Road Trip X – Matarò

 

Sind das nicht schöne Fotos, so mitten im November? Als wir von Valencia losfuhren, brachten wir meinen Bruder nach Barcelona an den Flughafen. Eigentlich wollten wir selbst dann weiter nach Matarò, einem Vorort von Barcelona und von dort aus mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder in die Stadt. Aber es kam anders. Erstens waren wir müde. Zweitens schien Barcelona soooo weit weg. Drittens war das Meer schön und das Essen gut. Und so weiter. Als dann auch noch Feiertag war und die Busse nicht fuhren, war Barcelona für uns erledigt. Wir stiegen lieber früher in den Bus und fuhren weiter nach Montpellier. Die Côte d’Azur entlang. Hier machten wir Pause, um das Meer zu genießen und unsere Fußsohlen ein bisschen anzukokeln.

Dazu passt eines meiner letzten Werkstücke für die Taufe, die Seerosen aus PET. In Spanien gab es nur Wasser in PET-Flaschen. Wenn ich schon die Umwelt verschmutze, dann hübsch. Ich habe alle (ALLE!!!!!!) PET -Flaschen mit nach Hause genommen. Und zum Beispiel Seerosen daraus gemacht.

Ab damit zum Creadienstag, zu HoT und  zu Dienstagsdinge!

Neu Gelesen

Epipa: Hygge. Wintertraum & Strickzauber. Accessoires, Deko und Geschenke stricken.

Epipa: Hygge. Häkeltraum & Winterzauber. Accessoires, Deko und Geschenke häkeln.

 

Warm genadelt

Die Temperaturen purzeln etwas durcheinander und ich mache prompt das, was jeder vernünftige Mensch auf Gottes grüner Erde machen sollte: Ich krame nach Handarbeitsbüchern und Wolle. Natürlich habe ich Lust auf kuschlige Schals, warme Fäustlinge und alles, was mich an den Winter erinnert. Schließlich ist der Winter noch gar nicht richtig da. Epipa geht es wohl genauso. In Hygge. Wintertraum & Strickzauber. Accessoires, Deko und Geschenke stricken und in Hygge. Häkeltraum & Winterzauber. Accessoires, Deko und Geschenke häkeln wird genadelt.

So fällt meine Rezension diesmal emotional gefärbt aus. Fotos aus Oberbayern in weißem Schnee mit Garn, das aussieht, als hätte ich es handgesponnen oder als hätte die Eiskönigin es schnell vorbeigetragen? Her damit! Epipa werkelt mit dicken und dünnen Garnen und fokussiert kleine Werkstücke. Das macht beide Bücher zu einer wahren Fundgrube für Weihnachtsgeschenke. Es geht vor allem um die Frage, was man lieber mag: Stricken? Häkeln?

Favoriten für kalte Tage

Wie jeder Mensch habe ich so meine Favoriten. Häkelfäustlinge? Nie im Leben! Aber Untersetzer, Tassenwärmer, Kissen, Hockerüberzüge, ja bitte! Strickhandschuhe, Strickkissen, zarte Tücher, Mützen und Schals. Nur die gestrickten Säckchen und Beutelchen mag ich nicht. So etwas wird bei mir gehäkelt oder genäht. Ihr seht, ich bin subjektiv. Epipa spickt die einzelnen Anleitungen mit freundlichen Geschichten aus ihrem Familienalltag.

Blättern im Fotoalbum. Alles sieht sehr glücklich, sehr ordentlich und strukturiert aus. Gar nicht wie in meinem chaotischen Großfamilienhaushalt. Kurz innehalten- ich will auch nicht wirklich das Chaos anderer Menschen sehen. Aber Anregungen, wie wir diesen Winter miteinander verbringen könnten, immer gerne! Vor allem für kleinere Kinder finden sich auch wundervolle Strickpullis, die sich für Mamis und Omis perfekt als Geschenk eignen.

Geschenke finden leicht gemacht

Halstücher für Papas, Kissen für die Freundin, eine Clutch oder warme Tücher für nette Menschen. In der Häkelausgabe kommt noch ein umfangreicher Anteil Weihnachtsdeko dazu, hier ist Häkeln wirklich praktischer als Stricken. Generell finde ich ja, dass die meisten Häkelsachen schöner in gestrickt aussehen, von Stulpen über Fäustlinge bis hin zu Kissen, aber um hübsche Formen herzustellen, ist Häkeln perfekt geeignet.

