Road Trip XII – Genf

Ein halbes Jahr hat es fast gedauert, es endet in Genf, beim CERN. Klar hatten meine Kinder Lust auf so viel Wissenschaft, die sie gar nicht verstehen konnten. Gut, dass der große Besucherglobus frei zugänglich war und es vor allem kleinen Wissenschaftlern leicht machte, große Dinge zu verstehen. Ich selbst war völlig fasziniert von der Technik und den unverständlichen Inhalten. Manchmal wünscht man sich sehr, schlauer zu sein.

 

Auf interaktiven Displays wurde die Arbeit im CERN möglichst anschaulich erklärt. Nicht, dass das möglich wäre.

Jakob wollte deshalb auch mal im CERN arbeiten. Sein Bildschirmentwurf:

So schön ist die Schweiz, wenn man nach Hause fährt. Aber daheim ist es noch schöner.

Der Winter holt mich ein und auch kleine Notwendigkeiten. Meine Kinder brauchen einen neuen Wäschekorb in ihrem Bad.  Ob die Wäscheleine ein bisschen stabilisiert?

Ab damit zum Creadienstag, zu HoT, zu Dienstagsdinge und zu Gusta…..

Neu Gelesen

Ulrike Schrimpf (Hrsg.), Lisa Manneh (Ill.): Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie.

Komm, Winter!

Mit Ulrike Schrimpfs Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie kann einem die Kälte nichts mehr anhaben. So viele liebe alte und neue Geschichten vom Winter, Gedichte von Kälte und Wärme und Tipps und Rätsel befinden sich im Erzählband, dass die nasse und kalte Jahreszeit wie im Flug vorüber gleitet. Die humorvollen und phantasiereichen Illustrationen von Lisa Manneh zeigen, dass Bild und Wort immer wieder neu und aufregend kombiniert werden können. Her mit den Geschichten!

Je nachdem, wer was gelesen hat, wird der Wiedererkennungswert hoch sein. Otfried Preußler, Johanna Spyri, Goethe, Büchner, Storm oder Auni Nuoliwaara sind altbekannte Wegbegleiter einer bestimmten Generation. Doch Ulrike Schrimpf verbleibt nicht im nostalgischen Weihnachten, mit Andreas Steinhöfel, Bernadette, Else Lasker-Schüler oder Kobayashi Issa halten zeitgenössische Autoren oder solche aus anderen Kulturkreisen wie selbstverständlich Einzug in die Vorweihnachtszeit.

Was ist Winter?

Dabei geht es nicht immer religiös zu, wenngleich viele der winterlichen Bräuche dem christlichen Kulturkreis entnommen sind. Lichterfeste zur Wintersonnwendzeit gibt es aber woanders auch und Ulrike Schrimpf erinnert an ähnliche Feste in anderen Kulturen. Zwischendurch lockern hintersinnige Rätsel den Lesefluss und Rezepte für heiße Schokolade und Bratäpfel machen auch kulinarisch Lust auf Winter.

Sogar Lieder sind abgedruckt, Gedichte aus mehreren Jahrhunderten erinnern daran, dass die Menschheit sich in ihrem Empfinden gar nicht so weit voneinander entfernt hat, wie tagesaktuelle Konflikte oft vermuten lassen. Wundervoll auch die Aufzeichnungen einer Bäuerin, die den Winter im deutschsprachigen Raum vor bald hundert Jahren beleuchten oder die Episoden aus anderen Kulturkreisen wie der Türkei, Russland oder den nordischen Ländern.

Kreisel der Geschichten

Welche Geschichten erzählt man sich vom Winter – darum geht es immer wieder. Märchen aus vergangenen Zeiten wechseln sich mit den Geschichten vom Erwachsenwerden in unserer Zeit ab. Liebe, Homosexualität, Armut und Unverständnis sind Erfahrungen, die Menschen heute genauso empfinden wie ehedem. Kälte und die Ruhe der Natur bringen eine eisige Stille in den lauten Alltag, was früher mit Gefahr gepaart war, legt nun die Langeweile und hektische Sinnlosigkeit mancher Existenzen bloß.

