Dies und das und viel Papier

Ich kann es nicht lassen, will auch gar nicht. Es gibt massenweise Papier in diesem Haus. Mittlerweile wandert es durch ganz Metzingen bis zu mir und wird verwurstet. Diesmal ein Auftragswerk und ein Eigennutz. Mögt Ihr raten, was was wird?

Mal sehen, was Ihr seht. Auf jeden Fall hab ich demnächst blaue Finger und einige Zeitungen weniger. Der Wein war auch gut. Alles in allem, ein schöner Abend.

Ab damit zum Creadienstag, zu HoT, Gusta und Dienstagsdinge!

 

Neu Gelesen

Tom Disch, Christopher Ecker (Hrsg.): Endzone. Letzte Gedichte. Zweisprachige Ausgabe.

Ein langer Abschied

Tom Disch ist Zeit seines Lebens der Literatur verfallen und unterscheidet in seinen Vorlieben nicht zwischen Prosa, Lyrik oder Drama. Als Autor von Science-Fiction Romanen bekannt geworden, entwickelt er sich laufend weiter und bleibt bis zu seinem Suizid 2008 ein unbequemer Geist, der die eigene Branche kritisch beäugt. Endzone. Letzte Gedichte. Zweisprachige Ausgabe ist nach dem Titel seines lyrischen Blogs, auf dem er bis zu seinem Tod neue Gedichte veröffentlicht, benannt. Nun ist eine Sammlung seiner Lyrik in Buchform zweisprachig erschienen. .

Lyrik ist eine Kunst der wenigen Worte. In geballter Form, gereimt oder nicht, in wenigen Zeilen Inhalte und Emotionen zu vermitteln, gelingt nicht vielen Menschen. Fremdsprachige Lyrik zu übersetzen, ist nicht weniger komplex. In der zweisprachigen Ausgabe von Endzone ist ein interpretatorischer Konflikt auf fast jeder Seite greifbar. Wie gut, dass der Übersetzer Christopher Ecker ein Kenner von Dischs Werk ist und noch zu dessen Lebzeiten mit ihm korrespondiert.

Die dunklen Seiten der Seele

Disch ist von vielen Schicksalsschlägen getroffen, als er seinen Blog Endzone ins Leben ruft. Schon der Titel verrät, dass hier ein künstlerisches Werk auf seine finale Kurve einbiegt. Mit stechender Ironie, tiefgehender Hoffnungslosigkeit und markanten Metaphern gespickt muten die Gedichte an wie ein langer, schmerzhafter Leidensweg eines verkannten Künstlers. Tom Disch verdankt es der späten Freundschaft mit dem Kieler Autor Ecker, dass die Lyrik des New Yorkers einem breiteren deutschen Publikum geläufig werden kann.

Der Tod geistert durch die Seiten, er muss Disch täglich begleitet haben. Die morbide, lebensverachtende Seite des »American Dream« wird zum wiederkehrenden Thema der Lyrik, die sich mit einer Mischung aus nachsichtiger Anteilnahme und höhnischer Verachtung den Ausgestoßenen, Verlierern und Versagern widmet. Walsterben, amerikanische Ureinwohner, Obdachlose, Mäuse und vergessene Kuscheltiere finden sich auf einem Friedhof der Träume ein, der abseits der vielbefahrenen Straßen der Traumfabriken liegt.

Bitterkeit und Galgenhumor

Dass angesichts der trostlosen Grundstimmung von Endzone die Lektüre ein spannendes Erlebnis bleibt, ist dem klaren Blick Tom Dischs auf die Existenz alles Menschlichen geschuldet. Situationen, die tragikomisch sind, respektlose Interpretationen menschlichen Kulturguts wie im Falle eines pubertierenden Satans, durchbrechen die Düsternis des Gedichtbands. Das Lachen bleibt dennoch im Halse stecken. Disch ist kein Philanthrop gewesen.

