Lieblingsrezepte sammelt.

Von Apfelstrudel, über gedeckten Apfelkuchen, Apple Crumble, Apfelbrot, Apfelküchlein bis hin zur Apfelweintorte finden sich alte und neue Rezepte in diesem Buch. Ofenschlupfer, Kaiserschmarrn und Bratäpfel riechen nach Weihnachten, die Apfeltarte oder Apfelzimtpancakes erinnern an Urlaube in Frankreich und den USA. Was macht Natschke-Hofmann sonst noch mit ihren Äpfeln? Müsli, Cookies, Marmelade oder Likör, hier werden alle fündig. Super, dass es auch noch Empfehlungen zu den perfekten Apfelsorten für jedes Rezept gibt.

Rezepte vom Apfelbauern

Wesentlich komplexer sind die Rezepte von James Rich. Der Brite führt eine englische Mosterei als Traditionsunternehmen. Äpfel sind sein Beruf, aber auch seine Berufung. Wer also nicht nur gerne backt, sondern auch die Äpfel anderweitig verwenden möchte, wird hier fündig. Natürlich gibt es auch hier Apfelkuchenrezepte, darüber hinaus kreiert Rich aber auch Cocktails mit Äpfeln oder Cider.

Tees, Liköre, Apfelpunsch runden die Rezeptliste in diesem Buch ab. Doch auch die übrigen Desserts sind ausgefallen: Apfelsorbet mit Apfelweinbrand, Pavlova mit Äpfeln und Vanillecreme, Apfelrosmarinkuchen und Pochierte Äpfel finden sich unter anderem im langen Rezeptregister. Besonders erhellend sind auch Richs herzhafte Variationen. Äpfel im Zwiebelkuchen, Schweinelende mit Senf und Äpfeln, Schinken in Apfelwein, Puten-Apfel-Burger. Ganz zu schweigen von diversen Chutneys und Saucen, die breit einsetzbar sind. Künstler und experimentierfreudige Apfelliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten.

Hommage an alte Sorten

Beide Bücher lassen die Liebe zu Äpfeln und besonders alten Sorten wieder aufleben. Wer sieht, wie breit Äpfel in der Küche einsetzbar sind, muss ob einer reichen Ernte nicht mehr aufstöhnen. Äpfel schmecken fantastisch, sind unglaublich gesund und passen offensichtlich zu allem. Wer wie ich das Glück hat, alte, gewachsene Obstwiesen zu besitzen, wird auf keins der beiden Bücher verzichten wollen.

Literaturangaben:

Andrea Natschke -Hofmann: Köstlich backen mit Äpfeln.

Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2019. 144 Seiten. 25€.

James Rich: Äpfel. Rezepte aus dem Obstgarten.

Aarau: AT-Verlag, 2019. 224 Seiten. 25€.

Vorbei mit der ruhigen Zeit

Manchmal bleibt einfach nicht mehr Zeit als für einen schnellen Gruß aus der Versenkung. Fast bin ich froh, dass die Apfelernte dieses Jahr bescheiden ausfällt, so habe ich weniger zu tun. Trotzdem, ein bissel was geht immer. Diesmal gibt es mit unseren Birnen – und denen meiner Freundin etwas Birnensenf. Eigentlich nur Birnenmarmelade, die später mit Senfmehl, Essig und Gewürzen vermischt wird. Rhabarber hab ich auch noch einmal geholt, zum letzten Mal. Sogar ein paar Äpfel waren erntereif, was will ich auch mehr. Sogar für zwei Schüsseln Apfelessigansatz hat es gereicht, der darf erst mal eine Woche gären.

Mein ziemlich großer Korb wächst und gerät an seine Volumengrenze, jetzt mach ich ihn halt wieder kleiner. Was aus einer Pralinenschachtel so alles entstehen kann….

Meine Ausbildung schickt mich in ein neues Praktikum, während ich zuhause über Neuroanatomie nachdenke und über meine Apfelverwertung, darf ich tagsüber ständig neue spannende Geschichten hören. Es ist tatsächlich unglaublich. Wie war Euer Sommer?