Schrimpfs Erzählband ist deshalb so gelungen, weil die Kapitel alle stimmig und kurz gehalten sind. Große und kleine Liebhaber von Geschichten werden hier fündig werden und die Gedanken schweifen lassen. Die Illustrationen sind sehr grafisch gehalten, so dass sie gerade für junge Leser schön anzusehen sind, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie hat alle Voraussetzungen, ein Winterklassiker zu werden.

Titelangaben:

Ulrike Schrimpf (Hrsg.), Lisa Manneh (Ill.): Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie.

Freiburg/ Breisgau: Herder Verlag, 2018. 240 Seiten. 32 €.

Road Trip XI – Montpellier

Dabei war es gar nicht das Ende des Sommers, als wir unseren Tag  in Montpellier verbrachten. Doch diesig und schwül lag der französische Sommer auf dieser Mischung aus Historismus und Gigantismus. In einer Architektur, die wir vielleicht auch in ehemaligen Ostblockhauptstädten so hätten finden können, garantiert die Nonchalance trotzdem einen optischen Genuss. Alles symmetrisch, Stadtviertel, die auf dem Reißbrett entworfen wurden. Montpellier ist sehr wechselhaft. Und plötzlich, mittendrin, ein umtriebiger Markt vor der alten Comédie. Alles gut, alles richtig gemacht. In einer Konditorei haben wir verschiedene Macarons und Tartes gekauft und fanden Frankreich wieder einmal herrlich.

Doch die Wehmut war unüberhörbar und Heimweh hatten wir auch.

Zuhause stellte ich ein Stück fertig, dass eigentlich auf meinem Balkon hätte stehen sollen. Doch der Herbst kam schneller, als ich fertig wurde und das heißt bei der diesjährigen Wetterlage einiges. Ich hatte das Rohgestell aus einem Keller, geputzt und mit Acryllack überzogen. Dann wurde geschnippelt. Ich liebe Decoupage. Und meine Gartenprospekte. Sind Blumen nicht herrlich?

Nun wartet das fertige Etwas in meinem Laden auf den Frühling. Was ist das? Ein Vogelbad? Eine Blumenstele?

 

Ab damit zu Creadienstag, HoT und Dienstagsdinge!

Neu Gelesen

Sybille Sturm: Gutes Karma Food. Rezepte für ein besseres Ich.

Nicky Sitaram Sabnis: Jetzt koche ich ayurvedisch. Schnelle Küche für Einsteiger.

Heilsam für Körper und Geist

Wir wissen es schon längst: Essen hält Leib und Seele zusammen. Das, was wir zu uns nehmen, definiert uns über die Maßen und noch mehr, als das, was wir um uns herum horten. Sybille Sturm und Nicky Sitaram Sabnis wissen es beide. Deshalb gibt es bei Sturms Gutes Karma Food. Rezepte für ein besseres Ich gleich etwas für die Seele und Sabnis‘ Jetzt koche ich ayurvedisch. Schnelle Küche für Einsteiger zeigt, wie einfach es auch sein kann, gut und heilsam zu kochen.

Beide Kochbücher bedienen natürlich ein ähnliches Feld. Der Hauptunterschied: Sturm kocht grundsätzlich vegetarisch und manchmal auch vegan, die westlichen Einflüsse sind unübersehbar. Sabnis kocht ayurvedisch und nicht unbedingt vegetarisch oder vegan. Seine Rezepte ruhen auf der Basis der ayurvedischen Medizin und sind als unterstützende Elemente gedacht. Beide bedienen sich der reichhaltigen Gewürzwelt Indiens und versuchen doch, so angepasst zu kochen, dass ein Nacharbeiten der Rezepte immer möglich ist.