Am Ende seines Lebens ist er seines geliebten Partners beraubt, das Wochenendhaus zerstört, die New Yorker Wohnung durch einen Brand beschädigt, der ehemalige Ruhm als Science-Fiction Autor der New Wave verklungen. Bitterkeit und Sarkasmus, wie in »The Community of Losers« oder »The Proud Beggar« überwiegen in Endzone und verraten viel über das Leben von Künstlern, die unangepasst bleiben und sich nicht in die Schemata der Kulturindustrie pressen lassen.

Reflexionen und Soliloquien

Ecker legt es sich auf, die Gedichte Dischs zu spiegeln, möglichst nah an der Ursprungsversion des Lyrikers zu bleiben. Nicht immer kann er so die Sprachmelodie einfangen, zu hart klingen oft die deutschen Entsprechungen im Vergleich zum amerikanischen Original. Es liegt in der Natur der Lyrik, dass sich in jeder Sprache ein eigener Klang für die jeweilige Poetik herausbildet, der sich nur schwer übertragen lässt.

Umso berührender klingt das Nachwort Eckers und Dietmar Daths zu den Gedichten und dem Leben eines tief zerrissenen Autors. Fotografien und handschriftliche Notizen vermitteln den Eindruck eines Künstlers, der sich nicht in vollem Ausmaß entfalten kann. In einem Zeitalter, in dem unzählige Bücher pro Jahr den Markt der Bibliophilen überschwemmen, wird sich dieser Autor nur in einer Sparte durchsetzen. Es gibt zu viele Bücher, um gute Autoren angemessen fördern zu können. Man hätte Tom Disch gewünscht, mehr Glück im Leben gehabt zu haben.

Titelangaben:

Tom Disch, Christopher Ecker (Hrsg.): Endzone. Letzte Gedichte. Zweisprachige Ausgabe.

Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag, 2018. 224 Seiten. 24 €.

Flickwerk

 

Es ging wieder einmal einem Garnhaufen an den Kragen. Tatsächlich finde ich wichtig, dass ich immer wieder auch nach meinen Resten kucke und eliminiere, was zu eliminieren ist. Ich habe mich diesesmal an Sockengarn aller Art gewagt, und erstmal zweifädig kleine Quadrate gestrickt. Nadel 5mm war ok, 31 Maschen auch, die mittleren drei habe ich zusammengestrickt. So entstand die Musterung. Klar, so viele Quadrate dauern eine Weile. Ich hatte, glaube ich, 12 pro Teil, die ich dann am Boden aneinandergefügt und zusammengenäht habe.

Das geht auch nebenbei, wenn man zum Beispiel über Unterlagen brütet.

Das Resultat ist ziemlich bunt und bekam noch einen einfachen Stäbchenrand und gleich ein paar Reihen Stäbchen für den Kragen, wobei ich immer hinten und vorne Mitte mal drei, mal vier miteinander verhäkelt habe. Er wandert wohl erstmal in meinen Laden, nachdem meine Mädels weitere Ponchos abwarten wollen, bevor sie sich für ihr Lieblingsstück entscheiden.

Was sind Eure Resteprojekte?

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Neu Gelesen

Bettina Snowdon, Martin Lagoda: Ketchup, Senf und Mayo.

Kathryn Bruton: Super Suppen. Das neue Powerfood.

Leckere Basics

Mal ehrlich: Wer mag kein Ketchup und gar keine Suppen? Ich für meinen Teil brauche beides. Vor allem die aktuellen Temperaturen treiben mich eher zum Suppentopf denn zur Pfanne und wenn ich schon Gebratenes mache, dann brauche ich viele Saucen dazu. Kein Wunder, dass sowohl Bettina Snowdons und Martin Lagodas Ketchup, Senf und Mayo als auch Kathryn Brutons Super Suppen. Das neue Powerfood mich sofort in Bann gezogen haben.

Dabei finde ich an Snowdons und Lagodas Buch so faszinierend, dass sie nicht nur Rezepte liefern, sondern auch den Ursprung der jeweiligen Sauce erklären. Wobei die Rezepte natürlich die Hauptsache sind. Ist erst einmal klar, was Ketchup, Senf und Mayo sind, wird wild gekocht und experimentiert. Dabei muss nicht immer Tomate im Ketchup sein und süßer Senf passt nicht nur zu Weißwürsten.