Die Konzentration auf wenige harmonische Farbtöne entspricht der winterlichen Natur. Alles ruht, auch das Auge. Weiß, braun, grau und rosé dominieren die Palette, die an Garnen alles von Lace bis bulky verarbeitet. An den einfarbigen Garnen fallen die schönen Muster besonders auf, Anfänger werden hierbei genauso fündig wie wahre Könner. Ich werde einen Vorrat brauchen, um diesen Winter mit Epipa so richtig genießen zu können. Nichts leichter als das.

Titelangaben:

Epipa: Hygge. Wintertraum & Strickzauber. Accessoires, Deko und Geschenke stricken.

Igling: Edition Michael Fischer, 2016. 112 Seiten. 16,99 €.

Epipa: Hygge. Häkeltraum & Winterzauber. Accessoires, Deko und Geschenke häkeln.

Igling: Edition Michael Fischer, 2015. 128 Seiten. 16,99 €.

Road Trip IX – Valencia

Valencia – hier gibt es so viele Fotos, weil wir drei Tage Zeit für diese Stadt hatten. Gema, meine neue Schwägerin, hat mich dorthin geschickt.  Die 800.000 Menschenstadt kam uns nahezu verlassen vor, man sieht es an den leeren Straßen. Doch es war August und bei einer Luftfeuchtigkeit von 80% sind wohl alle vernünftigen Spanier geflohen.  Unsere Ferienwohnung lag hoch über den Dächern und jeden Tag hatten wir eine spektakuläre Aussicht über diese Stadt.

Spätestens hier hatten wir uns an die spanische Lebensweise gewöhnt und wir gingen selten vor Mitternacht schlafen, denn erst um diese Tageszeit wurden die Temperaturen erträglich. Auf der Dachterasse konnte man wunderbar sitzen, Wein trinken und über den Sinn des Lebens fabulieren. Mein Bruder begleitete uns diese drei Tage und wir genossen alle ein bisschen größere Großfamilie.

Die Architektur am trocken gelegten Fluss ist spektakulär und absolut sehenswert. Klar mussten wir dort spazieren gehen. Wir waren auch im Ozeaneum, das war der Kinderhöhepunkt des Urlaubs. Für mich sind eingepferchte Tiere immer eine Qual, vor allem so intelligente Lebewesen wie Delphine. Aber ich kann auch meine Kinder verstehen, die vor Verzücken fast den Verstand verloren.

Dafür wollte ich unbedingt zur Plaza de la Virgen, um etwas Stadtluft zu schnuppern. Ein Bier, Sonnenuntergang, Musik und das tobende Leben waren genau das richtige Bad in der Menge für mich.

Während ich mich an traumhafte Stunden erinnere, bastele ich weiter am Raumkonzept für meine Kundin. Diesmal: Lavendelfische. Duftet himmlich. Viele bunte Stoffreste ergeben ein mindestens so farbenfrohes Aquarium wie das in Valencia!

Ab damit zu Creadienstag, Dienstagdinge, HoT, und Gusta!

Neu gelesen

Robert Elger, Michel Loppé: Der illustrierte Biogarten.

Brigitte Goss: Erfolgreich Gärtnern ohne Gift. Natur pur im Garten.

Alles Gute für den Garten

Robert Elger, Michel Loppé und Brigitte Goss haben eines gemeinsam: Sie kehren dem konventionellen Gartenbau den Rücken zu. Ob in Elger und Loppés Der illustrierte Biogarten oder Goss‘ Erfolgreich Gärtnern ohne Gift. Natur pur im Garten, in anschaulichen Bildern und kurzweiligen Ausführungen wird gezeigt, wie gut sich die Natur zurechtfindet, wenn man sie nur lässt. Und wie man ihr im Garten helfen kann.

Beginnen wir mit Robert Elgers und Michel Loppés Der illustrierte Biogarten. Die kleine, sehr handliche Ausgabe ist ausnehmend schön illustriert, eine Glanzleistung Loppés und bietet sich damit als Geschenkband geradezu an. Vor allem für jene, die zum ersten Mal vor der Bewirtschaftung eines Gartens stehen, bietet der Schmuckband nützliche Hilfen. Dabei steht stets die bodenständige Praxis im Vordergrund.

Einmaleins für den Biogarten

Gleich hier darf man vermerken, dass die Gartentipps sich nicht nur für Biogärtner eignen. Schichtbeete anlegen, Rhabarber pflanzen, Kompostierung und Hügelbeete interessieren eventuell auch konventionelle Gärtner. Natürlich erhebt das Kompendium keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber es wird allerhand Wissen vermittelt. Leider merkt man dem Buch auch an, dass es ursprünglich für den französischen Markt verfasst wurde: Für manche der dargestellten Pflanzenarten ist es bei uns einfach zu kalt.