Wohlfühldiät für ein neues Leben

Besonders Sybille Sturm hat eine Lebensänderung im Sinn. Das sieht man an den Grundregeln, die sie für ihr Karmafood aufstellt. Von frischer Zubereitung bis zum Verzicht auf Alkohol ist alles dabei. Sie lebt ihr Karmafood sehr konsequent und damit wird es gerade für Allrounder etwas schwierig. Möchte ich mein Leben komplett ändern? Mein Samstagsgläschen Rotwein weglassen? Der innere Schweinehund geht auf die Barrikaden.

Achtsamkeitsübungen für zwischendurch, ein Küchengarten, heimische Superfoods. Sturm setzt auf gesunde, lokal gewachsene Lebensmittel. Es gibt Müsliarten zum Frühstück, Porridge oder Körnerbrot. Also alles nicht ayurvedisch, aber in seiner achtsamen Zubereitung sicherlich gut für das Karma. Die Rezepte, wie z.B. der herbstliche Rübensalat mit Orangendressing, lesen sich alle toll. Es gibt viele Salate, warme, cremige Suppen, Bratlinge in allen Formen, Ofengemüse zu Nussbraten, und Schokoladige Desserttorten ohne Mehl. Sturm kocht kreativ, modern und vegetarisch. Ideal für alle, die immer schon mal ihre Ernährung umstellen wollten, weil das Kochbuch so komplett wirkt.

Indische Kochkunst für jeden Tag

Sabnis dagegen widmet sich wirklich dem Seelenleben. Nach der ayurvedischen Lehre gibt es verschiedene Elemente und Konstitutionen, die im Leben der Menschen vorherrschen können, die Doshas. Ein Gleichgewicht ist ideal, ein Ungleichgewicht wirkt krankmachend. Ernährung kann helfen, die Doshas wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dafür gibt es erst einmal einen Fragebogen, anhand dessen man sich selbst einschätzen kann.

Alle Gewürze und Gewürzmischungen, die dann vorgestellt werden, werden bereits anhand ihrer Wirkung auf die Doshas eingeordnet. Nicht alles wächst bei uns, manches wird man bestellen müssen. Gut, dass Sabnis im Anhang Adressen auflistet, die weiterhelfen können. Ansonsten ist es hier richtig ayurvedisch- indisch. Intensive Würzmischungen, aufwändige Rezepte, gern mit Bemerkungen über die Auswirkungen auf die Doshas.

Orient für alle

Viele der Suppen oder Chutneys sind absolut alltagstauglich und sehr fein. Der Fokus auf cremige Suppen mit viel Gemüse und Gewürzen ist gerade für die Herbstküche eine herrliche Ergänzung. Ingwersuppe mit Pastinaken, Mangosuppe und Knoblauchsuppe klingen herrlich fremdländlisch. Gemüse und Hülsenfrüchte sind fester Bestandteil der regionalen Küche, die aber auch mit Tofu oder Steinpilzen auf internationales Niveau gehoben wird.

Die abwechslungsreichen Fleischgerichte machen richtig Lust zum Kochen, dabei gibt es vor allem Fisch, Lamm und Geflügel. Dabei wird immer auf ausgewogene Ernährung geachtet, gerne die Gerichte in kleinen Schälchen im Mix gereicht, um nicht die Doshas einseitig zu belasten. Um das Kochen zu erleichtern, gibt es auch ein Kapitel über einfache Basissaucen, die sich mehrere Tage lang im Kühlschrank halten. Sogar Desserts gibt es, genauso wie Getränkerezepte und Frühstücksvorschläge. Wer seinen Chai zukünftig lieber selbst zubereiten möchte, findet hier das passende Rezept.

Insgesamt zwei tolle Bücher im selben Grundtenor, doch mit unterschiedlichem Fokus. Ist es nicht endlich an der Zeit, aus dem alten Trott zu kommen?

Titelangaben:

Sybille Sturm: Gutes Karma Food. Rezepte für ein besseres Ich.