Klassiker konkurrieren mit Newcomern

Wer wie ich eine Obstwiese hat, interessiert sich automatisch für Ketchupvarianten mit Obst, die erstaunlich geschmacksintensiv sind und of perfekt zu Gegrilltem passen. »Brombeerketchup«, »Kirschketchup« und »Rhabarberketchup« sind Vertreter dieser Gattung. Beim Senf mag ich alle Varianten mit Körnern oder in Kombination von Früchten mit Senfmehl. Zum Käse eine Offenbarung!

Entsprechend verlockend klingen Rezepte wie »Holunderblütensenf«, »Himbeersenf« oder der klassisch orientalische »Feigensenf«. Auch für Liebhaber der Mayonnaise finden sich zahlreiche Rezepte, mitunter die beliebte Aioli. Toll, dass die Autoren in diesem Kapitel auch an Menschen gedacht haben, die sich vegan ernähren möchten. Endlich gibt es Mayonnaise ohne Ei! Nach jedem Kapitel bieten die Autoren eine Pannenhilfe. So kann, auch im Ernstfall, eigentlich gar nichts schiefgehen.

Heiße Lieblingssuppen für kalte Tage

Kathryn Brutons Suppen zeichnen sich vor allem durch die ausgefeilten Würzmischungen aus, die jede Suppe zu etwas Besonderem machen. Gleichzeitig wird für Menschen wie mich dieses Kochbuch etwas kompliziert, weil ich als Landei nicht eben mal so an Zutaten wie »Kurkumazitronengraspaste« oder »Dashibrühe« komme. Wer aber im städtischen Umfeld wohnt, wird sich jede Menge leckere Würzmischungen in Asiashops oder in orientalischen Läden besorgen können.

Dann machen diese Suppen kombiniert mit ausgefallenen Toppings wirklich Spaß. Es gibt in diesem Buch nichts,was es nicht gibt, vor allem gibt es viel Umami. Brutons Suppentöpfe sind mit allem Möglichen gefüllt. Fisch, Fleisch, Tofu, viel Gemüse und als Toppings Gemüsechips, Brotcroutons oder Körner. Kein Rezept gleicht dem anderen, es wird viel Wert aufs Detail gelegt. Ich weiß nicht genau, wie alltagstauglich diese Suppen sein können, wer gern sowieso orientalisch oder asiatisch kocht, wird hier eine willkommene Ergänzung zum Speiseplan finden. Sogar süße Suppen und Smoothies sind enthalten und nebenbei versprechen alle wohltuende Nebeneffekte für Körper und Geist bei kleinem Kalorienaufwand.

Titelangaben:

Bettina Snowdon, Martin Lagoda: Ketchup, Senf und Mayo.

Köln: Edition Fackelträger, 2017. 112 Seiten. 15€.

Kathryn Bruton: Super Suppen. Das neue Powerfood.

Köln: Edition Fackelträger, 2017. 160 Seiten. 7,99€.

Voll verkorbt

Ich habe einen neuen Spleen, wobei, so neu ist er gar nicht. Wie jedes Jahr im Januar versuche ich, in mein Leben Ordnung zu bringen. Dieses Jahr ist das schwerer als je zuvor, mit vielen Umbrüchen und Neuanfängen kombiniert. Irgendwann erzähl ich was davon, in der Zwischenzeit gelingt mir hie und da ein Verschnaufer, den ich gern mit anderen hier teilen möchte.