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Neu Gelesen

François Loeb: Zeitweichen. Fast-Read-Romane.

 

 

 

Fastfood für die Fantasie

 

François Loeb ist ein Relikt. Seine Erscheinung erinnert an die eines klassischen Gentleman, nonchalant, gebildet, beredt. Seinen Ruhestand hat sich der weltmännische Unternehmer, Politiker und Autor wohl verdient und darf ihn seinen Lieblingstätigkeiten widmen – ein beneidenswerter Zustand. Es passt zum Image des Bohemien, dass er in einem großen Schweizer Blatt seine Fast-Read-Romane veröffentlichen kann. Die vorliegende Printausgabe widmet er der Zeit. In Zeitweichen begegnet VIOLA STOCKER der Herausforderung, die Zeit nicht unnötig zu vergeuden.

 

Loebs Fast-Read-Romane lesen sich sagenhaft leicht. Sie spielen, jeder einzelne, mit den Gedanken einer modulierbaren, fassbaren Zeit, die wie Knete formbar ist, deren Verstreichen wie rieselnder Sand sichtbar wird. Humorvoll und elegant widmet Loeb jede Episode einem neuen Blickwinkel. Eine Zeitbank, den Zeitgeist, Hochzeit, Wortspiel um Wortspiel mäandert Loebs Werk durch das Universum eines Begriffs, der grundsätzlich körperlich abwesend ist.

 

Frühstücksromane

Wird der Rahmen einer Zeitung addiert, passen Loebs Kurzgeschichten perfekt. Zwischen Frühstück, Tram und Mittagspause liest sich eine Episode über die Zeit wie ein frischer Sommerregen. Intelligent, amüsant, elegant. Jede Story birgt Grübelpotential, die eigene Fantasie erhält Flügel, auf denen über alternative Wirklichkeiten nachgedacht wird. Läuft das eigene Leben richtig? Hätte es andere Möglichkeiten gegeben? Wenn es denn überhaupt ein Ansatz sein kann, über Alternativen und Entscheidungsfreiheiten zu sprechen.

 

Insgesamt ähnelt jede der Kurzgeschichten einem großen Wortspiel. »Zeittotschlag«, eine der kürzeren Episoden, handelt vom Hilferuf der Zeit, die von einem Totschläger bedroht wird. So nimmt Loeb sich vieler unserer Alltagsmetaphern an, zerlegt sie, wie den Begriff des »Zeitsparens«. In ihrer absoluten Absurdität erscheinen sie dann als das, was sie sind: Erfindungen einer menschlichen Kultur, die Schwierigkeiten mit Begriffen hat, die nicht fassbar sind.

 

Altersweise Gesellschaftskritik

Loeb, der Unternehmer und Denker, Schöngeist und Autor, benutzt gängige Umschreibungen der Zeit gepaart mit dem unternehmerischen Denken des Kapitalismus. Entblößend wirken Stories wie »Zeitsparkasse«, »Zeitvertrieb« oder »Zeitgutschrift«. Merkt die Menschheit überhaupt noch, wie absurd der Umgang mit der Ewigkeit ist? Zeit als Ressource, als handelbares Objekt einer imaginären Börse – Loeb lässt kein Klischee undurchdacht.

 

In der großen Masse der zeitkritischen Gedanken liegt auch die stärkste Gefahr der Fast-Read-Romane von François Loeb. Was amüsant oder schockierend ist, wird in der Menge der Varianten und der Kürze der Episoden bald anstrengend. Loebs Kurzgeschichten sollten auch in der gebundenen Ausgabe gelesen werden wie in der NZZ: Häppchenweise, jeden Tag ein kluger Gedanke. Geballt wirken die Kunstgriffe des Autors auch gekünstelt, bei mancher Metapher huscht ein »kenn ich doch« über die Seiten.