Köln: Fackelträger Verlag, 2017. 144 Seiten. 20 €.

Nicky Sitaram Sabnis: Jetzt koche ich ayurvedisch. Schnelle Küche für Einsteiger.

Aarau: AT- Verlag, 2016. 152 Seiten. 19,95€.

Road Trip X – Matarò

 

Sind das nicht schöne Fotos, so mitten im November? Als wir von Valencia losfuhren, brachten wir meinen Bruder nach Barcelona an den Flughafen. Eigentlich wollten wir selbst dann weiter nach Matarò, einem Vorort von Barcelona und von dort aus mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder in die Stadt. Aber es kam anders. Erstens waren wir müde. Zweitens schien Barcelona soooo weit weg. Drittens war das Meer schön und das Essen gut. Und so weiter. Als dann auch noch Feiertag war und die Busse nicht fuhren, war Barcelona für uns erledigt. Wir stiegen lieber früher in den Bus und fuhren weiter nach Montpellier. Die Côte d’Azur entlang. Hier machten wir Pause, um das Meer zu genießen und unsere Fußsohlen ein bisschen anzukokeln.

Dazu passt eines meiner letzten Werkstücke für die Taufe, die Seerosen aus PET. In Spanien gab es nur Wasser in PET-Flaschen. Wenn ich schon die Umwelt verschmutze, dann hübsch. Ich habe alle (ALLE!!!!!!) PET -Flaschen mit nach Hause genommen. Und zum Beispiel Seerosen daraus gemacht.

Ab damit zum Creadienstag, zu HoT und  zu Dienstagsdinge!

Neu Gelesen

Epipa: Hygge. Wintertraum & Strickzauber. Accessoires, Deko und Geschenke stricken.

Epipa: Hygge. Häkeltraum & Winterzauber. Accessoires, Deko und Geschenke häkeln.

 

Warm genadelt

Die Temperaturen purzeln etwas durcheinander und ich mache prompt das, was jeder vernünftige Mensch auf Gottes grüner Erde machen sollte: Ich krame nach Handarbeitsbüchern und Wolle. Natürlich habe ich Lust auf kuschlige Schals, warme Fäustlinge und alles, was mich an den Winter erinnert. Schließlich ist der Winter noch gar nicht richtig da. Epipa geht es wohl genauso. In Hygge. Wintertraum & Strickzauber. Accessoires, Deko und Geschenke stricken und in Hygge. Häkeltraum & Winterzauber. Accessoires, Deko und Geschenke häkeln wird genadelt.

So fällt meine Rezension diesmal emotional gefärbt aus. Fotos aus Oberbayern in weißem Schnee mit Garn, das aussieht, als hätte ich es handgesponnen oder als hätte die Eiskönigin es schnell vorbeigetragen? Her damit! Epipa werkelt mit dicken und dünnen Garnen und fokussiert kleine Werkstücke. Das macht beide Bücher zu einer wahren Fundgrube für Weihnachtsgeschenke. Es geht vor allem um die Frage, was man lieber mag: Stricken? Häkeln?

Favoriten für kalte Tage

Wie jeder Mensch habe ich so meine Favoriten. Häkelfäustlinge? Nie im Leben! Aber Untersetzer, Tassenwärmer, Kissen, Hockerüberzüge, ja bitte! Strickhandschuhe, Strickkissen, zarte Tücher, Mützen und Schals. Nur die gestrickten Säckchen und Beutelchen mag ich nicht. So etwas wird bei mir gehäkelt oder genäht. Ihr seht, ich bin subjektiv. Epipa spickt die einzelnen Anleitungen mit freundlichen Geschichten aus ihrem Familienalltag.

Blättern im Fotoalbum. Alles sieht sehr glücklich, sehr ordentlich und strukturiert aus. Gar nicht wie in meinem chaotischen Großfamilienhaushalt. Kurz innehalten- ich will auch nicht wirklich das Chaos anderer Menschen sehen. Aber Anregungen, wie wir diesen Winter miteinander verbringen könnten, immer gerne! Vor allem für kleinere Kinder finden sich auch wundervolle Strickpullis, die sich für Mamis und Omis perfekt als Geschenk eignen.