Meine Ordnung soll schön sein, nachhaltig und kreativ. Deshalb hab ich schon im Herbst den neuen Wäschekorb im Kinderbad aus alten T-Shirts gehäkelt. Papierkörbe hab ich auch schon vorher gemacht, nur dass ich jetzt noch besser verstehe, wie ein Korb geflochten wird, weil ich es gründlich gelernt habe. Meine Freundinnen bekamen das an Weihnachten zu spüren, die Geschenke standen stark unter dem Motto „Korb“. Ich habe gelernt, was ein Durchdringungsverband ist, was ein Bodenkreuz ist und wie hübsch und kompliziert ein Zopfrand sein kann. Alles, was ich lerne, wende ich auf meinen Upcyclingbereich an und siehe da, meistens geht es. Jetzt gibt es Papierkörbe mit Deckel, große Schirmständer aus Papier, neue Techniken und viel Leben für alles, was sonst im Müll gelandet wäre.

Ich verlinke mein verkorbtes Leben mit Creadienstag, HoT, Dienstagsdinge und Gusta!

Neu Gelesen

M. Nöldeke, K. Bovensiepen, S. Groll: Hygge. Wohlfühlkleidung stricken. Pullis, Cardigans und mehr im Oversize-Look.

Hegenbart, Julia-Maria: Mosaiktücher stricken.

Müller, Wenke: Hygge. Accessoires stricken. Tücher, Mützen, Handschuhe und mehr.

 

Nadelwetter

Es gibt wenig, was man bei mir mit Strickbüchern falsch machen könnte. Man gebe mir ein Strickbuch und ich versinke im glückhaften Staunen. In diesem Fall gab man mir drei Strickbücher, entsprechend langanhaltend ist die Freude. Sagen wir es doch laut: Im Winter ist Stricken noch viel schöner als im Sommer. Wer dabei dem neuen skandinavischen Trend folgt, wird dabei auf Hygge. Wohlfühlkleidung stricken. Pullis, Cardigans und mehr im Oversize-Look von Nöldeke, Bovensiepen und Groll genauso stoßen wie auf Hegenbarts Mosaiktücher stricken oder Müllers Hygge. Accessoires stricken. Tücher, Mützen, Handschuhe und mehr.

Besonders Wenke Müllers Accessoiresentwürfe eignen sich für ungeduldige Strickerinnen. Schicke Tücher, Mützen und Schals in allen Farben und Formen, gerne auch mit etwas größeren Nadeln, halten Kopf und Hände warm und gehen rasch von der Hand. Wie bei allen Strickbüchern nerven mich grundsätzlich die Strickschulkapitel, wobei ich immer auch verstehe, dass auch NeueinsteigerInnen in der Lage sein müssen, den Anleitungen zu folgen.

Schön bei Wind und Wetter

Ich würde sagen, bis auf ein wenig Zopfmuster und Sockenmuster ist Müllers Strickbuch für alle Schwierigkeitsstufen perfekt geeignet, die hübschen Projekte sind meist zu schön, um verschenkt zu werden. Bei zweifarbigen Designs wird Wert auf klare Strukturen gelegt, so dass alle Modelle letztendlich aus einem Guss sind. Auch die drei Autorinnen von Hygge. Wohlfühlkleidung stricken. Pullis, Cardigans und mehr im Oversize-Look achten bei ihren Entwürfen auf klares Design und Alltagstauglichkeit.

Klar ist dennoch, dass Jacken und Pullover im Schnitt aufwändiger zu stricken sind als Mützen und Handschuhe. Dabei hat jedes Modell Potential zum Lieblingsstück, ich liebäugle vor allem mit dem kuscheligen Kapuzen Poncho im Zopfmuster. Große Nadeln, hochwertiges Garn und einfache Muster werden zu traumhaften Kuschelmodellen verstrickt. Wer es herausfordernd mag, wählt die Zopfmustermodelle, doch auch die Stücke in Patent oder kraus rechts sehen toll aus.

Raffinierte Strukturen

Am exquisitesten ist Hegenbarts Buch zu Mosaiktüchern. Die mehrfarbigen Modelle werden mit mittleren Nadeln angefertigt und erfordern Zählgeschick und Geduld. Belohnt wird man mit antiken Mäandermustern, klaren geometrischen Strukturen und auffälligen Farbkombinationen. Man sieht sofort, wieviel Arbeit jedes dieser Tücher war. Ganz klar werden hier kostbare Schätze verstrickt, die man nur allerliebsten Menschen schenkt oder am besten gleich selbst behält.