 

Zeit zum Zeitungslesen

Was Loeb nicht davon abhalten sollte, weiter intelligente Kurzgeschichten über unsere modernen Laster zu verfassen. Er hat ein Talent, das zunehmend abhanden kommt: Loeb ist ein guter Geschichtenerzähler. Mit dem tiefen Blick eines anthropophilen Kritikers erfasst er die Probleme einer westlichen Zivilisation kurz und knapp und ist in der Lage, sie in eine fesselnde Geschichte zu verpacken. Letztendlich wertet er nicht, er beleuchtet nur die verschiedenen Aspekte vorfindbaren Verhaltens. Jeder darf sich selbst gespiegelt sehen oder auch nicht. Die Zeit zu nehmen, diesen Spiegelungen zu folgen, ist die stille Aufforderung, die Loeb seinen Lesern täglich anbietet.

 

Titelangaben:

François Loeb: Zeitweichen. Fast-Read-Romane.

München: Allitera Verlag, 2017. 164 Seiten. 14,80 €.

 

 

Ferienstart

Endlich beginnen meine Ferien! Zeit, morgens schon Salat zu pflücken für die Mittagshitze. Zeit, Projekte zu beginnen, die ein bisschen größer sein dürfen und nicht gleich enden müssen. Zeit, etwas Feinmotorik zu üben und Glanz und Glitzer in den Laden zu zaubern. Zeit, nichtgelesene alte Bücher aufzutürmen. Endlich Sommerferien. Geht es Euch auch so?

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Neu Gelesen

Heike Mohr, Beate Walther: Schatztruhe Garten. Geschenke für jeden Anlass selbst gemacht.

Catherine Delvaux: 100 inspirierende Pflanzideen.

Catherine Delvaux: 50 grüne Dekoideen.

Deborah Schneebeli-Morrell: Der dekorierte Garten. 25 Projekte für Ihren Platz im Freien.

Für den grünen Daumen

Gerade haben unsere Sommerferien begonnen und ich habe richtig Lust und Zeit, draußen zu werken und zu genießen. Super, dass ich passend für jede Saison die idealen Tipps und Anregungen bekomme. In Heike Mohrs und Beate Walthers Schatztruhe Garten. Geschenke für jeden Anlass selbst gemacht wird der Erntesegen verarbeitet, während Catherine Delvaux in 100 inspirierende Pflanzideen und in 50 grüne Dekoideen dafür sorgt, dass alle Pflanzen in Haus und Garten richtig in Szene gesetzt werden. Wer darüber hinaus noch Tipps sucht, findet sie in Deborah Schneebeli-Morrells Der dekorierte Garten. 25 Projekte für Ihren Platz im Freien.

Wer seinen Garten verschönern möchte, Blühpausen überbrücken will oder gerne Lichteffekte setzen würde, ist bei Deborah Schneebeli-Morrells Der dekorierte Garten. 25 Projekte für Ihren Platz im Freien genau richtig. Wie aufwändig man das eigene Engagement gestalten möchte, ist dabei frei gestellt, denn es gibt alle Schwierigkeitsgrade bei den Projekten. Vom Blickfang Kieselmosaik über Pflanzschilder aus Draht bis hin zu simplen Lichtertüten mit Scherenschnittmotiven sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Während die vielen Drahtobjekte mir zu schnörkelig sind, liebe ich die farblich variierenden Objekte aus Weidenruten. Rankgerüste, Gartentore, Wuchshilfen aus Haselnuss und Weide verschönern den Garten und sind hilfreiche Objekte. Selbst die Vogelscheuche wird königlich neu definiert und strahlt in silbernem Glanz über die Beete. Ich mache mir eine To-Do-Liste und sie wird ganz schön lang, denn jeder Garten verdient es, dass die besonderen Stellen hervorgehoben werden.