In einfachen Piktogrammen wird auf Temperaturbedarf, Bewässerung, Lichtbedarf und Ernte-/Blütezeit hingewiesen, die detaillierten Zeichnungen sind im einheitlichen Stil sehr charmant gehalten und überaus hilfreich. Bibliophile Gärtner dürfen sich freuen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass es sich um eine Einführung ins Gärtnern handelt. Wer schon weiß, wie Johannisbeeren geschnitten werden oder schwerer Boden bearbeitet wird, kann sich einiges sparen.

Fachwissen aus der Gartenküche

Ganz anders bei Brigitte Goss: Die Gartenbautechnikerin befasst sich ausschließlich mit Gartenproblemen. Diese können sehr speziell sein. Vor allem routinierte Gärtner werden ihre Freude an Erfolgreich Gärtnern ohne Gift. Natur pur im Garten haben. Zwar handelt es sich nicht um eine bibliophile Ausgabe, doch die detaillierten Fotos von Krankheiten an Stauden und Gehölzen oder von Parasiten lassen das Herz des leidenschaftlichen Gärtners höher schlagen.

Schließlich greift man eher nicht zum Gartenbuch, wenn alles super läuft. Krankheiten, Pilzbefall, Ernteausfälle, Schädlingsbefall, all dem kann man mit natürlichen Methoden beikommen. Wobei Goss in jedem Fall zur Besonnenheit rät: Unkraut gehört auch zum Leben, genauso wie Läuse oder Blattkrankheiten. Wer dennoch eingreifen will, kann dies umweltverträglich tun, denn nach der sehr detaillierten Schilderung aller Problemsituationen liefert Goss einen umfangreichen Rezeptteil, der die Herstellung von Jauchen, Kuren und Extrakten beleuchtet.

Für jeden Etwas

Diesmal sind es zwei tolle Gartenbücher, die aber jeweils an ein eng gefasstes Publikum gerichtet sind: Neuling oder Könner, Laie oder Profi. Obstwiesenbesitzer wie ich werden zu Goss greifen, wer gerade sein neugebautes Eigenheim mit einem schönen Garten aufwerten will, ist bestens bei Elger aufgehoben. Das ist es doch eigentlich, was wir an einem guten Buch so mögen: Dass es unsere Bedürfnisse ahnt und erfüllt.

Titelangaben:

Robert Elger, Michel Loppé: Der illustrierte Biogarten.

Übersetzt von Petra Bös, Offenburg.

Münster: LV Buch 2018. 80 Seiten. 12€.

Brigitte Goss: Erfolgreich Gärtnern ohne Gift. Natur pur im Garten.

Münster: LV Buch 2018. 144 Seiten. 18€.

Road Trip VIII- Toledo

Oh – Toledo! So hieß unser Hostel, das Oasis Toledo. Was für eine herrliche Bruchbude mit Blick über die Altstadt und den Alcazar! Wir brachen noch am Samstag Mittag von León auf und nahmen einen Passagier mit: Meinen Bruder. Er sollte uns ein paar Tage begleiten. Schon allein nach Toledo zu gelangen, war ein Abenteuer. Ohne Mautstraßen durch die La Mancha bei 45°C und weit und breit nichts. Don Quijote lässt grüßen. Echt! Er steht in Toledo überall herum. Erst, als wir durch die Stadttore den Berg hinauf fuhren, ahnten wir, dass wir mit unserem VW-Bus ein Problem bekommen könnten. Tja, im Mittelalter haben sie halt anders gebaut. Unseren Bus stellten wir in einer Garage ab und suchten unser Hostel mit Gepäck auf Schusters Rappen.

Mann, war das toll! Als wären die Ritter wieder auferstanden. Das maurische Erbe fiel uns von allen Seiten an und um einen Blick auf einen echten El Greco zu erhaschen, musste man nur ein paar Kirchentüren öffnen. Uns taten die Füße weh und doch konnten wir uns nicht satt sehen. Friederike beschloss – wen überrascht es – hier mal zu wohnen, wenn sie groß ist. Irgendwie fanden wie abends auch Tapas Bars und Restaurants und genossen unser Leben. Außerdem hab ich gefühlt den gesamten bunten Fächerbestand von Toledo aufgekauft. Wer weiß, wann ich mir wieder einmal Luft zufächeln muss? Das wäre eine wundervolle Stadt für mich….