Für jede Art von Strickerin sind in allen drei Büchern Modelle vorhanden, ich selbst werde mir ein paar Wohlfühlpullis zulegen und definitiv Mosaiktücher, weil sie so schön herausfordernd sind. Schließlich ist es mir nicht wichtig, wie schnell ein Stück fertig wird, sondern wie toll es nachher aussieht. Die kreativen Autorinnen der Edition Michael Fischer haben definitiv meinen Nerv getroffen und sorgen für jede Menge nachhaltige Freude.

Titelangaben:

M. Nöldeke, K. Bovensiepen, S. Groll: Hygge. Wohlfühlkleidung stricken. Pullis, Cardigans und mehr im Oversize-Look.

Igling: Edition Michael Fischer, 2018. 112 Seiten. 16,99 €.

Hegenbart, Julia-Maria: Mosaiktücher stricken.

Igling: Edition Michael Fischer, 2018. 128 Seiten. 15,99 €.

Müller, Wenke: Hygge. Accessoires stricken. Tücher, Mützen, Handschuhe und mehr.

Igling: Edition Michael Fischer, 2018. 112 Seiten. 16,99 €.

Weihnachtsbaum mal anders

Update: wegen der vielen Anfragen: ich habe auf ein Youtube -Video verlinkt, die Handwerkerin zeigt ganz toll, wie sie den Papierbaum in klein gemacht hat. Groß funktioniert genauso, Kegel benutze ich nicht. Viel Spaß beim Nacharbeiten!

So sieht es aus, derzeit in meinem Wohnzimmer, das eher einem Wahnzimmer gleicht. Aber man sieht schon, dass Weihnachten kommen kann, nicht wahr?

Den diesjährigen Tannenbaum habe ich aus Papierrollen gemacht, ich weiß nicht, wieviele Zeitungen dafür ihr Leben lassen mussten. Damit der große Papierbaum genauso stabil steht wie die kleinen hat er außer einer dicken Acryllackschicht noch einen Besenstil mit Querleiste zur Unterstützung erhalten. Nun passt er sogar in unseren uralten Christbaumständer. Meine Jungs haben beschlossen, dass ein Weihnachtsbaum ohne Kugeln nichts taugt und so wird er auch noch geschmückt, mit Lichterkette und Gedöns.

Ab damit zum Creadienstag, zu HoT und Dienstagsdinge!

Bei dieser wunderbaren Gelegenheit geht mein herzliches Dankeschön an die lieben Betreiberinnen diverser Linkparties, die uns Bloggern immer wieder ein Forum bieten,

sowie an meine geduldigen Ansprechpartner von Literaturtest, BuchContact, der Medienagentur Ahrend und der Edition Michael Fischer! Ich lese zuverlässig und gern, auch wenn es manchmal etwas dauert. Herzlichen Dank für all die großartigen Bücher, in die ich hineinschnuppern durfte.

Allen, die hier vorbeischauen um zu lesen, sich zu informieren oder einfach nur eine gute Zeit zu haben wünsche ich eine ruhige und herrliche Zeit zwischen den Jahren im Kreise der Menschen, die wichtig sind.

Eure Viola

Neu Gelesen

Carsten Schmidt: Glück. A wie Augenblick bis Z wie Zuversicht.

Ina Schmidt: Lass Los und Staune. Stoische Weisheiten für mehr Gelassenheit im Alltag.

Andrea Schirmaier-Huber: Geschenke aus meiner Backstube. Süße Kleinigkeiten für die Liebsten.