Geschenke finden leicht gemacht

Halstücher für Papas, Kissen für die Freundin, eine Clutch oder warme Tücher für nette Menschen. In der Häkelausgabe kommt noch ein umfangreicher Anteil Weihnachtsdeko dazu, hier ist Häkeln wirklich praktischer als Stricken. Generell finde ich ja, dass die meisten Häkelsachen schöner in gestrickt aussehen, von Stulpen über Fäustlinge bis hin zu Kissen, aber um hübsche Formen herzustellen, ist Häkeln perfekt geeignet.

Die Konzentration auf wenige harmonische Farbtöne entspricht der winterlichen Natur. Alles ruht, auch das Auge. Weiß, braun, grau und rosé dominieren die Palette, die an Garnen alles von Lace bis bulky verarbeitet. An den einfarbigen Garnen fallen die schönen Muster besonders auf, Anfänger werden hierbei genauso fündig wie wahre Könner. Ich werde einen Vorrat brauchen, um diesen Winter mit Epipa so richtig genießen zu können. Nichts leichter als das.

Titelangaben:

Epipa: Hygge. Wintertraum & Strickzauber. Accessoires, Deko und Geschenke stricken.

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 112 Seiten. 16,99 €.

Epipa: Hygge. Häkeltraum & Winterzauber. Accessoires, Deko und Geschenke häkeln.

Igling: Edition Michael Fischer, 2015. 128 Seiten. 16,99 €.

Road Trip IX – Valencia

Valencia – hier gibt es so viele Fotos, weil wir drei Tage Zeit für diese Stadt hatten. Gema, meine neue Schwägerin, hat mich dorthin geschickt.  Die 800.000 Menschenstadt kam uns nahezu verlassen vor, man sieht es an den leeren Straßen. Doch es war August und bei einer Luftfeuchtigkeit von 80% sind wohl alle vernünftigen Spanier geflohen.  Unsere Ferienwohnung lag hoch über den Dächern und jeden Tag hatten wir eine spektakuläre Aussicht über diese Stadt.

Spätestens hier hatten wir uns an die spanische Lebensweise gewöhnt und wir gingen selten vor Mitternacht schlafen, denn erst um diese Tageszeit wurden die Temperaturen erträglich. Auf der Dachterasse konnte man wunderbar sitzen, Wein trinken und über den Sinn des Lebens fabulieren. Mein Bruder begleitete uns diese drei Tage und wir genossen alle ein bisschen größere Großfamilie.

Die Architektur am trocken gelegten Fluss ist spektakulär und absolut sehenswert. Klar mussten wir dort spazieren gehen. Wir waren auch im Ozeaneum, das war der Kinderhöhepunkt des Urlaubs. Für mich sind eingepferchte Tiere immer eine Qual, vor allem so intelligente Lebewesen wie Delphine. Aber ich kann auch meine Kinder verstehen, die vor Verzücken fast den Verstand verloren.

Dafür wollte ich unbedingt zur Plaza de la Virgen, um etwas Stadtluft zu schnuppern. Ein Bier, Sonnenuntergang, Musik und das tobende Leben waren genau das richtige Bad in der Menge für mich.

Während ich mich an traumhafte Stunden erinnere, bastele ich weiter am Raumkonzept für meine Kundin. Diesmal: Lavendelfische. Duftet himmlich. Viele bunte Stoffreste ergeben ein mindestens so farbenfrohes Aquarium wie das in Valencia!

Ab damit zu Creadienstag, Dienstagdinge, HoT, und Gusta!

Neu gelesen

Robert Elger, Michel Loppé: Der illustrierte Biogarten.

Brigitte Goss: Erfolgreich Gärtnern ohne Gift. Natur pur im Garten.