In der Zwischenzeit darf ich eine Taufe dekorieren. Der kleine Rufus wird inmitten bunter Fischlein und Seerosen getauft. Für die Fenster hab ich tief in meine Stoffkiste gegriffen. Oder besser, in den Patchworkkorb mit bunten Quadraten. Von Seide über Vorhangstoff ist alles dabei, was hübsch ist.  Ich bin gespannt, wie der Raum aussieht, wenn ich zwei Stunden drin gewütet hab.

Ab damit zum Creadienstag, zu HoT, zu Dienstagsdinge und zu Gusta!

 

Neu Gelesen

Adam Frost: Mein supercooles Buch über mich.

Petra Mattfeldt: Multiversum. Die Rückkehr.

Was für die lieben Kleinen

Diese Woche stehen zwei Bücher auf dem Speiseplan, die zum Teil schon lange in meinen Regalen stehen. Vor allem Petra Mattfeldts Multiversum. Die Rückkehr wartet bereits eine Zeitlang, aber auch Adam Frosts Mein supercooles Buch über mich wurde skeptisch beäugt. Warum? Weil ich oft finde, dass nichts Besseres nach kommt, vor allem, wenn man über Kinder- und Jugendliteratur spricht. Fast stimmt das auch.

Beginnen wir mit Mattfeldts Multiversum. Vor langer Zeit habe ich bereits den ersten Teil verrissen, von dem ich mich erholen musste und es wird nicht wirklich besser. Tom Stafford, mittlerweile Agent beim MI6, wird wieder zurück geschickt ins Jahr 1215, um die Unterzeichnung der Magna Charta zu beeinflussen. Um es dezent auszudrücken, verstehe ich nicht, weshalb man sich für ein spannendes Buch immer viel zu komplexe Themen aussuchen muss.

Nichts stimmt

Wieder habe ich Probleme mit dem Lektorat, denn ich weiß zum Beispiel nicht, ob die ständigen Wortwiederholungen gewollt sind, oder einem beschränkten Wortschatz entstammen. Ziemlich gewagt finde ich schonmal die Tatsache, dass Mattfeldt die Protagonisten in einem Dialekt sprechen lässt, der zu dieser Zeit schon nicht mehr existierte. Schlechte Recherche ärgert mich und ist unnötig. Außerdem fällt sowieso kein Wort auf Altenglisch. Das wäre auch schwierig, denn wie Althochdeutsch ist es eine eigene Sprache.

Um den Inhalt noch verwirrender zu gestalten, wird ein weiteres Universum hinzugefügt, in dem Tom Stafford als sein eigener Widersacher derart klischeehaft auftritt, dass man nur resigniert die Schultern zucken kann. Man hätte diesen Part wundervoll ausarbeiten können, als eine Art historischer Schizophrenie, aber es bleibt bei Prügeleien und natürlich dem Sieg der Guten. Tom Staffords Mutter, Architektin und ebenfalls Zeitreisende, hat aus der mittelalterlichen Benachteiligung der Frau nichts gelernt und schiebt zu Hause Braten in den Ofen, während der Vater in ganz patriarchalischer Manier weiter macht.

Einfacher Plot

Verwirrend, aber nicht spannend. Das könnte ich zum Inhalt sagen. Sollte eine unschlüssige Stelle auftauchen, gibt es schnell zeitreisende Agenten aus beliebig vielen Universen (Multiversum), die Probleme bereiten oder lösen. Offenbar sind die Menschen in Mittelengland derart beschränkt, dass niemand bemerkt, wenn Gäste sich unschlüssig verhalten oder seltsame Dialekte sprechen. Auch über Sitten und Gebräuche erfährt man nichts, hier gäbe es doch gerade literarisches Konfliktpotential, das wunderbar unterhaltend wäre. Doch alle Ansprüche verlaufen im plappernden Nichts.

Genauso einfach ist der Plot bei Adam Frosts Mein supercooles Buch über mich. Obwohl ich also schwerste Bedenken hatte, wurde ich hier sehr positiv überrascht. Es gibt kein Thema, keinen Inhalt. Dieses Buch ist einfach nur als Gag gedacht. Und er funktioniert. Flachwitze vom Papa, alle superpeinlichen Kosenamen der Mutter, überhaupt alles unangenehme der Familie kann hier aufgetragen oder eingetragen werden.