Lebensweisheiten und Süßes zum Verschenken

Wer noch eine schnelle Kleinigkeit für nette Menschen sucht, wird bestimmt in einem der hübschen Geschenkebücher vom DUDEN-Verlag fündig. Carsten Schmidts Lexikon zum Glück. A wie Augenblick bis Z wie Zuversicht passt einfach für jeden, während pessimistische Grübler auf jeden Fall mit Ina Schmidts philosophischer Prosa zum Thema Lass Los und Staune. Stoische Weisheiten für mehr Gelassenheit im Alltag beglückt werden sollten. Für den Fall, dass Worten Taten folgen, garantieren Andrea Schirmaier-Hubers Geschenke aus meiner Backstube. Süße Kleinigkeiten für die Liebsten selige Momente unterm Weihnachtsbaum.

Die beiden Büchlein aus dem DUDEN-Verlag rangieren unter dem Motto »klein, aber oho«. Denn in wunderbar bibliophiler Aufmachung und im traditionsreichen DUDEN-Stil werden bedenkenswerte Weisheiten und Grundtheoreme der Stoiker genauso vermittelt wie humorvolle Allgemeinplätze. Es fehlt in beiden Ausgaben nicht das gerade notwendige Augenzwinkern, um ein ernstes Thema zum wundervollen Geschenk aufzupeppen.

DUDEN schenken

Einmal nicht das Taschenwörterbuch Latein-Deutsch in Händen halten, das in der Schulzeit heimlich unter der Bank lauerte. Doch im gleichen Stil erklärt Ina Schmidt die Philosophie der Stoiker, die Gelassenheit als Lebensziel predigen und damit im antiken Griechenland auch noch Schule machen. Die Autorin entstaubt die antiken Denker und entführt sie in unseren modernen, hektischen Alltag. Hier helfen sie uns, inne zu halten und loszulassen.

Auch »Glück« ist laut Carsten Schmidt weit leichter zu finden, als bisher gedacht wurde. Das kleine ABC des Glücks findet tatsächlich für jeden Buchstaben ein Glücksattribut. »Erfolg«, »Entfalten«, »Insel«, »Geschenk«, »Yes« oder eben »Zuversicht«. Glück ist nichts, dem man hinterherlaufen sollte, lernt man hier. Vielmehr ist es längst da und wartet oftmals nur darauf, dass wir mit beiden Händen beherzt danach greifen.

Liebe geht durch den Magen

Wem das alles zu theoretisch ist, der greift zu Andrea Schirmaier-Huber. Die Konditorin und Meisterin ihres Fachs erklärt, wie einfach süße Geschenke manchmal selbst herzustellen sind. Dabei werden Klassiker wie Karamell-Brownies, Schoko-Madeleines, Rumtrüffel und Macarons durch edle Brände oder Blattgold raffiniert verfeinert.Trinkschokolade in allen Facetten und Pralinen, die genauso bekannt wie revolutionär aufgepeppt sind, finden sich ebenso wie Fruchtgelee und selbstgemachte Marshmallows. Wer würde hier nicht schwach werden?

Titelangaben:

Carsten Schmidt: Glück. A wie Augenblick bis Z wie Zuversicht.

Berlin: DUDEN-Verlag, 2018. 64 Seiten. 10 €.

Ina Schmidt: Lass Los und Staune. Stoische Weisheiten für mehr Gelassenheit im Alltag.

Berlin: DUDEN-Verlag, 2018. 64 Seiten. 10 €.

Andrea Schirmaier-Huber: Geschenke aus meiner Backstube. Süße Kleinigkeiten für die Liebsten.

Köln: Fackelträger Verlag, 2017. 144 Seiten. 20 €.

Road Trip XII – Genf

Ein halbes Jahr hat es fast gedauert, es endet in Genf, beim CERN. Klar hatten meine Kinder Lust auf so viel Wissenschaft, die sie gar nicht verstehen konnten. Gut, dass der große Besucherglobus frei zugänglich war und es vor allem kleinen Wissenschaftlern leicht machte, große Dinge zu verstehen. Ich selbst war völlig fasziniert von der Technik und den unverständlichen Inhalten. Manchmal wünscht man sich sehr, schlauer zu sein.

 

Auf interaktiven Displays wurde die Arbeit im CERN möglichst anschaulich erklärt. Nicht, dass das möglich wäre.