Alles Gute für den Garten

Robert Elger, Michel Loppé und Brigitte Goss haben eines gemeinsam: Sie kehren dem konventionellen Gartenbau den Rücken zu. Ob in Elger und Loppés Der illustrierte Biogarten oder Goss‘ Erfolgreich Gärtnern ohne Gift. Natur pur im Garten, in anschaulichen Bildern und kurzweiligen Ausführungen wird gezeigt, wie gut sich die Natur zurechtfindet, wenn man sie nur lässt. Und wie man ihr im Garten helfen kann.

Beginnen wir mit Robert Elgers und Michel Loppés Der illustrierte Biogarten. Die kleine, sehr handliche Ausgabe ist ausnehmend schön illustriert, eine Glanzleistung Loppés und bietet sich damit als Geschenkband geradezu an. Vor allem für jene, die zum ersten Mal vor der Bewirtschaftung eines Gartens stehen, bietet der Schmuckband nützliche Hilfen. Dabei steht stets die bodenständige Praxis im Vordergrund.

Einmaleins für den Biogarten

Gleich hier darf man vermerken, dass die Gartentipps sich nicht nur für Biogärtner eignen. Schichtbeete anlegen, Rhabarber pflanzen, Kompostierung und Hügelbeete interessieren eventuell auch konventionelle Gärtner. Natürlich erhebt das Kompendium keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber es wird allerhand Wissen vermittelt. Leider merkt man dem Buch auch an, dass es ursprünglich für den französischen Markt verfasst wurde: Für manche der dargestellten Pflanzenarten ist es bei uns einfach zu kalt.

In einfachen Piktogrammen wird auf Temperaturbedarf, Bewässerung, Lichtbedarf und Ernte-/Blütezeit hingewiesen, die detaillierten Zeichnungen sind im einheitlichen Stil sehr charmant gehalten und überaus hilfreich. Bibliophile Gärtner dürfen sich freuen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass es sich um eine Einführung ins Gärtnern handelt. Wer schon weiß, wie Johannisbeeren geschnitten werden oder schwerer Boden bearbeitet wird, kann sich einiges sparen.

Fachwissen aus der Gartenküche

Ganz anders bei Brigitte Goss: Die Gartenbautechnikerin befasst sich ausschließlich mit Gartenproblemen. Diese können sehr speziell sein. Vor allem routinierte Gärtner werden ihre Freude an Erfolgreich Gärtnern ohne Gift. Natur pur im Garten haben. Zwar handelt es sich nicht um eine bibliophile Ausgabe, doch die detaillierten Fotos von Krankheiten an Stauden und Gehölzen oder von Parasiten lassen das Herz des leidenschaftlichen Gärtners höher schlagen.

Schließlich greift man eher nicht zum Gartenbuch, wenn alles super läuft. Krankheiten, Pilzbefall, Ernteausfälle, Schädlingsbefall, all dem kann man mit natürlichen Methoden beikommen. Wobei Goss in jedem Fall zur Besonnenheit rät: Unkraut gehört auch zum Leben, genauso wie Läuse oder Blattkrankheiten. Wer dennoch eingreifen will, kann dies umweltverträglich tun, denn nach der sehr detaillierten Schilderung aller Problemsituationen liefert Goss einen umfangreichen Rezeptteil, der die Herstellung von Jauchen, Kuren und Extrakten beleuchtet.

Für jeden Etwas

Diesmal sind es zwei tolle Gartenbücher, die aber jeweils an ein eng gefasstes Publikum gerichtet sind: Neuling oder Könner, Laie oder Profi. Obstwiesenbesitzer wie ich werden zu Goss greifen, wer gerade sein neugebautes Eigenheim mit einem schönen Garten aufwerten will, ist bestens bei Elger aufgehoben. Das ist es doch eigentlich, was wir an einem guten Buch so mögen: Dass es unsere Bedürfnisse ahnt und erfüllt.

Titelangaben:

Robert Elger, Michel Loppé: Der illustrierte Biogarten.