Kluger Witz

Dabei finde ich es schlau, wie Frost mit dem Intellekt der Kinder spielt. Ich würde das Buch vor allem Grundschulkindern empfehlen, alle anderen sind zu alt dafür. Es gibt eine Seite, auf der kann man eintragen, wo der Wohnsitz ist. Erst eine Landkarte von Deutschland, dann von Europa, dann der Welt und des Universums. Wie lange kann ein Kind seinen Wohnort identifizieren? Ist das nicht nett? Ganz zu schweigen von der Peinlichkeitsskala für Eltern: Bin ich nur superpeinlich oder schon zum Schreien peinlich? Hm.

Umfragen, die keiner braucht: Wie kitzelig man ist, wieviele Fusseln im Bauchnabel grad drin sind, welche Tiere am ekligsten sind. Sofort fangen Kinder an zu kichern und zu kritzeln. Auf Autofahrten, im Urlaub, an Regentagen oder einfach so gegen Langeweile. Ich habe das Gefühl, dass mit diesem Buch viel anzufangen ist. Es ist wirklich supercool! Mein Exemplar wandert auf den Gedankenstapel für lustige Geschenke, die ein Geburtstagskind kriegen kann. Vielleicht noch in Kombination mit einem Stift?

Titelangaben:

Adam Frost: Mein supercooles Buch über mich.

Berlin: Duden Verlag, 2018. 160 Seiten. 6,99 €.

Petra Mattfeldt: Multiversum. Die Rückkehr.

München: Buntstein, 2016. 192 Seiten. 9,99€.

Road Trip VII – León

Bei all dem Trubel um mich herum komme ich kaum hinterher.  Deshalb rührt mich das Bild von Jakob so, der in einer stillen Minute sich einen Fleck fernab vom Chaos gesucht hat, um dort unter dem Baum zu spielen. So kommt es zum heutigen Titelbild.

Nicht nur die Apfelernte beschäftigt mit, auch die Schule hält mich auf Trab. Nicht nur die meiner Kinder, ich selbst drücke auch die Schulbank und bin gespannt, ob ich noch was dazu lernen kann. Mal sehen. In den wenigen Stunden zuhause versuche ich, das Chaos im Zaum zu halten.

Als wir in León waren, konnten wir unsere Familienzeit sehr genießen. Ich bin so froh, dass wir diesen unglaublichen Urlaub miteinander hatten. León sieht man an, dass es einmal die Hauptstadt des kastilischen Königreiches war. Immer noch ist es eine große Stadt, mit einer Universität und einer Musikakademie. Die Gebäude sind herrschaftlich, Skulpturen schmücken die Stadt. Hier gibt es auch die schönsten Kreisverkehre, wie meine Kinder festgestellt haben. Und die müssen es schließlich wissen. Ich liebe Kreisverkehre! Einige so sehr, dass wir gleich mehrere Runden gedreht haben….

In León waren wir zwei Nächte. Und weil ich nicht besonders eitel bin und keinen Termin beim Friseur oder zum Schminken brauchte, hatten wir mehr Zeit für die Stadt als viele andere Hochzeitsgäste. Zum Beispiel konnten wir uns die Kirche schon mal ansehen. Ist sie nicht schön mit dem goldenen Hochaltar?

In León ist es überhaupt kein Problem, wunderbar für kleines Geld Tapas essen zu gehen. Wir hatten nur Schwierigkeiten mit der Siesta, weil wir bis zum Schluss nicht geblickt haben, dass ganz León zwischen 13 und 18 Uhr die Gehsteige hoch klappt. Aber wir konnten ja üben. Die Innenstadt war wunderschön und wir waren erstmals nicht als Touristen unterwegs, sondern als Hochzeitsgäste.

Ist das Brautpaar nicht wunderschön? Ich finde, mein Bruder hat sich eine tolle Frau erwählt! Alle Kinder hatten Rot und Weiß an ihren Kleidern, als Zeichen der kastilischen Braut. Wenn Ihr die Bilder genau anseht, wisst Ihr sicher schnell, welcher Gast mir besonders gut gefallen hat! Mit meinem Abendkleid und Tuch war ich richtig underdressed, kaum zu glauben! Aber schließlich bin ich auch nicht die Hauptperson gewesen.

Es wurden Rosenblüten gestreut und Luftballons in die Freiheit entlassen. Wunderschön!

 

Abends feierten wir in einem Restaurant mit Innenhof und Brunnen. Brrr – Nachts wird es in León richtig kalt! Da half nichts, außer auf die Tanzfläche zu stürzen. Um vier Uhr früh hat mein Mann Charlotte und mich von der Musik weggezerrt. Frechheit. Meine Schwägerin hat erzählt, dass der Rest der Gäste um halb sieben zum Aufbruch gedrängt wurde. Spanische Sitten. Am meisten hat uns die Oma der Braut fasziniert, die mit 94 Jahren bis 6 Uhr früh durchgehalten hat. Respekt!