Jakob wollte deshalb auch mal im CERN arbeiten. Sein Bildschirmentwurf:

So schön ist die Schweiz, wenn man nach Hause fährt. Aber daheim ist es noch schöner.

Der Winter holt mich ein und auch kleine Notwendigkeiten. Meine Kinder brauchen einen neuen Wäschekorb in ihrem Bad.  Ob die Wäscheleine ein bisschen stabilisiert?

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Neu Gelesen

Ulrike Schrimpf (Hrsg.), Lisa Manneh (Ill.): Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie.

Komm, Winter!

Mit Ulrike Schrimpfs Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie kann einem die Kälte nichts mehr anhaben. So viele liebe alte und neue Geschichten vom Winter, Gedichte von Kälte und Wärme und Tipps und Rätsel befinden sich im Erzählband, dass die nasse und kalte Jahreszeit wie im Flug vorüber gleitet. Die humorvollen und phantasiereichen Illustrationen von Lisa Manneh zeigen, dass Bild und Wort immer wieder neu und aufregend kombiniert werden können. Her mit den Geschichten!

Je nachdem, wer was gelesen hat, wird der Wiedererkennungswert hoch sein. Otfried Preußler, Johanna Spyri, Goethe, Büchner, Storm oder Auni Nuoliwaara sind altbekannte Wegbegleiter einer bestimmten Generation. Doch Ulrike Schrimpf verbleibt nicht im nostalgischen Weihnachten, mit Andreas Steinhöfel, Bernadette, Else Lasker-Schüler oder Kobayashi Issa halten zeitgenössische Autoren oder solche aus anderen Kulturkreisen wie selbstverständlich Einzug in die Vorweihnachtszeit.

Was ist Winter?

Dabei geht es nicht immer religiös zu, wenngleich viele der winterlichen Bräuche dem christlichen Kulturkreis entnommen sind. Lichterfeste zur Wintersonnwendzeit gibt es aber woanders auch und Ulrike Schrimpf erinnert an ähnliche Feste in anderen Kulturen. Zwischendurch lockern hintersinnige Rätsel den Lesefluss und Rezepte für heiße Schokolade und Bratäpfel machen auch kulinarisch Lust auf Winter.

Sogar Lieder sind abgedruckt, Gedichte aus mehreren Jahrhunderten erinnern daran, dass die Menschheit sich in ihrem Empfinden gar nicht so weit voneinander entfernt hat, wie tagesaktuelle Konflikte oft vermuten lassen. Wundervoll auch die Aufzeichnungen einer Bäuerin, die den Winter im deutschsprachigen Raum vor bald hundert Jahren beleuchten oder die Episoden aus anderen Kulturkreisen wie der Türkei, Russland oder den nordischen Ländern.

Kreisel der Geschichten

Welche Geschichten erzählt man sich vom Winter – darum geht es immer wieder. Märchen aus vergangenen Zeiten wechseln sich mit den Geschichten vom Erwachsenwerden in unserer Zeit ab. Liebe, Homosexualität, Armut und Unverständnis sind Erfahrungen, die Menschen heute genauso empfinden wie ehedem. Kälte und die Ruhe der Natur bringen eine eisige Stille in den lauten Alltag, was früher mit Gefahr gepaart war, legt nun die Langeweile und hektische Sinnlosigkeit mancher Existenzen bloß.

Schrimpfs Erzählband ist deshalb so gelungen, weil die Kapitel alle stimmig und kurz gehalten sind. Große und kleine Liebhaber von Geschichten werden hier fündig werden und die Gedanken schweifen lassen. Die Illustrationen sind sehr grafisch gehalten, so dass sie gerade für junge Leser schön anzusehen sind, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie hat alle Voraussetzungen, ein Winterklassiker zu werden.

Titelangaben:

Ulrike Schrimpf (Hrsg.), Lisa Manneh (Ill.): Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie.

Freiburg/ Breisgau: Herder Verlag, 2018. 240 Seiten. 32 €.