Drinnen und Draußen

Wer sich in seinem Grün beschränken muss, ist dagegen vor allem bei Catherine Delvauxs 50 grüne Dekoideen gut aufgehoben. Delvaux arrangiert dekorativ für den Außen- und Innenbereich Pflanzen in kunstvollen Ensembles und Stilleben. Vor allem Sukkulenten und Jungpflanzen werden in schönen Kästen oder Gläsern zum Blickfang auch kleiner Wohnungen. So viel Zartheit passt nicht zu meinem wilden Garten, aber wer seine Wohnung mit Balkon aufpeppen möchte, ist bei Delvaux genau richtig.

Für die Neulinge entpuppen sich auch die genauen Pflanzanleitungen und Beschreibungen als überaus wertvolle Zutat. Damit die Arrangements lange schön bleiben, brauchen sie gewissenhafte Pflege und im Fall der Beherbergung in Gläsern auch ab und an frische Luft. Wie man seine Pflanzen dauerhaft schützt und pflegt, wird einfach und genau erklärt. Delvaux arbeitet mit ganz unterschiedlichen Materialien und so ist garantiert, dass für die unterschiedlichsten Geschmäcker genau das Richtige dabei ist.

Gartenwonne

Wer es etwas üppiger mag, wählt die dicke Ausgabe von Catherine Delvaux: 100 inspirierende Pflanzideen. In diesem Schmöker finde ich mich auch wieder, weil viele Pflanzideen sich auch für große Gärten eignen und ein hervorragender Blickfang sind. Stauden und Beete werden nach Motto angeordnet, Beerensträucher eingebettet in Rosen. Wer aus seinem schönen Garten einen atemberaubenden Park machen möchte, hält sich an Delvaux.

Es gibt für jede Licht- und Wärmelage Tipps und Arrangements, Töpfe, Beete und Hängeampeln stufen die Gärten in die dritte Dimension durch. Passend für jede Jahreszeit werden auch Töpfe bepflanzt, die dann zum Hingucker werden an einzelnen Stellen. Dabei achtet Delvaux auf die Farbgebung der Pflanzen, den Lichteinfall, den Wasserbedarf und die Struktur der Pflanzgefäße. Es ist unglaublich, aber hier kann ich zur Gartenarchitektin werden.

Gartengeschenke für alle

Schlussendlich möchte man sein Gartenglück teilen. Dass dies auch jenseits der mir wohlbekannten Grenzen von Sirup und Marmelade geht, zeigen Heike Mohr und Beate Walther in Schatztruhe Garten. Geschenke für jeden Anlass selbst gemacht.Besonderer Pluspunkt: Die Autorinnen benutzen für Ihre Gestecke, Sträuße und Arrangements auch totes Material, Fruchtstände und Zweige. So wird alles aus dem geliebten Garten verwertet.

Natürlich finden sich auch Rezepte, aber nicht nur. Über Grillkräuterbündel, Kräuterzucker oder Teemischungen freuen sich sicher viele. Dass auch Saatgut hübsch verpackt ein originelles Geschenk für Gartenliebhaber ist, darf ich immer feststellen. Für jede Jahreszeit geben die Autorinnen Tipps und tatsächlich ist in einem klugen Garten auch noch im Winter Erntezeit. Wie schön sich Samenkapseln und Fruchtstände getrocknet machen! Und dank immergrünem Efeu wird auch der graue Winter bunt. Was für ein schönes Gartenjahr!

Titelangaben:

Heike Mohr, Beate Walther: Schatztruhe Garten. Geschenke für jeden Anlass selbst gemacht.

Münster: LV-Buch, 2018. 144 Seiten, 18 €.

Catherine Delvaux: 100 inspirierende Pflanzideen.

Münster: LV-Buch, 2018. 260 Seiten. 24€.

Catherine Delvaux: 50 grüne Dekoideen.

Münster: LV-Buch, 2019. 144 Seiten. 18€.

Deborah Schneebeli-Morrell: Der dekorierte Garten. 25 Projekte für Ihren Platz im Freien.

Münster: LV-Buch, 2019. 128 Seiten, 15€.