Am nächsten Tag gab es auf der Anlage noch einmal ein Familienfrühstück. So könnt Ihr alles bei Tageslicht sehen!

In der Zwischenzeit habe ich so viele Jeans zerschnitten, dass ich wieder mit einer Heißklebepistole eine Schnecke gedreht habe. Ein prima Untersetzer, der nun in den Laden wandert!

Und zum Creadienstag, zu HoT, zu Dienstagsdinge und zu Gusta!

 

 

Neu Gelesen

Julia Hofstetter: Stadtgeiss. Vom Leben mit Ziegen in der Stadt.

Michel Beauvais: Hütten, Zelte, Tipis. Mit 50 Anleitungen zum Selberbauen.

Moderne Robinsons

Eine unglaubliche Flut an Büchern äußert sich zu Selbsterfahrung, Survival, Grenzerfahrung, Naturnähe. Nicht nur für Erwachsene, auch für Kinder scheint die Natur mittlerweile ein Mysterium zu sein. Offensichtlich wollen wir zurück zu Mutter Natur. Julia Hofstetter erzählt in Stadtgeiss. Vom Leben mit Ziegen in der Stadt , wie Ziegen die Züricher Innenstadt aufpeppen, während Michel Beauvais in Hütten, Zelte, Tipis. Mit 50 Anleitungen zum Selberbauen rudimentäre Behausungen zum Bauen vorstellt.

Dass ich kein ausgesprochener Ziegenfan bin, ergibt sich aus der Tatsache, dass ich einige Obstwiesen bewirtschafte und mich schon ärgere, wenn die Rehe an den jungen Bäumen nagen. Ziegen? Nein danke! Trotzdem hat mich interessiert, was Julia Hofstetter mit den eigenwilligen Diven so anstellt. Die Biologin bewirtschaftet mit einem eigens gegründeten Verein eine Almende in der Stadt. Für Groß und Klein entsteht so eine Oase mitten in der Metropole.

Aussteiger für einen Tag

Hofstetter liebt ihre Stiefelgeissen sehr, das sieht man gleich am Buch. Die Begeisterung, mit der sie von ihren Ziegen spricht, springt schnell auf die Leser über und ehe man sich versieht, weiß man schon etwas mehr über die hörnertragenden Zeitgenossinnen. Der Stadtgeissverein besteht aus vielen engagierten Menschen, die Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit bieten, mitten in einer Stadt etwas von ursprünglicher Natur mitzunehmen.

Der Reiz besteht sicher darin, keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Ziegenhirt für einen Tag, welches Kind fände das nicht toll? Hofstetter kooperiert mit Kindertageseinrichtungen und Schulen, um möglichst viele Menschen eine tolle Erfahrung zu garantieren. Als offenes Angebot darf jeder, der will, kommen. Und die anderen? Im Buch wird viel über Ziegen erzählt und um die Natur herum gekocht. Das kann man sich mitnehmen und Lust auf Ziegen bekommen. Ohne zu vergessen, dass die Ziegenwiese nunmal in Zürich liegt.

Waldläufer

Was, wenn beim Wandern plötzlich die Nacht hereinbricht und im Wald geschlafen werden muss? Für diese absolut unwahrscheinlichen Fall hilft Michel Beauvais weiter. Sein Hütten, Zelte, Tipis. Mit 50 Anleitungen zum Selberbauen stellt verschiedene Möglichkeiten vor, mit natürlichen Materialien und ohne viel Hilfe alles vom Unterstand bis zum Gartenhaus zu bauen. Meist braucht man dafür nicht mehr als ein Taschenmesser und eine Schnur.

Beauvais steht in unübersehbarer Nähe zum angesagten Survivaltraining. Offensichtlich hat er sich von alten Kulturtechniken inspirieren lassen. Laubhütten, Baumhäuser, Felsunterstände, Rundhütten, Iglus. Alles, was irgendeine Kultur als Unterschlupf genutzt hatte, wird ausführlich erklärt und nachgebaut. Echte Waldläufer werden also einen Schatz heben. Doch selbst Eltern, die einfach mit ihren Kindern einen vergnüglichen Tag erleben wollen, werden bedient.