Übersetzt von Petra Bös, Offenburg.

Münster: LV Buch 2018. 80 Seiten. 12€.

Brigitte Goss: Erfolgreich Gärtnern ohne Gift. Natur pur im Garten.

Münster: LV Buch 2018. 144 Seiten. 18€.

Road Trip VIII- Toledo

Oh – Toledo! So hieß unser Hostel, das Oasis Toledo. Was für eine herrliche Bruchbude mit Blick über die Altstadt und den Alcazar! Wir brachen noch am Samstag Mittag von León auf und nahmen einen Passagier mit: Meinen Bruder. Er sollte uns ein paar Tage begleiten. Schon allein nach Toledo zu gelangen, war ein Abenteuer. Ohne Mautstraßen durch die La Mancha bei 45°C und weit und breit nichts. Don Quijote lässt grüßen. Echt! Er steht in Toledo überall herum. Erst, als wir durch die Stadttore den Berg hinauf fuhren, ahnten wir, dass wir mit unserem VW-Bus ein Problem bekommen könnten. Tja, im Mittelalter haben sie halt anders gebaut. Unseren Bus stellten wir in einer Garage ab und suchten unser Hostel mit Gepäck auf Schusters Rappen.

Mann, war das toll! Als wären die Ritter wieder auferstanden. Das maurische Erbe fiel uns von allen Seiten an und um einen Blick auf einen echten El Greco zu erhaschen, musste man nur ein paar Kirchentüren öffnen. Uns taten die Füße weh und doch konnten wir uns nicht satt sehen. Friederike beschloss – wen überrascht es – hier mal zu wohnen, wenn sie groß ist. Irgendwie fanden wie abends auch Tapas Bars und Restaurants und genossen unser Leben. Außerdem hab ich gefühlt den gesamten bunten Fächerbestand von Toledo aufgekauft. Wer weiß, wann ich mir wieder einmal Luft zufächeln muss? Das wäre eine wundervolle Stadt für mich….

In der Zwischenzeit darf ich eine Taufe dekorieren. Der kleine Rufus wird inmitten bunter Fischlein und Seerosen getauft. Für die Fenster hab ich tief in meine Stoffkiste gegriffen. Oder besser, in den Patchworkkorb mit bunten Quadraten. Von Seide über Vorhangstoff ist alles dabei, was hübsch ist.  Ich bin gespannt, wie der Raum aussieht, wenn ich zwei Stunden drin gewütet hab.

Ab damit zum Creadienstag, zu HoT, zu Dienstagsdinge und zu Gusta!

 

Neu Gelesen

Adam Frost: Mein supercooles Buch über mich.

Petra Mattfeldt: Multiversum. Die Rückkehr.

Was für die lieben Kleinen

Diese Woche stehen zwei Bücher auf dem Speiseplan, die zum Teil schon lange in meinen Regalen stehen. Vor allem Petra Mattfeldts Multiversum. Die Rückkehr wartet bereits eine Zeitlang, aber auch Adam Frosts Mein supercooles Buch über mich wurde skeptisch beäugt. Warum? Weil ich oft finde, dass nichts Besseres nach kommt, vor allem, wenn man über Kinder- und Jugendliteratur spricht. Fast stimmt das auch.

Beginnen wir mit Mattfeldts Multiversum. Vor langer Zeit habe ich bereits den ersten Teil verrissen, von dem ich mich erholen musste und es wird nicht wirklich besser. Tom Stafford, mittlerweile Agent beim MI6, wird wieder zurück geschickt ins Jahr 1215, um die Unterzeichnung der Magna Charta zu beeinflussen. Um es dezent auszudrücken, verstehe ich nicht, weshalb man sich für ein spannendes Buch immer viel zu komplexe Themen aussuchen muss.