Kindertaugliches Survivaltraining

Bohnen- oder Weidentipis für den Garten kennen viele. Doch selten habe ich eine derart detaillierte Bauanleitung gefunden, die noch dazu – zur Freude aller Mathematiker – auf eine verallgemeinerbare Formel frei nach Pythagoras reduziert wurde. Wer mag, findet auf den letzten Seiten sogar noch Bauanleitungen für die Möblierung seines Unterschlupfes. Steinzeitliche Künste stellen dabei uns moderne Stadtmenschen vor große Herausforderungen. Schön, zu sehen, was wir schon wieder verlernt haben.

Beide Bücher widmen sich der wilden Seite nicht nur der Natur, sondern vor allem des Menschen. Wie kommt es, dass wir so sehr vergessen haben, woher wir kommen und wovon wir ein Teil sind? Hofstetter und Beauvais erinnern uns an alte Wurzeln, die viele längst begraben wollten. Wer mag, lässt sich anstecken und wird ein bisschen wilder.

Titelangaben:

Julia Hofstetter: Stadtgeiss. Vom Leben mit Ziegen in der Stadt.

Aarau: AT-Verlag, 2017. 128 Seiten. 25 €.

Michel Beauvais: Hütten, Zelte, Tipis. Mit 50 Anleitungen zum Selberbauen.

Aus dem Französischen von Sybille Segovia.

Aarau: AT-Verlag, 2016. 192 Seiten. 19,95 €.

Road Trip VI – Bilbao

Bilbao. Was soll ich sagen – Friederike will hier mal wieder wohnen. So eine tolle Stadt, von der wir viel zu wenig gesehen haben. Als wir eintrafen, regnete es und auch am folgenden Tag war der Himmel bedeckt. Wir waren in einem Hotel außerhalb der Stadt und wollten ins Guggenheim Museum. Ich wollte dahin. Johann hatte in einem Schulprojekt einen Bauzaun für unseren örtlichen Modekonzern bemalt und die Klasse hatte einen Art Pass für 2018 bekommen. Und darauf stand das Guggenheim Museum in Bilbao. Hallo? Natürlich wollte ich dahin.

Wir parkten in einem Parkhaus nicht weit weg und fanden, was schon die Rezeptionistin zu uns gesagt hatte: Im August sind die Spanier nicht in den Städten. Kein Parkplatzproblem, auch nicht in einer Großstadt. Irre, oder?

Wir liefen den Fluß entlang zu Fuß zum Museum. Norman Foster hatte die Innenstadt von Bilbao neu geplant und man sieht das. Großzügig geschnitten, sogar die Treppenaufgänge sind breit geschwungen und mondän. Nirgends steigt man nur Stufen hoch, eine Flusspromenade wird zum Kunstparcours, die Universität sieht aus wie ein klassizistisches Schloss. Wunderschön!

Vom markanten Bau des Guggenheim Museums muss ich nicht reden. Überall Kunst, davor der schönste Spielplatz, den man sich wünschen kann. Mein Mann hat sich für die Karten in die Schlange gestellt, ich war mit den Kindern auf dem Spielplatz.

Jakob hat sich in seine Klappergestelle verliebt und wir anderen haben uns vor Big Mama geekelt. Überall Jeff Koons, Ai Weiwei, drinnen auch Chagall und Joana Vasconcelos . Unglaublich. Wir blieben ewig, obwohl wir am selben Tag noch nach Leon wollten.

Später haben wir uns in einem spanischen Supermarkt mit regionalen Leckereien eingedeckt und hinter Bilbao ein Picknick am Atlantik gemacht. Einfach aus dem Fenster geschaut, da hat es uns gefallen und da sind wir ans Meer. Rauh und stürmisch, etwas beunruhigend, aber sehr schön.

Erst um vier sind wir über das Gebirge und durch die Rioja nach Kastilien durchgefahren. Leider. Denn zum ersten Mal auf unserer Reise ließen uns das Navi und Google im Stich. Um 21 Uhr trafen wir das Brautpaar in La Ciena, erst um Mitternacht waren wir in León. Was für ein Tag!

Und nun? Mittlerweile habe ich wieder ein Geschenk für ein Baby gemacht. Diesmal zerschnitt und zerfaltete ich ein heißgeliebtes Kinderbuch meiner Mädchen und machte ein Leporello daraus. Für Briefe ans Baby, Unterlagen, Glückwunschkarten. Nettigkeiten.

Verlinkt mit: Creadienstag, HoT, Dienstagsdinge, Gusta!

 

Neu Gelesen

Marjolein Holtkamp: Wildkräuter. Entdecken, Erkennen, Verarbeiten.
Steffen G. Fleischhauer, Astrid Süßmuth: Wildwachsende Heilpflanzen einfach bestimmen.

Es lebe der Wildwuchs

Das Gute liegt schon nah – schon Goethe hat darüber fabuliert. Wer bei einem ausgedehnten Spaziergang durch Wald und Flur die Augen aufmacht, darf erfahren, wie nah das Gute tatsächlich liegt. Marjolein Holtkamp hat für LV-Buch über Wildkräuter. Entdecken, Erkennen, Verarbeiten geschrieben. Steffen G. Fleischhauer und Astrid Süßmuth geben für den AT-Verlag Wildwachsende Heilpflanzen einfach bestimmen heraus. Wer braucht welches Buch?

Ich beginne mit der hübschen nostalgischen Ausgabe von Holtkamp. Schöne Zeichnungen zieren das Deckblatt, ein praktisches Plakat hilft unterwegs, es gibt hinlänglich Platz für Notizen und jede Menge Wissenswertes über Heilkräuter. Gerade für Sammler, die neu einsteigen, ist das Büchlein ideal. Im Anhang finden sich auch Rezepte für Teezubereitungen oder Duftmischungen. Das ist vielleicht etwas allgemein gehalten, reicht aber für Beginner.

Nicht ganz schlüssig
Ich muss zugeben, trotz der schönen Aufmachung stört mich Einiges. Holtkamp schreibt über Wildkräuter, für mich haben da Oregano oder Thymian und Lavendeln nichts zu suchen. Schließlich wachsen sie bei uns nicht wild. Weshalb schreibt sie darüber? Wer bei uns am Straßenrand Salbei findet, darf sich gerne bei mir melden! Zudem wird zwar viel zur Namensherkunft und Verwendungsgeschichte geschrieben, Rezepte für die jeweiligen Kräuter finden sich nur im Ansatz.

Wer also über den Ansatz »Mit Kastanien kann man waschen« hinaus ist, wird nicht ganz glücklich. Neueinsteiger jedoch schon, weil sie sehr komprimiert Wichtiges über die jeweilige Pflanze erfahren. Leider hat Holtkamp einen redaktionellen Fehler im Buch: Königskerze und Nachtkerze werden verwechselt, bzw. statt Königskerze Nachtkerze geschrieben. Egal, wie ähnlich die Namen klingen, sind es dennoch zwei verschiedene Pflanzen. Schlecht lektoriert? Das geht gar nicht!

Hand und Fuß
Dagegen werden bei Fleischhauer und Süßmuth vor allem alte Hasen glücklich. Die Auswahl beschränkt sich zwar auf nur fünfzig Pflanzen, die werden aber sehr gründlich vorgestellt. Große Fotos, detaillierte Beschreibung, Standort, Inhaltsstoffe, verwendbare Pflanzenteile, Sammelzeit, Heilwirkung, Nebenwirkungen, Verwendung in der Hausapotheke, Rezepte, Verwechslungsmöglichkeiten und weiterführende Quellen zu jeder Pflanze lassen keine Wünsche offen.

Dabei sind die Rezepte allesamt durchführbar, ich brauche also kein Pharmaziestudium, um die Heilwirkung zu nutzen. Einsteiger werden die Lektüre vielleicht etwas zu detailliert und mühsam finden, ich habe dagegen das Gefühl, meinen heiligen Gral gefunden zu haben. Besonders gefällt mir an Fleischhauers Kompendium, dass die Heilpflanzen nach Standort sortiert wurden. Also Wegränder, Wald, Wiese, Heide und so weiter.

Geschenk und Eigennutz
Wäre Holtkamp nicht der fatale Lapsus mit der Nachtkerze unterlaufen, würde ich sagen, ihr Kräuterbuch ist ein wundervolles Geschenk für alle, die mal hineinschnuppern wollen in die Welt der Kräuter. Wer weitgehendere Absichten hat, sollte jedoch zum ausführlicheren Buch von Fleischhauer und Süßmuth greifen, es gibt dort einfach mehr zu Lernen.

Literaturangaben:
Marjolein Holtkamp: Wildkräuter. Entdecken, Erkennen, Verarbeiten.
Übersetzt von Elke Adams.
Münster: LV-Buch 2018. 128 Seiten. 14 €.
Steffen G. Fleischhauer, Astrid Süßmuth: Wildwachsende Heilpflanzen einfach bestimmen.
Aarau: AT-Verlag 2018. 288 Seiten. 20 €.