Nichts stimmt

Wieder habe ich Probleme mit dem Lektorat, denn ich weiß zum Beispiel nicht, ob die ständigen Wortwiederholungen gewollt sind, oder einem beschränkten Wortschatz entstammen. Ziemlich gewagt finde ich schonmal die Tatsache, dass Mattfeldt die Protagonisten in einem Dialekt sprechen lässt, der zu dieser Zeit schon nicht mehr existierte. Schlechte Recherche ärgert mich und ist unnötig. Außerdem fällt sowieso kein Wort auf Altenglisch. Das wäre auch schwierig, denn wie Althochdeutsch ist es eine eigene Sprache.

Um den Inhalt noch verwirrender zu gestalten, wird ein weiteres Universum hinzugefügt, in dem Tom Stafford als sein eigener Widersacher derart klischeehaft auftritt, dass man nur resigniert die Schultern zucken kann. Man hätte diesen Part wundervoll ausarbeiten können, als eine Art historischer Schizophrenie, aber es bleibt bei Prügeleien und natürlich dem Sieg der Guten. Tom Staffords Mutter, Architektin und ebenfalls Zeitreisende, hat aus der mittelalterlichen Benachteiligung der Frau nichts gelernt und schiebt zu Hause Braten in den Ofen, während der Vater in ganz patriarchalischer Manier weiter macht.

Einfacher Plot

Verwirrend, aber nicht spannend. Das könnte ich zum Inhalt sagen. Sollte eine unschlüssige Stelle auftauchen, gibt es schnell zeitreisende Agenten aus beliebig vielen Universen (Multiversum), die Probleme bereiten oder lösen. Offenbar sind die Menschen in Mittelengland derart beschränkt, dass niemand bemerkt, wenn Gäste sich unschlüssig verhalten oder seltsame Dialekte sprechen. Auch über Sitten und Gebräuche erfährt man nichts, hier gäbe es doch gerade literarisches Konfliktpotential, das wunderbar unterhaltend wäre. Doch alle Ansprüche verlaufen im plappernden Nichts.

Genauso einfach ist der Plot bei Adam Frosts Mein supercooles Buch über mich. Obwohl ich also schwerste Bedenken hatte, wurde ich hier sehr positiv überrascht. Es gibt kein Thema, keinen Inhalt. Dieses Buch ist einfach nur als Gag gedacht. Und er funktioniert. Flachwitze vom Papa, alle superpeinlichen Kosenamen der Mutter, überhaupt alles unangenehme der Familie kann hier aufgetragen oder eingetragen werden.

Kluger Witz

Dabei finde ich es schlau, wie Frost mit dem Intellekt der Kinder spielt. Ich würde das Buch vor allem Grundschulkindern empfehlen, alle anderen sind zu alt dafür. Es gibt eine Seite, auf der kann man eintragen, wo der Wohnsitz ist. Erst eine Landkarte von Deutschland, dann von Europa, dann der Welt und des Universums. Wie lange kann ein Kind seinen Wohnort identifizieren? Ist das nicht nett? Ganz zu schweigen von der Peinlichkeitsskala für Eltern: Bin ich nur superpeinlich oder schon zum Schreien peinlich? Hm.

Umfragen, die keiner braucht: Wie kitzelig man ist, wieviele Fusseln im Bauchnabel grad drin sind, welche Tiere am ekligsten sind. Sofort fangen Kinder an zu kichern und zu kritzeln. Auf Autofahrten, im Urlaub, an Regentagen oder einfach so gegen Langeweile. Ich habe das Gefühl, dass mit diesem Buch viel anzufangen ist. Es ist wirklich supercool! Mein Exemplar wandert auf den Gedankenstapel für lustige Geschenke, die ein Geburtstagskind kriegen kann. Vielleicht noch in Kombination mit einem Stift?

Titelangaben:

Adam Frost: Mein supercooles Buch über mich.

Berlin: Duden Verlag, 2018. 160 Seiten. 6,99 €.

Petra Mattfeldt: Multiversum. Die Rückkehr.

München: Buntstein, 2016. 192 Seiten. 9,99€.